Archiv für Oktober 2017

25.
Oktober '17

Deutschlands bestes Versicherungsblog für Endkunden – Vielen Dank


Sieger! Vielen, vielen Dank dafür. Doch immer ganz langsam und der Reihe nach.

Bei der letzten Auswertung und Prämierung wurde mein, dieses Blog hier, auf den dritten Platz gewählt. In meinem Artikel

„Unter den Top 3 der deutschen Versicherungsblogs“

habe ich damals bereits über Details und Hintergründe der Auszeichnung geschrieben. Neben dem dritten Platz in der Gesamtwertung, konnte ich auch dort Sieger bei der „fachlichen Qualität“ werden und habe mich sehr darüber gefreut. Dieses Mal ging es an eine erneute Bewertung. Dazu wurden statt der bisherigen zwei, nun drei Kategorieren untersucht. Neben den Corporate Blogs, welche von Versicherungsunternehmen betrieben werden, geht es auch hier wieder um die Bewertung von Fachblogs. Getrennt aber nach den Non-Corporate Blogs (wie meiner), welche sich an die Endkunden richten und die Blogs für Mitarbeiter oder Makler in der Versicherungsbranche.

In die Kategorie „Non-Corporate Blogs“ fallen laut Analyse der

Blogs, die von Privatpersonen, Versicherungsmaklern oder Beratungsfirmen betrieben werden und nicht ausschließlich einer Versicherung zuzuordnen sind; Zielgruppe: Endkunden

Durchgeführt wurde die Analyse wiederum von Wissenschaftlern der TU Dresden im Auftrag des IT-Unternehmens 3m5. In der Analyse werden unterschiedliche Kriterien bewertet, um so einen differenzierten Überblick über die Landschaft der Versicherungsblogs zu bekommen und eine fachliche Bewertung vornehmen zu können.

Die Kommunikationswissenschaftler untersuchten die Blogs auf Merkmale wie fachliche Qualität, Sichtbarkeit, Interaktion und Nutzerfreundlichkeit. Zudem holten sie die Bewertung einer Fachjury ein, die mit Fachjournalisten, Verbrauchern, Versicherungs- und Blogexperten besetzt war. „Der Blog ist in vielen Fällen die inhaltliche Grundlage für andere Kanäle, die Versicherungen für den digitalen Vertrieb nutzen“, sagte Michael Eckstein, Geschäftsführer von 3m5.

Auch im zehnten Jahr des Bestehens meiner Seite online-pkv.de und des Blogs auf eben dieser Seite stehen für mich weiterhin die identischen Kriterien im Vordergrund. Mit dem Blog möchte ich nicht nur informieren und mehr Hintergründe zu den Themen der Privaten Krankenversicherung, Absicherung biometrischer Risiken und der aktuellen Rechtsprechung geben. Vielmehr ist es eines meiner Hauptziele, auch oder gerade auf Missstände und Probleme in Beratungen, Abwicklungen oder bei der Leistung aus den Versicherungsverträgen hinzuweisen. Ein Problem „jemandem damit auf die Füße zu treten“ habe ich nicht, da ich immer nur das blogge, was ich sicher belegen kann.

Ein wenig stolz bin ich durchaus darauf, dass auch bei kritischen Berichten über Versicherungsunternehmen, Konzerne, Vertriebe und Mitbewerber kein einziger in all den Jahren eine juristisch angreifbare Aussage gefunden hat und gegen diese vorgehen konnte. Genaue Recherche und belegbare Aussagen sind Grundlage eines jeden fachlich fundierten Blogs.

Es ist mir eine persönliche Herzensangelegenheit, mit dem Blog fachliche Themen so aufzuarbeiten, damit diese auch von Laien und Endkunden schnell verstanden und erfasst werden können. So gelangen wichtige Informationen und Hintergründe nicht nur in verklausulierter Form, sondern klar, einfach und auf den Punkt an den Leser.

Platz 1 (82,62 Punkte (Anmerkung: 70,21 im Vorjahr)): Online-PKV-BU-Blog von Sven Hennig (http://www.online-pkv.de/pkv-bu-blog/)

Den größten Vorsprung vor den anderen Top-5-Blogs in der Kategorie Non-Corporate sichert sich der Blog von Sven Hennig durch seine überdurchschnittliche Sichtbarkeit und Vernetzung. Darüber hinaus schneidet er bei der fachlichen Qualität seiner Beiträge im Vergleich am besten ab. Beides kann die schwächeren Einschätzungen in den Bereichen Design, Navigation und Anwenderfreundlichkeit ausgleichen und ihm den ersten Platz (2016: Platz 3) im Jahr 2017 sichern. Von den Versicherungsexperten besonders gelobt werden die „gut geschriebenen Artikel“, die „sich auf das Wesentliche konzentrieren“.

Es freut mich zudem sehr, dass die „gut geschrieben Artikel“ genau so angekommen sind. Gerade in den Bereichen der Versicherung und den Bedingungen ist es unmöglich, kurze und werbewirksame Artikel zu verwenden. Daher finden sich im Blog auf sehr lange, umfangreiche Artikel, denn nur so ist es möglich detailliert aufzuklären und weitere Handlungsempfehlungen zu geben.

Ein Ausblick

Ein Blog muss leben, sich entwicklen und anpassen. Die schwächeren Einschätzungen in den Bereichen Design, Navigation und Anwenderfreundlichkeit sind derzeit bereits in der Überarbeitung, wie im letzten Artikel bereits angekündigt. Dabei geht es vorwiegend um ein Re-Design der gesamten Seite, so werden sich in naher Zukunft auch die Suchoptionen, das Design und die Nutzerfreundlichkeit nochmals entscheidend verbessern. Auch eine Anpassung der mobilen Inhalte, optimiert auf Smartphone und Tablett ist seit längerem in der Planung, macht aber eben nur mit dem kompletten Redesign einen Sinn. Daher gedulden Sie sich noch einige Wochen, wir befinden uns derzeit bereits in der Testphase des neuen Designs und ich hoffe es noch in diesem Jahr final vorstellen zu können.

Wichtiger aber ist mir nach wie vor die fachliche Qualität und die Ausführlichkeit in den Artikeln. Daher haben die Auswahl der Themen, das Aufgreifen von Fragen und Wünschen der Leser und aktuelle Ereignisse und Rechtsprechung weiterhin die Priorität Nummer eins.

Was fehlt Ihnen, was würden Sie ändern?

