Archiv für die Kategorie ‘Krankenversicherung’

08.
Dezember '17

Rabatte und Steuerersparnis durch Vorauszahlungen in der privaten Krankenversicherung (PKV) – das müssen Sie wissen


Ich hätte diesen Artikel auch mit einer Schlagzeile beginnen können. „40% Rabatt in der Privaten Krankenversicherung“ oder so ähnlich. Denn Vorteile in solchen Größenordnungen lassen sich durch eine gezielte Planung und eine geschickte Vorauszahlung der Beiträge in der privaten Krankenversicherung sparen. Voraussetzungen dazu und weitere Informationen wie Sie auch für Ihren Vertrag an einen solchen Vorteil kommen, diese habe ich Ihnen hier einmal zusammengestellt. Eigentlich war es eine Information für die von mir betreuten Kunden, aber gern stelle ich diese nun auch als Blogbeitrag hier ein. Neben der steuerfreien Erstattung Ihrer Selbstbeteiligung haben Sie nun noch eine Möglichkeit der Optimierung.

Wer bekommt einen Nachlass?

In der Privaten Krankenversicherung teilt sich der Beitrag zumindest bei einigen in einen Arbeitgeber- und einen Arbeitnehmeranteil auf. Wobei das nur umgangssprachlich richtig ist, denn zunächst zahlt der Arbeitnehmer seinen Beitrag in der PKV und bekommt dann einen Zuschuss. Die Regelungen hierzu finden sich im § 257 des Sozialgesetzbuches V. Die Zahlen und Fakten für den Arbeitgeberzuschuss 2018 habe ich Ihnen bereits in dem Beitrag zu den Sozialversicherungswerten 2018 bekanntgegeben.

Nun leben wir heute in einer Niedrigzinsphase. Das hat auch zur Folge, dass Sie große Zinsen für eine Geldanlage nicht bekommen und die Zinsen für Tagesgeld oder sicherer Anlagen im Keller sind. Heute kann mancher Bankkunde froh sein, keine Strafzinsen an seine Bank zahlen zu müssen, dafür dass diese auf sein Geld aufpasst.

In der privaten Krankenversicherung gewähren die Versicherer aber teilweise einen Nachlass auf die Beitragszahlung und den immer dann, wenn ich meinen Beitrag nicht in monatlichen Raten „abstottere“, sondern diese als einen Jahresbeitrag im Voraus überweise. Klar gibt es auch Unternehmen, wie zum Beispiel die Landeskrankenhilfe, die sagen „Ätsch, Pech gehabt, Rabatt ist nicht.“. Viele andere Unternehmen sind aber derzeit noch recht großzügig und gewähren hier einen Nachlass zwischen 3 und 4 % auf den Jahresbeitrag.

Betrachten wir die private Krankenversicherung eines Arbeitnehmers, so zahlt dieser schnell 700 € * 12 Monate, also 8.400 € Beitrag in seiner Privaten Krankenversicherung, bekommt hierbei vom Arbeitgeber 323 € erstattet, also auch hier 3.876 € pro Jahr. Blieben in unserem Rechenbeispiel 4.524 € jährlich übrig.

Zahlt unser Kunde nun den Beitrag einmal im Jahr im Voraus, so gewährt der Versicherer hier 4% Nachlass, er muss also nur 8.064 € überweisen, glatte 336 € weniger immerhin. Klar, 4% sind keine Reichtümer, schauen wir aber mal die gesamte Belastung an.

bisher: 8.400 € Gesamt, Arbeitnehmer 4.524 € 

zukünftig: 8.064 € Gesamtbeitrag, 4.188 €, gespart also 336 €

Bezogen auf seinen AN Anteil sind es dann schon nicht mehr „nur“ 4%, sondern in unserem Beispiel schnell mal 7,42%, in manchen Fällen sogar acht Prozent, wenn der KV Beitrag niedriger ist und der AG sich noch mit 50% beteiligt.

Gibt es steuerliche Auswirkungen des Nachlasses?

Eines sei, auch der Fairness und Vollständigkeit halber noch erwähnt. Der weniger gezahlte Beitrag ist natürlich auch steuerlich nicht mehr als Aufwand gelten zu machen. Das sollte zumindest klar sein, denn so sinkt der Aufwand zur Krankenversicherung hier um diese 336 €, denn es geht am Ende immer um den Betrag, der auch gezahlt wurde. Doch steuerlich kommen wir hier noch zu einer ganz anderen und deutlich interessanteren Konstellation.

Woher resultiert die Steuerersparnis?

Bereits seit 2010 sind die Beträge für die Basiskranken- und Pflegeversicherung in unbegrenzter Höhe als Vorsorgeaufwendungen abziehbar. Das ist nicht neu und haben Sie auch hier im Blog einige Mal gelesen und viele meiner Kunden nutzen diese Möglichkeit seither. Interessant ist aber zudem eine Formulierung in dem § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG), welcher regelt, dass Beiträge für künftige Jahre im Zahlungsjahr abziehbar sind, soweit sie das 2,5-fache der für das Zahlungsjahr gezahlten Beiträge nicht übersteigen.

Wer also seinen Beitrag für das Folgejahr oder eben maximal 2,5 Jahre im Voraus zahlen möchte, der bekommt diese Beträge in Höhe der Basisabsicherung noch in diesem Jahr steuerlich als Aufwand in seine Steuererklärung. Das kann sich, je nach Einkommenssituation schon massiv auswirken und zu einer geringeren Steuerbelastung führen.

Nun wird Macheiner anmerken: „Was soll das denn, dann habe ich in dem/den nächsten Jahr(en) ja nix mehr zum Absetzen und zahle dann mehr Steuern.“ Das mag auf den ersten Blick so erscheinen, auf den zweiten Blick aber nicht mehr ganz. Denn: Beiträge für andere Versicherungen unterliegen in der steuerlichen Anrechnung den Höchstbeiträgen.

Bei Personen die steuerlich einen AG Zuschuss bekommen, stehen hier 1.900 € pro Jahr für „sonstige Versicherungen“ zur Verfügung, wer selbstständig oder freiberuflich tätig ist, hat hier gar 2.800 € jedes Jahr neu zur Verfügung. In der Praxis sind diese Höchstbeträge aber nun nicht mehr absetzbar, denn die Krankenversicherung verbraucht normalerweise schon die Höchstbeiträge auf, denn 1.900 € sind schnell erreicht, auch 2.800 € sind hier kein so großes Problem, berücksichtigen wir hier einmal die Tatsache, es sind nur 233 € monatlich.

Wer also seine Krankenversicherung jeden Monat und das Jahr für Jahr überweisen möchte, der kann das tun, sollte sich aber damit abfinden, dass für andere Versicherungen keine steuerliche Berücksichtigung mehr vorhanden ist. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung als private Vorsorge und eine der wichtigsten Absicherungen (mehr auch hier zum Thema Berufsunfähigkeit) geht also steuerlich leer aus.

