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05.
Mai '17

Der Focus glänzt mal wieder mit Wissen über die Private Krankenversicherung – nicht


Eigentlich habe ich mir abgewöhnt falsche und unsinnige Aussagen in Presseerzeugnissen zu kommentieren, dieses „tote Papier“ ist leider sehr anfällig für „schnelle Recherche“ und reißerische Aussagen, was nicht bedeutet es wäre im Internet anders. Als ich heute am Flughafen an einem Zeitungsstand vorbeilief, fiel mir dieser Titel der aktuellen Ausgabe des „Focus Magazins“ auf, mit dem Titel:

„Zwei-Klassen-Medizin … und wie Sie trotzdem die perfekte Behandlung bekommen“

(c) Focus, Titelbild der Ausgabe vom 29.04.2017

Ergänzt wurde das Cover dann noch mit einem gelben Sticker „113 Versicherer im Test – Was Ihre Kasse jetzt noch zahlt“.

Hier geht das Elend schon wieder los. Was ist die Intention? Um was wird es wohl in dem mehrseitigen Artikel und der langen Tabelle gehen? Um Krankenversicherer, also private? Oder doch um Krankenkassen, also gesetzliche?

Und warum eigentliche „Was Ihre Kasse jetzt noch zahlt“, ich kann mich nicht erinnern, es habe gerade jetzt eine größere Kürzung oder Leistungsreduktion in der gesetzlichen Kasse gegeben? (Eher Veränderungen zu Gunsten der Versicherten, im Heil- und Hilfsmitelgesetz) Aber gut, der Autor oder besser die beiden Autoren, Kurt-Martin Mayer und Matthias Kowalski, werden sich schon etwas dabei gedacht haben. So ein Titel bringt vielleicht Leser, Leser die etwas über die Unterschiede der einzelnen Versicherer erfahren möchten und sich Hilfe bei der Auswahl erhoffen.

Da es bekanntlich unhöflich ist, eine Zeitung schon „ungekauft“ um Geschäft zu lesen, wird der eine oder andere diese 4,20 Euro sicher investiert haben. Kleiner Tipp falls noch nicht geschehen- lassen Sie es bleiben.

Allein der Anspruch in einem Artikel einen sinnvollen Vergleich anstellen zu wollen, einen mit den Leistungen der 113 Krankenkassen, wovon Sie eine Reihe nur nutzen können falls Sie in bestimmten Bundesländern leben, ist leicht irrwitzig. Aber vielleicht erwarten Sie ja auch etwas anderes? Eine Erklärung warum es zur Zwei-Klassen-Medizin kommt, eine Aussage zu den privaten Versicherungen und deren Tücken, dann haben Sie leider etwas hohe Erwartungen und wissen wohl um den Unterschied zwischen privaten Versicherungen und gesetzlichen Kassen, vielleicht mögen Sie es den Autoren einmal schreiben.

Einen Tarifvergleich kann man nicht in eine Zeitung pressen, Unterschiede zu Systemen und Informationen über die Modelle der beiden Wege im Gesundheitswesen, der gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherung aber schon. Nach einer nichtssagenden Titel-Doppelseite auf 73 und 74 geht es auf Seite 75 nun los mit dem Text.

Los geht es schon vor dem Text mit einem Klischeebild. Ein Wartezimmer im Look einer Zigarrenlounge, eines welches (so die Bildbeschreibung) ein Berliner Zahnarzt für seine Privatpatienten anbietet. Klar gibt es sowas, kenne ich aus eigener Erfahrung. Aber ist das ein Grund so meinen Zahnarzt auszuwählen? Sicher nicht! Wer meinen Artikel zu der Versorgung mit Implantaten gelesen hat,

LINK: Implantate, Narkose und die Erfahrung und Erstattung der PKV

der hat auch gesehen, was der Arzt dort abgerechnet hat. Keinen Höchstsatz, keinen Schnickschnack und dennoch hat er (so ein Kollege) eine sehr gute Arbeit abgeliefert und eine durchaus ansehnliche Praxis, einen OP, aber eben kein Zigarrenzimmer. Wer darauf Wert legt, der kann dieses aber natürlich nutzen. Am Ende sind es Komfortleistungen für die bezahlt wird/ werden muss. Ein Berliner Orthopäde bei dem ich einmal war, hatte zwei Wartezimmer, eines für PKV Versicherte und Selbstzahler und eines für GKV Patienten. Warum? In dem einen stellte er Kaffee und Softdrinks kostenfrei, im anderen selbige gegen Bezahlung zur Verfügung. Es ist am Ende eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Eine zwingend erforderliche Dienstleistung ist es sicher nicht.

Nach der Geschichte über die Brustkrebspatientin und den Gentest (den so die meisten Kassen nicht bezahlen (dürfen), geht es dann weiter.

Zwei Rubriken oder Spalten fallen mir auf den ersten Blick auf, überschrieben mit:

Für wen lohnt sich die private Krankenkasse?

und

„Für wen lohnt sich die gesetzliche Krankenkasse“

Abgesehen davon, dass schon der Ansatz falsch ist, es geht eben nicht um lohnen. Also um „mehr raus zu bekommen“ als einzuzahlen, es geht um eine passende Absicherung der Leistungen, die mich privat an meine finanzielle Grenze bringen und diese übersteigen.

Die Besonderheiten der Privaten Krankenversicherung

Daher geht es auch in der privaten Krankenversicherung nicht um Brillenleistungen oder ein Krankenhaustagegeld, es geht um elementare und wichtige Leistungen bei schweren Unfällen, dauerhaften Erkrankungen und hohen kosten. Mehr dazu habe ich aber schon in meiner Rubrik

Auswahlkriterien für die Private Krankenversicherung

erklärt und zusammengefasst. Doch der Focus glänzt nun unter der Überschrift „wann sich die private KV lohnt“ mit falschen Aussagen.