Auch hier möchte ich die Gelegenheit nutzen und einmal gezielt nachfragen. Gibt es Themen, Schwerpunkte oder andere Kritikpunkte, welche Sie gern geändert haben wollen? Lesen Sie regelmäßig oder sporadisch, nutzen Sie RSS Feeds oder besuchen Sie die Seite einfach regelmäßig und schauen selbst, was „da ist“?

  • – Gibt es Wünsche hinsichtlich Suchfunktion und Design? und natürlich auch die andere Seite, also
  • – Was gefällig Ihnen besondern? Warum lesen Sie hier und wie häufig tun Sie das?
  • – Benötigen Sie mehr Funktionen um Artikel zu teilen? Weiterzuleiten, auszudrucken?

Schreiben Sie mir dazu gern eine E-Mail (HIER KLICKEN) oder antworten einfach mit einem Kommentar hier auf den Artikel.

Zum Schluss bleibt mir auch diesmal einfach nur,

VIELEN DANK

zu sagen. Vielen  Dank für über zehn Jahre und Millionen von treuen und wiederkehrenden Lesern. DANKE für Ihre Zeit, Danke für’s Lesen, Weiterempfehlen und Danke auch an alle, die immer wieder spannende Themen liefern.

23.
Oktober '17

Neugeborenennachversicherung – gilt das auch für die Zusatzversicherung


Wer privat in einer Privaten Krankenversicherung (PKV) versichert ist und dann „Eltern wird“, für den ändert sich einiges. Nicht zuletzt auch der Versicherungsschutz in der privaten Krankenversicherung, welcher eine Anpassung bedarf. Nun ist es aber nicht zwingend so, dass das Kind dann auch in die private Krankenversicherung wechselt oder wechseln muss, es kann auch ein Verbleib in der GKV angeraten und sinnvoll sein. Dazu habe ich hier bereits einiges geschrieben:

Mein Kind muss „ja dann auch“ in die Private Krankenversicherung (PKV)

Doch in diesem Zusammenhang ergeben sich einige Fragen und Probleme, welche sich immer wieder in Fragen von Interessenten oder auch im LiveChat wiederholen, daher habe ich einige dieser Punkte einmal für diesen Beitrag aufgegriffen. Zu beachten sind die unterschiedlichen Situationen. Fangen wir mit der Frage der Zusatzversicherung an.

„Ich bin (nur) privat zusatzversichert, muss die private Krankenversicherung diese auch für mein Neugeborenes anbieten?“

Diese Frage beschäftigt werdende Eltern, zumindest immer dann, wenn es um eine Nachversicherung von nicht mehr gesunden Neugeborenen geht. Eltern die eine entsprechende Zusatzversicherung besitzen, können diese unter bestimmten Umständen auch für das Kind bekommen, selbst dann wenn dieses krank ist oder mit Geburtsschäden auf die Welt kommt. Auch besteht hier unter Umständen sofort Versicherungsschutz, notfalls rückwirkend zum Tag der Geburt. Wie das funktioniert und warum daher der rechtzeitige Abschluss so wichtig ist, das schauen wir uns hier an.

Versichert werden können in der Zusatzversicherung ganz unterschiedliche Bereiche, so zum Beispiel:

  • ambulante Leistungen als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenkasse (GKV)

  • naturheilkundliche Leistungen wie zum Beispiel Heilpraktiker, Osteopathie und dergleichen

  • stationäre Leistungen wie Ein- oder Zweibettzimmer, Rooming-In oder die freie Krankenhauswahl

  • ergänzende Leistungen der Pflegeversicherung als Pflegezusatzschutz

  • zahn-/ kieferorthopädische Leistungen

All diese Versicherungen kann natürlich zunächst nur der Erwachende, also einer oder beide Personen die Eltern werden abschließen und auch nur zu den für sie gültigen Tarifen. Gerade hier liegt aber der entscheiden Vorteil.

Schauen Sie zudem bitte nochmals in meinen älteren Beitrag.

Was Sie bereits zu Beginn der Schwangerschaft bedenken sollten, zu spät bedeutet nie mehr

Durch die richtige Wahl des Versicherungsschutzes der werdenden Eltern, sichern Sie dem noch ungeborenen Kind einen Versicherungsschutz ohne neue Gesundheitsprüfung, ohne Gefahr der Ablehnung und vieles mehr.

Wo ist das genau geregelt?

Grundlage für eine solche Nachversicherung sind die entsprechenden Bedingungen. Schauen wir hierzu einmal bei einem Versicherer etwas genauer hin und nehmen als Beispiel die Hallesche Krankenversicherung, was sich aber bei anderen Unternehmen ebenso darstellt. In den so genannten Musterbedingungen für die Krankenversicherung, genauer den Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung (MB/KK 2009) heisst es dann: (§2, Beginn des Versicherungsschutzes)

(2) Bei Neugeborenen beginnt der Versicherungsschutz ohne Risikozuschläge und ohne Wartezeiten ab Vollendung der Geburt, wenn am Tage der Geburt ein Elternteil mindestens drei Monate beim Versicherer versichert ist und die Anmeldung zur Versicherung spätestens zwei Monate nach dem Tage der Geburt rückwirkend erfolgt. Der Versicherungsschutz darf nicht höher oder umfassender als der eines versicherten Elternteils sein.

und weiter heißt es bei der HALLESCHE hier:

(6) Für Neugeborene, die gemäß § 2 (2) MB/KK 2009 bzw. gemäß § 2 (7) der Tarifbedingungen ab Geburt mitversichert werden, besteht ab Geburt Versicherungsschutz auch für alle vor Vollendung der Geburt entstandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Geburtsschäden sowie angeborene Krankheiten und Anomalien.

Wenn Sie sich also an wenige Vorgaben halten, dann hat das Kind auch wenn es krank auf die Welt kommt, einen entsprechenden Versicherungsschutz in der Voll- oder Zusatzversicherung.

  • mindestens 3 Monate (einige Versicherer weniger) Schutz der Eltern

  • Anmeldung binnen 2 Monaten nach Geburt RÜCKWIRKEND

  • Schutz nicht höher als der der Eltern

Einige Unternehmen verzichten zudem auf die DREI Monate Vorversicherungszeit und haben eine abweichende Regelung von einem, zwei oder null Monaten. Wer also hier rechtzeitig den Versicherungsschutz beantragt (und begonnen hat), der kann sich hier einen Schutz für das Kind sichern.

