Archiv für Juli 2017

27.
Juli '17

getsurance mit neuen Tarifen zur Berufsunfähigkeitsversicherung und neuen Chancen- BU Schutz auch bei Psychotherapie


Die Anbieter im Bereich der Berufsunfähigkeit haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Das führt zum einen zu ständig neuen und besseren Bedingungswerken und einem immer besseren Versicherungsschutz, auf der anderen Seite bedeutet dieses aber auch immer mehr Selektion und Ablehnungen. Warum? Weil die Versicherer sich bei Vorerkrankungen wie denen aus dem Bereich der Psyche (so genannte F-Diagnosen) schnell zurückziehen und keinen Schutz anbieten.

In meinem Beitrag

„Zuschlag oder Ausschluss“

habe ich schon einmal ausführlich zu dem Thema Risikoentscheidung und der damit verbundenen Einschränkung des Versicherungsschutzes geschrieben. Dennoch gibt es eine Reihe von Erkrankungen, welche sich schlecht ausschließen lassen, oder anders gesagt, welchen die Versicherungen nicht ausschließen wollen.

Dazu gehört eben auch die Psyche, denn psychische und psychosomatische Erkrankungen lassen sich schwer in einen, wenige Worte langen Ausschluss formulieren, oder?

Gerau diesen Ansatz verfolgt aber nun GETSURANCE, ein Anbieter welcher sich das „erste Digitale BU“ auf die Fahnen geschriebene hat und sich allein dadurch abschließen lassen soll. Wie genau das geht, was die Tarife heute leisten und was nicht, das schauen wir uns hier einmal genauer an.

getsurance Berufsunfähigkeit – die Tarife

Grundsätzlich handelt es sich um ein so genanntes Drei-Säulen-Tarifwerk. Es gibt also versicherte Bausteine, welche in den unterschiedlichen Paketen entweder enthalten, oder aber ausgeschlossen sein können. Daher ist ein Versicherungsschutz nur für die Bereiche möglich, die am Ende auch gewünscht (oder möglich sind). Wie das im Detail aussieht? So!

Wer also nur einen Schutz gegen Berufsunfähigkeit bei Unfall absichern möchte, der findet mit dem BASIC (welches ich ausdrücklich nicht empfehlen kann) einen entsprechenden Schutz. Warum es hierfür keine Empfehlung gibt? Nun, allein einen Unfall in das BU Risiko einzuschließen, schließt eben auch eine Reihe von Berufsunfähigkeitsursachen einfach so aus. Rücken- oder Krebserkrankungen sind ebenso ausgeschlossen, wie alle anderen körperlichen und psychischen Erkrankungen.

In der zweiten Tarifstufe, dem „Job COMFORT“ kommen zu den Unfällen als mögliche BU Ursache schon die körperlichen Erkrankungen hinzu. Hier werden also all die Erkrankungen eingeschlossen, welche nicht psychischer Natur sind. In den Bedingungen heisst es dann dazu:

(1) Definition von Berufsunfähigkeit
a) Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person:

  • –  infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, was ärztlich nachzuweisen ist,
  • –  voraussichtlich mindestens 6 Monate lang
  • –  ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war,
  • –  zu mindestens 50% nicht ausüben können wird.

Eine Berufsunfähigkeit im Sinne dieser besonderen Bedingungen liegt nicht vor, wenn diese durch eine psychische Erkrankung verursacht wurde.

b) Berufsunfähigkeit liegt ebenfalls vor, wenn die die versicherte Person

  • –  infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, was ärztlich nachzuweisen ist,
  • –  mindestens 6 Monate ununterbrochen außerstande gewesen ist,
  • –  ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war,
  • –  zu mindestens 50% auszuüben.

Entscheidend ist hier der Ausschluss. BU liegt nicht vor… durch eine psychische Erkrankung verursacht wurde. Diese Einschränkung entfällt aber dann bei der dritten Variante, der Job PREMIUM und damit ist erst diese Tarifvariante vergleichbar mit anderen „normalen“ Berufsunfähigkeitsversicherungen am Markt. Warum? Weil diese auch keinen solchen Ausschluss generell in den Bedingungen kennen und auch hier die Leistungen bei vorliegen einer Erkrankung erbracht werden.

getsurance Berufsunfähigkeit – Was für wen?

Zunächst werden Sie sich berechtigt fragen, für wen die Basisvariante interessant sein könnte. Ich meine für keinen. Hier wird ein vermeintlicher BU Schutz nur auf das Unfallrisiko beschränkt und damit aus meiner Sicht problematisch.

Reicht dann statt Job Basic nicht eine Unfallversicherung?

Auch diese Frage ist pauschal nicht mit ja oder nein zu beantworten. Hier sind unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen und auch unterschiedliche Zahlungen zu berücksichtigen. Die Unfallversicherung zahlt bei einer Invalidität, die BU eben bei Berufsunfähigkeit.

Unterschiede Invalidität und Berufsunfähigkeit – hier erklärt

Viele Unfallversicherungen leisten bei Invalidität (die dauerhaft ist) einen festen Geldbetrag, andere eine Unfallrente. Diese Betrachtung ist aber unabhängig vom Beruf. Wer also nach einem Unfall in seinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, aber nicht Invalide ist, der bekommt aus der Unfallversicherung nichts, aus der Job Basic schon. Das Produkt ist aber noch in Planung und derzeit so auch nicht abzuschließen, ganz im Gegenteil zu den beiden anderen.

Berufsunfähigkeitsschutz bei Psychotherapie und psychischen Vorerkrankungen

Nun ist es, wie am Anfang schon erwähnt, eben durchaus so, dass viele Menschen schon einmal Berührung mit einem Psychotherapeuten hatten. Nicht nur

  • –  Prüfungsangst/ -stress
  • –  Tod naher Angehöriger
  • –  Streitigkeiten
  • –  Beziehungsprobleme
  • –  Schlafstörungen (wenn nicht organisch)

führen immer öfter zur Nutzung eines Therapeuten. Was auf der medizinischen Seite durchaus gut ist, also sich Hilfe zu holen, kann auf der Versicherungsseite das k.o. bedeuten und jedweden Schutz bei Berufsunfähigkeit verbauen. Bisher bekamen Menschen mit einer solchen Vorerkrankung nahezu keinen entsprechenden Versicherungsschutz.

