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17.
September '17

Focus Money testet die PKV oder „Wie man sich das Ergebnis einfach schön rechnet“


Focus Money testet die private Krankenversicherung, OK, keine Pointe. Klar, es ist bald Bundestagswahl und da muss und wird das Thema Krankenversicherung mal wieder aus der Schublade geholt, schließlich steigert es die Auflage. So auch bei Focus Money ein der aktuellen Ausgabe, der Nr. 38/2017.

Sparen Sie sich das Geld, wenn Ihnen nicht das Ding irgendwo kostenlos nachgeworfen wird. Aber dennoch, gestern im Flieger hatte ich die Chance mir mal die Ausgabe mit dem PKV Test anzusehen und habe schon Kopfschmerzen vom ganzen Kopfschütteln. Hier zeigt der Focus mal, wie man es nicht macht und wie man Unwissenheit und anscheinend wenig Ahnung in einen Test packt. Aber es wird eine Serie, denn in den Ausgaben 39-42 folgen weitere Test.

  • – Ausgabe 38: Top-Schutz
  • – Ausgabe 39: Ausgewogene Tarife
  • – Ausgabe 40: Klassik Schutz
  • – Ausgabe 41: Gesundheitsservices
  • – Ausgabe 42: Beamtentarife

Doch in dieser Ausgabe geht es mit dem Besten los, so titelt dieser Artikel auch mit „BESTENS UMSORGT“ und dem Zusatz:

„Vor allem der große Leistungsumfang überzeugt die meisten Privatpatienten. Doch nicht alle Angebote sind auch wirklich top. Welche Tarife besonders leistungsstark sind“

Oh super, endlich mal eine Übereinstimmung. PKV ist Leistung, nicht Preis und nicht billig. Dazu habe ich mehrfach, zuletzt hier mit dem Artikel

PKV muss man sich leisten können und wollen. Wichtige Auswahl und fundierte Entscheidung

ausführlich geschrieben. Doch schauen wir uns nun den Artikel im Focus an.

Focus Money testet die PKV – das Grundsatzproblem

Eine PKV testet man nicht Anfang September. Warum? Weil es in den letzten Monaten des Jahres Ansagen zur Beitragsanpassung, weiteren Änderungen im Vertrag, der Veränderung der gesetzlichen Vorgaben wie JAEG gibt und somit eine vernünftige Aussage nicht möglich ist. So ein Test hat die Halbwertszeit von wenigen Tagen, dann ist er veraltet und unbrauchbar, wenn er denn vorher jemals brauchbar war, was ich hier sehr in Frage stellen möchte.

Focus Money testet die PKV – Topschutz

So testet der Focus Money also Top Schutz Tarife. Schauen wir doch erstmal was der Topschutz in den Augen des Focus Money denn ist. Die Gesamtbewertung verteilt sich damit auch auf verschiedene Bereiche.

Warum auch immer man bei den TOP Tarifen der Leistung“squalität“ nur 40%, also deutlich unter der Hälfte der Wertung zukommen lässt, wir werden es wohl nie erfahren. Aber die Beitragshöhe hat die identische Gewichtung, wobei sich hier die Frage stellt, warum Beitragshöhe und nicht Beitragsstabilität oder -entwicklung. Das allein mit dieser Übergewichtung der Test schon heute völliger Unsinn ist werden wir gleich merken, nämlich beim Testsieger.

Weiterhin konnten einige Anbieter nach Focus Money Testanforderungen nicht mitmachen, denn diese haben in deren Augen keine „TopSchutz Tarife“. Darunter sind auch die Bayrische Beamten, die Central, die DEVK und die UKV. Auch Concordia und VGH durften nicht mitmachen, weil das Finanzstärkerating fehlt. Württembergische dagegen wollte nicht mitmachen.

Jetzt kann man von diesen Unternehmen halten was man möchte und auch die Central hat viel bis alles falsch gemacht vor einigen Jahren, aber diese Auswahl sieht eher wie gewürfelt aus, oder eben die Kriterien so festlegen, damit auch ja der gewünschte Anbieter oben stehen kann, könnte man zumindest meinen.