Was aber, wenn das Kind auch Anspruch auf Familienversicherung hat?

Nun, in dem Fall der Zusatzversicherung muss hier bekanntlich ein GKV Schutz vorausgehen. Also ist ein solcher Abschluss nur dann möglich, wenn die Kinder einen Schutz in der GKV haben. Das kann eine Familienversicherung sein, aber auch eine Nachversicherung eines freiwillig versicherten Kindes in der GKV. Die meisten Zusatzversicherungen setzten daher auch eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse voraus.

Kind soll in die GKV, PKV Anspruch soll aber erhalten werden

Nun gibt es durchaus Fälle, wo die Eltern unterschiedlich versichert sind. Ich habe dazu bereits eine Übersicht erstellt. Hier können Sie prüfen, ob dem Kind ein Anspruch auf eine kostenfreie Familienversicherung nach §10 SGB V zusteht.

Ist dem so, so möchten viele Eltern diese erst einmal nutzen und das Kind kostenfrei in der GKV anmelden. Dennoch möchten diese natürlich sicherstellen einen PKV Schutz zu bekommen oder eine Zusatzversicherung zu nutzen, falls der Schutz benötigt wird. Dabei sind einige Punkte mehr zu berücksichtigen.

Bestehen heute also unterschiedliche Versicherungen für die Eltern, so kann folgender Fall auftreten.

  • Elternteil 1: GKV versichert und ohne weitere Zusatzversicherungen
  • Elternteil 2: PKV versichert (Schutz besteht länger 3 Monate)

In unserem Fall besteht also für das Kind ein Anspruch auf Nachversicherung in der PKV des Elternteils 2. Nun kann es dennoch sein, das Kind soll hierbei gar nicht privat, sondern derzeit als kostenlose Familienversicherung in der GKV versichert werden. Ein solcher Zustand kann sich aber auch hier wieder ändern, denn die Einkommen und Vorgaben werden regelmäßig neu geprüft. Daher ist hier eine

NACHVERSICHERUNG in der PKV erforderlich und sinnvoll

und ggf. danach die Umstellung in eine Anwartschaft oder Zusatzversicherung. Anwartschaft macht immer dann Sinn, wenn die Möglichkeit einer Rückkehr in die private Versicherung besteht oder nicht ausgeschlossen werden kann. Die Umwandlung in eine Zusatzversicherung muss zudem vertraglich möglich sein. In den Bedingungen der Versicherer (bleiben wir auch hier wieder bei der Hallesche) heißt es dazu:

(7) Bei Kündigung nach § 13 (3) MB/KK 2009 verpflichtet sich der Versicherer zur Annahme eines Antrags auf Zusatzversicherung ohne erneute Risikoprüfung und ohne erneute Wartezeiten, soweit Zusatzversicherung und gesetzlicher Versicherungsschutz zusammen den bisherigen Leistungsumfang nicht übersteigen. Dabei wird die Alterungsrückstellung der Leistungsbereiche, welche auch in der Zusatzversicherung enthalten sind, im entsprechenden Umfang angerechnet. Die Zusatzversicherung muss dabei in unmittelbarem Anschluss an die gekündigten Tarife beginnen und der Antrag spätestens innerhalb von 3 Monaten nach Eintritt der Versicherungspflicht beim Versicherer eingehen.

Auch hier dürfen Versicherer unterschiedliche Regelungen treffen und daher ist eine allgemeingültige Aussage nicht möglich. Dennoch: Ein Versicherungsschutz ist danach durchaus auch in unserer Konstellation möglich und kann dann als Zusatzversicherung weiter bestehen bleiben. Die Anwartschaft ist zudem separat zu vereinbaren. Ein entstehen der Familienversicherung ist mit der Versicherungspflicht durchaus gleichzustellen.

Schauen wir uns noch einmal unseren Fall an und verändern die Rahmenbedingungen etwas.

  • Elternteil 1: GKV versichert und mit bestehenden Zusatzversicherungen
  • Elternteil 2: PKV versichert (Schutz besteht länger 3 Monate)

Hier besteht also neben der GKV bei dem dort versicherten Elternteil noch eine Zusatzversicherung und damit weiterer Versicherungsschutz. Die Eltern haben also noch erweiterte Möglichkeiten. Auch in der Zusatzversicherung besteht eine Nachversicherungsgarantie, siehe Erklärungen oben in diesem Beitrag. Wird das Kind nun also geboren, können sich die Eltern selbst entscheiden:

  • Nachversicherung in der PKV, ggf. dann Umstellung in die Zusatzversicherung

  • Nachversicherung in der Zusatzversicherung des GKV versicherten Elternteils

in besonderen Fällen kann sogar beides sinnvoll und möglich sein. So kann ein Kind heute in die GKV Familienversicherung und dabei eine Zusatzversicherung nutzen, zudem die PKV zunächst aktiviert und dann auf Anwartschaft umgestellt werden. Damit bleibt sowohl die spätere Rückkehr in die PKV, aber auch der passende Schutz während der GKV erhalten.

Mehr Lesestoff:

Ich habe in diversen Beiträgen schon einmal zusammengetragen, wie sich die Geburt eines Kindes oder die Planung einer Familie auf den Versicherungsschutz in der Krankenversicherung auswirkt. Daher hier einige Beiträge zum Nachlesen und weiterlesen.

13.
Oktober '17

Warum Verbraucherschützer pleite wären – haarsträubende Aussagen zur Absicherung gegen Berufsunfähigkeit für Studenten


Ja, ja. Jetzt werden gleich die ersten schon schreien: „so kann man das ja nicht verallgemeinern“ und klar kann man das nicht. Aber die Verbraucherschützer schimpfen auch immer auf die böse Branche der Vertreter und Vermittler, ohne Differenzierung und ohne Wissen. Daher habe ich den Spieß hier bewusst einmal umgedreht und überspitzt formuliert.

Leider haften diese „Ratgeber“ in den Verbraucherzentralen nicht.

Im Gegensatz zu jedem Versicherungsmakler (wie ich), zu jedem Versicherungsvertreter oder Versicherungsberater können Verbraucherschützer jeden Unsinn ungestraft verbreiten und einfach mal draufhauen. Ohne Fakten und ohne Kenntnis, aber natürlich ist die Branche erstmal per se böse, will diese doch den armen Studenten eine Berufsunfähigkeitsversicherung andrehen und gleich auch noch den Sinn für die Altersvorsorge erklären. Dieses nutzt dann auch Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg aus und haut mal wieder drauf, völlig ohne Substanz.In der Studie geht es nicht nur um die Altersvorsorge, sondern auch um die Frage der Absicherung gegen das Risiko einer Berufsunfähigkeit. Das Handelsblatt hatte in dem Artikel zur Studie nochmals die Zahlen dargestellt. 13 (!) Prozent haben eine Absicherung gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit.

