Artikel mit ‘Beitragsberechnung’ getagged

25.
Januar '17

Bundesrat plant Änderungen bei der GKV Beitragsberechnung für Selbstständige – ein Vergleich der alten und neuen Regelungen


Selbstständige in der gesetzlichen Krankenkasse haben es oft nicht leicht. Das ist keineswegs dahingesagt, denn die Beitragseinstufung für freiwillig versicherte Selbstständige in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) ist- gerade bei schwankendem Einkommen- ungerecht. Diese werden bei schlechteren Jahren benachteiligt, denn es kann zwar nachträglich ein Beitrag erhoben werden, eine Rückzahlung ist derzeit aber ausgeschlossen.

Lesetipp: Einkommensberechnung in der GKV für Selbstständige

Zum besseren Verständnis schauen wir uns die begierigen Regelungen einmal an einem konkreten Fall genauer an. Max hat es satt. Kein nörgelnder Chef mehr, endlich sein eigener Chef sein und selbst und ständig abreiten. Nicht mehr morgens um 7 auf der Matte stehen müssen, er macht sich nun selbstständig. Bei der Vorbereitung und Planung kommt er auch auf das Thema Krankenversicherung zu sprechen. Als Existenzgründer könnte er in die Private Krankenversicherung wechseln, sollte das aber nicht übereilt tun und besser erst einmal abwarten. Daher möchte er in der bisherigen Krankenkasse, der Gesund BKK bleiben und schaut sich dort die Beiträge an.

Dabei kommen ihm folgende Grenzen in den Sinn, die sein Berater der Gesund BKK angesprochen hatte.

„Die (kleinste) Berechnungsgrundlage bei Existenzgründern liegt bei 1.487,50 Euro“

hatte er gesagt und somit liegt der günstigste Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (Zusatzbeitrag 1,5%) bei 230,56 € (ohne Krankengeld) oder 239,48 € mit Krankengeld. Dazu kommen auch die Beiträge für die Pflegepflichtversicherung von 37,93 Euro oder 41,65 Euro bei Kinderlosen wie Max. Diese Mindesteinstufung gilt nur solange, wie Max einen Zuschuss zur Existenzgründung, den so genannten „Gründungszuschuss“ bekommt.

„Als Selbstständiger werden mindestens 2.231,25 Euro zu Grunde gelegt“ erzählte er weiter und somit liegt der günstigste Beitrag in der Krankenversicherung bei 345,84 € (ohne Krankengeld) oder 359,23 € mit Krankengeld plus 56,89 € in der Pflegepflichtversicherung.

Nehmen wir nun an im ersten Jahr hat unser Freund Max Einkünfte die sehr klein, also unterhalb der 1.487 € sind und er bezieht Gründungszuschuss. Im zweiten Jahr läuft der „Laden“ besser und sein Einkommen schießt nach oben. Gerade bei vielen selbstständigen Beratern, welche sich aus einer Angestelltentätigkeit heraus selbständig machen und gleich Kunden haben, geht diese Einkommenssteigerung sehr schnell.

Im zweiten Jahr verdient Max nun 2.600 € monatlich, also 31.200 € im Jahr.

Brav liefert Max den Bescheid des neuen Einkommens bei der Krankenkasse ab. Auf die Frage wie es denn zukünftig aussieht sagt er wahrheitsgemäß „Ich weiss noch gar nicht was im nächsten Jahr ist“. Dann folgt der neue Beitragsbescheid.

Für das zweite Jahr berechnet die Gesund BKK richtigerweise einen Beitrag nach. Aufgrund des neuen Einkommens von 2.600 € monatlich soll er nun (mit Krankengeldanspruch) schon 418,60 € und 66,30 € Pflegeversicherung zahlen, also zusammen 484,90 €. (Alle Zahlen und die Maximalbeiträge wenn Max noch mehr verdient finden Sie im Beitrag zu den Sozialversicherungswerten 2017)

Auch für das (zukünftige) 3. Jahr ist dieser Beitrag fällig und das OBWOHL Max keine Ahnung hat was er dann verdient. Nicht schlimm werden einige denken, bekommt er später den Rest zurück.

