Archiv für Januar 2016

27.
Januar '16

Zweimal GKV Beiträge auf’s „gleiche Geld“? Kapitalabfindung und Sofortrente sind beitragspflichtig in der gesetzl. Krankenkasse, so das LSG im Urteil L 5 KR 84/15


Die Beiträge im Alter sind immer wieder ein Thema, welches den Versicherten Angst macht. Während in der privaten Krankenversicherung die Beitragssteigerungen bis zum (und im) Alter die größten Sorgen bereiten, geht es bei gesetzlich Versicherten um die Beiträge auf Einkünfte im Alter. Mit einem solchen Fall hatte sich auch das Landessozialgericht Rheinland Pfalz zu beschäftigen und fällte dazu unter dem Aktenzeichen L 5 KR 84/15 ein beachtenswertes Urteil.Rentner GKV - 1

Im Allgemeinen geht es um die Frage, welche Einkünfte im Alter bei dem, freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versicherten, Rentner beitragspflichtig sind und was bei einer Wiederanlage passiert. Doch schauen wir uns das Urteil einmal im Detail an.

Bereits im Jahre 1975 hatte die Arbeitgeberin des Versicherten eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen. Genutzt wurde hier die übliche und weit verbreitete Form der Direktversicherung, welche steuerbegünstigt und unter Nutzung von Ersparnissen in den Sozialversicherungsbeiträgen ist. Der Arbeitgeber schoss diese direkt ab und führte die Beiträge vom Lohn ab.

Zum vereinbarten Ablauf der Lebensversicherung sollte hier ein Kapital ausgezahlt werden, welches sind auf einen stattlichen Betrag von 115.698,65€ belief, worüber die Versicherung den Kunden informierte. Daraufhin teilte die gesetzliche Krankenkasse dem Versicherten mit, dass hier beitragspflichtige Einnahmen bestehen. Da aber nicht die Kapitalabfindung auf einmal zu einem Beitrag führt, wird diese gemäß den Richtlinien der Beitragsbemessung in der GKV auf einen Zeitraum von 10 Jahren, also 120 Monaten herunter gerechnet.

115.698,65€ bedeuten also 11.569,87€ anrechenbares Einkommen für die kommenden 10 Jahre und somit „fiktive“ monatliche Einnahmen von 964,16€, welche nun beitragspflichtig sind.

Darum erlies die GKV einen Bescheid und ermittelte (im Jahr 2013) einen Monatsbeitrag auf diese Kapitalabfindung, welcher sich auf 149,44€ in der Kranken- und 19,77€ in der Pflegepflichtversicherung belief, insgesamt also 169,21€. Dieser Beitrag fiel selbstverständlich zusätzlich zu dem Beitrag an, den der Kläger auf seine gesetzliche Rente zahlen musste, also ergab sich ein Gesamtbeitrag für die gesetzliche Krankenkasse von 404,34€ monatlich.

Dabei wurden Beiträge aus einer gesetzlichen Rente in Höhe von 1.339,79€ mit 207,67€, Bei­träge aus Versorgungsbezügen in Höhe von 964,16€ mit 149,44€ sowie Beiträge zur Pflegeversicherung mit 47,23€ berechnet.

Mit dieser Verfahrensweise war der Kläger aber so gar nicht einverstanden. Er legte Rechtsmittel ein und argumentierte, er habe den Betrag aus der Kapitalabfindung ja gar nicht ausgezahlt bekommen. Diesen habe er schließlich sofort wieder in eine Sofortrente (Anm. Bei der Sofortrente handelt es sich um eine Anlageform, in der Sie einen Einmalbetrag einzahlen und der Versicherer dann eine lebenslange, monatliche Rente zahlt) angelegt.

Von der Auszahlung habe er nur einen kleinen Teil (2.853€) selbst behalten und die 112.845,54€ sofort wieder angelegt. Hieraus erhalte er nun eine monatliche Rente von 493,81€ und sei gern bereit hierauf die Krankenversicherungsbeiträge zu zahlen.