Doch was sind/ waren die genauen Anforderungen an die 40% Gewichtung für die Leistung? Das lesen wir in dem Kasten über dem Test. Alle TOP Schutz Tarife mussten daher folgendes erfüllen:

  • – Kostenerstattung für Heilpraktiker
  • – Kostenerstattung für Psychotherapie
  • – Kostenerstattung für Krankenfahrstühle
  • – Kostenerstattung für Implantate
  • – Unterbringung im Einbettzimmer (hier ist der Testsieger schon raus, mehr dazu gleich)
  • – Zahnersatz mindestens 80%

Warum nun der Testsieger eben Testsieger ist, das werden wir nie erfahren. Allein bei dem (ob es nun richtig und wichtig ist steht auf einem anderen Blatt) Kriterium Einbettzimmer ist der Tarif der AXA und damit der VITAL 300 als Testsieger falsch. Aber hey, der sollte unbedingt drin sein, so scheint es. Also wurde das hier extra aufgeweicht., Man hat ein Krankenhaustagegeld dazu genommen. 50 € mit denen der Versicherte dann die Differenzkosten zu Einbettzimmer vom Zweibettzimmer zahlen kann.

Das mag in vielen Kliniken auch ausreichend sein, aber nehmen wir einmal das DRK Krankenhaus in Berlin (Differenz Ein-Zweibett = 73 €, Vivantes Berlin Differenz 70 € und viele mehr). Daher ist ein KHT von 50 € eben KEIN Ersatz für eine echte und versicherte Leistung bei Einbettzimmern. Zudem weisst der Focus explizit darauf hin.

„bewertet … nur solche Leistungen, auf die der Versicherte einen verbindlichen Anspruch hat“.

Super ist es dann doch, wenn speziell für den (gewünschten?) Testsieger all diese guten Vorsätze über den Haufen geworfen werden. Doch am Ende wird es noch besser oder eher schlimmer. Übrigens wäre nach den Kriterien oben wäre auch die Central mit dem privat.1 Tarif drin, aber dann bedurfte es da natürlich auch so einer Ausnahme wie bei dem Testsieger Axa Vital.

Focus Money testet die PKV – Testsieger der keiner ist

Schlimm ist aber nicht nur die Verteilung von 40% auf Leistung, 40% auf Beitragshöhe und damit keinerlei Aussage zur Entwicklung und Stabilität, sonder auch die Beitragsbewertung mit Stand „6/2017“. In einem Test für September wird der Datenstand JUNI verwendet. Was genau hat man mit den Testergebnissen gemacht und was genau spräche dagegen diese kurz vor dem Druck zu aktualisieren? Ach ja, dann wäre die Reihenfolge also eine andere.

Ich halte solche Test sowieso nicht für sinnvoll, eher schaden diese bei einer richtigen und gut geplanten Auswahl. Nicht nur in die Beratung gehören mehr Angaben als diese je hier erfasst werden könnten, aber insbesondere der Eindruck ist der falsche. Der Versicherer welcher hier „gewinnt“ wird schnell einen Sonderdruck verwenden, das LOGO als Testsieger einbauen und seine Vermittler informieren. Diese rennen dann damit rum und verkaufen Ihren Tarif als besten im Test.

Hier ist es aber noch deutlicher. Hier wird ein vermeintlicher Testsieger gekürt, der nach den Kriterien nicht nur keiner ist, sondern auch noch einen falschen Eindruck erweckt. Normalerweise müsste und dürfte der Tarif nach den eigenen Kriterien gar nicht dabei sein. Ein Tarif der Central (auch hier ist es keine Wertung) gehört aber da rein.

Die Anpassungen der letzten Jahre waren überdurchschnittlich, denn der Tarif ist viel zu billig. Aber: Auch hier einfach vergessen oder bewusst ignoriert. Klar, die Finanzstärke des Versicherers wird hier mit AA- bewertet, der Zweite und dritte „Testsieger“ bekommt ein A+ und ein AA. Wie das zusammenpasst? Ich weiss es nicht.