Ist aber nun die Krankenversicherung schon im (Vorjahr) bezahlt, so kann zum Beispiel eine Absicherung der eigenen Arbeitskraft gegen Berufsunfähigkeit noch angerechnet werden. Hier stehen also dann noch 1.900 € bei Arbeitnehmern oder gar 2.800 € bei allen anderen zur Verfügung. Die folgende Tabelle soll etwas mehr Licht in den Zahlendschungel bringen.

Durch die Vorauszahlung in der mittleren Spalte, also bei einer Vorauszahlungsdauer von 2,5 Jahren, beträgt der Beitrag im Jahr 2018 und 2019 NULL, im Jahr 2020 hingegen wieder 2.400 €. Diese kommen zustande, weil im Jahr 2020 nur noch 1/2 Jahr vorausgezahlt worden ist und damit 6 Monate der Basisabsicherung (also 6* 400 €) wieder steuerlich angerechnet werden. Bei einem Angestellten ergibt sich somit hier kein weiterer Vorteil.

Wäre es aber ein Freiberufler (bitte dann oben in die Tabelle bei AG Zuschuss „0“ statt „1“ eingeben, so ändert sich der max. Betrag auf 2.800 €, also blieben auch hier in 2020 noch 400 € anrechenbar für die Berufsunfähigkeitsversicherung. (berechnet mit 2.800 € max. Betrag abzüglich 6*400 € Basis-KV = 400 €). Der Betrag ist dann höher, weil der- oder diejenige welche den AG Zuschuss nicht bekommt, auch mehr Geld allein anwenden muss.

In unserem Beispiel ist es aber ein Arbeitnehmer (keine Sorge, Sie können es gleich selbst für sich ausprobieren). Die Ersparnis beträgt in unserem Beispiel also:

bei 2,5 Jahren Vorauszahlung:

1.330 € Lohnsteuer, 73,15 € Soli und 840 € Nachlass in der PKV, also 2.243,15 €

bezogen auf den reinen eigenen PKV Anteil sind das 21,42% Nachlass

Selbst bei der Vorauszahlung für nur ein Jahr bleiben hier immer noch 1.037 € Ersparnis übrig, auch hier knapp 22% gespart. (ACHTUNG: Immer siehe „Nachteile“ unten im Beitrag.)

Gilt die Vorauszahlung auch für die Beiträge der Kinder?

Auch die Kinder können hier berücksichtigt werden. In dem entsprechenden Paragraphen des Einkommensteuergesetzes heißt es zudem unter dem Satz 2:

2 Als eigene Beiträge des Steuerpflichtigen werden auch die vom Steuerpflichtigen im Rahmen der Unterhaltsverpflichtung getragenen eigenen Beiträge im Sinne des Buchstaben a oder des Buchstaben b eines Kindes behandelt, für das ein Anspruch auf einen Freibetrag nach § 32 Absatz 6 oder auf Kindergeld besteht.

Somit können auch die Beträge der Kinder hier steuerlich berücksichtigt werden, auch hier gibt es natürlich den oben erwähnten Nachlass der PKV, wenn eine entsprechende Vorauszahlung geleistet wird.

Was passiert bei einer (späteren) Beitragsanpassung?

Durch eine Beitragsanpassung in der privaten Krankenversicherung in einem der kommenden Jahre kann es passieren, dass der bereits bezahlte Betrag nicht ganz ausreicht um die Vorauszahlung für genau 2,5 Jahre zu gewährleisten. Dann wird Ihnen der Versicherer eine Nachtragsrechnung schicken und damit auch den Nachlass entsprechend korrigieren. Mehr Beitrag + gleicher prozentualer Nachlass = mehr Euro beim Nachlass. Klar, oder?

Was, wenn ich meinen Versicherungsschutz kündige/ kündigen muss?

Nun könnte es ja passieren, dass Sie in den kommenden Jahren arbeitslos werden, eine neue Tätigkeit unter der Grenze haben, den Versicherer wechseln möchten oder sonst etwas für eine Kündigung der PKV spricht. Dann ist das Geld natürlich nicht verloren. Der Versicherer berechnet den Anspruch neu, zeiht den Beitrag für die verbrauchten Monate ab und erstattet Ihr rechtliches Guthaben einfach wieder zurück. Nur weil ich etwas vorauszahle steht dem Versicherer nicht ein Cent mehr zu, warum auch.

Es geht hier final auch nur um eine Vorfinanzierung von später fälligen Beiträgen, nicht mehr.

Brauche ich andere Versicherungen um die Steuer zu sparen?

Ja. Denn haben Sie außer der Krankenversicherung gar keinen anderen Schutz, also keine Haftpflicht, nichts für das Auto, keine Lebensversicherungen, keinen Schutz gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit, dann ist auch nichts mehr da, was in den nun „leeren“ Folgejahren die Beiträge auffüllen kann und damit den steuerlichen Vorteil generieren. Es geht um eine erhöhte Anrechenbarkeit von Vorsorgeaufwendungen. Sind diese aber nicht da, weil kein Vertrag existiert, dann ist auch nichts mehr da was die Steuer in dem Jahr 2018/19/20 mindern kann und die Steuerersparnis fällt weg.

Haben Sie aber beispielsweise einen Schutz bei Berufsunfähigkeit, dann schauen Sie sich hier die Beiträge an. Oft erreichen diese bei Angestellten mit angemessenen BU Renten auch die Prämienhöhe der 1.900 € pro Jahr, oder es existieren andere Versicherungsverträge parallel.

Wie kann ich die Auswirkungen bei meinem Vertrag berechnen?

Sie haben bis hierhin durchgehalten? Herzlichen Glückwunsch. Als kleine Belohnung stelle ich Ihnen nun die Tabelle, welche Sie oben schon als Screenshot gesehen haben, zur Verfügung. Hier finden Sie einige wenige Felder welche Sie ausfüllen müssen. Folgende Informationen besorgen Sie sich bitte schon einmal:

  • – Beitrag zur Krankenversicherung
  • – Beitrag zur Basisabsicherung (finden Sie auf der Bescheinigung des Versicherers)
  • – Ihren persönlichen Nachlass bei Ihrer PKV (einfach nachfragen)
  • – Ihren Steuersatz
  • – Arbeitnehmer oder Selbstständiger?

Diese fünf Daten tragen Sie dann in die Tabelle ein und am Ende lesen Sie unten den Betrag ab, welcher Ihre persönliche Ersparnis ist. Dabei werden der Nachlass der PKV, die Lohnsteuer und die daraus resultierende Ersparnis bei dem Solidaritätszuschlag separat ausgewiesen.

PKV Vorauszahlung Steuerbetrachtung – HIER ALS EXCEL DATEI LADEN

Wo liegen die Nachteile?

