Archiv für November 2017

29.
November '17

Mehr Geld vom Arbeitgeber – wie der AG die Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung steuerfrei erstatten kann


… und warum dieses eine gute Idee sein kann, lesen Sie in diesem Beitrag. Bereits im Jahr 2009 habe ich hierzu einen Beitrag veröffentlicht und es häufen sich die Anfragen vor dem Hintergrund „ist das denn noch aktuell“ und wo steht das, wie geht das, was kann/ muss ich meinem Arbeitgeber schicken und sagen. Da das Jahresende nun wieder naht und Macheiner sich nun Gedanken zu dem Einreichen der Rechnungen in der Privaten Krankenversicherung macht, hier einige Hinweise und die Beantwortung der mistgestellten Fragen. In diesem Beitrag finden Sie insbesondere Informationen und Antworten zu den folgenden Fragen:

1.) Was ist die Selbstbeteiligung?

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

5.) Wie wirkt sich die steuerfreie Erstattung aus?

1.) Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung

Eine Selbstbeteiligung ist ein Eigenanteil in der privaten Krankenversicherung, welcher auf einen absoluten oder prozentualen Betrag festgelegt ist. Der Gesetzgeber hat zudem den maximalen Betrag einer möglichen Selbstbeteiligung in jedweden Tarifen der PKV (nach 2012) auf einen Maximalbetrag von 5.000 € gedeckelt.

Mehr dazu im Beitrag: „Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung

Diese Selbstbeteiligung muss der Arbeitnehmer aber allein zahlen. Der Arbeitgeber hat zwar die Verpflichtung (gem. § 257 SGB V) einen Arbeitgeberzuschuss zu zahlen und damit die Hätte des Beitrages zu erstatten. Die Höchstbeiträge für diesen Zuschuss ändern sich, welche Werte in 2018 gelten finden Sie im Beitrag zu dem

Arbeitgeberzuschuss und den Sozialversicherungswerten 2018

Wer aber nun den Arbeitgeber noch etwas mehr beteiligen möchte, der kann eine andere Möglichkeit nutzen. Die Erstattung der Selbstbeteiligung.

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

Ja, kann er, wenn er denn will. Eine Verpflichtung zur Erstattung der Selbstbeteiligung gibt es nicht, aber manchmal ist es bei den Gehaltsverhandlungen durchaus ein Argument sich hier eine weitere „Leistung“ vom Arbeitgeber zu holen. ABER ACHTUNG, es geht nicht pauschal und ist an Voraussetzungen gebunden. Bei der Erstattung sind einige Voraussetzungen zu beachten.

a.) es darf nur die tatsächlich in Anspruch genommene Leistung erstattet werden, also eine SB muss verbraucht sein (nur eine im Vertrag zu haben, reicht nicht aus)

b.) Rechnungen müssen wirklich eingereicht sein, der Versicherer bestätigt dann den „Verbrauch“ der Selbstbescheinigung. Dabei kann dieses erst rückwirkend erfolgen. Sie können als so genannte Bescheinigung aber auch die Leistungsabrechnung verwenden, welche Ihnen den Abzug der SB ausweist. Zum Beispiel so:

c.) Der Versicherer muss also bestätigen, die SB wurde verbraucht und wir hätten den Betrag erstattet, wäre da nicht die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung gewesen.

d.) Der maximale, steuerfrei zu erstattende Betrag (rückwirkend) ist auf einen Höchstbetrag von 600 € pro Jahr begrenzt. Es kann also im Januar erfüllt sein, oder auch erst im Dezember. Grundlage finden Sie unten unter Punkt 3.)

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

Regelungen finden sich hier im SGB V (für den AG Zuschuss) und in den so genannten Lohnsteuerrichtlinien 2015 (gelten aktuell noch) und haben hiermit so eine Bildung für die Finanzämter. Das bedeutet nicht, dass nicht ein Sachbearbeiter es dennoch erstmal ablehnen kann, dieses sollte dann ggf. mit Hilfe der steuerberatenden Berufe weiter verfolgt werden.

R 3.11 LStR 2015 – Beihilfen und Unterstützungen, die wegen Hilfsbedürftigkeit gewährt werden (§ 3 Nr. 11 EStG)

Beihilfen und Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln

(1) Steuerfrei sind

(2) Unterstützungen, die von privaten Arbeitgebern an einzelne Arbeitnehmer gezahlt werden, sind steuerfrei, wenn die Unterstützungen dem Anlass nach gerechtfertigt sind, z. B. in Krankheits- und Unglücksfällen.

Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Unterstützungen

1. aus einer mit eigenen Mitteln des Arbeitgebers geschaffenen, aber von ihm unabhängigen und mit ausreichender Selbständigkeit ausgestatteten Einrichtung gewährt werden. Das gilt nicht nur für bürgerlich-rechtlich selbständige Unterstützungskassen, sondern auch für steuerlich selbständige Unterstützungskassen ohne bürgerlich-rechtliche Rechtspersönlichkeit, auf deren Verwaltung der Arbeitgeber keinen maßgebenden Einfluss hat;
2. aus Beträgen gezahlt werden, die der Arbeitgeber dem Betriebsrat oder sonstigen Vertretern der Arbeitnehmer zu dem Zweck überweist, aus diesen Beträgen Unterstützungen an die Arbeitnehmer ohne maßgebenden Einfluss des Arbeitgebers zu gewähren;
3. vom Arbeitgeber selbst erst nach Anhörung des Betriebsrats oder sonstiger Vertreter der Arbeitnehmer gewährt oder nach einheitlichen Grundsätzen bewilligt werden, denen der Betriebsrat oder sonstige Vertreter der Arbeitnehmer zugestimmt haben.

