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05.
Juli '17

ottonova Teil III – warum das Krankentagegeld nicht abschließbar ist


In der letzten Woche hatten wir das Thema ottonova, der neue digitale Krankenversicherer, schon zweimal. Zunächst der Teil I,

ottonova – neu, digital aber mit vielen Schwachstellen und NoGo’s (Teil I)

gefolgt vom Teil II

ottonova – Ein Blick in die Bedingungen von First- und BusinessClass PKV (Teil II)

und hier soll es nun um einen weiteren Teil gehen, das Krankentagegeld.

Das Krankentagegeld

Entgegen der gesetzlichen Krankenkasse ist der Beitrag in der private Krankenversicherung weiter zu zahlen. OK, eigentlich ist er das auch in der GKV, denn auch hier werden Sozialversicherungsbeiträge abgezogen, bevor das Krankentagegeld beim Versicherten landet. Eine Berechnung wie dieses aussieht, habe ich Ihnen unter dem Menüpunkt „Krankentagegeld“ hier auf der Seite bereits zusammengestellt.

Während das Mitglied in der GKV gar nichts davon merkt, wird dem privatversicherten Kunden das Krankentagegeld ausgezahlt, der Beitrag zur PKV, dem Krankentagegeldtarif und allen anderen Bausteinen die so versichert sind jedoch weiter abgebucht. Nicht umsonst ist die richtige Festlegung der versicherten Beträge ein elementares Kriterium.

Muss das Krankentagegeld bei der gleichen Versicherung sein?

Nein, zumindest nicht zwingend. Wer seine Kranken(voll)Versicherung bei dem einen Unternehmen hat, der kann das Krankentagegeld durchaus auch woanders versichern. Dabei sind aber einige Voraussetzungen zu beachten.

  • – der Versicherer des KT’s muss dieses zunächst einmal als „Solo-KT“ anbieten
  • – der Versicherer muss auf das ordentliche Kündigungsrecht verzichten
  • – die versicherbaren Höhen und Bedingungen müssen passen

Beim zweiten Punkt hört es leider oft schon auf. Die Versicherer bieten nahezu alle ein KT als Ergänzung für gesetzlich versicherte an, das hilft aber nicht weiter, Wir brauchen ein echtes KT, eines welches auch bei 100, 150 oder 200 € Tagessatz nicht aufhört und eines, wo die Bedingungen passen.

Das ottonova Krankentagegeld

Die ottonova Krankenversicherung bietet neben der Vollversicherung auch eine Absicherung für das Risiko der Arbeitsunfähigkeit an, ein Krankentagegeld also. Neben dem KTA (das A steht für Angestellte) wird eine weitere Tarifstufe für die Selbstständigen angeboten, das KTS.Wer also als Arbeitnehmer dort versichert ist, der kann sich ab dem 42., 91. oder 183. Tag versichern. Gerade bei Angestellten in großen Unternehmen macht eine solche Staffelung Sinn, denn hier leisten oft Arbeitgeber mehr. Der Gesetzgeber verpflichtet den Arbeitgeber nur, die ersten sechs Wochen zu leisten, viele Unternehmen strocken aber auf das gesetzliche Krankengeld nochmals für X-Monate auf. In meinem Artikel

Die Optimierung des Krankentagegeldes in der privaten Krankenversicherung, wenn der Arbeitgeber mehr als die gesetzlichen sechs Wochen zahlt

habe ich genau solche Fälle beschrieben.

ottonova und der Tarif KTA für Angestellte

Schauen wir uns nun zunächst den Tarif für angestellte Versicherte an, denn der ist schon ungenügend, aber wenigstens noch in Teilbereichen brauchbar, leider kann man dieses von dem Tarifmodell für Selbstständige, Freiberufler und Ärzte nicht sagen, dazu aber später mehr.