Auch der AN Beitrag inkl. SB (also die Beiträge + 1/12 SB) ist bei dem Anbieter Nr. 2 geringer, die Finanzstärke besser. Dennoch… auch hier wird das Ergebnis ignoriert. Nehmen wir das notwenige Krankentagegeld dazu, so wird der Vorteil für den Zweitplatzierten noch deutlicher.

Auch ist die AXA eine der wenigen, welche explizit die Arzthonorare auf den 5fachen Satz deckeln, andere begrenzen diese nicht und leisten einfach „über der Gebührenordnung“. Kein Wort davon, man möchte ja dem Testsieger nichts nachsagen.

Focus Money testet die PKV – Elementare Fehler im Test

Auch die Beitragsbewertung enthält elementare Fehler. So wurde der reine Tarifbeitrag gewertet. Nicht berücksichtig und einfach vergessen wurden dabei nicht nur die Pflegepflichtversicherung, sondern auch das elementar wichtige und unverzichtbare Krankentagegeld. Hier wird dadurch mit völlig sinnlosen, nichtssagenden und verwirrenden Zahlen um sich geworfen. Wer ernsthaft glaubt, für einen Arbeitnehmeranteil von 251,02 € ohne oder 276,02 € mit Selbstbeteiligung, bekommt er einen Schutz im AXA VITAL, der muss leider enttäuscht werden. Ist aber auch blöd mit korrekten Zahlen zu arbeiten und dem Leser finale und richtige Zahlen zu präsentieren.

Richtig wäre für den Datenstand 06/2016 also:

  • Monatsbeitrag AXA VITAL 300 U = 359,50 €
  • Monatsbeitrag PremZahn U = 81,80 €
  • Gesetzlicher Zuschlag: 44,13 €
  • Monatsbeitrag KHT/50 = 14,20 €
  • KUR 2,40 €
  • Krankentagegeld T42/ 100 € = 45,50 €
  • = GESAMT: 547,53 €  / AN Anteil: 273,77 € 

Berücksichtigen wir aber bereits bekannte Tarifanpassungen zum 01. Januar, so haben zweit-, dritt oder weiter hinten platzierte Tarife Beitragsgarantien abgegeben. Die AXA wird hingegen deutlich anpassen, wie bereits hier im Blog zu lesen (Link nochmals unten am Ende).

Mit dem 01. 01. 2018 verändert sich der Beitrag daher wie folgt:

  • Monatsbeitrag AXA VITAL 300 U = 467,40 €
  • Monatsbeitrag PremZahn U = 81,80 €
  • Gesetzlicher Zuschlag: 54,92 €
  • Monatsbeitrag KHT/50 = 14,20 €
  • KUR 2,40 €
  • Krankentagegeld T42/ 100 € = 45,50 €
  • = GESAMT: 666,22 € (+ 118,69 €)  / Arbeitnehmeranteil 2018: 343,19 € ( +69,42 € oder +25% )

Betrachten wir also den Gesamtbeitrag (also inkl. PKV) so erwartet den, der heute den Testsieger abschließt, eine Anpassung von 21% oder beziehen wir uns rein auf den Arbeitnehmeranteils dann sogar 25%, obwohl der AG Zuschuss in 2018 nochmals steigt.

–> Arbeitgeberzuschuss und Sozialversicherungswerte 2018 

Focus Money testet die PKV – falsch, unvollständig, unverantwortlich

Halten wir also fest. Gewonnen hat in einem Test ein Testsieger, bei welchem die Kriterien „Mindestanforderungen“ nicht erfüllt sind, für den aber eine Ausnahme gemacht wird und ein Krankenhaustagegeld dazu gebastelt wird und ein Tarif, der Anpassungen von 10-38% bekommen wird zum Januar.

Dazu ist dieses keinesfalls überraschend. Jeder der auch nur einigermaßen mit dem Thema PKV vertraut ist, der kann sich nach den Zahlen selbst ausmalen, der Tarif ist nicht nur zu billig sondern hat gravierende Probleme in der Kalkulation.

Wer mit so einem Testergebnis dann noch herumläuft und damit wirbt, der macht sich mitschuldig. Keineswegs trägt dieser verschobene Test zu einer Aufklärung bei oder bietet überhaupt irgendeine Hilfe, sondern verwirrt und schafft falsche Erwartungen.

