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04.
September '17

PKV – gewollt und bewusst entschieden, aber niemand muss in die private Krankenversicherung


Ich habe vor einigen Jahren schon einmal zu dem Thema geschrieben, damals mit dem recht provokanten Titel:

Eine PKV muss man sich leisten können und wollen

Der letzte Artikel ist nun über fünf Jahre alt, wir sind nun einen Wahlkampf vor der nächsten Bundestagswahl weiter und jeder versucht sich zu positionieren und bei den Wählern so beliebt als möglich zu machen. Das Alles ist auch durchaus verständlich und legitim, wenn wir bitte bei den Wahrheiten und Tatsachen bleiben und nicht jeder mehr Polemik und Unwissen in seine Aussagen streuen sollte, die Zeitungen und Zeitschriften trifft diese Aussage genauso.

Doch schauen wir und einmal die Ausgangslage an, schauen wir einmal wer überhaupt für die private Krankenversicherung in Frage kommt, wer es dürfte aber lieber lassen sollte, wer der passende Kandidat ist und wie sich eine solche Entscheidung heute und im Alter auf die eigene, finanzielle Planung auswirken kann. Zunächst einmal gibt es eine ganz wichtige Aussage, eine die Sie bei der Auswahl der passenden Krankenversicherung niemals vergessen sollten:

Niemand muss in die PKV, wenn er das nicht will

Ich höre oft Aussagen wie:

  • – „Ich mache mich selbstständig und muss nun in die PKV wechseln.“
  • – „Meine Verbeamtung steht an, nun muss ich aus der GKV raus.“
  • – „Wir heiraten, mein Mann/ meine Frau ist privat versichert und ich muss das nun auch.“

All diese Aussagen sind, so wie diese da oben geschrieben stehen, vollkommener Unsinn. Ja, es git einige, wenige Szenarien in denen der Weg in die gesetzliche Krankenkasse auch jetzt nicht geht, solche die aber vorher irgendwann eine eigene oder eine Entscheidung der Eltern für den Weg der PKV voraussetzen und damit auch hier zu einer eigenen Entscheidung geführt haben.

Wer heute in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, der wird nie in die Situation kommen, diese auch verlassen zu müssen. Klar kann sich der Status ändern und aus einem versicherungspflichtigen Mitglied ein freiwilliges werden. Natürlich kann es damit auch zu höheren/ hohen Beitragen in der gesetzlichen Kasse kommen, denn diese haben einen Mindestbeitrag, ein Mindesteinkommen welches zugrunde gelegt wird oder andere Bemessungssätze. Auch kann es durchaus passieren, eine Ehefrau/ ein Ehemann bekommt einen Teil des Einkommens ihres/seines Partners angerechnet. Alle diese Szenarien können eintreten, führen aber nie dazu die GKV in Richtung der PKV verlassen zu müssen, zu können schon.

Schauen wir uns aber einmal einige spezielle Fälle an, Szenarien die immer und immer wieder auftreten und damit auch oft zu den gleichen Fragen und Problemen führen können und werden. Einer dieser Szenarien? Ein Ehepartner ist PKV, der andere GKV versichert und nun werden Kinder geboren. Oh, ganz ungeplant, wie das im Leben manchmal verläuft. Vor Jahren wollten Sie noch nicht mal an Kinder denken, heute steht Hochzeit, Hausbau, Baum pflanzen und Kind auf dem Programm. Herzlichen Glückwunsch, habe ich alles auch, geht aber auch mit der PKV, also, keinen Stress. Viele Sachen werden zudem durch falsche Entscheidungen unterstützt, viele Situationen geschaffen, die so wären vermeidbar und besser lösbar gewesen. Leider laufen da draußen (ja, das hören jetzt auch viele der Kollegen nicht gern) genug „Berater“ herum, die jedem der eine PKV will, oder eine haben könnte, auch eine solche empfehlen müssen und dem diese natürlich auch verkaufen. Oftmals einfach billig, mit grünem oder blauem Logo, oder einfach unpassend.

Eine PKV ist wie ein Paar Schuhe – passt es nicht, macht es ein Leben lang irgendwann unerträgliche Schmerzen

Daher, überlegen Sie die Entscheidung gut, sorgfältig und lieber eine Woche länger, lieber lesen Sie einmal mehr Bedingungen, machen sich Gedanken zur privaten und beruflichen Planung, überlegen was Sie wollen, denn letzteres ist eine der entscheidenden Fragen. WAS WOLLEN SIE?

