Archiv für die Kategorie ‘Krankenversicherung’

10.
Januar '17

Wenn die Krankenkasse schreibt: „Sie sind nun freiwillig versichert“ – was zu tun ist


Post von der Krankenkasse ist meist nur mittelmäßig erfreulich. Steigen die Beiträge oder gibt es sonst irgendetwas zu klären? Doch für einige ist die Post im Januar eine andere, eine die durchaus erfreulich ist. Diese Schreiben werden in den kommenden Tagen durch die Krankenkassen verschickt, je nach Kasse kann dieses Mitte bis Ende Januar passieren, in einzelnen Fällen dauert es etwas länger. Ihnen wird darin mitgeteilt, dass die bisherige Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) endet und diese zu einer freiwilligen Versicherung in der GKV wird.

Wer bekommt diesen Brief überhaupt?

All diejenigen, welche im Jahr 2016 die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) von 56.250 Euro pro Jahr überschritten haben und mit dem erzielten Einkommen auch voraussichtlich über der neuen JEAG für 2017 von 57.600 Euro liegen. Welche Komponenten Ihres Einkommens hier zu berücksichtigen sind habe ich bereits vor einiger Zeit beschrieben.

Lesetip: Was zählt zur Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

Die Einstufung wer freiwillig oder pflichtig versichert ist übernimmt der Arbeitgeber. Dieser ist auch für die Richtigkeit der Meldung verantwortlich. Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden und glauben hier liegt ein Fehler vor, so sprechen Sie am besten zuerst mit Ihrer Personalabteilung. Erst wenn hier keine Klärung möglich ist, kann die gesetzliche Krankenkasse oder im Zweifel auch die Deutsche Rentenversicherung mit einer so genannten Statusfeststellung verbindlich entscheiden.

Bin ich jetzt nicht mehr versichert?

Mit dem Wechsel vom Pflicht- zum freiwilligen Mitglied ändert sich einiges, dennoch bleiben Sie weiterhin versichert und stehen zu keinem Zeitpunkt ohne Versicherungsschutz da. Nicht nur durch die bestehende Versicherungspflicht endet der Schutz nie, ohne das ein anderer Versicherungsschutz besteht und nachgewiesen wurde. Dennoch kann es sinnvoll sein, hier tätig zu werden, falls Änderungen sinnvoll und gewünscht sind.

Aber anders als bisher können Sie nun selbst entscheiden in welchem System Sie versichert sein möchten. Das kann weiterhin die gesetzliche Krankenkasse sein, kann aber ebenso ein passender Tarif in der privaten Krankenversicherung (PKV) sein. Hier gilt es aber zunächst ganz in Ruhe zu überlegen und zu prüfen, ob das System der PKV überhaupt das passende für Sie, Ihre Wünsche und Ihren Bedarf ist.

Lesetip: Leitfaden zu den Unterschieden der GKV und PKV

Was passiert mit mitversicherten Familienangehörigen?

Hatten Sie bisher neben dem eigenen Versicherungsschutz weitere Familienangehörige im Rahmen der kostenfreien Familienversicherung versichert, so bleibt das auch zunächst weiterhin so, es sei denn Sie ändern etwas daran. Solange die Voraussetzungen des Paragraphen zehn des SGB V erfüllt sind, bleibt alles beim wie bisher.

Muss ich nun in die Private Krankenversicherung wechseln?

Natürlich nicht. Sie müssen zunächst einmal überhaupt nix. Tun Sie nichts und ändern auch nicht, so sind Sie weiterhin bei der bestehenden gesetzlichen Krankenkasse versichert. Nur wenn Sie AKTIV etwas ändern und für sich entscheiden, dass die private Versicherung das richtige, für Sie passende System ist, nur dann ändert sich etwas.

Eine Verpflichtung zur PKV gibt es genau so wenig, wie die (mehr …)

26.
Dezember '16

PKV Wechsel und Kündigung wegen Beitragserhöhung? Nur keinen Stress, geht auch in 2017 noch


Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen gab es für einige Versicherte noch Post, nicht unbedingt die erfreulichste Post die man erwartet. So haben einige Unternehmen, darunter besonders die Axa und auch die RuV in einigen Tarifstufen, teils größere Anpassungen der Beiträge vornehmen müssen. Dabei sind auch monatlich dreistellige Erhöhungen durchaus keine Seltenheit. Wie bereits in meinem Beitrag zur „Beitragserhöhung in den AXA VITAL Tarifen“ geschrieben, es ist immer eine Frage von welchem Ursprungsbetrag angepasst wurde, wo der heutige Endbeitrag liegt und was genau nun zu zahlen ist.

Auch spielt es eine große Rolle wie lange Sie dort schon versichert sind, wann die letzte Anpassung stattfand und viele weitere Faktoren. Aber: Dennoch bewegt(e) es den ein oder anderen Versicherten sich nach Alternativen umzusehen. Dabei sind grundsätzlich mehrere Fragen zu überlegen, mehrere Punkte zu bedenken und verschiedene Optionen zu prüfen. Stellen Sie sich bitte daher zunächst folgende Fragen:

1.) Wie lange sind Sie schon dort versichert?

2.) Passt der Tarif noch auf die heutigen Bedürfnisse? Haben sich Bedürfnisse verändert? Ist die berufliche und private (Kinder?) Situation noch so, wie diese bei Beginn des Versicherungsschutzes war?

3.) Wie wurde der Tarif damals ausgewählt? (Beraterempfehlung?) Kennen Sie alle Einschränkungen und Leistungen des Tarifs?

4.) In welcher Tarifwelt sind Sie? Bisex, Bissen mit Übertragungswerten, Unisex Tarife? Kennen Sie die Unterscheide und die Vor- und Nachteile?

5.) Bietet Ihre Gesellschaft alternative Tarife an? Passen diese (besser) als Ihr aktueller Tarif?

Speziell um die letzte Frage zu beantworten müssen Sie natürlich erst einmal wissen was Sie wollen und brauchen. Dazu ist eine genaue Überlegung hinsichtlich der Auswahlkriterien zur PKV nötig. Informationen finden Sie dazu unter anderem hier auf der Seite unter „Auswahlkriterien„.

Kommen Sie nun zu dem Ergebnis, der derzeitige Schutz passt nicht mehr zu dem aktuellen Bedarf, dann bleiben grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die erste ist der Tarifwechsel gem. § 204 VVG, also der Verbleib in Ihrer Gesellschaft.

Vorteile:

  • Verbleib bei der Gesellschaft
  • keine neue Gesundheitsprüfung (ggf. Mehrleistungsverzicht)
  • Anrechnung von Alterungsrückstellungen
  • altes Eintrittsalter, ggf. Verbleib in Bisex

Nachteile:

  • Verbleib bei der Gesellschaft (kann Vor- wie Nachteil sein)
  • ggf. nicht passende Tarife, da auf das Tarifangebot der einen Gesellschaft beschränkt
  • Mehrleistungen können ausgeschlossen werden, dann neue Prämie aber nicht alle Tarifleistungen
  • Risikozuschläge bleiben erhalten, Gesellschaft kennt Angaben die heute nicht mehr abgabepflichtig wären

Die zweite Option ist der Wechsel der Gesellschaft und die Suche nach einer neuen Krankenversicherung. Auch hier gibt es natürlich viele Punkte zu bedenken, viele Kriterien zu berücksichtigen und genau die Nach- gegenüber den Vorteilen abzuwiegen und dann gemeinsam mit einem Spezialisten zu überlegen, ob Sie diesen Schritt noch einmal gehen möchten.

Vorteile:

  • Auswahl aus allen Tarifen die heute am Markt existieren
  • Tarife der Unisexwelt, mit geringerem Kalkulationszins, welcher eine höhere Sicherheit bedeuten KANN (nicht muss)
  • Neue Tarife mit teilweise deutlich besseren Leistungen als in der alten Bisexwelt
  • Auswahl nach heutigen Bedürfnisse, Abwägung von Leistungen, nicht an Vertriebe gebunden, freie Auswahl bei Spezialisten
  • neue Risikoprüfung, damit auch ggf. nicht mehr anzeigepflichtige Erkrankungen die zu Zuschlägen geführt haben

Nachteile:

  • nur noch Tarife in der Unisexwelt
  • Standardtarif vs. Basistarif
  • neue Erkrankungen die zwischenzeitlich aufgetreten sind können zu neuen Zuschlägen führen
  • Fristen zur Anzeigepflichtverletzung beginnen neu

Sie lesen schon, eine generelle Empfehlung kann es hier nicht geben. Es gibt viele Konstellationen wo der Verbleib in der bisherigen Gesellschaft aus verschiedenen Gründen die richtige Wahl ist. Ebenso gibt es ganz viele Versicherte, die sich damals bei er Auswahl leider nicht die Gedanken gemacht haben die sie hätten sollen. Immer dann, wenn Sie…

  • dem Berater blind vertraut haben (und weder Bedingungen gelesen, noch Tarife verstanden haben)
  • schnell mal bei einem Vertriebler, Einfirmenvertreter, vermögendem Berater abgeschlossen haben
  • eigentlich nur Geld sparen oder gar nicht in die PKV wollten
  • nicht richtig wissen warum Sie gerade den Tarif und die Gesellschaft gewählt haben
  • hohe Risikozuschläge (auch für alte Erkrankungen) zahlen
  • Einstiegs-, Hausarzt-, Billigtarife haben
  • Kinder dazu kamen, Familiensituationen deutlich verändert wurden
  • alles „anders kam als gedacht“ kam
  • oder Sie Angst haben, den Tarif bald nicht mehr bezahlen zu können

immer dann sollten Sie den Tarif einer genauen Prüfung unterziehen lassen. So lassen sich hier vielleicht grobe Fehler ausmerzen, Probleme in den nächsten Jahren verhindern oder der Bedarf doch noch erfüllen.

Aber das schaffe ich ja gar nicht mehr bis Jahresende

Eine der größten Sorgen vieler Versicherter besteht darin, jetzt unter Zeitdruck eine Entscheidung treffen zu müssen, die dann vielleicht wieder falsch ist. Eine Entscheidung die nicht die nötige Zeit bekommen kann, sich entspannt und ganz in Ruhe mit dem Thema PKV, der Tarifauswahl und dem eigenen Wunsch nach Absicherung beschäftigen zu können. So rückt das Jahresende immer näher, nicht mal mehr eine Woche ist es, dann haben wir 2016 und nicht mal eine Woche um eine Entscheidung für einen lebenslangen Vertrag zu treffen?

