Archiv für Juni 2017

27.
Juni '17

ottonova – Ein Blick in die Bedingungen von First- und BusinessClass PKV (Teil II)


Nachdem ich mir vor Kurzem gerade die grundlegende Struktur und die Besonderheiten des neuen, privaten Krankenversicherers ottonova angeschaut habe, (den ersten Artikel zu ottonova und den NoGo’s gibt’s hier) geht es heute deutlich detaillierter in die Versicherungsbedingungen, Leistungen der Tarife und eventuelle Lücken und Probleme. Auch werde ich in diesem Beitrag etwas zur Prämienhöhe, der Einordnung in den derzeitigen Versicherungsmarkt und den Zusatzbausteinen zur ottonova Krankenversicherung schreiben.

ottonova – das Tarifwerk zur Krankenversicherung

Der neugegründete private Krankenversicherer bietet ausschließlich zwei Tarife an, diese tragen die Namen FIRST-CLASS und BUSINESS-CLASS. Einen Einstiegstarif, also eine Economy, gibt es augenscheinlich nicht. Jedes Tarifwerk existiert zudem in zwei verschiedenen Stufen, welche sich in der Höhe der Selbstbeteiligung unterscheiden.

Dabei bedeutet eine „1“ in der Tarifstufe, dass diese eine Selbstbeteiligung von 10 %, maximal 500 € pro Versicherungsjahr enthält, eine „2“ sagt uns, die Selbstbeteiligung beträgt 25 %, maximal 1.250 € pro Versicherungsjahr. In der Summe stehen dem Kunden somit vier unterschiedliche Tarifvariationen zur Verfügung.

Im Detail sieht das dann so aus, wie oben im Schaubild dargestellt. Wer sich also für einen Versicherungsschutz bei dem neu gegründeten Krankenversicherer entscheidet, muss sich zunächst einmal für ein Leistungspaket und eine Selbstbeteiligungsstufe entscheiden. Wie wir jedoch gleich sehen werden, ist an diesem Versicherungsschutz tatsächlich wenig „First Class“, betrachtet man insbesondere die Leistungsaussagen und die Regelungen in den Versicherungsbedingungen. Zudem: Ein Wechsel zwischen den Leistungsstufen oder ein Optionsrecht ist nicht vorgesehen. Natürlich kann der Versicherte seine Leistungen reduzieren, die SB erhöhen, aber eben nicht verbessern/reduzieren (der SB).

Aber es muss auch nicht für jeden der „top“ Versicherungsschutz sein, wer die Einschränkungen bei den Auswahlkriterien zur privaten Krankenversicherung kennt und akzeptiert, der kann auch durchaus einem schlechteren Versicherungsschutz zufrieden sein.

Zusätzlich zu dem Haupttarif kann ein Baustein zur Beitragsentlastung im Alter gewählt werden. Dieser kann entweder ab dem 64. Lebensjahr oder erst zum 67. Lebensjahr in Anspruch genommen werden. Ab diesem Zeitraum reduziert sich dann (unter Weiterzahlung des Tarifbeitrages) der zu zahlende Krankenversicherungsbeitrag um den versicherten (Reduzierungs-)Betrag. Eine solche Komponente hat durchaus Vorteile, da der heute (mehr) investierte Betrag steuerlich wirksam und arbeitgeberzuschussfähig ist.

Weiterhin existieren für Arbeitnehmer und Selbstständige getrennte Tarife für die Absicherung des Krankentagegeldes. Arbeitnehmer können sich zwischen einer Leistung ab dem 42., 91. und 182. Tag entscheiden, für Selbstständige steht der Tarif nur ab dem 42. Tag zur Verfügung. (mehr dazu gibt es im Teil III dieser Artikelserie in den kommenden Tagen)

Versicherungsbedingungen der ottonova Krankenversicherung

Grundlage dieses Beitrages und meiner Einschätzung sind die Allgemeinen Versicherungsbedingungen und die Tarifbedingungen, Stand 25.6.2017. Die entsprechenden Druckstücke habe ich am Ende dieses Beitrages verlinkt. Beginnen wir mit den Versicherungsbedingungen zur Krankenversicherung, wobei die Allgemeinen Versicherungsbedingungen in der Ausgabe 06/2017 für beide Tarifwerke gelten.

