Artikel mit ‘Beratungsfehler’ getagged

28.
September '16

Es ist- verdammt nochmal- anzugeben was der Versicherer fragt, nicht was der Vertreter meint


In den letzten Wochen häufen sich wieder einmal die Fälle in denen Plötzlich Vertreter und auch Makler zu Juristen, Ärzten und Versicherungsmitarbeitern in Personalunion mutieren und das bringt mich auf die Palme. Da werden Kunden in ihr Unglück gestürzt und das sogar noch ruhigen Gewissens. Ja, Kunden sind leider auch zu leichtgläubig und hören gern „das brauchen Sie nicht angeben“, dennoch möchte ich den Beitrag eines Kollegen in einem internen Forum aufgreifen um das Thema noch einmal klarzustellen.

Die vorvertragliche Anzeigepflicht – was ist das?

Stellen Sie einen Antrag auf Personenversicherung, einen wo Gesundheitsfragen zu beantworten sind, dann hat das wahrheitsgemäß zu erfolgen. Nicht „ein bisschen“, nicht „nur einzelne Fragen“ und nichts weglassen. Warum glauben Sie wohl stellen Versicherer diese Fragen? Weil Sie keine Antworten wollen oder nur die halbe Frage beantwortet werden muss sicher nicht.

Daher sind in den Anträgen auch extra Hinweise enthalten, nach denen die Fragen zu beantworten sind. Bei einem großen deutschen Beamtenversicherer sehen diese Hinweise zum Beispiel genau so aus. Deutlich, oder?

debeka-vva-hinweis

Die vorvertragliche Anzeigepflicht – was sind die Folgen?

Werden die Fragen daher unvollständig, halb richtig oder eben falsch beantwortet, so sind die Folgen gravierend. Ja, vielleicht „sparen“ diese dann einen Risikozuschlag oder sogar eine Ablehnung, aber dann ist das immer noch besser. Wer einmal den Schritt gemacht hat und bei jeder eingereichten Rechnung zittern muss die Erstattung nicht zu bekommen oder das der Versicherer einem auf die Schliche kommt, der wird schnell diesen Schritt bereuen.

Eine dieser schlimmen Geschichten können Sie hier in meinem Beitrag nachlesen.

Aber der Berater/ Vertreter sagt: Das brauchen Sie nicht angeben?

Wie schon in dem oben verlinkten Beitrag beschrieben ist der Kunde nicht immer allein an allem Schuld. Er vertraut seinem Berater, der muss es ja wissen, ist es doch sein tägliches Geschäft. Doch leider überwiegt hier das Interesse an einem Antrag, dem Abschluss und der damit vorhanden Provision und das „wird schon gut gehen“ Gefühl. Nein, es sind nicht alle, es ist auch nicht die Mehrheit der Berater, Vertreter oder der Vertrauensleute einer Gesellschaft. Es sind aber leider einzelne schwarze Schafe, solche die unbedingt erkannt und vor die Tür gesetzt werden müssen.

Solche einen Fall hatte ein Kollege nun wieder, dazu die Eckdaten in anonymisierter Form.

  • – Kundin hat seit 2013 PKV bei der XXX mit Risikozuschlag wegen Erkrankungen des Unterleibes (war genau ausformuliert).
  • – 2015 Anfrage zur Überprüfung des RZ gestellt. Grundlage Attest eines Arztes. Daraufhin Reduzierung des RZ und nur noch auf Erkrankungen der Gebärmutterschleimhaut beschränkt. Arzt schreibt 2015 u.a. …Empfehlung zur Kontrolle nach 6 Monaten.
  • – Kundin wird zum 12/2015 verbeamtet auf Lebenszeit, XXX wird in die entsprechenden Tarife umgestellt. Kundin unzufrieden da auch hier wieder der RZ nicht ganz herausgenommen wurde. Will zum 01.01.2017 zu anderer Gesellschaft wechseln.