Wie alles gibt es auch hier nicht nur Vorteile. Wer die Steuerersparnis und den Nachlass der PKV möchte, der braucht Kapital. Das Zauberwort bei den Nachteilen heisst also hier LIQUIDITÄT. Sie geben einen Teil Ihres Vermögens her und bezahlen den im Voraus an die PKV.

Wer also 20 oder mehr Prozent mit einer anderen Kapitalanlage erzielt, für den ist das nichts und der sollte das Geld lieber da verwenden. Wer aber das Kapital hat und dieses sinnvoll einsetzen möchte, der kann mit der Vorauszahlung (der gesamten PKV, Sie zahlen auch den AG Anteil mit) einiges an Geld sparen.

Wie kann ich meine Vorteile nun nutzen?

Zunächst einmal können Sie überschlägig selbst ermitteln, welche Liquidität hierzu erforderlich ist. Ist diese vorhanden und können Sie diese auch kurzfristig an den Versicherer überweisen, so gehen Sie am besten wie folgt vor.

Sprechen Sie Ihren Versicherer oder Berater auf die Vorauszahlung an und teilen Sie ihm mit, welche Jahre Sie vorauszahlen möchten.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte bei meinem Vertrag zur privaten Krankenversicherung mit der Versicherungsnummer: ________ die Vorauszahlung nutzen. Bitte teilen Sie mir mit, in welchem Umfang dieses bei Ihnen möglich ist und beantworten die folgenden Fragen:

  • 1.) Wie hoch ist der Nachlass bei jährlicher Zahlweise?
  • 2.) Für welchen Zeitraum ist eine Vorauszahlung der Beiträge zur PKV und Pflege maximal in meinem Vertrag möglich?
  • 3.) Bitte nennen Sie mir die Vorauszahlungsbeträge für die  a.) Vorauszahlung für ein Jahr und  b.) maximal mögliche Vorauszahlung.
  • 4.) Bis zu welchem Termin muss der Betrag bei Ihnen eingehen?
  • 5.) Bitte nennen Sie mir eine Bankverbindung oder teilen Sie mir mit, wie ich eine geänderte Lastschrift bei Ihnen beauftragen kann.

Für Ihre Mühe vielen Dank!

Die Antwort können Sie mir, aufgrund der knappen Frist bis zum Jahresende, auch gern per E-Mail an: _______ zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

XXX“

Nachdem Sie die Antworten und Beträge erhalten haben, weisen Sie den Betrag entsprechend an und lehnen sich zurück. Viel Erfolg!

(PS: Wer solche Vorauszahlung schon nutzt, posten Sie gern die gewährten Rabatte und maximalen Vorauszahlungen hier unter dem Beitrag als Kommentar, so sammeln wir diese mal branchenweit)

Diese Modellrechnung soll die steuerlichen Auswirkungen und die finanziellen Ersparnisse bei einer Vorauszahhlung der Beiträge zur privaten Krankenversicherung verdeutlichen, ersetzt aber in keinem Fall eine Steuerberatung. Hierzu konsultieren Sie bitte dazu befuge Personen wie Steuerberater, Rechtsanwälte oder Lohnsteuerhilfevereine. Auch bei geänderten Voraussetzungen (verheiratete Versicherungsnehmer und Ehepartner in der GKV) ergeben sich ggf. weitere Besonderheiten, die zu beachten sind!)

05.
Dezember '17

Die DKV schenkt ihren BestMed Kunden Geld – warum nur?


Geld bekommen wir ja alle gern, besonders dann wenn es keine Gegenleistung erfordert? Oder? Nun, so dürfte es einigen Kunden der DKV derzeit gehen, denn diese schreibt aktuell erfreuliche Briefe. Dummerweise ist es nicht so richtig gut erklärt und wirft daher mehr Fragen auf, als es Antworten liefert.

Ich habe also das Thema einmal aufgegriffen, dazu einen befragt der sich in dem Hause der DKV Krankenversicherung sehr gut auskennt und zudem einmal versucht einige (Kunden-)Fragen zu beantworten und einen „Hinweis zu geben“, was hier genau zu bedenken ist und erkläre Ihnen auch, warum dieses Schreiben auf Ihren Schreibtisch und nicht in den Papierkorb gehört.

Wer bekommt nun Geld von der DKV – Deutsche Krankenversicherung?

Betroffen sind Kunden in den so genannten BestMed Tarifen, also den Tarifen die es bei Einführung sowohl in der DKV selbst, aber auch in der heute übernommenen Victoria Krankenversicherung hab. Die Tarife existierten parallel und wer sich damals versichern wollte, der konnte das dann entweder bei der DKV und bekam dann eine grüne Versichertenkarte, oder bei der Victoria mit einem blauen Logo tun. Die Leitungen in den Tarifen waren vollkommen identisch, dann sollten es doch auch die Prämien sein, oder?

Genau das waren diese eben nicht, denn die Tarife der Victoria waren billiger. Blöd nur, dass die Kunden davon nichts wussten und glaubten sie haben den passenden und richtigen Versicherungsschutz. Auch in den letzten Jahren ahnte niemand, dass er hier wohl monatlich zu viel bezahlt.

Daher habe ich mal etwas recherchiert und Hr. Thorulf Müller vom Expertennetzwerk24 dazu einige Fragen gestellt.

Fragen an PKV-Sachverständigen Hr. Thorulf Müller zu den DKV Tarifen

Herr Müller, die DKV verschickt derzeit ein Schreiben an die Bestandskunden im Tarif BestMed. Hierin entschuldigt man sich sogar, man hätte den Kunden zu viel Beiträge abgenommen, da es die Tarife in der BestMed Variante bei der Victoria (heute DKV) und auch der DKV gab. Die Kunden haben hier aber unterschiedliche Prämien gezahlt. Können Sie etwas Licht ins Dunkel bringen und das erklären?

Die Tarife der Victoria sind gezillmert kalkuliert, die DKV nicht. Nur aus diesem Unterscheid heraus waren sie bei Markteinführung nicht beitragsidentisch, sondern die der Victoria preiswerter. Es sind und waren daher aber eben auch immer zwei Kollektive, also anders als sich das bei der BBKK/UKV verhält. Das Problem an zwei getrennten Kollektiven ist, dass sich der Beitrag ab Einführung naturgemäß unterschiedlich entwickelt.