Nun ist es aber möglich mit dem Job Comfort genau dieses Risiko ausschließen zu lassen bzw. einen Tarif zu wählen, der es gar nicht erst versichert hat. Damit besteht auch hier für den Versicherer kein erhöhtes Risiko leisten zu müssen und somit besteht Versicherbarkeit.

Also ist genau das die Lösung für all diejenigen, welche sonst keinen Versicherungsschutz bekommen hätten.

Gesund? Fit?

Ist dem aber nicht so, also bestehen keine psychischen Vorerkrankungen, so ist immer ein normaler BU Schutz dem eingeschränkten vorzuziehen. Wer also in der Lage ist einen uneingeschränkten Schutz zu bekommen, der sollte das auch tun. Dabei stehen dann weitaus mehr Alternativen offen, als diese drei Tarifmodelle von getsurance. Andere Gesellschaften bieten teilweise deutlich mehr Spielraum bei

  • –  Nachversicherungen
  • –  garantierter Rentensteigerung
  • –  vertraglichen Formulierungen

und sollten daher immer in der Beratung aufgrund der persönlichen Gegebenheiten geprüft und verglichen werden.

Tarife von getsurance selbst rechnen?

Für die Tarife von getsurance und damit auch den Versicherungsschutz bei Berufsunfähigkeit bei einer Psychotherapie oder psychischen Vorerkrankung stelle ich hier einen Rechner zur Verfügung. Mit einem Klick auf das untenstehende Bild öffnet sich ein Tarifrechner und die BU kann auch direkt dort auf der Seite berechnet und online beantragt werden.

Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass nur bei bestehender Psychotherapie oder ähnlicher Vorerkankung hier ein entsprechender Onlineabschluss erfolgen sollte. Vorangehen sollte immer eine persönliche und individuelle Beratung zu Tarifen und Gestaltungsmöglichkeiten um keine anderen Optionen zu vergessen und diese auch vorab geprüft zu haben.

Fazit:

Mit dem Versicherungsschutz in den Tarifen Job Basic, Comfort und Premium bietet getsurance einen soliden Versicherungsschutz an. Es gibt durchaus Punkte die in anderen Tarifen und Modellen am Markt besser gelöst worden sind, das ist auch nicht das Ansatz. Der Ansatz hier, einen schnell rechen- und abschließbaren Versicherungsschutz anzubieten und dem Versicherten die Wahl zu lassen, psychische Erkrankungen mit einzuschließen ist zumindest eine interessante Option, ermöglicht es doch den Versicherten welche sonst ohne Schutz da stünden, eine entsprechende Absicherung.

Die Versicherungsbedingungen im Detail gibt es im Downloadbereich. Wenn Sie Fragen haben, Alternativen prüfen möchten, dann finden Sie im Bereich der Auswahlkriterien einen entsprechenden Fragebogen und können auch hier eine Anfrage stellen.

21.
Juli '17

Urteil KG Berlin 6 U 130/15 – arbeitsunfähig sein und BU-Rente beziehen geht nicht gleichzeitig


und wer arbeitsunfähig ist (und damit Krankentagegeld beziehen will) kann nicht gleichzeitig berufsunfähig sein.

Mit dieser Frage hatte sich vor einiger Zeit auch das Kammergericht Berlin mal wieder zu beschäftigen. Konkret geht es hierbei um die Frage, ob jemand der arbeitsunfähig sei und Leistungen aus der Krankentagegeldversicherung bezieht, Leistungen aus einer BU Absicherung ebenfalls beziehen kann. Weiterhin ging es im konkreten Fall um einen Rückzahlungsanspruch der Krankentagegeldversicherung.

Bereits in meinem Artikel:

Leserfrage: 6 Monate arbeitsunfähig sind dann gleich berufsunfähig?

hatte ich zu dem Thema BU und KT geschrieben und die Leserfrage beantwortet, ob eine Krankschreibung von 6 Monaten (oder mehr) automatisch zu einer Berufsunfähigkeit führt/ geführt hat. Dabei sind zunächst die unterschiedlichen Begrifflichkeiten einmal etwas näher zu beleuchten und korrekt zu nennen. Nachlesen lassen sich diese in meinem Artikel

Invalidität, Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit – Erklärungen im Dschungel der Begriffe

In dem Fall vor dem Kammergericht Berlin, welches am 04.04.2017 den entsprechenden Beschluss erließ, verlangte eine private Krankenversicherung später die Rückzahlung von zu viel gezahlten Krankentagegeldleistungen. Zur Klage kam es, weil die Klägerin (die Versicherte) Rechnungen bei Ihrer Krankenversicherung einreichte, diese auch eine Erstattung vornahm, es aber an einer Auszahlung mangelte. Warum? Nun, der beklagte Versicherungsverein aG erklärte hier die Aufrechnung mit den, nach seiner Auffassung rechtmäßig bestehenden, Rückforderungsansprüchen. Grund war hier insbesondere die nachträgliche (und rückwirkende) Zahlung von zwei privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Erst im Weiteren Verlauft der Erkrankungen und weiter bestehender Einschränkungen in der Ausübung der Berufsunfähigkeit erlangte die beklagte Kranken(tagegeld)versicherung Kenntnis darüber, dass zwei private BU Versicherer nachträglich und rückwirkend eine Rente ausgezahlt haben, eine Rente auch für den Zeitraum, in welchem bisher von einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden war und damit Krankentagegeld floß.

Die Klägerin hält die Klausel in § 15 Nr. 1 TB/KT für unwirksam, weil nicht darauf hingewiesen werde, dass auch der rückwirkende Bezug von Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung nach dem Ende der Leistungszeit des Beklagten zu einem Rückzahlungsanspruch des Beklagten auf die Leistungen aus der Krankentagegeldversicherung führen soll (Bl. 92 d. A.). Die vom Landgericht vorgenommene Auslegung verstoße gegen das Sozialstaatsprinzip in Art. 20 GG. In der gesetzlichen Sozialversicherung sei anerkannt, dass dem Versicherten bei einer doppelten Inanspruchnahme von Leistungen die für ihn günstigere Leistung verbleibe. Dies müsse auch für die Klägerin im privaten Versicherungsbereich gelten.