Nun hat sich ein Vertreter der D. gefunden der der Kundin erklärt hat was alles nicht anzugeben ist. Nochmal zur Erinnerung: Die Belehrung zur Angabe und den folgen findet sich oben im Screenshot des Antrages.

Zeigen Sie mir bitte mal die Unterlagen vom Arzt. Sie: ich habe nichts besorgt, weil ja nichts war. Auch der von der Debeka hat gesagt das muss ich nicht angeben, weil die Erkrankung bereits 2009 war. Haben Sie Gesundheitsfragen unterschrieben? Ja, das schon.

Aber sicher war ja wirklich nichts, also mal ein Blick in die Krankenakte des Arztes oder die Abrechnungsunterlagen der bisherigen Versicherung werfen, dieses wird die neue Gesellschaft dann im Falle der Leistungsprüfung auch tun.

Diagnosen 2013-14: Haarausfall (G), Stress (G), Anämie (V), Eisenmangelanämie, Spannungskopfschmerzen, akutes LWS-Syndrom, verschiedene Allergien, Fruktose- und Laktoseintoleranz……. Und Untersuchung wie bereits oben erwähnt mit Anraten einer Kontrolluntersuchung.

Gut, ist ja auch fast nichts was unter die Antragsfragen fällt, IRONIE aus. Hier mal ein Blick auf EINIGE Fragen aus dem Antrag:

  • – 3. Erfolgten in den letzten drei Jahren:
  • – 3.1 ambulante Behandlungen, Medikamenten- verordnungen, Untersuchungen oder Beratungen?
  • – 5. Ist eine ambulante oder stationäre Behandlung, Untersuchung, Operation, Heilkur oder Sanatoriumsbehandlung vorgesehen?
  • – 6 Bestehen Krankheiten, Unfallfolgen, körperliche oder geistige Beeinträchti- gungen, die zu den bisherigen Gesundheitsfragen noch nicht angegeben wurden?

So. Was von den oben genannten Diagnosen in den Krankenakten hätten Sie wohl angeben, was hätte der Versicherer erwartet was angegeben wird und was genau passiert nun?

Es ist naiv zu glauben das es gut geht. Warum auch?

Der Versicherer wurde betrogen. Der Vertreter hat Mist gebaut und hier behauptet das wäre alles nicht anzugeben. Nun ist er aber VERTRETER des Versicherers und damit auch „Auge und Ohr“. Kann die Kundin daher beweisen alle Angaben gegenüber dem Vertreter gemacht zu haben und dieser wissentlich und nachweislich falschen Rat gegeben zu haben, so kann es anders aussehen und dem Versicherer kann ggf. dieses Wissen zugerechnet werden.

Aber der Vertreter sagt doch…

Schön wenn er das sagt. Haben Sie es schriftlich? Wenn Sie so einen Rat bekommen etwas nicht anzugeben und es ja alles nicht so wichtig sei, dann bleiben Ihnen zwei Möglichkeiten:

1.) Teilen Sie diese Erkrankungen dennoch und DIREKT dem Versicherer mit, als Nachtrag zum Antrag. Dort können Sie auch erfahren ob es wirklich so unerheblich war. Ist dem so, so sind Sie auf der sicheren Seite. Dazu schreiben Sie dem Versicherer einfach:

„Im Nachgang zu meinem Antrag auf ______ vom _____ ergänze ich folgende Gesundheitsangaben, die laut Auskunft meines Vertreters/ Beraters nicht so wichtig sind. Ich möchte diese dennoch ergänzen und bitte um Bestätigung des Erhaltes dieser Nachmeldung bis zum ______.“

2.) Ist der Antrag bei einem Vertreter abgeschlossen und sagt dieser Ihnen im Namen seines Auftrag-/Arbeitgebers eine Angabe sei nicht nötig, so senden Sie folgendes Schreiben an den Vertreter und bitten um unterzeichnete Rückgabe:

„Während der Beratung/ Antragsaufnahme zu meinem Antrag auf ______ vom _____ machte ich folgende Gesundheitsangaben, die laut Ihrer Auskunft nicht abgabepflichtig sind. Daher legte ich diese Aufstellung diesem Schreiben bei, es sind ____ Seiten an Anlagen. Bitte senden Sie mir zur Bestätigung alle Seiten mit dem folgenden Hinweis und Ihrer Unterschrift bis zum _____ zurück.“

„Die oben genannten Angaben sind im Antrag nicht nötig, wurden mir als Vertreter der ______ Versicherung aber während der Antragsaufnahme am _____ zur Kenntnis gebracht und ich habe diese nicht im Antrag eingetragen.“

Achten Sie darauf das dieses Schreiben nicht nur von dem Vertreter unterschrieben und gestempelt wird, sondern am besten auch von einem Zeugen der während der Beratung anwesend war eine entsprechende Bestätigung möglich ist. Nur so können Sie sicher sein, dass der Versicherer hier rechtlich sauber Kenntnis der Umstände hat und Ihnen hier kein Nachteil entstehen kann.

„Ich kann/ darf/ will das nicht unterschreiben“

Ist das die Antwort Ihres Beraters, Maklers, Vertreters? Dann kommen wir wieder zurück zu Punkt eins und Sie melden die Daten dem Versicherer direkt. ACHTUNG: Natürlich kann es passieren das Sie dann einen Risikozuschlag bekommen, Nachfragen folgen, Fragebögen und/ oder Atteste nötig sind. Aber was ist Ihnen lieber? Die Angst bei jeder eingereichten Rechnung aus der Versicherung zu fliegen, oder einen sauberen Schutz zu haben?

Daher: Es ist ALLES ANZUGEBEN nach dem gefragt wurde.

Wenn Sie nun merken: „Oh halt, ich habe da in meinem alten Antrag auch Angaben nicht gemacht“, so nehmen Sie Kontakt zu einem qualifizierten Berater auf, machen sich Gedanken was und wie genau Angaben vergessen wurden oder bewusst bzw. auf falschen Rat „geschönt“ wurden und überlegen dann gemeinsam was passieren muss. Das hängt auch davon ab welche Angaben, wie lange diese zurück liegen, um welchen Vertrag es sich handelt und vieles mehr. Bei Fragen schicken Sie mir sonst gern eine E-Mail (HIER) oder nutzen den LiveChat auf der linken Seite.

09.
Mai '14

Anwartschaft für den sicheren Weg in die Private Krankenversicherung nach Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze


Zunächst sei erwähnt, wo Menschen arbeiten passieren Fehler, manche sind wieder zu korrigieren, andere eben leider nicht und dazu gibt es unterschiedliche Arten damit umzugehen. Einen solchen Fehler ist auch bei einem meiner Kunden passiert, da hat der bisherige MLP Berater wohl etwas übersehen, oder vergessen und zudem den Hinweis der Gesellschaft ignoriert. Was aber nun passiert, das ist nicht mehr angemessen, geschweige denn fair.

Mein Kunde, ein Mediziner, schloss vor einigen Jahren eine Anwartschaft ab. Schon als Student war dieser in der privaten Krankenversicherung versichert und wollte das eigentlich auch bleiben. Aber das Einkommen war nach dem Abschluss noch nicht so hoch, das es die Jahresarbeitentgeltgrenze überschritt und so blieb nur der Weg zurück in die Gesetzliche Krankenkasse.

Was tut die Anwartschaft?

Eine Anwartschaft ist im Prinzip (und sehr vereinfacht ausgedrückt) eine Krankenversicherung ohne Leistungsanspruch. Sie zahlen also einen Beitrag für etwas, das Ihnen ein Recht auf Rückkehr sichert während Sie in der gesetzlichen Krankenkasse sind, aber keinen Anspruch auf Leistungen auslöst. Die Anwartschaft ist daher eine Option auf Rückkehr in die PKV, sobald die Voraussetzungen dafür wieder erfüllt sind.

