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05.
September '16

Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung steigen zum 01.01.2017


Neues Jahr, neuer Beitrag. Der Anstieg von Prämien zur Berufsunfähigkeit und anderen Versicherungssparten mit altersabhängigen Prämien ist nicht ungewöhnlich, dennoch ist zum Anfang des Jahres 2017 einiges anders.

Warum steigen Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Generell sind die Beiträge bei der Absicherung der Berufsunfähigkeit konstant. Einmal abgeschlossen ändert sich der (Brutto-)beitrag nicht mehr, es sei denn dynamische Erhöhungen setzen ein und passen den Beitrag und auch die versicherte Rente im gleichen Verhältnis an. Da dieses aber eine „freiwillige“ Erhöhung ist, welche nicht unter den Begriff „Beitragserhöhung“ fällt, soll es darum hier nicht gehen.

Brutto- und Nettobeitrag

In der Absicherung der BU gibt es zwei unterschiedliche Beiträge, beide finden Sie auf dem Versicherungsschein. Neben dem Bruttobeitrag, dem Betrag den der Versicherer tatsächlich kalkuliert hat um das Risiko zu decken, gibt es noch einen weiteren Beitrag. Der Nettobeitrag, immer der geringere der beiden genannten Beträge, nennen einige Unternehmen auch Zählbeitrag. Dieses ist der Betrag, welchen Sie monatlich oder jährlich auf Ihrem Konto sehen, der Betrag den Sie tatsachlich bezahlen.

Woher kommt die Differenz?

Nun, der Versicherer nimmt monatlich eine Vielzahl von Beiträgen ein. Nicht alles wird dabei zur Risikodeckung bzw. Auszahlung von bestehenden oder neuen Versicherungsleistungen verwendet und benötigt. Diese Beträge werden vom Versicherer angelegt, damit werden (im besten Fall) Zinsen und Kapitalerträge erwirtschaftet und diese den Kunden anteilig gutgeschrieben. Soweit zumindest die Theorie.

Wer sich einmal am Markt der Kapitalanlagen umsieht oder nur einmal die Zinsen eines Kontos, Festgeldes oder Sparbuches anschaut wird froh sein noch keine negativen Zinsen zu haben. Während die Zeiten mit 4% Zins auf das Tagesgeld einige Jahre zurück liegen, sind dafür heute die Zinsen im Bereich der Baufinanzierung sehr niedrig. So hat jede (Zins-)Situation immer zwei Seiten, aber dennoch: Für den Versicherer bedeutet die derzeitige Zinssituation jedoch weniger Erträge, damit weniger Geld welches auf den einzelnen Versicherungsnehmer entfällt und damit einen geringeren Abschlag.

Durch weniger Überschüsse (dem Betrag der bisher von Ihrem Bruttobeitrag abgezogen wird, quasi als vorgezogene Beteiligung an Kapitalerträgen) entsteht somit ein höherer Zahl-/ Nettobeitrag.

Bestands- wie Neukunden betroffen

Für den Neukunden bedeutet dieses von Beginn an einen höheren Beitrag. Oftmals werden in Vergleichen leider nur die Nettobeiträge verglichen. Da gibt es Versicherer mit sehr großen Spannen, welche mit deutlich kleineren und Versicherer bei denen Brutto- gleich Nettobeitrag ist. So kann ein Versicherungsschutz bei unterschiedlichen unternehmen schnell so aussehen:

Anbieter 1:
Brutto: 101,21 Euro, Zahlbeitrag: 52,32 Euro

Anbieter 2:
Bruttobeitrag: 89,65 Euro, Zahlbeitrag: 55,32 Euro

Anbieter 3:
Bruttobeitrag: 76,65 Euro, Zahlbeitrag: 76,65 Euro

Welchen Versicherungsschutz würden Sie wählen, wenn alle anderen Leistungen identisch wären?

Klar, Anbieter 1 bietet den geringsten Beitrag, schließlich ist es der Betrag der monatlich von Ihrem Konto abgebucht wird. Aber ist es wirklich die preiswerteste Wahl? Oder eignet sich Anbieter 2 nicht besser, denn hier bietet sich schließlich ein geringerer Bruttobeitrag an? Bei einer möglichen Erhöhung der Beiträge aufgrund geringerer Überschüsse wäre hier schon bei 89 und nicht erst bei 101,21 Euro Schluss.

Lesetip: Brutto- oder Nettobeitrag, was zahle ich eigentlich?

Garantiezins sinkt auf 0,9%

Mit der Senkung des Garantiezinses wird auch eine Anpassung des Beitrags erforderlich, denn wenn weniger „Zusatzertrag“ vorhanden ist, dann muss das Geld durch höhere Beträge gegenfinanziert werden. Das bedeutet aber auch, das eine Anpassung, ein Neuabschluss oder eine Änderung der BU-Absicherung dieses Jahr noch sinnvoll sein kann.

Eintrittsalter macht es zudem teurer

Viele Interessenten und Versicherten gegen davon aus, bis zu dem tatsächlichen Geburtstag das eine, und am Tag danach das nächste Eintrittsalter erreicht zu haben, dem ist aber nicht so. Bei den meisten Unternehmen, nahezu allen in der BU, ist die Zeitrechnung eine etwas andere. So ist es vollkommen egal, ob Sie am 1.Januar oder 31.Dezember Geburtstag haben, Sie sind das ganze Jahr gleich alt.

