Archiv für April 2016

29.
April '16

Leserfrage: Reichen sechs Monate krank sein für den Bezug der Berufsunfähigkeitsrente?


Auch heute werde ich wieder eine der häufigeren Fragen aus dem Blog oder meinem LiveChat aufgreifen und diese einmal für alle verständlich versuchen zu erläutern. Sollten Sie eine solche Frage haben, so stellen Sie mir diese gern per E-Mail oder aber auch per Live Chat (links das rote Symbol).

Berufsunfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit – klingt fast gleich, ist aber anders

Hier beginnen die Probleme und Missverständnisse und es wird leider für den Laien schnell undurchsichtig. So auch bei einem meiner „Kunden“ im Live Chat, wo immer mal wieder solche Fragen auftauchen.

Leserfrage

Um später die Frage korrekt beantworten zu können ist es erforderlich, zunächst einmal Begriffe zu klären und zu verstehen wo die Unterschiede bei den fast gleichen Begriffen liegen. Es gibt da die Arbeitsunfähigkeit und die Berufsunfähigkeit. Das hat so rein gar nichts mit Invalidität (aus der Unfallversicherung) oder Erwerbsminderung (aus der gesetzlichen Rentenversicherung) zu tun, sondern sind ganz andere Dinge.

Die Arbeitsunfähigkeit (AU)

Hierbei handelt es sich um einen Begriff aus der Krankenversicherung, genauer aus der Krankentagegeldversicherung. Diese soll einen Verdienstausfall absichern, wenn Sie krank sind und dadurch nicht mehr arbeiten können. Hier einmal eine Formulierung/ Definition aus den Versicherungsbedingungen:

Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bedingungen liegt vor, wenn die versicherte Person ihre berufliche Tätigkeit nach medizinischem Befund vorübergehend in keiner Weise ausüben kann, sie auch nicht ausübt und keiner anderweitigen Erwerbstätigkeit nachgeht.

Der entscheidende Punkt ist hier die „vorübergehende Einschränkung“, also kein dauerhafter Zustand. Das ist bei vielen Erkrankungen leider sehr schwer zu beantworten, weil auch die Medizin heute nicht alles vorhersagen kann.

Die Berufsunfähigkeit (BU)

Im Gegensatz zur Arbeitsunfähigkeit ist es ein Zustand, der voraussichtlich auf Dauer ausgelegt ist. So findet sich zum einen im Versicherungsvertragsgesetz (Paragraph 172) eine Definition, welche lautet:

Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann. Als weitere Voraussetzung einer Leistungspflicht des Versicherers kann vereinbart werden, dass die versicherte Person auch keine andere Tätigkeit ausübt oder ausüben kann, die zu übernehmen sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“

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27.
April '16

Arbeitgeberzuschuss: Wie Sie auch für Frau und Kind einen PKV Zuschuss vom Arbeitgeber bekommen


Der Zuschuss vom Arbeitgeber ist für Angestellte welche in der privaten Krankenversicherung versichert sind, ein nicht unerheblicher Baustein zur Zahlung des Beitrages. Der Arbeitgeber zahlt- das müsste er ja in der gesetzlichen Krankenkasse auch- einen Beitragszuschuss zur Privaten Krankenversicherung, wenn diese bestimmte Vorgaben erfüllt. Nun führt aber dieser Arbeitgeberzuschuss immer wieder zu Diskussionen und Streit, wobei der Arbeitnehmer meist klein beigibt, denn wer möchte sich schon mit dem Arbeitgeber streiten.

Dabei sind die Regelungen recht eindeutig und wer das Gesetz liest, die Kommentare dazu zu Rate zieht und vielleicht noch versucht die Zusammenhänge zu erkennen der merkt schnell – alles ganz einfach. Aufgrund vieler Fragen in den letzten Tagen, hier einmal eine etwas detailliertere Auflistung dessen, was Sie wissen müssen.

Wer bekommt den Arbeitgeberzuschuss?

Der Zuschuss zur Privaten Krankenversicherung wird an privat versicherte Arbeitnehmer gezahlt. Dabei regelt das Sozialgesetzbuch V die Voraussetzungen und insbesondere der § 257 ist hier entscheidend. Dort heist es:

(2) Beschäftigte, die nur wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze oder auf Grund von § 6 Abs. 3a versicherungsfrei oder die von der Versicherungspflicht befreit und bei einem privaten Krankenversicherungsunternehmen versichert sind und für sich und ihre Angehörigen, die bei Versicherungspflicht des Beschäftigten nach § 10 versichert wären, Vertragsleistungen beanspruchen können, die der Art nach den Leistungen dieses Buches entsprechen, erhalten von ihrem Arbeitgeber einen Beitragszuschuß.