„Beamte müssen sich (noch) privat versichern, Selbstständige und Besserverdienende haben die Wahl.“

Ach ja? und warum „noch“? Alle derzeit angedachten Änderungen und Pläne gehören in die Schublade „Wahlkampf“. Davon habe ich in meinen 20 Jahren in der Tätigkeit schon einige gesehen, gelesen und wieder sterben sehen. Wo genau hat der Focus denn diese Aussage her? Auch Beamte müssen nichts. Wer als Beamter in der gesetzlichen Kasse bleiben möchte, der kann das genauso guttun. Eine Pflicht zur Privaten Krankenversicherung gibt es für Beamte ebenso wenig, für andere. (unter bestimmten Voraussetzungen und Vorversicherungszeiten kann es möglich sein, keinen Zugang zur GKV zu haben, das sind aber die Ausnahmen)
Selbstständige und Freiberufler die keine Voraussetzungen für eine Pflicht in der GKV erfüllen, können sich frei entscheiden in welches System diese wollen. Eine solche Entscheidung kann aber langfristig bindend sein und sollte daher gut überlegt sein, schrieb ich bereits im Artikel:

„Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen.“

Weiterhin kommt der Focus mit einer anderen Idee um die Ecke, einer die gleich zwei Fehler enthält. Er schreibt:

„Nur bis zu einem Alter von 35 ist ein Eintritt in die Privaten erwägenswert und nur ohne gewichtige Vorerkrankungen. Sonst drohen Behandlungsausschlüsse oder Risikozuschläge.“

Lieber Focus, einem 40jährigen, gutverdienenden Angestellten ist es nach Eurer Auffassung verboten in die PKV zu wechseln? Jetzt wo er Geld hat, jetzt wo er merkte wie wichtig ihm Gesundheit ist und vielleicht wo Entscheidungen zu Kinderwunsch und Familie gefallen sind? Diese generelle Altersgrenze ist Unsinn.

Klar gilt, je früher desto besser. Aber seien wir mal ehrlich, die Einkommensgrenzen und damit die Wahl hat der Versicherte nicht mit 18 oder 20, sondern erst später. Eine entsprechende Vorausschau und damit die Nutzung von Anwartschaften und Optionen sichert entsprechende Rechte und ermöglicht auch später eine begründete und fundierte Wechselentscheidung.

Und gleich noch etwas. In der privaten (Voll-)Krankenversicherung gibt es keine Ausschlüsse oder Beschränkungen der Leistungen durch Vorerkrankungen. Höhere Risiken werden mit einem Angebot eines Riskozuschlages ausgeglichen, aber Leistungen werden NICHT ausgeschlossen. Es wäre auch fatal, würde der Kunde mit einer Verletzung des Knies bei einem Antrag eine PKV bekommen, die „Leistungen bei Behandlungen der Knie“ ausschließen würde. Daher ist dieses- schon allein wegen der Pflicht zur Versicherung- nicht möglich. Ein fehlender Zahn bei Antragstellung kann- für den ersten Zahnersatz- ausgeschlossen werden, das ist soweit auch richtig, denn das brennende Haus ist einfach nicht mehr gegen Feuer versicherbar.

Laut Focus liegen die „Stärken der PKV“ in den Bereichen: „Zahn-Inlays, Heilpraktiker, Vitamine, Privatkliniken, weltweiter Schutz und Mehrleistungen der privaten Pflegeversicherung“.

Autsch, da hat aber einer das System so gar nicht verstanden. Zahn-Inlays, OK, das mag gerade noch so sein. Heilpraktiker auch, wobei diese ja selbst in der folgenden GKV Leistungstabelle als neue Stärke der GKV angepriesen werden.

Aber VITAMINE?? Was bitte soll das? Nahrungsergänzungen sind auch in der PKV nicht mit einer medizinisch notwenigen (und das ist zwingende Voraussetzung) Behandlung zu verwechseln. Klar gibt es Diagnosen und Stoffwechselerkrankungen, hier bekommen aber auch GKV Versicherte mit passenden Diagnosen eine Leistung.

Mehrleistungen in der Pflegeversicherung? Ja, in einer Pflegezusatzversicherung mit Pfegetagegeld, Pflegerente und Pflegekosten. Diese Zusatzversicherung ist jedoch auch für jeden gesetzlich versicherten Kunden abschließbar. Die Leistungen der Pflegepflichtversicherung sind hingegen identisch, nur die Prämien sind andere.

Stärken der Privaten liegen sicher eher in der Wahl- und Kombinationsmöglichkeit, in der Anpassbarkeit des Schutzes an den Bedarf und der Garantie der Leistungen laut Vertrag. Kein Bundesausschuss und auch kein Gesetzgeber können diese Leistungen hier reduzieren oder anpassen, wenn der Versicherte das nicht will.

Als Schwächen werden dann (zugegeben richtig) eine oft nicht transparente Beitragskalkulation und komplizierte Wechselmöglichkeiten genannt. Hier sind Berater und Versicherer gefragt und durchaus auf einem guten Weg. Warum nun hier schwache „Kurleistungen und Leistungen bei Psychotherapie“ genannt werden, nun gut. Auch hier ist die Frage: Was will ich als Versicherter? Welche Leistungen sind mir wichtig, genau die sollte ich auch absichern. Und nein, der Hinweis auf eine Vergleichsplattform ist keine adäquate Beratung. Auch Tabellen und Test sind generell hierbei ungeeignet.

Gleiche Betrachtung bei der GKV- Stärken und Schwächen

nach FOCUS Meinung.

Stark soll die GKV deshalb sein, weil diese sich „wegen der kostenlosen Familienversicherung besonders für große Haushalte rentiert“. Oh, genau das ist leider auch in vielen Bereichen das Problem. Das „Rosienenpicken“. Solange ich aus der PKV mehr raus bekomme nutze ich die, dann später die GKV? Mehr Infos dazu auch in meinem Beitrag:

„Mein Kind muss ja dann auch in die PKV“

Und für Besserverdienende lohnt sich die GKV, meint der Focus. Warum? Weil der Beitrag ab einem Einkommen von 4.350 Euro (als Grenze der Beitragsbemessung) nicht weiter steigt. Ah, super Idee lieber Focus. Blöd nur wenn die Grenze, wie in den letzten 20 Jahren, nahezu jährlich erhöht wird. Dazu kommen Zusatzbeiträge und damit steigende Höchstbelastungen in der GKV.

Die Abrechnung über Chipkarte, das Angebot von Gesundheitskursen und ein 18-Monate Wechselrecht sind tatsächlich Merkmale und teilweise sogar Stärken der GKV, unumstritten. Die PKV muss man wollen, das System PKV muss man verstehen und wollen und auch die „Mehrarbeit“ muss man verstehen, den Arzt auch einmal kritisch hinterfragen und sich im Klaren sein was genau man sich dort kauft.

Warum dann aber bei den Stärken der Privaten stand:

„Vorteile für weibliche Singles. Single-Frauen genießen in den Unisextarifen der Privaten einige Vorteile“

kann uns wohl auch nur einer der beiden Autoren erklären. Empfehlenswert hier vielleicht ein Gespräch mit einem Aktuar oder anderen Fachleuten zum Thema Kalkulation der PKV.

Aber wenigstens bei den Schwächen der GKV scheint man sich belesen zu haben. So werden Wartezeiten beim Arzt, viele Zuzahlungen, „wirtschaftliche Leistungen“ und Rentenbeiträge angesprochen. Auch der Hinweis auf die Beitragshöhe und Änderungen durch die Politik sind da, na wenigstens etwas.