Eintrittsalter = aktuelles Jahr minus Geburtsjahr

Damit es klarer wird, hier ein Beispiel:

Nehmen wir an, Sie und am 5. August 1986 geboren. Dann hatten Sie gerade Geburtstag und sind 30 Jahre alt geworden. Versicherungstechnisch waren Sie dieses aber schon am 1. Januar. Ob Sie daher Ihren BU Schutz mit Beginn 1.1., 1.8. oder 1.12.2016 beantragen und beginnen lassen, das spielt keine Rolle für die Prämie.
Wird der Beginn aber der 1.1.2017, so sind Sie versicherungstechnisch 31 Jahre alt, obwohl Sie den Geburtstag erst acht Monate später feiern. Auch aus diesem Grund ist es sinnvoll sich rechtzeitig und im aktuellen Jahr um einen passenden Schutz zu bemühen. Der weitere und oftmals wichtigere Grund der Gesundheitsfragen und damit einhergehende Zuschläge oder gar eine Ablehnung sprechen sowieso für einen zeitigen Versicherungsschutz.

Gründe nicht bis 2017 zu warten gibt es somit einige:

  • – Neue gesundheitliche Beschwerden und Probleme machen einen Schutz schwieriger
  • – neuer Garantiezins verteuert die BU ggf.
  • – höheres Eintrittsalter zieht lebenslang höhere Prämien nach sich

Daher: Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken zu dem benötigten Schutz und der möglichen Absicherung.

Lesetip: Warum es unverantwortlich ist, keinen BU Schutz zu haben

29.
Juni '16

Berufsunfähig und was jetzt? Lösungen damit Sie nicht durch das Netz fallen


In diesem Blog finden Sie eine Vielzahl von Beiträgen zum Thema Berufsunfähigkeit, beginnend mit der richtigen Antragstellung und der anonymen Voranfrage, über die richtigen Auswahlkriterien für den Vertrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung und vieles mehr. Dennoch besteht in Deutschland nur bei 17 % aller Deutschen einer Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, wie eine aktuelle Studie der Zurich Versicherung gerade einmal wieder veranschaulicht. Es gibt durchaus viele andere Länder, wo ist deutlich besser aussieht. Für ein berufliches Projekt in Hongkong beispielsweise habe ich mir schon vor Jahren die dortigen Absicherungen angeschaut, mehr als die Hälfte aller dort lebenden Personen sind gegen das Risiko bei Berufsunfähigkeit versichert.

Fehlendes Bewusstsein für die Absicherung

Warum ist das so und warum gelingt es Versicherern, Verbraucherschutzverbänden und dem Staat nicht eine entsprechende und flächendeckende Absicherung der Bürger zu erreichen? Das hängt auch etwas damit zusammen, dass immer noch die Meinung vorherrscht „Der Staat wird schon für mich sorgen“. Dieser Aussage ist jedoch fatal, denn ein Berufsunfähigkeitsschutz besteht nur für Versicherte welche vor dem 1.1.1961 geboren sind. Alle anderen haben nur einen Versicherungsschutz gegen Erwerbsminderung.

Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung

Früher (und für die älteren Versicherten) bestand ein Versicherungsschutz durch die gesetzliche Rentenversicherung im Falle der Berufsunfähigkeit. Wer also Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hatte (Achtung: Selbstständige und Freiberufler haben das meist nicht) und die notwendigen Wartezeiten erfüllt hat (bei Auszubildenden reichte dies nicht) bekam eine Versorgung, wenn er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Die Definition zur Berufsunfähigkeit bezieht sich daher immer auf den konkreten Beruf, die ausgeübte Tätigkeit und die Frage ob ich diese Tätigkeit in dem bisher ausgeübten Umfang noch ausüben kann. Wer also bisher einen acht Stunden Tag hatte und davon nur noch weniger als vier Stunden arbeiten kann, der ist berufsunfähig. Der Versicherungsschutz in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung besteht in der Regel weltweit, 24 Stunden rund um die Uhr und bei allen Tätigkeiten. (Zu beachten sind natürlich Ausschlüsse und Einschränkungen in dem individuell gewählten Vertrag)

Bei der Erwerbsminderung hingegen geht es nicht um den konkreten Beruf. Hier wird geprüft ob Sie mehr als sechs oder drei Stunden arbeiten können. Dabei geht es wie gesagt nicht in den Beruf den Sie gelernt oder ausgeübt haben, es geht um die (theoretische) Möglichkeit überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Wer also noch irgendetwas tun kann, mindestens sechs Stunden der erhält keinerlei Rente. Natürlich haben sie dann Anspruch auf entsprechende Grundsicherung, also Sozialhilfe. Hier werden natürlich die entsprechenden Voraussetzungen geprüft, vorhandenes Vermögen angerechnet und vieles mehr. Wer zwischen drei und 6 Stunden arbeiten kann, der erhält zumindest die halbe Erwerbsminderungsrente, was mit ein paar hundert Euro zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist. Auch hier bleibt nur die Sozialhilfe/Grundsicherung.