Primärarztmodell in der Business Class

Der wesentliche Unterschied liegt in einem Primärarztmodell, welches zwingend vorschreibt, dass Versicherte der Business Class für die Inanspruchnahme von Fachärzten eine entsprechende Überweisung durch einen Primärarzt oder den ottonova Concierge Service benötigen. Liegt diese nicht vor, so werden die erstattungsfähigen Aufwendungen um 20 % gekürzt.

Schauen wir uns doch zuerst etwas weiter in den allgemeinen Versicherungsbedingungen um. Dabei fallen einige Besonderheiten auf, wie zum Beispiel die Regelung der Kindernachversicherung. Diese ist möglich, falls zum Zeitpunkt der Geburt ein Elternteil mindestens drei Monate beim Versicherer versichert (mehr …)

26.
Juni '17

ottonova – neu, digital aber mit vielen Schwachstellen und NoGo’s (Teil I)


ottonova, eine neue digitale Krankenversicherung, eine neue PKV, die anderes sein will und besser. Besser als alles bisher bekannte im Bereich der Privaten Krankenversicherung.

Mehr als eine Versicherung.
Vergiss, was du bisher über Krankenversicherung gedacht hast. Wir sind ein Team von Andersdenkern: Mit Versicherungsexperten, Ärzten, Designern und Entwicklern. Gemeinsam verwirklichen wir unsere Vision von einer besseren Krankenversicherung. Die wirklich einen Unterschied für dein Leben macht. Die 100% an deiner Seite steht. Ja, das hast du schon tausendmal gehört. Warte, was wir daraus machen. Dies ist erst der Anfang.

Grundsätzlich wäre ich selbst der beste Kunde für so ein Projekt, passe in die Zielgruppe, interessiere mich für Digitalisierung und freue mich über jeden Zettel, jeden Brief und jede Bescheinigung die nicht in Papierform bei mir landet. Daher bin ich ein großer Fan von Rechnungs-Apps und nutze meine, also die der Hallesche KV, seit Einführung. Früher kamen Arztrechnungen auf den Stapel, wenn der groß genug war reichte ich die Rechnungen ein und bekam meine Erstattung. Die Zeiten sind lange vorbei. Heute: Rechnung kommt, Handy an, App auf, Foto gemacht, drei Tage später zeigt mir die Konto-App auf dem iPhone die Erstattung der Rechnung.

Digitalisierung kommt, auch oder gerade in der PKV

Das ist natürlich nur ein Weg, ein kleiner Schritt in Richtung Digitalisierung aber einer, den der Kunde und damit ich auch, direkt merke. Auch in der Antragstellung ist Digitalisierung das Ziel um Prozesse zu vereinfachen. Nachdem viele Versicherer nicht mehr zwingend ein Original vom Antrag wollen ist das per Mail, Fax oder elektronisch möglich, ob es rechtlich bei einem lebenslangen Vertrag sinnvoll ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Doch noch immer haben Versicherer und damit auch die private Krankenversicherung eher den Ruf behäbig, altmodisch und konservativ zu sein. Nix digital, nix hipp oder fancy. Im Bereich der Verwaltung kommen Fin- und Insurrechs und treten den Versicherern auf die Füße. Gut so, denn das was wir als Makler seit Jahren wollen (schlanke Prozesse, elektronische Unterlagen) kommt nun so nach und nach und nicht ohne Druck der Masse.

Braucht es eine neue Private Krankenversicherung?

Darüber kann man vortrefflich streiten, denn gerade in der privaten Krankenversicherung ist Qualität und eine konservative Ausrichtung nicht unbedingt schlecht. Auf der anderen Seite sind Innovation, neue Tarife und Modelle und generelle Innovationen sicher nicht nur gut für den einen, oftmals verändern diese auch den Markt und die Mitbewerber. Natürlich müssen sich die Versicherer weiter entwickeln, neue Märkte und Chancen erkennen und dennoch ist nicht jeder neue Hype einer, den man auch mitmachen muss.

Schauen wir einmal auf die Homepage und betrachten das, was anders ist, anders sein soll als die normale Private Krankenversicherung. Zunächst einmal ist der Prozess von Antragstellung bis Abrechnung und Abwicklung digital. So zumindest verspricht es der Gründer und sein Team. 40 Millionen Euro wurden dazu eingesammelt, 10 Millionen kamen von der Debeka, welche damit in einen Mitbewerber investiert.