In dem Tarif der Angestellten sind versicherungsfähig

  • – erwerbstätige Personen
  • – wenn diese sich in einem Arbeitnehmerverhältnis befinden
  • GLEICHZEITIG eine Krankenvollversicherung bei ottonova besteht
  • – sie NICHT Geschäftsführer oder Vorstände sind. Eigene GmbH- Pech gehabt

Problematisch ist der Punkt 3 schon mal. Nehmen wir an ein versicherter Kunde in der ottonova Krankenversicherung wird wieder versicherungspflichtig. Er ist krank, reduziert sein Einkommen aufgrund der Krebserkrankung (oder einer anderen) und fällt damit unter die Grenze. Dann tritt Versicherungspflicht ein. Eine Umwandlung in eine Zusatzversicherung hat ottonova vergessen bietet ottonova zwar an, hat aber dummerweise keine Tarife dazu, also endet die Krankenversicherung.

Nun entsteht aber auch für einen gesetzlich Krankenversicherten eine Lücke, klar, es sind nur 200, 300 € im Monat, blöd aber wenn diese plötzlich nicht da sind. Der Tarif kann aber NICHT weiter bestehen bleiben. Das unser Kunde nun aber nirgendwo eine andere Krankentagegeldversicherung mehr bekommt, hat er einfach Pech gehabt.

Warum hier nicht einfach ein Weiterbestehen in reduzierter Form angeboten wird, ich weiss es leider nicht, wissen aber die „Macher des Tarifs“ vielleicht auch nicht. Das Umwandlungsrecht in eine Anwartschaft (was nur bei Versicherungspflicht geht, nicht wenn der Kunde woanders mit seiner Krankenversicherung hin will) ist nett, nützt in solchen Fällen leider- richtig- nix.

Neben der völligen, wird auch für eine teilweise Arbeitsunfähigkeit geleistet. Bekannt sind solche Fälle als „Hamburger Modell„. Hier wird nach langer Krankheit eine schrittweise Wiedereingliederung begonnen. Erst abreitet der Versicherte zwei, dann vier und sechs Stunden, bevor es dann wieder voll in den Job zurück geht. Hier bietet die ottonova auch Leistungen, denn der Arbeitgeber zahlt natürlich auch hier nur einen Teil, den Teil welchen der Versicherte auch als Arbeitsleistung erbringt. Aber: Die ottonova begrenzt die Leistung hier auf drei Monate je Versicherungsfall.

Erhöhung des Krankengeldes

Krankengeld kann einmal bei Vertragsabschluss richtig beantragt sein, ändert sich aber über die Laufzeit, also zumindest der Bedarf ändert sich. Steigende Einkommen, Inflation und äußere Faktoren führen dazu, dass eine Anpassung nötig ist. So bietet auch ottonova eine Erhöhung an.

  • – erste Erhöhung um 5% nach fünf Jahren
  • – weitere Erhöhungen alle 36 Monate um 5%

Das gilt natürlich nur dann, wenn die Höchstbeiträge (lassen sich in den Bedingungen unter Buchstabe A nachlesen) nicht überschritten werden. Diese Regelung ist eher „unglücklich“, denn: 5% nach 5 Jahren ist nicht viel, auch bei 5% in 36 Monaten kann bei Karrieresprüngen schnell Schluss sein. Bei 300 € Tagessatz ist in jedem Fall Schluss. Hoch verdienende Angestellte sind eher nicht so die Zielgruppe. Wenn Sie also planen eine tolle Karriere zu machen, lassen Sie das mit dem Krankentagegeld bei der ottonova besser.

Interessant ist aber etwas anderes, die aktuelle BGH Rechtssprechung zur Reduzierung des versicherten Krankentagegeldes (in dem Fall bei einem Selbstständigen) und damit das rückwirkende „Wegnehmen“ einer versicherten Leistung, scheint bei ottonova noch nicht so recht angekommen zu sein. Zu beachten sind auch die Aussagen zu den Obliegenheiten in Punkt III der Bedingungen.

Sonderfälle Arbeitslosigkeit, Mutterschutz und Berufsunfähigkeit

Wird ein versicherter Kunde arbeitslos, so besteht auch weiterhin Versicherungsschutz im Bereich des Krankentagegeldes. Ottonova bietet hier sogar eine Reduzierung der Karenzzeit an, so kann eine eventuell länger bestehende Karenzzeit des Arbeitgebers ausgeglichen und das Krankentagegeld in ein KT42 umgestellt werden. Aber: Wer seine Bemühungen eine neue Stelle zu finden nicht nachweist, dem wird rückwirkend das Krankentagegeld gestrichen, rückwirkend zu dem Monat wo der Nachweis fehlt.