„Auch beim Thema Absicherung von Risiken scheinen Studenten eher blauäugig. 52 Prozent besitzen eine private Haftpflichtversicherung und nur 13 Prozent haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen.“

Das Thema Altersvorsorge möchte ich hier daher auch nur ganz kurz anreißen.

Natürlich haben Studenten wenig Geld,

natürlich haben viele schon genug mit laufenden Kosten für das WG Zimmer, Nebenkosten und auch dem Leben zu tun. Klar möchten „Studenten auch das Student sein genießen“, was völlig legitim und in Ordnung ist. Dennoch ist hoffentlich allen klar, je früher ich anfange mit notfalls ganz kleinen Beträgen zu sparen, desto einfacher ist es am Ende auch weiter zu machen, durch zu halten und damit eine Vorsorge zu treffen.

Jeder muss sich selbst im Klaren darüber sein, etwas für die Altersvorsorge zu tun ist unerlässlich, will ich nicht im Alter von Sozialleistungen leben. Wann ich am Ende damit anfange ist egal, solange klar ist, je später- desto mehr muss ich anlegen. Da stellt sich dann irgendwann schon die Frage, ob nicht heute 15, 25, 50 Euro einfacher zu bezahlen sind, oder ob es 300, 400, 500 Euro später werden müssen.

Dennoch, gerade in der Vorsorge wird einiges an Unsinn angeboten und natürlich bedarf es hier Aufklärung und Beratung. Aber sich hinzustellen und so zu tun, als würden Versicherer, Fondsanbieter und Finanzdienstleister nur verkaufen wollen und zudem nur Sachen, die „Ihr jetzt nicht braucht“, ist nicht nur anmaßend, sondern frech.

Im Gegensatz zu Ihnen, sehr geehrter Herr Neuhauser, haften meine Kollegen und ich für unsere Ratschläge und Empfehlungen und notfalls auch für die, die nicht gegeben wurden. Tipps und Ratschläge a la „lass mal sein“ können da schnell ins Geld (des Beraters) gehen. Sie und Ihre Kollegen Verbraucherschützer sind dann schnell wieder die ersten die dem jammernden und kranken Kunden raten:

„Da müssen Sie schnell zum Anwalt, das hätte man versichern können, hat Ihnen Ihr Berater/ Makler/ Vertreter das nicht gesagt?“

Berufsunfähigkeit fragt nicht nach dem Alter – sie kommt, wenn sie kommt!

Studenten sind jung, oftmals gesund.

„Die 10-15 Euro im Monat für eine BU? Ne, dafür gehe ich lieber feiern.“

Zumindest meist solange bis die ersten Prüfungen anstehen. Dann kommt zumindest auf dem Papier mal das erste Wehwehchen. So ein bisschen Magenschmerzen hier, so ein bisschen Stress da. Nicht gleich Burnout, ganz sicher nicht, aber ein kleines Coaching, ein bisschen auf die Couch des Psychologen, schließlich möchte die Studentin/ der Student seine Prüfung bestens meistern. Geld war keins da, also hat der Psychologe mal „schnell bei der Krankenkasse angefragt“, denn: „Die zahlen das schon, Sie sind ja überlastet, eine F-Diagnose geht immer.“

Auch diese kleine Notlüge beim Arzt ist da schon mal drin, oder die Magenschmerzen sind wirklich da. Magen, Kopf, Rücken, all das schmerzt vom vielen lernen. Nebenbei der Job um das Leben zu finanzieren, ist alles ganz schön stressig. Ganz schön anstrengend und Aussagen wie:

„Ich war da mal beim Arzt, brauchte eine Krankschreibung für die Prüfung, sonst wäre ich wohl durchgerauscht.“

höre ich immer und immer wieder. „An die Folgen habe ich nicht gedacht“ oder „Das ist schlecht jetzt, oder?“ kommen erst dann in den Sinn, wenn die Versicherer aufgrund der Vorerkrankungen 10, 25, 50 oder mehr Prozent Zuschlag anbieten. Klar, in den Semesterferien hat man Zeit. Mit den Studienkollegen feiern, ab auf die (Wintersport-)Piste, in den Urlaub nach Asien und die Backpackerzeit genießen? Klar, alles richtig und wichtig. Solange alles (gesundheitlich) gut geht, gar kein Problem, aber wehe, wenn nicht.

Ich behaupte nicht einmal, die Studenten werden häufig(er) berufsunfähig. Warum auch. Diese sind jung, belastbar und machen ihr Studium gut. Danach aber ist irgendwann der erste Job da. Endlich Geld verdienen, endlich Zeit für all die Sachen, die im Studium finanziell nicht drin waren. Da kommen Urlaube, das eigene Auto, eine eigene Wohnung und mal Weggehen mit Freunden und den neuen Kollegen.

„Die 40, 50 oder 100 Euro für einen passenden BU Schutz? Ne, das Geld brauch ich jetzt erstmal anderweitig, mit passiert schon nix.“

OK, dann geht es wohl nicht. Vertreter oder Makler blitzen ab, Verbraucherschützer wie Sie haben ja schon vor dem Studium gesagt „lasst Euch nix andrehen, die wollen nur verkaufen.“ Das sind Aussagen, die bleiben im Kopf, denn Sie als Verbraucherschützer müssen es ja wissen. Sie sind ja unabhängig und bekommen keine Courtage, keine Provision und der geldgierige Vermittler und Makler will den Kunden nur ärgern und sein Geld. Ist klar!

Die nächsten vier, fünf Jahre sind auch überstanden, der große, runde, 30. Geburtstag steht an, endlich. Frau, Freundin, Mann.

„Schatz, wollen wir Kinder? Ich will nicht so alt Vater werden.“

Und wieder steht die gleiche Frage im Raum, böse Vermittler kommen wieder um die Ecke, wollen nur verkaufen. Nein, unser Kunde ist standhaft und erinnert sich wieder an die mahnenden Tweets des Verbraucherschutzes.