Noch zur Erklärung:

Was zahlt die gesetzliche Kasse?

Regelungen welche Leistungen in der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden (dürfen) finden sich im Sozialgesetzbuch V. Dieses schreibt eine medizinisch notwenige und wirtschaftliche Versorgung vor, eine wirtschaftliche bedeutet aber auch, keine unsinnigen, umstrittenen und nicht nachgewiesenen Methoden zu bezahlen. Der große Nachteil: Der so genannte „gemeinsame Bundesausschuss“ tagt im Verborgenen und entscheidet über die Hinzunahme oder das Herausstreichen von Behandlungsmethoden für gesetzlich Versicherte. Eine Einzelfallprüfung, also eine Entscheidung für einen Patienten erfolgt so nicht, es geht eher um einen generellen Leistungskatalog. Das bedeutet aber auch, es ist ein langwieriger Prozess und nicht immer bei nachgewiesener Sinnhaftigkeit schafft es eine Methode auch in den Katalog der GKV.

Darüberhinausgehende Leistungen sind der Kasse nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. So erntete die Techniker Krankenkasse erst kürzlich einen gewaltigen „Shitstorm“ im Netz, nachdem diese Kosten für eine homöopathische Behandlung übernehmen will. Der Aufreger dabei? „Ihr verschwendet meine Gelder.“ „Ich will nicht meine Beiträge für solchen Unsinn und ohne Wirksamkeit verschwendet wissen.“ Nachvollziehbare Gedanken? Vielleicht. Aber am Ende entscheidet die Kasse nur über einen sehr, sehr kleinen Teil des Leistungskataloges. Dennoch resultieren hieraus Zusatzleistungen. Dazu zählen zum Beispiel.

  • – zuzahlungsfreie Medikamente
  • – Brillen bei Kindern für den Sport
  • – Mehrleistungen bei Kieferorthopädie
  • – erweiterte Kostenübernahme bei Vorsorgeuntersuchungen
  • – Mehrleistungen bei künstlicher Befruchtung
  • – Zuschuss zu alternativer Medizin
  • – Gesundheitskurse
  • – Osteopathie und vieles mehr

Dazu bieten verschiedene Kassen besondere Services an. Kooperationsärzte mit schnellen Terminen, Hilfe bei dem Einholen einer Zweitmeinung, Hebammenzuschüsse und vieles mehr, aber alles im Vergleich zu den normalen Leistungen eher ein kleiner Teil. Durch solche Leistungen heben sich Kassen von den anderen ab, bieten einer bestimmten Zielgruppe bestimmte Leistungen.

Die dann aufgestellte Tabelle bewertet in Rubriken die allgemeinen Services, digitale Zusatzleistungen, Spartarife und Mehrleistungen und listet einige Besonderheiten der Kasse auf. Eine Hilfestellung wer eine neue Kasse sucht? Ja- eine kleine. Dennoch wird es schwer all diese Leistungen in eine Tabelle zu pressen, daher haben Vergleichsportale und digitale Assistenten bei der Kassenauswahl die Nase hier vorn. Ein Beispiel? Der Kassenfinder…

Auch zu dem Thema

„Wie komme ich aus der privaten Versicherung wieder heraus“

haben die Autoren eine eigenwillige Meinung.

So schrieben sie auf der Seite 78 in der weiteren Spalte dann auch gleich:

„Wer längere Zeit weniger als 57.600 € verdient“ kann zurück in die GKV. Der Satz „Umstritten ist, wie lange man unterhalb dieser Grenze bleiben muss. Ein Jahr kann dafür reichen, manchmal sind zwei gefordert“

Manchmal? Kann reichen? Was genau ist an einem Gesetz, den Hinweisen des GKV Spitzenverbandes und klaren Aussagen nicht zu verstehen? Nach Eurer Auffassung lieber FOCUS ist es Würfeln? Also mal ein, mal zweimal weniger Jahre?

Artikel: Änderungen der GKV und Hinweise dazu

Schade, ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung, hat mal jemand gesagt (ich habe vergessen wer). Wird eine Versicherungspflicht ausgelöst, dieses kann auch durch einen Tag Arbeitslosengeldbezug passieren“, kann gem. SGB V danach die Weiterversicherung erklärt werden. Diese Weiterversicherung ist an Voraussetzungen und Vorgaben gebunden,welche im Paragraphen 9 des Sozialgesetzbuches V geregelt sind. Natürlich sind reine Umgehungstatbestände notfalls rechtlich zu prüfen, aber die Aussage im Artikel ist so schlichtweg Unsinn. Auch die Aussagen zur Familien-GmbH und zur Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit (die dann laut Artikel nach einem Jahr eine Familienversicherung ermöglicht) ist so leider… Unsinn!

Mit dem Thema Versicherungspflicht und die Rückkehr in der GKV sind Spezialisten und Experten über Wochen pro Fall beschäftigt, Ihr glaubt doch nicht ernsthaft das mit drei bis fünf Sätzen in einem Artikel unterbringen zu können und dann auch noch mit wenigen richtigen Aussagen?

Ein Artikel den „Mann und Frau“ getrost nicht lesen braucht

Was nutzen Informationen die schlichtweg falsch und ungenau sind und was helfen diese bei der Findung der richtigen Entscheidung? Nichts. Daher, lassen Sie die Finger von dem Artikel. Kaufen Sie sich für die 4,20 Euro dieses FOCUS einen Kaffee, setzen Sie sich in die Sonne und genießen Sie den Frühling. Oder gehen Sie ein Eis essen, Eis ist übrigens immer gut. 🙂

Bei Fragen zu so wichtigen Themen, lebenslangen Entscheidungen, fragen Sie bitte Experten und Menschen die sich damit auskennen, diese Autoren gehören wohl noch nicht dazu, aber vielleicht haben ja auch diese jetzt Neues gelernt.

21.
Juli '15

Stiftung „Dilettanztest“ mit neuem Test zur Berufsunfähigkeit in der Ausgabe Finanztest 08/2015


Stellen Sie sich vor, jemand tut etwas was er nicht kann, dann würde man diesen vielleicht als unfähig bezeichnen. Jemand der weiß „er kann etwas nicht“ und es dennoch tut, der ist wahrscheinlich dumm. Selbst die meisten Dummen sind einsichtig, wenn man ihnen dann begründet darlegen kann was sie falsch gemacht haben. Nehmen wir nun aber an, es gibt jemanden der etwas nicht kann, es dann trotzdem tut, auf seine Fehler aufmerksam gemacht wurde und es jetzt doch wieder (falsch) macht. Wie würden Sie diesen nennen? Der Begriff dafür lautet: Finanztest.