  • – Wo liegen Ihre persönlichen Präferenzen?
  • – Was wünschen SIE SICH von Ihrem Versicherungsschutz?
  • – Was wollen Sie anders, besser, umfangreicher absichern als bisher?
  • – Bei welchen Fällen (Krebs, Unfälle, Zahnersatz, im Krankenhaus) ist Ihnen eine hochwertige Absicherung wichtig, ggf. auch wichtiger als der Preis einer solchen Versicherung?

Aber überlegen Sie auch:

  • – Wie sieht Ihre berufliche Lebensplanung aus? Neuer Job, mehr Einkommen?
  • – Aufenthalte im Ausland und Karriere?
  • – Selbstständig mit weniger Einkommen, dafür aber mehr Ruhe und Spaß am Job?
  • – Wie soll es privat weitergehen? Kinder? Partner/in, Haus? Wohnung?

Auch sollten Sie für sich eine weitere Frage stellen, eine die oftmals vorab aber auch in der Beratung vergessen wird, egal ob direkt angesprochen oder im Zusammenhang mit erfragt.

  • – Was für ein Typ sind Sie? Eher ängstlich? Eher sicherheitsorientiert?
  • – Eher der Sparbuch oder der Aktientyp?

Was das mit der Entscheidung die die richtige Krankenversicherung zu tun hat? Nun, es beeinflusst die Auswahl. Wer eher der Sparbuchtyp ist, der braucht einen anderen Schutz, der braucht Sicherheitsmechanismen. Wechseloptionen, garantierte Beitragssenkungen, Begrenzungen auf Höchstbeiträge. Wenn ein Versicherer anbietet einen Beitrag immer und dauerhaft auf den Betrag der GKV zu begrenzen, wäre das was? Also etwas was Ihnen wichtig ist?

Oder sind Sie eher der „Aktientyp“, einer der ein gewisses, kalkulierbares Risiko für vertretbar hält, einer der in der Lage ist ein Risiko ab- und einzuschätzen und auch bei fallenden Kursen das langfristige Ziel im Auge behält und nicht gleich davon rennt? Einer der bereit ist für mehr Leistung aus mehr zu zahlen?

Mehr Leistung kostet mehr Geld – wer etwas anderes verspricht, lügt!

So oft werden Aussagen getroffen, da sträuben sich mir die Haare. Aussagen die sowohl von Versicherern, aber insbesondere von Vertretern, Maklern, Beratern getroffen werden, Aussagen die manchmal schon auf den ersten Blick gegen den gesunden Menschenverstand sprechen. Leider, leider hört der Kunde oftmals aber nur das was er hören will. Warnungen, Gefahren werden ignoriert, es ist ja schließlich billig(er).

Lesetipp: Wo bekomme ich eine unabhängige Beratung?

NEIN, Freunde, Kollegen, Bekannte die „seit Jahren bei der Gesellschaft ABC zufrieden sind“, die sind keine passenden Ratgeber, keine die eine Lebensentscheidung, welche individueller ist als wenig sonst, beeinflussen sollten und sinnvoll können.

Lesetipp: Warum Freunde und Kollegen in der PKV nicht die passenden Ratgeber sein können

Natürlich mag deren Entscheidung richtig gewesen sein, damals, vor drei, fünf oder gar zehn Jahren. Natürlich bin ich bei einem Versicherer zufrieden, wenn dessen Aufgabe darin bestand, mir eine Beitragsrückerstattung zu überweisen und zwei, drei, acht Rechnungen zu erstatten. Aber beurteilen können Sie das nicht, nein, Sie als versicherter der „nix hat“ nicht.

Tun Sie sich und Ihrem Bekannten, Kollegen, Ihrer Freundin oder Ihrem Freund einen großen Gefallen und halten Sie sich mit Tipps zurück. Möchten Sie später „schuld“ sein, wenn die Empfehlung falsch war? Wenn der Versicherer in elementaren Fragen nicht zahlt, nicht weil er nicht will, nein- weil es einfach im Tarif nicht versichert ist?

„You get what you pay for“ oder: „Qualität hat einen Preis“

Klingt eher wie ein Kalenderspruch, ist es vielleicht auch, aber es ist noch viel mehr. Wofür ich nicht bezahle und welche Leistungen ich nicht vertraglich garantiert bekomme, diese werde ich auch nicht erhalten. Leistungen kosten Geld und niemand kann doch eigentlich so naiv sein zu glauben, für mehr Leistung, tolle stabile Beiträge und absoluten Luxus zahle er plötzlich nur die Hälfte eines Schutzes verglichen mit der -schlechteren- gesetzlichen Krankenkasse?