Generell ist hiermit klar, der Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung steht zunächst einmal dem Arbeitnehmer selbst zu. Zudem all den Versicherten Personen, die nach §10 einen Anspruch auf Familienversicherung( –> also die kostenlose mitversichern in der GKV, wenn denn der Arbeitnehmer nicht in der PKV wäre) hätten.

Was muss der Vertrag zur PKV erfüllen?

Auch die Private Krankenversicherung muss Vorgaben erfüllen, denn nur dann wenn diese sich an die Vorgaben hält, ist der Vertrag und seine Bestandteile zuschussfähig.

(2a) Der Zuschuss nach Absatz 2 wird ab 1. Januar 2009 für eine private Krankenversicherung nur gezahlt, wenn das Versicherungsunternehmen
1. diese Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung betreibt,
2. einen Basistarif im Sinne des § 152 Absatz 1 des Versicherungsaufsichtsgesetzes anbietet,
2a. sich verpflichtet, Interessenten vor Abschluss der Versicherung das amtliche Informationsblatt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemäß § 146 Absatz 1 Nummer 6 des Versicherungsaufsichtsgesetzes auszuhändigen, welches über die verschiedenen Prinzipien der gesetzlichen sowie der privaten Krankenversicherung aufklärt,
3. soweit es über versicherte Personen im brancheneinheitlichen Standardtarif im Sinne von § 257 Abs. 2a in der bis zum 31. Dezember 2008 geltenden Fassung verfügt, sich verpflichtet, die in § 257 Abs. 2a in der bis zum 31. Dezember 2008 geltenden Fassung in Bezug auf den Standardtarif genannten Pflichten einzuhalten,
4. sich verpflichtet, den überwiegenden Teil der Überschüsse, die sich aus dem selbst abgeschlossenen Versicherungsgeschäft ergeben, zugunsten der Versicherten zu verwenden,
5. vertraglich auf das ordentliche Kündigungsrecht verzichtet,
6. die Krankenversicherung nicht zusammen mit anderen Versicherungssparten betreibt, wenn das Versicherungsunternehmen seinen Sitz im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat.

Diese Voraussetzungen werden heute durch alle deutschen Privaten Krankenversicherer erfüllt. Wäre auch unklug wenn nicht, denn dann würde ein Kunde sich nicht da versichern können und der Versicherer stände ohne Kunden da. Haben Sie also einen privaten Versicherungsschutz in Deutschland oder planen einen solchen Abschluss, dann sollte die Erfüllung der Vorgaben kein Problem sein.

Bekomme ich den Zuschuss für meine Frau/ meinen Mann?

Diese Frage ist eine der am häufigsten gestellten Fragen, gerade hier gibt es immer und immer wieder Streit und Rückfragen seitens des Arbeitgebers und Unverständnis auf Seiten der Versicherten. JA, der Arbeitgeberzuschuss wird unter bestimmten Voraussetzungen auch für (mehr …)

25.
April '16

Warum Sie mit der PKV kein Geld sparen, nicht einen Cent – und weitere Mythen der PKV


(Lesezeit ca. 8-10 Minuten) Die Private Krankenversicherung ist immer mal wieder in Foren und auf sonstigen Plattformen Diskussionsthema und der eine weiss mehr, der andere eben weniger zum Thema beizutragen. In der letzten Woche war ich eher zufällig in einem Forum unterwegs, da geht es um etwas ganz anderes wie Versicherungen oder Absicherung, dennoch gibt es dort einen langen Thread zum Thema PKV. Ausgangspunkt war die Frage, ob heute PKV Versicherte wieder den Schritt machen würden und wie deren Erfahrungen sind.

Mit der Privaten Krankenversicherung Geld sparen – geht das?

Im Weiteren Verlauf fiel mir dann dieser Beitrag auf:

Ich spare, trotz fortgeschrittenen Alters, in der PKV jeden Monat richtig Geld.
Hab eine Tabellencalc gemacht – Ergebnis ca. 75k€ in 20 Jahre eingespart, bei besseren Leistungen als in der GKV.