NICHT DOCH! Es ist noch Zeit, lange sogar.

Die meisten Gesellschaften haben die Mitteilungen zur Beitragserhöhung Ende November, Anfang Dezember verschickt. Wer also seinen Versicherungsschutz beenden möchte, der muss sich an die Regeln des § 205 des VVG halten, dort heisst es:

(4) Erhöht der Versicherer auf Grund einer Anpassungsklausel die Prämie oder vermindert er die Leistung, kann der Versicherungsnehmer hinsichtlich der betroffenen versicherten Person innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Änderungsmitteilung mit Wirkung für den Zeitpunkt kündigen, zu dem die Prämienerhöhung oder die Leistungsminderung wirksam werden soll.

So haben Sie also ab dem ZUGANG der Erhöhungsmitteilung ZWEI Monate Zeit sich anderweitig zu entscheiden und können (wenn nach dem 1.1.) rückwirkend zum 1. Januar kündigen. Der Zugang der Beitragserhöhung ist in der Regel schwer zu beweisen. Der Versicherer kann meist nur nachweisen, das er diese verschickt hat, oder zumindest das er alle anderen Briefe zur Post gegeben hat. Allein das reicht als Zugang nicht aus. Dennoch glauben auch viele Gerichte dem Versicherer und unterstellen einen Zugang 2-3 Tage nach dem Absenden des Briefes. (–> Was, wenn ich meine Beitragserhöhung nicht bekommen haben?)

Merken Sie also erst im Januar auf Ihrem Konto, das der Betrag sich erhöht hat, fragen Sie den Versicherer. Dieser wird Ihnen dann meist die Anpassung noch einmal zusenden (müssen), der nun erfolgte Zugang ist der Beginn der zweimonatigen Frist. Verlassen Sie sich aber nicht hierauf, denn wer es erhalten hat, aber anders behauptet und vielleicht sogar schon mit dem Versicherer telefoniert hat um nach Alternativen zu fragen, der lügt. Das sollte in einem langjährigen Vertragsverhältnis keine Basis sein. Haben Sie die Erhöhung also wirklich nicht erhalten, fragen Sie nach.

Fristen Kündigung PKVDoch da ist noch was- die Folgeversicherungsbestätigung!

Es reicht aber nicht aus einfach zu kündigen, das war vor Jahren mal genug. Heute müssen Sie auch noch nachweisen anderweitig versichert zu sein. Der § 205 regelt auch das, dazu heisst es:

(6) Abweichend von den Absätzen 1 bis 5 kann der Versicherungsnehmer eine Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Abs. 3 Satz 1 erfüllt, nur dann kündigen, wenn er bei einem anderen Versicherer für die versicherte Person einen neuen Vertrag abschließt, der dieser Pflicht genügt. Die Kündigung wird nur wirksam, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb von zwei Monaten nach der Kündigungserklärung nachweist, dass die versicherte Person bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung versichert ist; liegt der Termin, zu dem die Kündigung ausgesprochen wurde, mehr als zwei Monate nach der Kündigungserklärung, muss der Nachweis bis zu diesem Termin erbracht werden.

Diese Frist beginnt dann, wenn Sie Ihre Kündigung erklärt haben. Nun haben Sie zwei Monate Zeit sich um den Nachweis zu kümmern und diesen an den alten Versicherer zu übersenden. Passiert dieses rechtzeitig, so endet ihr Versicherungsschutz zum Wirksamwerden der Erhöhung, also meist zum 01. Januar. Vergessen Sie den Nachweis aber, so besteht der alte Versicherungsschutz weiter und Sie haben im schlimmsten Fall zwei Verträge, also ACHTUNG!

Mein(e) Kind(er) sind auch bei mir versichert, können diese auch kündigen?

Oftmals ist nicht nur eine Person in der PKV versichert. Da sind Kinder, Jugendliche oder die Partner(in) mitversichert. Dennoch werden nicht alle Versicherungen und Tarife gleichzeitig erhöht und es kann durchaus passieren, das nur Ihr Tarif angepasst wird, Sie aber alle wechseln möchten. Auch hierfür schauen wir wieder in den § 205 und die dortigen Regelungen:

(…) kann der Versicherungsnehmer hinsichtlich der betroffenen versicherten Person innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Änderungsmitteilung mit Wirkung für den Zeitpunkt kündigen

Gekündigt werden kann immer nur das, was auch erhöht wurde, wobei die Pflegepflichtversicherung der Krankenversicherung folgt. Auch hinsichtlich eines bestehenden Krankentagesgeldes gibt es unterschiedliche (Gerichts-)Auffassungen. Sollten Sie dieses mit Wechseln wollen und das Krankentagegeld ein Baustein in Ihrem Vertrag sein, so kündigen Sie den Baustein bitte mit. Hier wäre aber auch durchaus denkbar, das der Versicherer hier diskutiert, was beim Wechsel generell nur unter bestimmten Umständen ein Problem wäre, hier mehr aber in einer Beratung.

Kündigen Sie ihren Schutz und der Tarif des Kindes blieb stabil, so kann dieser nicht automatisch mit gekündigt werden. Gerade bei Kindern lassen viele diese aber „ziehen“, wenn die Eltern gehen. Daher ist es hier ein Versuch wert, einen Rechtsanspruch gibt es aber nicht.

Der Versicherer will aber mein Kind nun auch kündigen, weil es nicht allein versichert werden kann?

Weil Kinder für die PKV aber eher ein „nicht so beliebtes“ Klientel sind und sich die Prämien oft für die Versicherer nicht rechnen, so kommen einige Versicherer auf kreative Ideen. So schrieb ein Stuttgarter Versicherer vor kurzem seinem Kunden, er müsste nun für das Kind auch neuen Schutz besorgen und das Kind können nicht allein versichert bleiben, wenn der Versicherungsnehmer selbst woanders hin ginge.

Das ist UNISNN! Kündigen Sie nur Ihren Versicherungsschutz und möchten Ihr Kind da lassen (zum Beispiel wegen Vorerkrankungen, einer laufenden Kieferorthopädie oder warum auch immer), so können Sie das tun. Dabei ist es vollkommen egal ob dem Versicherer das passt oder ob dieser eigentlich Kinder gar nicht allein versichert. (–> Übersicht wer Kinder allein versichert) Es besteht KEINERLEI Pflicht das Kind zum neuen Versicherer mitzunehmen, es ändert nichts, aber auch gar nichts am bestehenden Schutz des Kindes und auch nicht am Arbeitgeberzuschuss!

Noch einige Informationen:

Machen Sie nichts voreilig. Sollten Sie den Versicherer wechseln wollen, haben Sie in den meisten Fällen noch bis Ende Januar Zeit und können somit in Ruhe entscheiden.

Vordrucke zur Kündigung der PKV finden Sie im Downloadbereich

Wichtig ist nur eins: Überlegen Sie gut und lassen sich ausführlich beraten. Lesen Sie Bedingungen, verstehen Sie was Sie abschließen und nutzen Sie die Expertise von spezialisierten Kollegen. Wenn Sie Fragen haben, fragen Sie bitte! –> Beratung und –> Anfrage zur PKV

Beitragserhöhung PKV, Vertrauensgarantie

13.
Dezember '16

Die Versicherungsvertreter, die tausende Euro Provision kassieren…


Auslöser für diesen Beitrag ist eine kleine Diskussion bei Facebook, welche sich zunächst einmal auf die Frage bezog, wer einen Berater für eine PKV empfehlen kann. (Ich hoffe der Autor lässt den Beitrag auf „öffentlich“, wenn dem so ist, so kann jeder die Kommentare und auch meine Diskussion mit Andreas hier nachlesen.

Losgelöst von der Frage, ob die private Krankenversicherung überhaupt geeignet ist um für die persönliche Gesundheitsvorsorge die richtige Wahl zu sein, losgelöst auch von dem Fall ob man überhaupt in die private Krankenversicherung sollte oder darf, möchte ich den Punkt mit der hohen Provision einmal herausnehmen. In einem weiteren Beitrag werde ich im Laufe dieser Woche noch erklären, warum viele Selbständige nicht in die private Krankenversicherung sollten Auch werde ich beleuchten ob und wann eine Zusatzversicherung zur gesetzlichen Krankenkasse die bessere Option ist.

Bereits in der Vergangenheit habe ich mehrfach erklärt, dass man sich die private Krankenversicherung leisten können und wollen muss.

Artikelhinweis: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen

Aber auch wenn die Diskussion am Ende gar nicht gegen mich gehen sollte, sondern sich auf die Branche bezog, möchte ich trotzdem diesen immer wieder im Hinterkopf bestehenden Punkt „die Berater verdienen viel zu viel Geld und beraten daher nicht objektiv“ einmal aufgreifen und mit einigen Zahlen belegen.

PKV-Vermittlung in diesen Provisionsdimensionen wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben. Und die Beratungsqualität wird deshalb nicht schlechter. Du scheinst tatsächlich einer der „Guten“ zu sein, deshalb geht das hier gegen die Branche, nicht gegen Dich.

Doch bevor wir zu den Zahlen kommen, schauen wir uns doch einmal die unterschiedlichen Möglichkeiten der Berater und auch die unterschiedlichen Arten von Beratertypen an.

Artikelhinweis: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Versicherungsfragen?

Die private Krankenversicherung gehört unstreitig mit Abstand zu den Sparten, welche (wenn es richtig gemacht wird) eine Lebensentscheidung nach sich zieht und welche daher eine sehr aufwendige Beratung ist. Aus diesem Grund bin ich auch der Meinung, dass vielen Beratern (ganz gleich ob diese Versicherungsvertreter, Versicherungsmakler oder Mitarbeiter in Versicherung vertrieben sind) die Beratung für die private Krankenversicherung einfach verboten werden sollte. Deutlich strengere Zugangsvoraussetzungen und regelmäßige Weiterbildungen sollten zwingend erforderlich sein um solche lebensentscheidenden Produkte wie die private Krankenversicherung, eine Absicherung gegen Risiken bei Berufsunfähigkeit und ähnliches beraten zu dürfen. Das Problem dabei, die heutige Schwelle zur Beratung ist deutlich niedriger, zu niedrig. Wer glaubt ein Berater könne alle Bereiche abdecken, der wird schnell enttäuscht werden. Spezialisten und Kooperationen, gerade in so lebensentscheidenden Sparten, sichern die Qualität der Beratung.