„Die 70, 80, 100 Euro für eine passende und ausreichende BU? Jetzt? Ne, ich bin gesund, muss erstmal Familie, Kind, Haus, Auto bezahlen. Mit passiert wohl eher nix, bin ja gesund, sehn ’se doch.“

Auch andere Themen sind jetzt wichtiger, da ist für Altersvorsorge kein Geld da, keine Zeit, keine Mittel. Geld ist zwar da, der Job ist gut, aber es ist auch schnell wieder weg. Erstmal leben, mit Mitte dreißig und dem ersten Kind… Das Einkommen steigt weiter und weiter, die Karriereleiter scheint kein Ende zu haben und auch der zweite Elternteil steigt wieder ein. Kind in die Kita und die berufliche Entwicklung nur nicht aufhalten. Die Leiter weiter hoch krabbeln. Weiter, schneller, höher… schließlich will man ja mal hoch hinaus. Gut verdienen ist schon jetzt, aber sicher geht da noch mehr. Oder erstmal doch ein Sabbatjahr? Endlich mal raus, endlich mal die Welt sehen und die Chance nutzen.

„Was? 150 € für eine BU? Mit passender Höhe sogar 200 €? wo soll ich die denn hernehmen? Ne, ne, ich verdiene gut, kann auch die GKV verlassen, aber das Kind kostet. Wissen Sie was so eine Kita kostet? Schule, Sportverein, Gymnasium, schließlich will man nur das Beste für sein Kind. Verstehen ’se doch, oder?

Oh, die nächste Runde steht an. Endlich 40. WAAAAAS? Schon 40? Jetzt beginnt das große Nachdenken. Hier ein Zipperlein, da eine Krankheit. Hier eine Allergie, da ein Arztbesuch. Ach ja, der Skiunfall vor einigen Jahren ist auch nicht ganz ohne Folgen geblieben. 50, 60 Stunden Arbeit die Woche auf dem Weg zum Partner. Endlich Chef, endlich mehr Zeit und weniger Arbeit, das wollen Familie und unser Kunde auch.

Irgendwann ist aber durchaus Schluss, Schluss mit dem Arbeiten. Nein, nicht das Rentenalter ist erreicht, nicht der wohnverdiente Ruhestand und das süße Leben im Alter. Jetzt ist krankheitsbedingt die Absicherung der Berufsunfähigkeit schon lange nicht mehr möglich, denn die Krankheiten sind da. Das muss nicht mal der dauerhafte Zustand der Berufsunfähigkeit sein, nicht einmal lebenslang aus dem Arbeitsleben heraus. Es reichen einige Jahre durchaus aus.

Damit klar wird welche Gefahren drohen, hier mal einige Leistungsfälle aus eigener Erfahrung:

– 42jähriger Bauingenieur, Krebserkrankung, 2.255 € Rente,

gezahlt über 61 Monate = 137.555 €

– 21jähriger Friseur, Motorradunfall, BU Rente 1.300 €,

gezahlt wird laufend seit 2003, bisher 210,600 €

– 36jähriger Anwalt, Burnout Erkrankung, außer Gefecht Mai 2014 bis März 2017,

Rente 3.450 €, 117.300 €

– 55jähriger Manager, psychosomatische Rückenbeschwerden, Rente seit 3/2016, voraussichtlich dauerhaft,

bisher 72.250 €, laufend 4.250 €

und um zumindest noch einen der Fälle zu nehmen, die ja nicht BU werden können und den Schutz nicht brauchen, einen guten Freund von mir.

– Student der Medizin, Skiunfall und Koma, derzeit Reha,

Rentenzahlung bisher 1.500 € * 23 Monate = 34.500 €

Natürlich werden Sie tausende, Millionen Studenten finden die während Ihres Studiums nicht berufsunfähig geworden sind. Dazu kommen viele, die sogar nach dem Studium noch ganz gesund sind und problemlos einen BU Schutz abschließen können oder konnten. Auch die, die sich nicht mit Ausreden über die nächsten zwanzig Jahre gerettet haben und erst ankommen, wenn es zu spät ist. Aber es gibt eben auch die anderen Fälle.

Liebe Verbraucherschützer,

einige von Euch haben ja schon ganz interessante, andere wiederum ganz eigenwillige Ansätze und Aussagen. Man lese nur hier einmal diese Artikel dazu:

Auch Ihre Kollegen von Finanztest haben sich in den letzten Jahren nicht unbedingt mit Ruhm, bekleckert, was sich sowohl im

bemerkbar machte und schon damals zu viel Diskussionsstoff führte.

Fakt ist aber, Sie und auch ihre Kollegen haften nicht für den Unsinn den Sie verbreiten. Nicht heute, nicht in zwanzig Jahren und auch nicht, wenn der „beratende“ Kunde nach 10 Jahren als berufsunfähig zurückbleibt. Rate ich einem Kunden davon ab, so sollte ich es dokumentieren und dieses somit später nachweisen und begründen können. Hält ein Kunde trotz ausführlicher Beratung und Aufklärung es nicht für nötig einen solchen Schutz abzuschließen ist dieses sein gutes Recht und seine eigene Entscheidung. Aber: Dann möge er bitte auch dazu stehen und die Konsequenzen tragen.

Übrigens: Nicht immer ist das Geld das Problem. Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Eltern, welche sich um diese Frage des Schutzes für das eigene Kind Gedanken machen und sich sogar bereit erklären, bis Studienende die Beiträge zu übernehmen. Danach, dann ist der erste Schritt geschafft. Anpassungsoptionen und die Nachversicherung machen eine sinnvolle Erhöhung möglich und sichern auch dann gestiegenen Lebensstandard ab.

Übrigens frei nach „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ empfehle ich Herrn Neuhauser einmal die Lektüre der Internetseite seines eigenen Arbeitgebers. Selbst dieser erkennt als Verbraucherschützer“ die Notwenigkeit der BU und schrieb (vor knapp einem Jahr) hier unter diesem LINK:

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wichtig für Studenten ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Studenten und junge Arbeitnehmer, die durch Krankheit oder Unfall nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten, erhalten meist keine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert den eigenen Lebensunterhalt.

Je jünger man in die Versicherung einsteigt, umso günstiger sind die Prämien. Das Studium ist ein guter Zeitpunkt, eine solche Versicherung abzuschließen, sofern man die Versicherungsbeiträge bezahlen kann. Es bestehen große Chancen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit günstigen Bedingungen und niedrigen Beiträgen abzuschließen. Manche Anbieter legen Studenten problematische Vertragsbedingungen vor. Zum Teil ist der Schutz für die Zeit des Studiums unzureichend: Es gibt Anbieter, die nur dann eine Rente zahlen, wenn man gar keine berufliche Tätigkeit mehr ausüben kann.