„Mit passiert doch nichts“

Mit dieser Einstellung kann man natürlich durchs Leben gehen und einigen gelingt das durchaus. Es gibt Menschen die sind zum Glück nie krank, lieben bis ans Lebensende zufrieden und ohne nennenswerte Erkrankungen und schlafen irgendwann in Frieden ein. Leider wissen wir nicht ob das auch bei uns zutrifft. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Chancen auf Heilung bei einer Vielzahl von Krebserkrankungen deutlich verbessert, dennoch führen viele Diagnosen zumindest zu einer zeitweisen Berufsunfähigkeit. Wer ein, zwei oder drei Jahre nicht arbeiten kann, danach aber wieder in seinen Beruf zurückgekehrt hat auch während dieser Zeit einen Anspruch auf die versicherte Berufsunfähigkeitsrente. Berufsunfähigkeit bedeutet daher nicht „den Kopf unter dem Arm zu tragen“, sondern ist auf den konkreten Beruf bezogen.

„Ich sitze im Büro, was soll da schon passieren das ich nicht mehr arbeiten kann?“

… und zum Psychiater gehe ich sowieso nicht. Auch diese Aussage kommt immer wieder, wenn man über das Thema Berufsunfähigkeit spricht. Was soll mir passieren, im Büro kann ich irgendetwas machen. Die Frage ist jedoch, bin ich leistungsfähig genug um einen Beruf ausüben zu können? Kann ich mit einer Erkrankung, nach einem Unfall oder einen Kräfteverfall tatsächlich noch Vollzeit arbeiten? Auch hier gilt die entsprechende Prüfung der 50 %. Lässt meine Erkrankung also eine Ausübung des Berufes von unter 4 Stunden noch zu, so kann ich das natürlich tun ohne einen Rentenanspruch zu verlieren. Erst wenn die Berufsunfähigkeit zu mehr als 50 % nicht mehr gegeben ist, erst dann endet die Rente.

Dazu kommt, dass gerade in den letzten Jahren die psychischen und psychosomatischen Erkrankungen drastisch zugenommen haben. Etwa ein Viertel aller Berufsunfähigkeitsfälle führen zu einer Leistung aufgrund einer „F-Diagnose“. Hierbei handelt es sich um Erkrankungen aus dem psychischen und psychosomatischen Bereich. Diese können stressbedingt sein, können auf übermäßige Belastung zurückzuführen sein und können natürlich auch als Begleiterscheinungen zu anderen Erkrankungen auftreten.““

Lesetipp: Die richtige Absicherung gegen Folgen einer Krebserkrankung

Wenn Sie zahlen sollen, zahlen sie dann doch nicht

Auch das ist eine immer wieder gern genommene Aussage um den Abschluss einer entsprechenden Versicherung hinauszuzögern und/oder vor sich herzuschieben. Es ist einfach das eigene Gewissen zu beruhigen, wenn ich mir ständig einrede, dass der Versicherer im Leistungsfall sowieso nicht zahlen. Einmal ganz überspitzt formuliert. Was ist besser? Ein Versicherer der vielleicht Zeit oder kein Versicherer?

Natürlich werden die Versicherer im Falle der Leistungsprüfung die Bedingungen genau prüfen. Da werden Anträge und die Angaben in diesen geprüft um zu klären ob bei Antragstellung keine Angaben richtig und vollständig gemacht. Stellt sich dann heraus das Angaben verschwiegen worden sind, zahlt der Versicherer zurecht nicht. Daher ist es elementar wichtig, sich vorher entsprechende Gedanken dazu zu machen und die Antragstellung sauber vorzubereiten.

Wenn Sie sich mit den Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeit intensiver beschäftigen, dann werden Sie sehen dass einzelne Formulierungen in den Bedingungen über eine Leistung oder eben gegen eine Leistung entscheiden können. Lesen Sie gern einmal meinen Leitfaden zur Berufsunfähigkeit und schauen sich die unterschiedlichen Formulierungen an. Oftmals entscheidet ein einzelnes Wort oder eine einzelne Formulierung darüber, ob der Leistungsfall eintritt oder nicht. Wenn Sie sich hier (und damit meine ich vor der Antragstellung) Gedanken dazu machen welche Leistungen und welche Bausteine Ihnen wichtig sind, und wann sie konkret eine Leistung benötigen, dann finden Sie auch den passenden Versicherungsschutz.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die „mache ich morgen“ Einstellung ist leider auch viel zu weit verbreitet. Natürlich ist für viele das Thema Versicherungen und dazu noch das Kleingedruckte nicht unbedingt die Bettlektüre bevor Sie abends das Licht ausmachen. Dennoch ist es notwendig und elementar wichtig sich mit eben diesen Versicherungsbedingungen auseinanderzusetzen und zu lernen und verstehen welche Leistungen in dem Vertrag enthalten sind und in welchen Bereichen eben auch kein Versicherungsschutz besteht. Nur wer versteht wann der Versicherer nicht leisten muss, wird auch Verständnis haben, wenn er dann später berechtigt nicht leistet.

