Archiv für September 2014

29.
September '14

Wenn Sie die Gesellschaft oder die GKV/PKV wechseln wollen, dann sollten Sie heute noch handeln


Es gibt in der Vertragswelt manchmal Fristen, die sind einem nicht so gewusst und werden schnell vergessen und darum hier eine kleine Erinnerung. Viele Versicherungen haben als Versicherungsjahr das Kalenderjahr und eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Jahresende.

Das bedeutet in der Praxis, dass morgen am 30. September 2014 wie jedes Jahr ein wichtiges Datum ist. Bis zu diesem Datum muss die Kündigung bei der bisherigen Gesellschaft oder auch der gesetzlichen Krankenkasse eingegangen sein, falls diese noch zum 1. Januar 2015 wirksam werden soll. Bei der gesetzlichen Krankenkasse ist der Termin deshalb wichtig, um gegebenenfalls einen privaten Versicherungsschutz noch zum 1.12.2014 (und damit mit dem geringeren Eintrittsalter) zu beginnen.

Kündigung 30-09

Warum ist der Termin so wichtig?

Dieser Termin ist deshalb wichtig, da Sie sonst ein weiteres Jahr an ihren Versicherungsschutz gebunden sind und somit einen vielleicht nicht optimalen oder gänzlich unpassenden Schutz besitzen. Eine umfassende Überprüfung eines solchen Versicherungsschutzes wird heute oder morgen nicht mehr möglich sein, daher ist zu überlegen welche Schritte möglich und nötig sind um dieses bis zum Jahresende nachzuholen. Zu den Risiken einer solchen Kündigung finden Sie unten, je nach Sparte, einige weitere Informationen.

Kann ich die Kündigung auch per E-Mail oder Fax absenden?

Grundsätzlich können Sie einen Versicherungsvertrag je nach Regelungen in den Versicherungsbedingungen schriftlich kündigen. Eine solche Fristwahrung ist meist auch mit einem Fax möglich, das Original der Kündigung sollte jedoch sehr zeitnah nachgereicht werden. In der Vergangenheit gab es ja durchaus Unternehmen, plötzlich die Faxgeräte zu solchen Terminen ausfielen. Daher ist es grundsätzlich ratsam, neben dem Original auf dem Postweg das Fax an die Gesellschaft zu senden. Dabei ist es jedoch unerheblich an welche Faxnummer dieses Fax verschickt wird. Es muss nicht zwingend die Hauptverwaltung sein, eine Zustellung an einen Vertreter der Gesellschaft (Fax in sein Büro oder persönlich abgegeben in diesem) ist natürlich möglich.

Falls Sie per E-Mail kündigen, so besteht das Problem das bei einer normalen E-Mail keine Unterschrift enthalten ist und die Kündigung damit nicht wirksam. Es spricht natürlich nichts dagegen, eine solche Kündigung auszudrücken, ein zu scannen und dann mit Unterschrift per E-Mail zu versenden. Das Problem daran besteht jedoch gegebenenfalls in dem Nachweis, dass die Kündigung auch bei der Gesellschaft zugegangen ist.

Sollten Sie die Kündigung also auf diesem Wege vornehmen wollen oder müssen, so rufen Sie bitte danach dort an und lassen sich gegebenenfalls Fax den Eingang der Kündigung bestätigen.

Was passiert, sollte ich mich anders entscheiden?

Hier muss die Antwort laute:  „das kommt darauf an“, denn eine allgemein verbindliche Regelung gibt es nicht. Kündigen Sie einen Versicherungsvertrag (zum Beispiel einer Hausrat- oder Haftpflichtversicherung) und der Versicherer bestätigt Ihnen die Kündigung, so wird diese auch entsprechend wirksam. Eine Rücknahme der Kündigung ist nur mit Zustimmung des entsprechenden Versicherers möglich, und so kann es durchaus sein das dieser Sie dann nicht mehr haben möchte.