Wer also bis hier gelesen hat und jetzt noch so einen Test kauft, liest und auch dann noch danach handelt… Entschuldigung! aber: Selbst schuld!

Alle bisherigen und leider auch eher missglückten Tests des Focus Money finden Sie

HIER IN DER ARTIKELÜBERSICHT zum Focus Money

24.
Oktober '11

Focus Money PKV Test – und mal wieder im Tal der Ahnungslosen


Es ist schon fast wie „täglich grüßt das Murmeltier“. Focus Money testet mal wieder in einer „Testreihe“ die Tarife der privaten Krankenversicherung. In der Ausgabe 39 ging es um „Klassik Tarife“, Ausgabe 41 kannte dann die besten „ausgewogenen Tarife“ und nun geht es um den „TopSchutz“ in der Ausgabe 43. Die Beihilfetarife werden kann in der Ausgabe 47 getestet.

Dumm nur, das man aus dem letzten Focus Money PKV Test nichts, aber auch gar nichts gelernt hat. Aber was soll’s, auch die Wirtschaftswoche konnte es ja vor kurzem nicht ansatzweise besser.

Noch bevor ich den Focus Money in der Hand hatte, hatte ich vom Testsieger ein Mailing „wie gut man bewertet wurde“. Nicht, das der Tarif NK Bonus der Halleschen schlecht wäre, sicher nicht. Ich bin selbst seit 1998 dort versichert und auf meinen Bedarf passt dieser gut. Dennoch sind die Aussagen aus dem Test mal wieder mehr als fragwürdig. Doch schauen wir einmal im Detail in den Test.

Franke und Bornberg, die meiner Meinung nach eine etwas eigenartige Auffassung von Tests haben, stand hier beratend zur Seite. Im einleitenden Text wird zunächst noch einmal auf die Wichtigkeit der Bonität des Anbieters hingewiesen, weiterhin erwähnt wie wichtig eine dauerhafte Bezahlbarkeit der Privaten Krankenversicherung (PKV) doch ist.

Weiterlesen? hier geht’s zum vollständigen Artikel

09.
Mai '11

Ratings und Test – eine echte Hilfe bei der Auswahl der passenden Privaten Krankenversicherung?


Wer kennt das nicht. Gerade wenn man auf der Suche nach einem neuen Produkt ist, werden Zeitschriften gewälzt, Tests und Ratings gelesen und die „Testsieger“ muss man natürlich auch für sich haben. Die Suche nach dem passenden Produkt, gerade bei so komplexen und langlebigen Produkten wie der Privaten Krankenversicherung (PKV), einer Absicherung gegen Berufsunfähigkeit oder der privaten Altersvorsorge ist schwer genug.

Fitch Headquarter New York, Foto: Sven Hennig

Fitch Headquarter New York, Foto: Sven Hennig

Es gibt zig verschiedene Ratingagenturen, Zeitschriften und Testberichte. Dazu kommen noch „Nutzertest“ in Bewertungsportalen im Internet und diverse andere „gut gemeinte Ratschläge.

Warum soll ich denn nicht die Testsieger wählen?

Es ist nicht gesagt, dass die Testsieger nicht gewählt werden sollen. Nur pauschal sich auf einen Testsieger zu verlassen ist falsch. Die Frage ist doch nicht „Wer war Testsieger?“, sondern „Wer passt zu meinem Bedarf am besten!“

Gerade in der Privaten Krankenversicherung (PKV) ist die Absicherung und der Bedarf so verschieden, dass eine pauschale Aussage nach Testsiegen nur falsch sein kann. Ein Test von Tarifen oder gar der Servicequalität von Unternehmen ist nicht ansatzweise aussagekräftig. Wie soll ein Journalist beurteilen können, was Sie benötigen, welchen Bedarf Sie haben und was Ihnen wichtig ist?

Auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist es so, wenn auch nicht ganz so extrem. Die Kriterien in der Berufsunfähigkeitsversicherung sind nicht so umfangreich, aber mindestens genau so wichtig. Anders als bei der Privaten Krankenversicherung (PKV), wo Lücken im Versicherungsschutz noch zu verkraften sind (da sich diese oft nur auf einen Ausschnitt beziehen), bedeutet ein schlechtes Bedingungswerk in der Berufsunfähigkeit schlichtweg keine Rentenzahlung. Merken tuen Sie das leider erst im Leistungsfall, also dann wenn es zu spät ist. Eine Korrektur nicht mehr möglich.

Aber der Versicherer XY ist im Internet schlecht bewertet, warum soll ich mich da versichern?

Stellen Sie sich einen (schwer-)kranken Kunden vor. Schreibt dieser in Internetportalen, dass sein Versicherer schnell und unkompliziert leistet? Im Internet werden vorrangig negativ behaftete Meldungen geschrieben und der Kunde „macht seinem Ärger Luft“ und sucht eine Bestätigung. Leider ist in vielen einigen Fällen noch nicht einmal der Versicherer schuld. Nicht? Wer ist denn schuld?

Der Berater! Gerade in einigen Vertrieben und bei Verkäufern wird der schnelle Verkauf angestrebt. Es wird erzählt wie toll der Schutz in der Privaten Krankenversicherung ist, klar das hier nicht die Nachteile und Einschränkungen aufgezählt werden. Würde ja auch das Ziel des (Verkaufs-)Gespräches kaputt machen und somit den Berater um seine Provision bringen. Was passiert also im Leistungsfall?

Schauen wir uns das am Beispiel eines Autos an. Glauben Sie, Sie wären zufrieden wenn Sie denken würden Sie fahren ein Luxusauto und in Wirklichkeit handelt es sich um einen Kleinwagen? Klar, spätestens bei der ersten Rechnung die der Versicherer (berechtigt) ablehnt kommt der Frust und der Ärger. Das vielleicht noch, wenn der Tarif oder der Versicherer damals Testsieger war, Finanztest den Tarif auf Platz 1 gehoben hat oder Zeitschriften wie Capital, Wirtschaftswoche, Euro, Focus Money oder sonstige einen Testsieger kürten?

Daher betrachten Sie solche Aussagen und „Beschwerden“ in Bewertungsportalen bitte mit der nötigen Distanz und hinterfragen mal die Aussagen. Auch in Internetforen lese ich oft „Mein Versicherer hat Leistung A, B, C abgelehnt und ist daher ja nun schlecht.“ Wenn ich dann hinterfrage in welchem Tarif Versicherungsschutz besteht, dann kommt oftmals die Antwort, die mich dann nachdenklich werden lässt. Die eben noch bemängelte Leistung A, B, C ist schlichtweg nicht versichert. Dumm, wenn der Berater dieses verschwiegen einfach nur vergessen hat.

Bevor Sie also einen Tarif auswählen, besorgen Sie sich entsprechende Informationen, hinterfragen die Leistungen und lesen die Bedingungen. Hilfestellungen finden Sie unter anderem in den folgenden Dokumenten:

Leitfaden zur Berufsunfähigkeit

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung

Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeit

und natürlich allen weiteren Beiträgen hier im Blog.

15.
März '10

Focus Money PKV Rating (Ausgabe 11/2010)- unsinnig und irreführend – ein Kommentar


Gerade bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) ist es unabdingbar, auf die persönlichen Wünsche und den individuellen Bedarf des Versicherten einzugehen.

Viele Interessenten sind mit Begriffen wie Hilfsmittelkatalog, Geltungsbereich, Wohnsitzverlegung oder gemischten Anstalten heillos überfordert. Oft bedienen sich Interessenten daher Test in Zeitschriften oder aus Online Vergleichen.

Besonderes bedauerlich ist es daher, das hierbei falsche Absicherungen suggeriert werden, so Sven Hennig, Spezialversicherungsmakler für die Private Krankenversicherung und seit mehr als 13 Jahren in der Branche tätig.

Die Zeitschrift Focus Money (Ausgabe 11/2010) hat, so Sven Hennig, einen solchen unsinnigen Test veröffentlicht. Hierbei wird ein vermeintlicher TopSchutz in Aussicht gestellt, auf Leistungslücken und Ausschlüsse aber nicht eingegangen. Der Interessent der sich auf diesen Test verlässt und einen der dort genannten Tarife ohne eingehende Prüfung abschließt, setzt sich teilweise unkalkulierbaren Belastungen aus.

