Artikel mit ‘KVS’ getagged

16.
Dezember '13

Warum billig, billiger, am billigsten in der Privaten Krankenversicherung eben kein Argument ist


Ich sehe es schon kommen. Es ist 2015, in einer Talkshow sitzt ein weinender Kunde, welcher von dem bösen Versicherer die Rechnung für medizinische Leistungen nicht erstattet bekam, oder (und) zudem seine Beiträge in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Stärker als in der gesetzlichen Kasse, stärker als bei Kollegen, Freunden oder Bekannten. Dann ist der Versicherer böse, das Mitleid des Moderators und der Zuschauer ist dem armen Mann sicher.

Aber wie kommt es zu solchen Szenen?

Ein Grund für verärgerte Kunden, schnell steigende Beiträge und damit unliebsamen Frust sind auch solche Mails, welche MaklerbetreuerInnen an Makler, Berater und Vertreter senden. Immer verbunden mit der „Message“: „Schau her lieber Berater, wir sind billiger als die anderes, es kostet lediglich knapp 200 Euro deinen Kunden privat zu versichern.“

DER START FIT WURDE BEI EINEM TEST VON KRANKENVOLLVERSICHERUNG DER ZEITSCHRIFT TESTSIEGER!

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift wurden in Zusammenarbeit mit dem Analysehaus KVPro Krankenvollversicherungen getestet. Der Start Fit wird in der Kategorie bis 1.000 EUR Selbstbehalt Testsieger mit der Höchstnote „sehr gut“. Der Top Fit erreicht eine hervorragendes Ergebnis im Preis-, Leistungsvergleich und ebenfalls die Gesamtnote „sehr gut“. Der Pro Fit landet mit der Gesamtnote „sehr gut“ ebenfalls in der Spitzengruppe bei der Kategorie der Tarife ohne Selbstbeteiligung. Hier der Link zum Artikel:

In der Anlage finden Sie die Testergebnisse als pdf. Mit Versicherungsbeginn 01.01.2014 steht Ihnen auch unser STARTFIT KVS3

MIT EINER JÄHRLICHEN SELBSTBETEILIGUNG VON 1.000€ zum Verkauf zur Verfügung. Die HanseMerkur erweitert ihr Produktportfolio damit um einen weiteren höchst attraktiven Baustein.

35-Jährige zahlen dafür inklusive des Gesetzlichen Zuschlags LEDIGLICH 207,89€.

Machen Sie den Wettbewerbsvergleich. Bei Rückfragen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Da wird wieder einmal auf den Preis geguckt, und nur auf den. Schaut man sich den Test im Detail an, so erkennt man einige sehr eigenwillige Punkte und Bewertungen, dazu aber mehr in einem anderen Beitrag.

Aber ich will doch günstigen Versicherungsschutz?!

Bei der Suche nach dem passenden Versicherungsschutz ist es wichtig auf die Leistungen zu schauen. Entscheidend ist zunächst einmal, welche Leistungen einem persönlich wichtig sind, welche Leistungen selbst getragen werden können und wie die eigene  Situation heute und auch die Planung in Zukunft aussieht.

Gegen ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis spricht absolut nichts. Auch gegen einen Blick auf die heute zu zahlende Prämie spricht nichts, aber eben nicht billig, sondern ausgewogen. Anscheinend ist das aber bei der Dame hier noch nicht angekommen.

Soll ich denn dann zur Hanse Merkur wechseln?

Nein, sollen Sie nicht. Unter bestimmten Umständen können Sie das natürlich tun, wenn die Leistungen im Tarif denen entsprechen die Sie für sich wünschen, die Lücken und (versteckten oder offen formulierten) Einschränkungen von Ihnen akzeptiert werden und sie nebenbei Geld zurücklegen können, um für das Alter und die Beitragssteigerungen vorzubeugen. Es wäre hellseherisch zu prognostizieren, welche Tarife wie stark ansteigen, das geht heute und auch in Zukunft nicht. Dennoch ist es bei Tarifen die sehr billig sind eher wahrscheinlich, das hier auch Bedarf an Anpassungen besteht. Das sollten Sie- ungeachtet der Gesellschaft- immer im Hinterkopf haben. Ein Tarif der sehr vorsichtig und ausgewogen kalkuliert ist (und daher nicht billig sein kann) muss auch nicht immer und in alle Ewigkeit beitragsstabil sein, die Wahrscheinlichkeit ist aber eben eher höher.

Wie lassen sich solche, eingangs geschilderten, Szenerien vermeiden?

Zunächst einmal sollten Sie genau überlegen, ob die Private Krankenversicherung das richtige System für Sie ist. Eine PKV muss man sich leisten können und wollen und sich darüber im Klaren sein: „Leistung kostet Geld“.  Wer sich heute als Selbstständiger oder Neugründer eigener eigenen Existenz die (Mundest-)Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) nicht leisten kann, der ist in der PKV falsch aufgehoben, auch wenn der Tarif (heute) billiger sein kann.