Anders ist das in der Krankenversicherung. Hier besteht in Deutschland im Rahmen der gesetzlichen Krankenkasse und der Krankenvollversicherung eine Pflicht zur Versicherung. Daher kann ein Vertrag auch nur dann wirksam gekündigt werden, wenn der weitergehende Versicherungsschutz nachgewiesen wird. Diese besondere Regelung findet sich in dem Paragraphen 205 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), dort heißt es:

(6) Abweichend von den Absätzen 1 bis 5 kann der Versicherungsnehmer eine Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Abs. 3 Satz 1 erfüllt, nur dann kündigen, wenn er bei einem anderen Versicherer für die versicherte Person einen neuen Vertrag abschließt, der dieser Pflicht genügt. Die Kündigung wird nur wirksam, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb von zwei Monaten nach der Kündigungserklärung nachweist, dass die versicherte Person bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung versichert ist; liegt der Termin, zu dem die Kündigung ausgesprochen wurde, mehr als zwei Monate nach der Kündigungserklärung, muss der Nachweis bis zu diesem Termin erbracht werden.

Dieses bedeutet also in der Praxis, Sie können Ihre gesetzliche aber auch eine bestehende private Krankenversicherung bis zum Ende September kündigen, wird die Kündigung jedoch zum 1. Januar des Folgejahres ausgesprochen, so muss ich zu diesem Zeitpunkt der Nachweis der Weiterversicherung vorgelegt werden. Geschieht das jedoch nicht, weil sie es sich zum Beispiel anders überlegen und doch bei Ihrem Versicherer bleiben möchten, so gilt die Kündigung als unwirksam und der Vertrag zur privaten Krankenversicherung läuft entsprechend weiter.

Auch die Kündigung eine gesetzlichen Krankenkasse funktioniert vergleichbar, denn diese ist mit einer Frist zum Ende des übernächsten Monats kündbar, so dass eine Kündigung im September ein Vertragsende zum 1. Dezember 2014 bewirkt. Dieses ist auch deshalb wichtig, da sie die neuen Versicherungsschutz (wenn dieser eine private Krankenversicherung sein soll) noch mit dem günstigeren Eintrittsalter des Jahres 2014 bekommen können. Auch wenn dieses im Monat vielleicht nur 5-10 Euro ausmachen sollten, so summieren sich diese Beträge über die nächsten Jahrzehnte durchaus zu stattlichen Summen.

Kann ich formlos kündigen oder braucht es einen Vordruck?

Generell ist keine spezielle Vorschrift für die Form der Kündigung erforderlich, außer dass diese schriftlich erfolgen muss. Ich habe Ihnen jedoch bereits seit längerem einige Vordrucke zur Kündigung verschiedener Versicherungen unter dem Menüpunkt Downloads und dort Kündigungsvordrucke zusammengestellt, welche sie sowohl als PDF- als auch Word-Datei finden und gern verwenden können.

Gibt es nach dem 30. September keine Möglichkeit der Kündigung?

Generell ist die Frist zur ordentlichen Kündigung bei den meisten Versicherungen zum 30. September abgelaufen. Eine Ausnahme bildet die Kfz Versicherung, welche eine Frist von einem Monat hat und eine weitere Ausnahme findet sich bei einer stattfindenden Beitragsanpassung. Denn erhöht der Versicherer die Beiträge in Ihrem Vertrag, so besteht auch hier das Recht sich von diesen Vertrag zu lösen. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass nicht jede Erhöhung der Beiträge einer Versicherung automatisch zu einer Kündigung führt. So kann es durchaus vertraglich vereinbarte Anpassungen geben, dazu gehört eine Dynamik oder die Anpassung von Versicherungssummen in der Hausratversicherung, die nicht zwingend eine Kündigungsmöglichkeit beinhalten.

Gibt es sonst noch etwas zu beachten?

Sie sollten ungeachtet aller Fristen nicht sinnlos und übereilt kündigen. Gerade in der Sachversicherung (Hausrat-, Haftpflicht-, oder der Rechtsschutzversicherung) kann es durchaus schwierig werden einen neuen Versicherungsschutz zu bekommen, falls der alte Vertrag mit Schäden behaftet war. Daher sollte hier nur dann gekündigt werden, wenn entweder bereits ein neuer Versicherungsschutz sichergestellt ist oder dieses Risiko vertretbar ist.