Wo soll das Geld denn herkommen? Woher soll der Versicherer das Geld nehmen, sicherzustellen die Leistungen auch in zehn, zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren erbringen zu können? Klar, wir sprechen über zwei gänzlich verschiedene Systeme. Wir reden von einer Umlage in der GKV, das Geld kommt heute rein und wird gleich wieder für Leistungen ausgegeben. Oder einem System wie der PKV, dem kapitalgedeckten. Das Geld kommt heute auch rein, wird teilweise wieder verwendet um Kosten zu decken, aber ein großer Teil fließt in die kapitalgedeckte Rücklage und spart an, spart für das Alter wenn die Kosten deutlich höher sind. Detaillierter geht das in meinem

Leitfaden zur Entscheidungsfindung zur PKV 

nachzulesen. Doch es ist doch Illusion zu glauben, ist stecke heute weniger Geld in ein System, in einen Tarif und dennoch verspricht dieser mir langfristig weniger Beitrag, mehr Leistung und viel Stabilität? Ich bitte Sie, wenn Sie das glauben, dann glauben Sie auch an ein Perpetuum Mobile.

Ganz vereinfacht und simpel. Nehmen wir drei Varianten an, drei Kunden mit vergleichbaren Eckdaten und folgenden Vorgaben. Ende 20, Anfang 30, mit dem Studium fertig und die Festanstellung in der Tasche. Im Arbeitsvertrag strahlen und große Zahlen entgegen, Jahreseinkommen von 60.000 €, schließlich hat sie/ er lange darauf hin gearbeitet:

  • – Kunde 1: heute GKV versichert zum Höchstbeitrag, 756 € plus GKV Zusatzbeitrag monatlich
  • – Kunde 2: entschied sich gerade für die PKV, einen Leistungstarif, Wechseloptionen, etwas BRE für 700 € Beitrag
  • – Kunde 3: war viel schlauer in seinen/ Ihren Augen, PKV Tarif klang ähnlich gut, aber nur 500 € Beitrag stehen auf der Police, nicht 700, ein echtes Schnäppchen hat er/ sieh da gemacht, glauben sie zumindest bis jetzt

Jetzt gibt es einige Unterschiede. Unser Kunde 1 will auch gern Leistungen verbessern, ja, zumindest im Krankenhaus, bei den Zähnen und vielleicht noch ein, zwei kleine Bereiche wären schön. Luxus brauchen sie nicht, aber ganz so, nur GKV? Ne auch nicht, also machen Sie sich auf die Suche nach Zusatzschutz und werden fündig. Krankenhaus, Zahn, Naturheilkunde waren gewünscht und sind nun für 65 € monatlich auf dem Kontoauszug zu sehen.

Die anderen beiden lachen sich ins Fäustchen, haben diese doch für weniger Beitrag mehr Leistung? OK, bei dem Kunden 2 mag das stimmen und wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wird es auch so sein. Tarifbausteine sind wählbar und veränderbar, Wechseloptionen, Beitragsfreiheit in der Elternzeit (die übrigens Kunde 1 nicht wirklich hat) und viele Leistungen mehr. Sogar Impfungen und Vorsorge zahlt sein Tarif, ins Ausland kann er auch noch und ja, der Beitrag ist hoch, aber er muss den ja nicht allein zahlen. Arbeitgeber und Finanzamt beteiligen sich auch noch.

Kunde 3 denkt sich „wie schlau ich bin“, auch mein Tarif ist toll, auch ich habe bessere Leistungen. Aber im Gegensatz zu Kunde 2 bleiben noch 200 € für meine Tasche, gegenüber Kunde 1 gar 256 € Euro, JEDEN MONAT, überlegt mal. Über 3.000 € sind das im Jahr, 3.000 € die die anderen beiden „Trottel“ mehr zahlen. Was unser Kunde 3 vergessen hat, er bekommt vom Arbeitgeber auch nur 250 € zurück, unsere Kunde 2 schon 317 € + 14 €, also 331 € und der erste, der bekommt auch solche Beiträge erstattet.