Dabei gibt es zwei unterschiedliche Arten. Die kleine Anwartschaft, diese friert den Gesundheitszustand des Kunden ein und verhindert somit eine spätere Ablehnung, Zuschläge oder Beschränkungen bei der Aufnahme des Versicherungsschutzes. Kommen Erkrankungen hinzu, so sind diese unerheblich. Hierfür berechnet der Versicherer eine Prämie, welche abhängig vom Tarif ist und als „Entschädigung“ für den Erhalt des Gesundheitszustand zu verstehen ist. Leistungen kann der Kunde während dieser Zeit nicht einfordern, ein Leistungsanspruch besteht nicht.

Anwartschaft_Uebersicht

Bei der großen Anwartschaft werden zudem Altersrückstellungen gebildet. Der Versicherte kommt daher nach dem Aktivieren dieser großen Anwartschaft nicht nur ohne neue Risikoprüfung zurück, sondern auch zu seinem versicherungstechnischen Eintrittsalter von „damals“. So muss hier nicht die neue Prämie gezahlt werden, die aufgrund des nun geltenden Alters anfiele, sondern nur die verminderten Beiträge für einen „jüngeren Kunden“.

Was ist bei einem Tarifwechsel?

Die Anwartschaft gilt- anders als viele Optionstarife- nicht für den Wechsel in eine Krankenversicherung, sondern IN EINEN BESTIMMTEN Tarif. Somit muss vor Abschluss (oder Umwandlung) der Anwartschaft klar sein, in welche Tarifbausteine ich wechseln möchte. Ein Tarifwechsel gemäß 204 VVG ist später unter den gesetzlichem Umständen natürlich möglich, ggf. mit Risikoprüfung oder dem Verzicht auf Mehrleistungen.

Ist also noch nicht klar entschieden welcher Leistungsumfang und welcher Tarif versichert werden sollte, so können Optionstarife besser geeignet sein und halten den Weg in die PKV generell offen. Kommt jemand aus der PKV oder ist schon klar welche Tarife gebraucht werden, (mehr …)

05.
Februar '14

Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung- ist denn der Tarif XYZ und die Gesellschaft ABC gut für mich/ meinen Kunden „im allgemeinen“ gut?


Am Sonntagabend hatte ich es in einem kurzen Beitrag auf meiner Facebook Seite angekündigt und schon die  Vermutung geäußert, dass ich mir hiermit sicherlich nicht unbedingt Freunde unter „Kollegen“ mache. Dennoch werde ich ihn schreiben, dennoch werde ich ihn veröffentlichen und hoffe das es sowohl Kunden hilft als auch einige „Berater“ zum nach-/umdenken bringt.

In einer Diskussionsgruppe wurde am Sonntagabend eine Frage gestellt, die sich mit dem Thema private Krankenversicherung beschäftigte. Eine Frage die so  nicht nur von Kollegen gestellt wird, sondern die auch häufig von Interessenten und Versicherungsnehmern. Ich habe in den vergangenen Jahren schon öfter zur Auswahl von Tarifen der privaten Krankenversicherung und auch der Berufsunfähigkeitsversicherung geschrieben und eine Frage des Interessenten ob „sein Tarif gut oder schlecht sei“ ist auch mehr als verständlich.

Gibt es den „guten Tarif“?

Eine durchaus berechtigte Frage, denn natürlich möchte der Interessent vor Abschluss eines Vertrages zur Krankenversicherung, vor Abschluss seiner Altersvorsorge oder vor Abschluss der existenziell wichtigen Berufsunfähigkeitsversicherung sichergehen, dass er den bestmöglichen, guten Tarif gewählt hat. Vor diesem Dilemma stehen also nicht nur der Kunde, sondern natürlich auch der Berater. Oftmals macht sich dieser schon Gedanken oder hat aufgrund anderer Vorgaben bestimmte Tarife und Versicherer im Kopf.