In der Krankenversicherung hingegen gelten die oben genannten Ausnahmen, jedoch sollte auch hier nicht unüberlegt gekündigt werden. Gerade bei länger bestehenden Verträgen der privaten Krankenversicherung sind Nachteile bei einer Kündigung (neues Eintrittsalter, neue Gesundheitsprüfung und gegebenenfalls der Verlust von Altersrückstellungen) zu bedenken und auch eine angekündigte Beitragsanpassung oder eine (aus ihrer Sicht schlechte) Beitragsentwicklung führt nicht sofort zu einer Kündigung. Überlegen Sie daher gemeinsam mit Ihrem Berater genau, welche Auswahlkriterien für den entsprechenden Versicherungsschutz notwendig waren und sind.

Besonderheiten bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein schlechter Schutz gegen die Absicherung der Berufsunfähigkeit kann hingegen durchaus tragische Folgen haben. Hierbei geht jedoch eine Kündigungsfrist zum Ende der Versicherungsperiode. Zahlen Sie Ihren Vertrag also monatlich, so ist dieser auch mit einer Ein-oder Dreimonatsfrist kündbar und will auch hier entsprechend überlegt sein. Die Auswahlkriterien für den passenden Berufsunfähigskeitsschutz finden Sie hier: Klick!

Daher ist hier nicht unbedingt der 30. September der entscheidende Termin, sondern eine Kündigung auch später möglich. Anders als in der Krankenversicherung besteht jedoch keine Versicherungspflicht, daher kündigen Sie bitte immer erst dann wenn ein neuer Versicherungsschutz sichergestellt ist. Sonst laufen sie Gefahr dass der alte Versicherer die Kündigung akzeptiert und ein neuer Versicherer Ihnen nicht den gewünschten Versicherungsschutz gewähren möchte.

Zum 1. Januar 2015 erhöhen sich die Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung auch deshalb, weil sich neben dem Eintrittsalter der Zins ändert. Das führt, je nach Konstellation, zu einer Anpassung der Beiträge der Berufsunfähigkeitsversicherung von ca. 7-12 %. Daher ist hier eine Überlegung, den Versicherungsschutz noch in diesem Jahr sicherzustellen aus mehreren Gründen sinnvoll.

23.
September '14

Beitragsanpassung im Neugeschäft der R+V Krankenversicherung ab 01.01.2015


Ein weiteres Unternehmen nennt uns nun bereits die Beiträge für das Neugeschäft ab 2015, hier gibt es einige Anpassungen in unterschiedlichen Höhen. Hier einige Tarifanpassungen in der Übersicht. Es sind nur Zahlen für das Neugeschäft, also neue Versicherungsabschlüsse mit Beginn 2015 oder später, ein Rückschluss auf die Zahlen im Bestand ist nicht möglich.

Insbesondere die Tarifprämien der Kinder (Agil Tarife) bekommen teilweise recht hohe Anpassungen, die Zahlen hier in der Tabelle:

RuV Anpassung 2015

Im Bereich der Krankentagegelder bekommen neben kleinen Anpassungen auch Senkungen.

So verändern sich die Tarife nach Altersstufen und Karenzzeit (KT15, 29, 92 und 183) zwischen -6 und plus 4%.

Beitragsentlastungstarife steigen ebenfalls

Die Tarife zur Beitragsentlastung (WBETU und BETU) erhalten- auch aufgrund gestiegener Lebenserwartung und damit steigender Leistungsdauer, eine Anpassung um bis zu 7%, auch hier abhängig von der Altersstufe.
Eine solche Anpassung ist nicht entscheidungsrelevant, vielmehr sollten die Auswahlkriterien die Grundlage bilden einen Tarif auszuwählen. Mehr Informationen finden Sie in dem

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung und in den

Auswahlkriterien zur PKV

18.
September '14

Beitragsanpassungen der Universa Krankenversicherung in der Unisexwelt zum 01.01.2015


Beitragsanpassungen entstehen aus verschiedenen Gründen, welche ich bereits einmal in einem eigenen Beitrag zusammengefasst habe. Auch bei der Universa ist eine solche Anpassung nötig und damit Sie schon vorab wissen, was Sie erwartet, hier die ersten Informationen zur Anpassung 2015.