Mitbewerber? Ja, denn bei Ottonova handelt es sich nicht um einen Makler oder Vermittler von Versicherungen, sondern um ein neues Unternehmen, eines welche eigene Tarife und damit eigenen Versicherungsschutz anbietet. Solchen den diese nicht als Vermittler woanders einkaufen, sondern selbst abbilden. Nicht umsonst sind solche Gründungen aufwändig und kostenintensiv, denn es handelt sich um einen lebenslangen Vertrag. Schließt ein heute 25jähriger eine private Krankenversicherung ab, so muss er sich darauf verlassen können, dieses Unternehmen mit den Tarifen auch in den nächsten 50, 60 oder 70 Jahren vorzufinden, denn solange wird er seinen Vertrag unter Umständen behalten wollen.

Was macht ottonova anders?

So, nun vergessen wir mal das Marketing und die Aussagen, und schauen uns die Fakten an. Ottonova will die erste, voll digitale private Krankenversicherung werden. Dazu haben sich ein Arzt, ein Designer und ein Informatiker zusammengetan und wollen die neue, private Krankenversicherung werden. Ein ehrgeiziger Ansatz, in jedem Fall Hut ab vor dem Mut.

ottonova wurde 2015 von Dr. med. Roman Rittweger (Mediziner & MBA), Sebastian Scheerer (Designer) und Frank Birzle (Informatiker) gegründet. Sie kommen aus unterschiedlichen Welten, teilen aber eine gemeinsame Vision: Eine Krankenversicherung zu schaffen, die neue Maßstäbe setzt.

So etwas geht nicht nur mit Versicherungskaufleuten der alten Schule. Darum finden sich bei ottonova neben Versicherungsexperten und Mathematikern auch Programmierer, Ärzte und Designer. Genau dieses außergewöhnliche Team ist es, dass den Nährboden für unsere Innovationskraft schafft. Zusammen verfolgen wir unsere Vision und denken frische, aufregende Gedanken. Das macht einfach Spaß!

Auch ottonova zahlt in den Sicherungsfond der private Krankenversicherung ein, in einen Fonds der die dauerhafte Leistungsfähigkeit und damit die Erfüllung der Leistungen sicherstellen soll. Damit unterscheidet ottonova erstmal rein rechtlich nichts von einem anderen Krankenversicherung, die „digitale“ Krankenversicherung wäre dann eine, wie jede andere auch.

Anders sein soll aber der Prozess, also von Antragstellung bis Abwicklung. Dazu soll es zudem eine App geben, eine App die eine Art „Concierge“ ist, eine Hilfestellung bei Fragen, Hilfe wie die Suche nach einem Arzt und die auch eine Einreichung der Rechnungen zur Erstattung ermöglicht.

OK, eine App mit einem LiveChat haben andere Krankenversicherungen meist noch nicht, eine App zum Rechnungen einreichen mittlerweile viele, ein Servicetelefon mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten nahezu alle.

Was unterscheidet nun ottonova? Auf den ersten Blick nur die App, denn alle anderen Dienstleistungen (mehr …)

20.
Juni '17

Anonyme Voranfragen bei Berufsunfähigkeit und Krankenversicherung – warum es einen qualifizierten Berater braucht


In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Finanztest wurde einmal mehr die Berufsunfähigkeit getestet. Nach dem desaströsen letzten Test zur Berufsunfähigkeit hat sich zum Glück bei Finanztest einiges verändert, mehr dazu und zu den Fehlern im aktuellen Test folgt in einem anderen Beitrag. Auch in diesem Test hat die Zeitschrift einen „Wegweiser“ veröffentlicht und mit der Überschrift „So kommen Sie zu einem Vertrag“ versehen. Neben der Tatsache, dass sie mehrerer Angebote parallel einholen sollen (wogegen grundsätzlich noch nichts einzuwenden ist) erfolgt diesmal ein Hinweis auf Versicherungsberater oder Versicherungsmakler.

Genau heißt es dazu:

„Vorerkrankungen. Waren sie in den vergangenen fünf Jahren ernsthaft krank oder sind sie chronisch krank, stellen Sie eine anonyme Risikovoranfrage über einen unabhängigen Versicherungsberater oder einen Versicherungsmakler.“

Diese zeitliche Eingrenzung und auch der Bezug auf „ernsthafte Krankheiten“ greift jedoch deutlich zu kurz. Die anonyme Voranfrage ist nicht nur wichtig und notwendig für den Fall von „ernsten Erkrankungen“, sondern ganz generell. Zudem stellt sich die Frage was eine ernste Erkrankung ist. Sind Rückenschmerzen, welche jedes Jahr mal wieder auftreten oder unregelmäßige Magenschmerzen denen der Interessent wenig Bedeutung beimisst, ernste Erkrankungen oder doch eher Lappalien?

