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28.
September '17

Bekommt die AXA jetzt erneut eine blutige Nase? Beitragsanpassungen unwirksam, bestätigte das Landgericht Potsdam (Az. 6S 80/16)


Das könnte böse enden und nicht nur mit einer Verwarnung oder blutigen Nase, meinen zumindest einige Experten aus der Branche und natürlich die Anwälte der Klägerseite. Bereist im Februar ging das Thema einmal durch die Medien und auch ich hatte damals bereits dazu geschrieben:

Ist die Beitragsanpassung der AXA ab 2000 nun unwirksam? Urteil des Amtsgerichtes Potsdam Urteil AG Potsdam zur Beitragsanpassung der AXA, Az. 29 C 122/16

Die AXA Krankenversicherung hat es derzeit wahrlich nicht leicht. Nicht nur auf der Seite des Neugeschäfts, gerade im Bereich der Bestände häufen sich die Probleme und dann, dann kommt noch die nächste große Beitragsanpassung und damit ein völliges Versagen der Kalkulation? Ist dem so? Ich hatte vor einigen Tagen dazu einmal etwas ausführlicher geschrieben, lesen Sie einfach selbst.

AXA Krankenversicherung mit erneuter Beitragsanpassung und völligem Versagen in der Kalkulation?

Doch heute geht es um den „alten Fall“, einen, den das Amtsgericht Potsdam zunächst mit dem Aktenzeichen 29 C 122/16 zu entscheiden hatte.

  • „Nur ein Amtsgericht“
  • „Nicht relevant, nicht wichtig“
  • „hält einer Überprüfung eh nicht Stand“
  • „Wir sind sehr sicher, dass…..“

All das Aussagen der Axa oder deren Vertreter in den letzten Wochen und Monaten. Auch das BaFin als zuständige Aufsichtsbehörde hatte dazu schon Stellung genommen und sehe auf der Seite des Versicherers kein Verschulden, so lies das BaFin damals verlauten. Das mag auch alles richtig sein, nur dummerweise…

Vor Gericht und auf hoher See…

oder wie genau war noch die „Weisheit“? Also hier scheint sich genau diese zu bewahrheiten, denn die Zuversicht der Entscheidung zu Gunsten der Axa und damit zur Berechtigung der Beitragsanpassung in den Tarifen der AXA ist gestern schnell von Euphorie und Sicherheit auf Ernüchterung und Enttäuschung umgesprungen. Warum? Nun, die Entscheidung des Landgerichtes Potsdam als zuständiges Berufungsgericht ist genau die, die es in Potsdam schon gab, nämlich die gegen eine Wirksamkeit der Beitragsanpassung.

Um was genau geht es in dem Urteil?

Nun, wie in dem Beitrag oben bereits geschrieben (den verlinkten aus Februar) geht es im Wesentlichen um die Frage der Unabhängigkeit des Treuhändlers und damit um die Frage, ob eine erfolgte Erhöhung der Beiträge der AXA Krankenversicherung rechtmäßig erfolgt ist. Diese Frage beschäftigt seit längerem die Gerichte, denn der klagende Kunde zieht- gemeinsam mit seinem Anwalt- die Unabhängigkeit des AXA Treuhändlers in Frage.

Warum überhaupt ein Treuhändler? Nun, Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung sind nötig und erforderlich, können aber eben nicht einfach so nach „Lust und Laune“ erhoben werden, sondern unterliegen engen Regelungen. So heisst es in dem Versicherungsvertragsgesetz dazu:

Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG)
§ 203 Prämien- und Bedingungsanpassung
(…)
(2) Ist bei einer Krankenversicherung das ordentliche Kündigungsrecht des Versicherers gesetzlich oder vertraglich ausgeschlossen, ist der Versicherer bei einer nicht nur als vorübergehend anzusehenden Veränderung einer für die Prämienkalkulation maßgeblichen Rechnungsgrundlage berechtigt, die Prämie entsprechend den berichtigten Rechnungsgrundlagen auch für bestehende Versicherungsverhältnisse neu festzusetzen, sofern ein unabhängiger Treuhänder die technischen Berechnungsgrundlagen überprüft und der Prämienanpassung zugestimmt hat. Dabei dürfen auch ein betragsmäßig festgelegter Selbstbehalt angepasst und ein vereinbarter Risikozuschlag entsprechend geändert werden, soweit dies vereinbart ist. Maßgebliche Rechnungsgrundlagen im Sinn der Sätze 1 und 2 sind die Versicherungsleistungen und die Sterbewahrscheinlichkeiten. Für die Änderung der Prämien, Prämienzuschläge und Selbstbehalte sowie ihre Überprüfung und Zustimmung durch den Treuhänder gilt § 155 in Verbindung mit einer auf Grund des § 160 des Versicherungsaufsichtsgesetzes erlassenen Rechtsverordnung.

Entscheidend hier ist der Streit um die Frage der Unabhängigkeit des Treuhändlers, wenn dieser vorrangig oder überwiegend für einen Versicherer, hier die AXA Krankenversicherung, tätig ist oder war. Die Kernfrage ist dann, ob eine Unabhängigkeit auch dann noch vorliegt, wenn der Gutachter/ Treuhändler den großen Teil seiner Einnahmen von eben diesem einen Versicherer erhält und damit eine gewisse wirtschaftliche Abhängigkeit ausgelöst werden kann.

Das sehen die Gerichte hier anscheinend nicht mehr so und wenn der Treuhändler nicht mehr als unabhängig gilt, so ist die Voraussetzung der Beitragsanpassung in der Privaten Krankenversicherung (bei diesem speziellen Fall) eben hinfällig. Bedeutet: Kunde bekommt seine zu viel gezahlten Beiträge erstattet, dazu gilt weiterhin der alte Beitrag vor der letzten angefochtenen Erhöhung und nur dieser ist auch zu zahlen.

Ist das Urteil rechtskräftig?

Nein, derzeit zumindest nicht. Es gab auch zuvor andere Gerichte, welche die Auffassung der Potsdamer Gerichte nicht teilen. Das AG Hanau (35 C 86/13 und auch das Landgericht Nürnberg-Führt (Az. 2S 3925/15 und 11 O 4343/04) hatten sich vor Jahren schon einmal mit genau solchen Themen zu befassen.

Das Landgericht Potsdam hat gestern dann auch genau solche Grundsatzentscheidung ermöglicht, denn diese ließen eine Revision zu und geben die Entscheidung aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung damit ab an den Bundesgerichtshof, welcher sich dann in einigen Jahren (ja, solange dauert es leider manchmal) mit dem Thema erneut befassen müssen. Eine solche finale Klärung wäre „wünschenswert“, so eine Sprecherin der AXA Krankenversicherung gegenüber dem Branchenmagazin procontra. Dazu muss die AXA in Revision gehen, was diese wohl hier auch tun wird, denn nur so lässt sich die Entscheidung hier 1.) noch ändern und 2.) grundsätzlich klären.

Was bedeutet es für andere Kunden?

Nach aktuellem Stand muss also jeder Kunde, welcher bei der AXA (oder auch anderen Versicherern versichert ist) in dem eigenen Fall erneut klagen. Dabei sind nicht nur Verjährungsfristen zu beachten, auch die Frage nach dem Kostenrisiko stellt sich hier. Ohne Rechtsschutzversicherung kann sich hier schnell ein entsprechen hohes Risiko ergeben und dessen sollte sich jeder bewusst sein, der diesen Weg bestreiten möchte.

Dennoch, werden Anpassungen später als unwirksam festgestellt, so besteht hier ein durchaus hohes Rückzahlungspotetial, denn neben der AXA geht die Kanzlei auch noch gegen die DKV derzeit gerichtlich vor. Nochmals: Es sind immer Einzelfälle und damit auch Einzelfallentscheidungen und nicht zwingend auf andere Kunden übertragbar.

