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19.
Juni '17

„Architekt für Absicherungen“ – warum sich als Berater für den eigenen Beruf schämen?


Stellen Sie sich vor Sie gehen zu einem Arzt. Nachdem Sie an dem Haus angekommen sind, suchen Sie auf dem Schild unten an der Haustür nach dem gewünschten Ziel. Doch da steht gar nichts von „Arzt“, da steht etwas von „Gestalter ihrer Gesundheit“ oder so etwas wie „Unterstützer ihres Wohlbefindens“. Was denken Sie?

Vielleicht denken Sie: „Oh wie kreativ“, wahrscheinlicher ist es jedoch, dass Sie denken: „Was bitte soll das sein? Ist er wirklich Arzt? Kann er mir wirklich helfen bei meinem Problem?“. So oder so ähnlich passiert es in der Branche, in der ich beruflich unterwegs bin, der Finanz-und Versicherungsbranche. Wir, damit meine ich durchaus die komplette Branche, schaffen es immer wieder sich besonders kreative Namen auszudenken. Natürlich, Hausmeister will heute auch niemand mehr sein, die heißen dann neumodisch Facility Manager. Auch die Begriffe Putzfrau oder Reinigungskraft sind doch mittlerweile von „Raumpflegern“ oder ganz anderen deutsch-englischen Bezeichnungen abgelöst worden. Das mag auch bis zu einem gewissen Grad ihre Berechtigung haben, aber gerade in der Finanz- und Versicherungsbranche in der ich tätig bin (be-)schwören wir immer und immer wieder Transparenz. Transparenz und Ehrlichkeit, die Vertrauen schaffen und die eigene Kompetenz herausstellen.

Doch umso erstaunter bin ich manchmal, wenn ich solche Fantasiebezeichnungen lese. Vor einigen Tagen hat ein Kollege von mir auf Instagram ein kurzes Video gepostet, ein Video in dem er ganz kurz von einer Vorstellung eines Kollegen auf einem Seminar erzählte. Dieser Kollege war, wie Florian Rex und auch ich, Versicherungsmakler. In der Vorstellung und auf die Frage als was man dann tätig sei, nannte der Kollege aber nicht die Bezeichnung Versicherungsmakler, er sagte er sei:

„Architekt für Absicherungen“

Nachdem wir uns ein wenig in den Kommentaren unterhalten haben, schrieb der Kollege Rex „Es ist wirklich nicht zu glauben, wie viele Versicherungsmakler ein Problem mit ihrer Berufsbezeichnung haben…“ und auf meine Frage warum der Herr denn so eine Fantasiebezeichnung verwendet:

„Sonst würde man die potenziellen Kunden ja vergraulen.“

Spätestens jetzt verstand ich die Welt nicht mehr. Ich habe in den über 20 Jahren in dieser Branche schon einiges erlebt, viele wunderbare und tolle Kollegen kennengelernt, aber auch viel chaotisches und insbesondere viel Unsinn gesehen. Einiges davon habe ich auch hier im Blog unter dem Tag „Unsinn“ aufgeschrieben, speziell für sie zum Nachlesen.

Vergraule ich Sie, wenn ich ehrlich bin?

Die Versicherungsbranche hat sicherlich nicht den besten Ruf, und zum großen Teil hat sie sich diese selber zuzuschreiben. Da finden sich Berater, welchen die Kundeninteressen egal sind, welche Jahr für Jahr Verträge von einem Versicherer zu dem anderen schieben und damit für den Kunden den Verlust und Schaden immer größer machen. Gerade in den Absicherungen der biometrischen Risiken, also Berufsunfähigkeit, Todesfall und die (private) Krankenversicherung ist ein solcher Wechsel oftmals nicht sinnvoll möglich. Natürlich gibt es genug Beispiele wo es durchaus positiv sein kann, positiv eine vor Jahren getroffene Entscheidung noch einmal zu überdenken. Hier, in meiner Branche gibt es allerdings viele schwarze Schafe. O. k., vielleicht nicht mehr als in anderen Branchen auch, aber hier sind die Auswirkungen um ein Vielfaches dramatischer. Wer sich das falsche Auto, die falsche Küche oder den falschen Fernseher kauft, kann diese Entscheidung relativ schnell und unkompliziert wieder revidieren. Wer aber die falsche Altersvorsorge, die falsche Risikoabsicherung oder gar die unpassende private Krankenversicherung wählt, für den ist es meist nur mit großem bis sehr großem finanziellen Aufwand wieder zu lösen, manchmal auch gar nicht.

Daher ist bei einer Beratung Vertrauen in den Berater, Vertrauen in die Ausbildung und Qualifizierung des Beraters und in die Ehrlichkeit ein entscheidendes Kriterium. Nur wer Vertrauen gegenüber seinem Berater hat, nur der wird offen und ehrlich mit seinen Bedenken, Absicherungswünschen und Problemen umgehen können. Wer aber glaubt von dem Berater „über den Tisch gezogen zu werden“, der wird immer ein schlechtes Gefühl haben und nicht zu einer sinnvollen Absicherung kommen.

Dabei ist nicht der Beratertyp entscheidend

Die Branche versteht es hervorragend sich in Grabenkämpfen zwischen Versicherungsvertretern und Versicherungsmaklern zu verzetteln. Die einen behaupten viel besser informiert zu sein, die Tarife ihrer eigenen Gesellschaft viel besser zu kennen und nicht das Problem der Unübersichtlichkeit zu haben. Die anderen wiederum stellen die Unabhängigkeit in den Mittelpunkt, nur der Versicherungsmakler kann neutral aus allen Tarifen am Markt wählen.

Lesetipp: Wo bekommen Sie eine unabhängige Beratung in Finanz-und Versicherungsfragen

Wer sich aber für einen Versicherungsvertreter, also einen Berater der für eine Gesellschaft tätig ist, entscheidet und dieses bewusst tut, der weiß auch ihn erwartet. Er erwartet eben nicht die Auswahl von verschiedenen Gesellschaften zu bekommen, sondern vielmehr eine optimale Betreuung für die Tarife dieser einen Gesellschaft.

Somit hat er keinesfalls per se einen schlechteren Berater, er hat sogar einen zu dem eher viel Vertrauen hat und um die Einschränkungen der Auswahl weiß. Zumindest im Idealfall sollte das so sein, denn immer dann, wenn Versicherungsvertreter den Eindruck erwecken sie wären unabhängig, (mehr …)