Eine anonyme Voranfrage ist existenziell, immer!

Dabei ist grundsätzlich erst einmal zu klären, wie eine Antragstellung in der Berufsunfähigkeitsversicherung generell funktioniert, um hier zu verstehen wo die Risiken liegen und wie sich diese vermeiden lassen. Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchten, dann haben die folgenden Faktoren einen direkten Einfluss auf die Prämie und die Vertragsgestaltung:

  • – das Eintrittsalter
  • – der Gesundheitszustand in der Vergangenheit und der aktuelle Zustand
  • – die berufliche Tätigkeit
  • – private Hobbys wie Skifahren, Motorradfahren, fliegen, Fallschirmsprünge und vieles mehr

Eine anonyme Voranfrage nicht nur wegen der Gesundheit

Mit einer solchen anonymen Voranfrage lassen sich daher nicht nur die passenden Verträge auswählen, sondern es lassen sich auch die Rahmenbedingungen für private Freizeitaktivitäten, Zuschläge und Ausschlüsse aufgrund besonderer Risiken und weiterer vertragsbeeinflussende Faktoren ermitteln und vorab klären. Nicht selten kommt es vor, dass insbesondere die berufliche Tätigkeit bei verschiedenen Versicherern zu gänzlich unterschiedlichen Einstufungen und Prämien führt, was am Ende zu Preisunterschieden von 50 % und mehr führen kann.

Berufsgruppenauswahl in der Software (links der eigenebene, rechts unten der ausgewählte Beruf). DARUM braucht es Menschen!

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung beantragt und einfach recht lapidar seinen Beruf „Büroangestellte“ dort einschreibt, der wird wahrscheinlich einen entsprechenden Versicherungsschutz bekommen, ob es der richtige und passende ist, steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt.

Mit einer solchen anonymen Voranfrage lassen sich damit die Berufsgruppeneinstufungen, Zuschläge und Ausschlüsse aufgrund von Freizeitaktivitäten und weitere Faktoren vorab klären. Das macht es insbesondere bei der finalen Antragstellung nicht nur deutlich einfacher, es erleichtert auch den (mehr …)

19.
Juni '17

„Architekt für Absicherungen“ – warum sich als Berater für den eigenen Beruf schämen?


Stellen Sie sich vor Sie gehen zu einem Arzt. Nachdem Sie an dem Haus angekommen sind, suchen Sie auf dem Schild unten an der Haustür nach dem gewünschten Ziel. Doch da steht gar nichts von „Arzt“, da steht etwas von „Gestalter ihrer Gesundheit“ oder so etwas wie „Unterstützer ihres Wohlbefindens“. Was denken Sie?

Vielleicht denken Sie: „Oh wie kreativ“, wahrscheinlicher ist es jedoch, dass Sie denken: „Was bitte soll das sein? Ist er wirklich Arzt? Kann er mir wirklich helfen bei meinem Problem?“. So oder so ähnlich passiert es in der Branche, in der ich beruflich unterwegs bin, der Finanz-und Versicherungsbranche. Wir, damit meine ich durchaus die komplette Branche, schaffen es immer wieder sich besonders kreative Namen auszudenken. Natürlich, Hausmeister will heute auch niemand mehr sein, die heißen dann neumodisch Facility Manager. Auch die Begriffe Putzfrau oder Reinigungskraft sind doch mittlerweile von „Raumpflegern“ oder ganz anderen deutsch-englischen Bezeichnungen abgelöst worden. Das mag auch bis zu einem gewissen Grad ihre Berechtigung haben, aber gerade in der Finanz- und Versicherungsbranche in der ich tätig bin (be-)schwören wir immer und immer wieder Transparenz. Transparenz und Ehrlichkeit, die Vertrauen schaffen und die eigene Kompetenz herausstellen.