Auch provisionsgetriebene Strukturvertriebe haben den Ruf der Versicherungsbranche, besonders der Vermittlung der privaten Krankenversicherung mehr Schaden zugefügt als diese vertragen konnte. Mehmet Göker ist ein solches Beispiel und hat mit der MEG AG gezeigt wie geldgetrieben die Branche war, oder vielleicht stellenweise noch ist.

Für den Kunden, der sich für eine private Krankenversicherung interessiert ist es daher oftmals schwierig bis unmöglich sich vorab den richtigen Berater auszuwählen. Leider herrscht jedoch auch bei vielen Kunden der Ansatz, eine Beratung muss schnell gehen, ich möchte nicht viel Zeit investieren und insgeheim sind viele froh über kurze, knackige Informationen und einen schnellen Abschluss. Zum Glück kann ich das für die Interessenten, die bei mir anfragen, so nicht bestätigen. Das hat aber am Ende auch ganz andere Gründe, dazu komme ich gleich noch.

Für die Beratung zur PKV müssen Sie (als Kunde) Zeit und Arbeit investieren- Hausaufgaben machen

Wer sich mit dem Thema private Krankenversicherung beschäftigt, der merkt schnell wie undurchsichtig und schwierig das Modell und die Versicherungsbedingungen sind. Dabei sind Versicherungsbedingungen eines einzelnen Tarifes schnell mehr als 30 Seiten lang und das ist nur ein Tarif. Wer sich einen Marktüberblick verschaffen möchte, der liest schnell mal 100-200 Seiten „langweiliges Versicherungdeutsch“. Um sich aber für oder gegen etwas entscheiden zu können, muss man ja zumindest einmal wissen was es gibt, oder?

Das ist aber genau der Punkt, der viele abschreckt. Nun aber kommt der Zeitpunkt der Popup Fenster und schnellen Vergleichsrechner. Ein paar Mal im Internet gesucht, und werbefinanzierte Seiten bieten ihre Dienstleistung an.

Da werden schnelle Vergleiche versprochen und „nur wenige Angaben müssen Sie machen, wir erstellen sofort ihren Vergleich“. In Wirklichkeit ist es in vielen Fällen nahe an einem legalen Betrug. Nach Eingabe der persönlichen Daten und nach Abfrage von drei, vier oder fünf Wünschen zur Erstattungshöhe des Zahnersatzes, 1-Bett oder Zweibettzimmer und wenn es hoch kommt noch der Höhe der Selbstbeteiligung soll ein Vergleich folgen, der kommt aber nicht. Stattdessen werden die Angaben an einen Berater weitergeleitet, der sich „schnellstmöglich bei Ihnen meldet“. Das ist ein bisschen so, als würden sie sich ein Auto kaufen wollen. Ich frage Sie welche Farbe es haben, ob es ein Lenkrad und wie viele Sitze es haben soll. Danach gebe ich eine Empfehlung ab. Glauben Sie ernsthaft, dass man eine private Krankenversicherung über 200 unterschiedlichen Leistungsmerkmalen mit einem 4-Fragen-Onlineformular als Grundlage beraten kann? Wer das glaubt, der wird auch sein Auto zu kaufen wie eben beschrieben. Nur ein solcher Fehlkauf lässt sich beim Auto korrigieren, ggf. mit Verlust, in der PKV im schlimmsten Fall nie mehr.

Doch die private Krankenversicherung funktioniert anders. Sie bedarf vieler Gespräche, umfangreiche Analysen und ist niemals identisch. Es nützt Ihnen überhaupt gar nichts wenn der Freund/die Familie/die Kollegen oder sonst irgendwer mit seiner Krankenversicherung zufrieden ist und sie deshalb auch dort hingehen. Oftmals sind junge Menschen zufrieden und auf Nachfrage räumen diese ein, noch nie etwas gehabt zu haben. Die Leistungsfähigkeit entscheidet sich aber nicht bei der Einreichung einer Rechnung für eine Erkältung, sie entscheidet sich am Ende erst dann, wenn chronisch und  schwere Krankheiten auftreten.

Hauptsache billig ist keine Option

Der Preis ist jedoch das Kriterium, was sich am schnellsten vergleichen lässt. Da werden einfache Zahlen in eine Tabelle geschrieben und gegenübergestellt, da werden in Tarifvergleichen auf zwei Seiten die Vorteile eines Tarifes in den Vordergrund gehoben. Dummerweise werden dabei die Nachteile, Ausschlüsse und Einschränkungen der Tarife oftmals vergessen. Wer sich ernsthaft mit dem Thema private Krankenversicherung beschäftigen möchte, der muss sich auf einen langen Beratungsmarathon einstellen. Wenn Sie die folgenden Fragen nicht mit ja beantworten können dann lassen Sie das Thema private Krankenversicherung bitte ganz bleiben.

  • – Sie sind bereit 100 Seiten und mehr zu lesen?
  • – Sie möchten den Umfang ihres Gesundheitsschutzes mitbestimmen und sind bereit umfangreiche Fragebögen auszufüllen?
  • – Sie haben kein Problem damit 10 Stunden und mehr Beratungszeit am Telefon oder bei ihrem Berater zu verbringen?
  • – Sie wollen nachvollziehen können warum Ihr Berater Ihnen eine Empfehlung gibt oder von einem Tarif abrät?

Damit haben wir schon einmal die erste Hürde geschaffen. Wer diese nicht „überspringen möchte“ der wird einen für sich passenden Versicherungsschutz in der privaten Krankenversicherung nicht finden.

Wie die Beratung abläuft

Zunächst einmal müssen Sie etwas tun, nicht der Berater, nicht der Versicherer, sondern SIE! Machen Sie sich ausführlich Gedanken was sie sich unter IHREM persönlichen Versicherungsschutz vorstellen. Überlegen Sie sich genau wo sie bereit sind mit Einschränkungen und Ausschüssen zu leben, wo sie umfangreicheren Versicherungsschutz wünschen und vor allem wie Ihre Lebensplanung aus. Eine Hilfestellung bieten Ihnen dabei der

Allein in dem Fragebogen werden Sie viele Fragen und Begriffe lesen, wovon Sie bisher nicht einmal wussten, dass es diese gibt. Sich mit Krankheitsfolgen und Leistungen auseinandersetzen müssen, wo Sie bisher gehofft hatten nicht einmal darüber nachdenken zu müssen diese zu bekommen, oder bekommen zu können.

Diese Unterlagen habe ich vor längerer Zeit entworfen, passe diese immer wieder den aktuellen Gegebenheiten an und orientiere meine Beratung unter anderem an diesen Fragen. Wer nicht bereit ist einen solchen Fragebogen auszufüllen, den kann und will ich nicht beraten. Allein schon deshalb, weil ich damit erreichen möchte, dass diejenigen die in die PKV wechseln auch wissen was sie tun. Es geht in vielen Fällen eben nicht darum wie toll ein Tarif in einigen Punkten ist, es geht darum wo Lücken sind, wo Einschränkungen herrschen. Am Ende ist das Ziel jeder Beratung Ihnen zu zeigen WAS SIE KAUFEN.

Nachdem dieser erste Schritt abgeschlossen ist, beginnt die eigentliche Beratung. In einem ersten Gespräch geht es vorwiegend um allgemeine Fragen. Fragen zu

  • – Familienplanung
  • – beruflichen Ausrichtung
  • – Wünschen und Fragen zu allgemeinen Themen der Gesundheitsabsicherung
  • – aber auch hypothetische Betrachtungen nach dem Schema „was passiert, wenn ich …. dieses und jedes verändere“

Ein solches Gespräch dauert mindestens eine, meistens aber mehrere Stunden. Das ist zum Teil auch davon abhängig wie viel sich die-/ derjenige vorher schon mit dem Thema beschäftigt hat und welche allgemeinen Fragen noch bestehen. Oftmals wird aber aus der Selbsteinschätzung „ich habe schon viel gelesen und kenne mich gut aus“ nach dem ersten Telefonat ein „das es so viele Sachen zu beachten gibt wusste ich gar nicht“.

In einem weiteren Gespräch geht es dann die eigentlichen Fragen der Absicherung. Welche Leistungen sollen enthalten sein, was passiert im Alter, bei beruflichen Veränderungen, bei Nachwuchs? Was ist eigentlich anders gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse und kann ich mich in Teilbereichen auch verschlechtern? Wie verändere ich meinen Versicherungsschutz, den ich mir vielleicht irgendwann nicht mehr leisten kann? Gibt es Möglichkeiten Leistungen anzupassen und auch wieder zu verbessern? Und vieles mehr…

Im nächsten Schritt geht es in eine erste Auswahl von Gesellschaften und Tarifen. Dabei nützt ein Vergleichsprogramm und eine entsprechende Software jedoch nur dann etwas, wenn der der es bedient auch weiß was er da tut. Für solche Software investiere ich Monat für Monat knapp 400 €. Natürlich könnte ich mich auf ein Programm beschränken, natürlich könnte ich mich auf Software von Versicherern konzentrieren, schließlich ist diese kostenlos. Zu einer objektiven und unabhängigen Beratung gehört aber auch, dass die Datenbasis stimmt. Dieses erreiche ich genau über diesen Weg. Software ist für mich nicht nur ein Tool, auch eine Sammlung aller Bedingungen, Formulare, tausende Druckstücke im Speicher und vieles mehr.

Dabei ersetzt keine Software das Wissen des Beraters, die Erfahrung und die Bewertung unterschiedlichster Punkte. Eine Software manipulierbar. Wenn ich möchte, dass ein Tarif an oberster Stelle steht, dann nennen Sie mir den Tarif, geben Sie mir eine Stunde Zeit und ich baue Ihnen die Kriterien dazu. Das was ich damit sagen will ist aber insbesondere: was aus der Software als Ergebnis herauskommt, ist entscheidend davon abhängig wie viel Qualität bei den Eingaben geherrscht hat.