Bei der weiteren Auswahl der entsprechenden Tarife oder vielleicht der Benutzung einer Analysesoftware kommen dann vielleicht doch noch einige Fragen und/oder Zweifel und man fragt dann einmal bei Kollegen nach. Es gab also eine kurze Information zum Alter des Interessenten und darüber hinaus zu dem Tarif welchen sich der Kollege überlegt hatte. Am Ende dieses Beitrages stand die Frage:

„Was spricht gegen den Tarif ABC? Leistungen sind ja wirklich gut und auch die Beitragsentwicklung kann sich sehen lassen… Zustimmung oder andere Vorschläge?“

Bei solchen Fragen frage ich mich besorgt wie jemand hierauf eine (auch nur halbwegs vernünftige?) Antwort erwarten kann. Eine solche Antwort ist unmöglich, selbst wenn die Kollegen durchaus gerne helfen und wir sicherlich oftmals untereinander Ratschläge und Tipps geben (können). Anders als bei einem starren Produkt wo ich vielleicht eine Wohnung mit X Quadratmeter, keinerlei Besonderheiten, keinerlei besondere Wertgegenstände und sonst irgendetwas habe und daher eine Frage nach der Hausratversicherung vielleicht noch beantworten kann (auch hier werden wir die spezialisierten Kollegen gleich sagen dass das nicht geht), so ist das speziell in der Personen-/Krankenversicherung einfach unmöglich.

Das ist in etwa so, als träfe ich Sie morgens auf dem Weg zur Arbeit und fragte nur so nebenher, ob denn das neue Automodell des Herstellers XY gut ist. Sie werden vielleicht ein „Fan“ des Herstellers sein, vielleicht sogar selber ein Fahrzeug der Marke fahren und mir begeistert von dem Modell erzählen und das Fahrzeug natürlich gut finden. Das mag auch durchaus so sein und sich anhand einiger technischer Daten und Fakten belegen lassen, dennoch ist die Antwort unsinnig. Nicht weil sie eine falsche Antwort gegeben haben, sondern weil die von mir gestellte Frage schlichtweg falsch war.

Wenn ich als zwanzigjähriger Single frage, dann ist ein tolles, sportliches Cabrio mit zwei Sitzen, einer tollen Lackierung mit Sportausstattung ein tolles und gutes Auto. Es hat ein Lenkrad, es Sitze, zudem einiges an Sicherheitsausstattung und bringt mich mit großer Wahrscheinlichkeit sicher von A nach B. Stelle ich die gleiche Frage als Familienvater mit zwei Kindern, so ist das Auto noch gut, für mich aber völlig ungeeignet.

Genau so ist es in der privaten Krankenversicherung oder bei der Absicherung gegen die finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit auch. Es gibt Tarife die sind grundsätzlich in Ordnung, in Ordnung deshalb weil der Versicherer sich vielleicht beim Schreiben der Bedingungen besondere Mühe gegeben hat, keine schwammigen Formulierungen oder unklaren Aussagen in den Bedingungen hat und der Tarif im Großen und Ganzen „ganz o.k.“ ist. Nehmen wir nun die gleiche Aussage einmal unter der Situation an, dass es sich um einen Beamten, oder jemanden der vielleicht einmal verbeamtet werden kann, handelt, so ist die Empfehlung für genau diesen Tarif (der eben noch „gut“ war) vollkommen unsinnig. Es ist vielleicht sogar eine der falschesten Empfehlungen die man dem Kunden geben kann.

Genauso ist auch eine Empfehlung an einen Kollegen für oder gegen einen Tarif schlichtweg unmöglich, wenn ich außer das Alter und die Beschäftigung im öffentlichen Dienst keine weiteren Informationen über den Kunden, seine Bedürfnisse, Auswahlkriterien und vieles mehr habe. Warum wohl dauert eine Beratung bzw. sogar das erste Gespräch zum Thema private Krankenversicherung mehr als 1 Stunde und macht es erforderlich eine Vielzahl an Kriterien zu besprechen, Eventualitäten zu beleuchten und gemeinsam anzuschauen welche Veränderungen in der Zukunft vielleicht schon heute planbar/vorhersehbar sind?