Doch umso erstaunter bin ich manchmal, wenn ich solche Fantasiebezeichnungen lese. Vor einigen Tagen hat ein Kollege von mir auf Instagram ein kurzes Video gepostet, ein Video in dem er ganz kurz von einer Vorstellung eines Kollegen auf einem Seminar erzählte. Dieser Kollege war, wie Florian Rex und auch ich, Versicherungsmakler. In der Vorstellung und auf die Frage als was man dann tätig sei, nannte der Kollege aber nicht die Bezeichnung Versicherungsmakler, er sagte er sei:

„Architekt für Absicherungen“

Nachdem wir uns ein wenig in den Kommentaren unterhalten haben, schrieb der Kollege Rex „Es ist wirklich nicht zu glauben, wie viele Versicherungsmakler ein Problem mit ihrer Berufsbezeichnung haben…“ und auf meine Frage warum der Herr denn so eine Fantasiebezeichnung verwendet:

„Sonst würde man die potenziellen Kunden ja vergraulen.“

Spätestens jetzt verstand ich die Welt nicht mehr. Ich habe in den über 20 Jahren in dieser Branche schon einiges erlebt, viele wunderbare und tolle Kollegen kennengelernt, aber auch viel chaotisches und insbesondere viel Unsinn gesehen. Einiges davon habe ich auch hier im Blog unter dem Tag „Unsinn“ aufgeschrieben, speziell für sie zum Nachlesen.

Vergraule ich Sie, wenn ich ehrlich bin?

Die Versicherungsbranche hat sicherlich nicht den besten Ruf, und zum großen Teil hat sie sich diese selber zuzuschreiben. Da finden sich Berater, welchen die Kundeninteressen egal sind, welche Jahr für Jahr Verträge von einem Versicherer zu dem anderen schieben und damit für den Kunden den Verlust und Schaden immer größer machen. Gerade in den Absicherungen der biometrischen Risiken, also Berufsunfähigkeit, Todesfall und die (private) Krankenversicherung ist ein solcher Wechsel oftmals nicht sinnvoll möglich. Natürlich gibt es genug Beispiele wo es durchaus positiv sein kann, positiv eine vor Jahren getroffene Entscheidung noch einmal zu überdenken. Hier, in meiner Branche gibt es allerdings viele schwarze Schafe. O. k., vielleicht nicht mehr als in anderen Branchen auch, aber hier sind die Auswirkungen um ein Vielfaches dramatischer. Wer sich das falsche Auto, die falsche Küche oder den falschen Fernseher kauft, kann diese Entscheidung relativ schnell und unkompliziert wieder revidieren. Wer aber die falsche Altersvorsorge, die falsche Risikoabsicherung oder gar die unpassende private Krankenversicherung wählt, für den ist es meist nur mit großem bis sehr großem finanziellen Aufwand wieder zu lösen, manchmal auch gar nicht.

Daher ist bei einer Beratung Vertrauen in den Berater, Vertrauen in die Ausbildung und Qualifizierung des Beraters und in die Ehrlichkeit ein entscheidendes Kriterium. Nur wer Vertrauen gegenüber seinem Berater hat, nur der wird offen und ehrlich mit seinen Bedenken, Absicherungswünschen und Problemen umgehen können. Wer aber glaubt von dem Berater „über den Tisch gezogen zu werden“, der wird immer ein schlechtes Gefühl haben und nicht zu einer sinnvollen Absicherung kommen.

Dabei ist nicht der Beratertyp entscheidend

Die Branche versteht es hervorragend sich in Grabenkämpfen zwischen Versicherungsvertretern und Versicherungsmaklern zu verzetteln. Die einen behaupten viel besser informiert zu sein, die Tarife ihrer eigenen Gesellschaft viel besser zu kennen und nicht das Problem der Unübersichtlichkeit zu haben. Die anderen wiederum stellen die Unabhängigkeit in den Mittelpunkt, nur der Versicherungsmakler kann neutral aus allen Tarifen am Markt wählen.

Lesetipp: Wo bekommen Sie eine unabhängige Beratung in Finanz-und Versicherungsfragen

Wer sich aber für einen Versicherungsvertreter, also einen Berater der für eine Gesellschaft tätig ist, entscheidet und dieses bewusst tut, der weiß auch ihn erwartet. Er erwartet eben nicht die Auswahl von verschiedenen Gesellschaften zu bekommen, sondern vielmehr eine optimale Betreuung für die Tarife dieser einen Gesellschaft.