Mutterschutz und die neuen Regelungen im VVG durch das Hilfsmittelstärkungsgesetz sind bei ottonova scheinbar auch noch nicht ganz angekommen. So heisst es in der neuen Regelung im §192 VVG, Absatz 5:

(5) Bei der Krankentagegeldversicherung ist der Versicherer verpflichtet, den als Folge von Krankheit oder Unfall durch Arbeitsunfähigkeit verursachten Verdienstausfall durch das vereinbarte Krankentagegeld zu ersetzen. Er ist außerdem verpflichtet, den Verdienstausfall, der während der Schutzfristen nach § 3 Absatz 2 und § 6 Absatz 1 des Mutterschutzgesetzes sowie am Entbindungstag entsteht, durch das vereinbarte Krankentagegeld zu ersetzen, soweit der versicherten Person kein anderweitiger angemessener Ersatz für den während dieser Zeit verursachten Verdienstausfall zusteht.

Bei ottonova heisst es aber in den Bedingungen:

  1. (3) Zeiten des gesetzlichen Mutterschutzes sowie andere Zeiten der ArbeitsfreistellungKeine Leistungspflicht besteht während Zeiten der gesetzlichen Beschäftigungsverbote für werdende Mütter und Wöchnerinnen (Mutterschutz). Gleiches gilt für alle anderen Zeiten, in denen trotz eines bestehenden Beschäftigungsverhältnisses keine Arbeitsleistung zu erbringen ist (z.B. während einer Eltern- oder Pflegezeit). Überdies werden in diesen Zeiträumen angefallene Zeiten der Arbeitsunfähigkeit nicht auf eine Karenzzeit angerechnet.

Aber die Regelungen sind ja auch erst im Februar geändert worden, wie in der Pressemitteilung des BMG zu lesen ist, da kann es in Bedingungen im Juni noch nicht stehen.

Auch für den Fall der Berufsunfähigkeit finden sich Regelungen. Unter §13 Abs. 6 stellt ottonova klar, wer nicht mehr „auf absehbare Zeit mehr als 50% erwerbsfähig ist“, für den endet der Versicherungsschutz. Die Leistung wird für eingetretene Fälle dann noch in den üblichen Zeiten von drei Monaten erbracht.

ottonova und der Tarif KTS für Selbstständige

Auch die Tarife für Selbstständige enthalten eine ganze Masse an Beschränkungen, Begrenzungen und Verpflichtungen, alle problematischen Bereiche hier aufzuführen sprengt sicher den Rahmen. Wichtig ist aber auch hier zu wissen, wie die Höchstgrenzen definiert und wo genau die grundlegenden Probleme liegen.

Versicherbar in den Tarifen sind nur hauptberuflich Selbstständige. Dabei muss gleichzeitig auch hier eine Krankenvollversicherung bei der ottonova bestehen. Wer also später merkt diese war doch nichts für ihn, der kann sein Krankentagegeld nicht einfach hier lassen und sich sonst woanders versichern. Das sollte man wissen und akzeptieren.

Interessant sind auch die Regelungen zur Beendigung. So ENDET das Krankentagegeld dann, wenn die Person keiner Selbstständigen Tätigkeit mehr nachgeht. Wer innerhalb der letzten 6 Monate keine 10.000 € Betriebseinnahmen nachweisen kann, der ist raus. Also, wer sich als Selbstständiger die Freiheit nimmt wenig oder gar nicht zu arbeiten oder nicht arbeitet um Zeit mit seinem Kind zu verbringen, Angehörige zu Pflegen oder was auch immer zu tun (Weltreisen sind ja auch gern genommen), den schmeißt ottonova dann mal raus. Eine Anwartschaft ist hier möglich, zumindest in einigen Fällen, welche sich in den Tarifbedingungen unter Punkt (C) Absatz 1 und 2 finden.

Krankentagegeld – Höchstbeträge nach Mitarbeiteranzahl?!