In welchem Tarif sind sie selbst versichert? (Link zum Blogbeitrag mit der Frage)

Auch diese Frage wird durchaus von Interessenten aufgestellt, vor dem Hintergrund „da wo der Berater versichert ist muss es ja gut sein“. Ich habe dazu schon einmal ausführlicher in einem Blogbeitrag etwas geschrieben und schon damals erklärt das die Antwort auf die Frage null Informationskraft hat.

Ob ich bei der Gesellschaft A, B oder C versichert bin und in welchen Tarif ich das bin ist doch für die Entscheidung und Auswahl ihres Tarifes völlig unwichtig. O.k., ich fahre privat einen BMW. Kaufen Sie sich jetzt auch einen? Kaufen Sie das Auto was ihr Autoverkäufer fährt? Kaufen Sie den Pullover welchen der Verkäufer im Kaufhaus trägt?

Natürlich sind diese Vergleiche bewusst überspitzt formuliert, sie sollen ihn aber zeigen dass es keinen allgemein gültigen guten oder schlechten Tarif gibt. Es gibt Tarife und Gesellschaften die in der Kombination auf den einen oder anderen Kunden mehr oder weniger passen. Ein Tarif der wenig Leistungen hat, dazu schwammige Formulierungen und vielleicht eine Gesellschaft die sich nicht unbedingt mit einer zügigen Leistungsabwicklung hervorgetan hat in der Vergangenheit, dafür aber ungemein ich ist, was ist das für ein Tarif? Ist der gut? Ist das schlecht?

Für viele wird genau dieser Tarif und genau diese Gesellschaft schlecht sein. Für jemanden der sich gar nicht versichern will weil er Millionen von Euro auf seinem Konto hat, eigentlich gar keine Versicherung will aber aufgrund der Versicherungspflicht ein haben muss, ist das vielleicht sogar ein Tarif der „gut ist“.

Vergessen Sie solche Fragen bitte jetzt!

Es gibt nicht die gute Gesellschaft, es gibt nicht den guten Tarif, es gibt nur das was auf sie persönlich passt und ihren individuellen Wunsch nach Absicherung deckt.

Die entscheidende Frage (und das gilt nicht nur für den Kunden sondern auch für den Berater) ist doch aber: wie finde ich gemeinsam genau diesen passenden Tarif?

Wenn jetzt hier einer Patentlösung erwarten, muss ich Sie leider schon wieder enttäuschen. Eine solche Lösung kann und wird es nicht geben. Es gibt aber durchaus Lösungsansätze und Wege wie man zu dem passenden Tarif kommt bzw. einen findet der die eigenen Ansprüche bestmöglich erfüllen kann. Nicht nur in der privaten Krankenversicherung, auch bei Fragen zur Altersvorsorge oder bei der Auswahl einer Unfallversicherung sollten Sie sich zunächst einmal darüber Gedanken machen, was genau sie (ver-) absichern möchten. Sie sollten sich anhand von Auswahlkriterien zur privaten Krankenversicherung oder zur Berufsunfähigkeitsversicherung anfordern auf die dort gestellten Fragen überlegen ist es mir wichtig das Leistung A, B und/oder C erfüllt sind oder kann ich mir einzelne Leistungen durchaus allein leisten? Ist es in der Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig das mein Produkt erweiterbar ist, dass Erhöhungen möglich sind oder dass es genau bis zum Rentenbeginn eine Rentenzahlung gibt? Oder habe ich vielleicht eigenes Vermögen mit dem ich einige Jahre überbrücken könnte?

Auch wenn Sie all diese Fragen vollständig beantwortet haben/so weit das überhaupt für Sie möglich ist, auch dann kaufen Sie mit einem Produkt immer noch viele, ganz viele Unbekannte mit. Wir wissen alle nicht was ihnen in den nächsten Jahren passiert, wie sich die Kosten entwickeln ob wir vielleicht in einigen Jahrzehnten plötzlich 150 Jahre alt werden oder ob sich viele andere Parameter (die wir nicht beeinflussen können) verändert werden?

