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20.
Juni '17

Anonyme Voranfragen bei Berufsunfähigkeit und Krankenversicherung – warum es einen qualifizierten Berater braucht


In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Finanztest wurde einmal mehr die Berufsunfähigkeit getestet. Nach dem desaströsen letzten Test zur Berufsunfähigkeit hat sich zum Glück bei Finanztest einiges verändert, mehr dazu und zu den Fehlern im aktuellen Test folgt in einem anderen Beitrag. Auch in diesem Test hat die Zeitschrift einen „Wegweiser“ veröffentlicht und mit der Überschrift „So kommen Sie zu einem Vertrag“ versehen. Neben der Tatsache, dass sie mehrerer Angebote parallel einholen sollen (wogegen grundsätzlich noch nichts einzuwenden ist) erfolgt diesmal ein Hinweis auf Versicherungsberater oder Versicherungsmakler.

Genau heißt es dazu:

„Vorerkrankungen. Waren sie in den vergangenen fünf Jahren ernsthaft krank oder sind sie chronisch krank, stellen Sie eine anonyme Risikovoranfrage über einen unabhängigen Versicherungsberater oder einen Versicherungsmakler.“

Diese zeitliche Eingrenzung und auch der Bezug auf „ernsthafte Krankheiten“ greift jedoch deutlich zu kurz. Die anonyme Voranfrage ist nicht nur wichtig und notwendig für den Fall von „ernsten Erkrankungen“, sondern ganz generell. Zudem stellt sich die Frage was eine ernste Erkrankung ist. Sind Rückenschmerzen, welche jedes Jahr mal wieder auftreten oder unregelmäßige Magenschmerzen denen der Interessent wenig Bedeutung beimisst, ernste Erkrankungen oder doch eher Lappalien?

Eine anonyme Voranfrage ist existenziell, immer!

Dabei ist grundsätzlich erst einmal zu klären, wie eine Antragstellung in der Berufsunfähigkeitsversicherung generell funktioniert, um hier zu verstehen wo die Risiken liegen und wie sich diese vermeiden lassen. Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchten, dann haben die folgenden Faktoren einen direkten Einfluss auf die Prämie und die Vertragsgestaltung:

  • – das Eintrittsalter
  • – der Gesundheitszustand in der Vergangenheit und der aktuelle Zustand
  • – die berufliche Tätigkeit
  • – private Hobbys wie Skifahren, Motorradfahren, fliegen, Fallschirmsprünge und vieles mehr

Eine anonyme Voranfrage nicht nur wegen der Gesundheit

Mit einer solchen anonymen Voranfrage lassen sich daher nicht nur die passenden Verträge auswählen, sondern es lassen sich auch die Rahmenbedingungen für private Freizeitaktivitäten, Zuschläge und Ausschlüsse aufgrund besonderer Risiken und weiterer vertragsbeeinflussende Faktoren ermitteln und vorab klären. Nicht selten kommt es vor, dass insbesondere die berufliche Tätigkeit bei verschiedenen Versicherern zu gänzlich unterschiedlichen Einstufungen und Prämien führt, was am Ende zu Preisunterschieden von 50 % und mehr führen kann.

Berufsgruppenauswahl in der Software (links der eigenebene, rechts unten der ausgewählte Beruf). DARUM braucht es Menschen!

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung beantragt und einfach recht lapidar seinen Beruf „Büroangestellte“ dort einschreibt, der wird wahrscheinlich einen entsprechenden Versicherungsschutz bekommen, ob es der richtige und passende ist, steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt.

Mit einer solchen anonymen Voranfrage lassen sich damit die Berufsgruppeneinstufungen, Zuschläge und Ausschlüsse aufgrund von Freizeitaktivitäten und weitere Faktoren vorab klären. Das macht es insbesondere bei der finalen Antragstellung nicht nur deutlich einfacher, es erleichtert auch den Vergleich der verschiedenen Tarife und Gesellschaften und ermöglicht erst so eine objektive Auswahl.

Direkte Antragstellung ist fahrlässig

Wer somit erst einmal Versicherer anschreibt um ein Angebot zu bekommen und dann direkt den gewünschten Antrag stellt, der verbaut sich unter Umständen den passenden Versicherungsschutz. Ebenso besteht immer die Gefahr, Fragen nicht richtig oder vollständig zu beantworten, auch hier ist die Hilfe eines qualifizierten Beraters nicht zu unterschätzen.

Anders als es in den Hinweisen der Zeitschrift Finanztest erscheinen mag, ist keinesfalls nur eine ernste Erkrankung wichtig und abgabepflichtig. Auch „Bagatelleerkrankungen“ wie zum Beispiel Verspannungen und Rückenbeschwerden, Magenprobleme oder Kopfschmerzen ohne eine weitere ernst zu nehmende Diagnose, führen in der Berufsunfähigkeitsversicherung oftmals zu Ausschüssen, Zuschlägen oder gar zu einer Ablehnung. Wer eine solche Ablehnung einmal für einen Antrag bekommen hat, der muss diese bei vielen anderen Antragstellungen direkt wieder angeben.

Lesetipp: Risikozuschlag oder Ausschluss?

Um also zu einem passenden, aber auch gerechten, Versicherungsschutz zu kommen bedarf es hier ausreichender Vorbereitung bei der Antragstellung.

Anonyme Voranfrage selbst stellen geht nicht

Natürlich können Sie den Versicherer anschreiben, ihn um ein Angebot bitten und diese selber auswerten. Natürlich können Sie auch ganz ohne fremde Hilfe einen Antrag ausfüllen, sich Krankenakten besorgen und das Risiko einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht so weit als möglich minimieren. Doch irgendwie muss Ihnen der Versicherer ja antworten, also selbst wenn Sie eine Frage stellen wollen, irgendwie müssen ja Angaben gemacht werden, geprüft werden und ihnen die Auskunft zugestellt, damit kann eine solche Anfrage nicht mehr anonym sein.