Dann gab es Versicherungsberater, die das wussten, genutzt und entsprechend Druck aufgebaut haben. Bis zum 08.11.2017 war die offizielle Sichtweise der DKV zu Tarifwechseln nämlich Folgende:

wie Sie wissen, sind die BestMed-Tarife ein Gemeinschaftsprodukt der Victoria und der Deutschen Krankenversicherung. Nach der Verschmelzung von DKV und Victoria waren folgende Varianten für das Neugeschäft geöffnet.
– BestMed 1 – Victoria
– BestMed 2 – Victoria
– BestMed 3 – DKV
– BestMed 4 – DKV
– BestMed 5 – DKV

Versicherte, die erst nach der Verschmelzung bei der DKV versichert sind, können nur diese Tarifvarianten führen. Anders verhält es sich für Versicherte, die vor der Verschmelzung bereits bei der DKV oder der Victoria versichert waren. Diese hätten vor der Verschmelzung auch das Recht gehabt, in die jeweiligen und inzwischen geschlossenen Varianten zu wechseln. Das bedeutet:

Wechseloffene Varianten für ursprünglich DKV-Versicherte:
– BestMed 1 – Victoria und DKV
– BestMed 2 – Victoria und DKV
– BestMed 3 – DKV
– BestMed 4 – DKV
– BestMed 5 – DKV

Wechseloffene Varianten für ursprünglich Victoria-Versicherte:
– BestMed 1 – Victoria
– BestMed 2 – Victoria
– BestMed 3 – DKV und Victoria
– BestMed 4 – DKV und Victoria
– BestMed 5 – DKV und Victoria

Eine Besonderheit gibt es dabei noch für Kunden der Victoria-Versicherung, die seit der Verschmelzung über einen Gruppenversicherungsvertrag Zugangsrecht zu den DKV-Varianten für BM1 und BM2 hatten.

Nach unseren Verständnis verstößt diese Regelung nicht gegen § 204 VVG. Denn wenn die Zugangsvoraussetzungen für einen Tarif zu keinem Zeitpunkt vorlagen, kann auch ein Wechsel nicht beantragt werden. Dies unterscheidet die BestMed-Tarife etwa von Tarifen der Zürich, die wir seit der Verschmelzung DKV-Kunden anbieten.

Dem Kunden wird die angeboten entweder in den günstigeren Tarif zu wechseln und die Rückzahlung zu nehmen, oder aber nicht zu wechseln und nur das Geld zu nehmen. Wie sehen Sie die beiden Tarife mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der Beiträge im Vergleich?

Die meisten Kunden werden die Variante „UND“ nehmen. Damit wechseln Beitrag und Schaden das Kollektiv. Die Frage ist immer, wie sich der Tarif entmischt, aus dem heraus gewechselt wird und in den gewechselt wird. Wechseln nur gute Risiken, dann stabilisiert sich der, in den gewechselt wird, und der andere explodiert! Wechseln nur schlechte Risiken, ist es andersherum! Wechseln alle Risiken bunt gemischt, dann wird es in etwa so bleiben, wie es ist.

Das Ziel der DKV ist es aber eben einen der beiden Paralleltarife komplett zu entleeren!

Aus welchem Topf nimmt die DKV Ihrer Meinung nach das Geld und fehlt dieses dann anderen Versicherten?

Das darf nur aus freien Überschüssen und Eigenkapital kommen. Die Finanzierung aus der e.a. RfB wäre ja nur zulässig, wenn der Treuhänder das genehmigt und dazu wäre meines Erachtens eine Zwangsüberführung (Zwangsverschmelzung) aller Versicherten angezeigt!

Vielen Dank Hr. Müller für die Beantwortung der Fragen.

Warum verschenkt die DKV Geld an Kunden?

Nun, freiwillig passieren solche Sachen eher nicht, sondern aus „Druck“ von außen. Versicherungsberater, Anwälte, Treuhändler, all die können Ursachen dafür sein, dass sich ein Versicherer hier bewegt. Um das Ganze etwas besser aussehen zu lassen, schreibt die DKV dazu dann auch recht umfangreiche Briefe. Hier heißt es:

Wie viel Geld bekomme ich nun?

Auch das ist unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abgängig. Bei der Berechnung der Rückzahlung spielen folgende Fragen eine Rolle:

  • – Wie lange sind Sie dort versichert?

  • – Welchen Beitrag haben Sie gezahlt und welchen hätten Sie bei der Victoria gezahlt?

(mehr …)

29.
November '17

Mehr Geld vom Arbeitgeber – wie der AG die Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung steuerfrei erstatten kann


… und warum dieses eine gute Idee sein kann, lesen Sie in diesem Beitrag. Bereits im Jahr 2009 habe ich hierzu einen Beitrag veröffentlicht und es häufen sich die Anfragen vor dem Hintergrund „ist das denn noch aktuell“ und wo steht das, wie geht das, was kann/ muss ich meinem Arbeitgeber schicken und sagen. Da das Jahresende nun wieder naht und Macheiner sich nun Gedanken zu dem Einreichen der Rechnungen in der Privaten Krankenversicherung macht, hier einige Hinweise und die Beantwortung der mistgestellten Fragen. In diesem Beitrag finden Sie insbesondere Informationen und Antworten zu den folgenden Fragen:

1.) Was ist die Selbstbeteiligung?

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

5.) Wie wirkt sich die steuerfreie Erstattung aus?

1.) Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung

Eine Selbstbeteiligung ist ein Eigenanteil in der privaten Krankenversicherung, welcher auf einen absoluten oder prozentualen Betrag festgelegt ist. Der Gesetzgeber hat zudem den maximalen Betrag einer möglichen Selbstbeteiligung in jedweden Tarifen der PKV (nach 2012) auf einen Maximalbetrag von 5.000 € gedeckelt.

Mehr dazu im Beitrag: „Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung

Diese Selbstbeteiligung muss der Arbeitnehmer aber allein zahlen. Der Arbeitgeber hat zwar die Verpflichtung (gem. § 257 SGB V) einen Arbeitgeberzuschuss zu zahlen und damit die Hätte des Beitrages zu erstatten. Die Höchstbeiträge für diesen Zuschuss ändern sich, welche Werte in 2018 gelten finden Sie im Beitrag zu dem

Arbeitgeberzuschuss und den Sozialversicherungswerten 2018

Wer aber nun den Arbeitgeber noch etwas mehr beteiligen möchte, der kann eine andere Möglichkeit nutzen. Die Erstattung der Selbstbeteiligung.

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

Ja, kann er, wenn er denn will. Eine Verpflichtung zur Erstattung der Selbstbeteiligung gibt es nicht, aber manchmal ist es bei den Gehaltsverhandlungen durchaus ein Argument sich hier eine weitere „Leistung“ vom Arbeitgeber zu holen. ABER ACHTUNG, es geht nicht pauschal und ist an Voraussetzungen gebunden. Bei der Erstattung sind einige Voraussetzungen zu beachten.

a.) es darf nur die tatsächlich in Anspruch genommene Leistung erstattet werden, also eine SB muss verbraucht sein (nur eine im Vertrag zu haben, reicht nicht aus)

b.) Rechnungen müssen wirklich eingereicht sein, der Versicherer bestätigt dann den „Verbrauch“ der Selbstbescheinigung. Dabei kann dieses erst rückwirkend erfolgen. Sie können als so genannte Bescheinigung aber auch die Leistungsabrechnung verwenden, welche Ihnen den Abzug der SB ausweist. Zum Beispiel so:

c.) Der Versicherer muss also bestätigen, die SB wurde verbraucht und wir hätten den Betrag erstattet, wäre da nicht die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung gewesen.

d.) Der maximale, steuerfrei zu erstattende Betrag (rückwirkend) ist auf einen Höchstbetrag von 600 € pro Jahr begrenzt. Es kann also im Januar erfüllt sein, oder auch erst im Dezember. Grundlage finden Sie unten unter Punkt 3.)