Schon sind wir bei dem eigentlichen Thema, welches – so ehrlich sollte man sein – sich die privaten Krankenversicherer selbst eingebrockt haben. Die private Krankenversicherung war seit Ewigkeiten leistungsbetont. Leistungsbetont deshalb, weil es mehr Leistungen für Versicherte gab als in der gesetzlichen Versicherung. Die Schwester meiner Oma, schon lange tot, lebte früher im heutigen Polen. Der Vater hatte ein gut gehendes Geschäft und ich kann mich an Erzählungen erinnern die da waren: „Früher, da gab es im Krankenhaus eine erste, zweite und die Holzklasse. Als mein Knie versteift werden musste, behalte mein Vater den Arzt für die erste Klasse, sonst die Zweite, in der Holzklasse musste ich nie liegen.“

Das ist lange, lange her. Aber auch heute gibt es Unterschiede, welche sich bei ambulanten Behandlungen und sonstigen Leistungen, aber auch im Krankenhaus teilweise deutlich bemerkbar machen. Dabei ist nicht alles was die PKV kennt und versichern kann auch nötig. Leistungen gehen für einige über das Maß dessen was sie benötigen hinaus. Auch aus diesem Grund gibt es nicht „den guten oder schlechten“ PKV Tarif, sondern nur den passenden Tarif auf die eigenen Anforderungen.

Eines haben aber alle gemeinsam. Geld sparen und damit meine ich langfristig sparen, wird auch in der PKV nicht möglich sein. Dazu braucht man auch nicht unbedingt Versicherungsmathematiker zu sein. Ein System welches mehr Leistungen erbringen soll, dazu noch beitragsstabiler sein soll und auch zukünftig für Innovationen und steigende Kosten aufkommen, das kann unmöglich auch noch viel billiger sein.

Natürlich wird ein heute 30-jäjhriger Antragsteller zunächst einmal einen geringeren als den Höchstbeitrag der GKV zahlen. Dieser liegt seit Beginn des Jahres 2016 bei immerhin bei deutlich über 700 Euro monatlich. Im Detail ist das in meinem Beitrag zu den Sozialversicherungswerten 2016 nachzulesen.

Krankenversicherung: 4.237,50 € * 14,6% = 618,68 € (+Zusatzbeitrag für AN allein)

Pflegepflichtversicherung: 4.237,50 €* (2,35% + 0,25% (Kinderlose)) =  110,18 €

GESAMT sind in der Kranken- und Pflegepflichtversicherung dann 728,86 € pro Monat von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu entrichten, + Zusatzbeitrag den die Kasse prozentual (vom eigenen Einkommen) erheben kann. Davon zahlt der (kinderlose) Arbeitnehmer allein: 309,34 Euro plus 60,38 Euro + Zusatzbeitrag, also mindestens 369,72 Euro.

In der privaten Versicherung versprechen vollmundige Werbungen Beiträge von 300 Euro und meinen damit Gesamtbeiträge. Was ein Unterschied, nicht wahr? 400 Euro weniger und das jeden Monat, klingt unglaublich? Ist es auch! Denn Einstiegs-, Billig- oder Basisschutz in der privaten Krankenversicherung entspricht nicht etwas dem, was die GKV leistet, sondern dem was der Versicherer als Leistungen für wichtig hält. Dann sind durchaus große Lücken zu den Leistungen für gesetzlich Versicherte ebenso denkbar, wie Selbstbeteiligungen von 10 oder 20 Euro pro Arzt/ Behandler oder Leistungsbaustein, wie die Continentale dieses in den Tarifen Economy und Comfort anbietet. Solche Fallbezogenen Selbstbeteiligungen sind in jungen Jahren und zu gesunden Zeiten ganz nett, bringen aber wenig langfristig.

Die Ersparnis gehört Dir nicht!

Klingt provokant, oder? Ist es auch! Aber: Die Ersparnis in der privaten Krankenversicherung gehört, speziell bei einem Arbeitnehmer, nicht ihm allein. Auch der Arbeitgeber profitiert von einer solchen Ersparnis, denn dieser zahlt immer maximal fünfzig Prozent der Beiträge in der PKV. Kostet diese dann nach einem Wechsel nur 300 Euro, dann sind eben auch nur 150 Euro Zuschuss vom Arbeitgeber drin. OK, das sind dann immer noch mind. 200 Euro Ersparnis, höre ich schon die ersten jammern. Ja, sind es. Und wenn diese konsequent und unantastbar angelegt/ weggelegt und damit auch gespart werden, ganz toll.PKV Ersparnis

