Barmenia Krankenversicherung stellt neue Unisextarife vor und lüftet endlich das Geheimnis

Sven Hennig

Heute sind nun endlich die Unisextarife der Barmenia Krankenversicherung a. G. bekannt geworden und mir ist nicht klar, warum man so verschlossen mit solchen Informationen umgeht. Hatte man als Unternehmen so viel Angst vor der Bekanntgabe oder einfach nur befürchtet, dass der Kunde die alten Tarife nicht mehr abschließt und vielleicht doch auf Unisex warten will?

Es ist mir nach wie vor schleierhaft, was diese Geheimniskrämerei soll. Nicht nur uns Beratern macht man damit das Leben schwerer, sondern auch Softwareanbieter für Vergleichssoftware wird es unmöglich rechtzeitig einigermaßen brauchbare Vergleiche zur Verfügung zu stellen, selbst wenn diese die „geheimen Unterlagen“ etwas früher bekamen. Doch nun erst einmal zu den Tarifen der Barmenia. Anders als einige Mitbewerber hat man nicht die bestehenden Tarife in die Unisexwelt portiert und teilweise angepasst, man hat sich (mal wieder) ein neues Tarofwerk „gebastelt“. Es ist noch gar nicht so lange her, da kamen die easyflex Tarife auf den Markt, einige Zeit später wurden daraus die easyflex plus und nun die neuen Tarife. Diese bekamen den verheißungsvollen Namen „einsA“. Ob der Anspruch auch durch die Aussagen in den Bedingungen erfüllt werden kann? Schauen wir uns dazu einmal die Druckstücke an.

Tarifaufbau:

Die einsA Reihe besteht aus unterschiedlichen Tarif- und Selbstbeteiligungsstufen, welche vom Grundstock identisch sind und sich in den Teilleistungen und der Höhe der Selbstbeteiligung unterscheiden. Die Selbstbeteiligungen erstrecken sich auf die Bereiche ambulant, stationär und Zahnleistungen und sind für bestimmte, fest definierte Leistungen nicht anzurechnen. Dabei handelt es sich neben zahnprophylaktischen Leistungen auch um die Entbindungspauschale sowie Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen im Rahmen einer ambulanten Behandlung.

Zwischen den Tarifstufen kann mit einem umfangreichen Optionsrecht gewechselt werden. Dieses ermöglicht den Wechsel zwischen unterschiedlichen SB Stufen, aber auch von einer in eine andere Tarifstufe der einsA Reihe. Dabei sind Optionen

– nach bestimmten Zeiten (nach drei, fünf oder sieben Jahren)

– bei bestimmten Ereignissen (Abschluss Ausbildung Kind, Wechsel berufliche Tätigkeit, Entsendung ins Ausland aus berufl. Gründen oder Studium

und weiterhin auch bei

Reduzierung des Versicherungsschutzes

Die Optionen und die Ausübung sind immer an fest definierte Kriterien gebunden. So muss ein Rückwechsel nach einer Leistungsreduzierung zum Beispiel binnen 2 Jahren erfolgen und kann insgesamt maximal zweimal ausgeübt werden. Auch gelten nicht alle Optionen für alle Kunden, denn wer „im letzten Monat vor Versicherung im einsA Tarif bereits eine PKV bei der Barmenia hatte, der bekommt das erstgenannte Optionsrecht nicht.

Der Tarif selbst startet in der untersten Stufe, der einsA prima mit einem Primärarztmodell, welches auch in der prima+ Stufe weiter gilt. In beiden Tarifmodellen gelten ebenfalls Einschränkungen bei der Versorgung mit Medikamenten. Wer ein Originalpräparat will obwohl es ein Generika gibt, der bekommt nur 75% (80% im prima+) erstattet. Die prozentualen Einschränkungen ziehen sich so durch die Tarifstufen, wie oben in der Übersicht zu erkennen.

Während es im prima mit 25% Eigenanteil losgeht (in manchen Bereichen wie den Heilmitteln gelten Deckelungen ab 2.000 EUR im Jahr), reduzieren sich die mit steigender Tarifstufe. Im prima+ sind es 20, im expert dann nur noch 15% und im expert+ entfallen diese prozentualen Eigenanteile gänzlich. (Ausnahme Zahnersatz und KFO, Erstattung 90%)

Eine Beispielerechnung:

Tarifstufe prima, Leistungen nach Unfall 20 Heilmittelanwendungen a‘ 20 EUR, Ein Hilfsmittel a‘ 1.000 EUR, 10 Sitzungen Psychotherapie a’100 EUR.