Beratung –> Auswahl –> Voranfrage –> Antrag –> Versicherungsschutz

Oftmals folgt dann die Frage nach dem richtigen Ablauf. Zunächst einmal sollten Sie sich darüber Gedanken machen, welche Art von Versicherungsschutz nötig ist und welcher Bedarf besteht. Dabei spielt die Frage nach der richtigen Rentenhöhe für die Berufsunfähigkeitsversicherung genauso eine Rolle, wie die Frage nach Bausteinen wie garantierter Rentensteigerung, Arbeitsunfähigkeitsklausel und weiteren Rahmenbedingungen des Vertrages.

Nach der Festlegung von Rahmenbedingungen und der Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie gern meinen Kriterienfragebogen und den Leitfaden verwenden. Sobald sich die etwas eingrenzen lässt, beginnt der nächste große Schritt, die Aufbereitung der ärztlichen Unterlagen.

Lesetipp: Anforderung der Krankenakte beim Arzt

Mit diesen Unterlagen, oftmals mit weiteren Zusatzfragebögen und den Gesundheitsfragen aus dem Antrag lassen sich die nötigen Unterlagen für eine anonyme Voranfrage zusammenstellen. Gemeinsam mit ihrem Berater können Sie nun entscheiden, an welche Versicherer diese geschickt werden.

Nachdem es eine Rückantwort von dem Versicherer gibt, lassen sich weitere Unterlagen besorgen, gegebenenfalls Einschätzungen nach verhandeln um dann zu entscheiden wie weiter vorgegangen werden soll. So kann es durchaus möglich sein, dass bei ein und denselben Gesundheitsfragen von Ablehnung über Zuschlag und Ausschluss bis hin zur normalen Annahme alles dabei ist. Das hätten sie jedoch ohne eine solche anonyme Ausschreibung niemals erfahren und sich vielleicht für einen Versicherungsschutz mit Ausschluss oder Zuschlag entschieden.

Selbst wenn eine Klausel mit einem Ausschluss nötig ist, stellt sich immer noch die Frage wie diese formuliert ist. Nehmen wir einmal einen Kunden aus dem letzten Jahr, welcher gelegentlich Verspannungen und Rückenschmerzen hat. Nichts Gravierendes, wie er meinte, und immer schnell mit einer Massage behoben.

Versicherer 1:

„Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der Wirbelsäule und Folgen.“

Versicherer 2 schrieb:

 „Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der Wirbelsäule und Folgen. Nicht von diesem Ausschluss betroffen sind Unfälle, Tumorerkrankungen und Infektionen.“

Versicherer 3 antwortete:

„Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der oberen Wirbelsäule, nicht von dem Ausschluss erfasst sind Erkrankungen aufgrund von Infektionen oder Tumoren, sowie Unfälle.“

Der letzte nachverhandelte und dann auch so dokumentierte Status lautete:

„Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der oberen Wirbelsäule, nicht von dem Ausschluss erfasst sind Erkrankungen aufgrund von Infektionen oder Tumoren, sowie Unfälle. Der Versicherungsnehmer hat das Recht, eine Nachschau nach frühestens 24 Monaten Behandlung- und Beschwerdefreiheit zu verlangen. Sind keine weiteren Erkrankungen der oberen Wirbelsäule aufgetreten, so kann ab diesem Zeitpunkt die Klausel entfallen.“

Hier sehr gut zu sehen, die Versicherer reagieren auf der einen Seite höchst unterschiedlich, auf der anderen Seite gibt es dabei Klauseln die ich so nie unterschreiben würde. Denn auch wenn sie heute gelegentlich mit Verspannungen und/oder Rückenschmerzen zu tun haben, so liegt doch die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit durch einen Unfall nicht höher, als bei einem anderen Kunden ohne diese aufgetretenen Verspannungen. Daher ist es wichtig, insbesondere bei der Klausel darauf zu achten, wie genau diese formuliert ist.

Im Umkehrschluss kann es auch sinnvoll sein, so der Versicherer hierzu bereit ist, statt einer Ausschlussklausel einen Zuschlag zu wählen. Das kostet zwar im ersten Augenblick mehr Geld, höhlt aber den Versicherungsschutz nicht aus und bietet weiterhin für alle Erkrankungen entsprechenden Schutz.

Lassen Sie sich helfen

Wenn sie bis hierher gelesen haben, dann haben Sie nun durchaus gesehen, welche Fallstricke bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung lauern. Das bedeutet nicht, dass jeder Berater ihnen hier gleich gut helfen kann, aber egal ob dieser Versicherungsvertreter eine Gesellschaft, Versicherungsmakler oder Versicherungsberater ist, wenn sie diesem vertrauen und wissen auf welcher Seite er steht und was sie da bekommen können, nutzen Sie seine Hilfe. Ob Sie den Vertrag nun bei dem Versicherer direkt anfragen und abschließen, oder sich professioneller Hilfe bedienen, macht in der Prämie schließlich keinen Unterschied. Die in den Versicherungsprämien kalkulierte Courtage entfällt nämlich auch dann nicht, wenn sie beim Versicherer direkt abschließen, schließlich hatte auch einen entsprechenden Aufwand. (falls er denn eine Beratung erbringt)

Mit einer spezialisierten Beratung und einer anonymen Voranfrage schaffen sie die Grundlage für einen dauerhaften, angemessenen und richtig ausgewählten Versicherungsschutz.

14.
Juni '17

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind


Der Dschungel der Tarife in der privaten Krankenversicherung ist oftmals schier unübersichtlich und kaum zu überblicken. Da ist es nur verständlich, wenn Sie versuchen sich bei der Auswahl einiger Hilfsmittel zu bedienen. Neben Onlinevergleichsrechnen, welche zumindest für die private Krankenversicherung ungeeignet sind, stützen viele Interessenten ihre Entscheidung auf den Rat von Freunden, Bekannten und Kollegen.