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

Regelungen finden sich hier im SGB V (für den AG Zuschuss) und in den so genannten Lohnsteuerrichtlinien 2015 (gelten aktuell noch) und haben hiermit so eine Bildung für die Finanzämter. Das bedeutet nicht, dass nicht ein Sachbearbeiter es dennoch erstmal ablehnen kann, dieses sollte dann ggf. mit Hilfe der steuerberatenden Berufe weiter verfolgt werden.

R 3.11 LStR 2015 – Beihilfen und Unterstützungen, die wegen Hilfsbedürftigkeit gewährt werden (§ 3 Nr. 11 EStG)

Beihilfen und Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln

(1) Steuerfrei sind

(2) Unterstützungen, die von privaten Arbeitgebern an einzelne Arbeitnehmer gezahlt werden, sind steuerfrei, wenn die Unterstützungen dem Anlass nach gerechtfertigt sind, z. B. in Krankheits- und Unglücksfällen.

Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Unterstützungen

1. aus einer mit eigenen Mitteln des Arbeitgebers geschaffenen, aber von ihm unabhängigen und mit ausreichender Selbständigkeit ausgestatteten Einrichtung gewährt werden. Das gilt nicht nur für bürgerlich-rechtlich selbständige Unterstützungskassen, sondern auch für steuerlich selbständige Unterstützungskassen ohne bürgerlich-rechtliche Rechtspersönlichkeit, auf deren Verwaltung der Arbeitgeber keinen maßgebenden Einfluss hat;
2. aus Beträgen gezahlt werden, die der Arbeitgeber dem Betriebsrat oder sonstigen Vertretern der Arbeitnehmer zu dem Zweck überweist, aus diesen Beträgen Unterstützungen an die Arbeitnehmer ohne maßgebenden Einfluss des Arbeitgebers zu gewähren;
3. vom Arbeitgeber selbst erst nach Anhörung des Betriebsrats oder sonstiger Vertreter der Arbeitnehmer gewährt oder nach einheitlichen Grundsätzen bewilligt werden, denen der Betriebsrat oder sonstige Vertreter der Arbeitnehmer zugestimmt haben.

Die Voraussetzungen des Satzes 2 Nr. 1 bis 3 brauchen nicht vorzuliegen, wenn der Betrieb weniger als fünf Arbeitnehmer beschäftigt.

Die Unterstützungen sind bis zu einem Betrag von 600 Euro je Kalenderjahr steuerfrei.

Der 600 Euro übersteigende Betrag gehört nur dann nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn er aus Anlass eines besonderen Notfalls gewährt wird.

Bei der Beurteilung, ob ein solcher Notfall vorliegt, sind auch die Einkommensverhältnisse und der Familienstand des Arbeitnehmers zu berücksichtigen; drohende oder bereits eingetretene Arbeitslosigkeit begründet für sich keinen besonderen Notfall im Sinne dieser Vorschrift.

Steuerfrei sind auch Leistungen des Arbeitgebers zur Aufrechterhaltung und Erfüllung eines Beihilfeanspruchs nach beamtenrechtlichen Vorschriften sowie zum Ausgleich von Beihilfeaufwendungen früherer Arbeitgeber im Falle der Beurlaubung oder Gestellung von Arbeitnehmern oder des Übergangs des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses auf den privaten Arbeitgeber, wenn Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V besteht.

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

Zunächst einmal müssen Sie nachweisen, dass diese Selbstbeteiligung auch angefallen ist, wie eben bereits geschrieben. Dazu kann die oben genannte Bescheinigung einer Leistungsauszahlung genutzt werden, wenn diese klar ausweist wie hoch der Betrag für die jährliche Selbstbeteiligung ist UND das diese auch genutzt wurde.

Alternativ kann die private Krankenversicherung auch bestätigen, dass die Selbstbeteiligung auch „verbraucht wurde“.

Dazu muss der Arbeitgeber natürlich wollen. Dann ist diese Bescheinigung bei dem Arbeitgeber oder dem zuständigen Lohnbüro einzu (mehr …)

24.
November '17

Beitragserhöhung in der PKV und Vorsicht vor den Neppern, Schleppern, Bauernfängern!


Wir schreiben die letzten Monate des Jahres. Wie immer im November und Dezember sind die Briefe der Krankenversicherung unterwegs und führen eben nicht immer zu großer Freude. Zum einen werden die Beitragsrückerstattungen für das nächste Jahr angekündigt, zum anderen aber auch die Beitragsanpassungen der eigenen Tarife. Klar möchte man ungern mehr zahlen, mehr für einen identischen Versicherungsschutz?

Warum werden Beiträge angepasst?

Die gesetzliche Krankenkasse hat zwei Stellschrauben im Wesentlichen. Die eine ist die dabei der Zusatzbeitrag. Dieser wird erhöht oder gesenkt und betrifft (zusammen mit dem Beitragssatz der GKV) dann alle Versicherten. Die zweite Schraube die den Beitrag in der GKV beeinflusst ist das Einkommen, nämlich die so genannte Beitragsbemessungsgrenze. Diese bestimmt bis zu welchem Einkommen Beiträge zu entrichten sind und diese Größe ändert sich auch in 2018 wieder und steigt.

In der Privaten Krankenversicherung ist es jedoch anders. Wie bereits vor langer Zeit unter dem Punkt Beitragsanpassung hier auf der Seite geschrieben, gibt es hier andere Größen, welche die Prämie beeinflussen. Gründe für eine notwenige Beitragsanpassung sind in der PKV damit:

  • – neue Sterbetafeln, also die Frage „Wie lange lebt ein Versicherter?“ und „wie lange kostet er somit Geld?“
  • – gestiegene Kosten für Medikamente, Arzthonorare, Hilfsmittel etc.
  • – geringere Einnahmen aufgrund niedrigerer Zinsen

Alle diese (und noch einige andere mehr) Faktoren beeinflussen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung und führen, wie bei Ihnen vermutlich auch, jetzt zu einer Beitragsanpassung.

Warum ist die Anpassung so hoch (wie sie jetzt ist)?

Diese Frage wird immer einmal wieder gestellt. Getreu dem Motto… warum passt der Versicherer nicht einfach jedes Jahr einige Prozent an, warum wartet er dann so lange, bis hier plötzlich Anpassungen im zweistelligen Prozentbereich zu erwarten sind und erst dann schreibt er mir?

Der „böse auslösende Faktor“

Eine private Krankenversicherung darf nicht einfach anpassen, wenn es ihr gerade passt oder man der Meinung ist es zu tun. Dazu gibt es klare und eindeutige Regelungen in den Versicherungsbedingungen, diese Regeln wann und wie angepasst wird.