„In dem aktuellen Focus Money (Ausgabe 11/ 2010) geht dieser Unsinn jedoch so weiter. Zunächst einmal ist es sehr löblich, dass man den unwissenden Kunden vor „versteckten Selbstbehalten“ und sonstigen Eigenbeteiligungen schützen will und diese in dem Rating nun in irgendeiner Form nun berücksichtigt.

Die nächsten Absätze des Textes (Seite 75 ff.) klingen jedoch eher wie ein Loblied auf das Analysehaus und das „neue PKV Rating“. So heißt es dort unter anderem: „Erstmals liegt damit ein Krankenversicherungsrating vor, das die Qualität von Krankenvollversicherungen ausschließlich anhand der Bedingungswerke beurteilt und zudem die Auswirkungen der Selbstbehalte auf die Erstattung berücksichtig.“ Weiter erklärt man dem geneigten Leser dann noch, das nur solche Leistungen bewertet werden, auf die der Versicherte einen verbindlichen Anspruch hat.“

Der vollständige Kommentar steht im Downloadbereich (Direktlink) als kostenfreier Download zur Verfügung.

15.
Oktober '09

Focus Money PKV Test die Zweite – oder: Nichts gelernt aus dem ersten Test


Bereits in der Ausgabe 40/2009 hat FocusMoney versuchte die Komforttarife der Privaten Krankenversicherung zu testen. Bereits da hatte ich in meiner Ausarbeitung (LINK) recht deutlich dargestellt, warum der Test nicht zu gebrauchen ist und mehr schadet als er bringt.  Auch hier im Blog konnten Sie dieses bereits nachlesen.

Als Grundlage hatte ich den Chefredakteur Hr. Pöpsel angeschrieben und meine Bedenken geäußert. Leider ohne jedwede Reaktion, geschweige denn einer Stellungnahme. Doch nun ist mir auch fast klar warum. In der gestern erschienenen Ausgabe 43/2009 veröffentlicht man nun den 2. Teil unter der Überschrift „PATIENT ERSTER KLASSE“. Also sollen hier augenscheinlich nun wohl die besten Tarife getestet werden, also mehr als Komfortschutz.

FocusMoney schreibt dazu im Text:

„… und welche Tarife die besten Leistungen zu bezahlbaren Preisen bieten, erfahren Sie auf den folgenden Seiten- …“

Erstaunlich das einerseits von besten Tarifen die Rede ist, andererseits aber geschrieben steht es gäbe in der Ausgabe 45/2009, also in 2 Wochen einen weiteren Test der Serie, die „Top-Schutz Tarife“. Heute meint man nur die „Ausgewogenen Tarife bei bezahlbarem Schutz für hohe Leistungen“ zu testen.

Auch in diesem zweiten Test hat man es anscheinend nicht geschafft, oder vielleicht einfach keine aktuelle Software gefunden, die Prämien aktuell zu halten. Bei dem „Testsieger“ der AXA ist hier die alte Prämie enthalten. Die Anpassung per 2010 hat man „vergessen“ und nicht mal erwähnt das es eine solche gibt. Damit Sie es aber wissen: Die neuen Prämien der Axa in der dort getesteten Kombination liegt bei Männern bei 299,29 EUR (also immerhin +17,44 EUR oder +6,1% aus den Ursprungsbeitrag) oder bei den Frauen bei 430,52 EUR (+27,32 EUR oder 6,77%).

Bei einer Gewichtung von 40% für den Beitrag (40% Leistung und 20% Finanzstärke) ergeben sich hier schon anschauliche Verschiebungen. Da der Anbieter unter Rang 5 zum Beispiel nicht anpasst, sollte der auf 3 kommen, wenn es „richtige“ Zahlen wären. Ich hatte nicht erwartet das man alle neuen Prämien kennt, aber ein Hinweis auf die Anpassungen wäre schon hilfreich gewesen.