„Wenn meine Freunde/Kollegen dort versichert sind, dann kann es ja nicht schlecht sein, diese sind bei Gesellschaft XYZ zufrieden“. 

Warum solche Hinweise und Tipps aber eher fatale Folgen haben können und für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif und eine Gesellschaft nicht geeignet sind, das schauen wir uns einmal im Detail an.

Beginnen wir mit der Gesellschaft oder den Tarif, in dem die Bekannten und Freunde versichert sind. Bevor sie sich also auf so eine Empfehlung verlassen, machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen:

  • –  Wie wurde der Versicherungsschutz ausgewählt?
  • –  Warum sind die Kollegen dort versichert und welche Alternativen gab es?
  • –  Welche Vorerkrankungen bestanden bei den Kollegen?
  • –  Hatten diese schon Zusatzversicherungen dort?
  • –  Wie und durch wen erfolgte die Beratung?

Eine der wichtigsten Fragen, um eine solche Empfehlung hier bewerten zu können ist die, wie denn bei den Freunden der Versicherungsschutz ausgewählt wurde. Gab es eine Beratung durch einzelne Versicherungsvertreter einer Gesellschaft, wurde vielleicht ein Makler oder ein anderer Berater gegen Honorar genutzt?

Lesetip: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Finanz- und Versicherungsfragen?

Welche Anforderungen und welches familiäre und berufliche Umfeld lagen der Beratung zu Grunde, sind diese Kriterien zu 100 % mit Ihren vergleichbar? Oftmals stellt sich dann gleich die Frage, wie Sie es beurteilen sollen, kennen Sie doch all diese Kriterien und Anforderungen aus der damaligen Beratung gar nicht. Ganz vereinfacht gefragt: Kaufen Sie das gleiche Auto, das gleiche Haus und/ oder sieht Ihre Wohnungseinrichtung auch so aus wie die Ihrer Kollegen?

Nicht? Warum nicht?

Weil Sie Ihren eigenen Geschmack haben? Weil Sie individuell sind? Weil Sie Kinder haben oder wollen, die Kollegen und Freunde vielleicht nicht?

Sehr schnell merken Sie nun, eine Beratung einer Person ist nicht auf die andere übertragbar. Selbst wenn es Übereinstimmungen gibt, wenn Kriterien wie

  • –  beruflicher Status (angestellt oder selbstständig)
  • –  Einkommen
  • –  Ausbildung

übereinstimmen, so ist die Anforderung an einen passenden Versicherungsschutz doch etwas ganz anderes. So individuell wie ein Haus, eine Einrichtung, der eigene Geschmack, so individuell ist auch die Auswahl des Versicherungsschutzes.

„Aber die Abwicklung bei Gesellschaft XYZ ist gut, mein Kollege bekommt alles erstattet“

Auch dieses ist ein beliebtes Argument. Wird doch von vielen befürchtet keine ausreichende Erstattung im Leistungsfall zu bekommen, lange hinter Rechnungen und deren Erstattung hinterher zu laufen und dann am Ende Ärger zu haben? So werden bereits versicherte immer mal wieder gefragt, wie zufrieden diese denn sind. Werden Rechnungen abgerechnet und schnell bezahlt? Gab es Probleme bei der Abrechnung oder prüft der Versicherer zu streng und fragt viel?

Gerade bei jüngeren Kunden die bereits privat versichert sind kommt dann schnell die Aussage „Ich bin zufrieden mit meiner PKV“. Hinterfragen Sie bitte solche Aussagen, hinterfragen Sie insbesondere aufgrund welcher Daten, Fakten und Erfahrungen diese erfolgte.

Wer gesund ist und nur einmal zur Vorsorge und einmal wegen einer Grippe zum Arzt geht, die Rechnung am besten noch online oder über die RechnungsApp einreicht, der wird binnen Tagen die Erstattung auf seinem Konto sehen und „zufrieden“ sein. Klar, ist auch durchaus richtig, sagt aber absolut gart nichts über die wirkliche Qualität der Versicherung aus. Weder über deren Abwicklung, noch den Leistungsumfang, noch über irgendetwas sonst.

Insbesondere die Frage welche Leistungen denn abgerechnet wurden und wie diese behandelt wurden ist interessant. Nur wer hier mit Menschen spricht, welche auch nennenswerte Erkrankungen hatten, Rechnungen eingereicht haben, nur der wird sich eine einigermaßen fundierte Meinung bilden können. Aber selbst die reicht so nicht für eine Empfehlung aus. Warum? Weil es auch hier davon abhängig ist wie und in welchem Umfang ich versichert bin.

Fragt der Versicherer viel nach?

Gerade in den ersten Jahren ist eine Nachfrage nach  Vorerkrankungen im Rahmen einer Prüfung der vorvertraglichen Anzeigepflicht durchaus berechtigt. Klar mag das der ein- oder andere eher als lästig empfinden, wenn der Versicherer eine Entbindung von der Schweigepflicht will.

Lesetip: Der Versicherer will eine Entbindung von der Schweigepflicht nach eingereichter Rechnung

Ja will er und warum auch nicht. Gerade eine sorgfältige Prüfung zu Beginn eines Vertrages, nach ersten eingereichten Rechnungen, macht niemand zum Spaß. Diese kosten Geld, binden Mitarbeiterkapazitäten und müssen dennoch gemacht werden. Und nein, es macht niemand um Sie zu ärgern, sondern um zu prüfen ob die Angaben aus dem Antrag stimmen, ob nichts vergessen oder bewusst weggelassen wurde. Nur so und nur wenn eine solche Prüfung auch nachher noch erfolgt, lassen sich Risiken korrekt einschätzen und Bestände beitragsstabil halten.