Klar, ein Kunde der nun am gleichen Ort sitzt, also in Potsdam und für den die gleichen Gerichte zuständig sind, der könnte durchaus mit einer ähnlichen Entscheidung rechnen, eine Sicherheit oder gar Garantie gibt es aber hier natürlich auch dafür nicht.

Was müssen Sie als AXA Kunde tun?

Derzeit müssen Sie ganz für sich allein entscheiden, ob Sie ebenfalls den Klageweg bestreiten wollen. Dazu sprechen Sie dieses am besten mit einem entsprechend spezialisierten Rechtsanwalt durch und überlegen sich- auch in Hinblick auf das Kostenrisiko- Ihre Entscheidung genau. Bitte beachten Sie dabei auch entsprechende Verjährungsfristen. So lassen sich nicht in 3, 4, 5 Jahren noch alte Beitragsanpassungen anfechten, welche bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht verjährt sind.

Natürlich könnten Sie mit der AXA (oder einem anderen Krankenversicherer) eine Aussetzung der Verjährung beantragen, Klage ergeben die eine solche Verjährung hemmen kann oder weitere Schritte, zu denen Sie nur Rechtsanwälte beraten können und dürfen, unternehmen. Das ist aber alles eine sehr persönliche Entscheidung und sollte gut überlegt sein.

Wir wissen derzeit alle nicht, wo 1.) die Reise hin geht, 2.) ob sich der BGH (wenn es denn zur Revision kommt) der Entscheidung der Vorinstanzen anschließt oder dieses ganz anders entscheidet. Im besten Fall (für den Kunden) führt es zu einer Unwirksamkeit der Beitragsanpassungen ab einem bestimmten Datum, im schlechtesten Fall (aus Kundensicht) bringt der Weg gar nichts.

Eines ist in jedem Falle positiv: Mit einer höchstrichterlichen Entscheidung bietet es für alle Versicherten und Versicherer deutlich mehr Sicherheit in der Frage der Beitragsanpassung und der Unabhängigkeit des Treuhändlers.

06.
Oktober '14

Soll ich als junger Mensch heute noch in die Private Krankenversicherung? Überlegungen zu unterschiedlichen Systemen


Eine interessante Frage, welche ein Maklerkollege in einem Forum gestellt hat. Grund dafür war sein Wechsel zu einer Kapitalgesellschaft und er überlegte somit nun für sich selbst, ob das eine (gesetzliche) oder das andere (private) System nun das passende ist. In meinen, bald in dritter Auflage erscheinenden „Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung“ habe ich bereits einige grundlegende Unterschiede hierzu erklärt, ebenso finden sich hier Informationen zu der Funktionsweise beider Systeme. Doch zurück zur eigentlichen Frage, die er nicht nur diesen (auf Sachversicherungen spezialisierten) Kollegen betrifft, sondern auch viele meiner Kunden. Auch hier stellt sich grundsätzlich die Frage, welches Krankenversicherungssystem langfristig das bessere passender für den jeweiligen Interessenten ist.

Um eine solche Entscheidung treffen zu können, sind ganz viele unterschiedliche Punkte zu berücksichtigen und es geht dabei nicht, nicht einmal nachrangig um die Prämie sondern um eine grundsätzliche Entscheidung, welche von Leistungen, der eigenen Zukunftsplanung und den persönlichen Ansprüchen getragen werden sollte.

Familien immer in die Gesetzliche Krankenkasse (GKV)?