Während Kunde 2 noch 379 € zahlt, Kunde 1 in der GKV dann 383 € plus Zusatzes. von 60, ist unser letzter Kunde mit 250 € dabei. Siehst’e werden Sie nun denken, 250 statt 379 € macht immer noch 129 € im MONAT Ersparnis. Was das wohl werden mag im Alter. Stimmt, nur nicht ganz. Was wir nicht bedacht haben sind Fragen wie Steuer, Beitragsentwicklung, Rücklagen und, am wichtigsten: Leistungen.

Was nützt ein geringerer Beitrag, wenn eine höhere Lohnsteuer und ein schlechterer Tarif? Klar, solange mir nichts passiert, ich nur meine Erkältung und mal Bauchschmerzen habe, solange ist alles gut. Aber wenn eben nicht, dann knallt es eben irgendwann und das planbar und erwartet.

„Warum möchten Sie wechseln?“ – Ich möchte Geld sparen!

Das geht nicht. Niemals und in keiner Konstellation, zumindest nicht dann, wenn wir uns das Szenario wirklich bis zu Ende anschauen und nicht nur einen kurzen Blick auf die nächsten Monate und Jahre werfen. Wichtig ist bei der Wahl des Systems zur Krankenversicherung nicht nur der Zeitpunkt heute, wichtig ist die Gesamtbetrachtung, heute, in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Wer sich hier nur einen kurzen Zeitraum ansieht, der macht einen Fehler, einen großen und einen den er zudem nur sehr schwer oder vielleicht gar nicht mehr korrigieren kann.

Im Alter ändern sich die Eckdaten. Im Alter werden Sie mit großer Wahrscheinlich ein kleines Einkommen haben, eine andere Familiensituation und auch einen anderen, meist geringeren Steuersatz. Es ist also leicht widersinnig heute, wo Einkommen da ist und die Steuerbelastung hoch, Geld sparen zu wollen (was da ist) um im Alter (wenn es geringer ist) einen hohen Beitrag zu zahlen.

In der Privaten Krankenversicherung passiert zu bestimmten Altersstufen etwas, das ist wiederum planbar, wenn auch nicht in Euro genau zu beziffern, klar ist aber wann was passiert.

  • – gesetzlicher Zuschlag von 10% (was ist das?) entfällt mit 60
  • – Beitrag für den Krankentagegeldbaustein entfällt mit Ende des Arbeitslebens. Das kann mit 55, 60, 63, 67 oder später sein.

Bildlich sieht das dann in etwa so aus.

Und ja, es wird teurer, deutlich teuer sogar. Beiträge steigen aus mehreren Gründen:

  • – höhere Kosten in der Medizin (Medikamente, Arzthonorare, Nebenkosten)
  • – höhere Kosren durch höhere Lebenserwartung (je länger wir leben, desto länger werden wir auch krank)
  • – immer mehr heilbare Krankheiten, oder therapiebare Erkrankungen

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08.
August '17

„Wenn ich es angebe, muss ich einen Zuschlag zahlen“ – Hürden und Irrtümer bei der Beantragung


Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, der aber hält sich wacker in den Köpfen und führt damit gerade bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung immer mal wieder zu Verwirrungen. Konkret geht es um die Frage der Antragstellung, der anzugebenden Erkrankungen und der damit verbundenen Risikoentscheidung. Schon einige Beiträge hier im Blog beschäftigen sich insbesondere mit der Anzeigepflichtverletzung.

Anzeigepflichtige Erkrankungen

Anzugeben ist in der Phase der Antragstellung immer all das, nachdem der Versicherer in Textform fragt. Das sind zunächst einmal die Antragsfragen in dem entsprechenden Formular, aber auch weitere Nachfragen und Ergänzungen. Gerade bei der anonymen Voranfrage ist es daher elementar wichtig, die Fragen korrekt und vollständig zu beantworten. Dieses führt aber in der Antragstellung immer wieder zu Verwirrung.

Aussagen wie

  • – dann warte ich noch und brauche es nicht mehr angeben
  • – dann werde ich ja abgelehnt
  • – dann bekomme ich einen Zuschlag

sind an der Tagesordnung. Natürlich ist eine Erkrankung nach der gefragt wie auch anzugeben. Jedoch ist es eben keineswegs so, dass jede Erkrankung die im Antrag eingetragen wird, auch automatisch zu einem Zuschlag oder einem Ausschluss führt. Dabei ist auch noch zu beachten, einige Erkrankungen ermöglichen beides, also die Wahl zwischen Ausschluss und Zuschlag. Detailliert Informationen wann und wie die Abwägung genau funktioniert finden Sie hier:

Zuschlag oder Ausschluss – geht es auch ohne?