Auch hier- wieder zwei Seiten. Der eine (Kunde) möchte so schnell als möglich eine Rechnung bezahlt haben. Der Versicherer möchte dieses auch, aber hat auch eine Verpflichtung gegenüber den anderen Versicherten. Eine Verpflichtung gegenüber seinem Kollektiv hier genau zu prüfen, ob niemand mit falschen Angaben zu Unrecht Versicherungsschutz bekommen oder keinen Risikozuschlag gezahlt hat.

Zahlt der Versicherer Rechnung XYZ nicht?

Auch das ist so ein Phänomen. „Meine PKV zahlt (dieses/jenes) nicht!“ hört man immer wieder, liest man in Foren und diversen Internetgruppen. Natürlich gibt es auch in der PKV Versicherer und Tarife, wo die Leistungen stark begrenzt sind. Mindestens ebenso gibt es Unternehmen, welche immer wieder versuchen um Leistungen herum zu kommen, das ist zumindest genau so unschön. Aber: oftmals sind die wirklichen Tarifleistungen weit weg von dem, was der Kunde glaubt versichert zu haben.

In einigen Beratungen wird so getan, als wäre jede PKV der Super-Luxus-Schutz, ist es aber nicht. Wer aber denkt, er habe den TOPSCHUTZ versichert, der ist (zurecht) enttäuscht, wenn der Versicherer auf eingereichte Rechnungen antwortet:

„Leider sind die Leistungen für XYZ nicht versichert.“

Natürlich ist die Enttäuschung dann groß und kann auch zudem finanzielle Folgen haben. Das zeigt aber, hier wurden in der Beratung gravierende Fehler gemacht und auf Berater- oder Kundenseite hab es große Missverständnisse. Haben Ihre Kollegen denn auch bei Abschluss die Bedingungen gelesen? Haben diese hinterfragt welche Ausschlüsse und Beschränkungen ein Tarif hat und das bevor dieser abgeschlossen wurde?

Testen Sie es doch einfach, fragen Sie einmal nach:

„Welche Leistungen hast Du ausgeschlossen, was war Dir nicht wichtig und wo ist der Tarif schlechter als die GKV?“

Wer hier antwortet „keine“ und „gar nicht“, dem würde ich keine Empfehlung für eine Gesellschaft oder gar einen Tarif zutrauen und jedweden Tip sehr mit Vorsicht genießen. Aussagen wie „schau Dir doch Tarif X von Gesellschaft Y einmal an“ sind nicht zu beanstanden. Hier wird der Blick oft auf einen Tarif gelenkt, den Sie dann mit Ihren Auswahlkriterien vergleichen sollten. Aber wichtiger als die Frage was ein Tarif zahlt ist immer, was er nicht zahlt. Beschäftigen Sie sich daher mit den Bedingungen. Klar sind 30, 40 oder 50 Seiten Kleingedrucktes nicht unbedingt die spannende Samstagabend Lektüre, oder doch?

Lesen Sie Bedingungen und hinterfragen Aussagen. Lesen Sie Tarife (nicht Prospekte) und überlegen sich, welche Leistungen für Sie persönlich wichtig sind.

Was ist IHNEN wichtig?

Erst wenn Sie für sich ein Anforderungsprofil schaffen, festlegen was Ihnen persönlich heute und vielleicht in Zukunft wichtig ist, wo Ihre Bedürfnisse liegen und welche Leistungen Sie hier versichern möchten, erst dann haben Sie eine Grundlage für die Tarifauswahl.

Lesetip: Den besten Tarif in der PKV bitte

Nicht nur, aber auch aus diesem Grund ist die Frage wo denn Ihr Berater versichert ist, welchen Schutz er für sich selbst gewählt hat, völlig sinnfrei. Das was mir als Berater wichtig ist, das spielt bei Ihrem Auswahlprozess keine Rolle, nicht ansatzweise. Nur weil meine Anforderungen (bei mir in 1998) die waren, welche zu einem Tarif und einem Versicherer geführt haben, sind das weder heute noch waren es damals Ihre Anforderungen. Solche Kriterien verändern sich aber durchaus während der Jahre, auch ich würde- obwohl ich sehr zufrieden bin- heute sicher anders wählen. Nicht weil mein Tarif schlecht ist, sondern weil es am Markt Alternativen gibt, die damals so undenkbar waren.

Ich beantworte die Frage dennoch immer wieder und gern. Mein Versicherungsschutz sieht also so aus:

Hallesche NK, dazu KHT, Krankengeld in verschiedenen Stufen, Beitragsentlastung im Alter, Pflegepflicht

Diesen Schutz habe ich bereits seit einigen Jahren, nicht nur aus wirtschaftlichen, auch auch gesundheitlichen Gründen ist ein Wechsel weder sinnvoll noch möglich. Den würde ich heute aber auch nicht machen und auch nie einem dort versicherten Kunden empfehlen. Warum? Zu Entscheidungen muss man stehen. Ich habe damals bewusst genau den Tarif „gekauft“, genau den Schutz gewollt und nur minimal angepasst über die letzten Jahre. Auch heute halte ich den Tarif (ist bei mir ja noch die alte Bisexwelt) für die richtige Wahl- FÜR MICH!

Weder für meine Bekannten, Freunde, Kollegen ist oder muss dieser ebenfalls die richtige Wahl sein. Nicht einmal mit fast identischen Anforderungen muss dieser Tarif heute richtig sein.

So geht Ihre Tarifauswahl!