Ausgestaltung des Vertrages entscheidet über die Leistung

Es gibt keinen allumfassenden und für jeden geeigneten Versicherungsschutz. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eines der individuellen Produkte am Markt. Es geht immer darum möglichst umfangreich abgesichert zu sein, dabei aber die Premiere noch bezahlbar zu halten. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich sich über die Höhe der Absicherung und das Endalter Gedanken zu machen. Natürlich kostet ein Versicherungsschutz bis zum 67. Lebensjahr mehr monatlichen Beitrag als ein Versicherungsschutz bis 60. Bei einer Rente von 2.000 € monatlich sprechen wir aber auch über einen Leistungsunterschied von 168.000 €. Irgendwo muss das Geld ja kommen, und daher ist ein Versicherungsschutz dementsprechend teurer. Wer heute dreißig Jahre alt ist und sich für die nächsten 37 Jahre versichern möchte, der erreicht schnell einen Millionenbetrag.

Für Kinder und Jugendliche ist eine Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit mit dem Alter von zehn Jahren möglich. (mehr …)

21.
Juni '16

Wer versichert mich ohne Risikozuschlag? Warum ein solcher Ansatz vollkommen falsch ist


Die Auswahl der privaten Krankenversicherung gehört sicher zu einem der umfangreichsten Prozesse die es in der Versicherung Welt gibt. Schließlich sprechen wir über einen (im besten Fall) lebenslangen Vertrag, der nicht so ohne weiteres wieder gelöst werden kann. Gerade wenn später gesundheitliche Probleme dazu kommen, so ist ein Wechsel der privaten Krankenversicherung nicht nur wenig sinnvoll, sondern in vielen Fällen auch schlicht und ergreifend nicht möglich.

Grund für diesen Beitrag sind immer wieder Anfragen nach dem Motto:

Gebrochen war mein Ellbogen links und mein Mittelhandknochen rechts. Alle Kosten hierzu zahlt die BG.

Ist es realistisch ohne RZ das unterzubekommen?

Auch neigen Interessenten für die private Krankenversicherung dazu, keinen Zuschlag für Erkrankungen zahlen zu wollen, welche zum Beispiel mit freiverkäuflichen Medikamenten bezahlt werden kann. Daher möchte ich diesen Beitrag nutzen, um ein wenig Licht in das Dunkel zu bringen und zu erklären warum sowohl bei der privaten Krankenversicherung als auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ein solcher Auswahlprozess nach den Kriterien „Wer nimmt mich ohne Zuschlag?“ der falsche Ansatz ist.

Risikozuschläge für „kleine Wehwehchen“?

Auch wenn der Frühling fast vorbei ist, so sind doch eine Reihe von Menschen von Heuschnupfen geplagt. Dieses ist mal schlimmer und dann wieder besser, und führt am Ende dazu, dass sich der Versicherte irgendwie mit dieser Erkrankung arrangiert. Irgendwann weiß man einfach, an welchen Tagen man besser nicht vor die Tür gehen soll, meidet blühende Wiesen oder andere allergieauslösende Orte. Viele von Ihnen wissen oder merken wenn es losgeht und gehen dann schnell einmal in die Apotheke um sich ein entsprechendes Medikament zu besorgen. Diese Medikamente sind oftmals frei verkäuflich und kosten nicht wirklich viel Geld. Ein paar Nasentropfen und etwas für die Augen ist schnell gekauft, morgens einmal ein wenig Medizin hinein geträufelt und es lässt sich auch mit einem Heuschnupfen entspannt durch den Tag kommen.

Jetzt ist es jedoch so weit, ein Antrag auf private Krankenversicherung soll gestellt werden. Dabei werden natürlich gesundheitliche Beeinträchtigungen abgefragt, die meisten Versicherer haben für Heuschnupfen und Allergien zudem einen separaten Fragebogen. Hier geht es darum relativ detailliert zu erfahren, wie die konkreten Beschwerden aussehen und wie diese behandelt werden. Wahrheitsgemäß tragen Sie also ein, dass sie im Frühjahr regelmäßig an Heuschnupfen und dessen Folgen leiden. Weiterhin ergänzen Sie wahrheitsgemäß, dass sie sich dafür in der Apotheke ein frei verkäufliches Medikament holen. Die Kosten hierfür von ca. 10-20 € haben sie bisher immer selbst gezahlt und werden sie zukünftig weiter zahlen, schließlich fallen diese unter die Selbstbeteiligung der zukünftigen, privaten Krankenversicherung.

Nachdem sie nun (hoffentlich keinen Antrag, sondern) die Risiko Voranfrage gestellt haben, staunen Sie nicht schlecht. Der Versicherer möchte für diese Allergie/den Heuschnupfen einen Risikozuschlag. Dieser Zuschlag wird monatlich auf den Krankenversicherungsbeitrag gerechnet und soll 11,30 € monatlich betragen. Schnell rechnen Sie einmal hoch, das sind im Jahr immerhin Mehrkosten in Höhe von 135,60 €. Diese fallen natürlich nicht nur im ersten Jahr, sondern auch in den Folgejahren an.