Doch da hatte er die Rechnung ohne die Krankenkasse gemacht, denn diese argumentierte, dass die Erträge und damit die Sofortrente nunmehr ebenfalls beitragspflichtig wären. Für die lebenslange Rentenleistung ist nunmehr monatlich ein zusätzlicher Krankenversicherungsbeitrag von 73,58€ zu zahlen (lebenslang). (mehr …)

22.
Januar '16

Komm, wir kaufen uns Kunden, wir haben Geld! CLARK- 150 € für jeden Kunden


#Update 23. Januar 2016

Wie eben ein Kollege berichtet, hat #Clark wohl entweder zu viele Anfragen oder zu wenig Geld. Er erhielt heute ebenfalls eine Mail mit dem Hinweis zu Empfehlungen, jedoch gibts nur noch 50€ und nicht mehr 150€. Also… Geld alle? zu viele Neukunden? satt? oder vielleicht alles nur ein Versehen? (ich habe keine Mail bekommen, das sich etwas geändert hat)

Bereits in meinem Beitrag zu den Fintechs (–> KLICK) habe ich dazu geschrieben, die Apps sind nur auf den ersten Blick kostenfrei und Sie bezahlen mit dem alten Berater. Nur durch massives Wachstum wird es den Fintechs meiner Meinung nach gelingen, zumindest einen so großen „Bestand“ von Maklern, Vertretern und Versicherern „abzugraben“.

Jeder Vertrag, der courtagepflichtig übertragen werden muss, spült Geld in die Kasse der Unternehmen, genau wie jeder Makler und Vertreter für die Betreuung eines Vertrages eine Bestandscourtage oder Betreuungsprovision erhält, welche sich unterschiedlich gestaltet.

Haben Sie einen Vertrag zu Ihrer Autoversicherung und zahlen Sie zum Beispiel 600 € Beitrag im Jahr dafür (netto, ohne Vers.Steuer), so erhält ihr Berater oder „ihre App“ hierfür eine Vergütung. Ca 3-5% sind in diesem Bereich üblich, also 18-30 € pro JAHR. Haben Sie eine Hausrat, Haftpflicht oder andere Sachversicherungen, sind die Sätze anders. Für diese Versicherungen sind 10, 15 oder 20, 25% an laufender Courtage marktüblich. Die private Haftpflicht für 100 € pro Jahr ziehen also eine Vergütung von JÄHRLICH 10-25 € nach sich und honorieren damit die Beratung, den Abschluss und die Betreuung und das solange der Vertrag besteht. In der Lebens-, Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung sprechen wir von 1-(manchmal) 3% der laufenden Beiträge, also auch hier ein Beispiel. Die 500 € für die private Krankenversicherung, 6000 € im Jahr, bedeuten auch hier bei uns eine durchschnittliche Vergütung von ca. 75- 150 € und soll für Betregungen und Hilfen während des Vertrages gedacht sein.

Übertragen Sie diese Verträge, so bekommt der neue „Betreuer“ die Vergütung. CLARK, einer dieser App-Anbieter ist letztendlich auch Makler, Makler wie viele meiner Kollegen und Makler wie ich auch. Hier muss aber, anders als bei dem Einzelmakler, gewachsen werden. Gewachsen weil Investoren beteiligt sind und gigantische Summen geflossen sind, diese müssen sich rechnen.

Um das Wachstum zu beschleunigen verschickte CLARK heute folgende Mail an Interessenten/ Kunden.

Clark Kundenwerben

WOW, 150 € für das Weiterleiten einer Mail, 150 € die erst einmal refinanziert werden müssen. Wo ist also der Haken? Nun, für Sie gibt es keinen Haken, außer Sie müssen selbst dort sein oder mal gewesen sein und die Mail mit dem Link erhalten haben. Natürlich müssen noch einige weitere Vorgaben erfüllt werden.

So funktioniert’s:
1. Deine Freunde können sich über unsere Webseite oder unsere App bei Clark registrieren. Leite einfach diese Links an deine Freunde weiter:
Per Web-Link einladen: https://www.clark.de/de/invitation/e8acsaas7y

2. Dein Freund klickt auf einen der Links und registriert sich bei Clark

3. Sobald dein Freund seinen ersten Vertrag in seinem Portfolio hat, überweisen wir dir 150 Euro

OK, also nur eine Anmeldung reicht nicht, natürlich nicht. Es muss ein Vertrag übertragen werden und Clark als Betreuer eingetragen. Das geht bei einigen Direktversicherern nicht, sonst aber schon. Doch da ist ja noch so ein * Text, also das Kleingedruckte.