Leider muss ich Sie enttäuschen. Erst wenn durch einen neuen Steuerbescheid (kann auch ein Vorauszahlungsbescheid sein) klar ist, er verdient wohl nicht so viel, erst dann kann auf das Einkommen von 2.231,45 € reduziert werden. Vorher zahlt er den hohen Beitrag weiter UND… er bekommt auch später nix zurück. Verdient er aber noch mehr, so muss er nachzahlen. Ungerecht, oder?

Bundesregierung plant Änderungen

Am 25. Januar ist die erste Einführung des Gesetzes. In der geplanten Änderung des „Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung  (Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz – HHVG)“ geht es nicht nur um die Heil- und Hilfsmittel, auch Änderungen für Selbstständige sind geplant. So ist in dem Änderungsantrag folgendes geplant:

Neue Beitragseinstufung für Selbstständige in der GKV. Beitragsberechnung nach den tatsächlichen Einkünften im Rahmen der bestehenden MINDESTBEMESSUNGSGRUNDLAGEN und Beitragsbemessungsgrenzen. Möglichst bürokratiearmes System der Einkommensfeststellung (zunächst vorläufig nach dem letzten Einkommensteuerbescheid; endgültig nach dem tatsächlichen Einkommen im Kalenderjahr)

Änderungen in Kraft geplant zum 1. Januar 2018

Damit wäre unserem Max bei der Vorauszahlung nicht geholfen. Weiterhin musste er auch in unserem Beispiel des 3. Jahres die hohen Beiträge des 2. Jahres zahlen. ABER: Anders als bisher bekäme er dann die zu viel berechneten (und bezahlten) Beiträge zurück. Hier wird (endlich) eine Gleichbehandlung der Kassen und der Versicherten geschaffen. (wenn es denn Gesetz wird).

Damit schafft die Bundesregierung voraussichtlich ab dem Beitragsjahr 2018 die Ungleichbehandlung ab. Selbstständige werden zwar immer noch nach dem Vorjahr eingestuft, diese Einstufung wird aber rückwirkend geändert und die Beiträge dann erstattet oder mit den neuen Beiträgen verrechnet.

10.
Februar '14

Elternzeit und die (nicht immer) beitragsfreie Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse


Immer wieder folgt in der Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV) oder leider auch erst dann wenn die Kunden schon ihren Tarif ausgewählt haben die Frage, ob die private Krankenversicherung während der Elternzeit oder des Bezuges von Elterngeld beitragsfrei ist. Um diese Frage zu beantworten schauen wir uns einmal die einzelnen Tarife und die dort enthaltenen Regelungen genauer an (Beitrag erscheint hierzu in den nächsten Tagen). Doch hier zunächst ein Blick in das System der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) und hier in die einschlägigen Regelungen des Sozialgesetzbuches V.

Ist die gesetzliche Krankenkasse beitragsfrei während der Elternzeit?

Hier muss zunächst einmal unterschieden werden, ob sie vorher pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse waren oder als freiwilliges Mitglied dort versichert. Freiwilliges Mitglied sind Sie immer dann wenn Sie ein Einkommen haben welches die aktuelle Jahresarbeitentgeltgrenze überschreitet. Wer vor Beginn der Elternzeit also ein Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenkasse war, nur der bleibt auch während der Elternzeit beitragsfrei dort versichert.

Wer hingegen ein freiwilliges Mitglied dort war, für den gilt diese Beitragsbefreiung nicht automatisch. Hier muss weiterhin geprüft werden welche Absicherung für einen eventuellen Ehepartner besteht. Ein freiwilliges Mitglied kann nur dann eine beitragsfreie Mitgliedschaft bekommen, wenn es verheiratet ist und der Ehepartner ebenfalls in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist. Voraussetzung ist hier das ein Anspruch auf Familienversicherung bestünde, die ja zu dem Zeitpunkt ebenfalls beitragsfrei wäre.