Viel interessanter sind die, zumindest nach meiner Meinung völlig unsinnigen, Regelungen bei den versicherbaren Höchstgrenzen. Doch schauen wir uns diese mal im Detail an. Das versicherbare Krankentagegeld

„orientiert sich ausschließlich an der Ausübung eines der nachstehend genannten freien Berufe bzw. an der Anzahl der  im eigenen Unternehmen des VN beschäftigten Vollzeitmitarbeiter“ (Tarifbedingungen (II) (A))

Ein eigenes Unternehmen liegt zudem nur dann vor, wenn mind. 50% der Geschäftsanteile am Unternehmen im eigenen Besitz sind, oder aber der VN geschäftsführender Gesellschafter oder Vorstand ist. Wir denken nochmal an die Regelungen bei den Angestellten zurück… wann konnte man sich dort nicht mehr versichern? Also- wer eine GmbH mit 1/3 Anteilen und zwei Freunden hat, aber das muss ja jeder für sich selbst entscheiden.

Doch noch kurioser wird es nun. Zunächst einmal liegen die Höchstgrenzen (ausgekommen bei Notaren, Ärzten und Zahnärzten) in Bereichen, die kein erfolgreicher Selbstständiger absichern will.

Auszug aus den ottonova Tarifbedingungen des KTS

Warum zum Beispiel ein erfolgreicher Rechtsanwalt oder Steuerberater, aber auch Wirtschaftsprüfer oder Ingenieur auf 150 € Krankengeld (davon gehen der volle PKV Beitrag ab, laufender Kosten, ggf. Beiträge zur Rentenvers. oder berufsständischen Versorgungswerken) gedeckelt wird, nur weil er nicht mehr als vier VOLLZEITmitarbeiter einstellen wir… wir wissen es nicht. Aber ich kann ja erhöhen, nach vier Jahren und dann um max. 50% der genannten Grenzen. Blöd nur, annehmen muss ottonova den Antrag nicht.

Wer aber dennoch die Gesundheitsprüfung „dann irgendwann nach vier Jahren“ auch noch überstanden hat und den neuen Beitrag zahlt, der sollte nur die Mitarbeiter nicht mehr entlassen, auch nicht aus Vollzeit- eine Teilzeitraft machen.

Auch hier, habe ich als Selbstständiger eine Firma mit fünf Vollzeitkräften die gut läuft, kann ich mein Krankengeld anpassen (wenn es denn geht gesundheitlich). Jetzt wird dummerweise eine Mitarbeiterin schwanger und kommt nur in Teilzeit zurück, dann reduziert meine private Krankenversicherung das KT auf 150 €, „klaut mir“ also die Absicherung?

Sorry ottonova, wer sowas in die Bedingungen schreibt, der disqualifiziert sich selbst. Was genau ist noch, wenn die Mitarbeiterin wieder kommt, mit der neuen Gesundheitsprüfung? Zudem ist in den Bedingungen ein Fehler. Zunächst wird von 50% gesprochen, einen Absatz später (Seite 4 von 6 der Tarifbedingungen KTS) sind es dann nur noch 30%, muss man auch nicht verstehen. 

Anders als bei Angestellten, die zumindest immer noch in den ersten sechs Wochen einen Arbeitgeber haben der etwas zahlt, ist bei Selbstständigen im Krankheitsfall keiner da. Da ist eine Krankentagegeldversicherung mit vernünftigen Bedingungen elementar. Wer sowas hier unterschreibt ist leider selbst schuld.

Zudem gibt es im KTS auch nur eine Karrenzzeit, also nur das KTS42 nach der 6. Woche. Wer länger die Leistungen nicht benötigt (und eine Firma mit mehreren Mitarbeitern kann vielleicht durchaus auch länger weiter bestehen ohne den Chef), der findet auch hierfür bei ottonova nichts.