Aus Erfahrung im Kundenkreis. Vergessen Sie es! Es passiert nicht. Da kommt der Urlaub, das Haus, die Weltreise oder die Hochzeit, eine Ehefrau die zur Exfrau wird, die Scheidung und die Hälfte des Geldes ist futsch. Zudem will das Finanzamt und der Arbeitgeber was von der Ersparnis und dann, (mehr …)

22.
April '16

Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Jeder, der nicht zu den Krankenversicherungspflichtigen gehört, also jeder, der kein Arbeitnehmer ist oder die Versicherungspflichtgrenze von 56.250 Euro pro Jahr übersteigt, kann wählen, ob er sich gesetzlich oder privat krankenversichern möchte. Während die Höhe der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) festgelegt ist, allerdings seit 2016 mit einem Zusatzbeitrag versehen werden kann, werden bei den privaten Krankenversicherungen (PKV) die Tarife nach statistischen Angaben berechnet. Und zwar danach, wie viel die medizinische Versorgung eines Versicherten im Laufe seines Lebens – statistisch gesehen – kosten wird. Dabei setzt sich der Beitrag aus dem Risikoanteil, dem Verwaltungskostenanteil und dem Sparanteil zusammen. Und dann wäre da noch die Leistung: Je mehr man als Versicherter haben möchte, umso höher werden die Beiträge.

Geld sparen durch Tarifwechsel innerhalb der VersicherungDas heißt aber nun nicht, dass die Beiträge in der PKV immer stabil bleiben. So werden Beiträge regelmäßig angepasst. Grund dafür sind zum einen die Fortschritte in der Medizin, zum anderen die immer höhere Lebenserwartung. Diese Erhöhungen können auf Dauer gesehen für den Versicherten teuer werden. Die Lösung: Ein Tarifwechsel innerhalb der Versicherung, der erheblich Geld sparen lässt. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten!

Wann sich ein Tarifwechsel lohnt

In schöner Regelmäßigkeit kreieren private Krankenversicherungen neue Tarife, von denen bereits Versicherte allerdings wenig bis gar nichts mitbekommen. Denn die Versicherungen präsentieren diese Tarife nur denen, die als Neukunden angelockt werden sollen. Und diese erhalten natürlich weitaus günstigere Preise. Das heißt aber nicht, dass alteingesessene Kunden nicht auch in den Genuss dieser günstigeren Tarife kommen können – und das bei oftmals gleichen Leistungen. Was der Kunde, der sparen möchte, jetzt tun muss ist einfach: Vergleichen! Im Idealfall mit einem guten Versicherungsberater. Der Experte von Krankenversicherung.com ist überzeugt: „Wer seinen Vertrag vom Experten untersuchen lässt, kann oft erhebliche Prämieneinsparungen erzielen.“ Auf keinen Fall sollte direkt die Versicherung nach einem günstigeren Tarif angefragt werden, da diese natürlich kaum Interesse haben wird, von bereits Versicherten für gleiche Leistungen weniger Geld zu bekommen. Und auch bei der Eigensuche nach einem günstigeren Tarif kann man schnell den Überblick verlieren, denn Versicherer haben oftmals mehrere hundert Tarife im Angebot.

Das sollte man bei einem Tarifwechsel wissen:

  • Versicherte in einem Alttarif – der oftmals gar nicht mehr angeboten wird – zahlen mehr, weil
    • das Durchschnittsalter der Tarifgemeinschaft steigt
    • die Versicherten häufiger krank werden
    • für Behandlungen höhere Kosten gezahlt werden müssen
  • Höhere Kosten in Tarifen entstehen, wenn viele Gesunde wechseln. Der Experte spricht dabei von „Entmischung“. Ergo halten sich die Einnahmen und die Kosten nicht mehr die Waage, die Tarife werden erhöht!
  • Je länger man in einem Tarif versichert ist, umso vielversprechender ist es, einen Tarifwechsel zu vollziehen.
  • Sofern ein Wechsel in einen Tarif mit besseren Leistungen erwägt wird, muss man damit rechnen, dass der Versicherte einen Risikozuschlag verlangen kann.
  • Auch eine erneute Gesundheitsprüfung oder eine Wartezeit, in der die höheren Leistungen nicht in Anspruch genommen werden können, ist möglich.
  • Bei einer negativen Gesundheitsprüfung kann der Versicherer die höheren Leistungen ausschließen.

Im Übrigen ist ein Tarifwechsel immer einem Versicherungswechsel vorzuziehen. Der Grund sind vor allem die sogenannten Altersrückstellungen. Diese werden von Versicherungen angelegt, da damit zu rechnen ist, dass im Alter häufigere Behandlungen notwendig sind. Damit die Versicherungsprämien bezahlbar bleiben, werden die Altersrückstellungen angespart. Bei einem Tarifwechsel bleiben diese erhalten, bei einem Versicherungswechsel nicht.