Schauen Sie sich um. Lesen Sie Internetseiten, Blogs, lesen Sie in Büchern zur PKV, zur Krankenversicherung allgemein und machen Sie sich schlau. So schlau wie es Ihnen möglich ist. Eine kleine Hilfe dabei ist mein

Aber auch mit den Übersichten zu den

kommen Sie etwas weiter. Weiter, weil Sie sich Gedanken machen müssen. Gedanken über den Wunsch was versichert sein soll, über das was Ihnen (heute) nicht so wichtig ist und auch über das was zukünftig an Veränderungen ansteht oder anstehen KÖNNTE. Wenn Ihnen das noch nicht ausreicht, auch nicht um den Fragebogen zu beantworten, so gibt es noch 45 Minuten Videoanleitung dazu, Erklärungen warum was genau wie wichtig sein könnte oder werden kann. Diese erhalten Sie gern auf Wunsch per Mail- dazu bitte diese Anfrage zur PKV oder den LiveChat verwenden.

Und noch etwas, einen Krankenversicherer der „kulant ist, den möchten Sie nicht„.

Sie kaufen nicht das gleiche Auto wie Freunde und Kollegen, Sie bauen nicht das gleiche Haus, haben nicht die gleichen Kinder- nein, Sie sind individuell. Lassen Sie Ihre Krankenversicherung AUF SIE PASSEN, nicht anders herum!

29.
Mai '17

Soll ich, oder soll ich (noch) nicht? Jetzt Schutz gegen Berufsunfähigkeit sichern, oder noch warten?


Die Notwenigkeit einer Absicherung gegen die Folgen einer Berufsunfähigkeit sind hinlänglich bekannt und es ist eine der wenigen Absicherungen bei der sich nahezu alle einig sind. Verbraucherschützer, Experten, Ärzte, Versicherer und Vermittler, alle wissen um die Wichtigkeit der Absicherung gegen den Verlust der eigenen Arbeitskraft.

Lesetip: Warum es unverantwortlich ist, keinen Schutz gegen das BU Risiko zu haben

Ob es nun jeder Vierte oder jeder Fünfte sein mag der in seinem Leben einmal dauerhaft oder für eine begrenzte Zeit berufsunfähig wird ist in dem Fall fast egal. Warum? Am Ende ist es egal ob ich mich in einem Jahr, in zwei oder in zehn Jahren finanziell ruiniere. Ist kein Geld da, keine Arbeitskraft mehr da um ein Einkommen zu erwirtschaften, so ist alles andere auch schwierig bis unmöglich.

Doch es gibt Situationen, welche Antragsteller immer wieder zögern und überlegen lässt. In der Vergangenheit habe ich immer mal wieder

Dabei hat ein solches Zögern meist zwei Gründe, oder zumindest zwei Ansatzpunkte die es auslösen. Schauen wir uns doch beide einmal etwas genauer an.

1.) wenn ich noch warte, muss ich später Krankheit XYZ nicht mehr angeben

Die Hoffnung es wird dann besser kann jedoch auch schnell nach hinten losgehen. Die Versicherer fragen in den Anträgen unterschiedliche Abfragezeiträume ab, je nach Fragestellung und Diagnose sind damit in X Jahren einige Bemalungen sicher nicht mehr anzugeben. Ob es sich dabei um so genannte „Dauerdiagnosen“ handelt oder Krankheiten die nie ausheilen (auch wenn diese keine Beschwerden verursachen) muss genau überprüft werden. Hier in der Anfrage ging es konkret um das Einsetzen von Brustimplantaten und damit verbundene stationäre Aufenthalte. Diese sollten dann in X Jahren nicht mehr im Antrag auftauchen.

Auch wenn die Behandlung oder der Aufenthalt nicht anzugeben sind, das Implantat kann (je nach Fragestellung) anzeigepflichtig bleiben und damit steht es dem Versicherer frei auch später weitere Angaben zu fordern. Im Rahmen seiner Nachfragebefugnis kann dieser gezielte, weitere Fragen stellen und auch diese sind (ungeachtet der Fragen im Antrag) wahrheitsgemäß zu beantworten.

Letztendlich stellt sich aber ein „Russisch Roulette“. Warum ist einfach erklärt.

Bei dem „Warten um einige Erkrankungen nicht mehr anzugeben/ angeben zu müssen“ können natürlich auch weitere Beschwerden auftreten, Erkrankungen diagnostiziert werden oder einfach ein Unfall zu weiteren Schäden führen. Dieses hat dann natürlich zur Folge,

  • – dass der Versicherer den Antrag ablehnen kann

  • – dass es weitere Ausschlüsse gibt

  • – dass der Versicherer hohe Zuschläge verlangt

  • – dass der Versicherer den Antrag ganz ablehnt

Wer also gern zockt, für den mag das vielleicht eine Option sein, alle anderen tun gut daran, den derzeitigen Gesundheitszustand (wenn mit diesem eine Annahme möglich ist) zu nutzen und sich einen entsprechenden Schutz zu „konservieren“.

Berufsunfähigkeitsschutz lieber jetzt oder noch warten?

Es spricht nichts dagegen nach Ablauf von Anzeigepflichten nochmals über eine Änderung oder einen anderen Schutz nachzudenken, dabei sollten aber nicht die Nachteile vergessen werden.

  • – höheres Eintrittsalter

  • – höherer Beitrag durch andere Berufsgruppe andere Tarifwelt andere Tarife und Möglichkeiten der Versicherung

Daher sollten Sie sich darüber im Klaren sein: Es wird nicht nur besser wenn Sie warten. Das Risiko sich zu verschlechtern ist deutlich höher. Sieht es aber nach X Jahren deutlich besser aus, so lässt sich (trotz höherem Alter) ein solcher Schutz kündigen und dann auch ggf. neu abschließen, diese Chance bleibt immer.

Lesetipp: Wie kündige ich eine unpassende Berufsunfähigkeitsversicherung?

Sieht es aber dann schlechter aus, so haben Sie zumindest einen passenden Schutz derzeit.