Auf den ersten Blick stehen also Kosten von 10-20 € einem Zuschlag von 135 € gegenüber. Das mag auf den ersten Blick ungerechtfertigt sein, dennoch aus eigener Erfahrung eine kleine Beispielsrechnung. Ich habe neben Heuschnupfen einige andere Allergien, Karotten, einige Gewürze und etwas Obst. Über viele Jahre habe ich absolut keine Beschwerden gehabt, eines morgens jedoch wachte ich mit deutlichen Anzeichen auf. Angeschwollenes Gesicht, völlig unklare allergische Symptome, und in Ansatz eine Idee woher es kommt. Da es am Tag immer schlimmer wurde, entschied ich mich einen Arzt aufzusuchen, welchem Wort in ein Krankenhaus eingewiesen hat. Für den kurzen Aufenthalt wurden folgende Kosten berechnet. (Es interessiert nicht die Verweildauer, sondern die Diagnose bestimmt die Kosten)

Allergie KH

Hierbei handelt es sich im übrigen ausschließlich um die Kosten, welche das Krankenhaus berechnet hat. Es sind noch keine Kosten für den Arzt, die Behandlung und die Diagnostik enthalten, diese Folgen mit einer separaten Rechnung. Die zweite Rechnung (Arzt-und Labor) betrug nochmals etwa 1.500 €. Selbst wenn also ein Krankenhausaufenthalt vermeidbar gewesen wäre, wobei ich froh war zu diesem Zeitpunkt dort zu sein, werden hier Kosten von über 1.000 € entstanden.

Allein deshalb, weil eine Allergie als Vorerkrankung zusteht und somit eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Ausbruch vorhanden ist, ist ein entsprechender Zuschlag auf den Krankenversicherungsbeitrag zu zahlen. Addieren wir nun die Kosten für den stationären Aufenthalt und die Arzt-und Laborkosten, so kommen wir auf einen Betrag von 3.456 €. Heruntergerechnet auf den Risikozuschlag, müsste unser Patient somit 25,6 Jahre den Risikozuschlag zahlen, um nur die Kosten für diesen einen Krankenhausaufenthalt und die Diagnostik auszugleichen. So einfach funktioniert natürlich die Kalkulation in der Versicherung nicht, denn natürlich kann auch ein Patient der keine allergische Vorerkrankung hat, genau die gleiche Situation kommen.

Dennoch zeigt es sehr gut, wie hoch Kosten mit einer vermeintlich „kleinen Erkrankung“ entstehen können. Daher hängt die Höhe des Risikozuschlag keinesfalls direkt damit zusammen, wie hoch die aktuellen Kosten für ein Medikament sind.

Wenn die Erkrankung ein anderer zahlt?

Nun gibt es Erkrankungen, für welche es einen anderen Kostenträger gibt. Es können zum einen Erkrankungen während des Wehrdienstes sein, hier ist ein separater Kostenträger auch für die Folgen verantwortlich. Auf der anderen Seite können Kosten (wie oben in der ersten Anfrage) durch eine Berufsgenossenschaft übernommen werden. Diese Kosten sind dann durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit entstanden, fallen nicht der (bisherigen gesetzlichen oder neuen privaten) Krankenversicherung zur Last.

Sind die Kosten klar und eindeutig abzugrenzen und ist es daher unmöglich das hier für weitere Kosten für die neue private Krankenversicherung entstehen können, so ist ein Risikozuschlag hierfür eher unwahrscheinlich. Schließlich bedeutet diese Vorerkrankung keine Mehrkosten gegenüber einem anderen, gesunden Versicherten. Ist eine Abgrenzung allerdings nicht genau möglich und bestehen zum Beispiel noch „Rückstände aus Operationen“ (Metall im Körper) die noch entfernt werden müssen, kann ein Risikozuschlag trotzdem erhoben werden. Der Grund liegt hier darin, dass während einer solchen Metallentfernung, also einer Operation, weitere Komplikationen entstehen können die dann nicht mehr eindeutig abgrenzbar sind.

Kann ein Risikozuschlag verändert werden?

Ja, und das in beide Richtungen. Ein Risikozuschlag in der privaten verändert sich automatisch, wenn der Beitrag in der privaten Krankenversicherung durch eine Beitragsanpassung erhöht wird. Im gleichen Verhältnis wie der Beitrag steigt dann auch der Risikozuschlag. Dies ist auch notwendig, denn Kostensteigerungen in der privaten Krankenversicherung führen dazu, dass Beiträge in der PKV ansteigen, damit müssen auch Mehrkosten ausgeglichen werden. Sie durch Vorerkrankungen also höhere Kosten zu erwarten und wurde hierfür ein Risikozuschlag erhoben, so ist dieser im gleichen Verhältnis zu erhöhen.

Wurde zu Vertragsbeginn ein Risikozuschlag und hat sich die Risikoeinschätzung seitdem verändert, sind Erkrankungen nicht mehr aufgetreten oder bereits ausgeheilt, so ist hier eine Reduzierung dieses entsprechenden Zuschlags zu beantragen. Dazu sollten Sie detailliert darlegen, welche Erkrankungen sich in welcher Form verändert haben und eine Reduzierung des Risikozuschlag beantragen. Sollte der Versicherer dem nicht zustimmen, so wenden Sie sich bitte an einen entsprechenden Berater, der Ihnen hier weiterhelfen kann. Auch eine anonyme Risikovoranfrage mit den aktuellen Daten (bei den gleichen Versicherer) kann einen Überblick dazu geben, wie eine heutige Einschätzung bei einer vergleichbaren Erkrankung aussehen würde.