Versicherer versuchen den Tarifwechsel ihrer Kunden zu verhindernTarifwechsel in der privaten Krankenversicherungen

Dass die Versicherungsgesellschaften wenig Interesse daran haben, für die gleiche Leistung weniger Geld einzunehmen, liegt auf der Hand. Aus diesem Grund versuchen viele Versicherer dem Kunden Steine in den Weg zu legen und kommen oft mit Behauptungen daher, die so nicht stimmen:

  • Ein Tarifwechsel kann nur gegen eine Gesundheitsprüfung stattfinden.
  • Ein Tarifwechsel ist an einen Risikozuschlag gebunden.
  • Der günstigere Tarif ist nur für Neukunden.
  • Der Tarif kann nur von bestimmten Jahrgängen abgeschlossen werden.
  • Es ist nicht möglich, bei gleichem Versicherungsschutz weniger zu zahlen. Dies ist unvereinbar!
  • Das Wechselverfahren ist kompliziert und zeitaufwändig.

Durch diese Behauptungen soll ein Tarifwechsel verhindert werden, dann dieser lässt die Versicherungsgesellschaften das Geld, das durch niedrigere Prämien gespart wird, verlieren und gleichzeitig werden die attraktiven Tarife für Neukunden kaputtgemacht.

Kein Wunder, dass die Versicherungsunternehmen so reagieren. Auch wenn die privaten Zusatzversicherungen in den letzten Jahren gestiegen sind, die Zahl der Versicherten mit Krankenvollversicherung stagniert.

Jahr Krankenvollversicherung Priv. Pflegeversicherung Priv. Zusatzversicherung

Jahr Krankenvollversicherung Priv. Pflegeversicherung Priv. Zusatzversicherung
2009 8.811.000 9.534.000 21.478.000
2010 8.896.000 9.593.000 21.969.000
2011 8.976.000 9.667.000 22.499.000
2012 8.956.000 9.620.000 23.071.000
2013 8.890.000 9.538.000 23.895.000
2014 8.834.000 9.473.000 24.342.000

Quelle: de.statista.com

Tarifwechsel: Beispiele und Ersparnisse

Spätestens zum Jahresende hin werden viele Versicherte der PKV daran erinnert, dass die Versicherungsprämien der Krankenversicherung steigen. Denn dann flattern regelmäßig Schreiben ins Haus, die eine Erhöhung für das kommende Jahr vorsehen. Spätestens dann sollte man aktiv werden und die Erhöhung nicht einfach hinnehmen. Ein paar unverbindliche Rechenbeispiele sollen die Ersparnis bei einem Tarifwechsel deutlich machen.

• Ein 40-jährigen Selbstständiger zahlt bisher 427,00 € monatlich. Durch einen Tarifwechsel reduziert sich die Versicherungsprämie auf monatlich 323,00 €. Das ist eine Ersparnis von 104 € im Monat. Davon gehen einmalige Beratungskosten für den Versicherungsexperten in Höhe von 742,56 € weg, bleibt für das erste Jahr eine Ersparnis von 505,44 €. Nach dem zweiten Jahr hat man sich bereits 1.753,44 € gespart und nach fünf Jahren sind es 5.497,44 €.
• Ein 49-jähriger Angestellter, der über der Versicherungspflichtgrenze liegt, zahlt in seinem alten Tarif 620,00 €. Nach dem Wechsel in einen neuen Tarif zahlt er nur noch 330,00 €, eine Ersparnis von 290,00 € monatlich. Abzüglich der Beratungskosten von 2.070,60 € spart er sich im ersten Jahr nach dem Wechsel 1.409,40 €. Nach dem zweiten Jahr hat er sich 4.889,40 € gespart, nach fünf Jahren 15.329,40 €.
• Eine 74-jährige Rentnerin zahlt 735,00 € in ihrem alten Tarif und wechselt in einen neuen, in dem sie nur noch 506,00 € monatlich zahlen muss. Die Ersparnis von 229,00 € im Monat bedeutet – abzüglich der Beratungskosten von 1.635,06 € eine Ersparnis von 1.112,94 € im ersten Jahr. Nach dem zweiten Jahr hat sie bereits 3.860,94 € eingespart, nach dem fünften Jahr sind es 12.104,94 €.