Nur wenn Sie das verstehen und für sich begreifen und akzeptieren das es das hundertprozentige ideale Produkt nicht gibt, nur dann werden sie zu einer vernünftigen kommen und nur dann werden sie eine für sich akzeptable Lösung finden.

Denn selbst wenn wir unterstellen es gebe heute das ideale Produkt und sie machen sich Ewigkeiten Gedanken und schieben die Auswahl immer und immer wieder vor sich hin (weil sie keinen Fehler machen wollen), selbst wenn es dieses Produkt gäbe- wer sagt uns das es nicht morgen, nächstes Jahr oder in fünf Jahren ein Produkt gibt was (dann) viel besser passt.

Lesen, verstehen und eine begründete Auswahl treffen

Das genau sind die Kriterien und Schritte die gehen sollten, um ein entsprechendes Produkt zu finden. Beschäftigen sie sich mit Produkten, Aussagen in den Bedingungen, Leistungen und vor allem „nicht-Leistungen“ und setzen sich (auch wenn es vielleicht mühselig und Tod langweilig für sie klingt) mit den Versicherungsbedingungen auseinander. Ja, diese sind schwierig zu verstehen, ja diese sind nicht unbedingt die Lieblingslektüre und ja Versicherungen schreiben Bedingungen aus bestimmten Gründen.

Aber kaufen Sie bitte kein Produkt was sie nicht verstanden haben!

Und an die Kollegen Berater die gleiche Bitte: weder Sie, noch ich, noch irgendjemand anders aus unserer Branche kann alle Produkte und alle Bereiche gleichermaßen (gut) beherrschen. Gerade deshalb ist es wichtig sich untereinander auszutauschen und sich den Rat von Spezialisten und erfahrenen Kollegen einzuholen. Es ist im Übrigen (so finde ich zumindest) auch gar nicht schlimm, peinlich oder sonst etwas, wenn man offen zugibt etwas nicht zu wissen oder nicht auf allen Gebieten etwas zu wissen. Aber bitte haben Sie auch Verständnis dafür, dass ich (und sicherlich auch die meisten anderen Kollegen) zwar gern helfen, aber unmögliche Fragen auch nicht beantworten können (und ich für meinen Teil auch nicht wollen).

Machen Sie es doch wie viele meiner „enger bekannten“ Kollegen und ich. Das Geschäft und die Bereiche die sie nicht vollständig beherrschen geben Sie doch bitte einem ihrer Kollegen. Der Verzicht auf einen Antrag, einen Vertrag oder ein Geschäft und die Aussage gegenüber dem Kunden „wir machen das gemeinsam mit (m)einem Spezialisten oder erfahrenen Kollegen“, diese Aussage wird sie glaubwürdiger und ehrlicher erscheinen lassen als jede andere (und vielleicht falsche) Empfehlung. In diesem Sinne, weiterhin gute Geschäfte!

und hier noch ein kleiner Auszug aus der Diskussion mit einem interessanten Kommentar, den ich Ihnen nicht vorenthalten will… viel Spaß bei den „nicht überlebensfähigen Gymnasiasten“

FB

22.
September '09

Kind nicht versicherbar weil der Berater der PKV keine Ahnung hatte?


Ich weiss gar nicht mehr wie oft ich es schon geschrieben habe und es immer wieder aus allen Richtungen gesagt wird. Verlassen Sie sich bei Ihrer Beratung und der Auswahl der Privaten Krankenversicherung (PKV) ausschließlich auf spezialisierte Berater. Stellen Sie Fragen und lassen sich die Antworten durch Auszüge in den Bedingungen belegen.

Da gibt es einen Vertrieb der mit „ist ihre Versicherung auch zu teuer?“ wirbt. Als ob der Preis ein entscheidendes Kriterium für eine lebenslanges Produkt wäre. Früher hieß es mal Krankenversicherung, seit man aber auch alle anderen Sparten beraten möchte, muss man ja den Slogan anpassen.

Da schreibt in einem Internetforum ein Nutzer nun folgendes:(…)im Juli kam unser 3. Kind zur Welt. Leider 4 Wochen und 1 Tag zu fräh, so dass es nun als Frühgeburt zählt.