Die Voraussetzungen des Satzes 2 Nr. 1 bis 3 brauchen nicht vorzuliegen, wenn der Betrieb weniger als fünf Arbeitnehmer beschäftigt.

Die Unterstützungen sind bis zu einem Betrag von 600 Euro je Kalenderjahr steuerfrei.

Der 600 Euro übersteigende Betrag gehört nur dann nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn er aus Anlass eines besonderen Notfalls gewährt wird.

Bei der Beurteilung, ob ein solcher Notfall vorliegt, sind auch die Einkommensverhältnisse und der Familienstand des Arbeitnehmers zu berücksichtigen; drohende oder bereits eingetretene Arbeitslosigkeit begründet für sich keinen besonderen Notfall im Sinne dieser Vorschrift.

Steuerfrei sind auch Leistungen des Arbeitgebers zur Aufrechterhaltung und Erfüllung eines Beihilfeanspruchs nach beamtenrechtlichen Vorschriften sowie zum Ausgleich von Beihilfeaufwendungen früherer Arbeitgeber im Falle der Beurlaubung oder Gestellung von Arbeitnehmern oder des Übergangs des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses auf den privaten Arbeitgeber, wenn Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V besteht.

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

Zunächst einmal müssen Sie nachweisen, dass diese Selbstbeteiligung auch angefallen ist, wie eben bereits geschrieben. Dazu kann die oben genannte Bescheinigung einer Leistungsauszahlung genutzt werden, wenn diese klar ausweist wie hoch der Betrag für die jährliche Selbstbeteiligung ist UND das diese auch genutzt wurde.

Alternativ kann die private Krankenversicherung auch bestätigen, dass die Selbstbeteiligung auch „verbraucht wurde“.

Dazu muss der Arbeitgeber natürlich wollen. Dann ist diese Bescheinigung bei dem Arbeitgeber oder dem zuständigen Lohnbüro einzu (mehr …)

24.
November '17

Beitragserhöhung in der PKV und Vorsicht vor den Neppern, Schleppern, Bauernfängern!


Wir schreiben die letzten Monate des Jahres. Wie immer im November und Dezember sind die Briefe der Krankenversicherung unterwegs und führen eben nicht immer zu großer Freude. Zum einen werden die Beitragsrückerstattungen für das nächste Jahr angekündigt, zum anderen aber auch die Beitragsanpassungen der eigenen Tarife. Klar möchte man ungern mehr zahlen, mehr für einen identischen Versicherungsschutz?

Warum werden Beiträge angepasst?

Die gesetzliche Krankenkasse hat zwei Stellschrauben im Wesentlichen. Die eine ist die dabei der Zusatzbeitrag. Dieser wird erhöht oder gesenkt und betrifft (zusammen mit dem Beitragssatz der GKV) dann alle Versicherten. Die zweite Schraube die den Beitrag in der GKV beeinflusst ist das Einkommen, nämlich die so genannte Beitragsbemessungsgrenze. Diese bestimmt bis zu welchem Einkommen Beiträge zu entrichten sind und diese Größe ändert sich auch in 2018 wieder und steigt.

In der Privaten Krankenversicherung ist es jedoch anders. Wie bereits vor langer Zeit unter dem Punkt Beitragsanpassung hier auf der Seite geschrieben, gibt es hier andere Größen, welche die Prämie beeinflussen. Gründe für eine notwenige Beitragsanpassung sind in der PKV damit:

  • – neue Sterbetafeln, also die Frage „Wie lange lebt ein Versicherter?“ und „wie lange kostet er somit Geld?“
  • – gestiegene Kosten für Medikamente, Arzthonorare, Hilfsmittel etc.
  • – geringere Einnahmen aufgrund niedrigerer Zinsen

Alle diese (und noch einige andere mehr) Faktoren beeinflussen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung und führen, wie bei Ihnen vermutlich auch, jetzt zu einer Beitragsanpassung.

Warum ist die Anpassung so hoch (wie sie jetzt ist)?

Diese Frage wird immer einmal wieder gestellt. Getreu dem Motto… warum passt der Versicherer nicht einfach jedes Jahr einige Prozent an, warum wartet er dann so lange, bis hier plötzlich Anpassungen im zweistelligen Prozentbereich zu erwarten sind und erst dann schreibt er mir?

Der „böse auslösende Faktor“

Eine private Krankenversicherung darf nicht einfach anpassen, wenn es ihr gerade passt oder man der Meinung ist es zu tun. Dazu gibt es klare und eindeutige Regelungen in den Versicherungsbedingungen, diese Regeln wann und wie angepasst wird.

In den meisten Versicherungsbedingungen sieht das in etwa so aus:

Im Rahmen der vertraglichen Leistungszusage können sich die Leistungen des Versicherers z.B. wegen steigender Heilbehandlungskosten, einer häufigeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen oder aufgrund steigender Lebenserwartung ändern. Dementsprechend vergleicht der Versicherer zumindest jährlich für jeden Tarif die erforderlichen mit den in den technischen Berechnungsgrundlagen kalkulierten Versicherungsleistungen und Sterbewahrscheinlichkeiten.

Nun hat er verglichen und vielleicht gemerkt: „Mensch, die Leute leben länger und kosten daher auch in den letzten Lebensjahren länger und viel mehr Geld“. Doch darf er dann gleich die Beiträge erhöhen?

Ergibt diese Gegenüberstellung für eine Beobachtungseinheit eines Tarifs eine Abweichung von mehr als dem gesetzlich oder tariflich festgelegten Vomhundertsatz, werden alle Beiträge dieser Beobachtungseinheit vom Versicherer überprüft und, soweit erforderlich, mit Zustimmung des Treuhänders angepasst. Unter den gleichen Voraussetzungen kann auch eine betragsmäßig festgelegte Selbstbeteiligung angepasst und ein vereinbarter Risikozuschlag entsprechend geändert werden.