Betroffen sind die Tarife der UNISEX Welt, einen Rückschluss auf die Tarife der alten Welt kann hiermit nicht gezogen werden, diese Informationen wird es erst im November 2014 geben.

Folgende Tarife werden eine Anpassung erfahren:

uni ZA100, 80, 90 bei Kindern und Erwachsenen
uni ZAM 100 Erhöhungen und Senkungen bei Erwachsenen
Erhöhungen im uni VE900K, 1300H, 1300G, 2000H/G bei Kindern
Erhöhungen im uni intro privat Spezial bei Kindern und Erwachsenen, im uni ZF und ZZ Spezial nur bei Erwachsenen

In den Beihilfetarifen gibt es Erhöhungen für Erwachsene in folgenden Tarifstufen
uni BZ50-20 (teils auch Senkungen), uni BBAE50-20
Für Erwachsene und Kinder wird es teilweise teurer (auch teilweise günstiger) in den Stufen uni-S-BBAE1-4

Im Krankentagegeld uni KT43 gibt es Erhöhungen und Senkungen, das KT92 sinkt etwas

Eine solche Anpassung ist nicht entscheidungsrelevant, vielmehr sollten die Auswahlkriterien die Grundlage bilden einen Tarif auszuwählen. Mehr Informationen finden Sie in dem

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung und in den

Auswahlkriterien zur PKV

08.
September '14

Lasik: Warum die „Nichtnennung“ in den Tarifen besser ist, als eine Nennung bestimmter Beträge


So lange ich die Einführung der Unisextarife noch gar nicht her und ich kann mich an einen (norddeutschen) Versicherer erinnern, der schrieb dann noch vollmundig: „In unseren verbesserten Tarifen der Unisexwelt sind nun auch Leistungen für z.Bsp. Lasik-Operationen enthalten, ein klarer Fortschritt für unsere Kunden.“ Doch ist dem so?

Wie war es bisher in den alten Bisextarifen?

Früher, als es noch eine Kalkulation abhängig vom Geschlecht des Versicherungsnehmers gab, da gab in vielen Tarifen keine Nennung von „brechkraftverändernden Operationen“, landläufig auch unter dem Begriff Laser-OP der Augen bekannt. Bei dieser (teuren) Operationsmethode werden mittels Laserkorrektur die Sehschärfen korrigiert und daher eine Brille und/ oder Kontaktlinsen überflüssig.

Wie lange ein solcher Operationserfolg anhält und ob im Alter dennoch Altersfehlsichtigkeit oder andere Augenerkrankungen auftreten, welche eine Brille erforderlich machen, das ist nicht vorhersehbar und kann auch nicht ausgeschlossen werden.

Viele der alten Tarife wurden zu Zeiten geschrieben, da war an eine Operation der Augen mit einem Laser nicht zu denken. In der Vorsehung gab es vielleicht schon erste Ansätze, aber es war undenkbar dieses in der Praxis an Patienten durchzuführen und somit gab es auch keine Veranlassung diesen Bestandteil in die Versicherungsbedingungen aufzunehmen.

Muss der Versicherer dennoch leisten? Wie wurde erstattet?

Klassisches Argument der Versicherer bezieht sich immer auf die medizinische Notwendigkeit, denn diese ist recht einfach als Grund anzuführen, wenn man denn nicht leisten will. So schrieb einer dieser norddeutschen Unternehmen seinem Kunden:

Lasik_HM_ASZG

Offen gesagt geht mir diese vermeintliche Argumentation „wir müssen doch gar nicht zahlen“ auf den Keks und es gibt da immer und immer wieder Unternehmen, welche regelmäßig negativ auffallen. Warum negativ? Nun, weil man anscheinend die Frage der medizinischen Notwendigkeit nicht verstanden hat oder besser nicht verstehen will und zu dumm faul ist, sich mit den eigenen Versicherungsbedingungen auseinander zu setzen.

Versichert ist die medizinisch notwenige Heilbehandlung

Schön ist ja zumindest einmal, das der Sachbearbeiter in der Lage war, diesen Teil richtig aus den Bedingungen abzulesen. Versichert ist die medizinisch notwendige Heilbehandlung, welche geeignet ist ein Leiden zu lindern oder eine Erkrankung zu heilen. Gleich im nächsten Satz widerspricht sich der Versicherer dann aber selbst, denn er schreibt „zum Ausgleich der Sehschwäche für Brillen und Kontaktlinsen“.