Das Gericht führt dazu aus:

bb) Die Voraussetzungen des § 15 b) MB/KT in Verbindung mit Abs. 1 der zusätzlich geltenden TB/KT liegen vor. Danach soll die Leistungspflicht des Beklagten mit Eintritt von Berufsunfähigkeit enden mit der Option des Abschlusses einer Anwartschaftsversicherung. Dem Eintritt der Berufsunfähigkeit steht der Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente gleich. Die Klägerin hat unstreitig ab dem 1. Februar 2012 Leistungen aus zwei bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherungen erhalten. Auf die Schreiben vom 9. September 2013 der Aachen Münchener Lebensversicherung AG (B 5) sowie der Nürnberger Versicherungsgruppe vom 2. Dezember 2013 (B 6) wird verwiesen.
Die Klauseln im Versicherungsvertrag sind wirksam. Durch die Möglichkeit zum Abschluss einer Anwartschaftsversicherung im Hinblick auf die Krankentagegeldversicherung beim Eintritt von Berufsunfähigkeit wird dem Interesse des Versicherungsnehmers Rechnung getragen, bei einer späteren Besserung des Gesundheitszustandes, die unvorhergesehen eintritt und die Berufsunfähigkeit beendet, wieder den Schutz der Krankentagegeldversicherung im Krankheitsfall zu benötigen (vgl. BGHZ 117, 92 ff – zitiert nach juris: Rdnr. 20). Durch die Schuldrechtsreform ist diese Rechtsprechung entgegen der Ansicht der Klägerin nicht überholt.
Dass die Klägerin hier nicht für den identischen Zeitraum sowohl Leistungen aus der Krankentagegeldversicherung als auch aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten kann, stellt keine unangemessene Benachteiligung dar.

Das Gericht hat zudem nochmals in der Begründung klar gestellt, dass hier eine Behauptung welche sich auf den gleichen Zeitraum bezieht nicht gegenüber KT und BU Versicherer unterschiedlich sein kann. So schließen sich beide Leistungen gegeneinander aus. Die Klägerin hatte hier gegenüber der Krankenversicherung eine nur vorübergehende Einschränkung behauptet und damit den Tatbestand der Arbeitsunfähigkeit erfüllt. Hier entstand der Anschein, eine Rückkehr in die Ausübung der beruflichen Tätigkeit sei möglich.

Gegenüber der Berufsunfähigkeitsversicherung (bzw. den beiden) hatte die Klägerin aber für den gleichen Zeitraum angeführt, dauerhaft nicht mehr in der Lage zu sein, den Beruf (so wie er vorher ausgestaltet war) ausüben zu können. Die Richter nehmen daher auch nochmals Bezug auf bereits bekannte BGH Rechtssprechung und schreiben:

Der Bundesgerichtshof hat in der oben zitierten Entscheidung ausgeführt, dass Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit unterschiedliche Arten einer gesundheitlich bedingten Beeinträchtigung sind, die einander – jedenfalls typischerweise – ausschließen. Niemand kann deshalb erwarten, dass er aus ärztlicher Sicht, auf die in den Bedingungswerken für Krankentagegeld- wie Berufsunfähigkeitsversicherungen und ebenso im Sozialversicherungsrecht abgestellt zu werden pflegt, als arbeits- und zugleich berufsunfähig beurteilt wird (vgl. BGHZ 117, 92 ff – zitiert nach juris: Rdnr. 30). Die Krankentagegeldversicherung soll nur den Schaden ausgleichen, der im Falle von Arbeitsunfähigkeit durch Verdienstentgang entsteht, nicht aber Schäden, die darauf beruhen, dass eine wegen Berufsunfähigkeit gezahlte Rente einen Verdienstausfall nicht in der Höhe abdeckt, wie es die Krankentagegeldzahlungen vermöchten (vgl. BGH, a. a. O.).

Hier liegt nach den Bedingungen in § 1 Abs. 3 MB/KT Arbeitsunfähigkeit vor, wenn die versicherte Person ihre berufliche Tätigkeit nach medizinischem Befund vorübergehend in keiner Weise ausüben kann, während gemäß § 15 b) MB/KT Berufsunfähigkeit eingetreten ist, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeitmehr als 50% erwerbsunfähig ist. Durch die Gegenüberstellung des Begriffspaares “vorübergehend” und unbefristet (= “auf nicht absehbare Zeit”) wird dem Versicherungsnehmer hinreichend der Umfang des Versicherungsschutzes verdeutlicht (vgl. BGH VersR 2013, 1397 ff – zitiert nach juris: Rdnr. 16 m. w. Nachw.).

Hinweispflicht besteht nicht explizit zusätzlich

Die Klägerin überzeugt deswegen auch mit ihrem Vorbringen nicht, in der Klausel hätte darauf hingewiesen werden müssen, dass eine Rückforderung der Leistungen aus der Krankentagegeldversicherung auch dann erfolgen kann, wenn die Zahlung der Berufsunfähigkeitsversicherung erst nach dem Leistungsende der Krankentagegeldversicherung erfolgt. Denn die Klägerin war insoweit nicht schutzwürdig. Der Versicherungsnehmer, der Leistungen gegen einen Versicherer geltend macht, muss sich Gedanken dazu machen, ob die Leistungsvoraussetzungen vorliegen. Die Klägerin konnte sich nach den Bedingungen nicht für den identischen Zeitraum sowohl “vorübergehend” als auch “auf nicht absehbare Zeit” für unfähig gehalten haben, ihren bisherigen Beruf auszuüben. Hat der Beklagte eine Berufsunfähigkeit ursprünglich erst zum April 2013 angenommen (vgl. B 11) und seine Leistungen zum 29. Juli 2013 eingestellt, hatte es die Klägerin in der Hand, Leistungen aus den Berufsunfähigkeitsversicherungen erst ab April 2013 zu beantragen. Beantragte und bezog sie gleichwohl Leistungen für einen zurückliegenden Zeitraum ab 1. Februar 2012 aus diesen Versicherungen, geschah dies auf ihr eigenes Risiko, die vom Beklagten erhaltenen Krankentagegeldleistungen erstatten zu müssen. Sie wusste auch, dass sie sich widersprüchlich verhielt, wenn sie gegenüber dem Beklagten für diesen Zeitraum einen vorübergehenden Zustand behauptet hatte, während sie gegenüber den Berufsunfähigkeitsversicherern einen Dauerzustand vortrug.