Fazit zu den ottonova KTA und KTS Krankentagegeldern

Nur nur die Obliegenheiten

  • – Anzeige geändertes Einkommen
  • – Nachweis sich um Arbeit zu bemühen bei Arbeitslosigkeit
  • – Schutz im Ausland nur dann, wenn dort stationär behandelt
  • – Zustimmung zu anderweitigem Versicherungsschutz nur bei schriftlicher, vorheriger Einwilligung
  • – Anzeige von Mitarbeiterzahlen

sind gravierend, auch die Möglichkeiten das der Versicherer sich hier einiges an Kürzungs- und Reduzierungsmöglichkeiten eingebaut hat, macht den Tarif für nahezu jeden zu einem No-Go. Wer solche Beendigungsgründe akzeptiert, eine fehlende Weiterversicherung zur GKV nicht hat/ anbietet und zudem sich vom Versicherer in die Unternehmens-/ Personalplanung reinreden lassen möchte, bitte. Für die meisten Kunden wird das KT(A)(S) ein nicht abschließbares Produkt, womit sich auch die Krankenversicherung selbst erledigt haben dürfte. Dazu hatte ich aber in dem Beitrag zu den „Business- und First Class Tarifen“ schon geschrieben.

Zum Download:

27.
Juni '17

ottonova – Ein Blick in die Bedingungen von First- und BusinessClass PKV (Teil II)


Nachdem ich mir vor Kurzem gerade die grundlegende Struktur und die Besonderheiten des neuen, privaten Krankenversicherers ottonova angeschaut habe, (den ersten Artikel zu ottonova und den NoGo’s gibt’s hier) geht es heute deutlich detaillierter in die Versicherungsbedingungen, Leistungen der Tarife und eventuelle Lücken und Probleme. Auch werde ich in diesem Beitrag etwas zur Prämienhöhe, der Einordnung in den derzeitigen Versicherungsmarkt und den Zusatzbausteinen zur ottonova Krankenversicherung schreiben.

ottonova – das Tarifwerk zur Krankenversicherung

Der neugegründete private Krankenversicherer bietet ausschließlich zwei Tarife an, diese tragen die Namen FIRST-CLASS und BUSINESS-CLASS. Einen Einstiegstarif, also eine Economy, gibt es augenscheinlich nicht. Jedes Tarifwerk existiert zudem in zwei verschiedenen Stufen, welche sich in der Höhe der Selbstbeteiligung unterscheiden.

Dabei bedeutet eine „1“ in der Tarifstufe, dass diese eine Selbstbeteiligung von 10 %, maximal 500 € pro Versicherungsjahr enthält, eine „2“ sagt uns, die Selbstbeteiligung beträgt 25 %, maximal 1.250 € pro Versicherungsjahr. In der Summe stehen dem Kunden somit vier unterschiedliche Tarifvariationen zur Verfügung.

Im Detail sieht das dann so aus, wie oben im Schaubild dargestellt. Wer sich also für einen Versicherungsschutz bei dem neu gegründeten Krankenversicherer entscheidet, muss sich zunächst einmal für ein Leistungspaket und eine Selbstbeteiligungsstufe entscheiden. Wie wir jedoch gleich sehen werden, ist an diesem Versicherungsschutz tatsächlich wenig „First Class“, betrachtet man insbesondere die Leistungsaussagen und die Regelungen in den Versicherungsbedingungen. Zudem: Ein Wechsel zwischen den Leistungsstufen oder ein Optionsrecht ist nicht vorgesehen. Natürlich kann der Versicherte seine Leistungen reduzieren, die SB erhöhen, aber eben nicht verbessern/reduzieren (der SB).

Aber es muss auch nicht für jeden der „top“ Versicherungsschutz sein, wer die Einschränkungen bei den Auswahlkriterien zur privaten Krankenversicherung kennt und akzeptiert, der kann auch durchaus einem schlechteren Versicherungsschutz zufrieden sein.

Zusätzlich zu dem Haupttarif kann ein Baustein zur Beitragsentlastung im Alter gewählt werden. Dieser kann entweder ab dem 64. Lebensjahr oder erst zum 67. Lebensjahr in Anspruch genommen werden. Ab diesem Zeitraum reduziert sich dann (unter Weiterzahlung des Tarifbeitrages) der zu zahlende Krankenversicherungsbeitrag um den versicherten (Reduzierungs-)Betrag. Eine solche Komponente hat durchaus Vorteile, da der heute (mehr) investierte Betrag steuerlich wirksam und arbeitgeberzuschussfähig ist.