Wir sind privat versichert und nun hat unser Versicherngsbevollmächtigter Schwierigkeiten unseren Kleinen in einer Versicherung unterzubringen.

Der Kleine hat einen KH Aufenthalt hinter sich, der ldiglich zur Vorsorge und Überwachung des HErzrhythmus diente. Nun ist er fit, genau wie unsere anderen Beiden.

Nun die Frage an das Forum:

Ist es rechtens, dass unser Sohn von jeder PKV abgelehnt wird? Gilt nicht der Schutz des Ungeborenen? Was ist mit der Versicherungspflicht in Deutschland? Müsste icht die PKV den Kleinen versichern?

Auf einige Nachfragen ergeben sich folgende weitere Informationen. Der Berater hat tatsächlich die bereits schwangere Frau im März 2009 mit Beginn 1. 6. versichert. Da es wenige Versicherer gibt die das tun, stellt sich weiter die Frage ob der Tarif das ist, was die Kundin wollte. Das vermag ich von hier nicht zu beurteilen, bezweifeln tue ich es aber schon.

Auch der Mann wurde im gleichen Monat mit Beginn 1. 6. versichert. Das Kind nunmehr im Kuli geboren.

Entschuldigung für die deutlichen Worte, aber wie blöd muss man als Berater sein sich so einen Fauxpas zu leisten? Nicht nur das die Frau in der Schwangerschaft versichert wurde und die 3-Monatsfrist zur Nachversicherung des Kindes nicht beachtet wurde, nein- auch den Mann hat man gleich noch in eine PKV gesteckt und so auch hier die Nachversicherung des Kindes verhindert.

Die Regelungen finden Sie hierzu klar und deutlich in den Bedingungen:§ 2 Beginn des Versicherungsschutzes

(2) Bei Neugeborenen beginnt der Versicherungsschutz ohne Risikozuschläge und ohne Wartezeiten mit Vollendung der Geburt, wenn am Tage der Geburt ein Elternteil mindestens drei Monate beim Versicherer versichert ist und die Anmeldung zur Versicherung spätestens zwei Monate nach dem Tage der Geburt rückwirkend erfolgt. Der Versicherungsschutz darf nicht höher oder umfassender als der des versicherten Elternteils sein.

Wie man das hier „vergessen“ konnte, wo die Frau doch bei Antragstellung schon schwanger war, ist mir völlig unklar. Dem Versicherer ist hier kein Vorwurf zu machen, denn dieser handelt einfach nur bedingungskonform.

Auch die Hanse Merkur wird das Kind im KVE Tarif nicht versichern, denn hier erfolgt die gleiche Prüfung der 3-Monatsfrist.

Doch was passiert nun?

Die Eltern können das Kind nun in dem Basistarif der PKV versichern, wenn kein anderes Unternehmen bereit ist das kranke Kind mit den Vorerkrankungen zu versichern. Dieser Schutz ist aber nicht ganz billig. Bei den bescheidenen Leistungen müssen die Eltern für das Kind einen Beitrag von ca. 230 EUR jeden Monat aufbringen. (Basistarif für Kinder ohne feste Selbstbeteiligung).

Wäre es zu verhindern gewesen?

Ja. Entweder man hätte die PKV für mindestens ein Elternteil später beantragt und somit das Kind in der GKV versichert und später bei dem Wechsel des Vaters aus der GKV in die PKV dort, gegen eigenen Beitrag, belassen, oder einfach einen Versicherer gewählt der diese 3-Monatsfrist in seinen Bedingungen nicht enthalten hat.

Wäre der Vater bei einem solchen Unternehmen versichert gewesen, so hätten die Eltern heute kein Problem. Dann wäre es ausreichend gewesen die Neugeborenen Nachversicherung (Link zum Beitrag) zu nutzen und das Kind in der PKV zu versichern.

Dieses wird nun wohl zu einem Haftungsfall für den Berater und einem Ärgernis für die Eltern, das nicht hätte sein müssen.