Es ist etwas mehr als zwei Jahre her, da hat Finanztest einen Test zu Berufsunfähigkeitsversicherungen veröffentlicht und ist damit in der Öffentlichkeit gehörig auf die Nase gefallen. Da waren nicht nur elementare Fehler im Test, sondern es waren falsche Annahmen, unhaltbare Aussagen, schlimme Empfehlungen, die den Leser beim Befolgen der Ratschläge und Tipps finanziell ruinieren, ohne das FT dafür haften müsste. In dem Test zur Berufsunfähigkeitsversicherung (–> Test Juli 2013) in der Juli Ausgabe 2013 waren (noch) 75 % der getesteten Tarife sehr gut.

Im Jahr 2014 gab es keinen neuen Test zur Berufsunfähigkeit, da hat man sich an der Krankenversicherung versucht, was leider nicht wirklich besser ausging. In dieser Ausgabe (08/2015) will man es nun wieder wissen und testet erneut die BU-Tarife und schreibt gleichzeitig über die private Krankenversicherung, dazu aber mehr in einem anderen Beitrag.Finanztest_BU_8-2015_ - 4

Aufhänger zu Beginn des Artikels sind (laut Finanztest) nicht versicherbar Berufe die angeblich keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen. Darunter Musik- oder Sportlehrer, aber auch Yogalehrer, Filmausstatter und andere. Vielleicht hätte Finanztest jemanden fragen sollen der sich damit auskennt, unter Umständen wäre dann ein anderes Ergebnis herausgekommen. Natürlich gibt es Berufe die gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit nicht versicherbar sind. Finanztest schreibt jedoch einschränkend, dass diese Berufe „jedenfalls nicht bei der sehr großen Versicherungsgesellschaft, deren Annahmerichtlinien Finanztest einsehen konnte“ versicherbar sind. In den Test versucht man sich dann wieder an Musterkunden, jedoch sind plötzlich nur noch „mehr als die Hälfte der 70 Angebote im Test“ mit sehr gut bewertet. Ob die anderen einfach nur schlechter geworden sind? Ob die Kriterien andere sind? Dazu später jedoch noch etwas mehr.

Bei dem Tipp von Finanztest den Beitrag jährlich zu zahlen, hat  man- nur so nebenbei- vergessen zu erwähnen, dass natürlich jetzt auch eine längere Kündigungsfrist gilt, dass aber nur am Rande. Ein Versicherter mit einer monatlichen Zahlweise, welcher merkt dass ein Schutz vielleicht doch nicht so optimal war Finanztest heute behauptet, kann damit auch „schon“ nach einem Jahr wechseln, wäre natürlich auch blöd wenn das mit Monatsfrist ginge. (–> Erklärung zur BU Kündigung) Zudem schreibt FT in den FAQ auf der Website:

„Eine ordentliche Kündigung ist in der Regel zum Ende der Vertrags­lauf­zeit zulässig, danach jähr­lich mit einer Frist von drei Monaten. Beachten Sie bitte, dass der Abschluss des Neuvertrags nicht zur außer­ordentlichen Kündigung berechtigt.“

Also kann der Kunde erst zu seinem 67. Lebensjahr kündigen? Vielleicht hätte man die Versicherungsbedingungen doch erstmal lesen sollen.

Die Modellkunden für Finanztest sind wieder einmal ein Industriemechaniker und die Arzthelferin, natürlich gehört auch der Diplom-Kaufmann dazu. Und schon auf der ersten Seite des Tests gibt es nun „Unser Rat“. Schon hier geht es mit dem Unsinn weiter, den ich vor zwei Jahren schon kritisieren musste. Bei der Rentenhöhe wird dem Kunden geraten zu überlegen „wie viel Geld Sie jeden Monat zur Existenzsicherung brauchen“. Auch diesmal wieder kein Wort darüber, dass eine Altersvorsorge weiter betrieben werden muss, dass keine Beiträge mehr in die gesetzlichen Rentenkassen fließen und daher (je nachdem wann die Berufsunfähigkeit eintritt) monatlich hohe Beiträge aufgewendet werden müssen Rentenansprüche im Alter zu erhalten. Hier wird wieder einmal der Eindruck erzeugt, einfach die monatlichen Fixkosten zu nehmen und daraus abzuleiten wie hoch die BU-Rente sein muss. Schlimmer wird es jedoch im zweiten Absatz.

„Orientieren Sie sich an den Preisen für unsere Modellkunden und wählen Sie einen günstigen Tarif aus.“

Trotz der zahlreichen, begründeten Kritik vor zwei Jahren schert es Finanztest überhaupt nicht und es kommt wieder zu Aussagen, die so nicht funktionieren. Warum wohl verbringt ein qualifizierter Berater bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung Stunden über Stunden damit, den passenden Tarif zu finden, die richtige Berufsgruppe (und damit die Beitragshöhe) zu bestimmen? Bei Finanztest glaubt man das könne man mit einem Blick in die Tabelle? Die angeblichen „Testsieger“, die mit einem  „sehr gut“ bewertet und zudem billig sind, sind diesmal Provinzial Rheinland, die Europa und die Condor. Es macht natürlich auch ungeheuer viel Sinn, als Testsieger einen Versicherer zu küren, welche nur regional eingeschränkt in einem kleinen Teil Deutschlands tätig ist, vielleicht sollte Finanztest darüber nachdenken Ihrer Zeitschrift auch nur dort zu verkaufen.

Im dritten Absatz des gelben Kastens (Seite 67 der Zeitschrift) wird es immer schlimmer. Hier folgt dann der Ratschlag, der Kunde möge doch mehrere Angebote parallel einholen. Kunden die älter als 40 sind, in einem Risikoberuf arbeiten oder in den vergangenen Jahren in ärztlicher Behandlung waren, die sollen „so viele Angebote“ einholen „wie möglich“. Hartnäckigkeit zahlt sich oft aus.“ Mit der zwei Euro teuren „BU-Checkliste“ soll der Kunde die Angebote schrittweise selbst durchgehen können.

Finanztest_BU_8-2015_ - 1Finanztest verschweigt auch hier wieder die immense Bedeutung der richtigen Darstellung des Berufes, die Wichtigkeit der Einstufung in die richtige Berufsgruppe und damit auch die Entscheidung darüber, der Tarif bezahlbar ist und bleibt. Es ist nämlich keineswegs so, das eine Berufsbezeichnung tatsächlich allein ausschlaggebend darüber ist, wie die Prämie aussieht. Fragen Sie also mit diesen minimalen Angaben bei einem Versicherer an, so bekommen Sie wahrscheinlich sogar ein Angebot, ob es das passende, für Sie zugeschnittene ist, das steht auf einem anderen Blatt. Hierbei geht es entscheidend darum, für den (potentiellen) Kunden ein entsprechendes Angebot auszuarbeiten und zwar so auszuarbeiten, das aus den vorhandenen Tarifen die der Markt hergibt der passende herausgefunden wird. Wer es glaubt das könne man mit einem einfachen „Angebot anfordern“ Brief an einen Versicherer erreichen, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann.