Auch hier hilft uns eine pauschale Aussage leider überhaupt nicht weiter. Es gibt durchaus eine Reihe von privat versicherten Kunden, welche dort überhaupt nicht hingehören, auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Familien (auch in meinem Kundenkreis) welche sich bewusst und unter Kenntnis der finanziellen Belastungen für das System der privaten Krankenversicherung entschieden haben. Auch hierzu habe ich bereits etwas in meinem Beitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ geschrieben und versucht deutlich zu machen, dass es auch langfristig kein Modell zum Geld sparen ist.

Weiterhin stellt sich natürlich hierbei die Frage der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit und der heutigen (und langfristigen) finanziellen Situation. Diese ist leider nicht immer im Detail planbar und daher bergen natürlich beide Systeme unterschiedliche Risiken. Besondere Vorteile, welche in der gesetzlichen Krankenkasse oftmals angeführt werden, gelten auch hier nicht für jeden (freiwillig) Versicherten. Dazu zählen unter anderem die Beitragsfreiheit während der Elternzeit, aber auch die Tatsache dass ein Elternteil bei Erkrankung des Kindes krank geschrieben werden kann. Die Beitragsfreiheit kann in einigen Tarifen der privaten Krankenversicherung ebenfalls enthalten sein, ist jedoch kein genereller und verpflichtender Bestandteil. Dieses ist also ein weiterer Punkt, welcher bei der Auswahl des entsprechenden Tarifs und der Gesellschaft berücksichtigt werden sollte.

„Ich bleibe in der GKV, dann kostet das Kind nichts.“

Wirklich? Auch dieser, immer wieder aufgezählte, Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse ist in jedem Fall genau zu durchleuchten. Hierbei spielt es unter anderem eine Rolle, ob die Eltern verheiratet sind und in welchem der beiden Systeme wer versichert ist. Damit Sie ganz einfach herausfinden können ob es einen beitragsfreien Versicherungsschutz für ihr (zukünftiges) Kind gibt, werden sie gern einmal einen Blick auf mein Schaubild zur Versicherung der Kinder in der Krankenversicherung.

Eine generelle Aussage, dass Kinder demnach immer beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse sind, stimmt daher nicht. Auch solltest durchaus Kinder geben, welche aus bestimmten Überlegungen der Eltern ein eigenes Einkommen haben und auch hier unter bestimmten Umständen aus einer beitragsfreien Familienversicherung eine kostenpflichtige, freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse werden kann.

„Die Leistungen die mir fehlen, die gleiche ich mit einer Zusatzversicherung aus.“

Natürlich lassen sich einige Bereiche der privaten Krankenversicherung durchaus mittels einer Zusatzversicherung zur GKV abdecken, auf der anderen Seite gibt es irgend eine Reihe von Leistungsmerkmalen, welche sich nicht ergänzen lassen. Im stationären Bereich lassen sich die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung durchaus mit einer privaten Zusatzversicherung entscheidend verbessern. Dabei geht es nicht nur um die freie Auswahl des Krankenhauses, sondern auch um eine Versorgung in einem Ein-oder Zweibettzimmer, oder auch die (zum Teil sehr wichtige) gezielte privatärztliche Behandlung. Dabei geht es gar nicht darum, ob nun unbedingt der Chefarzt einer Klinik derjenige sein muss, der eine bestimmte Behandlung besonders gut kann. Hier herrscht oftmals sogar die Befürchtung, dass die Chefärzte es teilweise sogar „schlechter behandeln“ als der (Ober-) Arzt, der ist die ganze Woche über tut.

Bei der so genannten Wahlleistung Privatarzt geht es vielmehr darum, den gewünschten Arzt einer Klinik gezielt auswählen zu können und sich bewusst für eine Behandlung bei diesem zu entscheiden. Gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen, welche zudem noch eine planbare Behandlung ermöglichen, ist die Auswahl eines entsprechenden Arztes mit ausreichender Spezialisierung und Erfahrung unter Umständen von entscheidender Bedeutung.