Mit diesen Informationen lässt sich einer entsprechenden Reduzierung des bestehenden Risikozuschlages ein wenig Nachdruck verleihen. Dabei noch ein kleiner Hinweis. Während der Vertragslaufzeit neu aufgetretenen Erkrankungen dürfen bei der Betrachtung zur Reduzierung des Risikozuschlag nicht berücksichtigt werden. Haben Sie also bitten Rückenbeschwerden einen Risikozuschlag von 20 € in ihrem Vertrag und zukünftig soll dieser reduziert werden, so spielt ein neu aufgetretenen Bluthochdruck keine Rolle. Der Versicherer kann also nicht sagen: „Jetzt haben wir bei dem Patienten höhere Kosten durch den Blutdruck, daher reduzieren wir den Risikozuschlag für den Rücken nicht.“

Wer versichert mich nun ohne Zuschlag?

Wie viele Sachen im Leben, hat auch ein Risikozuschlag zwei Seiten. natürlich ist es verständlich dass jemand ein Abschluss des Vertrages keinen unnötigen Zuschlag zahlen möchte. Auch ein Risikozuschlag hat jedoch zwei Seiten. Eine solche Risikobewertung wird nicht nur bei Ihnen vorgenommen, sondern natürlich auch bei anderen Versicherten. Durch einen Risikozuschlag sind ausreichende Mittel vorhanden, damit die Mehrkosten für diesen Patienten daraus finanziert werden können. Nimmt eine Gesellschaft nun jedoch für eine Erkrankung keinen Zuschlag, alle anderen aber schon, so kann dies ein Hinweis sein, dass sich die Beitragsentwicklung schlechter darstellen wird. In der Gesamtbetrachtung hat also auch ein Risikozuschlag eine (positive) Berechtigung. Sichert er doch in dem Gesamtbestand des Versicherers eine risikogerechte Kalkulation und dementsprechend eine stabile(re) Beitragsentwicklung.

Der Ansatz, sich also mit einem möglichst kleinen, oder gänzlich ohne Zuschlag zu versichern, ist daher falsch. Es geht in der privaten Krankenversicherung und auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung oder an anderen Versicherungssparten immer darum, ein ausgewogenes Verhältnis zu erreichen. Daher sind Risikozuschläge und Ausschlüsse durchaus berechtigt. Ausschlüsse in der Krankenversicherung nicht möglich, in der Berufsunfähigkeitsversicherung hingegen schon. Dort lassen sich mit einem entsprechenden Ausschluss Vorerkrankungen gänzlich vom Versicherungsschutz ausschließen.

Der richtige Weg zur passenden privaten Krankenversicherung ist somit nicht der, über den geringsten Zuschlag. Der richtige Weg ist der, über den passenden Tarif, individuell passenden, richtigen Leistungen und damit einer Absicherung die zu dem jeweiligen Interessenten passt. Ebenso kann während des Prozesses der Risikovorprüfung die Erkenntnis eintreten, dass der Weg in die private Krankenversicherung oder der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung derzeit nicht sinnvoll möglich ist. Dann spricht man von einer Zurückstellung des Antrages, wenn es sich um ein Risiko handelt was noch ausheilen muss und welche später versicherbar ist. Ebenfalls ist bei einigen Vorerkrankungen eine Versichertenkarte nicht gegeben, der Versicherer muss im Sinne des Kollektivs diesen Antrag ablehnen.

Fazit:

Wenn Sie also gerade auf der Suche nach einem passenden Versicherungsschutz für die private Krankenversicherung, Pflegezusatzversicherung oder die Berufsunfähigkeitsversicherung sind, so lassen Sie mich bitte nicht davon leiten wir Sie zu einem möglichst kleinen Zuschlag versichert. Risikozuschläge und Ausschlüsse sind in der Absicherung von biometrischen Risiken bei Vorerkrankungen völlig normal, notwendig und berechtigt. Wichtig ist das der Vertrag den Sie abzuschließen zu gedenken zu Ihnen passt und den individuellen Leistungswunsch abdeckt. Weitere Informationen dazu finden Sie auch:

Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie diese gerne über das LiveChat Fenster links oder über mein Kontaktformular stellen.

22.
April '16

Leserfrage: Kann ich mich mit einem Tinnitus trotzdem in der PKV versichern?


Da diese Frage in der letzten Zeit häufiger vorkam, keine Ahnung warum sich das gerade häuft, greife ich diese doch einmal auf und nutze den Blog und diesem Beitrag für einige kurze Erklärungen.

Ursachen für eine Tinnituserkrankung

Der „Grund“ für einen Tinnitus ist vielfältig und oft gibt oder gab es keinen messbaren Auslöser, er war einfach da. Bei fast 45% wird daher auch nie eine wirkliche Ursache festgestellt. Dabei können Lärmschädigungen des Innenohrs eine entscheidende Rolle spielen. Während fast 40% der Patienten von einem Knalltrauma berichten, meint ein Viertel der betroffenen der Stress sei schuld am Tinnitus. Weitere Ursachen liegen in Schwerhörigkeit, der Otosklerose, dem Hörsturz, einem Schädel-Hirn-Trauma, aber auch Akustikus-Neurinom, Vergiftungen des Innenohrs oder andere Ursachen spielen eine Rolle.

(c) Department of Communication Sciences and Disorders UW Speech and Hearing Clinic

(c) Department of Communication Sciences and Disorders
UW Speech and Hearing Clinic

Behandlung eines Tinnitus

Auch wenn achtzig Prozent der Fälle akut sind und dann allein wieder verschwinden, ist eine HNO fachärztliche Untersuchung immer empfohlen. Neben Medikamenten, Selbsthilfegruppen steht auch Stressbehandlung und Psychotherapie ganz oben auf der Liste der möglichen Hilfen für den Patienten. Solche Behandlungen sind oft lang andauernd und kosten natürlich Geld.