Da steht etwas vom „Vomhundertsatz“. Wieviel muss denn nun Unterschied sein und ist das bei allen Unternehmen gleich?

Nein. Denn dieser „Vomhundertsatz“, der so genannte auslösende Faktor sorgt dafür, dass eben nicht bei einer Abweichung von einem Prozent angepasst werden kann. Die Anpassung kann erst immer dann erfolgen, wenn der Unterschied zwischen kalkulierten Kosten und angenommenen Sterbewahrscheinlichkeiten und der Realität sich um mehr als zehn oder bei einigen Unternehmen fünf Prozent unterscheiden.

eine Veränderung von mehr als 5% der in den technischen Berechnungsgrundlagen kalkulierten Versicherungsleistungen, so werden alle Tarifbeiträge dieser Beobachtungseinheit vom Versicherer überprüft und, soweit erforderlich, mit Zustimmung des Treuhänders angepasst.

„Aber ich möchte bitte lieber kleinere Anpassungen und die dann öfter.“

schrieb mir ein Kunde gestern. Nun, das mag durchaus sein, aber die Regelungen vom Gesetzgeber und die Anpassungsklauseln in den Versicherungsbedingungen regeln etwas anderes. Schauen wir uns also mal ein Beispiel an, welches erklärt warum und wie eine hohe Anpassung zu Stande kommt. Einen Tarif, welcher am besten schon 1o Jahre existiert und in welchem die Anpassung zuletzt (in Ihrer speziellen Altersgruppe und in Ihrer Tarifstufe) in 2013 angepasst worden ist.

Eine Anmerkung hier gleich dazu: Anpassungen finden in Tarifen und Tarifstufen statt, in den so genannten Beobachtungseinheiten. Das bedeutet aber auch, dass zum Beispiel bei einem Tarifwerk wie dem expert+ der Barmenia oder dem NK der Hallesche (oder jedem anderen) nicht immer alle gleich angepasst werden. Mal sind es nur die mit einer bestimmten Selbstbeteiligung, mal nur Erwachsene, nur Kinder, nur Jugendliche. Mal nur die kleine Gruppe mit einer bestimmten SB oder einer bestimmten (Zusatz-)Leistung. Also immer bitte die eigene Tarifstufe und auch nur die betrachten.

Doch zurück zu unserem Fall. Zum 01. Januar 2013 fand die Anpassung statt. Nun hat der Versicherer auch ende 2013 geprüft und festgestellt:

  • 2014: Unterschied zwischen kalkuliert und tatsächlichen Kosten 3%, der Versicherer darf also nicht anpassen, weil die Unterschiede kleiner 10% sind/waren

  • 2015 hat er sich das wieder angesehen. Auch hier stellte er fest, Unterschied beträgt dann 4,5%, auch hier darf also wieder nicht angepasst werden und damit wird es weiter „mitgeschleppt“

  • 2016 könnte eine neue Sterbetafel gekommen sein. Also eine „Liste mit der Lebenserwartung“ der Versicherten die uns nun zeigt: Menschen werden nun ein, zwei, drei Jahre älter. Das Geld für die Krankheitskosten der drei Jahre muss ja irgendwo herkommen, also auch hier ein Anpassungsbedarf. Da aber in diesem Jahr keine Abweichung der realen Kosten und der kalkulierten vorhanden ist (anders gegenüber den letzten beiden Jahren), darf auch hier nicht angepasst werden.

  • 2017 kamen noch etwas weniger Zinserträge dazu, also wurden die Sparanteile der Versicherten, die Alterungsrückstellungen nicht mit den Erträgen erhöht, die gedacht waren.

Was also für Hausbauer und Immobilienkäufer eine paradiesische Zeit ist, ist für Anleger eher „blöd“. Wie schön waren die Zeiten, wo es selbst für das sofort verfügbare Tagesgeld 4% Zinsen hab… und für die Baufinanzierung bei 8% alle gelächelt haben. Nicht? Sehen Sie, es hat alles zwei Seiten.

Doch zurück zu unserer Anpassung. Vielleicht hätte unser Versicherer gern angepasst. In 2014, wo er merkte er braucht 3% mehr Beitrag. In 2015 wo klar war, da kommt noch etwas dazu. In 2016, wo sichergestellt werden musste die letzten Jahre auch noch Geld zu haben um die Gesundheitskosten zu zahlen, auch da durfte er nicht.

Und dann kam das Jahr 2017, „endlich“ war der so genannte auslösende Faktor erreicht und nun musste nicht nur die Anpassung gemacht werden die aktuell fällig ist, sondern nun konnten und mussten auch die Anpassungen welche bisher nicht gemacht werden konnten, nachgeholt werden. Damit ist auch hier keinesfalls bei einer 10% Anpassung klar, es handelt sich um Kosten aus dem Jahr 2017, sondern um „gesammelte Anpassungen der letzten Jahre“.

„Wenn heute angepasst ist, was ist dann im Folgejahr“

Wie bereits eben an dem Beispiel mit den Jahren geschildert ist es hier ebenso, dass die Anpassungen jährlich überprüft aber eben nicht jährlich angepasst werden (dürfen). Das hat auch zur Folge, im kommenden Jahr wird es sich wiederholen, also auch hier über die Jahre hinweg immer wieder neue Überprüfungen und eine Anpassung erst dann, wenn die auslösenden Faktoren erreicht sind.