*Du erhältst deine Auszahlung in Höhe von 150,00 € nur dann, wenn die von dir ein­geladene Person folgende Kriterien erfüllt: a) die Person erteilt Clark eine Makler­voll­macht, b) die Person beauftragt uns bei mind. einem Versicherungs­vertrag Details zu seinen Versicherungs­verträgen einzuholen, c) das Versicherungsunternehmen bestätigt, dass die Person Versicherungs­nehmer ist Clark wird bei mind. einem Vertrag der Betreuer des Versicherungsvertrages. Bitte habe Verständnis dafür, dass die Bestätigung seitens des Versicherungsunternehmens mehrere Wochen dauern kann. Sobald deine Empfehlung verifiziert ist, erhältst du deine Auszahlung in Höhe von 150,00 €. Diese Aktion ist zeitlich befristet bis zum 15. Februar 2016. Du darfst dich nicht selbst anmelden bzw. werben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Nicht ganz eindeutig meiner Auffassung nach. Muss der Vertrag bis 15.2. nun vom Unternehmen übertragen sein, dann wäre die Aktion eine Farce, da es meist nicht funktioniert. Oder ist die Werbeaktion bis zu diesem Zeitpunkt möglich, das wäre der verständlichere Weg und auf den würde ich mich als Empfehle auch berufen, würde ich empfehlen.

„Wenn ich einen Vertrag übertrage, was dann?“

Haben Sie einen Vertrag direkt bei einem Versicherungsunternehmen abgeschlossen, oder online über ein Vergleichsportal, dann ändert sich der Betreuer. Ob Sie vorher den Versicherer oder das Vergleichsportal als Betreuer wahrgenommen haben, das müssen Sie selbst überlegen und auch, ob Sie auf diesen verzichten wollen. Wenn dem so ist, so können Sie den Vertrag übertragen lassen.

Haben Sie den Vertrag bei einem Vertreter, einem Makler oder Finanz-/Vermögensberater, so ist auch der zukünftig nicht mehr zuständig. Haben Sie also einen guten Berater, sollten Sie nicht übertragen. Sind Sie unzufrieden oder haben gar „Stress mit dem Berater“, dann übertragen Sie den Vertrag und nehmen ihm quasi die laufende Vergütung weg.

Kann ich eine Betreuungsänderung rückgängig machen?

Ja natürlich, eine Änderung der Betreuung ist auch später wieder möglich. Überlegen Sie sich also im März, der Wechsel zu Clark war doch der falsche Weg, dann suchen Sie sich einen neuen Betreuer und erklären dort mit einem Maklerauftrag ihren Wunsch. Auch ein Vertreter kann die Betreuung übernehmen, das klären Sie dann bitte mit diesem direkt, meist gibt es auch hier einen Vordruck.

„Ich will es aber doch mal ausprobieren“

Diese Aussage höre ich durchaus gelegentlich. Eigentlich bin ich mit meinem Berater zufrieden, möchte es aber mal ausprobieren wie das in der App so ist. Wenn dem so ist, dann suchen Sie sich einen der Verträge, der noch nicht betreut ist, oder sprechen Ihren Berater zumindest kurz an. Dann übertragen Sie diesen einen Vertrag, in dem Sie die App oder die Website nutzen und probieren es aus. Nutzen Sie den Link oben im Text, so bekomme ich hier 150 € „Werbeprämie“, wenn Sie die Kriterien erfüllen.

Sollte es so sein, so werde ich diese im Rahmen meiner Spendenaktion an die Sternenbrücke, den Verein Kinderlachen 009 eV oder eine andere wohltätige Einrichtung spenden, da ich nicht nachvollziehen kann, vom welcher Empfehlung oder durch welchen Klick auf den Link diese Empfehlung kam. Diese Unternehmen unterstütze ich dauerhaft und diese freuen sich sicher.

Aber sonst gilt: Wenn Sie bei Ihrem Versicherungsvertreter, Vermögensberater oder Makler zufrieden sind, bleiben Sie da!

19.
Januar '16

Krankenakte in Kopie- kein „GoodWill“ des Arztes, sondern Anspruch des Patienten, vollständige Herausgabe ist zwingend, so das AG München 243 C 18009/14


Die Krankenakte, eine der wichtigsten Aufzeichnungen des Arztes, belegt diese doch nicht nur was tatsächlich getan wurde, sondern auch die daraus resultierenden neuen Behandlungen, Medikamentenverordnungen und mehr. Die Krankenakte hat auch in Bezug auf die Private Krankenversicherung, jede andere Versicherung und auch die gesetzliche Krankenkasse eine elementare Bedeutung.