Aussuchen ist nicht…

Noch im Prozess trug die Klägerin dann vor, sie fühle sich dadurch zudem benachteiligt, denn wenigstens müsse sie doch nun entscheiden können, welche Leistungen Sie nutzen möchte und daher müsset sie doch „die höhere Leistung behalten können“. In dem Fall also das Krankentagegeld nicht zurückzahlen, vielleicht dann die BU Rente für den entsprechenden Zeitraum des Doppelbezuges. Auch dem schoben die Richter einen Riegel vor:

cc) Es verhilft der Berufung auch nicht zum Erfolg, soweit die Klägerin vorträgt, im Sozialrecht gelte der Grundsatz, dass sie wenigstens die höhere Leistung behalten dürfe. Denn sie übersieht, dass es hier um vertragliche Vereinbarungen geht, für die Regelungen der gesetzlichen Sozialversicherung nicht anwendbar sind.

Es liegt auch kein Verstoß gegen das Sozialstaatsprinzip vor, denn auch die Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung dienen der Absicherung eines Verdienstausfalls der Klägerin wegen Krankheit. Sie bleiben allerdings in der Höhe hinter den Leistungen der Krankentagegeldversicherung zurück. Damit ist die Klägerin jedoch nicht schutzlos im Hinblick auf die Folgen einer Erkrankung.

Wohnüberlegt beantragen, professionellen Rat holen und Nachleistungspflichten beachten

Mit Blick auf das Urteil wird das klar, was eigentlich mit (auch laienhaftem) Verständnis klar sein sollte. Einen Zustand der beschreibt vorübergehend nicht in meinen Beruf zurückkehren zu können (= Arbeitsunfähigkeit) kann nicht gleichzeitig ein Zustand sein, der von einer „dauerhaften“ Verbindung zur Ausübung des eigenen Berufes ausgeht. Doppelte Leistungen sind hier entsprechend zurückzuzahlen, auch wenn der Krankenversicherer davon nichts wusste und erst nach dem Ende der KT Zahlung Kenntnis durch die rückwirkende BU Zahlung erhält.

In der Praxis gibt es, neben der Leistung aus der Krankentagegeldversicherung noch die BU Absicherung. Beide Absicherungen ergänzen sich und sollten mit Hilfe des KT-BU Übergangs aufeinander abgestimmt sein.

Problem sind unterschiedliche Höhen und Nachleistungspflichten

In der Praxis ist das versicherte Krankentageld in den meisten Fällen (deutlich) höher. Die versicherte Berufsunfähigkeitsrente ist nicht zuletzt aufgrund der deutlich höheren Prämien meist in einem geringeren Umfang vorhanden. So ist es keine Seltenheit, dass Angestellte ein Krankentagegeld von 130 € am Tag versichern und damit einen monatlichen Anspruch von 3.900 € gegen den PKV Versicherer haben.

Die versicherte BU Rente liegt aber oftmals (auch in Hinblick auf vorhandene Fixkosten) bei 2.500 oder 3.000 €. Hier entsteht eine rein rechnerische Lücke von 900- 1.400 € jeden Monat. Ist nun auch nach Definition der privaten Krankentagegeldversicherung eine Berufsunfähigkeit eingetreten, so endet der Vertrag (mit der Möglichkeit der Anwartschaft) und besitzt aber eine Nachleistungsverpflichtung, welche in §15 MBKT geregelt ist.

Das Versicherungsverhältnis endet hinsichtlich der betroffenen versicherten Personen

mit Eintritt der Berufsunfähigkeit. Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50 % erwerbsunfähig ist. Besteht jedoch zu diesem Zeitpunkt in einem bereits eingetretenen Versicherungsfall Arbeitsunfähigkeit, so endet das Versicherungsverhältnis nicht vor dem Zeitpunkt, bis zu dem der Versicherer seine im Tarif aufgeführten Leistungen für diese Arbeitsunfähigkeit zu erbringen hat, spätestens aber drei Monate nach Eintritt der Berufsunfähigkeit;

Aus diesem Grund muss also der KT Versicherer das (erhöhte) KT noch über den Zeitpunkt der Festlegung der BU hinaus, maximal aber für drei weitere Monate leisten. Beantragt der Versicherte aber nun BU Leistungen bei seinem Versicherer gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit, so sollte hier darauf geachtet werden ab welchem Zeitpunkt hier Anträge gestellt und Leistungen erbracht werden. Auch kann eine entsprechende Karenzzeit hier eine Leistung in den ersten Monaten verhindern.

Klar ist, beides geht nicht!

Der vollständige Beschluss des Kammergerichtes Berlin lässt sich auf der Internetseite direkt abrufen.

17.
Juli '17

Beitragsgarantien und Beitragsanpassungen bis 2019 bei der Signal Iduna Krankenversicherung


Letzte Woche startete ich die Infos zur Beitragsanpassung und Garantien mit dem Deutschen Ring, heute folgt der zweite Krankenversicherer aus gleichem Konzern, es geht um die Anpassungen bei der Signal Iduna Krankenversicherung.

Beitragsgarantie bis 2019 – was es bedeutet

Beitragsgarantien sind unter anderem ein Marketinginstrument. Diese Garantie bis 2019 klingt gut, bedeutet aber nichts anderes, als das es zum 01. Januar 2018 keine Anpassung in den genannten Tarifen geben wird. Die Anpassung vom 01.01.2019 (also dem 2. möglichen Anpassungstermin ab heute) ist damit nicht gemeint, hier kann es durchaus eine Anpassung geben.

Für die Tarife die von dieser Garantie umfasst sind, wird es daher zum 01. 01. 2018 keine Anpassung geben, die Tarifverträge verändern sich also nicht.

Beitragsgarantie bis 2019 – für wen es gilt

Die Aussagen beziehen sich alle auf die UNISEX Tarife, zu den Bisextarifen gibt es hingegen noch keine Aussage. Unisex sind also die Tarife, in denen es für Männer und Frauen die gleichen Beiträge gibt, Tarife welche nach dem 21. Dezember 2012 angeboten worden sind.