Neben der vertraglich vereinbarten Selbstbeteiligung ergeben sich Eigenanteile von 100 EUR Heilmittel, 250 EUR Hilfsmittel, 250 EUR Psychotherapie. Obwohl positiv hervorzuheben die SB in den Heilmittelleitungen ab 2.000 EUR Kosten auf null reduziert wird, ergeben sich doch nicht ganz kleine Eigenanteile. Betrachtet man hier die Zielgruppe der preissensiblen Kunden, so werden aus 300 EUR Eigenanteil bei Krankheit auch schnell mal 600 EUR oder mehr. Das muss nicht schlimm sein, der Antragsteller sollte sich nur bewusst sein, wo die Beschränkungen liegen.

Nachdem sich die Leistungen je nach Tarifstufe erhöhen, ist die maximale Leistung bei dem expert+ erreicht. Hier werden kann keine prozentualen Abzüge mehr vorgenommen und nur der Zahnersatz tanzt mit einer 90% Erstattung aus der Reihe. Dieses ist jedoch schon deutlich mehr als wir sonst am Markt finden und daher eine mehr als komfortable Lösung.

Die Tarife selbst enthalten umfangreiche Leistungen und decken elementare Risiken ab. So sind neben den ambulanten, stationären und zahnärztlichen Leistungen auch viele „neue“ Bausteine hinzu gekommen. ambulante Palliativversorgung, Hospize, Soziotherapie oder eine Beitragsbefreiung unter bestimmten Voraussetzungen sind Leistungen, die bei der GKV teilweise ebenfalls vorhanden sind und denen man nicht nachstehen wollte.

Wird der Versicherte in der Pflegestufe III schwerstpflegebedürftig, so besteht für die Dauer dieses Zustandes keine Beitragspflicht für den Tarif einsA. Dieses kann zwar auch über ein Pflegetagegeld versichert werden, aber dennoch eine Option die man in so einen Tarif integrieren kann.

Die einzelnen Leistungen der jeweiligen Tarife und Bausteine lassen sich einfach in den Druckstücken der Tarifbedingungen nachlesen und sind im Downloadbereich verfügbar.

Fazit:

Das neue Tarifwerk einsA der Barmenia Krankenversicherung a. G. bietet einen Einstiegs- bis hin zum umfassenden Versicherungsschutz in der Privaten Krankenversicherung. Durch Eigenbeteiligungen die in manchen Bereichen leider prozentual und ohne Deckelung vorhanden sind, macht es diese teilweise etwas schwer zu kalkulieren. Dennoch schaffen die Wechseloptionen und unterschiedlichen Optionsrechte eine Anpassungsmöglichkeit an unterschiedliche Lebenssituationen und bieten Veränderungsmöglichkeiten ohne den Tarif verlassen zu müssen. Wichtige Punkte aus den Mindestkriterien des PKV Verbandes sind in die Tarife eingeflossen. So sind die Formulierungen für die Hilfsmittel nun in Form eines offenen Hilfsmittelkataloges da, wenn auch mit teilweise deutlich spürbaren Eigenbeteiligungen (welche zum Glück nicht bei lebenserhaltenden Hilfsmitteln gelten). Auch LASIK Behandlungen und die Kosten für umfangreiche Behandlungen für Naturheilverfahren durch Ärzte oder Heilpraktiker haben in alle Tarifstufen Einzug gehalten und bieten auch den Versicherten „etwas weg von der Schulmedizin“ Erstattungsmöglichkeiten. Die bisher am Markt verbreitete Meinung das dadurch die Inanspruchnahmen steigen und die Tarife schneller von Anstiegen betroffen sind, scheint die Barmenia hier nicht mehr zu sehen.

Aber wie bei jedem Tarif gilt auch hier genau abzuwägen, welche Leistungen tatsächlich gewünscht, benötigt und auf den persönlichen Bedarf zugeschnitten sind und erst dann und in Ruhe einen entsprechenden Schutz auszuwählen.

Weitere Informationen:

Barmenia Unisex einsA, Teil I, II und III

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

Kriterienfragebogen zur Priv. Krankenvers. (ausfüllbar)

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Eine Antwort zu “Barmenia Krankenversicherung stellt neue Unisextarife vor und lüftet endlich das Geheimnis”

  1. christian Says:

    Soweit mir bekannt
    ist, behält die Barmenia
    die Ärztetarife größtenteils
    unverändert bei.
    Bedeutet: VHV1A, VHV2A bleiben
    unverändert- haben Sie diesbezüglich bereits Informationen?
    Gruss,
    Christian

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