Doch einen anderen Zweck erfüllt diese noch, sie belegt was der Arzt wirklich gemacht hat, belegt einzelne Behandlungsschritte und dokumentiert damit die Leistungen des Arztes. Somit kommt der Akte für die Prüfung einer Rechnung, die Prüfung der Rechtmäßigkeit einer Leistung und auch einer eventuellen Leistungsverweigerung eine entscheidende Bedeutung zu.

Auch bei Zahnärzten ist dieses nicht anders, eher im Gegenteil. Nicht selten kommt es zu Streitigkeiten mit dem (Zahn-)Arzt über nicht richtig erbrachte oder falsch abgerechnete Leistungen. Für die weitere Prüfung verlangte die Kundin, Patientin in dem Verfahren 243 C 18009 vor dem AG München, die Herausgabe der Krankenakte und bot dafür die Erstattung der Kopierkosten an. Die Krankenkasse der Kundin klagte in dem Verfahren auf Herausgabe, da die behandelnde Zahnärztin zwar die Akte kopierte, aber die Herausgabe der Röntgenbilder verweigerte. Die (schlechte) Kopie war jedoch keineswegs ausreichend und so war aus Sicht der Krankenkasse die Klage unumgänglich.

Das Gericht stellte sich hierbei auf die Seite der Kundin und der Krankenkasse. Nach Auffassung des Gerichts

„habe ein Patient Anspruch auf Einsicht in die Behandlungsunterlagen. Ein besonderes Interesse müsse dafür nicht dargelegt werden. Dieser Anspruch der Patientin sei wegen eine möglicherweise bestehenden Anspruchs auf Schadenersatz wegen fehlerhafter zahnärztlicher Behandlung auf die Versicherung übergegangen. Mit diesem Anspruch gehe auch das Einsichtsecht in die Patientenakte auf die Versicherung über (…)“

Insbesondere müssen verwertbare Unterlagen vorgelegt werden, so das Gericht weiter:

„… Denn jedenfalls zum Schluss der mündlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht hätten keine lesbaren Kopien der Röntgenunterlagen vorgelegen. Doch die Vorlage der übrigen Patientenunterlagen sei keine Erfüllung (Anm. Des Auskunfts- und Einsichtsanspruches des Patienten) eingetreten, da der Anspruch auf Einsichtnahme in die Patientenunterlagen als einheitlicher Anspruch erst dann erfüllt sei, wenn die Einsicht in die vollständigen Patientenunterlagen gewährt worden sei.

Die Zahnärztin hatte eine Einsicht in die Unterlagen in Ihrer Praxis angeboten, wohl auch weil die Rechnung der Patientin noch nicht beglichen war. Auch hierzu positioniert sich das Gericht klar und unmissverständlich.

„Die Zahnärztin habe auch nicht das Recht, die Unterlagen zurück zu behalten, weil die Behandlungsrechnung nicht bezahlt worden sei. Der Anspruch auf Einsichtnahme in di Patientenakte soll gerade die Feststellung eines möglichen Behandlungsfehlers ermöglichen, aufgrund dessen die Zahlung der Rechnung durch die Versicherte oder die Klägerin (Anm. hier die GKV der Kundin) verweigert wird. Dies würde kontaktiert, könnte dem Anspruch auf Einsichtnahme in die Krankenunterlagen ein Zurückbehaltungsrecht entgegengehalten werden.“

Damit stellt das Gericht unmissverständlich klar, das weder ein besonderer Grund vorliegen, noch eine Rechnung erst bezahlt sein muss. Der Anspruch des Patienten auf Einsicht der vollständigen Unterlagen (natürlich gegen Erstattung der Kopierkosten) besteht immer und uneingeschränkt. Gerade bei Anfragen des Patienten nach seiner Akte kommen Ärzte mitunter auf die Idee, „Die Versicherung soll doch bitte bei mir anfragen“ oder „das kann ich ihnen so nicht geben“.

Muster ArztauskunftWie kommen Sie nun an die Krankenakte

Fordern Sie diese Akte schriftlich beim Arzt an und setzen eine entsprechende Frist. Hierzu können Sie formlos an den Arzt schreiben, müssen bei einer Übersendung jedoch die Kopierkosten zahlen. Der Arzt/ Zahnarzt oder das Krankenhaus können diese Auskunft nicht verweigern. Auch die Röntgenbilder oder sonstige Unterlagen wie Laborbefunde etc. müssen herausgegeben werden.