Doch nun steht der nächste Schritt der Beratung an. Nachdem sie also Unterlagen in aufbereiteter Form bekommen haben, meine Kunden haben bis hierhin schon in etwa 100-150 Seiten gelesen und sich mit einem Textmarker bewaffnet Sachen angestrichen die zu Fragen geführt haben, unverständlich sind oder noch besprochen werden müssen, geht es endlich weiter. In mehreren Stunden folgender Beratung nehmen wir die Tarife und Versicherungsbedingungen auseinander. Wir schauen uns an wo die Lücken, aber auch die Vorteile des jeweiligen Tarifes liegen und besprechen diverse Optionen. Spätestens jetzt kommen meist andere Tarife in Spiel, die Tarife die Kollegen, Freunde, Bekannte oder andere Berater in den Raum geworfen haben. Auch hier der gleiche Prozess. Abgleich mit den Wünschen, auseinandernehmen der Bedingungen und wieder einige Stunden Telefonate, E-Mails und mehr.

Das schönte Lob für mich ist hier oft: „Oh, ich glaube jetzt weiss ich mehr als meine letzten drei Berater mit denen ich sprach“.

Sind wir so weit gekommen geht es an die nähere Auswahl und Fakten zu den Unternehmen, der Tarifstruktur und wir gehen den nächsten Schritt in eine mögliche Auswahl. Jetzt folgt auch die Prüfung, ob eine Zusatzversicherung parallel zur gesetzlichen Krankenkasse nicht die passendere Möglichkeit sein kann. Auch hier wieder die Fragen welche Vor-und Nachteile hierin begründet liegen, welche Einkunftsarten im Alter zu einem Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse führen und vieles mehr.

Geht die Entscheidung in Richtung private Krankenversicherung, also möchte sich jemand nun vielleicht privat versichern, heißt das noch lange nicht, dass es auch eine sinnvolle Versicherbarkeit gibt. Jetzt geht es an das Aufbereiten von Gesundheitsangaben und die Vorbereitung der Voranfragen. Hier lässt sich die Arbeit wieder etwas aufteilen. Während der Berater sich mit der Vorbereitung der Unterlagen beschäftigt, besorgt der Interessent zunächst einmal alle nötigen medizinischen Unterlagen. Dieses können Attest von Ärzten sein, die Anforderung von Gesundheitsakten, Operationsberichten, Entlassungsberichten aus dem Krankenhaus und auch das Ausfüllen von Fragebögen bestehenden Erkrankungen.

Nachdem all diese Unterlagen nach einigen Stunden Beratung und Besprechung soweit aufbereitet sind, gehen diese zunächst einmal an die unterschiedlichen Versicherer. Während der Risikoprüfung und ersten Einschätzung kommen immer wieder Rückfragen, Nachfragen zu medizinischen Unterlagen und der medizinischen Vorgeschichte und irgendwann eine erste Einschätzung. Oftmals ist diese Einschätzung nicht sofort so, wie wir diese gerne hätten. Risikozuschläge sind wichtig und wenn ein Versicherer zu lax in der Annahmepolitik ist, dann tut es den Beständen nicht gut. Auf der anderen Seite möchte niemand unnötig Beitrag zahlen. Etwas mehr Erklärung dazu habe ich in meinem Beitrag bereits beschrieben:

Artikelhinweis: „Wer nimmt mich ohne Zuschlag oder Risikozuschlag

Nachdem all diese Einschätzungen vorliegen, die Details zur Vertragsgestaltung, Zusatzbausteinen für die Beitragsentlastung im Alter oder die richtige Berechnung des Krankentagegeldes abgeschlossen sind, beginnen wir mit der eigentlichen Antragstellung. Infolge dieser und des bereits vorgeprüften Antrages nimmt der Versicherer den Antrag nun wie gewünscht an. Es wird eine Police erstellt, einige Unterlagen hin und her geschickt und gemeinsam mit unseren Kunden überwache ich die weiteren Schritte Denn keineswegs ist nach dem Antrag Beratung vorbei, denn wie es weitergeht lesen Sie hier:

Lesetipp: Nach dem Abschluss- die Beratung ist nicht zu Ende

Bis zu diesem Zeitpunkt hat ihr Berater (wenn er sorgfältig und ausführlich gemacht hat) irgendwas um die 30 oder mehr Stunden Beratung-und Recherchezeit investiert, investiert ohne auch nur einen Cent verdient zu haben. Endet jetzt die Beratung, oder Interessenten kommen zu dem Ergebnis, dass die gesetzliche Krankenkasse die bessere Option ist, oder weil Sie die Höhe des Risikozuschlag unakzeptabel finden, so bleibt es auch bei einem Verdienst von null Euro. Gleiches gilt auch dann , wenn Sie sich einfach noch nicht sicher sind und sich daher gegen einen Wechsel entscheiden. Alles kein Problem und es entstehen Ihnen keinerlei Kosten.

Klar würde ich es gut finden, wenn ich diese Beratung in einigen Fällen abrechnen könnte, einfach ein Honorar für zehn, zwanzig oder mehr Stunden Beratung nehmen. Selbst wenn ich es niedrig ansetzen wollen würde, reden wir hier über vierstellige Beträge. Vierstellige Beträge dafür, dass sie eine freie Wahl haben, dass sie sich auch kurz vor dem Abschluss und nach all der erfolgten Beratung dagegen entscheiden können.

In vielen Fällen habe ich großes Glück, kann vorher einschätzen ob bestimmte Erkrankungen überhaupt zu einer sinnvollen Versicherungsmöglichkeit führen, kann schon in ersten Gesprächen Tipps und Ratschläge geben und gegebenenfalls zu einer Zusatzversicherung und im Verbleib in der gesetzlichen Krankenkasse raten. Aber am Ende ist es IHRE Entscheidung, ihre Gesundheitsvorsorge und ihr Portmonee.

Ich bin absolut keinem Interessenten oder Kunden auch nur ansatzweise böse der sich im letzten Schritt dagegen entscheidet. Sei es, weil er sich nicht sicher ist, lieber noch mal überlegen will und das Thema vielleicht im nächsten Jahr noch einmal angehen möchte. Kunden mit denen habe ich schon 2012 zum Thema private Krankenversicherung gesprochen, immer mal wieder E-Mails ausgetauscht, Unterlagen hin und her geschickt und Denkanstöße gegeben. Der finale Entschluss den Wechsel doch zu vollziehen, kam in 2016. Oder kommt eben gar nicht, auch in Ordnung. Ich habe überhaupt nichts davon, wenn Sie heute eine Entscheidung treffen die sich in Monaten oder wenigen Jahren wieder bereuen. Ja, ich bin ein schlechter Verkäufer, ein sehr schlechter sogar. Überreden, verkauften und Zeitdruck sind so gar nicht meins.

Die hohe Provision

Ja, Beratung zur privaten Krankenversicherung wird auf den ersten Blick gut bezahlt, auch auf den zweiten Blick kann ich sehr gut davon leben. Das kann ich aber auch, weil ich auf der einen Seite meinen Job mit viel Herzblut mache und ein wunderbares Kundenklientel besitze, da ich seit über zehn Jahren nicht einen Euro in Werbung, Datensätze, gekaufte Adressen oder sonst irgendwas investiert habe und mich einer der Spezialisten im Bereich der PKV positionieren konnte.

Ich liebe mein Job und wer schon einmal eine Beratung bei mir in Anspruch genommen hat, oder nur eine Frage hatte die sich oftmals schnell beantworten lässt, der wird das bestätigen können. Bestätigen, dass sich das mit einer gewissen Leidenschaft ausüben und dabei Fragen gern und schnell auch mal irgendwann nachts beantworte. Eben weil es für mich keine „Arbeit“ ist, sondern etwas was mir Spaß macht, viel Spaß! Und: ich habe überhaupt gar kein Problem gegen einen Abschluss zu argumentieren.

Wer in die PKV wechselt weil er es will und verstanden hat was er da tut der soll es tun, wer nicht soll es aber bitte auch lassen.

Gerade heute, wenige Minuten bevor dieses Thema bei Facebook zu der Diskussion geführt hat, hatte ich eine Anfrage von einem bereits Privatversicherten, der gern wechseln wollte. Meine Antwort in der E-Mail, nach Erhalt des Fragebogens und weiterer Informationen war:

Ich möchte ganz ehrlich sein. Natürlich findet sich ein Versicherungsschutz der heute noch etwas billiger ist, jedoch ist das Ihr Problem nicht.

Der Tarif den Sie derzeit haben ist, abgesehen von der aktuellen Anpassung, bisher ein sehr beitragsstabiler Tarif gewesen. Die aktuelle Anpassung hat verschiedene Gründe, unter anderem die niedrigeren Zinsen. Diese sind aufzufangen, was mit der aktuellen Anpassung passiert ist. Und bei allen Versicherern gleichermaßen zu deutlichen Anpassungen geführt hat.

Bei einer so langen Vorversicherungszeit, den Alterungsrückstellungen die sie nicht mitnehmen können und damit verlieren und eine weitere Nachteilen, halte ich es nicht für sinnvoll (auch wenn es etwas gegen das eigene Geschäft spricht) mit dem Versicherer heute zu wechseln.

Ich bin mir übrigens noch nicht sicher ob die Botschaft bei ihm so angekommen ist, oder ob der Interessent vielleicht bei einem anderen Berater doch wechselt.

Nehmen wir also einen privaten Krankenversicherungsschutz für einen Angestellten. Eine Auswahl des hochwertigen Versicherungsschutzes, einer passenden Gesellschaft und am Ende vielleicht einem Monatsbeitrag von 550 €. In diesem enthalten sind Bausteine mit Pflegepflichtversicherung, der gesetzliche Zuschlag von 10 % für die zusätzlichen Altersrückstellungen und andere Bausteine. Nehmen wir also an, daraus resultiert ein bewertbarer Monatsbeitrag (also der Beitrag aus dem sich meine Courtage berechnet) von 460 € monatlich.

Bei einem Courtagesatz von 6-9 MOB (das ist der maximale Satz den ein Versicherer dem Berater/ Vertrieb zahlen darf) resultiert hieraus eine Courtage von 2.760 bis 4.140 €, brutto.

Wie jeder andere auch, zahle ich hiervon meine laufenden Betriebskosten, Software wie oben erwähnt, Weiterbildungen und dergleichen und lebe davon. Ja, gern mache ich das zudem auch noch. Bei billigen Tarifen ist die Vergütung dementsprechend niedriger. Über das System kann man streiten, ist aber eben so wie es ist.