Unterschiedlicher Qualität sind auch die Bedingungen für die Zeit nach dem Studium. Stichwort hierfür ist etwa die sogenannte Nachversicherungsgarantie.

Bevor also wieder einmal Sie lieber Hr. Neubauer oder einer der Kollegen drauf lospoltert und einfach mal was twittert nur weil man bei Twitter auch mal etwas Provokantes sagen möchte, dann lesen Sie doch bitte erst einmal die Lektüre ihres eigenen Arbeitgebers.

Übrigens: Ich lade Sie gern auf eine Online-Diskussion ein. Lassen Sie uns gern mit zwei, drei, vier Mitgliedern der unterschiedlichen „Lager“ eine Diskussionsrunde eröffnen und diese live im Netz übertragen. Ich bin mir sicher, es findet sich ein Magazin oder eine Website die dieses unterstützt und auch für die technischen Möglichkeiten und die Übertragung sorgen kann. Die Einladung steht!

Liebe Studenten,

klar sollt Ihr feiern, klar sollt Ihr Spaß haben und das Leben genießen und sicherlich gehören Versicherungsbedingungen nicht unbedingt zu dem „sexy stuff“ den man sich unbedingt „reinziehen“ muss. Klar ist aber auch eins. Ein Berufsunfähigkeitsschutz ist nicht billiger, wenn man wartet, nein, er wird es auch nicht.

Schutz gegen die finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit sind nicht erst wichtig, wenn der Beruf da und das Studium fertig ist. Hier daher noch einige Anregungen zum einlesen.

und wenn Ihr all das gelesen und bis jetzt das iPad oder den Computer nicht ausgeschaltet habt, Glückwunsch. Dann schaut Euch bitte auch noch den

und stellt Euch die Frage: „Wo bekomme ich eine unabhängige Beratung zu Versicherungsfragen“ und dann sucht Euch genau diese.

Klar, wir als Berater leben davon, gern, gut und ehrlich mache ich das, jeden Tag. Natürlich sind in den Prämien Kosten enthalten, Kosten die die Beratung decken und wir als Berater ausgezahlt bekommen. Warum? Weil wir davon leben und es bei einigen nicht nur Beruf, sondern Berufung ist.

Also: Lasst Euch nicht verunsichern von Menschen, die für Ihre Aussagen eben nicht haften, denen es egal ist was diese gestern gesagt haben und einfach nur einmal 140 Zeichen Aufmerksamkeit brauchen. Schade, aber so ist es nun einmal.

Weiterhin… frohes Schaffen. Denn ohne Einkommen ist alles andere auch nix. Kein Urlaub, kein Haus, keine Familie und auch keine Rente. Leider!

10.
Oktober '17

Elektrostimulationsgerät ist eben kein Stützapparat – Urteil/Beschluss des BGH IV ZR 116/15


Bereits vor einigen Jahren schrieb ich über die Central Krankenversicherung mit der Ablehnung einer Zahlung für einen „NF-Walker“ und damals war diese Entscheidung nur bedingt nachvollziehbar auf Kundenseite. Auch nun hatte ich der Bundesgerichtshof mit einem erneuten Versicherten in dem Tarif VC3H der Central zu beschäftigen, das Verfahren ging jedoch anders aus als erwartet.

Grundlage der Verhandlung war ein Revisionsantrag aufgrund eines Urteiles des LG Köln, welcher dazu führte, dass der Bundesgerichtshof sich dieser Sache erneut annehmen musste. Es gab am Ende gar kein Urteil, nur einen Beschluss des BGH, welcher die Entscheidung und auch die Position des Gerichtes ganz klar herausstellt.

Elektrostimulationsgerät ist eben kein Stützapparat – was war passiert?

Auch diesmal ist ein Hilfsmittel der entscheidende Streitpunkt. Doch um die Hintergründe zu verstehen, schauen wir uns erst einmal an, wie denn solche Hilfsmittel generell versichert sind.

Hilfsmittel sind Geräte, welche eine körperliche Behinderung ausgleichen oder mildern sollen und damit ein weitgehend normales Leben, ein normales Fortbewegen ermöglichen sollen und den Patienten in die Lage versetzen, sich ohne Fremde Hilfe zu bewegen.

In unserem Fall lag bei dem Kläger infolge des Ausfalls einer Nervenfunktion eine Fußhebeschwäche vor. Das Elektrostimulationsgerät „Walk Aide 1000“ soll dabei Linderung verschaffen und helfen, wieder besser gehen zu können. (BILD: (c) Hersteller ProWalk)

 

Doch auch wenn es gar nicht so aussieht, der Preis hat es durchaus in sich. Die Anschaffungskosten für ein solches Gerät liegen bei 4.829 € und damit nicht günstig. Der Kläger wähnte sich in Sicherheit und wollte dieses von seiner privaten Krankenversicherung erstattet haben. Doch die Central sah das anders.

Elektrostimulationsgerät ist eben kein Stützapparat – Regelungen in den Bedingungen

Dazu ist es immer wichtig, sich die genaue Formulierung der Leistung in den Bedingungen anzusehen, hier handelt es sich um den Tarif CV3H der Central Krankenversicherung.

Im (weit verbreiteten) Tarifwerk CV3H heißt es dazu:

Erstattungsfähig sind bei medizinischer Notwendigkeit ausschließlich

a) die Aufwendungen für Bandagen, Bruchbänder, Leibbinden, Kunstaugen, künstliche Kehlköpfe, orthopädische Stützapparate, orthopädische Einlagen, Gummistrümpfe, Beinprothesen, Armprothesen, Insulinpumpen, Unterarmgehstützen, Gehstöcke, Stoma- Versorgungsartikel, Hörgeräte und handbetriebene Standardkrankenfahrstühle,

b) unter Beachtung von summenmäßigen Begrenzungen die Aufwendungen für Sehhilfen (Augengläser, Brillengestelle, Kontaktlinsen) in tariflichem Umfang,

(…) Zusätzlich sind bei medizinischer Notwendigkeit ausschließlich die Aufwendungen für folgende Hilfsmittel erstattungsfähig, sofern sie nach vorheriger Abstimmung mit der Central über das Hilfsmittel- Management der Central bezogen werden:

Heimmonitore zur Überwachung der Atmungs- und/oder Herztätigkeit von Kleinstkindern zur Vorbeugung gegen plötzlichen Kindstod (SIDS), Sauerstoffgeräte, Ernährungspumpen, Wechseldruckmatratzen/- systeme, Krankenbetten in funktionaler Standardausführung, Schmerzmittelpumpen, Beatmungsgeräte, Schlafapnoegeräte, Motor-Bewegungsschienen und Heimdialysegeräte.