Das bedeutet auch, eine Anpassung in der Größenordnung von mehreren Jahren wiederholt sich nahezu nicht im Jahr danach. Wie auch, denn erst einmal hat man ja dafür gesorgt, den „Anpassungsstau“ abzubauen und den Tarif Wieder „glatt zu ziehen“.

Steigende Zinsen – weniger Beitrag?

Auch hierzu wäre die Frage zu stellen, wie die Zinsen und damit auch die Nettoverzinsung des Krankenversicherers aussieht. Hat dieser noch mit einem Kalkulationszins von 3,5% kalkuliert (wie in den alten Bisextarifen) und erreicht nun nur 3,6%, dann ist es eher ungünstig. Klar ist es immer noch genug, aber so sind weitere Senkungen schlechter aufzufangen. Anders sieht es aber aus, wenn (wie in den Unisextarifen) nur von 2,5 oder 2,75% ausgegangen wird. Erreicht der Versicherer dann 3,… oder 4,… Prozent Nettoverzinsung ist das durchaus positiv.

Für alle bedeutet aber eine Niedrigzinsphase zumindest eine vorübergehende Belastung und damit sind wir wieder bei dem Thema „PKV muss man sich leisten können und wollen“, denn gerade hier ist es wichtig ruhig zu bleiben, auch solche Zinsphasen sind mal länger und mal kürzer, dauern aber nicht ein Leben lang.

Umgekehrt sieht es aber eben in Hochzinsphasen aus, hier werden dann mehr Rückstellungen und mehr Erträge frei und diese stehen dann auch zukünftig weiter zur Verfügung.

Was kann ich heute tun gegen meine Anpassung?

Zunächst einmal spielen dabei viele Faktoren eine Rolle, Maßnahmen gibt es zudem dabei einige. Ob und welche Maßnahmen erforderlich sind und wie diese konkret aussehen, das ist sehr individuell. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, einige generelle Möglichkeiten zu zeigen und zu beleuchten, wie diese sich auswirken.

1.) Anpassung der Beitragsentlastungsbausteine

Dieser Baustein in der privaten Krankenversicherung- wenn er denn abgeschlossen wurde- ist ein kleiner Hebel mit dem nachjustiert werden kann. Wer also den bisherigen Beitrag „künstlich erhöht hat“ und dort mit Hilfe von Beitragsentlastuingsbausteinen die Steuer und auch den AG Zuschuss optimieren wollte und auch getan hat, der kann dieses jetzt nachjustieren.

So lässt sich die Beitragsentlastungskomponente jederzeit verändern. Reduzieren tun Sie damit aber auch die dann in der Zukunft garantierte Beitragsentlastung, es senkt aber derzeit den Beitrag.

2.) Änderung der Selbstbeteiligung

Auch dieses ist eine Möglichkeit, aber eine die gut überlegt sein will. Eine Erhöhung der Selbstbeteiligung und damit die Änderung des Beitrages nach unten ist eine interessante Komponente, wenn diese ins Gesamtkonstrukt passt. Machen Sie aus einer 300 eine 600 € jährliche Selbstbeteiligung, sinkt derzeit der Beitrag. ABER: Im schlechtesten Fall müssen Sie die Selbstbeteiligung auch zahlen, nämlich immer dann, wenn Krankheitskosten auftreten. Zudem kann es steuerlich nicht sinnvoll sein, eine Senkung zu erreichen, denn damit sinkt auch der anrechenbare Betrag und möglicherweise steigt damit die Steuer.

3.) Reduzierung des Versicherungsschutzes

Natürlich ist ein Tarifwechsel möglich. Bietet der Versicherer Tarife mit weniger Versicherungsschutz, einem Hausarztmodell oder weniger Leistungen insgesamt an, so können Sie in diesen auch wechseln. Dabei spielt aber zudem die Frage der Rückkehr eine Rolle. Nur wenn es in Ihrem Tarif entsprechende Optionsrechte gibt und nur dann, wenn hier klar geregelt ist wann und wie Sie wieder zurückkommen, nur dann ist so ein Wechsel sinnvoll.

Es nützt rein gar nichts den eigenen Schutz (der hoffentlich bewusst so ausgewählt war) zu verringern und dann am Ende zu dem Ergebnis zu kommen „das war falsch, ich bekomme weniger Leistungen“.

Allein aus diesem Grund ist eine Überprüfung und diese nur in Abhängigkeit der individuellen und persönlichen Situation sinnvoll. Manchmal werden steuerliche Vorteile, höhere Rückerstattungen, mehr Leistungen schnell vergessen, wenn nur der Brief mit der Beitragserhöhung auf dem Tisch liegt.

Nichts überstürzen und in Ruhe überlegen

Gerade wer bereits in den vergangenen Jahren überlegt hat oder schon heute weiß, der Versicherungsschutz von vor 10, 20 Jahren passt nicht mehr zu mir, der wird oft durch so eine Anpassung weiter verunsichert. Dazu kommen dubiose Anbieter, welche auf die Schnelle eine Anpassung bzw. besser eine Reduzierung versprechen. 20% sollten es sein, schauen Sie mal in Ihr E-Mailpostfach. Andere werben gerade mit 40% Reduzierung und das alles bei gleichen Leistungen.

Natürlich kann bei sehr alten Verträgen ein Tarifwechsel sinnvoll sein. Aber generell und pauschale Aussagen bringen Sie da nicht weiter und machen mehr kaputt und verhindern hier einen sinnvollen Schutz. Fehler, die in manchen Fällen lebenslang nicht wieder gut zu machen sind.

Schauen Sie daher vorher auf Seite, vorher einmal hinterfragen wer das was will. In unserem Beispiel bzw. meiner heutigen Email und Anlass für diesen Blogpost war es ein Impressum aus Thailand. Klar, im Datenschutzblatt stand auch noch „Ihre Daten werden nicht weitergehen“ und „Sie werden von einem Berater angerufen“. Ob man wohl aus Thailand anruft?