2.) wenn ich jetzt als Student noch nicht abschließe, bekomme ich später besseren Schutz/ günstigere Berufsgruppe

Auch dieses ist bei vielen Unternemen eine falsche Annahme. Natürlich richtet sich die Berufsgruppe nach dem Beruf bei Antragstellung. Für Studenten und Schüler gelten jedoch bei den meisten Gesellschaften etwas andere Regelungen.

Lesetip: Berufsunfähigkeitsschutz für Studenten

So ist es für die meisten Studenten, zumindest die in der zweiten Hälfte der Regelstudienzeit, vorteilhaft sich die BU zu sichern. Die Einstufung erfolgt hier oft direkt in den noch zu erreichenden Beruf. Damit gibt es eine Berufsgruppe, welche diese sonst nur bei Abschluss des Studiums und einer passenden Ausbildung/ Anstellung hätten.

Entscheiden sich die Studenten dann doch für andere Tätigkeiten oder studieren nochmal etwas anderes, so interessiert dann auch eine, eventuell schlechtere, Berufsgruppe nicht (mehr).

Weitere Informationen find

05.
September '16

Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung steigen zum 01.01.2017


Neues Jahr, neuer Beitrag. Der Anstieg von Prämien zur Berufsunfähigkeit und anderen Versicherungssparten mit altersabhängigen Prämien ist nicht ungewöhnlich, dennoch ist zum Anfang des Jahres 2017 einiges anders.

Warum steigen Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Generell sind die Beiträge bei der Absicherung der Berufsunfähigkeit konstant. Einmal abgeschlossen ändert sich der (Brutto-)beitrag nicht mehr, es sei denn dynamische Erhöhungen setzen ein und passen den Beitrag und auch die versicherte Rente im gleichen Verhältnis an. Da dieses aber eine „freiwillige“ Erhöhung ist, welche nicht unter den Begriff „Beitragserhöhung“ fällt, soll es darum hier nicht gehen.

Brutto- und Nettobeitrag

In der Absicherung der BU gibt es zwei unterschiedliche Beiträge, beide finden Sie auf dem Versicherungsschein. Neben dem Bruttobeitrag, dem Betrag den der Versicherer tatsächlich kalkuliert hat um das Risiko zu decken, gibt es noch einen weiteren Beitrag. Der Nettobeitrag, immer der geringere der beiden genannten Beträge, nennen einige Unternehmen auch Zählbeitrag. Dieses ist der Betrag, welchen Sie monatlich oder jährlich auf Ihrem Konto sehen, der Betrag den Sie tatsachlich bezahlen.

Woher kommt die Differenz?

Nun, der Versicherer nimmt monatlich eine Vielzahl von Beiträgen ein. Nicht alles wird dabei zur Risikodeckung bzw. Auszahlung von bestehenden oder neuen Versicherungsleistungen verwendet und benötigt. Diese Beträge werden vom Versicherer angelegt, damit werden (im besten Fall) Zinsen und Kapitalerträge erwirtschaftet und diese den Kunden anteilig gutgeschrieben. Soweit zumindest die Theorie.

Wer sich einmal am Markt der Kapitalanlagen umsieht oder nur einmal die Zinsen eines Kontos, Festgeldes oder Sparbuches anschaut wird froh sein noch keine negativen Zinsen zu haben. Während die Zeiten mit 4% Zins auf das Tagesgeld einige Jahre zurück liegen, sind dafür heute die Zinsen im Bereich der Baufinanzierung sehr niedrig. So hat jede (Zins-)Situation immer zwei Seiten, aber dennoch: Für den Versicherer bedeutet die derzeitige Zinssituation jedoch weniger Erträge, damit weniger Geld welches auf den einzelnen Versicherungsnehmer entfällt und damit einen geringeren Abschlag.

Durch weniger Überschüsse (dem Betrag der bisher von Ihrem Bruttobeitrag abgezogen wird, quasi als vorgezogene Beteiligung an Kapitalerträgen) entsteht somit ein höherer Zahl-/ Nettobeitrag.

Bestands- wie Neukunden betroffen

Für den Neukunden bedeutet dieses von Beginn an einen höheren Beitrag. Oftmals werden in Vergleichen leider nur die Nettobeiträge verglichen. Da gibt es Versicherer mit sehr großen Spannen, welche mit deutlich kleineren und Versicherer bei denen Brutto- gleich Nettobeitrag ist. So kann ein Versicherungsschutz bei unterschiedlichen unternehmen schnell so aussehen:

Anbieter 1:
Brutto: 101,21 Euro, Zahlbeitrag: 52,32 Euro

Anbieter 2:
Bruttobeitrag: 89,65 Euro, Zahlbeitrag: 55,32 Euro

Anbieter 3:
Bruttobeitrag: 76,65 Euro, Zahlbeitrag: 76,65 Euro

Welchen Versicherungsschutz würden Sie wählen, wenn alle anderen Leistungen identisch wären?

Klar, Anbieter 1 bietet den geringsten Beitrag, schließlich ist es der Betrag der monatlich von Ihrem Konto abgebucht wird. Aber ist es wirklich die preiswerteste Wahl? Oder eignet sich Anbieter 2 nicht besser, denn hier bietet sich schließlich ein geringerer Bruttobeitrag an? Bei einer möglichen Erhöhung der Beiträge aufgrund geringerer Überschüsse wäre hier schon bei 89 und nicht erst bei 101,21 Euro Schluss.

Lesetip: Brutto- oder Nettobeitrag, was zahle ich eigentlich?

Garantiezins sinkt auf 0,9%

Mit der Senkung des Garantiezinses wird auch eine Anpassung des Beitrags erforderlich, denn wenn weniger „Zusatzertrag“ vorhanden ist, dann muss das Geld durch höhere Beträge gegenfinanziert werden. Das bedeutet aber auch, das eine Anpassung, ein Neuabschluss oder eine Änderung der BU-Absicherung dieses Jahr noch sinnvoll sein kann.