Weiterhin existieren für Arbeitnehmer und Selbstständige getrennte Tarife für die Absicherung des Krankentagegeldes. Arbeitnehmer können sich zwischen einer Leistung ab dem 42., 91. und 182. Tag entscheiden, für Selbstständige steht der Tarif nur ab dem 42. Tag zur Verfügung. (mehr dazu gibt es im Teil III dieser Artikelserie in den kommenden Tagen)

Versicherungsbedingungen der ottonova Krankenversicherung

Grundlage dieses Beitrages und meiner Einschätzung sind die Allgemeinen Versicherungsbedingungen und die Tarifbedingungen, Stand 25.6.2017. Die entsprechenden Druckstücke habe ich am Ende dieses Beitrages verlinkt. Beginnen wir mit den Versicherungsbedingungen zur Krankenversicherung, wobei die Allgemeinen Versicherungsbedingungen in der Ausgabe 06/2017 für beide Tarifwerke gelten.

Primärarztmodell in der Business Class

Der wesentliche Unterschied liegt in einem Primärarztmodell, welches zwingend vorschreibt, dass Versicherte der Business Class für die Inanspruchnahme von Fachärzten eine entsprechende Überweisung durch einen Primärarzt oder den ottonova Concierge Service benötigen. Liegt diese nicht vor, so werden die erstattungsfähigen Aufwendungen um 20 % gekürzt.

Schauen wir uns doch zuerst etwas weiter in den allgemeinen Versicherungsbedingungen um. Dabei fallen einige Besonderheiten auf, wie zum Beispiel die Regelung der Kindernachversicherung. Diese ist möglich, falls zum Zeitpunkt der Geburt ein Elternteil mindestens drei Monate beim Versicherer versichert (mehr …)

26.
Juni '17

ottonova – neu, digital aber mit vielen Schwachstellen und NoGo’s (Teil I)


ottonova, eine neue digitale Krankenversicherung, eine neue PKV, die anderes sein will und besser. Besser als alles bisher bekannte im Bereich der Privaten Krankenversicherung.

Mehr als eine Versicherung.
Vergiss, was du bisher über Krankenversicherung gedacht hast. Wir sind ein Team von Andersdenkern: Mit Versicherungsexperten, Ärzten, Designern und Entwicklern. Gemeinsam verwirklichen wir unsere Vision von einer besseren Krankenversicherung. Die wirklich einen Unterschied für dein Leben macht. Die 100% an deiner Seite steht. Ja, das hast du schon tausendmal gehört. Warte, was wir daraus machen. Dies ist erst der Anfang.

Grundsätzlich wäre ich selbst der beste Kunde für so ein Projekt, passe in die Zielgruppe, interessiere mich für Digitalisierung und freue mich über jeden Zettel, jeden Brief und jede Bescheinigung die nicht in Papierform bei mir landet. Daher bin ich ein großer Fan von Rechnungs-Apps und nutze meine, also die der Hallesche KV, seit Einführung. Früher kamen Arztrechnungen auf den Stapel, wenn der groß genug war reichte ich die Rechnungen ein und bekam meine Erstattung. Die Zeiten sind lange vorbei. Heute: Rechnung kommt, Handy an, App auf, Foto gemacht, drei Tage später zeigt mir die Konto-App auf dem iPhone die Erstattung der Rechnung.

Digitalisierung kommt, auch oder gerade in der PKV

Das ist natürlich nur ein Weg, ein kleiner Schritt in Richtung Digitalisierung aber einer, den der Kunde und damit ich auch, direkt merke. Auch in der Antragstellung ist Digitalisierung das Ziel um Prozesse zu vereinfachen. Nachdem viele Versicherer nicht mehr zwingend ein Original vom Antrag wollen ist das per Mail, Fax oder elektronisch möglich, ob es rechtlich bei einem lebenslangen Vertrag sinnvoll ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Doch noch immer haben Versicherer und damit auch die private Krankenversicherung eher den Ruf behäbig, altmodisch und konservativ zu sein. Nix digital, nix hipp oder fancy. Im Bereich der Verwaltung kommen Fin- und Insurrechs und treten den Versicherern auf die Füße. Gut so, denn das was wir als Makler seit Jahren wollen (schlanke Prozesse, elektronische Unterlagen) kommt nun so nach und nach und nicht ohne Druck der Masse.