Tinitus und die Private Krankenversicherung

Aus diesem Grund und damit im direkten Bezug zur Leserfrage, spielt eine solche Erkrankung eine Rolle bei dem Abschluss von privaten Versicherungen. Fällt der akute Tinnitus in den abgefragten Zeitraum der Gesundheitsfragen im Antrag, so ist dieser in jedem Fall anzugeben. Auch wenn die Ursache oder der Tinnitus selbst schon vorbei ist, kann eine solche „ausgeheilte“ Erkrankung abgabepflichtig sein. Chronische Varianten und damit dauerhaft bestehende Beeinträchtigungen spielen ebenso eine Rolle und sind IMMER abgabepflichtig.

Kann ich mich mit einem Tinnitus überhaupt privat versichern?

Auch hier gilt, wie bei allen anderen Erkrankungen auch oftmals… es kommt darauf an. Zunächst einmal muss unterschieden werden

  • woher der Tinnitus kam
  • wie hoch der Leidensdruck war
  • welche Behandlungen erfolgten
  • wie die derzeitigen Beschwerden aussehen
  • wie lange dauerten die Beschwerden? (< 3 Monate = akut, > 3 Monate = chronisch)

Nachdem diese Fragen geklärt sind, gilt es diese natürlich zu belegen. Dazu bieten einige Gesellschaften spezielle Fragebögen an, welche im Rahmen einer anonymen Voranfrage zu verwenden sind, aber auch als Bestandteil des späteren Antrages benötigt werden.

Was brauche ich für eine Einschätzung?

Neben dem eben angesprochenen Fragebogen benötigen Sie in jedem Fall ein

  • ärztliche Attest über die Ursache (wenn bekannt)
  • Fragebogen wie eben angesprochen
  • eigene Schilderung zum „Leidensdruck“
  • Auflistung der Behandlungen, Dauer und Art der Therapie

Nachdem Sie die Unterlagen vorliegen haben, ist es sinnvoll eine anonyme Voranfrage zu starten. Dazu ist es aber ebenso sinnvoll zunächst einmal die Frage nach der PKV, den Tarifen und Gesellschaften zu klären, denn auch hier gibt es solche, wo die Diagnose Tinnitus eine Ablehnungsdiagnose ist. Daher fragen Sie bitte NICHT vorher und nicht mit Namen an und riskieren somit gar eine Ablehnung eines Antrages.

Informationen zu den Auswahlkriterien der PKV, weiteren Fragen und Antworten zur Abwicklung finden Sie hier auf meiner Seite unter „Auswahlkriterien„.

14.
Dezember '15

Anfragezeiträume bei Personenversicherungen und ein großer Irrtum zur Angabepflicht


In den letzten Tagen kam mal wieder ein Thema auf, welches selbst unter (Fach-)Kollegen zu großen Diskussionen führt, wie das dann wohl erst bei Laien, Interessenten und dem Antragsteller sein muss? Dabei geht es um die Frage, welche Angaben der Versicherer nach Kenntnis der bei der Risikoprüfung verwenden darf, wenn er diese vielleicht sonst gar nicht abgefragt hätte. Um diese Frage etwas ausführlicher zu beantworten, schauen wir uns das an einem konkreten Beispiel einmal an, welcher gerade jetzt bei der Beitragsanpassung und dem Wunsch nach einer Reduzierung des Risikozuschlages (—> Beitragsanpassung bei der Axa) durchaus häufiger auftreten kann.

Die Falle „Arztakte“

Zunächst also ein Fall wo es um einen Neuantrag geht. Oftmals versuchen ja Kunden (und Berater) durchaus, auf den ersten Blick unnötige, Arbeit zu vermeiden. Also wird schnell einmal die Krankenakte angefordert und dann in der Anfrage mehr oder minder ungefiltert verwendet. So wird diese dann dem Versicherer im Rahmen der Voranfrage oder- schlimmer- des Antrags zur Verfügung gestellt. Gerade wenn aber hier Krankheiten und Beschwerden verzeichnet sind, welche über den Anfragezeitraum im Antrag hinausgehen, kann sich hierdurch ein größeres Problem ergeben. So kommt der Versicherer zu Informationen, die er bei korrekt ausgefülltem Antrag nicht gehabt hätte.

Universalanträge- mehr Fluch als Segen

Ein ähnliches Problem sind solche Universalanträge oder Anfrageformulare die oftmals verwendet werden, damit der Kunde nicht „so viele Formulare ausfüllen muss“ und schließlich will er das sowieso nicht, so meinen zumindest viele Berater. Gerade bei Vertrieben sind solche Universalanträge, oftmals noch selbst entwickelt, ein beliebtes Instrument um die Arbeit begrenzen und damit schnell zum Geschäft zu kommen. Doch ist es das wirklich wert?

Natürlich finden sich bei einigen Vertrieben in den Anträgen unterschiedliche Fragen, so kann diese lauten: „Untersuchungen in den letzten 10 Jahren, bei Gesellschaft XYZ aber nur 5, bei Gesellschaft B 3 Jahre“. Solche Fragen können vor allem eins: Fehler produzieren. Schon die Antragstellung und richtige Beantwortung mit einer normalen Frage im Antrag ist schon nicht immer einfach, wer aber will dann noch jede Frage für jede Gesellschaft einzeln anpassen?