In den meisten Versicherungsbedingungen sieht das in etwa so aus:

Im Rahmen der vertraglichen Leistungszusage können sich die Leistungen des Versicherers z.B. wegen steigender Heilbehandlungskosten, einer häufigeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen oder aufgrund steigender Lebenserwartung ändern. Dementsprechend vergleicht der Versicherer zumindest jährlich für jeden Tarif die erforderlichen mit den in den technischen Berechnungsgrundlagen kalkulierten Versicherungsleistungen und Sterbewahrscheinlichkeiten.

Nun hat er verglichen und vielleicht gemerkt: „Mensch, die Leute leben länger und kosten daher auch in den letzten Lebensjahren länger und viel mehr Geld“. Doch darf er dann gleich die Beiträge erhöhen?

Ergibt diese Gegenüberstellung für eine Beobachtungseinheit eines Tarifs eine Abweichung von mehr als dem gesetzlich oder tariflich festgelegten Vomhundertsatz, werden alle Beiträge dieser Beobachtungseinheit vom Versicherer überprüft und, soweit erforderlich, mit Zustimmung des Treuhänders angepasst. Unter den gleichen Voraussetzungen kann auch eine betragsmäßig festgelegte Selbstbeteiligung angepasst und ein vereinbarter Risikozuschlag entsprechend geändert werden.

Da steht etwas vom „Vomhundertsatz“. Wieviel muss denn nun Unterschied sein und ist das bei allen Unternehmen gleich?

Nein. Denn dieser „Vomhundertsatz“, der so genannte auslösende Faktor sorgt dafür, dass eben nicht bei einer Abweichung von einem Prozent angepasst werden kann. Die Anpassung kann erst immer dann erfolgen, wenn der Unterschied zwischen kalkulierten Kosten und angenommenen Sterbewahrscheinlichkeiten und der Realität sich um mehr als zehn oder bei einigen Unternehmen fünf Prozent unterscheiden.

eine Veränderung von mehr als 5% der in den technischen Berechnungsgrundlagen kalkulierten Versicherungsleistungen, so werden alle Tarifbeiträge dieser Beobachtungseinheit vom Versicherer überprüft und, soweit erforderlich, mit Zustimmung des Treuhänders angepasst.

„Aber ich möchte bitte lieber kleinere Anpassungen und die dann öfter.“

schrieb mir ein Kunde gestern. Nun, das mag durchaus sein, aber die Regelungen vom Gesetzgeber und die Anpassungsklauseln in den Versicherungsbedingungen regeln etwas anderes. Schauen wir uns also mal ein Beispiel an, welches erklärt warum und wie eine hohe Anpassung zu Stande kommt. Einen Tarif, welcher am besten schon 1o Jahre existiert und in welchem die Anpassung zuletzt (in Ihrer speziellen Altersgruppe und in Ihrer Tarifstufe) in 2013 angepasst worden ist.

Eine Anmerkung hier gleich dazu: Anpassungen finden in Tarifen und Tarifstufen statt, in den so genannten Beobachtungseinheiten. Das bedeutet aber auch, dass zum Beispiel bei einem Tarifwerk wie dem expert+ der Barmenia oder dem NK der Hallesche (oder jedem anderen) nicht immer alle gleich angepasst werden. Mal sind es nur die mit einer bestimmten Selbstbeteiligung, mal nur Erwachsene, nur Kinder, nur Jugendliche. Mal nur die kleine Gruppe mit einer bestimmten SB oder einer bestimmten (Zusatz-)Leistung. Also immer bitte die eigene Tarifstufe und auch nur die betrachten.

Doch zurück zu unserem Fall. Zum 01. Januar 2013 fand die Anpassung statt. Nun hat der Versicherer auch ende 2013 geprüft und festgestellt:

  • 2014: Unterschied zwischen kalkuliert und tatsächlichen Kosten 3%, der Versicherer darf also nicht anpassen, weil die Unterschiede kleiner 10% sind/waren

  • 2015 hat er sich das wieder angesehen. Auch hier stellte er fest, Unterschied beträgt dann 4,5%, auch hier darf also wieder nicht angepasst werden und damit wird es weiter „mitgeschleppt“

  • 2016 könnte eine neue Sterbetafel gekommen sein. Also eine „Liste mit der Lebenserwartung“ der Versicherten die uns nun zeigt: Menschen werden nun ein, zwei, drei Jahre älter. Das Geld für die Krankheitskosten der drei Jahre muss ja irgendwo herkommen, also auch hier ein Anpassungsbedarf. Da aber in diesem Jahr keine Abweichung der realen Kosten und der kalkulierten vorhanden ist (anders gegenüber den letzten beiden Jahren), darf auch hier nicht angepasst werden.

  • 2017 kamen noch etwas weniger Zinserträge dazu, also wurden die Sparanteile der Versicherten, die Alterungsrückstellungen nicht mit den Erträgen erhöht, die gedacht waren.

Was also für Hausbauer und Immobilienkäufer eine paradiesische Zeit ist, ist für Anleger eher „blöd“. Wie schön waren die Zeiten, wo es selbst für das sofort verfügbare Tagesgeld 4% Zinsen hab… und für die Baufinanzierung bei 8% alle gelächelt haben. Nicht? Sehen Sie, es hat alles zwei Seiten.

Doch zurück zu unserer Anpassung. Vielleicht hätte unser Versicherer gern angepasst. In 2014, wo er merkte er braucht 3% mehr Beitrag. In 2015 wo klar war, da kommt noch etwas dazu. In 2016, wo sichergestellt werden musste die letzten Jahre auch noch Geld zu haben um die Gesundheitskosten zu zahlen, auch da durfte er nicht.

Und dann kam das Jahr 2017, „endlich“ war der so genannte auslösende Faktor erreicht und nun musste nicht nur die Anpassung gemacht werden die aktuell fällig ist, sondern nun konnten und mussten auch die Anpassungen welche bisher nicht gemacht werden konnten, nachgeholt werden. Damit ist auch hier keinesfalls bei einer 10% Anpassung klar, es handelt sich um Kosten aus dem Jahr 2017, sondern um „gesammelte Anpassungen der letzten Jahre“.

„Wenn heute angepasst ist, was ist dann im Folgejahr“

Wie bereits eben an dem Beispiel mit den Jahren geschildert ist es hier ebenso, dass die Anpassungen jährlich überprüft aber eben nicht jährlich angepasst werden (dürfen). Das hat auch zur Folge, im kommenden Jahr wird es sich wiederholen, also auch hier über die Jahre hinweg immer wieder neue Überprüfungen und eine Anpassung erst dann, wenn die auslösenden Faktoren erreicht sind.

Das bedeutet auch, eine Anpassung in der Größenordnung von mehreren Jahren wiederholt sich nahezu nicht im Jahr danach. Wie auch, denn erst einmal hat man ja dafür gesorgt, den „Anpassungsstau“ abzubauen und den Tarif Wieder „glatt zu ziehen“.