Eintrittsalter macht es zudem teurer

Viele Interessenten und Versicherten gegen davon aus, bis zu dem tatsächlichen Geburtstag das eine, und am Tag danach das nächste Eintrittsalter erreicht zu haben, dem ist aber nicht so. Bei den meisten Unternehmen, nahezu allen in der BU, ist die Zeitrechnung eine etwas andere. So ist es vollkommen egal, ob Sie am 1.Januar oder 31.Dezember Geburtstag haben, Sie sind das ganze Jahr gleich alt.

Eintrittsalter = aktuelles Jahr minus Geburtsjahr

Damit es klarer wird, hier ein Beispiel:

Nehmen wir an, Sie und am 5. August 1986 geboren. Dann hatten Sie gerade Geburtstag und sind 30 Jahre alt geworden. Versicherungstechnisch waren Sie dieses aber schon am 1. Januar. Ob Sie daher Ihren BU Schutz mit Beginn 1.1., 1.8. oder 1.12.2016 beantragen und beginnen lassen, das spielt keine Rolle für die Prämie.
Wird der Beginn aber der 1.1.2017, so sind Sie versicherungstechnisch 31 Jahre alt, obwohl Sie den Geburtstag erst acht Monate später feiern. Auch aus diesem Grund ist es sinnvoll sich rechtzeitig und im aktuellen Jahr um einen passenden Schutz zu bemühen. Der weitere und oftmals wichtigere Grund der Gesundheitsfragen und damit einhergehende Zuschläge oder gar eine Ablehnung sprechen sowieso für einen zeitigen Versicherungsschutz.

Gründe nicht bis 2017 zu warten gibt es somit einige:

  • – Neue gesundheitliche Beschwerden und Probleme machen einen Schutz schwieriger
  • – neuer Garantiezins verteuert die BU ggf.
  • – höheres Eintrittsalter zieht lebenslang höhere Prämien nach sich

Daher: Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken zu dem benötigten Schutz und der möglichen Absicherung.

Lesetip: Warum es unverantwortlich ist, keinen BU Schutz zu haben

29.
Juni '16

Berufsunfähig und was jetzt? Lösungen damit Sie nicht durch das Netz fallen


In diesem Blog finden Sie eine Vielzahl von Beiträgen zum Thema Berufsunfähigkeit, beginnend mit der richtigen Antragstellung und der anonymen Voranfrage, über die richtigen Auswahlkriterien für den Vertrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung und vieles mehr. Dennoch besteht in Deutschland nur bei 17 % aller Deutschen einer Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, wie eine aktuelle Studie der Zurich Versicherung gerade einmal wieder veranschaulicht. Es gibt durchaus viele andere Länder, wo ist deutlich besser aussieht. Für ein berufliches Projekt in Hongkong beispielsweise habe ich mir schon vor Jahren die dortigen Absicherungen angeschaut, mehr als die Hälfte aller dort lebenden Personen sind gegen das Risiko bei Berufsunfähigkeit versichert.

Fehlendes Bewusstsein für die Absicherung

Warum ist das so und warum gelingt es Versicherern, Verbraucherschutzverbänden und dem Staat nicht eine entsprechende und flächendeckende Absicherung der Bürger zu erreichen? Das hängt auch etwas damit zusammen, dass immer noch die Meinung vorherrscht „Der Staat wird schon für mich sorgen“. Dieser Aussage ist jedoch fatal, denn ein Berufsunfähigkeitsschutz besteht nur für Versicherte welche vor dem 1.1.1961 geboren sind. Alle anderen haben nur einen Versicherungsschutz gegen Erwerbsminderung.

Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung

Früher (und für die älteren Versicherten) bestand ein Versicherungsschutz durch die gesetzliche Rentenversicherung im Falle der Berufsunfähigkeit. Wer also Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hatte (Achtung: Selbstständige und Freiberufler haben das meist nicht) und die notwendigen Wartezeiten erfüllt hat (bei Auszubildenden reichte dies nicht) bekam eine Versorgung, wenn er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Die Definition zur Berufsunfähigkeit bezieht sich daher immer auf den konkreten Beruf, die ausgeübte Tätigkeit und die Frage ob ich diese Tätigkeit in dem bisher ausgeübten Umfang noch ausüben kann. Wer also bisher einen acht Stunden Tag hatte und davon nur noch weniger als vier Stunden arbeiten kann, der ist berufsunfähig. Der Versicherungsschutz in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung besteht in der Regel weltweit, 24 Stunden rund um die Uhr und bei allen Tätigkeiten. (Zu beachten sind natürlich Ausschlüsse und Einschränkungen in dem individuell gewählten Vertrag)

Bei der Erwerbsminderung hingegen geht es nicht um den konkreten Beruf. Hier wird geprüft ob Sie mehr als sechs oder drei Stunden arbeiten können. Dabei geht es wie gesagt nicht in den Beruf den Sie gelernt oder ausgeübt haben, es geht um die (theoretische) Möglichkeit überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Wer also noch irgendetwas tun kann, mindestens sechs Stunden der erhält keinerlei Rente. Natürlich haben sie dann Anspruch auf entsprechende Grundsicherung, also Sozialhilfe. Hier werden natürlich die entsprechenden Voraussetzungen geprüft, vorhandenes Vermögen angerechnet und vieles mehr. Wer zwischen drei und 6 Stunden arbeiten kann, der erhält zumindest die halbe Erwerbsminderungsrente, was mit ein paar hundert Euro zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist. Auch hier bleibt nur die Sozialhilfe/Grundsicherung.