Wenn Sie zudem noch berücksichtigen, was für einen Leistungsumgang, Versicherer, welche Rechtsform und dergleichen Sie wählen, dann sind Sie schon einmal auf einem guten Weg. Eine Garantie gibt es in keinem der Systeme und am Ende hat ein solcher Versicherungsschutz immer viel mit Vertrauen zu tun.

Nur zur Erklärung: Ich habe nichts gegen die Hanse Merkur, weder gegen den Versicherer noch gegen die Tarife, wenn diese denn dann auf den Bedarf passen und nicht als „wir sind die besten“ verkauft werden. Bereits damals habe ich zum Tarif Start Fit etwas in dieser Hinsicht geschrieben, aber auch zu den neuen Tarifen in der Unisexwelt gibt es einiges zu sagen. Auch lässt sich von einer Mail einer Maklerbetreuerin nicht auf das ganze Unternehmen schließen, das soll es auch nicht. Was mich (und viele Kollegen, was die Diskussion in Fachforen zeigt) stört, das so die Probleme von morgen heran gezüchtet werden und die gesamte Branche in Misskredit kommt.

17.
Januar '13

Hanse Merkur KVS und die Nichterfüllung der Mindestkriterien des PKV Verbandes


Gestern hatte ich bereits ausführlicher zu den neuen Unisextarifen der Hanse Merkur und teilweise recht unsinnigen Regelungen geschrieben. Ich hatte mich vorwiegend mit dem „Toptarif“ beschäftigt und nicht mit den untereren Tarifstufen. Nun hat mich ein Leser des Blogs nochmals auf einen anderen Punkt gestoßen.

In der Mail der Hanse Merkur an die Softwareanbieter hieß es wörtlich:

„Es gibt weiterhin die Tariflinien Start Fit, Pro Fit und neu dazu die Tariflinie Top Fit (früher Fit). Allerdings wurden die Tarife mit neuem _Leben_ – also Leistungen – gefüllt, die u. a. auch die Vorgaben zum Mindestleistungskatalog des PKV-Verbandes erfüllen!“ (Hervorhebung durch mich)

Eine dieser Mindestkriterien des Verbandes war die Formulierung eines offenen Hilfsmittelkataloges. In dem Schriftstück des Verbandes, welches mit vorliegt, heisst es dazu:

„Versicherte haben Anspruch auf Kostenerstattung für Hilfsmittel in Standardausführung bzw. einfacher Ausführung. Als Hilfsmittel gelten technische Mittel und Körperersatzstücke, die Behinderungen, Krankheits- oder Unfallfolgen mildern oder ausgleichen sowie lebenserhaltende Hilfsmittel. Hierzu zählen nicht Pflegehilfsmittel, deren Kosten die Pflegeversicherung zu erstatten hat.“

Natürlich ist dieses nur eine unverbindliche Empfehlung, denn eine durchsetzende Kraft hat der Verband hierzu nicht, nur schrieb die Hanse Merkur ja, diese Kriterien erfülle man mit den neuen Tarifen. In den Bedingungen liest sich das nun aber ganz anders. Dort heisst es:

zu § 4 (3) MB/KK 2009

c) Als Hilfsmittel gelten die als solche im Tarif aufgeführten Gegenstände. (Seite 15, Druckstück siehe Link unten)

und spezifiziert wird es in den Tarifbedingungen des Tarifs KVS mit den Worten:

Bei einer festen Aufzählung und der Einleitung „als solche gelten“ kann ich noch keine offene Formulierung erkennen. Da steht zwar nicht das Wort „ausschließlich“, darunter folgt jedoch eine verbindliche Aufzählung der Hilfsmittel die geleistet werden.

Eine offene Formulierung ist nur für den Teil der lebenserhaltenden Hilfsmittel vorhanden und diese auch nur dann, wenn die lebenserhaltende Funktion durch kein anderes Hilfsmittel gewährleistet werden kann. In der derzeitigen Fassung der Bedingungen des KVS wären also- aus meiner Sicht- die Mindestkriterien des PKV Verbandes hier nicht erfüllt.

Ich habe die Presseabteilung der Hanse Merkur heute um eine Stellungnahme gebeten und werde diese hier einstellen, sobald mir die Antwort vorliegt. (siehe unten) Neben der Hanse Merkur hat auch die Gothaer Krankenversicherung die Mindestkriterien noch nicht umgesetzt, diese haben das aber für das Frühjahr bereits angekündigt.

Antwort der Hanse Merkur:

Nachdem bisher keine Reaktion erfolgte, habe ich heute am 22. 1. mal nachgefragt. Aussage der Hanse Merkur: Es wird keine offizielle Stellungnahme auf die Anfrage an die Presseabteilung geben. Das nenne ich fairen und offenen Umgang mit Kritik und für dumm verkaufen von Kunden. Es ist schon haarsträubend manchmal, was Gesellschaften so meinen sich heraus zu nehmen. Meine PRIVATE Meinung: Wenn jemand behauptet er erfülle die Mindestkriterien und beim Nachlesen sieht es dann anders aus, ist es ein K.O. Kriterium für diese, und alle weiteren Versicherungen bei solch einem „Partner“.

KK_384_START_FIT_JANUAR_2013