Ist der Ehegatte zu dem Zeitpunkt jedoch privat versichert, so sind die Regelungen etwas komplizierter. Zunächst einmal wird das Einkommen des Elternteils, welcher in Elternzeit ist, addiert mit dem Einkommen des privat versicherten Partners. Dieses wird jedoch um einen Abzugsbetrag vermindert. Dieser beträgt für familienversicherte Kinder 553 € und für Kinder die (auch theoretisch) nicht in die Familienversicherung können 921,67 €. Der nun ermittelte Betrag stellt das so genannte Familieneinkommen dar und wird nun halbiert. Somit beträgt diese in 2014 maximal 2.025 € pro Monat.

Auf diesen Betrag wird dann der Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse berechnet. Dabei fallen für die Krankenversicherung 14,9 % an, denn hier besteht kein Anspruch auf Krankengeld. Zusätzlich werden 2,05 % für die gesetzliche Pflegeversicherung fällig, da Kinder vorhanden sind entfällt der Aufschlag für Kinderlose.  Um das ganze etwas verständlicher zu machen hier ein Beispiel:

Bevor das Kind geboren wurde waren Vater und Mutter (verheiratet) und beide berufstätig. Beide hatten ein Einkommen über der JAEG und waren freiwillig versichert. Das Einkommen des Mannes beträgt weiterhin 4.500 € brutto pro Monat und er ist auch weiterhin privat krankenversichert. Die Mutter entscheidet sich für eine Elternzeit und hier stellt sich nun die Frage welche Beiträge anfallen. Während der Elternzeit erzielt sie kein Einkommen.

Einkommen des Versicherten in Elternzeit (hier der Mutter): 0.– Euro

Einkommen des anderen Elternteils (weiterhin berufstätig und privat versichert): 4.500 €

Das gesamte Familieneinkommen berechnet sich also mit 0 EUR + 4.500 EUR – 921,67 EUR (Abzugsbetrag für ein Kind ohne Anspruch auf Familienvers.) und beträgt damit 3.578,33 €. Dieser Betrag muss durch zwei geteilt werden und beträgt dann 1.789,17 €. Der Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt also:

1.789,17 € * (14,9% KV+ 2,05% Pflege) =  303,26 EUR

Der maximal Betrag der für den Elternteil anfallen kann der in Elternzeit geht beträgt 343,24 €. Wer hingegen nicht verheiratet ist, für den ist das eigene Einkommen während der Elternzeit maßgebend. Anders als ein Pflichtversicherte, welcher beitragsfrei versichert ist, muss jemand der vorher freiwillig versichert war auch während der Elternzeit Beiträge zahlen. Hat der Versicherte jedoch kein eigenes Einkommen, so wird hier ein Mindestbemessungseinkommen zugrundegelegt. Um Ihnen die Berechnung etwas einfacher zu machen, habe ich Ihnen folgendes Schaubild erstellt.

Beiträge in der GKV während Elternzeit

Zusammenfassend kann man daher sagen, dass nur derjenige während der Elternzeit beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV bleiben kann, der vorher ein Pflichtmitglied war. Wer früher über der Versicherungspflichtgrenze verdient hat, der muss auch weiterhin während der Elternzeit Beiträge zahlen.

Das Argument „Ich bleibe in der gesetzlichen Krankenkasse weil ich dort auch während der Elternzeit beitragsfrei versichert bin“ trifft somit auf freiwillig Versicherte Mitglieder nicht zu. Dennoch ist dieses natürlich nur eines von sehr vielen Auswahlkriterien und keineswegs ausschlaggebend bei der Frage, ob eine private Krankenversicherung Sinn macht oder nicht.