Dieser Courtage / Provision stehen somit ca. 20, eher aber 30-40 Std. Beratung gegenüber und wir reden von einer erfolgreichen Vermittlung, nicht von Fällen wo sich der Kunde dagegen entschied, es gesundheitlich nicht sinnvoll zu versichern war und mehr. Das entspricht einem Stundensatz von irgendwas zwischen 70 und 130 € brutto, vor Steuern und Kosten.

Einer Beratung die am Ende zu einem passenden ausgewogenen, lebenslangen Versicherungsschutz führt, oder eben zu der Entscheidung den Wechsel nicht zu vollziehen. Natürlich ist die Zahl an sich eine große Summe und wir reden über viel Geld Damit habe ich auch grundsätzlich kein Problem, denn ich glaube, dass meine Beratung diesen Betrag wert ist.

Würde ich- um zu der Behauptung aus dem ersten Zitat zurück zu kommen- bei weniger Courtage schlechter beraten oder würde die Qualität dann nicht sinken? Würde Sie, nicht weil der Berater schlechter berät, sondern weil in kürzerer Zeit mehr Beratungen absolviert werden müssen, mehr damit laufende Betriebskosten weiter gezahlt werden müssen und es sich auch für den Berater rechnet. So werden mehr Beratungen in weniger Zeit gequetscht. Ich möchte aber für meine Kunden die Zeit haben die diese für sich brauchen um sinnvoll zu entscheiden. Sind das 50 Std. ist es genau so gut, als ob jemand nach 20 Stunden entscheiden kann was er will.

Natürlich gebe ich all den Kritikern recht, dass eine schnelle Beratung in ein oder zwei Stunden bei einer solchen Vergütung völlig überbezahlt ist und damit unangemessen. Doch mit Einführung der verlängerten Stornohaftungszeit von 60 Monaten sollte auch der Berater ein Interesse daran haben sauber und vernünftig gearbeitet zu haben. Denn beendet der Kunde seinen Vertrag, reduziert die Leistungen (und damit den Beitrag), tritt der Versicherer wegen falscher Angaben zurück oder endet der Vertrag auch sonst irgendwelchen Gründen, zahlt der Vermittler seine Vergütung anteilig zurück. Verdient wird somit immer nur 1/60stel, also in unserem Beispiel maximal 69 € pro Vertragsmonat für die ersten 60 Monate. Das sichert mehr Qualität und verhindert dieses „nach einem Jahr umdecken zu einem anderen Versicherer“.

In der privaten Krankenversicherung gibt es Zeiten, in denen mit einem laufenden Vertrag wenig Aufwand besteht. Ist der Kunde gesund und gibt es keine Veränderungen so besteht der Vertrag, läuft einfach vor sich hin. Hier reichen dann pro Jahr ein bis zwei Stunden um Änderungen abzufragen, an die Anpassung von Krankengeld zu erinnern und mehr. Die Qualität des Beraters zeigt sich aber dann, wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll. Sei es, weil Probleme beim Einreichen von Rechnungen gibt, weil Verträge an neue Gegebenheiten angepasst werden müssen, weil sich persönliche Umstände verändert haben oder vieles mehr. Diese Leistungen kaufen Sie mit der Courtage mit. Die laufende Vergütung, welche bei den meisten Gesellschaften erst ab dem zweiten oder dritten Jahr gezahlt wird, die sogenannte Bestandsvergütung beträgt 1 bis 2% des bewerteten Jahresbeitrages, also durchschnittlich etwa 50-60 € pro JAHR und Vertrag. Dafür und damit sind alle Beratungsleistungen abgegolten und für den Kunden und Versicherten auch in den nächsten Jahrzehnten kostenfrei.

Gute Beratung kostet Geld

Und damit möchte ich mit einigen Erklärungen in diesem Beitrag auch zum Schluss kommen. Ich möchte keineswegs ein Urteil über die Branche fällen. Es gibt gute Berater, es gibt schlechte Verkäufer, wie in allen Bereichen des Lebens. Ein Steuerberater ist gut, aber ist er gut, wenn er viel Geld herausgeholt hat, oder gut, wenn er Nachzahlungen verhindert und rechtzeitig gut berät, so das der Kunde aber am Ende dennoch etwas (nach-)zahlen muss?

Es ist wie immer eine Betrachtungsweise und ich kann durchaus Menschen verstehen, die meinen das allein zu können, ohne Berater, ohne Vermittler. Da wir aber in der PKV keine so genannten Nettotarife haben, wird damit die Prämie nicht anders, die einkalkulierten Kosten bleiben dann bei dem Versicherer, dem Vergleichsportal, dem Onlinerechner oder mehr. Also nutzen Sie qualifizierte Beratung, bezahlt haben Sie diese eh schon.

Es gibt Berater und Makler welche 200 bis 300 € für eine Adresse, also einen Interessenten zahlen, einem dem vorgegaukelt wurde er bekommt gleich nach dem Ausfüllen der Fragen einen Onlinevergleich. Melden Sie sich einmal bei einem Affiliate Programm an, dort wird Ihnen als Betreiber einer Webseite viel Geld für die PKV Datensätze geboten, wenn Sie nur Werbung auf Ihrer Seite dafür machen. Das alles ist aber ein System welches ich nicht gutheißen kann.

Qualifizierte Beratung wird immer Geld kosten, ob in Form einer einkalkulierten Vergütung oder einer extra bezahlten, durch Honorar. Es wird immer Dumpinganbieter geben, immer welche die es billiger machen, zu denen will und werde ich nicht gehören. Nach über 20 Jahren in der Branche, über 1200 Blogbeiträgen mit Erklärungen, Fragebögen, Analysen und einigen hundert betreuten Kunden werde ich auch weiterhin genauso beraten wie bisher. Auch solche „Dienstleistung“ ist Aufwand, braucht Zeit und kostet daher indirekt Geld. Diese Zeit kann und will ich aber gern investieren, geht aber nur weil die Vergütung sonst passt.

Wer das nicht möchte, wem das zu teuer ist oder wer meint das ist zu viel was die Gesellschaft mir dafür zahlt- bitte. Jeder kann gern und für sich ganz allein eine Entscheidung treffen, es selbst oder woanders zu machen. Auch sehe ich nicht ein meine Courtage abzugeben, also in Form einer (verbotenen) Provisionsweitergabe. Warum? Weil Beratung, Aufwand und Haftung nun mal Geld kosten, über Jahre und dauerhaft und ich auch nicht zum Bäcker gehe und über seinen Verdienst handeln möchte. Passen mir die Preise bei dem nicht, gehe ich eben zum Discounter, jeder kann und sollte das auch völlig wertfrei für sich entscheiden.

Schauen Sie sich einmal unter dem Punkt REFERENZEN hier auf der Seite um, ich habe kein Problem damit Ihnen Namen und Kontaktdaten von einigen (die dem zustimmen) zu geben, sprechen Sie gern einmal mit denen. Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, was heute in dem Facebookbeitrag passiert ist. Es fragt jemand nach PKV Beratung, unterschiedliche Menschen und noch nicht mal alles meine Kunden, empfehlen mich. Egal ob als Kommentar oder als Nachricht an den Ersteller der Frage- hat mich zudem sehr gefreut. Seit über 10 Jahren kommen meine Kunden ausschließlich über Empfehlungen oder die ausführlichen Informationen auf der Website zu mir, kann also so ganz falsch nicht sein der, mein Weg.

Wie auch in dem Facebook Post als Kommentar geschrieben, Private Krankenversicherung ist nichts für jeden, nicht für jeden Kunden aber auch definitiv erst recht nicht für jeden Berater. Wer heute billiger kauft, kauft vielleicht zweimal oder wird seine Entscheidung zumindest irgendwann bereuen. Wer heute aus der GKV wechselt, viel Geld spart und das verprasst, auch der wird irgendwann (zu recht) auf die Nase fallen. Wer glaubt bessere Leistungen für viel weniger Geld zu bekommen, der braucht Beratung, die sogar kostenfrei- Telefonnummer hier auf der Seite, Live Chat auch.

Im Augenblick ist wieder Wechselzeit, die Zeit in der Berater Kunden überreden müssen und werden zu wechseln. Das dieses in einigen Fällen sinnvoll sein kann ist unbestritten, meist aber macht es wenig Sinn einen Wechsel aus einer langjährigen Versicherung zu einer anderen zu machen.

UND NUN? Entscheiden Sie, lesen Sie, verstehen Sie was Sie da kaufen und machen Sie es richtig. Wenn Ihr Berater gut ist und war, Sie ausführlich und zu Ihrer Zufriedenheit beraten hat, „gönnen Sie Ihm auch die Vergütung“. War das nicht so und hatten Sie das Gefühl etwas schnell verkauft zu bekommen, dann treffen Sie Ihre Entscheidung und lassen sich anderweitig beraten. Ganz einfach!

07.
Dezember '16

Familienversicherung beendet – kann ich mein Kind rückwirkend versichern?


Es ist wieder einmal Jahresende und die gesetzlichen Krankenkassen brauchen Geld. Nein, nicht ganz, der Gesundheitsfond braucht Geld um die Ausgaben zu schultern. Nicht nur deshalb wird momentan (glaube ich den Anfragen im LiveChat oder per Mail) verstärkt angefragt und die Familienversicherung beendet, rückwirkend.

Daraus resultieren zum Teil Nachzahlungen > 10.000 € und die gesetzlichen Kassen beabsichtigen nicht diese zu reduzieren, warum auch, denn das Geld steht Ihnen zu. Da sich aber einige Fragen häufen, hier mal eine kleine Liste mit Fragen und Antworten zum Ende des kostenfreien Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse, der Weiterversicherung oder aber der Mitversicherung in der privaten Krankenversicherung.

Aber ich wusste doch nicht, dass….