Somit ist die Gefahr etwas zu vergessen oder falsch zu beantworten deutlich höher, auf der anderen Seite laufen Sie schnell Gefahr viel mehr von sich preiszugeben, als der Versicherer eigentlich erfahren müsste. Eigentlich? Ja, denn nur das, wonach der Versicherer ausdrücklich und in Schriftform fragt, nur das müssen Sie dann auch angeben. Nicht weniger, aber eben auch nicht unnütz mehr. Klingt doch ganz simpel, oder?

Fragt ein Versicherer nach Untersuchungen der letzten 3 Jahre, so ist alles davor raus aus der Antwort. Verwenden Sie aber ein Formular eines anderen Unternehmens zur Anfrage und wird dort nach 5 Jahren gefragt, so geben Sie Informationen preis, Zahlen womöglich lebenslang einen Zuschlag für etwas, was nicht hätte sein müssen. Schöne Grüße an den, der ihnen das eingebrockt hat.

Nutzt der Versicherer die Informationen die er „mehr“ weiss?

Fangen wir mit einem anderen Beispiel an, das verdeutlicht es sehr gut und macht verständlich was ich Ihnen sagen will. Es geht dabei um den Prozess der Antragstellung, also für den Versicherer ein „Neukunde“.

Nehmen wir an Sie wären nicht Versicherer, sondern ein Handwerksunternehmen. Ihr Außendienstmitarbeiter kommt mit einem dicken Auftrag zurück in die Firma und erzählt stolz, der Kunde hat das Angebot angenommen. Alle sind zufrieden, bis der Innendienst die Daten in die Kundenverwaltung eingibt und da fällt etwas auf. Der Kunde war schon mal Kunde. Es ist Jahre her und beinahe war es vergessen. Leider hat dieser besagte Kunde damals seine Rechnung nicht, oder vielleicht nur sehr schleppend und nach einer Klage bezahlt. Diese Information haben Sie natürlich jetzt wieder „auf dem Schirm“. Was passiert? Je nachdem wie es der Firma geht und wie gravierend die unregelmäßige Zahlung damals war, wird es vielleicht mit einer Vorauszahlung, kürzeren Abständen bei der Abschlagszahlung oder aber zu einer Ablehnung des Auftrages kommen. Warum? Weil Sie etwas wissen, was ihnen der Interessent heute nicht gesagt hat, muss er ja auch nicht.

Auf die Versicherung übertragen bedeutet das aber dann auch, das Informationen die nun einmal da sind, auch verwertet werden. Da wird es keine Abschlagszahlung geben, aber einen Risikozuschlag für Vorerkrankungen, Vorerkrankungen die Sie normalerweise nicht gekannt hätten.

Ein ähnliches Problem ergibt sich dann, wenn Sie bereits früher einmal bei einem Versicherer waren oder schon mal ein nicht anonymer Antrag gestellt wurde. Auch hier sind Informationen vorhanden, die ggf. verwendet werden. Ärgerlich aber nicht ausgeschlossen.

Darf er das?

Klar darf er. Entschuldigen Sie bitte die deutlichen Worte, aber wenn der Antragsteller oder gar der Berater so „dämlich“ ist, mehr anzugeben als er muss, dann muss der Kunde leider mit den Konsequenzen leben. Das mag vielleicht jetzt hart klingen, aber das ist ein lösbares Problem, wenn es denn bekannt ist.

Die Lösung

Nur damit eines klar ist. Alles, aber auch wirklich alles nachdem der Versicherer fragt (ggf. auch erst auf Nachfrage oder mit zusätzlichen Fragebögen) ist zu beantworten. Weiterhin sind alle Angaben richtig und vollständig zu machen. Wer also eine Kontrolluntersuchung angeben muss, der muss dem Versicherer zugestehen nachzufragen, was denn genau kontrolliert wurde und ob es vielleicht vorher eine andere Diagnose gab oder gibt. Aber mehr angeben müssen Sie eben auch nicht und auch wenn der Versicherer Antragsangaben nicht nachfragt und erst später merkt er hätte gern noch was gewusst, dann ist das bitte sein Problem.

Daher gilt in der Antragstellung eine einfache Regel:

Zum sammeln von Informationen können Sie gern allgemeine Formulare FÜR DIE EIGENE RECHERCHE verwenden. Bei der Antragstellung und/ oder der Vorantrage für eine verbindliche Einschätzung verwende ich für meine Kunden ausschließlich die Formulare und die Antrags-/ Gesundheitsfragen der jeweiligen Gesellschaft.

Klar muss man bei drei Gesellschaften die angefragt werden sollen dann auch drei Formulare, vielleicht sogar noch dreimal einen speziellen Fragebogen etc. ausfüllen, macht aber nix. Das „bisschen Mehrarbeit“ rechnet sich sehr schnell wieder, wenn Sie danach keinen oder einen kleineren Zuschlag zahlen müssen.

Voranfragen und die richtige Vorgehensweise entscheiden somit über die Prämie heute und den nächsten Jahren/ Jahrzehnten, das sollte es Ihnen wert sein.