Interessant ist hierbei jedoch, die Garantien gelten sowohl für das NEUGESCHÄFT, aber auch für die bereits in den Tarifen versicherten Kunden, also den BESTAND in der Unisexwelt.

Beitragsgarantie bis 2019 – welche Tarife betroffen sind

Folgende Tarife bleiben bei dem Deutscher Ring Krankenversicherung VVaG bis Ende 2018 ohne eine Beitragsanpassung

  • –  Vollversicherungstarife START (nur Erwachsene)
  • –  START-PLUS (nur Kinder und Jugendliche)
  • –  KOMFORT 1 (nur Erwachsene)
  • –  KOMFORT 2 und 3 (nur Kinder und Jugendliche)
  • –  KOMFORT-PLUS 1 und 2
  • –  KOMFORT-PLUS 3 (nur Kinder und Jugendliche)
  • –  EXKLUSIV 0, 1, 2
  • –  EXKLUSIV-PLUS 0, 1, 2

Ebenfalls stabil bis 31.12.2018 bleiben die folgenden Beihilfetarife:

  • –  START-B, KOMFORT-B, KOMFORT-B-W (alle nur Kinder und Jugendliche)
  • –  EXKLUSIV-B, R-EXKLUSIV-B, EXKLUSIV-B-ES, -E, -E1
  • –  EXKLUSIV-B-W (nur Kinder und Jugendliche)
  • –  flexSI-B

Folgende Zusatzversicherungstarife werden nicht angepasst:

  • –  GE, GE-PLUS, R-GE, R-GE-PLUS, S100/1+2
  • –  GE-TOP und R-GE-TOP nur für Erwachsene
  • –  stationärer Schutz in S100/1+2
  • –  Zahnschutz Z80-0, 2, 3
  • –  Zusatzversicherungen ambulant STARTpur, PLUS, PLUSpur, TOP (der TOPpur nur bei Erwachsenen)
  • –  Zusatztarife stationär in den Tarifstufen KLINIK- UNFALLpur, START, STARTpur, PLUS, PLUSpur, TOP1, TOP1pur
  • –  Zusatztarife ZAHN in den Stufen BASISpur, STARTpur, PLUS, PLUSpur, TOP, TOPpur
  • –  Zusatztarife AKUT und ZAHN-PRO

Ebenfalls werden für die folgenden Tagegeldtarife keine Anpassungen erfolgen:

  • –  EKH, R-EKH
  • –  KurPLUS
  • –  Krankentagegelder nach Tarifen ESP-VS 8-365 und ESP-E 8-365
  • –  PflegeBAHRPLUS
  • –  Pflege START, PLUS und PflegeTOP

Wie hoch die Anpassung in den anderen Tarifen aussieht kann derzeit nicht gesagt werden.

Heute beantragt, welche Prämie gilt?

Bereits in meinem Artikel

Noch ein Jahr jünger in die PKV

habe ich das schon einmal ausführlich geschrieben. Durch eine sogenannte Anwartschaft lässt sich in der Privaten Krankenversicherung aber auch in der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit deutlich Prämie sparen, langfristig sogar. Dazu bedarf es einer Anwartschaft, deren Versicherungsbeginn am 1.12.2017 liegen muss, dadurch sind Sie ein Jahr jünger. Zum 01. 01. wird diese dann aktiviert und in den Vollschutz umgewandelt. Eine Frage die hier aber wieder und wieder kommt…

Zahle ich dann die Prämie vor oder nach der Beitragsanpassung?

Sie zahlen die Prämie, die ab dem 1.1.2017 um Bestand gilt. Wird dieser angepasst, so betrifft die Anpassung Sie natürlich auch. Daran ändert auch die Anwartschaft nichts. Dennoch ist eine solche Anwartschaft sinnvoll, denn an dem Vorteil für das Eintrittsalter ändert sich nichts. Nur wer glaubt heute einen Antrag zu stellen um die Beitragsanpassung zu umgehen, den muss ich leider enttäuschen.

Auch in der privaten Krankenversicherung sind Anpassungen unumgänglich. Mehr dazu auch in meinem Artikel zur BAP.

14.
Juli '17

Risikovoranfrage als anonyme Anfrage oder via digitalen Helfern und warum die Erde immer noch rund ist


Klar ist die Erde rund, weiß doch jedes Kind, werden Sie jetzt vielleicht denken. Der Titel ist aber bewusst so gewählt, da dieses eine Antwort auf den Blogbeitrag von Katrin Bornberg ist, der Geschäftsführenden Gesellschafterin von VersDiagnose.

Eine Risikovoranfrage ist unverzichtbar – und die Erde ist eine Scheibe

Doch bevor ich auf einige Punkte antworte, vielleicht etwas allgemeiner und auch insbesondere für den Kunden/ Interessenten und Laien verständlicher erklärt, worum es überhaupt geht.

Risikovoranfrage – was ist das überhaupt?

Bereits in einigen anderen Blogbeiträgen habe ich darüber geschrieben, wie wichtig eine sorgfältige Aufarbeitung der Unterlagen ist, wie wichtig das Besorgen der Arztunterlagen ist und ein gewissenhaftes Ausfüllen von Unterlagen und Gesundheitsfragen.

Warum es ohne eine anonyme Anfrage und einen qualifizierten Berater nicht geht

Nach der Einschätzung durch die Gesellschaft ist dann klar, ob und wie diese das Risiko bewerten. Dabei haben wir zwei unterschiedliche Punkte die zu bewerten sind:

  • –  die Versicherbarkeit aufgrund von gesundheitlichen Vorerkrankungen und
  • –  die Versicherbarkeit aufgrund besonderer Risiken wie Sportarten, besonderer Freizeitbeschäftigungen, berufsbedingten Gefahren und vieles mehr

Mit einer Risikovoranfrage lassen sich beide Bereiche abdecken, meist erfordert dieses aber etwas Aufwand. Dazu müssen natürlich die Gesundheitsfragen ausgefüllt werden, der Gesellschaft müssen nötige Informationen mitgeteilt werden, um überhaupt eine vernünftige Einschätzung abgeben zu können.