Somit hat er keinesfalls per se einen schlechteren Berater, er hat sogar einen zu dem eher viel Vertrauen hat und um die Einschränkungen der Auswahl weiß. Zumindest im Idealfall sollte das so sein, denn immer dann, wenn Versicherungsvertreter den Eindruck erwecken sie wären unabhängig, (mehr …)

14.
Juni '17

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind


Der Dschungel der Tarife in der privaten Krankenversicherung ist oftmals schier unübersichtlich und kaum zu überblicken. Da ist es nur verständlich, wenn Sie versuchen sich bei der Auswahl einiger Hilfsmittel zu bedienen. Neben Onlinevergleichsrechnen, welche zumindest für die private Krankenversicherung ungeeignet sind, stützen viele Interessenten ihre Entscheidung auf den Rat von Freunden, Bekannten und Kollegen.

„Wenn meine Freunde/Kollegen dort versichert sind, dann kann es ja nicht schlecht sein, diese sind bei Gesellschaft XYZ zufrieden“. 

Warum solche Hinweise und Tipps aber eher fatale Folgen haben können und für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif und eine Gesellschaft nicht geeignet sind, das schauen wir uns einmal im Detail an.

Beginnen wir mit der Gesellschaft oder den Tarif, in dem die Bekannten und Freunde versichert sind. Bevor sie sich also auf so eine Empfehlung verlassen, machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen:

  • –  Wie wurde der Versicherungsschutz ausgewählt?
  • –  Warum sind die Kollegen dort versichert und welche Alternativen gab es?
  • –  Welche Vorerkrankungen bestanden bei den Kollegen?
  • –  Hatten diese schon Zusatzversicherungen dort?
  • –  Wie und durch wen erfolgte die Beratung?

Eine der wichtigsten Fragen, um eine solche Empfehlung hier bewerten zu können ist die, wie denn bei den Freunden der Versicherungsschutz ausgewählt wurde. Gab es eine Beratung durch einzelne Versicherungsvertreter einer Gesellschaft, wurde vielleicht ein Makler oder ein anderer Berater gegen Honorar genutzt?

Lesetip: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Finanz- und Versicherungsfragen?

Welche Anforderungen und welches familiäre und berufliche Umfeld lagen der Beratung zu Grunde, sind diese Kriterien zu 100 % mit Ihren vergleichbar? Oftmals stellt sich dann gleich die Frage, wie Sie es beurteilen sollen, kennen Sie doch all diese Kriterien und Anforderungen aus der damaligen Beratung gar nicht. Ganz vereinfacht gefragt: Kaufen Sie das gleiche Auto, das gleiche Haus und/ oder sieht Ihre Wohnungseinrichtung auch so aus wie die Ihrer Kollegen?

Nicht? Warum nicht?

Weil Sie Ihren eigenen Geschmack haben? Weil Sie individuell sind? Weil Sie Kinder haben oder wollen, die Kollegen und Freunde vielleicht nicht?

Sehr schnell merken Sie nun, eine Beratung einer Person ist nicht auf die andere übertragbar. Selbst wenn es Übereinstimmungen gibt, wenn Kriterien wie

  • –  beruflicher Status (angestellt oder selbstständig)
  • –  Einkommen
  • –  Ausbildung

übereinstimmen, so ist die Anforderung an einen passenden Versicherungsschutz doch etwas ganz anderes. So individuell wie ein Haus, eine Einrichtung, der eigene Geschmack, so individuell ist auch die Auswahl des Versicherungsschutzes.

„Aber die Abwicklung bei Gesellschaft XYZ ist gut, mein Kollege bekommt alles erstattet“

Auch dieses ist ein beliebtes Argument. Wird doch von vielen befürchtet keine ausreichende Erstattung im Leistungsfall zu bekommen, lange hinter Rechnungen und deren Erstattung hinterher zu laufen und dann am Ende Ärger zu haben? So werden bereits versicherte immer mal wieder gefragt, wie zufrieden diese denn sind. Werden Rechnungen abgerechnet und schnell bezahlt? Gab es Probleme bei der Abrechnung oder prüft der Versicherer zu streng und fragt viel?

Gerade bei jüngeren Kunden die bereits privat versichert sind kommt dann schnell die Aussage „Ich bin zufrieden mit meiner PKV“. Hinterfragen Sie bitte solche Aussagen, hinterfragen Sie insbesondere aufgrund welcher Daten, (mehr …)