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06.
Dezember '12

Alt, pflegebedürftig und dann ins Ausland abgeschoben? Wollen Sie das?


Da ist es wieder, das ungeliebte Thema. Wer will sich schon vorstellen pflegebedürftig, alt oder gar beides zu sein und nicht mehr allein für sich sorgen zu können. Doch leider können wir in den meisten Fällen nichts daran machen. Der NDR zeigte gestern auf panprama3 einen interessanten und für mich sehr sachlichen Beitrag. Dabei ging es weniger um die steigenden Kosten der Pflege oder um Horrprszenarien, vielmehr um die realen Beispiele einer Pflege im Ausland. In Ungarn, Rumänien oder auch anderen Staaten ist eine Pflege oftmals billiger günstiger als bei uns hier. (Klick auf das Bild für das Video)

 

Doch ist es so einfach? Gehe ich dann einfach ins Ausland und da reicht es schon?

Das könnten Sie tun. Einfach umziehen, ab ins Ausland und die Pflege kostet (heute zumindest) einen Bruchteil der Beträge die in Deutschland aufzuwenden sind. Kingt fast zu schön um wahr zu sein- oder? Doch dieser „Export“ hat auch Nachteile. Wenn Sie allein leben und niemanden mehr haben, dann mag es vielleicht das Problem von Heimweh oder den Wunsch nach Nähe zur Familie und Freunden nicht (mehr) geben, vielleicht. Aber wer will schon allein in einem fremden Land alt werden? Fragen Sie mal wer in Ihrem Bekanntenkreis sich das vorstellen kann und vor allem will. Auch die Angehörigen sind betroffen, denn diese müssen im schlimmsten Fall für einen Teil der verbleibenden Kosten aufkommen und diese mit finanzieren. Will man seine Eltern aber einfach „ins Ausland abschieben schicken“?

Und ein weiteres Problem kommt noch hinzu. Auch wenn es in den Pflegeheimen dort oft viel mehr Angestellte und Hilfskräfte gibt und auch wenn sich alle liebevoll kümmern, es ist und bleibt ein fremdes Land und eine fremde Sprache. Daran ändert es nichts, dass es da schön ist. Obwohl viel und ausdauernd über das deutsche Gesundheitssystem gemeckert wird, wir haben immer noch eine der höchsten Medizinischen Versorgungsstandards der Welt- will ich diesen nicht auch im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit nutzen? ICH schon! (mehr …)

11.
Oktober '12

Stern TV und Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten zum Thema (private und gesetzliche) Krankenversicherung- oder fragen Sie den Blinden nach den Farben des Regenbogens


Es ist schon beeindruckend, wie man es bei den deutschen TV Anstalten schafft, „Spezialisten“ einzuladen und Themen so aufzubereiten, dass diese in die eine gewollte Richtung gehen. Ein solches Glanzstück durfte erleben, wer gestern Abend (10.10.2012, 22:15 Uhr) die Sendung sternTV eingeschaltet hat. Im Vorfeld hatte RTL auf seiner Hompage bereits berichtet, welche „Spezialisten“ man in der Sendung haben wird. Einer der ausgewiesenen Experten zum Thema Krankenversicherung sollte Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten sein. Bevor Sie nun weiter lesen, machen Sie sich einmal schlau wer der BdV ist, wer ihn wie bezahlt und welche Ziele er somit verfolgen könnte, das aber nur am Rande.

Doch zurück zur Sendung. Wie immer geht es in solchen Formaten um „drastische Beispiele“ des bösen Versicherers, des nichtsahnenden und unbedarften Kunden. Eines der Beispiele lässt sich noch im Nachhinein auf der Homepage von sternTV nachlesen. So heißt es da im Detail:

Vor zehn Jahren hatte er bei der Allianz einen Vertrag mit einer fatalen Regelung geschlossen: Kosten für Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen werden nur bis 2.500 Euro pro Jahr übernommen. Dadurch sind ihm rund 10.000 Euro eigene Kosten entstanden. Zwar hatte die Allianz ihm mehrfach ein Hochstufung seine Tarifs angeboten. Welche existenziellen Leistungseinschränkungen ihm im Fall der Fälle möglicherweise drohen, das war Austmeier nicht klar. Das bemängeln auch Experten: Die Köder-Tarife werden nicht bedarfsgerecht für Kunden entwickelt, sondern mit Blick auf den Preis, um beim Versicherungsvergleich zunächst gut abzuschneiden und den Kunden für sich zu gewinnen. Das hat dazu geführt, dass viele Billigtarife mit drastischen Leistungsausschüssen auf dem Markt sind.