Mit einer hochwertigen Zusatzversicherung, welche aber durchaus auch dreistellige Monatsbeiträge zur Folge haben kann, lässt sich der gesetzlich Versicherte (fast) auf den Status eines Privatversicherten mit einem leistungsfähigen Tarif anheben. Teilweise ist diese Versorgung sogar besser, als ein leistungsreduzierter (um nicht zu schreiben schlechter) Tarif der privaten Krankenversicherung.

Auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel der zahnärztlichen Versorgung, ist eine entsprechende Zusatzversicherung eine Möglichkeit den eigenen, gesetzlichen Krankenversicherungsschutz entsprechend aufzuwerten und sich die gewünschte (hochwertigere) Behandlung damit zu erkaufen.

Bei Kindern denkt man häufig an die (fast schon typische) Versorgung mit einer Zahnspange, also die Behandlung im Rahmen einer kieferorthopädischen Versorgung. Diese ist nicht nur sehr kostenintensiv, hierbei handelt es sich auch um eine Leistungsbereich der nur „so leidlich“ durch eine Zusatzversicherung ausgeglichen werden kann. Es existieren zwar entsprechende Tarife für die kieferorthopädische Versorgung von Kindern, jedoch müssen diese in einem bestimmten Alter abgeschlossen sein, und haben auf der anderen Seite recht hohe Beiträge. Da stellt sich am Ende fast die Frage, ob es sinnvoller ist das Geld selbst zurückzulegen, statt einen entsprechenden Tarif für die KFO Behandlung abzuschließen.

Im Rahmen dieser Aufstellung der Leistungsbereiche in Ergänzung zur gesetzlichen Krankenkasse sei jedoch noch erwähnt, dass auch für das gesetzliche Krankentagegeld eine entsprechende Ergänzung sinnvoll ist, denn wie der Krankengeldrechner Ihnen zeigt, besteht gerade hier ein großes finanzielles Risiko welches in der gesetzlichen Krankenkasse nicht abgedeckt werden kann.

Aber wenn ich doch die Beiträge später nicht bezahlen kann?

Das Risiko steigender Beiträge, unter anderem aufgrund von gestiegenen Gesundheitskosten wird beide Systeme in vergleichbarem Maße treffen. Während die gesetzliche Krankenkasse als umlagefinanziertes System Steuerzuschüsse bekommt und zudem von der Konjunktur abhängig ist, ergeben sich in der privaten Krankenversicherung durchaus andere Probleme. Insbesondere der, der heute auf „Geld sparen“ setzt und glaubt, er wechsle in ein System mit besseren Leistungen und gleichzeitig (langfristig) geringeren Beiträgen der unterliegt einem Irrglauben. Insbesondere die Tarife die heute am Markt deutlich günstiger als andere vergleichbare sind, oder die die hohe Beitragsrückerstattungen ausschütten, werden irgendwann ein Problem mit der Gegenfinanzierung haben.

Man kann Geld schlicht und ergreifend nur einmal ausgeben und die Beträge die heute fehlen, die lassen sich nur schwer wieder hereinholen. Es fehlt ja nicht nur der Betrag X den sie heute monatlich weniger einzahlen, sondern es fehlt insbesondere der Zins und Zinseszinseffekt durch die Wiederanlage dieser Beträge.

Die Beiträge sind sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Das wird sich auch zukünftig zu fortsetzen. Wer also Befürchtungen hat, seine Beiträge langfristig nicht bezahlen zu können, der muss heute gegensteuern und entsprechende Rücklagen für (egal welches) System bilden um diese zukünftigen Anpassungen abfedern zu können.