Für die einfache Anforderung habe ich Ihnen ein Musterformular erstellt, dieses steht im Downloadbereich als kostenfreie pdf zum herunterladen bereit. Die Datei ist ausführbar. Klicken Sie einfach in die Felder und tragen Ihre persönlichen Daten ein, drucken das Dokument aus und versenden es per Post oder Fax an den Arzt.

Was tun, wenn der Arzt sich weigert?

Für Beschwerden steht Ihnen zunächst die Kassenärztliche Vereinigung oder die Ärztekammer zur Verfügung. Manchmal kann auch Ihre (wenn dort versichert) gesetzliche Krankenkasse helfen. Hilft das alles nicht, so setzen Sie erneut eine Frist, verweisen auf den Anspruch und ggf. auf das Urteil des AG München, Az. 243 C 18009/14 und die Pressemitteilung des Amtsgerichtes München. Hilft das alles nichts, so bleibt nur der Weg zu Gericht um den Anspruch durchzusetzen. Hierfür ist eine –> Rechtsschutzversicherung durchaus eine gute Wahl.

15.
Januar '16

Signal Iduna mit Berufsunfähigkeitsversicherung mit vereinfachten Gesundheitsfragen, zumindest für Einige


Berufsunfähigkeit, das ist doch diese Sparte wo Versicherer (zu recht) sehr genau hinsehen und die Gesundheitsfragen meist sehr ins Detail gehen. Hier wird neben dem Antrag bei Vorerkrankungen auch gern noch der eine oder andere Fragebogen verschickt, um das Risiko besser einschätzen zu können.

In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Aktionen, Aktionen in denen die Versicherer für bestimmte Berufe (oder Berufsgruppen) die Fragen aufgeweicht haben, nur wenige Fragen gestellt oder einfach vereinfachte Prüfung angeboten. Dazu habe ich in der Vergangenheit unter anderem hier im Blog und auf der Seite hier etwas veröffentlicht.

Nun kommt die Signal mit einer neuen „Aktion um die Ecke“, die auf den ersten Blick ja toll klingt. So heisst es dort:

Signal drei Fragen

Klingt doch gut, drei Fragen, schnelle Antworten und unkomplizierte Prüfung, oder? Also schauen wir uns das Ganze doch gern mal im Detail an, dann schränkt es sich doch schnell wieder etwas ein. So gelten neben den vereinfachten Fragen erst einmal weitere Beschränkungen:

Signal BU Aktion

Gehören Sie also zu der oben genanten Gruppe und reichen Ihnen die 1.000 € Rente aus, so kann es sinnvoll sein sich weiter umzuschauen. Das Fehlen einer Dynamik wiegt meines Erachtens schwer, so das auch hier zu überlegen ist, ob es Alternativen mit normaler Prüfung gibt.

Doch nun weiter zu den Fragen, dabei erst einmal die allgemeinen:

1.1 Wurden in den letzten 5 Jahren bereits Anträge auf Lebens-, Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsversicherungen zu erschwerten Bedingungen angenommen, zurückgestellt oder abgelehnt? Wenn ja, bei welcher Versicherung?

1.2 Bestehen besondere Gefahren im Beruf, Sport oder Freizeit (z. B. Aufenthalt in Krisengebieten, Tauchen, Flug-, Berg-, Motor-, Extremsport)?

1.3 Beabsichtigen Sie, innerhalb der nächsten 12 Monate
länger als 3 Monate in ein außereuropäisches Land zu reisen bzw. sich dort aufzuhalten?

1.4 Körpergröße / Körpergewicht

Etwas umfangreicher ist dann schon der folgende Fragenkomplex:

1.5 Bestehen bei Ihnen körperliche, psychische oder geistige Beeinträchtigungen (Behinderungen, Fehlbildungen, Folgen von oder Einschränkungen nach operativen Eingriffen oder Unfällen, Amputationen)? Haben Sie in den letzten drei Jahren einen Antrag gestellt auf eine Schwerbehinderung (GdB, MdE, WDB) oder haben Sie eine Pflegestufe beantragt? Beziehen oder bezogen Sie eine Rente aus gesundheitlichen Gründen oder wegen eines Unfalls?