„jung und gesund“?

Dieser Dilettantismus setzt sich dann in dem schönen bunten Bild mit der Überschrift „Der Weg zum Vertrag“ fort. Nachdem sie also jung und gesund sind, kommen Sie zu Schritt zwei auf dem Wanderweg und dort rät Finanztest erneut den preisgünstigsten Schutz aus dem „sehr guten Angeboten“ auszusuchen. Je nach Beruf sollen sie sich an einem der drei  Modellkunden orientieren. Klar, Arzthelferin, Industriemechaniker und Diplom-Kaufmann, in eine dieser drei Schubladen wird ihr Beruf wohl passen, seien sie nur nicht zu anspruchsvoll.

Nicht ein einziges Wort wird darüber verloren, dass Mitarbeiterverantwortung zu einer besseren Berufsgruppen führt, dass Außendiensttätigkeiten die Berufsgruppe verschlechtert, dass Ärzte die operieren ein höheres Risiko darstellen und vieles mehr. Doch nun wird es erst recht schlimm. In dem Punkt drei auf dem Weg zum Vertrag berät in den Finanztest allen Ernstes:

„Haben Sie die Angebote gefunden, schreiben Sie mehrere Versicherer per Brief oder per Mail  parallel an. Notwendige Angaben: Alter, Beruf, Rauchgewohnheit, Laufzeit und Rentenhöhe. Wählen Sie die jährliche Beitragszahlung und als Überschusssystem die Beitragsverrechnung.“

Werfen sie zuhause bei Entscheidungen manchmal eine Münze? Genau mit dieser Wahrscheinlichkeit erhalten Sie bei der von Finanztest empfohlenen Vorgehensweise ihr passendes Angebot.

Kann klappen, muss aber nicht. Nehmen wir an, Versicherer A stuft sie aufgrund dieser Angaben in eine Berufsgruppe ein und schickt Ihnen Ihr Versicherungsangebot bis zum gewünschten Endalter. Kein Wort darüber das vielleicht die Reduzierung oder Erhöhung des Endalters eine entscheidende Rolle spielen kann. So gibt es Konstellationen wo Versicherungsschutz bis 65 statt 67 riesige Unterschiede im Beitrag bedeutet, ebenso ist es in anderen Fällen so, dass sie für zwei Jahre mehr Versicherungsschutz nur eine minimal höhere Prämie aufwenden müssen. Bekommen Sie nun die Angebote der Versicherer, so sortieren Sie vielleicht ein Unternehmen aus, was Ihnen aufgrund der falschen Eckdaten ein völlig unpassendes Angebot geschickt hat und das Unternehmen kann noch nicht einmal etwas dafür.

„Sie sind älter und haben Vorerkrankungen?“

Auch für diese Kunden hat Finanztest den idealen Tipp.

„Wenn Sie in den letzten fünf Jahren vor dem Versicherungsantrag ernsthaft krank waren oder chronisch krank sind, lassen Sie von einem unabhängigen Versicherungsberater oder einem Versicherungsmakler anonyme Risikovoranfragen stellen.“

Der angeblich junge und gesunde Kunde, zumindest der der das von sich glaubt, der soll sich allein an einen Versicherer wenden, allein Angebote einholen und ganz allein entscheiden welche Angaben zu Vorerkrankungen er macht und welche nicht. Hilfestellung, Unterstützung bei der Auswahl des entsprechenden Tarifs und der richtigen Berufsgruppeneinstufung brauche dieser nicht, schließlich ist er jung und gesund, meint zumindest Finanztest.

Das „schwierige Klientel“ soll das natürlich nicht allein machen, dafür sind dir Versicherungsmakler und Versicherungsberater dar. Obwohl es gerade in jungen Jahren elementar wichtig ist sich für den richtigen und passenden Tarif zu entscheiden, da dieser Fehler später bei gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr zu korrigieren ist und auch eine Berufsgruppeneinstufung nicht mehr so ohne weiteres zu ändern geht, trotzdem verschweigt Finanztest wie wichtig gerade hier eine entsprechende Beratung ist.

Da die gesunden Kunden dann entsprechende Anträge an die Versicherer stellen sollen, weist Finanztest daraufhin, innerhalb von 30 Tagen muss schriftlich abgelehnt werden wenn der gewünschte Schutz nun doch nicht gewollt ist. Weiterhin heißt es:

„Nur wenn ein Angebot erst mit erneuter Unterschrift gilt, ist das nicht nötig.“

Ein solches Angebot bekommt man aber nur dann, wenn der Versicherer entweder vom Antrag abweicht, einen Risikozuschlag oder gar einen Ausschluss für erforderlich hält oder es zu einer Beschränkung im Endalter kommen sollte. Das was Finanztest hier verschweigt- und das birgt ein elementar hohes Risiko für den Kunden- ist das Problem, dass es sich hierbei um einen „abgelehnten, oder mit Erschwerung angenommenen Antrag“ handelt. Bei zukünftigen Antragstellungen ist somit dieser Antrag anzugeben, welches eine neue Annahmeentscheidung nicht unbedingt einfacher macht.

Liest man weiter im Text auf der Seite 69, so weist Finanztest eher nebenbei darauf hin, dass bei Arzthelferin und Industriemechaniker die Verträge nur bis zum Endalter 65 gerechnet wurden. Als Grund gibt Finanztest hier an, dass ein Schutz bis zum 67. Lebensjahr „kaum noch bezahlbar“ ist. Diese (wieder einmal pauschale) Aussage ist so schlichtweg falsch. Natürlich kostet ein Versicherungsschutz mit zwei Jahre längerer Laufzeit mehr Geld, da der Versicherer in diesen beiden Jahren aber auch Prämien einnimmt, sind die Unterschiede in den Monatsbeitrag oftmals gar nicht so groß und hängen sehr stark vom Einzelfall ab. Die Andeutung, dass für Arzthelferinnen und Industriemechaniker generell das 65. Lebensjahr ausreichend ist, ist Unsinn. Auch der darunter stehende Tipp ist nicht besser, empfiehlt Finanztest doch nun:

„Bleiben Sie im Zweifel flexibel bei der Rentenhöhe. In einigen Berufen haben Versicherer eine Höchstrente festgelegt.“

Gegen eine gewisse Flexibilität bei der Auswahl des Versicherers ist überhaupt nichts einzuwenden, problematisch ist jedoch das oftmals die Renten schlichtweg zu klein sind. Darauf weist auch Finanztest in dem grauen Kasten hin. Dort werden einige Hinweise zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente gegeben und es wird erklärt, dass die durchschnittliche Rente mit 661€ zu niedrig ist.