Dazu bieten sich in der privaten Krankenversicherung unterschiedliche Möglichkeiten, das kann, muss aber nicht ein Baustein zur Beitragsentlastung in dem eigenen Krankenversicherungsvertrag sein. In der gesetzlichen Krankenkasse haben wir in den vergangenen Jahren ebenfalls durchaus deutliche Steigerungen der Beitragssätze bzw. der endgültigen Beitragsbelastung gesehen. Diese hat jedoch durchaus mehrere Gründe und ist nicht immer an der Steigerung des Beitragssatzes nachvollziehbar. Insbesondere trifft es die Versicherten, welche oberhalb der so genannten Beitragsbemessungsgrenze liegen. Durch die Anhebung dieser Grenze, stieg auch die Summe der Beträge, auf welche Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse entrichtet werden müssen. Aus diesem Grund muss sich der Beitragssatz gar nicht verändern, dennoch steigt der Beitrag entsprechend an.

Beitragsentwicklung GKV

Zum 1. Januar 2015 werden wir eine Reduzierung des Beitragssatzes um 0,9 % erfahren, jedoch für das nicht zwingend zu einer Reduzierung der Beiträge. Zum Einen wird die Beitragsbemessungsgrenze angehoben (+900 € pro Jahr) und zum Anderen wird der wegfallende Zusatzbeitrag durch die Krankenkassen aufgefangen werden müssen. Dieses geschieht (so der Wille des Gesetzgebers) mit einem prozentual vom Einkommen abhängigen Zusatzbeitrag. Es wird also nicht mehr ein fester und damit pauschaler Zusatzbeitrag für alle festgelegt, sondern ein bestimmte, prozentualer Anteil der beitragspflichtigen Einnahmen zusätzlich erhoben. Diesen kann man eine gewisse Zeit sicherlich durch ein „Hin-und her wechseln“ der GKV entstehen, das wird jedoch nur begrenzt funktionieren.

Die Patentlösung gibt es nicht!

Wer nun glaubt er bekäme einen „schnellen Ratschlag“ welches System für ihn das richtige und passende ist, den muss ich leider auch am Ende dieses Beitrages enttäuschen. Eine pauschale Aussage gibt es nicht, sondern vielmehr eine genaue Abwägung der persönlichen Ansprüche und der Möglichkeiten diese zu realisieren. Dazu muss nicht nur die Unterschiedlichkeit der Systeme verstanden werden, sondern vielmehr muss sich der Interessent/Kunde überlegen, welche Variante er für sich für die passende hält.

PKV macht Arbeit!

Wer sich für die private Krankenversicherung (PKV) entscheidet, der sollte sich ebenfalls klar darüber sein, dass er selbst Zahler gegenüber dem Arzt ist. Sie oder er entscheiden selbst und eigenständig welche Behandlungen sie bei dem Arzt in Anspruch nehmen, denn nur der Patient geht ein Vertragsverhältnis mit dem Arzt ein. Diese schreibe ich auch deshalb so deutlich, weil in den Medien manchmal von einer „Übermaßbehandlung“ von Privatpatienten die Rede ist. Für mein Verständnis gehört nur derjenige in die private Krankenversicherung, der in der Lage und willens ist sich selbst und bewusst mit der Behandlung auseinander zusetzen. Dazu gehört eben auch Behandlungsmethoden abzulehnen oder sich für eine zweite Meinung eines anderen Arztes zu entscheiden.

Grundsätzlich ist dieses Verständnis auch in der gesetzlichen Krankenkasse nötig und sollte normalerweise für jeden Patienten selbstverständlich sein. Dem Irrglauben zu unterliegen, der Arzt machen alles richtig und man ließe das mal alles so „über sich ergehen“ ist nicht nur bei einem privat versicherten Patienten der falsche Ansatz. Der (wie er so gern tituliert wird) „mündige Patient“ ist eine zwingende Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Er ist aber zudem eine zwingende Voraussetzung dafür, dass Gesundheitssysteme langfristig funktionieren.

Wenn Sie also als privat oder auch gesetzlich versicherter Patient das Gefühl haben, Ihr Arzt behandelt sie „nur des Geldes wegen“ oder um irgend eine bestimmte Behandlungsmethode einmal „testen zu können“ dann sollten Sie schleunigst den Arzt wechseln.

Entscheiden Sie sich bewusst!