Jedoch bedeutet, wie bereits geschrieben, eine Angabe im Antrag oder der Voranfrage keineswegs auch gleich eine Annahme mit Erschwerung. Zudem existieren Erkrankungen und Beschwerden, welche für sich genommen nicht zu einer Erschwernis führen müssen, als so genanntes „Gesamtrisiko“ aber schon. Kommen mehrere Erkrankungen zusammen und spielen diese auch noch „gegeneinander“, so kann auch hier ein Zuschlag erforderlich werden. Zum besseren Verständnis schauen wir uns hierzu einmal einen konkreten Fall (anonymisiert natürlich) an und bewerten einmal die unterschiedlichen Erkrankungen.

Welche Erkrankungen führen zu Zuschlag oder Ausschluss?

Es handelt sich bei unserem Beispiel um einen 30-jährigen Kunden. Beruflich ist dieser in einem Unternehmen im Bereich IT angestellt, verbringt seine Arbeitszeit vorwiegend im Büro, wobei auch einige Reisetätigkeiten nicht auszuschließen sind. Nach einem Studium mit entsprechendem Abschluss steht dieser „mitten im Leben“, verdient gut und benötigt nun eine entsprechende Absicherung. Folgende Diagnosen sind (nicht abschließend) vorhanden:

  • – Kinderwunschbehandlung, Ogliospermia
  • – rezidivierende Erosio Corneae seit ca.15 Jahren, 1-2 Mal im Jahr
  • – beidseitige Hüftdysplasie
  • – eingeklemmter Nerv im Rücken, vor ca. 2 Jahren
  • – Hordeolum, nach 2 Tagen beschwerdefrei
  • – Patelladysplasie, Kniebeschwerden in 2014, seither nicht mehr
  • – Schleimbeutelentzündung, Hüftbeschwerden
  • – Pfeiffersches Drüsenfieber
  • – Erkältungen, Vorsorge, Zahnuntersuchungen

Nun sind in der Berufsunfähigkeit zunächst andere Erkrankungen maßgeblich um das Risiko einschätzen zu können. Würden wir hier über einen Antrag auf private Krankenversicherung sprechen, so sähe es hierzu ganz sicher anders aus, denn diese müsste nicht nur die Folgen der Erkrankungen erfassen und abdecken, sondern auch die möglichen Kosten für Behandlungen und Untersuchungen abdecken. Doch hier in der BU sieht das etwas anders aus.

Die Kinderwunschbehandlung ist daher hier unerheblich. Allein aufgrund dieser Beschwerden oder des Kinderwunsches wird niemand berufsunfähig und damit spielt die (abgabepflichtig) Erkrankung hier keine Rolle bei der Einschätzung. Doch wie sieht es mit den weiteren Erkrankungen und Beschwerden aus? Auch die zweite Beschwerde „rezidivierende Erosio Corneae“ klingt komplizierter, ist es aber gar nicht. Es handelt sich- ganz vereinfacht- um eine wiederkehrende Erkrankung, was zunächst einmal eher schlecht für eine Risikoeinschätzung ist. Dennoch ist es nichts anderes, als ein Aufreißen der Hornhaut und auch dieses wird kaum zur BU führen. ACHTUNG! In anderen Berufen, beim Umgang mit gefährlichen Stoffen, Labormitarbeitern etc. sähe dieses wahrscheinlich anders aus.

Die „Hüftdysplasie“ ist dagegen eine Erkrankung, welche zu Beschwerden in der Hüfte führt und welche durch eine Fehlstellung ausgelöst wird. Diese kann neben Schmerzen und Beschwerden auch zu Gehbehinderungen führen und somit eine Auswirkung auf die berufliche Tätigkeit haben. Daher ist diese Erkrankung bekannt und wird in der Regel mit einem Ausschluss in dem Vertrag „geklauselt“. Diese Klausel lautet:

„Beschwerden und Funktionseinschränkungen der Hüftgelenke sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen“

Damit muss der Versicherer bei einer Berufsunfähigkeit, welche auf die Hüfte und die Beschwerden oder Einschränkungen zurückzuführen ist, keine Leistungen aus der BU erbringen. (mehr …)

20.
Juni '17

Anonyme Voranfragen bei Berufsunfähigkeit und Krankenversicherung – warum es einen qualifizierten Berater braucht


In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Finanztest wurde einmal mehr die Berufsunfähigkeit getestet. Nach dem desaströsen letzten Test zur Berufsunfähigkeit hat sich zum Glück bei Finanztest einiges verändert, mehr dazu und zu den Fehlern im aktuellen Test folgt in einem anderen Beitrag. Auch in diesem Test hat die Zeitschrift einen „Wegweiser“ veröffentlicht und mit der Überschrift „So kommen Sie zu einem Vertrag“ versehen. Neben der Tatsache, dass sie mehrerer Angebote parallel einholen sollen (wogegen grundsätzlich noch nichts einzuwenden ist) erfolgt diesmal ein Hinweis auf Versicherungsberater oder Versicherungsmakler.