Risikovoranfrage – die zwei Wege

Beginnen wir zunächst mit dem klassischen Weg, ganz ohne digitale Helfer und auf dem Weg, der sich bei vielen Kollegen in den letzten Jahren etabliert hat.

anonyme Anfrage durch den Berater- direkt bei der Gesellschaft

Dazu werden die entsprechenden Daten aufbereitet und dem Versicherer zur Verfügung gestellt. Nun ist es ja in vielen Fällen nicht so, dass ich gleichzeitig acht, neun, zehn Versicherer brauche um das Risiko anzufragen. Warum? Weil es nach einer ausgewogenen Beratung eben nicht unbedingt zehn Anbieter gibt, welche den Bedarf des Kunden decken können. Gerade bei Kollegen mit homogenen Kundengruppen und oftmals identischen Anforderungen (oft Angestellte, Mitte dreißig, Studienabschluss, Bürotätigkeiten) reduziert sich der Bedarf zum Beispiel in der Berufsunfähigkeit auf eine überschaubare Anzahl an Unternehmen und Tarifen. Nicht weil es nicht mehr Anbieter gibt, sondern weil bei einem Leistungsanspruch „Top Tarife“ eben nicht mehr zwanzig, sondern deutlich weniger übrig bleiben.

Gießkannenprinzip nur bedingt sinnvoll

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass eine allumfängliche Beratung auch die Anfrage bei allen Versicherern enthalten soll, denn nur so ist klar wer den Kunden wie nimmt und versichern kann. Doch was nützt am Ende eine Annahme(-möglichkeit) bei einem Unternehmen, wo der Tarif oder das Produkt nicht passen? Dieses Prinzip, mit der Gießkanne mal die Gesundheitsdaten des Kunden mal auszukippen und zu sehen „wer nimmt mich denn überhaupt“ kann nicht das Ziel sein.

Natürlich ist vielleicht ein etwas leistungsschwächerer Tarif in der Berufsunfähigkeit besser als gar kein Schutz, natürlich kann es sinnvoll sein bei bestimmten Vorerkrankungen einmal zu prüfen ob nicht „irgendwas geht“, das ist aber nicht die Regel. Bei vielen Vorerkrankungen werden Unternehmen eine Klausel anbieten, einen Zuschlag oder eine entsprechende Ergänzung fordern.

Diese Einzelanfrage hat Vor- und Nachteile, wie alles andere im Leben auch.

  • Vorteile der anonymen Anfrage durch den Berater
  • –  direkter Kontakt zum Risikoprüfer der Gesellschaft
  • –  Rückmeldung zu Möglichkeiten der Klausegestaltung, Nachfrage nach weiteren Unterlagen
  • –  „Verhandlungsmöglichkeit“
  • –  spezielle Risikofragen der Gesellschaft, nicht zu viele Angaben, nicht zu wenig
  • Nachteile dieses Weges
  • –  mehr Arbeit
  • –  Risiko des „richtig Ausfüllens“
  • –  Fragen müssen für jede Gesellschaft neu ausgefüllt werden

Nutzung von Risikoprüfungstools und digitalen Helfern

Eine zweite Variante, um die ging es im Artikel von Frau Bornberg, sind die Tools zur Risikoprüfung. VersDiagnose ist eines davon. Hier wird mittels digitalem Helfer und einer Plattform dem Makler, Berater, Vertreter eine Möglichkeit geboten, kostenfrei und unverbindlich bei verschiedenen teilnehmenden Versicherern anzufragen und ein Risiko zur Berufsunfähigkeit (oder zu Alternativprodukten) anzufragen. Welche Versicherer teilnehmen, Stand 07/2017 sind es 15, ist auf der Homepage transparent dargestellt, jeder weiß also auf was er sich einlässt. (OK, Metallrente ist eher ein Konsortium, Klinkende auch, daher sind es eigentlich 13, darum geht es aber auch gar nicht.Im Ablauf funktioniert das dann so: Der Makler/ Berater gibt die Gesundheitsdaten in das System ein, dort werden ggf. mit weiteren DropDown Feldern weitere Erklärungen und Ergänzungen angefordert. Diese sind abhängig von der genauen Diagnose oder dem eigegebenen Hobby. Ich habe das speziell heute Morgen einmal getestet und einen LiveFall genommen, dazu gleich mehr. Doch zunächst auch hier die Vor- und Nachteile:

  • Vorteile der Anfrage über das Vers.diagnose Tool
  • –  Gesundheitsfragen müssen nur einmal ausgefüllt werden, 13 Versicherer lassen sich anfragen
  • –  sofortige Rückmeldung bei „einfachen“ Fällen und verbindliche Annahmeentscheidung
  • –  Anfrage von besonderen Hobbys einfacher
  • –  Zeitersparnis für den Berater
  • Nachteile dieses Weges
  • –  kein individuelles Besprechen der Anfrage, was bei „guten Kontakten“ sonst möglich ist.
  • –  Risiko des „richtig Ausfüllens“ beim Berater
  • –  Fragen nicht individuell zu jeder Gesellschaft, sondern für alle

Zu dem Nachteil 1. Ich meine mit „guten Kontakten“ keineswegs eine Entscheidung die so nicht geht oder ein besonderes Entgegenkommen. Aber es ist in der Praxis schon so, das werden alle Berater und Kollegen bestätigen können die hier in den Bereichen tätig sind, manchmal hilft das persönliche Gespräch oder die direkte Mail. Nicht selten kommen dann Aussagen wie „Besorgen Sie mal dieses/ jenes Attest“ oder „Mit Röntgenbefund schaue ich das nochmal an“ oder auch „wenn der Kunde nochmal zum Arzt will und bestätigen lässt…“.

Diese Möglichkeit fehlt zumindest bei den automatisierten Tools. Dennoch kann für das „Massengeschäft“ dieser Weg der richtigere sein, der schnellere und passendere. Leider sieht die Praxis dennoch anders aus.