Im nächsten Teil wird es (was die Empfehlungen betrifft) gleich wieder deutlich schlimmer. Dort beschäftigt man sich mit der Differenz zwischen dem Bruttobeitrag und dem Betrag, den der Kunde zahlt (Nettobeitrag). Nach einer kurzen Erklärung wie der Unterschied zu Stande kommt, nämlich das vom Versicherer erwirtschaftete Überschüsse berücksichtigt werden und dadurch der Zahlbeitrag sinkt, empfiehlt Finanztest: „den Nettobeitrag zu vergleichen“.

Auch wenn auf das Risiko das dieser steigen kann hingewiesen wird, halte ich diesen Tipp für fatal. Nachdem es durchaus Unternehmen gibt (zum Beispiel CosmosDirekt, HUK Coburg, WWK etc.) wo zwischen diesen beiden Beiträgen 100% und mehr Unterschied liegen können, kann die Auswahl des Versicherers nach dem Nettobeitrag weitreichende Folgen haben. So verlangt die HUK Coburg für den Diplom-Kaufmann 886€ netto, im Gegenzug aber 2.188€ brutto pro Jahr. Nehmen wir stattdessen als Beispiel die (ebenfalls mit sehr gut bewertete) Gothaer, so sind hier zwar mit 916€ etwas höhere Nettobeiträge fällig, jedoch verringert sich der Bruttobeitrag hierbei um 855, auf 1.333€. Würde der Interessent nur die Nettobeiträge (wie von Finanztest empfohlen) vergleichen, so erkauft er sich mit einer Ersparnis von 30€ pro Jahr ein zusätzliches Risiko von deutlich über 1.300€. Ist es das wert?

„Zu krank für einen Vertrag“

Kommen wir nun zu den Gesundheitsfragen, hat sich Finanztest wohl gedacht. Neben (angeblich generellen) Ausschlussdiagnosen wie Rheuma Diabetes Typ I führen verschiedene Erkrankungen zu Einschränkungen,  Zuschlägen oder gar Ablehnungen. (in meinem –> Beitrag zu Leistungsausschluss und Zuschlägen finden Sie mehr Informationen dazu)

Nun können Sie im Folgenden lesen, all diejenigen die „in jungen Jahren psychische Probleme hatten“ bekommen gar keinen Versicherungsschutz. Auch das ist, so wie es hier steht, hanebüchener Unsinn. Natürlich stellt die psychische Erkrankung einer Herausforderung für die Berufsunfähigkeitsversicherung dar, keineswegs bedeutet aber eine solche Erkrankung (gerade in jungen Jahren) das kO für alle weiteren Vorhaben. Auch hier ist sehr einfach zu erkennen wie wichtig eine qualifizierte Beratung ist. Denn mit der Auswahl des richtigen Versicherers, damit verbunden die Auswahl der passenden Gesundheitsfragen und der richtigen Vorbereitung sind auch solche Risiken gerade nicht aussichtslos. Die von Finanztest zitierte Maklerin, die hier von generellen Ablehnungen spricht, möge sich einmal von qualifizierten Kollegen beraten lassen.

Vollkommen zutreffend ist allerdings die Aussage, dass Ärzte durchaus fehlerhafte und aus Abrechnungsgründen eingetragenen, Diagnosen in Ihren Akten haben. Daher ist es gerade nicht nur den Kunden mit Vorerkrankungen, sondern insbesondere auch den vermeintlich „jungen und gesunden“ angeraten, sich eine vollständige Kopie Ihrer Krankenakten zu besorgen und damit eine entsprechende Recherche zu ermöglichen. Das „schnell selbst Ausfüllen von Anträgen, welche dann an den Versicherer geschickt werden“ ist definitiv keine Option. Mehr als 60% der Anträge, welche bei dem Unternehmen SwissLife Stichproben unterzogen wurden, enthielten Gesundheitsfragen die nicht wahrheitsgemäß beantwortet wurden. Wer jetzt von Geschäft aus großen Finanzvertrieben auf die Qualität der ausgefüllten Gesundheitsfragen schließt… Nein, das habe ich nicht gesagt.

So wurde getestet

Gegenüber dem letzten Test im Jahre 2013 ist die Wichtigkeit der Versicherungsbedingungen im Test von damals 70% auf 75% gestiegen, ebenso wurden die Anträge jetzt mit 25 statt damals 20% in die Bewertung einbezogen. Dafür spielen jetzt das Endalter und die Berufsgruppen (im letzten Test waren hierfür noch 10% vorgesehen) keine Rolle bei der Auswahl der Tarife und deren Bewertung. In der Tabelle mit den Ergebnissen wurden exakt sechs Kriterien mit „erfüllt“ oder „nicht erfüllt“ bewertet. Dabei handelt es sich um den Verzicht auf die abstrakte Verweisung, die Sechs-Monats-Prognose, eine rückwirkende Leistung in den ersten sechs Monaten,  Rückwirkende Leistung für mindestens drei Jahre bei verspäteter Meldung, die Nachversicherungsgarantie und die garantierte Dynamik im Leistungsfall. Das einzig Erfreuliche, wenigstens bei der garantierten Dynamik im Leistungsfall (—> WAS IST DAS) hat Finanztest sich den Rat zu Herzen genommen und dieses in die Bewertung einbezogen. Eine der neuen Entwicklungen am Markt, eine Leistung bei andauernder Arbeitsunfähigkeit zu zahlen und damit einen sichereren Übergang von der Krankschreibung in die Berufsunfähigkeit zu ermöglichen, hält man bei den Testen anscheinend für unwichtig und nicht einmal für erwähnenswert. (—> AU Klauseln)

Weiterhin sind durchaus einige Bewertungen fragwürdig. So bekommt zwar die Hansen Merkur und auch die AXA ein sehr gut, sind aber im Vergleich zum Test vor zwei Jahren schlechter bewertet. Versicherer wie die Aachen Münchener verschlechtern sich deutlich von 0,6 auf ein Testergebnis von 1,3, aber ist ja fast egal, immer noch „sehr gut“. Einzig und allein die Versicherer am Ende des Tests scheinen beständig zu sein, so bleibt die Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka (SBU Standard, der SBU Top hat ein „gut“) bei befriedigenden 2,7 (2,9  von zuvor 3,3 in den Bedingungen), wie auch die Bayrische mit dem Smart Tarif.