Also, jetzt mal ganz langsam und ganz von vorn. Versichert ist die HeilBEHANDLUNG. Wenn Sie sich eine Brille auf die Nase setzten oder Kontaktlinsen tragen, dann können Sie (solange die drauf bzw. drin ist/ sind) besser sehen, soweit hat das jeder verstanden?

Was genau ist hierbei die BEHANDLUNG? Also die um das Leiden zu lindern oder zu beheben? Komisch das dieses hier bewusst unter den Tisch gekehrt wird und der Kunde für dumm verkauft wird. Die medizinisch notwenige Heilbehandlung ist- so auch die Meinung einer ehemaligen BGH Richterin- die Laser-OP und eben nicht das tragen einer Brille.

Weitere Informationen zum Thema:

Lasik und die Medizinische Notwendigkeit

Central zahlt nun doch die Lasik OP

Hanse Merkur- nun droht man auch noch mit „vertraulichen Informationen“

und mehr Artikel zum Thema Lasik

Das versteht selbst ein Laie, aber dennoch versucht die H. den Versicherungsnehmer hier mal wieder für dumm zu verkaufen.

Zweiter Widerspruch

Versichert ist immer nur die medizinisch notwenige Heilbehandlung. Würde man der (unsinnigen) Argumentation folgen, so bedeutet dieses eine Erstattung von medizinisch nicht notwenigen Leistungen in den neuen Tarifen, was wiederum ein Verstoß gegen die Bedingungen darstellen würde. Oder ist eine identische Behandlung bei Kunden der Alttarife nicht, bei den Kunden der neuen Tarife aber nun plötzlich medizinisch notwenig? Doch da es sich um einen laufenden Fall handelt, möchte ich hier zumindest den Ausgang abwarten.

Schlechterstellung in neuen Tarifen?

Dennoch ist bei einigen Unternehmen eine Veränderung zu sehen. Die Einführung der Unisestarife hat man auch dazu genutzt, neben vielen Verbesserungen einige Schlechterstellungen durch die Hintertür einzuführen. Auch wenn es auf den ersten Blick ja gut klingt, wenn nun auch solche Leistungen für Lasik etc. versichert sind, sind diese doch oft mit einer Betragsgrenze verbunden. Weiterhin haben einige Versicherer hier Wartezeiten eingeführt und erstatten erst „X Jahre nach Beginn oder nur alle X Jahre“. Auch einmalige Erstattungen während der Vertragslaufzeit sind am Markt vorhanden, was ich zudem für bedenklich halte.

Den „Vogel“ schließt jedoch die Hanse Merkur ab, denn diese hat in dem neuen „Top Tarif“ des eigenen Hauses, dem Tarif AZP, die wohl unsinnigste Lösung am Markt gefunden. Zukünftig werden Kunden in diesen Tarifen (im Vorgängertarif ASZG müsste man wohl wegen fehlender Regelung unbegrenzt erstatten) gigantische 260 EUR pro Auge erstattet und das sogar noch als Verbesserung verkauft- frech, finde ich. Positiv heben sich in den Unisextarifen die Axa und die Debeka ab, welche 100% der entstehenden Kosten erstatten, ganz ohne Begrenzung oder Wartezeiten. Auch 2.000 EUR bei der Barmenia (nach 2 Jahren Versicherungszeit) sind eine durchaus ordentliche Reglung.

Etwas eng könnten Erstattungen von 1.000 EUR EINMALIG (während der Laufzeit des Vertrages) bei ARAG und Union werden, ebenso die Regelung der Württembergischen, welche nur dann die 1.500 EUR pro Auge überweist, wenn keine Brille möglich ist.

Was zahlt die GKV?