Braucht es eine neue Private Krankenversicherung?

Darüber kann man vortrefflich streiten, denn gerade in der privaten Krankenversicherung ist Qualität und eine konservative Ausrichtung nicht unbedingt schlecht. Auf der anderen Seite sind Innovation, neue Tarife und Modelle und generelle Innovationen sicher nicht nur gut für den einen, oftmals verändern diese auch den Markt und die Mitbewerber. Natürlich müssen sich die Versicherer weiter entwickeln, neue Märkte und Chancen erkennen und dennoch ist nicht jeder neue Hype einer, den man auch mitmachen muss.

Schauen wir einmal auf die Homepage und betrachten das, was anders ist, anders sein soll als die normale Private Krankenversicherung. Zunächst einmal ist der Prozess von Antragstellung bis Abrechnung und Abwicklung digital. So zumindest verspricht es der Gründer und sein Team. 40 Millionen Euro wurden dazu eingesammelt, 10 Millionen kamen von der Debeka, welche damit in einen Mitbewerber investiert.

Mitbewerber? Ja, denn bei Ottonova handelt es sich nicht um einen Makler oder Vermittler von Versicherungen, sondern um ein neues Unternehmen, eines welche eigene Tarife und damit eigenen Versicherungsschutz anbietet. Solchen den diese nicht als Vermittler woanders einkaufen, sondern selbst abbilden. Nicht umsonst sind solche Gründungen aufwändig und kostenintensiv, denn es handelt sich um einen lebenslangen Vertrag. Schließt ein heute 25jähriger eine private Krankenversicherung ab, so muss er sich darauf verlassen können, dieses Unternehmen mit den Tarifen auch in den nächsten 50, 60 oder 70 Jahren vorzufinden, denn solange wird er seinen Vertrag unter Umständen behalten wollen.

Was macht ottonova anders?

So, nun vergessen wir mal das Marketing und die Aussagen, und schauen uns die Fakten an. Ottonova will die erste, voll digitale private Krankenversicherung werden. Dazu haben sich ein Arzt, ein Designer und ein Informatiker zusammengetan und wollen die neue, private Krankenversicherung werden. Ein ehrgeiziger Ansatz, in jedem Fall Hut ab vor dem Mut.

ottonova wurde 2015 von Dr. med. Roman Rittweger (Mediziner & MBA), Sebastian Scheerer (Designer) und Frank Birzle (Informatiker) gegründet. Sie kommen aus unterschiedlichen Welten, teilen aber eine gemeinsame Vision: Eine Krankenversicherung zu schaffen, die neue Maßstäbe setzt.

So etwas geht nicht nur mit Versicherungskaufleuten der alten Schule. Darum finden sich bei ottonova neben Versicherungsexperten und Mathematikern auch Programmierer, Ärzte und Designer. Genau dieses außergewöhnliche Team ist es, dass den Nährboden für unsere Innovationskraft schafft. Zusammen verfolgen wir unsere Vision und denken frische, aufregende Gedanken. Das macht einfach Spaß!

Auch ottonova zahlt in den Sicherungsfond der private Krankenversicherung ein, in einen Fonds der die dauerhafte Leistungsfähigkeit und damit die Erfüllung der Leistungen sicherstellen soll. Damit unterscheidet ottonova erstmal rein rechtlich nichts von einem anderen Krankenversicherung, die „digitale“ Krankenversicherung wäre dann eine, wie jede andere auch.

Anders sein soll aber der Prozess, also von Antragstellung bis Abwicklung. Dazu soll es zudem eine App geben, eine App die eine Art „Concierge“ ist, eine Hilfestellung bei Fragen, Hilfe wie die Suche nach einem Arzt und die auch eine Einreichung der Rechnungen zur Erstattung ermöglicht.

OK, eine App mit einem LiveChat haben andere Krankenversicherungen meist noch nicht, eine App zum Rechnungen einreichen mittlerweile viele, ein Servicetelefon mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten nahezu alle.

Was unterscheidet nun ottonova? Auf den ersten Blick nur die App, denn alle anderen Dienstleistungen (mehr …)