Was damit passiert wenn Sie solche Daten eingeben? Nun, diese werden als so genannte Datensätze an Berater verkauft. 100, 200, 300 € zahlen diese dafür um nur Ihre Daten, die Telefonnummer und eine Mailadresse zu bekommen und dann… sehen Sie selbst was dann passiert, oder lassen Sie es besser.

Mit so pauschalen Versprechungen und Versprechungen ist es wie mit anderen Lügen, es ist reine Bauernfängerei und Werbung. Natürlich gibt es eine ganze Reihe von seriöser und sehr gut arbeitender Versicherungsberater. Solche die ein Honorar für einen Tarifwechsel nehmen Ihnen auch dann helfen können, wenn Ihr Berater nicht will oder kann. Ich persönlich sehe das etwas anders. Für die eigenen Kunden gehört gerade das zum Service, denn gerade hier und jetzt zeigt sich, was eine Beratung zur PKV wert ist und war.

Beratung ist nicht mit dem Antrag zu Ende, Beratung läuft immer und immer weiter, wie der Vertrag auch.

Für meine Kunden gilt daher das, was schon immer galt. Bei Fragen melden Sie sich gern, Sie wissen wo und wie Sie mich erreichen und dann schauen wir gern gemeinsam ob es Handlungsbedarf gibt.

Aber eines sollte auch klar sein. Es ist sinnvoller heute einen Versicherer zu haben, der vorsichtig ist, richtig und auskömmlich kalkuliert und damit zu Zeiten des Arbeitslebens (und in Zeiten höherer Steuersätze) mehr Rücklagen bildet. Was ist die andere Variante? Billig, billig und nochmal billig und dann im Alter die große Rache? Nein Dank1

Tun Sie sich daher einen großen Gefallen, überlegen Sie, lassen Sie die Entscheidung sacken und melden Sie sich gern bei Fragen. Dann lässt sich dieses auch besonnen entscheiden und nicht übereilt und später mit unlösbaren Folgen.

21.
November '17

Wie die Deutsche Familienversicherung (DFV) ihre Kunden am Telefon zu einem schlechteren Vertrag überreden will – Achtung bei Anruf!


Es ist wie eine Geschichte aus einem schlechten Film und zeigt einmal mehr, am Telefon und ohne Unterlagen sollten keine Geschäfte gemacht werden, schon gar keine die eine lebenslange Folge haben können und für solche, wo es keine Unterlagen vorab für gibt. Doch einmal der Reihe nach, dann sehen und verstehen Sie auch schnell, warum die Masche nicht nur unfair, sondern sehr grenzwertig ist.

Die Vorgeschichte und der Altvertrag

Im Jahre 2012 beriet ich eine Kundin in Sachen Pflegezusatzversicherung. Diese wichtige und notwenige Absicherung dient dazu, im Pflegefall eine ergänzende Vorsorge zu haben und damit bei Eintritt in die Pflegebedürftigkeit die Sicherheit zu haben gut versorgt zu sein. Neben der zu geringen und gesetzlich vorgeschriebenen Pflegepflichtversicherung entschied sich meine Kundin gemeinsam mit mir für einen Pflegezusatzschutz nach dem Tarif Pflege Plus der Deutschen Familienversicherung. Das war in 2012, der Antrag wurde durch mich als Makler bei der DFV eingereicht und sodann auch problemlos policiert.

Als Zusatzbaustein sollte eine Beitragsrückgewähr gewählt werden. Durch diesen Baustein wird sichergestellt, auch im Falle des Todes der versicherten Person wird es hier eine Rückzahlung geben, die Beiträge fließen also ggf. an die Erben wieder zurück. Ein Blick in die Bedingungen von damals zeigt und die genaue Verfahrensweise dieses Rückzahlungsmodell, welches einiges an Mehrbeitrag kostete.

Durch das Modell der Rückerstattung wird also, bei Tod der versicherten Person, die Summe der Beiträge ausgezahlt. Klar gibt es keine Zinsen, aber die Beiträge fließen zurück. Doch soviel zur Vorgeschichte, der Versicherer hat es damals so angeboten und ich es geneinsam mit meiner Kundin so abgeschlossen. Es besteht also ein Vertrag welcher von uns als Makler vermittelt und betreut wird und regelmäßig bezahlt wird.

Der Anruf bei der Kundin, oder besser mehrere

Nun, fast fünf Jahre nach dem Abschluss des Vertrages und während der laufenden Beitragszahlung gab es einige Veränderungen in der Pflegeversicherung. Aus den damals vorhandenen Pflegestufen (0 bis 4) sind heute Pflegegrade geworden. Diese gesetzliche Änderung wirkt sich natürlich auch auf die Pflegezusatzversicherung aus und führt zu einer zwingenden Anpassung der Verträge. Dabei wurden diese Änderungen zum 01. Januar 2017 eingeführt und vom Gesetzgeber durch die Pflegereform beschlossen. Für die Versicherer bedeutet das aber auch, alle Verträge müssen angepasst werden und damit an neues, geltendes Recht angepasst.

Soweit ist es auch kein Problem, haben andere Unternehmen die Anpassungen und Überleitungen längt gemacht, schließlich besteht das neue Gesetz schon seit Anfang des Jahres. Nicht aber die Deutsche Familienversicherung, denn diese hat noch ein anderes Problem. Man hat wohl etwas Stress, Stress mit dem Aufsichtsamt.