Und erst jetzt, jetzt folgen die „vereinfachten Fragen“:

2.1 Waren Sie in den letzten drei Jahren mindestens in einem Jahr länger als insgesamt 15 Arbeitstage aus medizinischen Gründen arbeitsunfähig?

2.2 Befanden Sie sich in den letzten drei Jahren in einer medizinischen Behandlung wegen Erkrankungen des Herzens, der Nieren, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Wirbelsäule, Gelenke, Atmungsor- gane, Leber, Psyche, Suchterkrankungen, Nerven, Gehirn, Krebs, Tumore, Epilepsie, HIV-Infektion?

2.3 Nehmen oder nahmen Sie innerhalb des letzten Jahres verschreibungspflichtige Medikamente ein?
Nehmen oder nahmen Sie innerhalb des letzten Jahres rezeptfreie Medikamente länger als eine Woche ununterbrochen ein?

Wenn ja: Name der Medikamente, warum, wann und wie oft eingenommen?

Also ich zähle da mindestens 4, eher fünf Fragen, aber klingt natürlich besser wenn es nur drei (zusammengefasste) sind.

Meine Einschätzung/ Fazit

Die Pressemitteilung klingt besser als die Realität tatsächlich ist. Warum? Weil schon allein durch die offene Formulierung so viele Erkrankungen bei den Gesundheitsfragen so ziemlich alles anzugeben ist. Wer diese Fragen richtig und ruhigen Gewissens mit NEIN beantworten kann, der kann auch in den meisten Fällen einen normalen Antrag stellen. Zudem bedeutet nicht jedes „ja“ auf einem Artrag auch eine Ablehnung. (anonyme) Risikovoranfragen durch spezialisierte Vermittler und Makler schaffen hier Sicherheit und Planbarkeit, daher sind diese zunächst einmal vorzuziehen, bevor vorschnell eine solche Aktion genutzt wird.

Fragen zur Risikovoranfrage, zur Einschätzung oder zu einem Produkt? Bitte –> hier entlang

13.
Januar '16

Beschwerdestatistik in der PKV – so sinnlos wie nichts oder: Warum solche Statistiken mehr verwirren als nutzen


Vor einigen Tagen schrieb ich es bereits im Beitrag zu den –> Prozessquoten in der BU, heute soll es daher um die Beschwerdestatistik der BaFin, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gehen. Auch diese Kennzahl wird oft zu Werbezwecken „missbraucht“, Gesellschaften die hier vermeintlich gut abschneiden, werben gern mit einer „freundlichen Leistungspolitik“, andere hingegen spielen die Bedeutung der Statistik eher herunter und die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.

Wie kommt es zu der Statistik? Wer beschwert sich wo?

Zunächst einmal: Die Statistik wird bei der BaFin geführt, wozu diese durch das Oberverwaltungsgericht Berlin im Jahre 1995 bereits verpflichtet wurde.

„Die Beschwerdestatistik gibt an, wie viele Beschwerden die BaFin im Jahr 2014 für den Geschäftsbereich der Versicherungsaufsicht abschließend bearbeitet hat.“ (Zitat BaFin Geschäftsbericht, Seite 262)

Diese Werte werden jährlich, aufgeschlüsselt nach den einzelnen Sparten, veröffentlicht und können so auch über die letzten Jahre nachgelesen werden. Gemeldet werden die Bestandszahlen (so also auch die Anzahl der versicherten Personen) durch die Unternehmen, die Beschwerden zählt das BaFin selbst.

Warum Beschwerden?

Nun, Versicherte beschweren sich immer dann, wenn es nicht so läuft wie gedacht. Das kann am Unternehmen und einer unberechtigten Verweigerung der Leistung liegen, aber auch daran das eine Leistung nicht versichert ist. Ob Daher lässt sich anhand dieser Zahlen nicht beurteilen, ob eine Beschwerde berechtigt ist oder das Unternehmen (im Interesse der anderen Versicherten) zu recht handelte. Eine Unterteilung nach berechtigten Beschwerden und unbegründeten Ansprüchen nimmt die Statistik nicht vor. Das BaFin schreibt dazu selbst:

„Darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet sind, und damit auch über die Qualität des Versicherungsgeschäfts, trifft die Statistik keine Aussage“ (Zitat: BaFin Geschäftsbericht, Seite 262)

Normalerweise sollten Sie als Versicherter VOR Abschluss des Vertrages genau verstehen, was in Ihrem Tarif versichert ist. Viel wichtiger noch als das, verstehen was versichert ist ist es aber, zu erkennen wo die Lücken des eigenen Versicherungsschutzes liegen. Es wird nie einen Tarif in der Privaten Krankenversicherung geben, der 100%ig alle Leistungen abdeckt die Sie brauchen und wünschen und alle anderen komplett ausschließt.