Steigende Zinsen – weniger Beitrag?

Auch hierzu wäre die Frage zu stellen, wie die Zinsen und damit auch die Nettoverzinsung des Krankenversicherers aussieht. Hat dieser noch mit einem Kalkulationszins von 3,5% kalkuliert (wie in den alten Bisextarifen) und erreicht nun nur 3,6%, dann ist es eher ungünstig. Klar ist es immer noch genug, aber so sind weitere Senkungen schlechter aufzufangen. Anders sieht es aber aus, wenn (wie in den Unisextarifen) nur von 2,5 oder 2,75% ausgegangen wird. Erreicht der Versicherer dann 3,… oder 4,… Prozent Nettoverzinsung ist das durchaus positiv.

Für alle bedeutet aber eine Niedrigzinsphase zumindest eine vorübergehende Belastung und damit sind wir wieder bei dem Thema „PKV muss man sich leisten können und wollen“, denn gerade hier ist es wichtig ruhig zu bleiben, auch solche Zinsphasen sind mal länger und mal kürzer, dauern aber nicht ein Leben lang.

Umgekehrt sieht es aber eben in Hochzinsphasen aus, hier werden dann mehr Rückstellungen und mehr Erträge frei und diese stehen dann auch zukünftig weiter zur Verfügung.

Was kann ich heute tun gegen meine Anpassung?

Zunächst einmal spielen dabei viele Faktoren eine Rolle, Maßnahmen gibt es zudem dabei einige. Ob und welche Maßnahmen erforderlich sind und wie diese konkret aussehen, das ist sehr individuell. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, einige generelle Möglichkeiten zu zeigen und zu beleuchten, wie diese sich auswirken.

1.) Anpassung der Beitragsentlastungsbausteine

Dieser Baustein in der privaten Krankenversicherung- wenn er denn abgeschlossen wurde- ist ein kleiner Hebel mit dem nachjustiert werden kann. Wer also den bisherigen Beitrag „künstlich erhöht hat“ und dort mit Hilfe von Beitragsentlastuingsbausteinen die Steuer und auch den AG Zuschuss optimieren wollte und auch getan hat, der kann dieses jetzt nachjustieren.

So lässt sich die Beitragsentlastungskomponente jederzeit verändern. Reduzieren tun Sie damit aber auch die dann in der Zukunft garantierte Beitragsentlastung, es senkt aber derzeit den Beitrag.

2.) Änderung der Selbstbeteiligung

Auch dieses ist eine Möglichkeit, aber eine die gut überlegt sein will. Eine Erhöhung der Selbstbeteiligung und damit die Änderung des Beitrages nach unten ist eine interessante Komponente, wenn diese ins Gesamtkonstrukt passt. Machen Sie aus einer 300 eine 600 € jährliche Selbstbeteiligung, sinkt derzeit der Beitrag. ABER: Im schlechtesten Fall müssen Sie die Selbstbeteiligung auch zahlen, nämlich immer dann, wenn Krankheitskosten auftreten. Zudem kann es steuerlich nicht sinnvoll sein, eine Senkung zu erreichen, denn damit sinkt auch der anrechenbare Betrag und möglicherweise steigt damit die Steuer.

3.) Reduzierung des Versicherungsschutzes

Natürlich ist ein Tarifwechsel möglich. Bietet der Versicherer Tarife mit weniger Versicherungsschutz, einem Hausarztmodell oder weniger Leistungen insgesamt an, so können Sie in diesen auch wechseln. Dabei spielt aber zudem die Frage der Rückkehr eine Rolle. Nur wenn es in Ihrem Tarif entsprechende Optionsrechte gibt und nur dann, wenn hier klar geregelt ist wann und wie Sie wieder zurückkommen, nur dann ist so ein Wechsel sinnvoll.

Es nützt rein gar nichts den eigenen Schutz (der hoffentlich bewusst so ausgewählt war) zu verringern und dann am Ende zu dem Ergebnis zu kommen „das war falsch, ich bekomme weniger Leistungen“.

Allein aus diesem Grund ist eine Überprüfung und diese nur in Abhängigkeit der individuellen und persönlichen Situation sinnvoll. Manchmal werden steuerliche Vorteile, höhere Rückerstattungen, mehr Leistungen schnell vergessen, wenn nur der Brief mit der Beitragserhöhung auf dem Tisch liegt.

Nichts überstürzen und in Ruhe überlegen

Gerade wer bereits in den vergangenen Jahren überlegt hat oder schon heute weiß, der Versicherungsschutz von vor 10, 20 Jahren passt nicht mehr zu mir, der wird oft durch so eine Anpassung weiter verunsichert. Dazu kommen dubiose Anbieter, welche auf die Schnelle eine Anpassung bzw. besser eine Reduzierung versprechen. 20% sollten es sein, schauen Sie mal in Ihr E-Mailpostfach. Andere werben gerade mit 40% Reduzierung und das alles bei gleichen Leistungen.

Natürlich kann bei sehr alten Verträgen ein Tarifwechsel sinnvoll sein. Aber generell und pauschale Aussagen bringen Sie da nicht weiter und machen mehr kaputt und verhindern hier einen sinnvollen Schutz. Fehler, die in manchen Fällen lebenslang nicht wieder gut zu machen sind.

Schauen Sie daher vorher auf Seite, vorher einmal hinterfragen wer das was will. In unserem Beispiel bzw. meiner heutigen Email und Anlass für diesen Blogpost war es ein Impressum aus Thailand. Klar, im Datenschutzblatt stand auch noch „Ihre Daten werden nicht weitergehen“ und „Sie werden von einem Berater angerufen“. Ob man wohl aus Thailand anruft?

Was damit passiert wenn Sie solche Daten eingeben? Nun, diese werden als so genannte Datensätze an Berater verkauft. 100, 200, 300 € zahlen diese dafür um nur Ihre Daten, die Telefonnummer und eine Mailadresse zu bekommen und dann… sehen Sie selbst was dann passiert, oder lassen Sie es besser.

Mit so pauschalen Versprechungen und Versprechungen ist es wie mit anderen Lügen, es ist reine Bauernfängerei und Werbung. Natürlich gibt es eine ganze Reihe von seriöser und sehr gut arbeitender Versicherungsberater. Solche die ein Honorar für einen Tarifwechsel nehmen Ihnen auch dann helfen können, wenn Ihr Berater nicht will oder kann. Ich persönlich sehe das etwas anders. Für die eigenen Kunden gehört gerade das zum Service, denn gerade hier und jetzt zeigt sich, was eine Beratung zur PKV wert ist und war.

Beratung ist nicht mit dem Antrag zu Ende, Beratung läuft immer und immer weiter, wie der Vertrag auch.