Makler wird ignoriert, Kundin mehrfach angerufen

Nun versucht man sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen und da kommt ja die Umstellung gerade recht. Die zuständige Aufsichtsbehörde findet nämlich die Lösung mit der Beitragsrückgewähr gar nicht so schön und daher muss die irgendwie weg. Weg oder eben gelöst werden. Was macht also die Deutsche Familienversicherung? Sie versucht die Kunden anzurufen und denen das möglichst schmackhaft zu verkaufen.

Ein solcher Anruf ist zudem etwas fragwürdig, denn in dem damaligen Antrag findet sich keine wirkliche Zustimmung zur telefonischen Kontaktaufnahme, warum auch. Die Kundin hatte sich damals bewusst über einen Makler beraten lassen und dann für einen solchen Abschluss entschieden. Warum dieser Makler nicht informiert wird und ich daher von der Umstellungsidee gar nichts weiss, ist die eine spannende Frage. Mit welcher Erlaubnis und Berechtigung die Deutsche Familienversicherung dann aber mehrfach bei der Kundin anruft und telefonisch eine Umstellung machen möchte, das ist schon dreist.

Kundin möchte nichts am Telefon abschließen, dann kommt eine Mail

So gibt es einen Anruf, dann noch einen, dann wieder einen. Irgendwann reicht es meiner Kundin und Sie teilt mit, man möchte doch bitte eine E-Mail schicken mit dem Anliegen, damit sie dieses besprechen kann, damit dieses ggf. auch mit dem (damaligen und heutigen) Berater kontrolliert und überprüft werden kann und man einfach etwas in der Hand hat. Daraufhin bekam die Versicherte dann eine E-Mail, die sah so aus:

Hier sind gleich mehrere Dinge spannend.

Ich habe dann der DFV einmal mitgeteilt, ich hätte schon gern mal Bedingungen des neuen, geplanten Vertrages und der Umstellungen und das alles gern vorher. Jetzt kann man sagen: „OK, haben die vielleicht vergessen“, aber ich habe dann als Antwort bekommen:

Bedingungen verschicken wir nicht, schon gar nicht vorher. Sie als Makler müssten das ja wissen und ich verstehe gar nicht, warum Sie sich so aufregen. (Anm. ich habe mich gar nicht aufgeregt, nur nach der Faxnummer des Vorstandes gefragt und eine Beschwerde beim BaFin angekündigt).“

Auf meinen Hinweis, weder wir noch die Kundin werden etwas am Telefon abschließen oder unterschreiben, wo der Versicherer nicht einmal in der Lage und Willens ist, simple Vorschriften des Versicherungsvertragsgesetzes und der sonstigen Verordnungen zu erfüllen, wurde mir ernst (mehr …)

10.
November '17

Central will Anwartschaft nur mit Gesundheitsprüfung aktivieren – dürfen die das denn?


Es gibt so Tage, da häufen sich Fälle eigenartigerweise. Wer weiss wie viele meiner Blogbeiträge entstehen, der weiß auch, ich sammle durchaus häufige Fragen aus dem LiveChat und mache daraus einen Beitrag. Nachdem nun über zehnmal die Frage kam und es immer wieder vorzukommen scheint, nutze ich mal diesen Beitrag um Grundlagen zur Aktivierung einer Anwartschaft zu erklären. Dieses ist hier gerade auf die Central Krankenversicherung bezogen, trifft aber auf die meisten anderen Unternehmen nahezu identisch zu.

Erst einmal zur Erklärung und zum bessren Verständnis, was eine Anwartschaft ist, wie diese funktioniert und wozu man so ein „Ding“ eigentlich abschließen sollte. Ein Beispiel habe ich im Beitrag von gestern erklärt, die Sicherung des Eintrittsalters in der PKV.

Die Anwartschaft

Eine solche Anwartschaft sichert mir ein Recht. Ein Recht auf den Abschluss eines Vertrages bei einem Versicherer in einem bestimmten Tarif. Es ist also nicht unbedingt vergleichbar mit Optionen, welche auch ein Recht sichern, aber meist nicht auf einen Tarif ausgelegt sind.

Anwartschaft – eine Sicherung des Alters und Gesundheitszustandes in der PKV

Aber nicht nur vor dem Weg in die PKV, auch während des bestehenden Vertrages kann eine solche Anwartschaft sinnvoll und nützlich sein. Gründe für eine Nachträgliche Umwandlung in eine Anwartschaft sind zum Beispiel:

  • – vorübergehende Versicherungspflicht in der Gesetzlichen Krankenkasse
  • – Arbeitslosigkeit
  • – wirtschaftliche Notlagen (Achtung bei Vers. Pflicht)
  • – und andere mehr

Wann endet die Anwartschaft?

Genau diese Frage ist immer wieder ein Problem, so auch hier in der Anfrage aus dem LiveChat. Lesen Sie selbst:

Hier ist genau so ein Fall eingetreten. Nach einigem Nachfragen und „Hin- und Herschreiben“ kamen weitere Fakten und Umstände zu Tage. Es bestand damals schon ein Vertrag mit der Central Krankenversicherung und dieser wurde dann, nachdem Versicherungspflicht eingetreten war, auf „Anwartschaft gestellt“. Es wurden also weiterhin Beiträge gezahlt und monatlich pünktlich abgebucht. Aus dem damaligen Krankenversicherungsschutz wurde aufgrund der bestehenden GKV eine Anwartschaft. Grund war hier die Sicherung des Eintrittsalters und der Erhalt der gebildeten Altersrückstellungen. Eine solche große Anwartschaft ist nicht so günstig, die Beiträge sind problemlos vierstellig pro Jahr, sichern diese doch langfristig eine Rückkehr zu den alten Vertragskonditionen.