Gesetzlich Versicherte Kunden haben in der Regel keinen Anspruch auf Kostenerstattung für solche Operationen. Diese Leistung ist nicht Bestandteil einer gesetzlichen Krankenkasse und daher darf diese gar nicht erstattet werden.  Einige private Versicherer bieten hierzu Zusatztarife an und erstatten dann anteilig eine solche OP. (Beispiel: Nürnberger Krankenversicherung mit neuen Zusatztarifen für Sehen, Hören und Vorsorge – fast ohne Gesundheitsfragen

04.
September '14

Und wie geht es Ihren Verwandten so? Wie Sie mit solchen Fragen des Versicherers umgehen (sollten)


Gesundheitsfragen können manchmal schon ein heikles Thema sein. Der Versicherer möchte gern alles vieles wissen und fragt daher möglichst ausführlich und machmal offen und ohne zeitliche Begrenzung nach Behandlungen, Untersuchungen und manchmal auch nach „Beschwerden“, was die Beantwortung nicht unbedingt einfacher macht.

Dabei geht es- berechtigterweise- darum, eine möglichst genaue Risikoeinschätzung zu bekommen, denn der Versicherungsschutz soll zwar bezahlbar sein, aber muss auf der anderen Seite auch finanzierbar bleiben, daher ist eine Selektion des Risikos erforderlich. Dagegen ist auch rein gar nichts einzuwenden, doch gibt es so Versicherer da fragt man sich, wo die Grenze(n) ist/ sind.

Da gibt es „Experten“ wie die Skandia, dort findet sich im Antrag auf Absicherung gegen „Schwere Krankheiten“ folgende Frage:

Skandia Antrag 2012 DD

So heisst es da:

Sind bei Ihren Eltern oder Geschwistern vor dem Alter von 65 Jahren Herz-Kreis- lauferkrankungen, Schlaganfall, Krebs, Zuckerkrankheit, Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose oder andere Erbkrankheiten vorgekommen?

Gut, mit Eltern oder Geschwister haben wir den Kreis der Personen schon etwas begrenzt, wenigstens etwas. Auf der anderen Seite sind umfangreiche Erkrankungen und zudem „weitere Erbkrankheiten“ aufgeführt, was eine Beantwortung nicht unbedingt einfacher macht.

Was, wenn ich es nicht weiss? 

Anzugeben ist natürlich nur das, was Ihnen auch bekannt ist. Wer also von seinen Verwandten nicht weiss, das diese krank sind, dem ist auch nicht zuzumuten dieses anzugeben. Auch der Zeitpunkt an dem der Patient davon wusste, ist meist nicht klar definiert. Aber: Wenn bekannt, ist es anzugeben!

Was, wenn ich es weiss und nicht angebe?

Geben Sie es nicht an, so ist es eine klassische Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. (Was ist das?) Dieses kann zur Folge haben, dass der Versicherer später von der Verpflichtung zur Leistung frei ist/ wird und Sie somit keinen Versicherungsschutz haben.

Muss ich die Angehörigen fragen?

Nein, es geht um den Kenntnisstand heute, wer also nicht von einer Erkrankung weiss, der muss diese auch nicht angeben. Überspitzt bedeutet das aber auch, wissen Sie morgen davon, wäre es nicht nach zu melden. Jedoch ist es in der Praxis nicht ganz einfach, im Leistungsfall zu belegen wann eine solche Kenntnis erfolgt ist.

Was sind die Folgen von falschen Angaben und wie weiss der Versicherer davon?

In der Praxis „verrät“ sich der Kunde meist selbst. Gerade bei schweren Erkrankungen versucht der Arzt durch Fragen zur Anamnese heraus zu finden, ob es bereits eine familiäre Vorgeschichte gibt. Dadurch landen dann solche Angaben in der Krankenakte und irgendwann auch bei dem Versicherer. Diese Nachfrage ist aus medizinischer Sicht auch vertretbar, denn der Arzt will ja möglichst viel vom Patienten erfahren, um diesen optimal behandeln zu können.

Auf der anderen Seite muss nicht jeder seine Krankengeschichte mit der Familie besprechen, auch hier gibt es wie überall keine Verpflichtung das zu tun.

Wie lassen sich Fehler vermeiden?

Ich persönlich würde die Frage im Antrag streichen und nicht beantworten. In der Praxis bei unseren Kunden zeigt es, das zumindest einige Versicherer hiermit kein Problem haben. Falls doch, so gibt es auch andere Unternehmen.