Genau heißt es dazu:

„Vorerkrankungen. Waren sie in den vergangenen fünf Jahren ernsthaft krank oder sind sie chronisch krank, stellen Sie eine anonyme Risikovoranfrage über einen unabhängigen Versicherungsberater oder einen Versicherungsmakler.“

Diese zeitliche Eingrenzung und auch der Bezug auf „ernsthafte Krankheiten“ greift jedoch deutlich zu kurz. Die anonyme Voranfrage ist nicht nur wichtig und notwendig für den Fall von „ernsten Erkrankungen“, sondern ganz generell. Zudem stellt sich die Frage was eine ernste Erkrankung ist. Sind Rückenschmerzen, welche jedes Jahr mal wieder auftreten oder unregelmäßige Magenschmerzen denen der Interessent wenig Bedeutung beimisst, ernste Erkrankungen oder doch eher Lappalien?

Eine anonyme Voranfrage ist existenziell, immer!

Dabei ist grundsätzlich erst einmal zu klären, wie eine Antragstellung in der Berufsunfähigkeitsversicherung generell funktioniert, um hier zu verstehen wo die Risiken liegen und wie sich diese vermeiden lassen. Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchten, dann haben die folgenden Faktoren einen direkten Einfluss auf die Prämie und die Vertragsgestaltung:

  • – das Eintrittsalter
  • – der Gesundheitszustand in der Vergangenheit und der aktuelle Zustand
  • – die berufliche Tätigkeit
  • – private Hobbys wie Skifahren, Motorradfahren, fliegen, Fallschirmsprünge und vieles mehr

Eine anonyme Voranfrage nicht nur wegen der Gesundheit

Mit einer solchen anonymen Voranfrage lassen sich daher nicht nur die passenden Verträge auswählen, sondern es lassen sich auch die Rahmenbedingungen für private Freizeitaktivitäten, Zuschläge und Ausschlüsse aufgrund besonderer Risiken und weiterer vertragsbeeinflussende Faktoren ermitteln und vorab klären. Nicht selten kommt es vor, dass insbesondere die berufliche Tätigkeit bei verschiedenen Versicherern zu gänzlich unterschiedlichen Einstufungen und Prämien führt, was am Ende zu Preisunterschieden von 50 % und mehr führen kann.

Berufsgruppenauswahl in der Software (links der eigenebene, rechts unten der ausgewählte Beruf). DARUM braucht es Menschen!

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung beantragt und einfach recht lapidar seinen Beruf „Büroangestellte“ dort einschreibt, der wird wahrscheinlich einen entsprechenden Versicherungsschutz bekommen, ob es der richtige und passende ist, steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt.

Mit einer solchen anonymen Voranfrage lassen sich damit die Berufsgruppeneinstufungen, Zuschläge und Ausschlüsse aufgrund von Freizeitaktivitäten und weitere Faktoren vorab klären. Das macht es insbesondere bei der finalen Antragstellung nicht nur deutlich einfacher, es erleichtert auch den (mehr …)

14.
Juni '17

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind


Der Dschungel der Tarife in der privaten Krankenversicherung ist oftmals schier unübersichtlich und kaum zu überblicken. Da ist es nur verständlich, wenn Sie versuchen sich bei der Auswahl einiger Hilfsmittel zu bedienen. Neben Onlinevergleichsrechnen, welche zumindest für die private Krankenversicherung ungeeignet sind, stützen viele Interessenten ihre Entscheidung auf den Rat von Freunden, Bekannten und Kollegen.

„Wenn meine Freunde/Kollegen dort versichert sind, dann kann es ja nicht schlecht sein, diese sind bei Gesellschaft XYZ zufrieden“. 

Warum solche Hinweise und Tipps aber eher fatale Folgen haben können und für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif und eine Gesellschaft nicht geeignet sind, das schauen wir uns einmal im Detail an.