Schon zu beginn, spätestens bei dem Wort „ausschließlich“ wird deutlich, dass es sich um einen lückenhaften Versicherungsschutz handelt, der so wohl dem Kunden anscheinend nicht bewusst war. Denn dieser war nun der Meinung, es handle sich ja um einen Stützapparat, was das Gericht anders sah. Denn wie der Name schon sagt, muss es dazu eine stützende Funktion geben, die hat ein solches Gerät aber nicht.

Dennoch wollte der Kunde sich nicht „geschlagen geben“ und führte somit aus, es müsse doch mindestens die Leistung der gesetzlichen Krankenkasse (gemäß SGB V) versichert sein, denn diese müsste der Versicherer gegen sich gelten lassen. Doch auch das wurde nichts. Anders als im Basistarif der PKV, kann der Versicherer in anderen Tarifen natürlich eine Leistung und damit auch versicherte Hilfsmittel individuell vereinbaren und muss nicht auf ein anderes Leistungsniveau abstellen. Im Basistarif sähe das anders aus.

Auch stellte der BGH nochmals klar:

„AVB sind so auszulegen, wie ein durchschnittlicher VN sie bei verständiger Würdigung, aufmerksamer Durchsicht und Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhanges versteht“

Insgesamt wurde die Klage abgewiesen und auch alle weiteren Argumente griffen nicht durch. Die Central hat hier zurecht die Leistung verweigert, da es sich um ein nicht versichertes Hilfsmittel handelt und die Gesellschaft im Sinne aller Versicherten und der Beitragsstabilität handeln muss. Für den Kunden ist es dennoch bitter, denn die Kosten sind natürlich immens.

Tarifwechsel als Lösung?

In den neuen Tarifen der CENTRAL, zum Beispiel in dem central.privat sieht die Regelung wie folgt aus:

(I) Erstattungsfähige Hilfsmittel

Erstattungsfähig sind Aufwendungen für Hörhilfen, Körperersatzstücke, orthopädische und andere Hilfsmittel, die Krankheits- oder Unfallfolgen sowie Behinderungen unmittelbar ausgleichen bzw. mildern, den Erfolg der Heilbehandlung sichern oder das Leben erhalten.

Erstattungsfähig sind auch Aufwendungen für die Reparatur und Wartung von Hilfsmitteln.

Nicht erstattungsfähig sind Aufwendungen für:
– Produkte, die als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind
– Produkte, die vorrangig dem Fitness- oder Wellnessbereich zuzuordnen sind
– den Unterhalt und die Betriebskosten von Hilfsmitteln (z.B. Stromkosten und Batterien)
– Fieberthermometer, Pulsmessgeräte, Waagen, Wärmelampen, Heiz- und Kältekissen, Mundduschen und Zahnbürsten.

Besteht auch ein Anspruch auf Leistungen gegen einen anderen Kostenträger (z.B. Pflegepflichtversicherung), ist die Central nur für die Aufwendungen  leistungspflichtig, die vom Anspruch gegen den anderen Kostenträger nicht umfasst sind.

Auch die Regelung ist sicher nicht die beste, dennoch würde hier wohl eine Leistung allein aus der Formulierung „und andere Hilfsmittel“ in Frage kommen. Wer also noch in einem alten Tarif mit geschlossenem Hilfsmittelkatalog versichert ist und damit auch einem, in welchem die Mindeststandards eher nicht erfüllt sind, der sollte sich (solange es noch möglich ist) mit einem Tarifwechsel beschäftigen und ggf. im eigenen Versicherer einen anderen Tarif wählen.

09.
Oktober '17

Süddeutsche Krankenversicherung (SDK) mit hohen Beitragsanpassungen in Alttarifen


Vor einigen Tagen hatte ich von einem Versagen der Kalkulation bei der Axa geschrieben und im Verlauf auch zu dem gerichtlichen Prozess um die Unabhängigkeit des Treuhändlers. Hier zeigt sich bei den Anpassungen der AXA ein sehr hoher Bedarf, die Hallesche hatte hingegen deutlich moderatere Entwicklungen angekündigt. Nun folgt der nächste im Bunde, auch die SDK veröffentlicht nun bereits das, was die Kunden nach dem 14. 11. 2017 als Post nach Hause bekommen.

–> Beitragsanpassungen zum Januar 2018 können Sie aktualisiert immer wieder hier nachlesen. 

Doch nun zurück zum eigentlichen Thema dieses Beitrages, den angekündigten Anpassungen der Süddeutschen Krankenversicherung, welche in den letzten Jahren immer wieder auf die „Ein-Traifwerk Strategie“ hingewiesen haben und damit nach eigenen Aussagen sehr gut gefahren sind. Zum Mai diesen Jahres kamen dann die neuen Tarife mit einem der höchsten, wenn nicht dem höchsten Leistungsniveau in der deutschen PKV. Mit „mehr geht nicht“ lassen sich die Leistungen der Tarife am besten umschreiben.

–> Neue Tarife der Süddeutschen Krankenversicherung – mehr Leistung, noch mehr Leistung

Diese neuen, gerade erst eingeführten Tarife „Gesundheit fair“ sind von der Anpassung nicht betroffen. Wie auch, sind diese nun auch erst wenige Monate alt. Zudem hatte die SDK den Bestandskunden in den Alttarifen bereits bei der Tarifeinführung der neuen „Gesundheit Fair“ Serie ein Wechselrecht ohne Gesundheitsprüfung eingeräumt, was ich persönlich für- vorsichtig formuliert- schwierig halte, aber das ist ein anderes Thema.

Beitragsanpassung 2018 – welche Tarife sind betroffen?