Nun, „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, hat schon meine Oma damals gesagt. Nur weil ich als Versicherter einer gesetzlichen Kasse oder als Eltern eines familienversicherten Kindes nicht wusste wann die Familienversicherung endet, nur dann bedeutet das auch nicht nichts zahlen zu müssen. Die gesetzliche Krankenkasse prüft daher normalerweise regelmäßig das Einkommen. Umfangreiche Auskunftspflichten des Versicherten ergeben sich aus dem Sozialgesetzbuch V, dort heisst es unter anderem

§ 206 SGB V Auskunfts- und Mitteilungspflichten der Versicherten
(1) Wer versichert ist oder als Versicherter in Betracht kommt, hat der Krankenkasse, soweit er nicht nach § 28o des Vierten Buches auskunftspflichtig ist,

  1. auf Verlangen über alle für die Feststellung der Versicherungs- und Beitragspflicht und für die Durchführung der der Krankenkasse übertragenen Aufgaben erforderlichen Tatsachen unverzüglich Auskunft zu erteilen,
  2. Änderungen in den Verhältnissen, die für die Feststellung der Versicherungs- und Beitragspflicht erheblich sind und nicht durch Dritte gemeldet werden, unverzüglich mitzuteilen.
    Er hat auf Verlangen die Unterlagen, aus denen die Tatsachen oder die Änderung der Verhältnisse hervorgehen, der Krankenkasse in deren Geschäftsräumen unverzüglich vorzulegen.
    (2) Entstehen der Krankenkasse durch eine Verletzung der Pflichten nach Absatz 1 zusätzliche Aufwendungen, kann sie von dem Verpflichteten die Erstattung verlangen.

Nun ist eine Hochzeit durchaus ein solches Ereignis und ändert die Lebensumstände deutlich. Daher ist eine solche auch der Krankenkasse anzuzeigen, was meist einen Fragebogen zur Versicherung des neuen Ehepartners und eine Prüfung der Familienversicherung nach sich zieht.

Nur weil die Kasse nicht fragt, heisst es also nicht, dass es diese nicht interessiert- SIE müssen dennoch UNVERZÜGLICH informieren. Ob das Kind dann weiter Familienversicherungsanspruch hat und damit kostenfrei versichert ist und bleibt, das können Sie hier einfach nachschauen:

kind-wo-versichert-2016

Ach, wird schon gut gehen…

Einige von Ihnen, die diesen Artikel jetzt lesen, haben es wirklich nicht gewusst. Diese waren vom Schreiben der Krankenkasse ernstlich überrascht und geschockt über die Beitragsnachforderung von einigen tausend Euro und zudem der neuen Berechnung des monatlichen Beitrags. Andere wiederum werden sich nun ertappt fühlen, ertappt bei dem „ach ja, wusste ich, dachte es geht schon gut“ Gedanken und nein, Sie müssen weder Ihrer Kasse noch mir sagen zu welcher Gruppe Sie gehören.

Es gibt aber durchaus viele Versicherte die nach Ihrer Heirat erst einmal abwarten und nichts tun. Einige wissen jetzt schon um den Wegfall der beitragsfreien Familienversicherung und die Beitragspflicht der Kinder. Aber… dann liegt es erstmal, es fragt ja keiner und Versicherungsschutz besteht auch erstmal- also bleibt es da liegen wo es ist. Wer zahlt schon gern (zusätzliche) 170 € oder mehr für die gesetzliche Krankenkasse des Kindes, wenn es doch auch ganz bequem kostenfrei geht.

Diese Gruppe, vielleicht gehören Sie ja dazu, sollte sich gut überlegen ob dieser Zustand so bleiben soll und falls Sie sich dafür entscheiden sollten, dann machen Sie sich Gedanken über die Konsequenzen und legen den Betrag Monat für Monat schon mal zur Seite. Die Kassen sind- anders als früher- weit mehr „hinterher“ und treiben Ihre Beiträge auch ein, zu recht übrigens.

Fliegen die Kinder rückwirkend aus der GKV raus?

Es ist zunächst ein Unterschied ob die Familienversicherung endet, oder ob der Versicherungsschutz gänzlich beendet wird. Daher ist es hier sinnvoll grundsätzlich die Begriffe zu klären. Die Kinder, so Sie denn keinen Anspruch mehr auf die Familienversicherung haben, fallen damit rückwirkend aus dieser heraus. Das heisst eben aber NICHT, dass hier keine Leistungs-/ Beitragspflicht in der GKV besteht. beendigung-fam-vers

Gerade weil hier niemand wusste (oder wissen wollte) das diese kostenfreie Mitgliedschaft nicht mehr existiert, wurden meist für die Kinder auch Leistungen genutzt. Also die Karte der GKV beim Arzt vorgelegt und eingesetzt und damit auch Kosten produziert. Somit steht der GKV natürlich auch ein Beitrag zu und diesen versucht diese über einen Bescheid zum (rückwirkenden) Ende der Familienversicherung geltend zu machen.

Was ist mit erbrachten Leistungen, Arztrechnungen, Medikamenten?

Wie oben in der Grafik zu erkennen, bestand zu jeder Zeit Versicherungsschutz in der GKV und das hier fälschlicherweise. Denn eigentlich wäre (bei rechtzeitiger Meldung) die Frage der Familienversicherung am Tag oder nach der Hochzeit entscheiden worden. DANN HÄTTEN Sie damals entscheiden können, ob Ihr Kind in der GKV freiwillig versichert werden soll, oder ob Sie dieses in der PKV versichern wollen. (Achtung: Beamte haben Ausnahmen, die siehe unten)

Da diese Entscheidung nicht getroffen wurde/ werden konnte, muss dieses nun rückwirkend betrachtet werden. Die gesetzliche Kasse wäre und ist auch für alle Leistungen aufgekommen, die Ihr Kind im Rahmen einer ärztlichen Versorgung hätte nutzen wollen und sollen. Diese Leistungen sind natürlich mit Kosten verbunden und würden Sie die GKV rückwirkend verlassen, so wären diese Kosten zu erstatten.

Laufende Kieferorthopädie in der GKV

Problematisch wird es jetzt. Hat Ihr Kind eine laufende kieferorthopädische Behandlung in der GKV Zeit begonnen, so wurde hierfür ein Heil- und Kostenplan eingereicht und die GKV hat diesen genehmigt. Einige Kassen bieten zudem ergänzende Leistungen an, welche nicht übertragbar auf andere Kassen und schon gar nicht auf die PKV sind. Selbst wenn die PKV den Antrag auf Krankenversicherung für das Kind annehmen würde, so müssten Sie mit einem Ausschluss der laufenden (oder generell der) Kieferorthopädie rechnen. Eine laufende Behandlung lässt sich nicht versichern, das wäre wie ein brennendes Haus gegen Feuer versichern zu wollen. Zudem gelten ggf. Wartezeiten, so wird ein solcher Wechsel hier mehr als unmöglich/ unattraktiv.

Rückwirkende Versicherung in der PKV

Hier stehen wir vor einem weiteren Problem. Die rückwirkende Versicherung in der privaten Krankenversicherung ist meist nicht möglich. Nun denken leider viele, es müsste doch toll sein für die PKV, keine Leistungen erbringen weil der Zeitraum schon rum ist und dennoch Beiträge kassieren. Klingt gut, ist es aber dennoch nicht. Die private Krankenversicherung wird den Antrag auf PKV für das Kind maximal einige Monate rückdatieren können und wollen. Eine rückwirkende Versicherung für Jahre ist nicht machbar.

Daher stellt sich die Frage wo das Kind wie am besten versichert bleiben oder werden kann. Einige Möglichkeiten und Optionen stehen Ihnen dann zur Verfügung, je nachdem welche am besten passt. Hierzu bedarf es in der Regel Beratung und Aufklärung, denn diese Entscheidung ist so einfach nicht wieder zu revidieren. Daher schauen wir und gern einmal die Optionen weiter an.

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Option 1:

Dauerhafte Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse. Dieses ist eine Möglichkeit und von der Abwicklung zudem recht einfach. Sollten Sie sich also dafür entscheiden das Kind weiterhin und dauerhaft in der GKV zu lassen, so erklären Sie dieses gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse. Dort wird in der Regel ein Antrag auf freiwillige Mitgliedschaft gefordert und dieser ist einzureichen. Damit wird aus der kostenfreien Familienversicherung gem. § 10 SGB V eine freiwillige Versicherung gegen eigenen Beitrag.

Der Beitrag hierfür liegt in etwa bei 170-180 € monatlich inklusive der Pflegepflichtversicherung. Bitte beachten Sie hierbei noch, es gibt dann für diese Beiträge KEINEN Arbeitgeberzuschuss zur Kranken-/ Pflegeversicherung. Sollten Sie sich später doch für einen Wechsel in die PKV entscheiden, gilt KEINE Bindungsfrist von 18 Monaten, auch wenn die gesetzlichen Kassen das gern mal behaupten.

Artikel: Keine Bindungsfrist bei Wechsel in PKV

Option 2:

Sollten Sie sich entscheiden Ihr Kind in der privaten Krankenversicherung versichern zu wollen, so muss hier zunächst einmal der passende Tarif und der Versicherer gefunden werden. Dieses muss NICHT der Versicherer sein, bei dem Sie selbst oder ein anderes Elternteil versichert ist, sondern kann frei gewählt werden.

Nicht alle Unternehmen versichern Kinder auch allein, eine

Übersicht der Unternehmen mit Kinderalleinversicherung

finden Sie bei mir hier im Downloadbereich. Sollten Sie hierüber nachdenken, handeln Sie bitte nicht übereilt und überlegen sich genau welche Leistungen Ihr Tarif enthalten soll und welche Leistungserweiterungen (zBsp. Naturheilkunde, Osteopathie, Kieferorthopädie etc) für Ihr Kind wichtig sind. Weitere HINWEISE was hier zu beachten ist und welche Fragen beantwortet werden sollten, habe ich unter dem Punkt „Auswahlkriterien“ zusammengestellt. Nachdem Sie dieses für sich beantwortet haben, füllen Sie gern den Fragebogen zur Krankenversicherung einmal aus. Erst danach lassen sich Unterschiede zwischen den vielen Tarifen herausfiltern und der passende Schutz finden.

Der Versicherungsschutz in dieser Option beginnt in der Zukunft, frühestens jedoch zum nächsten Monatsersten. Dabei stellen Sie einen entsprechenden Antrag und übersenden der GKV später den Nachweis der Weiterversicherung, die so genannte Folgeversicherungsbestätigung.

Option 3:

Diese ist vergleichbar mit der Option 2, jedoch geht der Schutz in der PKV noch einige Zeit zurück. Das sind bei den Unternehmen unterschiedliche Zeiten. Einige versichern gar nicht, andere einen, drei oder auch sechs Monate rückwirkend, in Ausnahmefällen auch länger. Auch hier wird das Kind privat versichert, auch hier gilt der Versicherungsschutz praktisch erst ab heute, die Gesellschaft bekommt aber für den rückwirkenden Zeitraum schon Prämien und die GKV kann ggf. in Absprache früher enden. Das ist nur dann sinnvoll, wenn in den Monaten KEINE Rechnungen oder andere Kosten angefallen sind, da die GKV diese sonst nachfordern würde.