Einige Unternehmen haben sich laut Finanztest bewusst gegen eine Teilnahme am Test entschieden, insgesamt 17 Unternehmen zogen es vor nicht teilzunehmen. Anscheinend hat man dort die Sinnhaftigkeit solcher Tests erkannt, auch wenn einige meines Wissens nach eine Berufsunfähigkeitsversicherung gar nicht anbieten. Warum diese Unternehmen dann hier „an den Pranger gestellt werden“ ist mir leider nicht klar, versteht wahrscheinlich nur Finanztest.  Versicherer wie die DEVK bieten nach Meinung von Finanztest derzeit keine Angebote an oder überarbeiten diese, und sollen später „unter die Lupe genommen werden“, wenn das mal keine Drohung ist.

Ernüchterndes Fazit

Leider hat es Finanztest auch in zwei Jahren nicht geschafft, oder wollte es nicht schaffen, sich intensiv mit dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung auseinander zusetzen und elementare Fehler aus dem letzten Test nicht zu wiederholen. Daher bleibt es auch hier weitgehend bei den Aussagen zum letzten Test, dieser ist das Papier nicht wert auf dem er gedruckt wird. Speziell in einer so differenzierten und elementaren Absicherung wieder Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Test, zu den mit drei völlig wahllos gewählten Berufen, nichts sagend und führt Interessenten wieder einmal in die Irre. Wer glaubt mit so einem Test den richtigen Versicherer gefunden zu haben, der irrt hierbei gewaltig.

Schon allein die Einstufung in die richtige, für den jeweiligen Kunden passende, Berufsgruppe ist ein mehrstufiger Prozess, die noch nicht mal Vergleichsprogramme zufriedenstellend beherrschen. Hier geht es um Erfahrung, hier geht es um Kenntnis des Marktes und hier geht es um Know-how welches man eben nicht in einer Zeitschrift findet.

Schlimmer wird es dann nur noch durch die Ratschläge zum „selbst beantragen“, dem „stellen Sie mehrere Anträge“ und dem fehlenden Hinweis auf mögliche Risikoausschlüsse und Zuschläge, welche eine Angabepflicht bei jedem weiteren Antrag nach sich ziehen.

Der Weg zur richtigen und passenden Berufsunfähigkeitsversicherung führt keinesfalls über einen Test, schon gar nicht über einen mit sechs Auswahlkriterien und bedarf einer entsprechenden Auswahl und Bewertung der wichtigen Kriterien auf dem Weg zum passenden Produkt.

–> Der Weg zur passenden BU Absicherung

–> Auswahlkriterien zur richtigen, passenden Berufsunfähigkeitsversicherung

–> Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung

–> Richtige Rentenhöhe oder gar keine BU

Das Schlimmste sind gar nicht so unsinnige Test, das Schlimmste daran ist leider, viele Leser nehmen das als gegeben hin, was Finanztest so publiziert und rennen damit ins finanzielle Unglück! Tun Sie etwas dagegen. Lesen bildet- man sollte nur wissen was man liest.

Auch lesenswert: Der Beitrag vom Kollegen Helberg

BU-Test 2015: Stiftung Warentest zeigt sich berufsunfähig

Und natürlich vielen Dank für die Erwähnungen, wir sollten im #BUett auftreten.

Das Versicherungsjournal fing an darüber zu schreiben. (–> „Finanztest findet nur noch jeden zweiten Tarif gut“)

Versicherungsbote schreibt: –> „Stiftung Warentest für berufsunfähig erklärt“

finanzen.de –> „Finanztest erneut in der Kritik“

und im Tagesbriefing geht es um –> „Reaktionen zum BU-Test der Stiftung Warentest“

14.
November '13

Die Debeka und Vorwürfe zur Bestechung, unsauberen Praktiken und Tipp Provisionen an Beamte


Gestern sprach mich einer meiner Kunden an, welcher als Beamter bei der Debeka versichert ist. Er wäre doch seit Jahren da, alle liefe soweit gut, auch wenn das mit seinen wenigen Rechnungen kaum zu beurteilen ist, meinte er weiter. Doch nun, nun liest er überall „nur negatives von meinem Versicherer“, so Hr. M. am Telefon. Was genau da dran sei und ob das seine Auswahl beeinflusst oder er diese nun überdenken sollte, fragte er nochmals.

debeka_dpa

Was ist los- die aktuelle Berichterstattung

Stein des Anstoßes sind mehrere Presseartikel, welche sich mit dem Vorwurf der Bestechung von Personen in Behörden beschäftigen und wozu das Handelsblatt mehrfach ausführlich geschrieben hat. Hier soll es Zahlungen an Personen in Behörden gegeben haben, die dann zu einem Abschluss von Verträgen bei der Debeka geführt haben sollen. Heikel wird das Ganze nur, wenn in einem geschilderten Fall die Person selbst noch nichts von der Verbeamtung wusste, der Versicherer aber schon, bzw. ein Außendienst mit Blumen gratulierte ohne das die Verbeamtung selbst klar war.

Das Handelsblatt berichtet am 1. November: Der Zeitung „liegen interne Unterlagen vor, die belegen, dass Debeka-Mitarbeiter über Jahre hinweg Adressen von Personen kauften, die kurz vor ihrer Verbeamtung standen. Debeka-Mitarbeiter verschafften sich damit einen starken Wettbewerbsvorteil, weil sie die Beamten auf eine Versicherung ansprechen konnten, kaum dass diese selbst von ihrer Verbeamtung erfahren hatten.“

Hier einige Links auf die entsprechenden Artikel:

Handelsblatt: Mehr als 10.000 Beamte halfen der Debeka

alle Debeka Artikel im Handelsblatt

Video: ZDF heute.de Debeka und die Vorwürfe

ProContra Online: Debeka wehrt sich

Wer zuerst kommt…

Klar, wird ein junger Anwärter oder eine junge Referendarin in die Beamtenlaufbahn übernommen oder sieht es zumindest danach aus, so ist es für viele Versicherer bzw. deren Vertrieb ein „guter Kandidat“. Die Menschen sind jung, oftmals haben diese wenige Vorerkrankungen und zudem wechseln diese meist nicht unbedingt wieder. Das sollte man in der Krankenversicherung eh nicht tun, gerade wenn zudem noch eine Empfehlung aus dem Kollegenkreis dazu kommt sind die Kunden nahezu „sicher“.