Beginnen wir mit der Gesellschaft oder den Tarif, in dem die Bekannten und Freunde versichert sind. Bevor sie sich also auf so eine Empfehlung verlassen, machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen:

  • –  Wie wurde der Versicherungsschutz ausgewählt?
  • –  Warum sind die Kollegen dort versichert und welche Alternativen gab es?
  • –  Welche Vorerkrankungen bestanden bei den Kollegen?
  • –  Hatten diese schon Zusatzversicherungen dort?
  • –  Wie und durch wen erfolgte die Beratung?

Eine der wichtigsten Fragen, um eine solche Empfehlung hier bewerten zu können ist die, wie denn bei den Freunden der Versicherungsschutz ausgewählt wurde. Gab es eine Beratung durch einzelne Versicherungsvertreter einer Gesellschaft, wurde vielleicht ein Makler oder ein anderer Berater gegen Honorar genutzt?

Lesetip: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Finanz- und Versicherungsfragen?

Welche Anforderungen und welches familiäre und berufliche Umfeld lagen der Beratung zu Grunde, sind diese Kriterien zu 100 % mit Ihren vergleichbar? Oftmals stellt sich dann gleich die Frage, wie Sie es beurteilen sollen, kennen Sie doch all diese Kriterien und Anforderungen aus der damaligen Beratung gar nicht. Ganz vereinfacht gefragt: Kaufen Sie das gleiche Auto, das gleiche Haus und/ oder sieht Ihre Wohnungseinrichtung auch so aus wie die Ihrer Kollegen?

Nicht? Warum nicht?

Weil Sie Ihren eigenen Geschmack haben? Weil Sie individuell sind? Weil Sie Kinder haben oder wollen, die Kollegen und Freunde vielleicht nicht?

Sehr schnell merken Sie nun, eine Beratung einer Person ist nicht auf die andere übertragbar. Selbst wenn es Übereinstimmungen gibt, wenn Kriterien wie

  • –  beruflicher Status (angestellt oder selbstständig)
  • –  Einkommen
  • –  Ausbildung

übereinstimmen, so ist die Anforderung an einen passenden Versicherungsschutz doch etwas ganz anderes. So individuell wie ein Haus, eine Einrichtung, der eigene Geschmack, so individuell ist auch die Auswahl des Versicherungsschutzes.

„Aber die Abwicklung bei Gesellschaft XYZ ist gut, mein Kollege bekommt alles erstattet“

Auch dieses ist ein beliebtes Argument. Wird doch von vielen befürchtet keine ausreichende Erstattung im Leistungsfall zu bekommen, lange hinter Rechnungen und deren Erstattung hinterher zu laufen und dann am Ende Ärger zu haben? So werden bereits versicherte immer mal wieder gefragt, wie zufrieden diese denn sind. Werden Rechnungen abgerechnet und schnell bezahlt? Gab es Probleme bei der Abrechnung oder prüft der Versicherer zu streng und fragt viel?

Gerade bei jüngeren Kunden die bereits privat versichert sind kommt dann schnell die Aussage „Ich bin zufrieden mit meiner PKV“. Hinterfragen Sie bitte solche Aussagen, hinterfragen Sie insbesondere aufgrund welcher Daten, (mehr …)

29.
Mai '17

Soll ich, oder soll ich (noch) nicht? Jetzt Schutz gegen Berufsunfähigkeit sichern, oder noch warten?


Die Notwenigkeit einer Absicherung gegen die Folgen einer Berufsunfähigkeit sind hinlänglich bekannt und es ist eine der wenigen Absicherungen bei der sich nahezu alle einig sind. Verbraucherschützer, Experten, Ärzte, Versicherer und Vermittler, alle wissen um die Wichtigkeit der Absicherung gegen den Verlust der eigenen Arbeitskraft.

Lesetip: Warum es unverantwortlich ist, keinen Schutz gegen das BU Risiko zu haben

Ob es nun jeder Vierte oder jeder Fünfte sein mag der in seinem Leben einmal dauerhaft oder für eine begrenzte Zeit berufsunfähig wird ist in dem Fall fast egal. Warum? Am Ende ist es egal ob ich mich in einem Jahr, in zwei oder in zehn Jahren finanziell ruiniere. Ist kein Geld da, keine Arbeitskraft mehr da um ein Einkommen zu erwirtschaften, so ist alles andere auch schwierig bis unmöglich.