Findet sich nun ein Versicherer welcher zurück datierten Versicherungsschutz bietet, gilt es noch mit der GKV zu klären welchen Austrittstermin Sie wählen können. Haben Sie aber einen Antrag auf freiwillige Versicherung in der GKV schon gestellt, so denken Sie bitte daran, dieser kann nur mit Frist zum Ende des ÜBERNÄCHSTEN Monats wieder gekündigt werden.

Option BEAMTE:

Bei den Beamten sieht es noch etwas anders aus. Hier besteht ggf. auch rückwirkend Anspruch auf Beihilfe, also eine Kostenerstattung welche bei Kindern meist bei 80% liegt. Ergänzend dazu sind dann noch die 20% Restkosten zu versichern. ACHTUNG: Einige Beihilfestellen gewähren den Zuschuss/ die Beihilfe erst dann, wenn Sie eine Absicherung der Restkosten nachweisen. Auch sind hier ebenfalls Vorgaben zur Versicherungspflicht zu erfüllen. Es reicht daher nicht aus, eine Beihilfe von X Prozent zu haben und den Rest selbst zu zahlen.

Was nun zu tun ist!

Überlegen Sie sich sehr genau, welches der beiden Systeme für die Weiterversicherung Ihres Kindes das richtige ist. Beachten (und lassen Sie sich beraten) Sie dabei auch die Sonderregelungen zum Krankengeld des Kindes, zur Kur und sonstigen Leistungen der GKV. Nachdem Sie entschieden haben wo das Kind versichert werden soll, bemühen Sie sich bitte um den passenden Schutz und ERST DANACH stellt sich die Frage welcher passende Beginn die richtige Variante ist.

Für Angebote und Vorschläge zur PKV von Kindern ist ZWINGEND eine Beratung notwendig. Anfragen a la „Schicken Sie mir doch mal den besten Tarif“ oder „machen Sie mir ein Angbeot für die PKV des Kindes“ und dazu „möglichst billig“ eignen sich nicht für eine Anfrage. Sollten Sie hierzu Fragen haben und Beratung benötigen, besorgen Sie bitte schon mal folgende Unterlagen

Sobald Ihnen all diese Unterlagen vorliegen, senden Sie mir gern eine Mail an pkv@online-pkv.de oder stellen Ihre Anfrage über den LiveChat (links unten) oder das Anfrageformular.

In den meisten Fällen lässt sich recht unkompliziert eine Lösung finden, die je nach Bedarf gesetzliche oder private Versicherung oder auch ein Mix aus beiden Systemen als Grundlage hat. Übereilt sollte solche Entscheidung nie getroffen werden. Auf Anfragen nach dem Einkommen oder geänderten persönlichen Verhältnissen nicht zu antworten und die GKV „betteln“ zu lassen ist hingegen keine wirkliche Option. Diese „Vogel Strauß“ Politik bringt Sie hier leider nicht weiter und macht es eher deutlich teurer.

Und natürlich sind Nachzahlungen in vierstelliger Höhe ärgerlich, andererseits bestand eben auch Versicherungsschutz und Leistungen wurden (oder wären) erbracht (worden). Daher gilt es jetzt das „Problem“ anzugehen und zu lösen. 

14.
November '16

Beitragsanpassung der privaten Krankenversicherung und was sie jetzt tun können


Am letzten Wochenende haben viele Versicherte Post von ihrer privaten Krankenversicherung bekommen und wurden darüber informiert, dass die Beiträge für den eigenen Versicherungsschutz zum 1. Januar 2017 steigen. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, ich möchte daher diesen Beitrag nutzen um etwas mehr Klarheit in dieses Thema zu bringen.

Die Ursachen der Beitragsanpassung

Für eine Anpassung der Beiträge gibt es ganz unterschiedliche Ursachen, daher sind diese Anpassungen auch keineswegs bei allen Versicherern und auch nicht bei allen Versicherten in einem Tarif identisch. Anpassungen werden daher abhängig von den Altersstufen, dem gewählten Tarif, der Frage ob sie in Bisex oder Unisex sicher sind und weiteren Faktoren beeinflusst. Zum Jahr 2017 kommt noch ein anderer Punkt dazu. Auch in der privaten Krankenversicherung in der es im eigentlichen Tarif keine Anpassung gibt, führt eine Erhöhung der Beiträge in der Pflegepflichtversicherung zu einem höheren Gesamtbeitrag im Jahr 2017.

Beitragsanpassung in der Pflegepflichtversicherung

Diese Beitragserhöhung kann durchaus 20% und mehr (auf den Beitrag der Pflegeversicherung) betragen. Dabei sollten wir jedoch so realistisch sein, dass wir hier über Anpassungen von 5 bis 8 Euro reden und zumindest bei Angestellten diese zur Hälfte dem Arbeitgeber landet. Während der Beitrag in der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung im Jahr 2017 auf 121,80 € als Höchstbeitrag ansteigt, zahlen Versicherte in der privaten Pflegepflichtversicherung (mit identischen Leistungen) oftmals Beiträge von deutlich unter 50 €, selbst nach der Erhöhung.

Steigende Kosten bei Ärzten und Behandlern

Auf der Ausgabenseite stehen viele private Krankenversicherer vor dem Problem der steigenden Kosten, welches diese nur sehr bedingt beeinflussen können. Natürlich lassen sich in die Versicherungsbedingungen Regelungen schreiben, welche dem Versicherer ermöglichen den Bezug von zum Beispiel Hilfsmittel über einen eigenen Großhändler zu organisieren, Medikamente oder sonstige Leistungen mit Rabattverträgen einzukaufen, im wesentlichen jedoch ist man Kostenerstatter. Dabei möchte ich gar nicht die Schuld auf die Ärzte oder andere Berufsgruppen abwälzen, wir haben jedoch allgemein das Problem, dass die Kosten für eine hochwertige medizinische Versorgung ansteigen.

Nun könnte man durchaus meinen das „hätte man wissen können“ oder zumindest „ahnen können“ und manche Versicherer haben dieses durchaus besser im Griff als andere. Auf der anderen Seite haben wir leider die Situation dass vielfach die private Krankenversicherung immer noch nach dem Motto: „Wer versichert mich denn billiger“ oder „Wer nimmt mich dann ohne Zuschlag“ beraten wird. So werden Entscheidungen für die private Krankenversicherung oftmals nach dem Preis, nicht aber nach der Leistung, dem Versicherer oder anderer Fakten getroffen. Einige Beispiele und weitere Erklärungen dazu finden Sie unter anderen in den folgenden Beiträgen:

Niedrigzinsphase und deren Folgen

Wer noch vor einigen Jahren Geld anlegen wollte, der bekam selbst auf ein Tagesgeldkonto zu guten Zeiten 4 %. Vier Prozent für eine Geldanlage, welche täglich verfügbar war, nahezu vollständig sicher und ohne Risiken. Auch in der privaten Krankenversicherung wird Geld angelegt. Denn das Prinzip einer kapitalgedeckten Versorgung ist nun einmal, dass in jungen Jahren weniger Kosten verursacht werden als Beiträge gezahlt. Diese Differenz geht- ganz vereinfacht- in den großen Topf der Altersrückstellungen und vermindert den Beitrag im Alter. Natürlich ist das eine sehr vereinfachte Darstellung und die Zuführung zu den Altersrückstellungen sind deutlich komplizierter. So ist es auch davon abhängig wie leistungsfähig ein Tarif ist, welche Leistungen also heute (und in Zukunft) versprochen werden und wie sich diese entwickeln.

zins-und-endkapital-bei-unterschiedlichem-zins

Wer monatlich 100 € spart, hierfür 4 % Zins bekommt und das ganze 30 Jahre durchhält, der profitiert am Ende von 32.760 € Zinsertrag und hat ein Gesamtkapital von über 68.000 €. Sinkt der Zins nur um ein (niedriges) halbes Prozent, so vermindern sich die Zinsen um 5.639 € und betragen damit nur noch 20.121 €.

Was Sie nach der Beitragsanpassung tun sollten

Bereits vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag ausführlich beschrieben, was Sie nach Erhalt der Information zur Beitragsanpassung tun sollten. Dabei geht es insbesondere darum, keine übereilten Entscheidungen zu treffen und sich genau vor Augen zu führen welche Folgen eine solche Entscheidung hat.beitrag-bap

So lassen sich übereilt getroffene Entscheidungen oft nicht mehr rückgängig machen oder nur mit gravierenden Folgen wieder korrigieren. Wer dabei zu schnell oder übereilt zum Beispiel seine Selbstbeteiligung erhöht, der wird später Probleme haben diese wieder zu reduzieren. Eine Reduzierung der Selbstbeteiligung ist eine Leistungsverbesserung, welches in den meisten Fällen eine neue Gesundheitsprüfung nach sich zieht.

Nicht in eine Tarifstufe wechseln, welche heute nicht angepasst wird

Eine beliebte Empfehlung von überforderten Beratern ist oftmals ein schneller Wechsel in eine höhere Selbstbeteiligungsstufe. Dabei verringert sich der Beitrag sofort, oftmals wird jedoch nicht bedacht dass dieses weit reichende Folgen haben kann. Nicht nur, dass genau zu berücksichtigen ist wie viele Kosten denn nun (mehr) selbst getragen werden müssen, nein auch die folgenden Anpassungen spielen eine Rolle. so ist es in den allerwenigsten Fällen sinnvoll, heute in eine Tarifstufe zu wechseln die nicht angepasst war. Auch dieser Tarifstufe steht (dann vielleicht im nächsten Jahr) eine entsprechende Anpassung ins Haus.

Soll ich zu einer anderen Gesellschaft wechseln?