Unser Beispiel und das Klauselproblem

Um einen direkten Vergleich zu haben, habe ich heute zwei Fälle kombiniert. Einmal einen Kunden mit Verspannungen und dazu von einem zweiten Kunden das gefährliche Hobby. Dazu waren vom Kunden (in dem vorher abgeschlossenen Schutz zur PKV) Verspannungen angegeben. Der Krankenversicherer hatte hier weitere Nachfragen gestellt, dazu einen Fragebogen „Rücken“ geschickt. Hier in der Vers.Diagnose sieht das dann so aus:

Also gab ich die hier geforderten und mir bereits bekannten Angaben ein. 2-3 Jahre her, einmal aufgetreten, sonst nicht weiter behandlungsbedürftig und es handelte sich um Nackenbeschwerden. (Laut Auskunft des Kunden im PKV Antrag waren diese einmalig nach einer „Computerspielsession“ aufgetreten). Nachdem diese Angaben gemacht waren, habe ich in meinem Beispiel noch das besondere Hobby, welches ich bei einem anderen Kunden heute gerade hatte, integriert um ein weiteres Beispiel zu haben. Fallschirmspringen. Alle Daten wurden dann in den Fragen angeben und (siehe oben) beantwortet.

Nachdem ich damit „durch war“, habe ich mir die Übersicht mit den Ergebnissen einmal genauer angeschaut. Das Hobby Fallschirmspringen macht das Risiko bei vielen Versicherern unmöglich oder kann nicht eingeschätzt werden und ja, es ist ein Spezialfall. Daher habe ich das Ganze dann nochmals gestartet, dieses Mal nur mit den Nackenbeschwerden und ohne ein besonderes Hobby. Folgendes Ergebnis wurde aufgrund der Angaben (siehe oben) präsentiert:Interessant ist hier zum Beispiel die Einschätzung eines Versicherers aufgrund der einmaligen Nackenbeschwerden. Diese Klausel wurde sodann angeboten.

Solche Klausel würde ich als Kunde nie unterschreiben, nicht bei der einmaligen Geschichte mit den Nackenbeschwerden. Ich kannte ja bereits die Entscheidung aus meiner anonymen Anfrage bei dem Versicherer, diese hatte damals noch explizit nachgefragt wie oft genau aufgetreten und ob es wirklich nur das eine Mal war und dann als „Normalannahme“, also ohne Klausel dokumentiert.

Hier zeigen sich sehr gut die Grenzen solcher Systeme. Natürlich muss hier streng(er) geprüft werden und ggf. auch mal die eine oder andere Klausel mehr angeboten werden, denn schließlich möchte man sich keine schlechten Risiken in den Bestand holen.

Lesetipp: Risikozuschlag oder Ausschluss? Geht es auch ohne?

Es gibt eine Berechtigung für beide Systeme

Liebe Frau Bornberg, überholt ist leider nicht das System der Risikovoranfrage und auch der Makler und Berater der nach solchen Systemen arbeitet ist sicher nicht antiquiert und verschließt sich digitalen Innovationen.

„Es  ist längst keine Glaubensfrage mehr, sondern Tatsache: Risikovoranfragen per Post, E-Mail oder Fax haben sich überholt. Sie kosten Versicherer, Vermittler und Kunden viel Zeit, sind mit erheblichem Aufwand verbunden und manchmal auch unter Datenschutzaspekten problematisch. Es gibt keinen einzigen Vorteil von RVA gegenüber dem elektronischen Weg von vers.diagnose.“

Völlig fehl am Platze sind aber solche Aussagen und das „Schönreden“ von dem, von Ihrem Unternehmen angebotenen System. Ich nutze es auch, manchmal und bei bestimmten Konstellationen. Ich halte aber auch aus den oben genannten Gründen und Vorteilen das „alte Modell“ durchaus für wichtig und richtig und viele meiner Kollegen machen ähnliche Erfahrungen. Nicht nur „Tobias B.“, sondern auch „Matthias H.“, Hans X,Y,Z oder andere. Würden die Makler und Berater nur Ihr System nutzen, so müssten wir auch dokumentieren uns nur auf 13 Versicherer zu konzentrieren, den Rest des Marktes unbeobachtet zu lassen.

Auch ist es insbesondere Qualität und Spezialisierung des Maklers zu verdanken, dass sich Kunden gut aufgehoben fühlen. Aufgehoben deshalb, weil wir eben nicht unbedingt „0815“ sind und bei komplizierten Fällen aufgeben.

In der Krankenversicherung fehlen uns zudem solche Systeme, weshalb ich schon allein deshalb hier bei dem bisherigen System bleiben muss. Aber noch etwas anderes ist durchaus interessant. Vielleicht will der Berater den Kunden gar nicht im Gespräch direkt zu einer Antragstellung bringen? Vielleicht ist es gerade die Aufgabe des Beraters mehrere Möglichkeiten aufzuzeigen, Optionen anzubieten und dann zu sagen: „Das ist das was wir derzeit können, das ist der Stand der Anfragen und nun denken Sie in Ruhe darüber nach und kommen auf mich zu, sobald Sie Fragen haben oder sich entschieden haben.“

und ja, ich mag die Einzelanfragen auch deshalb, weil der Kunde sich aufgrund der Fragen bei den einzelnen Gesellschaften explizit mit deren Wortlaut, den abgefragten Zeiträumen und dem damit anzugebenden Krankheitsbild befassen muss. In Ruhe, zu Hause oder bei/ mit seinem Arzt, mit einem Blatt Papier.

Es macht mehr Arbeit, es ist zeitaufwändiger und ja, es ist dennoch oftmals der passendere Weg.

Ich kann verstehen, dass Sie als Geschäftsführende Gesellschafterin von Vers.diagnose Werbung für Ihr Tool betreiben, aber bitte werfen Sie doch mir und Kollegen die es nicht (oder nicht ausschließlich nutzen) nicht vor, wir würden uns dem digitalen Fortschritt verschließen, dem ist (zumindest bei mir) sicher nicht so.