Für meine Kunden gilt daher das, was schon immer galt. Bei Fragen melden Sie sich gern, Sie wissen wo und wie Sie mich erreichen und dann schauen wir gern gemeinsam ob es Handlungsbedarf gibt.

Aber eines sollte auch klar sein. Es ist sinnvoller heute einen Versicherer zu haben, der vorsichtig ist, richtig und auskömmlich kalkuliert und damit zu Zeiten des Arbeitslebens (und in Zeiten höherer Steuersätze) mehr Rücklagen bildet. Was ist die andere Variante? Billig, billig und nochmal billig und dann im Alter die große Rache? Nein Dank1

Tun Sie sich daher einen großen Gefallen, überlegen Sie, lassen Sie die Entscheidung sacken und melden Sie sich gern bei Fragen. Dann lässt sich dieses auch besonnen entscheiden und nicht übereilt und später mit unlösbaren Folgen.

21.
November '17

Wie die Deutsche Familienversicherung (DFV) ihre Kunden am Telefon zu einem schlechteren Vertrag überreden will – Achtung bei Anruf!


Es ist wie eine Geschichte aus einem schlechten Film und zeigt einmal mehr, am Telefon und ohne Unterlagen sollten keine Geschäfte gemacht werden, schon gar keine die eine lebenslange Folge haben können und für solche, wo es keine Unterlagen vorab für gibt. Doch einmal der Reihe nach, dann sehen und verstehen Sie auch schnell, warum die Masche nicht nur unfair, sondern sehr grenzwertig ist.

Die Vorgeschichte und der Altvertrag

Im Jahre 2012 beriet ich eine Kundin in Sachen Pflegezusatzversicherung. Diese wichtige und notwenige Absicherung dient dazu, im Pflegefall eine ergänzende Vorsorge zu haben und damit bei Eintritt in die Pflegebedürftigkeit die Sicherheit zu haben gut versorgt zu sein. Neben der zu geringen und gesetzlich vorgeschriebenen Pflegepflichtversicherung entschied sich meine Kundin gemeinsam mit mir für einen Pflegezusatzschutz nach dem Tarif Pflege Plus der Deutschen Familienversicherung. Das war in 2012, der Antrag wurde durch mich als Makler bei der DFV eingereicht und sodann auch problemlos policiert.

Als Zusatzbaustein sollte eine Beitragsrückgewähr gewählt werden. Durch diesen Baustein wird sichergestellt, auch im Falle des Todes der versicherten Person wird es hier eine Rückzahlung geben, die Beiträge fließen also ggf. an die Erben wieder zurück. Ein Blick in die Bedingungen von damals zeigt und die genaue Verfahrensweise dieses Rückzahlungsmodell, welches einiges an Mehrbeitrag kostete.

Durch das Modell der Rückerstattung wird also, bei Tod der versicherten Person, die Summe der Beiträge ausgezahlt. Klar gibt es keine Zinsen, aber die Beiträge fließen zurück. Doch soviel zur Vorgeschichte, der Versicherer hat es damals so angeboten und ich es geneinsam mit meiner Kundin so abgeschlossen. Es besteht also ein Vertrag welcher von uns als Makler vermittelt und betreut wird und regelmäßig bezahlt wird.

Der Anruf bei der Kundin, oder besser mehrere

Nun, fast fünf Jahre nach dem Abschluss des Vertrages und während der laufenden Beitragszahlung gab es einige Veränderungen in der Pflegeversicherung. Aus den damals vorhandenen Pflegestufen (0 bis 4) sind heute Pflegegrade geworden. Diese gesetzliche Änderung wirkt sich natürlich auch auf die Pflegezusatzversicherung aus und führt zu einer zwingenden Anpassung der Verträge. Dabei wurden diese Änderungen zum 01. Januar 2017 eingeführt und vom Gesetzgeber durch die Pflegereform beschlossen. Für die Versicherer bedeutet das aber auch, alle Verträge müssen angepasst werden und damit an neues, geltendes Recht angepasst.

Soweit ist es auch kein Problem, haben andere Unternehmen die Anpassungen und Überleitungen längt gemacht, schließlich besteht das neue Gesetz schon seit Anfang des Jahres. Nicht aber die Deutsche Familienversicherung, denn diese hat noch ein anderes Problem. Man hat wohl etwas Stress, Stress mit dem Aufsichtsamt.

Makler wird ignoriert, Kundin mehrfach angerufen

Nun versucht man sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen und da kommt ja die Umstellung gerade recht. Die zuständige Aufsichtsbehörde findet nämlich die Lösung mit der Beitragsrückgewähr gar nicht so schön und daher muss die irgendwie weg. Weg oder eben gelöst werden. Was macht also die Deutsche Familienversicherung? Sie versucht die Kunden anzurufen und denen das möglichst schmackhaft zu verkaufen.

Ein solcher Anruf ist zudem etwas fragwürdig, denn in dem damaligen Antrag findet sich keine wirkliche Zustimmung zur telefonischen Kontaktaufnahme, warum auch. Die Kundin hatte sich damals bewusst über einen Makler beraten lassen und dann für einen solchen Abschluss entschieden. Warum dieser Makler nicht informiert wird und ich daher von der Umstellungsidee gar nichts weiss, ist die eine spannende Frage. Mit welcher Erlaubnis und Berechtigung die Deutsche Familienversicherung dann aber mehrfach bei der Kundin anruft und telefonisch eine Umstellung machen möchte, das ist schon dreist.

Kundin möchte nichts am Telefon abschließen, dann kommt eine Mail

So gibt es einen Anruf, dann noch einen, dann wieder einen. Irgendwann reicht es meiner Kundin und Sie teilt mit, man möchte doch bitte eine E-Mail schicken mit dem Anliegen, damit sie dieses besprechen kann, damit dieses ggf. auch mit dem (damaligen und heutigen) Berater kontrolliert und überprüft werden kann und man einfach etwas in der Hand hat. Daraufhin bekam die Versicherte dann eine E-Mail, die sah so aus:

Hier sind gleich mehrere Dinge spannend.

Ich habe dann der DFV einmal mitgeteilt, ich hätte schon gern mal Bedingungen des neuen, geplanten Vertrages und der Umstellungen und das alles gern vorher. Jetzt kann man sagen: „OK, haben die vielleicht vergessen“, aber ich habe dann als Antwort bekommen:

Bedingungen verschicken wir nicht, schon gar nicht vorher. Sie als Makler müssten das ja wissen und ich verstehe gar nicht, warum Sie sich so aufregen. (Anm. ich habe mich gar nicht aufgeregt, nur nach der Faxnummer des Vorstandes gefragt und eine Beschwerde beim BaFin angekündigt).“

Auf meinen Hinweis, weder wir noch die Kundin werden etwas am Telefon abschließen oder unterschreiben, wo der Versicherer nicht einmal in der Lage und Willens ist, simple Vorschriften des Versicherungsvertragsgesetzes und der sonstigen Verordnungen zu erfüllen, wurde mir ernst (mehr …)