„Mit passiert doch nichts“

Mit dieser Einstellung kann man natürlich durchs Leben gehen und einigen gelingt das durchaus. Es gibt Menschen die sind zum Glück nie krank, lieben bis ans Lebensende zufrieden und ohne nennenswerte Erkrankungen und schlafen irgendwann in Frieden ein. Leider wissen wir nicht ob das auch bei uns zutrifft. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Chancen auf Heilung bei einer Vielzahl von Krebserkrankungen deutlich verbessert, dennoch führen viele Diagnosen zumindest zu einer zeitweisen Berufsunfähigkeit. Wer ein, zwei oder drei Jahre nicht arbeiten kann, danach aber wieder in seinen Beruf zurückgekehrt hat auch während dieser Zeit einen Anspruch auf die versicherte Berufsunfähigkeitsrente. Berufsunfähigkeit bedeutet daher nicht „den Kopf unter dem Arm zu tragen“, sondern ist auf den konkreten Beruf bezogen.

„Ich sitze im Büro, was soll da schon passieren das ich nicht mehr arbeiten kann?“

… und zum Psychiater gehe ich sowieso nicht. Auch diese Aussage kommt immer wieder, wenn man über das Thema Berufsunfähigkeit spricht. Was soll mir passieren, im Büro kann ich irgendetwas machen. Die Frage ist jedoch, bin ich leistungsfähig genug um einen Beruf ausüben zu können? Kann ich mit einer Erkrankung, nach einem Unfall oder einen Kräfteverfall tatsächlich noch Vollzeit arbeiten? Auch hier gilt die entsprechende Prüfung der 50 %. Lässt meine Erkrankung also eine Ausübung des Berufes von unter 4 Stunden noch zu, so kann ich das natürlich tun ohne einen Rentenanspruch zu verlieren. Erst wenn die Berufsunfähigkeit zu mehr als 50 % nicht mehr gegeben ist, erst dann endet die Rente.

Dazu kommt, dass gerade in den letzten Jahren die psychischen und psychosomatischen Erkrankungen drastisch zugenommen haben. Etwa ein Viertel aller Berufsunfähigkeitsfälle führen zu einer Leistung aufgrund einer „F-Diagnose“. Hierbei handelt es sich um Erkrankungen aus dem psychischen und psychosomatischen Bereich. Diese können stressbedingt sein, können auf übermäßige Belastung zurückzuführen sein und können natürlich auch als Begleiterscheinungen zu anderen Erkrankungen auftreten.““

Lesetipp: Die richtige Absicherung gegen Folgen einer Krebserkrankung

Wenn Sie zahlen sollen, zahlen sie dann doch nicht

Auch das ist eine immer wieder gern genommene Aussage um den Abschluss einer entsprechenden Versicherung hinauszuzögern und/oder vor sich herzuschieben. Es ist einfach das eigene Gewissen zu beruhigen, wenn ich mir ständig einrede, dass der Versicherer im Leistungsfall sowieso nicht zahlen. Einmal ganz überspitzt formuliert. Was ist besser? Ein Versicherer der vielleicht Zeit oder kein Versicherer?

Natürlich werden die Versicherer im Falle der Leistungsprüfung die Bedingungen genau prüfen. Da werden Anträge und die Angaben in diesen geprüft um zu klären ob bei Antragstellung keine Angaben richtig und vollständig gemacht. Stellt sich dann heraus das Angaben verschwiegen worden sind, zahlt der Versicherer zurecht nicht. Daher ist es elementar wichtig, sich vorher entsprechende Gedanken dazu zu machen und die Antragstellung sauber vorzubereiten.

Wenn Sie sich mit den Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeit intensiver beschäftigen, dann werden Sie sehen dass einzelne Formulierungen in den Bedingungen über eine Leistung oder eben gegen eine Leistung entscheiden können. Lesen Sie gern einmal meinen Leitfaden zur Berufsunfähigkeit und schauen sich die unterschiedlichen Formulierungen an. Oftmals entscheidet ein einzelnes Wort oder eine einzelne Formulierung darüber, ob der Leistungsfall eintritt oder nicht. Wenn Sie sich hier (und damit meine ich vor der Antragstellung) Gedanken dazu machen welche Leistungen und welche Bausteine Ihnen wichtig sind, und wann sie konkret eine Leistung benötigen, dann finden Sie auch den passenden Versicherungsschutz.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die „mache ich morgen“ Einstellung ist leider auch viel zu weit verbreitet. Natürlich ist für viele das Thema Versicherungen und dazu noch das Kleingedruckte nicht unbedingt die Bettlektüre bevor Sie abends das Licht ausmachen. Dennoch ist es notwendig und elementar wichtig sich mit eben diesen Versicherungsbedingungen auseinanderzusetzen und zu lernen und verstehen welche Leistungen in dem Vertrag enthalten sind und in welchen Bereichen eben auch kein Versicherungsschutz besteht. Nur wer versteht wann der Versicherer nicht leisten muss, wird auch Verständnis haben, wenn er dann später berechtigt nicht leistet.

Ausgestaltung des Vertrages entscheidet über die Leistung

Es gibt keinen allumfassenden und für jeden geeigneten Versicherungsschutz. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eines der individuellen Produkte am Markt. Es geht immer darum möglichst umfangreich abgesichert zu sein, dabei aber die Premiere noch bezahlbar zu halten. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich sich über die Höhe der Absicherung und das Endalter Gedanken zu machen. Natürlich kostet ein Versicherungsschutz bis zum 67. Lebensjahr mehr monatlichen Beitrag als ein Versicherungsschutz bis 60. Bei einer Rente von 2.000 € monatlich sprechen wir aber auch über einen Leistungsunterschied von 168.000 €. Irgendwo muss das Geld ja kommen, und daher ist ein Versicherungsschutz dementsprechend teurer. Wer heute dreißig Jahre alt ist und sich für die nächsten 37 Jahre versichern möchte, der erreicht schnell einen Millionenbetrag.

Für Kinder und Jugendliche ist eine Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit mit dem Alter von zehn Jahren möglich. (mehr …)