Leider leiden viele Berater an einer Art Krankheit, einer Krankheit die sich in Übertreibungen ausdrückt. So wird schnell und gern gelobt und gepriesen was der Tarif doch alles kann und macht, wie toll er ist und wo die besonderen Vorzüge liegen. Verschwiegen vergessen wird aber gern der Teil, der die Lücken im Versicherungsschutz aufzeigt und somit wird- um in der Sprache der Autos zu sprechen- schnell ein eigentlicher Mittelklassewagen als Luxus verkauft.

Hier beginnt das Problem und liegt der Kern vieler Beschwerden. Wenn Sie glauben einen Luxuswagen zu kaufen und dieses auch mehrfach so erklärt bekommen, dann aber beim Einreichen von Rechnungen merken das es anders ist und Sie nur (bestenfalls) den Mittelklassewagen oder gar einen Kleinwagen erworben haben, dann ist der Versicherer böse und damit Anlass zur Beschwerde. Doch ist das berechtigt? Ist es berechtigt sich über etwas zu beschweren was man kennen müsste? Wer hat hier einen Fehler gemacht? Der Versicherer? Eindeutig nein! Der Kunde? Vielleicht! Der Berater? Ja, wenn er die Nachteile des Schutzes nicht erklärt hat und Ihnen somit die Möglichkeit fehlte sich damit zu beschäftigen.

Bei der privaten Krankenversicherung ergeben sich noch zwei andere Gründe. Übermaßbehandlung und medizinische Notwendigkeit sind die Stichworte und oft Anlass zur Beschwerde. Entweder der Arzt behandelt zu viel, zu lange oder falsch (also medizinisch nicht begründet und im Übermaß), oder eine Behandlung wird als medizinisch nicht notwenig abgelehnt.

Beides kann richtig sein, dann ist die Beschwerde berechtigt und der Versicherer notfalls im Klageverfahren dazu zu verdonnern eine vertraglich geschuldete Leistung zu erbringen. Beides kann aber auch falsch sein, denn Ärzte sind oftmals sehr kreativ was die Rechnungsgestaltung angeht, Zahnärzte hier besonders. Aber… ein Patient glaubt gern und eher den blumigen Worten des geliebten Arztes, der eine Methode oder Behandlung erklärt und verschreibt, als dem bösen Versicherer der ja „nur Geld sparen will“. IHR Geld übrigens, denn der Gewinn oder das Geld was nicht ausgegeben wird, kommt den Versicherten und damit der Beitragsstabilität zu Gute.

Fazit?

Die Beschwerden in der privaten Krankenversicherung sind sicher teilweise berechtigt, ebenso sind diese teilweise unberechtigt. Ein Unternehmen mit hohen Beschwerdequoten kann entweder wirklich „auf Streit aus sein“, oder sich im Sinne der eigenen Versicherten und der Beitragsstabilität einfach nur bemühen, die Kosten im vertraglichen Rahmen zu halten und damit etwas für alle zu tun.

Wie auch bei der Prozessquote der Berufsunfähigkeitsversicherung hat auch die Beschwerdestatistik immer zwei Seiten und ist allein kein Indikator für eine gute oder gar schlechte Gesellschaft. Sie kaufen ein Bedingungswerk, dieses beschreibt genau welche Art und welchen Umfang von Leistungen Sie erwerben und was Ihnen der Versicherer langfristig zusichert. Nur das ist Grundlage des Vertrages, nur das ist einklagbar. Eine App, ein toller (heutiger) Service oder gar Kulanz (also eine Veruntreuung von Versichertengeldern) ist sicher nicht geeignet um den passenden Versicherer auszuwählen oder hierauf eine Entscheidung zu begründen. 

Hier dennoch die Zahlen aus dem Geschäftsbericht der BaFin, welche Sie auch als pdf Datei im Downloadbereich kostenfrei laden können.

BaFin Statistik Beschwerden PKV 2014