Grundsätzlich kann man sehr vereinfacht sagen, fast alle Tarife in dem alten Tarifwerk FLEXOPrivat sind von der Anpassung betroffen. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um die

  • FLEXOPrivat Tarife in der alten Bisex Welt

  • FLEXOPrivat Tarife in der neuen Bisex Welt

  • FLEXOPrivat Tarife in der Unisex Welt

  • Beamtentarife in der alten Bisex Welt

  • Beamtentarife in der neuen Bisex Welt

  • Beamtentarife in der Unisex Welt

  • Pflegetagegelder PG in Bisex (nur bei Männern)

  • Zusatztarife (dort teilweise aus Senkungen)

  • Krankentagegelder in Bisex

  • Krankentagegelder in Unisex

  • Firmentarife

  • Kassentarife

  • Alttarife

handelt, all diese Tarife sind betroffen und werden teilweise sehr deutlich angehoben. Damit keine Missverständnisse entstehen und wie ich es auch sonst immer schrieb, Anpassungen finden nicht in Prozent sondern am Ende in Euro statt. Die SDK besitzt Bausteintarife, bedeutet also auch es kann nur ein Baustein (ambulant, stationär und/oder Zahn) angepasst werden, dennoch sind die Anpassungen gravierend.

Beitragsanpassung 2018 – wie hoch können die Anpassungen sein?

Nun, die SDK hat bereits Prämien veröffentlicht, Prämien für das Neugeschäft welche sich nicht direkt 1:1 auf den Bestand übertragen lassen, dennoch bieten diese Anpassungen im Neugeschäft einen Ausblick auf die Bestandstarife. Ich werde einfach mal hier zu den Tarifen / Tarifgruppen einige Anpassungszahlen schreiben. Alle Angaben sind in %.

FLEXOPrivat Tarife in der alten Bisex Welt, Tarife A100, A107, A80

ambulante Tarife A100n, A107n, A80n, A210n, A75n – Anpassungen bis 20% bei Kindern, bis 25% bei Erwachsenen, Frauen bis 43%
AZn – Anpassungen bis 1,6% bei Kindern, Schüler bis 60%, bis 23% bei Erwachsenen
stationäre Tarife S102n, S101n – keine Anpassungen bei Kindern, bis 20% bei Schülern, bis 21% bei Erwachsenen

FLEXOPrivat Tarife in der neuen Bisex Welt

ambulante Tarife A100n, A107n, A80n, A210n, A75n – Anpassungen bis 20% bei Kindern, bis 25% bei Erwachsenen
AZn – Anpassungen bis 1,6% bei Kindern, Schüler bis 60%, bis 10% bei Erwachsenen
stationäre Tarife S102n, S101n – keine Anpassungen bei Kindern, bis 43% bei Schülern, bis 21% bei Erwachsenen

FLEXOPrivat Tarife in der Unisex Welt

ambulante Tarife A100U, A107U, A80U, A210U, A75U – Anpassungen bis 22% bei Kindern, bis 21% bei Erwachsenen, Frauen bis 39%
AZU – Anpassungen bis 2% bei Kindern, Schüler bis 50%, bis 12% bei Erwachsenen
stationäre Tarife S102U, S101U – keine Anpassungen bei Kindern, bis 20% bei Schülern, bis 8% bei Erwachsenen

Beamtentarife in der alten Bisex Welt

ambulante Tarife A30a, R30a, BW1a – Anpassungen bis 37% bei Schülern, bis 23% bei Erwachsenen
AZn – Anpassungen bis 17% bei Kindern, Schüler bis 38%, bis 11% bei Erwachsenen
stationäre Tarife S30a – 20% Anpassungen bei Kindern, keine bei Schülern, keine bei Erwachsenen

Beamtentarife in der neuen Bisex Welt

ambulante Tarife A30n, R30n, BW1n – Anpassungen bis 38% bei Schülern, bis 23% bei Erwachsenen
AZn – Anpassungen bis 17% bei Kindern, Schüler bis 38%, bis 9% bei Erwachsenen
stationäre Tarife S30n – 20% Anpassungen bei Kindern, keine bei Schülern, keine bei Erwachsenen

Beamtentarife in der Unisex Welt

ambulante Tarife A30U, R30U, BW1U – Anpassungen bis 15% bei Schülern, bis 11% bei Erwachsenen
AZn – Anpassungen bis 17% bei Kindern, Schüler bis 28%, bis -3 bis 4% bei Erwachsenen
stationäre Tarife S30a – 20% Anpassungen bei Kindern, keine bei Schülern, keine bei Erwachsenen

Pflegetagegelder PG in Bisex (nur bei Männern)

PG1, 2, 3, 4, 5 (S) Keine bei Kindern und Schülern, bis zu 67% bei Erwachsenen

Zusatztarife (dort teilweise aus Senkungen)

Zusatztarife AG, AG80, NH, ZGBm WGZ Senkungen bis 40%, Erhöhungen bis 15%

Zusatztarife Unisex: Senkungen bis 40%, Erhöhungen bis 24%

Krankentagegelder in Bisex

TA2-52: geringe Senkungen, in hohen Karenzzeiten bis 60% Anpassung

Krankentagegelder in Unisex

TA2-52: geringe Senkungen, in hohen Karenzzeiten bis 80% Anpassung

Firmentarife, Kassentarife

geringe Senkungen, Anpassungen bis 30%

Alttarife

Anpassungen auch hier von Senkungen bis 12% bis hin zu Erhöhungen von 29%

Beitragsanpassung 2018 – was Sie tun können?

Nun, zunächst sei nochmals erwähnt, es handelt sich hier um Neugeschäftsbeiträge. Allerdings von Tarifen die so aktiv nicht mehr angeboten werden. Die SDK hat sich mit Einführung des neuen Tarifwerkes entschieden, hier den Bestandskunden ein Wechselrecht anzubieten.

Dieses können Sie nutzen und damit ggf. sogar (temporär) Geld sparen und sich einen besseren Versicherungsschutz ohne Gesundheitsprüfung erkaufen. Sie sollten sich dabei aber zunächst Gedanken machen (je mehr, desto länger Sie bereits in den Tarifen sind) welche Leistungen Sie STAND HEUTE wirklich brauchen, was Ihnen wichtig ist und wie diese Leistungen abgeschlossen werden können. Dazu bietet der

KRITERIENFRAGEBOGEN zur PKV

eine kleine, erste Hilfestellung. Danach benötigen Sie Beratung, Beratung in welche Tarife ein solcher Wechsel möglich ist. Vorrangig bei der SDK selbst, ist dieses dort aber gar nicht zu bekommen, so wären selbst anderweitige Alternativen denkbar.