Erstaunlich ist auch die Beschreibung des „Testsiegers“. Da schreibt doch FocusMoney

„in der Regel nicht nur bis zu den Höchstsätzen der Gebührenordnung, sondern bei vorheriger Zusage auch darüber hinaus“

Komisch, bei Zusage… bekomme ich die? Was ist wenn nicht und wie verträgt sich das mit der Aussage in den Bedingungen die da lautet:

Nr. 10 Gebührenordnungen
Als Leistungen der Heilbehandlung gelten die in den jeweils gültigen Gebührenordnungen für Ärzte, Zahnärzte, Psychologische Psychotherapeuten/Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten und Hebammen sowie Gebührenverzeichnissen für Heilpraktiker aufgeführten Positionen, die dem Grunde nach erstattungspflichtig sind. Diese werden bis zu den in oben genannten Gebührenordnungen bzw. Gebührenverzeichnissen festgelegten Höchstsätzen erstattet,  sofern der Tarif nichts anderes vorsieht. Nicht erstattet werden Mehrkosten, die durch eine abweichende Honorarvereinbarung entstanden sind, es sei denn, der Versicherer hat solche Mehrkosten vor Beginn der Behandlung schriftlich als erstattungsfähig anerkannt.

Nur für den Stationären Bereich gibt es eine Erweiterung, auch nur dann wenn es um persönlich vom Chefarzt erbrachte Leistungen geht.

(2) Stationäre Heilbehandlung
In Erweiterung der Nr. 10 TB 2009 „Gebührenordnungen“ werden für vom liquidationsberechtigtem Chefarzt persönlich erbrachte Leistungen im tariflichen Rahmen auch ohne vorherige Zusage Kosten bis zum 5-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte erstattet, wenn eine rechtsgültige, individuelle „abweichende Vereinbarung“ gemäß § 2 der Gebührenordnung für Ärzte getroffen wurde.

Hier werden nicht nur nicht ganz richtige, sondern falsche Aussagen getroffen. Wie Sie oben in den Bedingungen nachlesen können sind die Regelungen etwas anders. Auch hebt FocusMoney in seinem Test auf der Seite 72 (gelber Kasten) die Vorzüge des Testsiegers hervor. Das schreibt man:

„Dort werden vom Chefarzt persönlich erbrachte Leistungen sogar bis zum 5fachen Satz erstattet.“

Dumm nur, das der zweite im Test und sogar der Anbieter auf Rang 7 gar keine Beschränkungen enthält und einfach „über den 3,5 fachen Satz hinaus leistet“. Warum dann die Einschränkung auf den fünffachen Satz positiv sein soll ist mir nicht klar.

Nicht erwähnt werden auch die Preis- Leistungsverzeichnisse bei Zahnersatz etc. So kann sich die Erstattung von augenscheinlichen 75% auch auf unter 50% entwickeln, aber das scheint FocusMoney nicht so sehr zu interessieren.

Weiterhin werden hier angebliche Eintrittswahrscheinlichkeiten berücksichtigt. Kann mir FocusMoney erklären wie wahrscheinlich es ist, das ich krank werde oder nicht? Kann mir der Autor oder das Beratungsunternehmen erklären wann und ob ich jemals einen Rollstuhl, ein Hilfsmittel oder sonstige Leistungen brauche? Natürlich ist es statistisch erwiesen das nur jeder X-te Versicherte in seinem Leben einen Rollstuhl braucht. Aber nur weil die Wahrscheinlichkeit klein ist, verzichte ich da auch auf den Schutz?

Alles in Allem will und werde ich hier nicht jedes Detail dieses fragwürdigen Test kommentieren, aber lesen Sie selbst, machen sich ein Bild und schauen das die für Sie wichtigen Kriterien erfüllt werden. Das sind definitiv nicht die hier genannten, denn es fehlen einige wichtige und andere sind derart eigenartig wenn nicht falsch dargestellt. Nunja, man möge sich fragen wessen und welches Interesse dahinter steht.

Informationen zum Weiterlesen:

Auswahlkriterien zur PKV (LINK)

Kommentar zum ersten Teil des Tests in Ausgabe 40/2009 (LINK)