Diese Frage wird mir oftmals gleich nach der Beitragsanpassung gestellt. Auch hier ist eine seriöse Empfehlung und Beratung nicht möglich, ohne zumindest weitere Umstände zu kennen. Dazu spielt es eine entscheidende Rolle ob sie in der alten Tarifwelt oder schon in neuen Tarifen sind. Auch stellt sich die Frage wie alt sie sind, seit wann sie bei der bisherigen Gesellschaft und in den bisherigen Tarifen versichert sind und ob die Anforderungen an die Tarife noch denen entsprechen die es bei der Einführung der Tarife bzw. beim Abschluss waren. Leider erlebe ich nur zu oft, dass damals bei der Entscheidung für die private Krankenversicherung damit bei der Entscheidung für den Tarif die Gesellschaft keine wirkliche Beratung stattfand. Der Berater entschied welche Gesellschaft und Tarif die richtige ist, der Berater musste es ja wissen und die oder der Versicherte haben einfach geglaubt. Geglaubt ohne zu hinterfragen ob es Alternativen gibt, geglaubt ohne zu überlegen warum denn gerade diese Gesellschaft oder dieser Tarif empfohlen wurde.

Versteckte Probleme in den Gesundheitsangaben

Dazu kommt in verschiedenen Altverträgen das Problem, Gesundheitsangaben sind nicht korrekt und vollständig gemacht worden. Da schlummern also Pulverfässer in den Bestand, und in vielen Fällen kann der Versicherer zumindest in den nächsten Jahren problemlos die rote Karte in Form einer Anzeige Pflichtverletzung ziehen. Wenn dieses so ist und Gesundheitsangaben bei“ nicht, nicht vollständig gemacht worden sind, so ist auch dieses ein Problem welches gelöst werden muss.

Eine solche Lösung kann ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft sein, wenn diese aus anderen Gründen sowieso ansteht. Ein Wechsel der Gesellschaft ist kein Allheilmittel. In den meisten Fällen wird dieser mit einem erhöhten Beitrag einhergehen, Denn das Eintrittsalter hat sich gegenüber der ursprünglichen Tarifauswahl verändert. Weiterhin sind Tarife angepasst worden, haben sich Rahmenbedingungen geändert und auch hier führen diese Veränderungen meist zu einer höheren Prämie.

Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft

Der Wechsel des Tarifes innerhalb der eigenen Gesellschaft ist für viele Versicherte der letzte Strohhalm. So gibt es in der privaten Krankenversicherung natürlich genügend Versicherte, welche die Leistungen auch genutzt haben. Wer also in den letzten Jahren krank war und vielleicht zudem schon etwas älter ist, für den macht ein Wechsel der Gesellschaft in den meisten Fällen keinen Sinn. Für all diese hat der Gesetzgeber jedoch eine Möglichkeit geschaffen die Versicherungsbeiträge ohne Gesellschaftswechsel zu reduzieren. Der sogenannte Tarifwechsel, geregelt im Paragrafen 204 des Versicherungsvertragsgesetzes nicht einen Wechsel in einen gleichartigen Versicherungsschutz. Für diesen Wechsel darf der Versicherer keine Zuschläge erheben, und muss diesen auch nicht mehr gesunden Bestandskunden erlauben.

Leider ist es bei vielen Gesellschaften nach wie vor ein Problem, die entsprechenden Angebote zu bekommen. Auch wenn inzwischen Angebote zu dem Tarifwechsel verschickt werden, wer sagt dem Versicherten das hier der optimale Tarifwechsel angeboten wurde. Auch die Gegenüberstellung der Leistungen zwischen dem alten Versicherungsschutz und den neu angebotenen Tarif stellt für viele Versicherte ein großes Problem dar. Hier kann professionelle Hilfe unterstützend tätig sein und einen solchen Tarifwechsel erleichtern. Dazu gibt es eine Unmenge an seriösen, aber noch eine viel größere Anzahl unseriöser Anbieter. Hier werden horrende Honorare verlangt, hier werden Vollmachten gefordert welche jedwede Kontaktaufnahme durch den Versicherer bieten, hier werden Gespräche geführt die er aggressiven Verkauf in einer Beratung ähneln.

Einen solchen Tarifwechsel sollten Sie Profis überlassen. Bei unseren eigenen (Makler-) Kunden gehört auch eine solche Tarifwechselberatung zu dem eigenen Beratungsanspruch. Ich halte es für fatal vor Jahren eine private Krankenversicherung vermittelt zu haben und dann heute nicht mehr bei Fragen für einen Wechsel zur Verfügung zu stehen. Für Fremdkunden, also Kunden wo der Vertrag nicht durch uns vermittelt wurde, ist so eine Beratung sehr schwierig. Nicht nur dass wir weder die damaligen Grundlagen, noch die Gegebenheiten heute kennen, wenden Sie sich bei Fragen gerne an mich, ich kann Ihnen gegebenenfalls direkt oder mit einem Kontakt helfen.

Einige trifft es besonders hart, mal wieder

Fast genau vor einem Jahr habe ich über die gravierenden Beitragsanpassungen bei der AXA Krankenversicherung geschrieben.

Es gab Versicherte die im Jahr 2015 mit einer Anpassung von über 34 % zu kämpfen hatten. Einige haben sich dann entschieden dieses Risiko nicht weitertragen zu wollen und das Unternehmen verlassen. Andere wiederum waren der Meinung dass dieses wohl ein Ausreißer war und zukünftig dann Stabilität einkehren würde. Leider trat dieses für Versicherte im  Tarif Vital oder auch dem EcoRA nicht ein. Auch in diesem Jahr sind Versicherte von größeren Anpassungen betroffen. So sind auch zum 1.1.2017 Anpassungen von 20-30 % für bestimmte Altersgruppen möglich, und zwar auch in Tarifen die im letzten Jahr bereits angepasst worden.

Debeka mit 19 % Anpassung

Aber auch bei anderen Gesellschaften sind Anpassungen nötig. So erreichte mich vor einigen Tagen diese E-Mail von einem Leser:

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Es handelt sich hierbei um den Tarif für Angestellte, nicht Beamte, bei der Debeka. Hier kann ich die Entrüstung über 19 % Beitragsanpassung auf der einen Seite verstehen, bei genauerem Lesen relativiert sich dieses etwas. Es handelt sich hier um eine Anpassung von 70 €, diese sind für eine monatliche Erhöhung durchaus happig. Aber, und jetzt kommen die Einschränkungen:

Wir sprechen über eine Beitrag von 440 € (zuzüglich Pflege, Krankengeld usw.) aber wir sprechen auf der anderen Seite immer noch über einen Beitrag der etwas mehr als die Hälfte des Beitrages für die gesetzliche Krankenversicherung beträgt. Dazu besteht eine Absicherung in einem deutlich höheren Leistungsniveau. In meinem Beitrag zu der AXA Beitragserhöhung im letzten Jahr habe ich bereits eine Tabelle mit dem Vergleich zur gesetzlichen Krankenkasse veröffentlicht. (hier direkt die Tabelle aufrufen)

Nehmen wir diese als Grundlage, so sparte der Versicherte bisher (bei einem Beitrag von 370 €+ Krankengel+ Pflege gegenüber dem Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkasse (den er als Angestellter über der Grenze zahlen müsste) immerhin 250 € monatlich. O. k., die Ersparnis reduziert sich nun auf knapp 190 €. Dennoch gilt genau die Aussage, welche ich im letzten Jahr getroffen haben. Die Ersparnis gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse ist im Moment noch so groß, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen zusätzlich Vorsorge für das Alter zu treffen. Auch in den letzten Jahren (dieser Kunde ist ja schon seit acht Jahren in dem Tarif) gab es genügend Möglichkeiten Rücklagen zu bilden.

Dabei haben wir noch nicht berücksichtigt das für die Mehrleistungen seines Tarifes in der privaten Krankenversicherung Zusatzversicherungen notwendig wären. Auch hierfür wäre irgendetwas zwischen 50 und 100 € monatlicher Beitragsaufwand erforderlich.

RuV, Hanse Merkur, Continentale

und dabei könnte ich diese Liste unendlich weiterführen, haben natürlich ebenfalls mit Anpassungen ihrer Tarife zu kämpfen. Und natürlich fällt eine Anpassung in einen Tag mit sehr hohen Leistungen und vielleicht noch ohne Selbstbeteiligung in absoluten Beträgen höher aus, als eine prozentual gleichwertige Anpassung in einem Basisschutz. 10 % von 400 € sind eben nun mal weniger als 10 % von 700 €.

Jetzt muss man hinterfragen, wie weit eine solche Anpassung einmalig oder öfter vorkommt, ob der angepasste Beitrag noch im finanziellen Rahmen liegt und worauf gegebenenfalls verzichtet werden kann. Das kann eine Leistungseinschränkung sein (setzt aber dann natürlich voraus das zu viel Leistungen derzeit versichert sind), ein Tarifwechsel oder der Wechsel zu einer anderen (voraussichtlich beitragsstabileren) Gesellschaft.

Welche Schritte soll ich unternehmen?

Diese Frage kommt immer unmittelbar nach der Beitragsanpassung. Hier ist es wichtig zu wissen dass es keine pauschale Empfehlung gibt. Wichtig ist dass sie sich intensiv mit ihrem Versicherungsschutz auseinandersetzen. Überlegen Sie gut, ob die Leistungen die dort versichert sind so benötigt werden. Weiterhin schauen Sie sich die Beitragsentwicklung in der Vergangenheit an. Trauen Sie dem Versicherer zu, langfristig eine gewisse Art von moderater Beitragsentwicklung zu gewährleisten?

Diese Frage hat zwar auf der einen Seite was mit hellsehen zu tun, auf der anderen Seite ist diese durchaus berechtigt. Denn wenn sie kein Vertrauen in ihren Vertragspartner (den sie noch die nächsten Jahrzehnte haben werden) mehr haben, dann muss hier eine Entscheidung getroffen werden. Diese Entscheidung kann zu einem Tarifwechsel, einem Wechsel der Gesellschaft oder eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung führen. Alle diese Entscheidungen sind mit gravierenden Folgen verbunden.

Daher kann ich Ihnen nur raten, sich hier vertrauensvoll an einen Berater ihrer Wahl zu wenden und sich mit einer Entscheidung Zeit zu lassen. Ein Wechsel und ein schneller Antrag bei einer neuen Gesellschaft und dort am besten noch mit allen Gesundheitsfragen mit Nein beantwortet, wird sie zu viel größeren Problemen führen die Beitragsanpassung jemals gehabt hätte.

Bei weiteren Fragen nutzen Sie gern das Kontaktformular oben rechts, den Live Chat unten links oder das Anfrageformular unter dem Menüpunkt private Krankenversicherung. Für alle Entscheidungen gilt:

Überlegen Sie gut was sie tun, schnelle Entscheidungen sind fast nie hilfreich!