Auch hier besteht die Anwartschaft noch heute. Schon einige Jahre ist die Versicherte hier wieder in einem neuen Job und überschreitet die JAEG (Also die Grenze welche die Versicherungspflicht regelt) seit längerem wieder und kann somit in die PKV Zurückwechseln. Bisher hatte sie dieses aber nicht getan.

Nun sollte es aber endlich passieren, also schrieb die Kundin die Versicherung an, worauf diese recht einfach antwortete:

„Sie können gern wechseln, aber dann bitt mit neuer Gesundheitsprüfung.“

Die Kundin dachte, es handle sich um einen Fehler, schließlich habe sie genau darum doch die Anwartschaft die letzten 22 Jahre pünktlich bezahlt und nun soll sie dennoch eine neue Gesundheitsprüfung machen und sich dem Risiko eines Zuschlages oder der Ablehnung aussetzen? Das kann doch wohl nicht war sein, oder?

Bedingungen zur Aktivierung der Anwartschaft eindeutig

Doch nicht immer ist der Versicherer einfach nur böse und möchte den Kunden ärgern. Für eine solche Anwartschaft gelten Bedingungen, also das berühmte Kleingedruckte. Wir schauen uns einmal diese Bedingungen (hier im Stand 1/2011) genauer an, daran lassen sich gut die Regelungen erkennen.

und hier die Bedingungen aus den 90er Jahren, also die hier geltenden:

Entscheidend sind hier die Regelungen zum Aufleben des Schutzes. Dort heißt es ganz eindeutig:

„Der Wegfall der Voraussetzung für die große AW ist innerhalb einer Frist von 2 Monaten anzuzeigen…“

Dieses ist eine sogenannte Ausschlussfrist. Wird diese versäumt (dabei spielt es keine Rolle warum das passiert), so ist die Frist vorbei und eine Aktivierung der Anwartschaft ist ausgeschlossen. Daher ist es elementar wichtig, hier schnell zu handeln und den Versicherer zu informieren. Ist eine solche Info erfolgt und braucht der Versicherer dann weitere Unterlagen oder sonstige Papiere, so kann dieses auch dann noch erfolgen. Sammeln Sie aber erst alle Nachweise zusammen und dadurch verstreichen die zwei Monate, so ist die Chance auf Anwartschaft vertan.

Auch hat die Central noch eine besondere Lösung für Menschen, welche in einem GKV Wahltarif versichert sind, also einem Tarif der Sie zwar als freiwilliges Mitglied versichert, aber eine Kündigung erst nach Jahren zulässt. (Hinweis: –> Wahltarife nun doch kündbar)Wer hier dann aber an das Ende des Wahltarife kommt, der MUSS wechseln und damit die Anwartschaft aktivieren oder es aber lassen. Danach verfallen aber die Rechte aus der Anwartschaft und es besteht keine Möglichkeit mehr, ohne eine neue Gesundheitsprüfung in die Tarife zu wechseln, der Vorteil ist also futsch.

Beiträge weiterzahlen nützt nix

Aber hier scheint es die Kundin wohl nicht gewusst zu haben, oder kann sich zumindest nicht mehr daran erinnern. Der Versicherer hatte vor 22 Jahren die Bedingungen der Anwartschaft zugeschickt, aber wer „liest schon das Kleingedruckte“. Damit war es in Vergessenheit geraten und niemand hatte sich Gedanken gemacht, schließlich wurden (mehr …)

08.
November '17

Kauft sich die AXA die Kunden mit dem Treuebonus ein und verhindert so eine Kündigung bis 2019


Es gibt schon so Kuriositäten am Markt und manchmal fragt man sich dann doch: „Sind wir auf einem Basar?“ oder „macht einfach jeder alles wie er will?“

Die Axa Krankenversicherung hat es derzeit nicht leicht. Erst wurde die Beitragsanpassung gerichtlich in Frage gestellt und liegt nun weiter beim Bundesgerichtshof, dann gibt es erneute Beitragsanpassungen in den Tarifen VITAL und EL, ELO Bonus, wo man sich die Frage nach einem Versagen der Kalkulation durchaus stellen darf.

Doch nun kommt die nächste interessante Nummer. Der Versicherer hatte nicht unbedingt den besten Ruf in der Vergangenheit und fördert diesen durchaus auch durch eigenwillige Interpretationen von Anzeigepflichtverletzungen und nachträglichen Risikozuschlägen. Daher hat man anscheinend mit schwindenden Kunden zu kämpfen, denn Kunden und Versicherte werden aufgeklärter. Aufgeklärt durch tolle Kollegen und Berater am Markt und das Verständnis „billig kann nicht langfristig gut und stabil sein“ steigt durchaus. Bei einem Mitbewerber aus Köln, der Central Krankenversicherung die nun ja verschwindet, gab es das schonmal. Dort hatte das Ganze den Namen „Tarifbonus“ und war ein Nachlass auf den Beitrag.

Grundlage: Kündigung bei Beitragsanpassung

Bevor wir uns aber mit dem eigentlichen Thema beschäftigen, hier eine Grundlage zur Beitragsanpassung und Ihren Rechten als Kunde. Eine Anpassung von Beiträgen ist in der gesetzlichen wie der privaten Krankenversicherung normal und notwenig. Mehr dazu habe ich auch unter dem Punkt „Beitragsanpassung“ zusammengefasst.