Und Eines noch:

„Was wäre, wenn kein Versicherer den Kunden versichern will, der Kunde innerhlab der Wartezeit abspringt oder krank wird …? Und nicht zu vergessen: In demselben Zeitraum, der bei Tobias B. für einen BU-Vertrag anfällt, kann ein Anwender mit vers.diagnose drei, vier oder noch mehr BU-Beratungen mit Erfolg zum Abschluss bringen. Ohne das Risiko, Kunden wegen langer Wartezeiten mit anschließend negativen Ergebnissen zu verlieren.“

Nun, 1.) will es dann auch von Ihren 13 Versicherungspartnern niemand, 2.) wenn der Kunde „abspringt“, sich dagegen entscheidet, dann ist es sein gutes Recht. Und ja, das Risiko der Krankheit von erster Idee „ich will mich versichern“ bis zu dem gestellten Antrag besteht. Das besteht aber auch wenn Kunde oder Makler einen Termin zur Beratung absagen müssen, sich ein Unfall ereignet oder viele Gründe mehr. Dieses „wenn Sie morgen vom Laster überrollt werden“ mag eine Methode des beraten Verkaufen sein, meine ist das nicht. Sargdeckelklappern und Überreden führt nicht dazu, dass sich Kunden bewusst für Risikoschutz entscheiden, bringt aber manchmal schnelleres Geschäft, zumindest kurzfristig.

Fazit

Anders als Frau Bornberg bin ich nicht der Meinung, dass sich das alte System überholt hat, auch nicht dass sich Makler die es nicht nutzen dem Fortschritt verschließen. Beide Wege haben eine Berechtigung, beide mögen für den einen oder anderen richtig sein, aber niemals ist/hat nur ein System das passende Modell!

LINKTIP:

Auch der Kollege T. Bierl hat einmal ausführlich Stellung genommen.

14.
Juli '17

Beitragsgarantie bis 2019 bei dem Deutschen Ring Krankenversicherung


Die erste Jahreshälfte ist vorbei, da wird es Zeit sich über Beitragsanpassungen zu unterhalten. Nicht? OK, Sie haben recht, dennoch ist es aber die Zeit, in welcher Gesellschaften mit (ersten) Informationen zu Anpassungen und so genannten Garantien „um die Ecke kommen“, Garantien welche dem Neukunden signalisieren sollen „Schau her, wir sind beitragsstabil auch über den Jahreswechsel hinaus.“

Beitragsgarantie bis 2019 – was es bedeutet

Beitragsgarantien sind unter anderem ein Marketinginstrument. Diese Garantie bis 2019 klingt gut, bedeutet aber nichts anderes, als das es zum 01. Januar 2018 keine Anpassung in den genannten Tarifen geben wird. Die Anpassung vom 01.01.2019 (also dem 2. möglichen Anpassungstermin ab heute) ist damit nicht gemeint, hier kann es durchaus eine Anpassung geben.

Für die Tarife die von dieser Garantie umfasst sind, wird es daher zum 01. 01. 2018 keine Anpassung geben, die Tarifverträge verändern sich also nicht.

Beitragsgarantie bis 2019 – für wen es gilt

Die Aussagen beziehen sich alle auf die UNISEX Tarife, zu den Bisextarifen gibt es hingegen noch keine Aussage. Unisex sind also die Tarife, in denen es für Männer und Frauen die gleichen Beiträge gibt, Tarife welche nach dem 21. Dezember 2012 angeboten worden sind.

Interessant ist hierbei jedoch, die Garantien gelten sowohl für das NEUGESCHÄFT, aber auch für die bereits in den Tarifen versicherten Kunden, also den BESTAND in der Unisexwelt.

Beitragsgarantie bis 2019 – welche Tarife betroffen sind

Folgende Tarife bleiben bei dem Deutscher Ring Krankenversicherung VVaG bis Ende 2018 ohne eine Beitragsanpassung

  • –  Esprit Tarif (nur für Kinder und Jugendliche)
  • –  Beihilfetarife BK und BKW (nur bei Kindern und Jugendlichen)
  • –  BS, BP, BW, BD, BDE (bei allen Versicherten)
  • –  Zusatzversicherungen ambulant in den Tarifstufen STARTpur, PLUS, PLUSpur
  • –  Zusatzversicherungen Zahn in den Tarifstufen BASISpur, STARTpur, PLUS, PLUSpur, TOP, TOPpur
  • –  Zusatztarife stationär in den Tarifstufen KLINIK- UNFALLpur, START, STARTpur, PLUS, PLUSpur, TOP1, TOP1pur
  • –  Zusatztarif stationär clinic+ bei Erwachensen
  • –  Zusatztarife AKUT und ZAHN-PRO

Ebenfalls werden für die folgenden Tagegeldtarife keine Anpassungen erfolgen:

  • –  impulsKur
  • –  H Tarife
  • –  Krankentagegelder nach Tarifen pro 008-365, pro 008V-365V
  • –  PflegeBAHRPLUS
  • –  PflegeTOP

Das bedeutet aber auch, dass die Tarife Esprit und Comfort+ in allen anderen Tarifstufen (und bei Erwachsenen) angepasst werden können. Wie hoch die Anpassung aussieht kann derzeit nicht gesagt werden.

Heute beantragt, welche Prämie gilt?

Bereits in meinem Artikel

Noch ein Jahr jünger in die PKV

habe ich das schon einmal ausführlich geschrieben. Durch eine sogenannte Anwartschaft lässt sich in der Privaten Krankenversicherung aber auch in der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit deutlich Prämie sparen, langfristig sogar. Dazu bedarf es einer Anwartschaft, deren Versicherungsbeginn am 1.12.2017 liegen muss, dadurch sind Sie ein Jahr jünger. Zum 01. 01. wird diese dann aktiviert und in den Vollschutz umgewandelt. Eine Frage die hier aber wieder und wieder kommt…

Zahle ich dann die Prämie vor oder nach der Beitragsanpassung?

Sie zahlen die Prämie, die ab dem 1.1.2017 um Bestand gilt. Wird dieser angepasst, so betrifft die Anpassung Sie natürlich auch. Daran ändert auch die Anwartschaft nichts. Dennoch ist eine solche Anwartschaft sinnvoll, denn an dem Vorteil für das Eintrittsalter ändert sich nichts. Nur wer glaubt heute einen Antrag zu stellen um die Beitragsanpassung zu umgehen, den muss ich leider enttäuschen.

Auch in der privaten Krankenversicherung sind Anpassungen unumgänglich. Mehr dazu auch in meinem Artikel zur BAP.