Daher ist es also für den Vertreter wichtig, so früh als möglich beim Kunden zu sein um das „Geschäft“ zu machen. Für solche Empfehlungen zahlte die Debeka an Beamte Geld, was grundsätzlich ja noch nicht so verkehrt ist, wenn die Daten auf „korrektem Wege“ an die Versicherung gekommen sind. Ob das so ist, das wird die Staatsanwaltschaft nun prüfen müssen.

Spannend finde ich in dem Zusammenhang die Frage, wie diese „mehr als 100 Millionen Tipp Provision“ in den letzten Jahren verbucht worden sind. Abschlusskosten? Werbeaufwendungen?

Was bedeutet das alles für Versicherte?

Erstmal rein gar nichts. Wer heute dort versichert ist, der bleibt dort und es ändert sich weder am Vertrag noch am Berater etwas. Warum auch, die Auswahl der passenden privaten Krankenversicherung sollte nicht von der Empfehlung eines Bekannten abhängen, sondern von der sorgfältigen Auswahl der benötigten Leistungen und Tarife. Es ist völlig egal wo der Kollege oder auch die weiteren 10 Kollegen versichert sind, nur weil der Schutz bei Tarif X-Y-Z bei denen passt, muss es für einen selbst noch lange nicht passen.

Also gilt: Ruhig bleiben, nicht übereilt reagieren und alles bleibt wie es ist. Erst nach dem Abschluss der Ermittlungen werden wir weiteres wissen.

22.
Mai '13

„Fiese Fragen im Fragebogen“ bei der Absicherung von Berufsunfähigkeitsrisiken, meint der Spiegel


In einem aktuellen Artikel mit dem oben genannten Titel beschreibt der Spiegel online Fragen und Szenerien bei der Absicherung von Berufsunfähigkeit durch eine entsprechende Versicherung. Dabei geht es zum einen um das Thema der „vorvertraglichen Anzeigepflicht“ und weiterhin um das Vorgehen bei der Leistungsabwicklung. Gerade bei der Absicherung gegen finanzielle Folgen der Berufsunfähigkeit geht es darum, die Fragen des Versicherers genau und vorallem richtig zu beantworten.

Es geht eben nicht um die eigene Wahrnehmung „bin ich gesund“ oder fühle ich mich so, sondern um konkrete Fragen und damit zu gebende konkrete Antworten. Hierbei sollte sich der Antragsteller wenn möglich professioneller Hilfe bedienen. Auch Bagatellerkrankungen sind anzugeben, wenn danach gefragt wird und die Fragen so formuliert sind, das diese Angaben zu machen sind. Oftmals herrscht leider die Meinung vor „Wenn ich Medikamente nehme, bin ich doch gesund„. Dieses ist aber gerade ein Trugschluss. Die Fragen in den Anträgen sind unterschiedlich gestellt und so ist es durchaus möglich bei einem Unternehmen Angaben nicht, bei einem anderen aber schon machen zu müssen.

Was muss ich beachten?

Lesen Sie die Fragen genau durch. Beachten Sie die genauen Formulierungen und Worte wie „z. Bsp.“ oder „beispielsweise“, das kann eine entscheidende Bedeutung bei der Beantwortung haben, hier ein Beispiel aus der Praxis. Im Antrag der Europa Lebensversicherung heisst es:

Frage im Antrag Europa Lebensversicherung, (c) Europa

Frage im Antrag Europa Lebensversicherung, (c) Europa

Es geht also keinesfalls nur um die „schweren“ Erkrankungen. Auch ein Sodbrennen ist eine angabepflichtige Erkrankung und muss somit in der Frage c mit JA beantwortet und erläutert werden. Dabei ist es dem Versicherer zu überlassen, (mehr …)

14.
Januar '13

Unisextarife – warum „teurer“ nicht immer schlechter sein muss


In einem Artikel des Stern online aus der letzten Woche beschwerte sich Hr. Kleinlein vom Bund der Versicherten über höhere Prämien in den neuen Unisextarifen der privaten Krankenversicherung, angeblich würde es für Männer teurer, für Frauen aber nicht billiger. Warum nur?

Klar verkaufen sich schlechte Nachrichten besser als gute und darum wird dann auch nicht weiter auf die Unterschiede der einzelnen Tarife eingegangen, denn die Unisextarife sind bei den meisten Unternehmen so gar nicht mehr mit den alten Tarifen zu vergleichen.

Unterschiede oftmals im Detail

Auch wenn diese äußerlich oftmals nur durch einen kleinen Zusatz, einen Punkt oder einen weiteren Buchstaben zu unterscheiden sind, so ist es „innen“ doch oftmals ganz anders. Es ist einfach „mehr drin“ in den neuen Tarifen. Das liegt zum einen an der Tatsache, das viele Gesellschaften die so genannten Mindestkriterien in Ihre Tarife eingeführt haben und somit die Empfehlungen des PKV Verbandes umgesetzt haben, zum anderen sind auch weitere Verbesserungen eingeflossen.

Diese „Mehrleistungen“ gelten eben nicht für die alten Tarife und die Bestände, sondern ausschließlich für die neuen Tarife. Wer bisher in einem Tarif versichert ist und diese Leistungen dennoch für sich haben möchte, der kann in die neuen Tarife umstellen. Ob das Sinn macht und für wen genau, dass lässt sich pauschal nicht sagen, hierzu ist eine genaue Analyse nötig.

Weitere Unterschiede in den Tarifen

Wer aber eine solche Umstellung vornimmt, der muss auch mit allen anderen Umständen leben. So sind die neuen Tarife nicht mehr mit einem Zins von 3,5% kalkuliert. Das ist der Zins, den der Versicherer für die Alterungsrückstellungen ansetzt und mit dem diese (kalkulatorisch) verzinst werden. Da die Entwicklung der Zinsmärkte auch an den Privaten Krankenversicherern nicht spurlos vorüber geht und auch diese von geringeren Zinserträgen betroffen sind, wurde die Senkung durch die Aktuare empfohlen. So finden wir heute neben dem 2,75% Zins, auch Gesellschaften welche mit 2,5% kalkulieren und somit noch etwas mehr Sicherheit einbauen.

Erwirtschaftet der Versicherer aber dennoch höhere Erträge, so kommen diese auch den Versicherten zu Gute und sind ein zusätzlicher Ertrag. Somit ist eine Senkung des kalkulierten Zinses nicht unbedingt schlecht, schafft er doch mehr Sicherheit in der Kalkulation, auch wenn dieser erstmal zu höheren Beiträgen führt.

Fazit

1.) ist es sowieso nicht mehr zu ändern. Eine Wahlmöglichkeit besteht nicht und wessen Antrag nicht mehr angenommen wurde oder wer noch keine Chance hatte einen solchen Antrag zu stellen, (mehr …)