Wer also eine Beitragsanpassung in seinem Tarif bekommt, sollte keineswegs sofort und unüberlegt kündigen, sondern ggf. über einen Tarifwechsel nachdenken. Auch hierzu gibt es einen älteren Artikel, der im Wesentlichen aber immer noch gilt. „Tarifwechsel statt Kündigung in der privaten Krankenversicherung

Aber ungeachtet der Frage, ob Sie kündigen sollten, allein die Tatsache „Sie könnten“ scheint der Axa aktuell etwas Sorgen zu machen. Ich würde nicht soweit gehen, dass ich behaupte es macht der Axa Angst, aber irgendwas muss ja dran sein, denn sonst würde man nicht vorsorglich mit allen Mitteln versuchen, die Kunden zu halten. Wie ich darauf komme? Nun, es gibt derzeit bei Kunden der Axa ein Schreiben, welches genau das belegt. Aber einmal der Reihe nach:

Wir schenken Ihnen Geld, wenn Sie bloß nicht kündigen

So liest sich das Schreiben zumindest, welche die Axa derzeit an Kunden verschickt. Keineswegs ist es dabei das Schreiben mit den Informationen zur Beitragsanpassung und dort bei Beilegen oder ähnliches, nein, es wird extra vorher verschickt um den Versicherten auf die schlechte Nachricht der Anpassung vorzubereiten und das Gefühl von „alles nicht so schlimm“ zu vermitteln. Eine schöne Überschrift hat es zudem, die AXA schreibt nämlich:

Ihre Treue wird belohnt

Klingt doch gut, oder? Belohnung ist immer gut, treu sein möchte man auch gern, Sie etwa nicht? Doch dann folgt der weitere Text in dem klingt es dann schon etwas anders, denn so ohne Haken und Ösen ist es dann nicht mehr. Zunächst die schlechte Nachricht, denn man möchte ja mit der guten enden, die bleibt eher in Erinnerung bis zum nächsten Schreiben.

1.) Wir müssen Ihre Beiträge anpassen, das machen wir zum 01. 01. 2018

Die Anpassung ist, wie beschrieben, auch nicht ungewöhnlich, solange alles im Rahmen bleibt. Menschen leben länger, verursachen somit mehr und länger Kosten und damit ist der Versicherer auch darauf angewiesen mehr Geld zurückzulegen. Soweit auch so unkompliziert.

Aber dann folgt der Treuebonus und auch die erste Zahl. 400 €, somit über 33 € pro Monat bietet die Axa den Kunden an. Ein Angebot um den Kunden versöhnlich zu stimmen, ihn zu „überreden“ doch nicht zu kündigen, keinen Tarif zu wechseln und damit das Problem im EL Bonus womöglich noch zu verschlimmern? Ein Angebot um zu zeigen:

„Hey, wir nehmen Dir mehr Geld ab, aber geben auch etwas wieder.“

Woher stammt das Geld?

Auch diese Beträge stammen aus den RfB Mitteln. Also den Geldern die der Versicherer für eine eventuelle Beitragsrückstellung „angespart“ hat und mit denen er neue Kunden locken und leistungsfreie Bestandskunden „bei der Stange halten will“. Denn wer leistungsfrei ist und keine Rechnungen einreicht, der wird belohnt. Alle anderen Kunden, welche krank sind, Unfälle haben, Medikamente benötigen, die nicht.

Und schon kommen wir zu dem Haken an der ganzen Nummer, denn es gelten Bedingungen, einige sogar und diese schränken den Teil derer schon einem die es überhaupt bekommen.

  • Bonus entspricht in etwa dem durchschnittlichen Mehrbeitrag der Erhöhung zum 1.1.18

  • Bonus gibt es nur einmalig für das Jahr 2018

  • der Bonus wird nur dann gezahlt, wenn Sie bis zum 30. 06. 2019 noch in dem Tarif versichert sind (es darf also keinen Tarifwechsel gegeben haben, keine Kündigung bis Juni 2019, also ist ein Wechsel oder eine Änderung erst weiter zum 1.1.2020 möglich. Ein teuer erkaufter Bonus

  • Sie müssen für 2017 UND 2018 leistungsfrei sein (wer also auch nur eine Rechnung in 2017 eingereicht hat, der ist schon jetzt raus)

  • Auszahlung erfolgt erst im August 2019

  • Höhere Beiträge aus der Anpassung sind aber ab 1.1.2018 zu zahlen, und für 2019 dann ggf. auch + weitere Anpassung wenn erforderlich

  • Beiträge müssen inkl. eventueller Mahnkosten bezahlt sein

  • kein Rechtsanspruch für Folgejahre

Schauen wir uns also einmal die Regelungen und Einschränkungen genauer an, hat das eher etwas von „Lockangebot“ und „Gut-Wetter-machen“, aber eben nichts mit ehrlicher Kalkulation zu tun. Nochmals, Anpassungen sind wichtig, diese aber einseitig einigen wenigen Kunden zu erstatten, ist zumindest fragwürdig.

Steuerlich schadet es zusätzlich

Auch hier lohnt sich ein Anruf beim Steuerberater und ggf. einmal die genaue Nachfrage und Berechnung. Denn: Die Beitragsrückzahlung (und nichts anderes ist es) ist eben auch ein Betrag X, welcher den Aufwand zur privaten Krankenversicherung mindert und damit den Betrag verkleinert, welcher sich steuerlich anrechnen lässt. So können je nach persönlicher Situation und dem eigenen Steuersatz aus den angekündigten 400 Euro auch schnell 300, 280 oder weniger werden. Steht da nicht, macht ja nix. Es ist auch ein Versicherer und kein Steuerberater.

Daher ist es schon heute so, dass bei einigen Versicherten das Einreichen der Rechnungen besser ist. Nicht alle die einen Anspruch auf eine Beitragsrückerstattung haben sollten diese auch wählen. Manchmal reicht man die Rechnungen einfach ein.

Arbeitgeberzuschuss – macht das was?

Nein, am Arbeitgeberzuschuss ändert sich dabei nichts, denn auch wenn der Treuebonus eine (mehr …)