Da hat also ein Kunde vor 10 Jahren den Schritt in einen Billigtarif vollzogen, mit einem Berater oder nicht, mit einem Makler oder nicht, um möglichst viel Geld zu sparen. Nur mal angenommen, dieser Billigtarif habe damals 300 EUR gekostet, was für viele dieser Tarife schon zuviel ist (man will ja billig), mit welcher Berechtigung kann und sollte dieser dann mehr, oder soviel leisten, wie in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV)?

Es ist schlichtweg unmöglich aus dem einen in ein anderes System zu wechseln, dabei 50% und mehr an Beitrag zu sparen und dann auch noch der Meinung sein zu wollen, das hier die gleichen oder gar bessere Leistungen zur Verfügung stehen. Die Private Krankenversicherung ist kein Produkt, wo es auch nur ansatzweise gelingen würde, Geld zu sparen. Wie auch, bei gleichen oder besseren Leistungen (und möglicherweise höheren Arztkosten) muss auch hier das Geld „irgendwo her kommen“. In meinem Blogbeitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ habe ich im Detail genau zu diesem Thema geschrieben.

Das Problem ist aber leider ein anderes.

Es muss in der Beratung (bei meinen Kunden zum Glück nicht) immer billig sein. Auf der anderen Seite ist aber der Kunde nicht bereit (und der Berater vielfach nicht in der Lage) die Unterschiede und großen Gefahren einer falschen Tarifwahl darszustellen. Eine Leistung von 2.500 Eur für Prothesen ist schlichtweg zu wenig und das gleich aus zwei Gründen. Einer der Gründe liegt in der Tatsache, das der Betrag heute für eine Versorgung zu niedrig ist. Bei einem (üblichen) Preis von bis zum 25.000 Eur pro Prothese (wie in einem anderen Fall der Sendung) sind 2.500 EUR ein Tropfen auf den heißen Stein, aber nicht mehr. Zudem sind absolute Betragsgrenzen ein großes Problem, denn was sind 2.500 EUR heute, in 10, 20 oder 30 Jahren noch wert? Und bevor Sie narüber nachdenken- nein- es findet keine automatische Anpassung dieser Grenzen an die Inflation oder gar steigende Kosten statt.

Es ist viel schief gegangen in der PKV Beratung

Nicht nur bei dem Skandalvertrieb MEG aus Kassel, wo man der Meinung war in 20 Minuten müsste die PKV verkauft sein, auch andere Berater und Unternehmen haben genau das versucht. Eine Beratung zur Privaten Krankenversicherung dauert aber Stunden. Vielleicht nicht 20, aber irgendwas in der Mitte von 20 Minuten und 20 Stunden kommt schon hin. (mehr …)

08.
Februar '10

Lieber Kasse als privat? Kommentar Teil II zum Stern Artikel 6/2010


(LUH) Bereits in der letzten Woche konnten Sie den ersten Teil des Artikels „Lieber Kasse als privat? Kommentar zum Stern Artikel 6/2010“ hier im Blog lesen.

Dabei wurde bereits deutlich, das es nicht generell das beste/ bessere System gibt. Zunächst einmal muss die persönliche Situation geprüft werden und dann Vor- und Nachteile abgewogen. Pauschal zu sagen das dieses oder jenes System besser ist halte für für falsch.