Wenn Sie also gerade jetzt vor der Frage stehen, ob sie in der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung richtig aufgehoben sind, dann tun sie sich zunächst einmal einen großen Gefallen damit, wenn Sie sich Zeit lassen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und versuchen Sie beiden unterschiedlichen Systeme zu verstehen und machen sich genauestens mit den Gegebenheiten in dem einen, wie dem anderen System vertraut. Erst wenn sie verstanden haben wie das System der gesetzlichen Krankenkassen funktioniert, wie sie dieses verlassen können und wie sie auch gegebenenfalls in dieses wieder zurückkehren können, erst dann sollten Sie eine begründete Entscheidung für die private Krankenversicherung treffen.

Haben Sie das System der privaten Krankenversicherung nicht durchschaut, so bleiben sie da wo sie sind. Ein großer Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse liegt unter anderem darin, dass Ihnen (Entschuldigen Sie bitte die direkte Formulierung) jemand in verschiedenen Bereichen das Denken abnimmt. Eine Auseinandersetzung mit dem Arzt oder seinen Behandlungsmethoden ist hier trotzdem angeraten, unterlassen Sie dieses ist es unter Umständen aber Anführungsstriche unten nicht so schlimm“, da die Regulierungen der gesetzlichen Krankenversicherung einem gewissen Rahmen bilden.

Diesen regulierenden Rahmen haben sie jedoch in der privaten Krankenversicherung oftmals nicht. Der Arzt geht davon aus, dass all da, was er abrechnen möchte und behandeln möchte auch von Ihnen bezahlt wird und wer die Leistungen beansprucht wird auch zunächst einmal zahlungspflichtig. Das betrifft natürlich nicht falsche Rechnungen und überhöhte Abrechnungen (gegen diese müssen Sie als Privatpatient natürlich vorgehen).

Ich bin, für einen ganz bestimmten Kundenkreis davon überzeugt, dass die private Krankenversicherung das richtige System ist. Ebenso glaube ich aber das viele, welche sich heute in der privaten Krankenversicherung befinden (und durch „windige Berater“ in dieses System gebracht wurden) deutlich besser in der gesetzlichen Krankenversicherung aufgehoben wären. Daher spricht auch nichts dagegen, in einer vernünftigen Beratung einem Kunden von einem Wechsel in das System der PKV abzuraten, und ja, das kann man auch wenn man Versicherungsmakler mit dem Schwerpunkt private Krankenversicherung ist. Ein ebenso vernünftiger Rat am Ende einer Beratung kann lauten: „Die Bereiche X, Y, Z lassen sich durch eine entsprechende Zusatzversicherung dem Anbieter A, B, C ausgleichen, ansonsten bleiben Sie bitte in der GKV!“

Einige von ihnen haben (weil sie genug verdienen, oder sich für eine Selbstherrlichkeit entschieden haben, oder Beamte sind) von dem Gesetzgeber eine Auswahlmöglichkeit zugestanden bekommen, andere müssen sich mit dem System in das sie zwangsweise eingegliedert werden begnügen.

Es gibt eben kein „richtiges oder falsches System“, sondern nur den passenden Interessenten für das passende System.

11.
Januar '09

Private Krankenversicherung- soll ich oder soll ich nicht?


 

Immer wieder wird mir in meiner Beratung die Frage gestellt ob ein Wechsel in die Private Krankenversicherung sinnvoll ist. Soll ich oder soll ich nicht? Sollte ich jetzt wechseln oder noch warten? Fragen über Fragen.