Doch es gibt Situationen, welche Antragsteller immer wieder zögern und überlegen lässt. In der Vergangenheit habe ich immer mal wieder

Dabei hat ein solches Zögern meist zwei Gründe, oder zumindest zwei Ansatzpunkte die es auslösen. Schauen wir uns doch beide einmal etwas genauer an.

1.) wenn ich noch warte, muss ich später Krankheit XYZ nicht mehr angeben

Die Hoffnung es wird dann besser kann jedoch auch schnell nach hinten losgehen. Die Versicherer fragen in den Anträgen unterschiedliche Abfragezeiträume ab, je nach Fragestellung und Diagnose sind damit in X Jahren einige Bemalungen sicher nicht mehr anzugeben. Ob es sich dabei um so genannte „Dauerdiagnosen“ handelt oder Krankheiten die nie ausheilen (auch wenn diese keine Beschwerden verursachen) muss genau überprüft werden. Hier in der Anfrage ging es konkret um das Einsetzen von Brustimplantaten und damit verbundene stationäre Aufenthalte. Diese sollten dann in X Jahren nicht mehr im Antrag auftauchen.

Auch wenn die Behandlung oder der Aufenthalt nicht anzugeben sind, das Implantat kann (je nach Fragestellung) anzeigepflichtig bleiben und damit steht es dem Versicherer frei auch später weitere Angaben zu fordern. Im Rahmen seiner Nachfragebefugnis kann dieser gezielte, weitere Fragen stellen und auch diese sind (ungeachtet der Fragen im Antrag) wahrheitsgemäß zu beantworten.

Letztendlich stellt sich aber ein „Russisch Roulette“. Warum ist einfach erklärt.

Bei dem „Warten um einige Erkrankungen nicht mehr anzugeben/ angeben zu müssen“ können natürlich auch weitere Beschwerden auftreten, Erkrankungen diagnostiziert werden oder einfach ein Unfall zu weiteren Schäden führen. Dieses hat dann natürlich zur Folge,

  • – dass der Versicherer den Antrag ablehnen kann

  • – dass es weitere Ausschlüsse gibt

  • – dass der Versicherer hohe Zuschläge verlangt

  • – dass der Versicherer den Antrag ganz ablehnt

Wer also gern zockt, für den mag das vielleicht eine Option sein, alle anderen tun gut daran, den derzeitigen Gesundheitszustand (wenn mit diesem eine Annahme möglich ist) zu nutzen und sich einen entsprechenden Schutz zu „konservieren“.

Berufsunfähigkeitsschutz lieber jetzt oder noch warten?

Es spricht nichts dagegen nach Ablauf von Anzeigepflichten nochmals über eine Änderung oder einen anderen Schutz nachzudenken, dabei sollten aber nicht die Nachteile vergessen werden.

  • – höheres Eintrittsalter

  • – höherer Beitrag durch andere Berufsgruppe andere Tarifwelt andere Tarife und Möglichkeiten der Versicherung

Daher sollten Sie sich darüber im Klaren sein: Es wird nicht nur besser wenn Sie warten. Das Risiko sich zu verschlechtern ist deutlich höher. Sieht es aber nach X Jahren deutlich besser aus, so lässt sich (trotz höherem Alter) ein solcher Schutz kündigen und dann auch ggf. neu abschließen, diese Chance bleibt immer.

Lesetipp: Wie kündige ich eine unpassende Berufsunfähigkeitsversicherung?

Sieht es aber dann schlechter aus, so haben Sie zumindest einen passenden Schutz derzeit.

2.) wenn ich jetzt als Student noch nicht abschließe, bekomme ich später besseren Schutz/ günstigere Berufsgruppe

Auch dieses ist bei vielen Unternemen eine falsche Annahme. Natürlich richtet sich die Berufsgruppe nach dem Beruf bei Antragstellung. Für Studenten und Schüler gelten jedoch bei den meisten Gesellschaften etwas andere Regelungen.

Lesetip: Berufsunfähigkeitsschutz für Studenten

So ist es für die meisten Studenten, zumindest die in der zweiten Hälfte der Regelstudienzeit, vorteilhaft sich die BU zu sichern. Die Einstufung erfolgt hier oft direkt in den noch zu erreichenden Beruf. Damit gibt es eine Berufsgruppe, welche diese sonst nur bei Abschluss des Studiums und einer passenden Ausbildung/ Anstellung hätten.

Entscheiden sich die Studenten dann doch für andere Tätigkeiten oder studieren nochmal etwas anderes, so interessiert dann auch eine, eventuell schlechtere, Berufsgruppe nicht (mehr).

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