Diese Rechenbeispiele zeigen deutlich, wie sinnvoll es ist, die Tarife der privaten Krankenversicherung zu vergleichen und im Fall des Falles zu wechseln.

Disclaimer: Bei dem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag, welcher hier im Blog veröffentlicht wird.

22.
April '16

Leserfrage: Kann ich mich mit einem Tinnitus trotzdem in der PKV versichern?


Da diese Frage in der letzten Zeit häufiger vorkam, keine Ahnung warum sich das gerade häuft, greife ich diese doch einmal auf und nutze den Blog und diesem Beitrag für einige kurze Erklärungen.

Ursachen für eine Tinnituserkrankung

Der „Grund“ für einen Tinnitus ist vielfältig und oft gibt oder gab es keinen messbaren Auslöser, er war einfach da. Bei fast 45% wird daher auch nie eine wirkliche Ursache festgestellt. Dabei können Lärmschädigungen des Innenohrs eine entscheidende Rolle spielen. Während fast 40% der Patienten von einem Knalltrauma berichten, meint ein Viertel der betroffenen der Stress sei schuld am Tinnitus. Weitere Ursachen liegen in Schwerhörigkeit, der Otosklerose, dem Hörsturz, einem Schädel-Hirn-Trauma, aber auch Akustikus-Neurinom, Vergiftungen des Innenohrs oder andere Ursachen spielen eine Rolle.

(c) Department of Communication Sciences and Disorders UW Speech and Hearing Clinic

(c) Department of Communication Sciences and Disorders
UW Speech and Hearing Clinic

Behandlung eines Tinnitus

Auch wenn achtzig Prozent der Fälle akut sind und dann allein wieder verschwinden, ist eine HNO fachärztliche Untersuchung immer empfohlen. Neben Medikamenten, Selbsthilfegruppen steht auch Stressbehandlung und Psychotherapie ganz oben auf der Liste der möglichen Hilfen für den Patienten. Solche Behandlungen sind oft lang andauernd und kosten natürlich Geld.

Tinitus und die Private Krankenversicherung

Aus diesem Grund und damit im direkten Bezug zur Leserfrage, spielt eine solche Erkrankung eine Rolle bei dem Abschluss von privaten Versicherungen. Fällt der akute Tinnitus in den abgefragten Zeitraum der Gesundheitsfragen im Antrag, so ist dieser in jedem Fall anzugeben. Auch wenn die Ursache oder der Tinnitus selbst schon vorbei ist, kann eine solche „ausgeheilte“ Erkrankung abgabepflichtig sein. Chronische Varianten und damit dauerhaft bestehende Beeinträchtigungen spielen ebenso eine Rolle und sind IMMER abgabepflichtig.

Kann ich mich mit einem Tinnitus überhaupt privat versichern?

Auch hier gilt, wie bei allen anderen Erkrankungen auch oftmals… es kommt darauf an. Zunächst einmal muss unterschieden werden

  • woher der Tinnitus kam
  • wie hoch der Leidensdruck war
  • welche Behandlungen erfolgten
  • wie die derzeitigen Beschwerden aussehen
  • wie lange dauerten die Beschwerden? (< 3 Monate = akut, > 3 Monate = chronisch)

Nachdem diese Fragen geklärt sind, gilt es diese natürlich zu belegen. Dazu bieten einige Gesellschaften spezielle Fragebögen an, welche im Rahmen einer anonymen Voranfrage zu verwenden sind, aber auch als Bestandteil des späteren Antrages benötigt werden.

Was brauche ich für eine Einschätzung?

Neben dem eben angesprochenen Fragebogen benötigen Sie in jedem Fall ein

  • ärztliche Attest über die Ursache (wenn bekannt)
  • Fragebogen wie eben angesprochen
  • eigene Schilderung zum „Leidensdruck“
  • Auflistung der Behandlungen, Dauer und Art der Therapie

Nachdem Sie die Unterlagen vorliegen haben, ist es sinnvoll eine anonyme Voranfrage zu starten. Dazu ist es aber ebenso sinnvoll zunächst einmal die Frage nach der PKV, den Tarifen und Gesellschaften zu klären, denn auch hier gibt es solche, wo die Diagnose Tinnitus eine Ablehnungsdiagnose ist. Daher fragen Sie bitte NICHT vorher und nicht mit Namen an und riskieren somit gar eine Ablehnung eines Antrages.

Informationen zu den Auswahlkriterien der PKV, weiteren Fragen und Antworten zur Abwicklung finden Sie hier auf meiner Seite unter „Auswahlkriterien„.