Die Antwort: Ja und Nein

Lassen Sie mich hierzu etwas weiter ausführen, denn so pauschal kann keine Antwort gegeben werden. Stellen Sie sich vor Sie wären Vekäufer von Autos eines großen Herstellers. Nun käme ich morgens um kurz nach neun zu Ihnen und sage Ihnen: „Ich möchte ein Auto kaufen, was können Sie mir empfehlen?“

Alles oder nichts würden Sie zuerst antworten. Natürlich denn Sie wissen ja nicht was ich will, was ich brauche und/ oder was ich mir überhaupt leisten kann. Einerseits könnte der Kleinwagen für mich das richtige sein, denn ich möchte vielleicht Benzin sparen, brauche wenig Platz und fahre wenig. Den könnten Sie mir empfehlen.

Ich erzähle Ihnen dann jedoch, dass ich eine Familie mit 2 Kinder und einem Hund habe. Oh, werden Sie entgegnen, das habe ich nicht gewusst. Dann habe ich genau das richtige Fahrzeug für Sie, schauen Sie… und Sie führen mich zu einem schönen Familienauto und sind glücklich mit Ihrer Entscheidung. Ich nicht!

Nachdem Ihre Verwunderung größer wird erzähle ich Ihnen von meinem Plan. Ein Familienauto haben wir letztes Jahr erst gekauft und sind sehr zufrieden. Ich suche ein Auto das „Spaß macht“. Ein Cabrio indem ich mit meiner Frau oder meinem Kind fahren kann, was Spaß macht, spritzig ist und chic.

Sehen Sie, Sie haben mir ein Produkt empfohlen was ich nicht brauchte, nicht wollte und ich werde es nicht gebrauchen können. Genau so ist es auch in der Privaten Krankenversicherung. Eine pauschale Empfehlung ob die Private, die Gesetzliche oder eine Gesetzliche Kasse mit Privater Zusatzversicherung für Sie geeignet ist, ist unmöglich und unseriös.

Bevor eine sinnvolle Beratung zur Absicherung des Gesundheitsrisikos möglich ist, müssen eine ganze Reihe von Vorgaben, Zielen und Wünschen geklärt, analysiert und besprochen werden. Nur wenn Sie wissen was es überhaupt für Möglichkeiten gibt können Sie entscheiden was Sie brauchen und was Ihnen wichtig ist.

Auch der Mythos das die Private Krankenversicherung nicht für Familien geeignet ist, ist Unsinn. Warum darf eine Familie nicht einen hohen Leistungsanspruch an die eigene Gesundheitsvorsorge haben und diesen durch eine Private (Zusatz-) Krankenversicherung absichern? Warum sollte nur der gutverdienende Single in die Private Krankenversicherung?

Sie sehen das es Fragen über Fragen gibt, welche besprochen und geklärt werden müssen und zu denen Sie sich Gedanken machen müssen- es hilft alles nichts.

Eine erste Unterstützung finden Sie unter anderem im Downloadbereich auf meiner Internetseite. Dort können Sie sich im Leitfaden Private Krankenversicherung über die grundsätzlichen Systemunterschiede informieren. Der Kriterienfragebogen hilft Ihnen einen ersten Eindruck zu bekommen an was Sie alles denken sollten/müssen um eine fundierte Entscheidung fällen zu können.

Alles in Allem ist die Krankenversicherung eine Rückversicherung von allem, was Sie nicht selbst zahlen könnten. Nicht mehr und nicht weniger. In der gesetzlichen Variante ist es schwieriger sich die Leistungen auszusuchen. Dieses geschieht zum Teil mit Wahltarifen, welche in der Regel eine 3-Jahresbindung haben. 

Bei allen Varianten gilt aber eins: Alles Risiken die Ihre Existenz bedrohen und Sie in ein finanzielles Loch stürzen gehören vernünftig abgesichert. Auch das ist leider bei einer großen Anzahl der Privaten Krankenversicherungstarifen nicht der Fall- hier ist Beratung zwingend erforderlich um nicht im Leistungsfall eine Vermutung wie „die zahlen das schon, ich bin ja privat“ aufzusitzen.

Weitere Fragen beantworte ich Ihnen gern. Sprechen Sie mich gern an oder schreiben Sie mir.