In dem Artikel des Stern ging es unter anderem um einen Fall des Robert Langner, 57. Dieser sollte an den Stimmbändern operiert werden, um eine Zyste zu entfernen. Die Allianz als private Krankenversicherung des Kunden lehnte die Kostenübernahme mit dem Verweis ab, dieses sei nicht medizinisch notwendig. (lenkte aber noch vor einem Urteil ein).

Diese Situation ist einer der Hauptgründe für die Ablehnungen. Neben der Tatsache das Leistungen (bewusst oder unbewusst) nicht abgeschlossen wurden, ist die medizinische Notwenigkeit immer Grundlage der Erstattung.

In §1 (2) der Musterbedingungen der privaten Krankenversicherung heiß es:

(2) Versicherungsfall ist die medizinisch notwendige Heilbehandlung einer versicherten Person wegen Krankheit oder Unfallfolgen.

und weiter:

Als Versicherungsfall gelten auch

a) Untersuchung und medizinisch notwendige Behandlung wegen Schwangerschaft und die Entbindung,

b) ambulante Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten nach gesetzlich eingeführten Programmen (gezielte Vorsorgeuntersuchungen),

c) Tod, soweit hierfür Leistungen vereinbart sind.

Und genau hierin liegt das Problem. Die Auffassungen was denn medizinisch notwendig ist und was nicht gehen oft weit auseinander. Es wird geprüft und entschieden und der Kunde muss sich wehren wenn er der Meinung ist das es nicht gerechtfertigt ist, was der Versicherer hier schreibt.

Pauschal lässt sich dieses jedoch nicht vorhersagen. Auch lassen sich zumeist keine Aussagen treffen welche Versicherer „streng oder lax“ entscheiden. Dieses wäre auch nicht zielführend, denn eine laxe Entscheidung hat höhere Kosten/ Beiträge zur Folge.

Natürlich möchte jeder so schnell als möglich eine schnelle Entscheidung/ Zusage. Jedoch sollte man dem Unternehmen auch Zeit geben Befunde auszuwerten und einen Arzt zur Beurteilung zu konsultieren. Leider ist dieses dann oft nicht das, was sich der Kunde unter einer schnellen Prüfung vorstellt.

Weiterhin schreibt der Autor in seinem Artikel aber einen sehr interessanten Satz:

„Denn wer privat versichert ist, lebt keineswegs automatisch günstiger und meist auch nicht besser.“

Mit Ausnahme des Wortes „meist“ sehe ich es genau so!

Private Krankenversicherung (PKV) bedeutet nicht günstig. Weder automatisch noch geplant. Aussagen wie „PKV für 59 EUR“ sind nicht nur Unsinn, sondern sollten meines Erachtens verboten werden. Es ist unmöglich vermeintlich mehr Leistung zu einem deutlich günstigeren Preis zu bekommen. Die PKV kommt wie die gesetzliche Krankenkasse (GKV) um die Faktoren wie „älter werden“, höhere Kosten der Medizin, neue/ teure Medikamente nicht herum.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen sich privat zu versichern, so machen Sie es sorgfältig und lassen sich ausreichend Zeit. Nehmen Sie sich Zeit die Kriterien auszuwählen die genau für Sie wichtig sind. Machen Sie sich mit einem spezialisierten und qualifizierten Berater Gedanken darüber, was Lücken im Schutz für finanzielle Auswirkungen haben. Ein Brille mit 400 EUR ist noch schnell selbst bezahlt, eine Prothese für mehrere tausend Euro eben nicht mehr.

Weder das System der GKV noch das der PKV passt pauschal und immer für jeden. Auswahl und individueller Bedarf und die Planung der eigenen Zukunft sind hierbei elementar wichtig. Dieses klar und deutlich zu sagen hätte auch dem Stern gut getan. Denn es gibt tausende von Fällen in der GKV und PKV wo es zu Streit und Auseinandersetzungen kommt. Oftmals in der GKV eben auch wegen solcher, hier geschilderter Fälle. Warum man dieses nicht schrieb bleibt wohl das Geheimnis des Autors.

Weiterführende Informationen:

Leitfaden Private Krankenversicherung

Auswahlkriterien zur PKV