Archiv für Juni 2014

30.
Juni '14

Der Unsinn hat einen Namen „Die beliebtesten Versicherer aus Vermittlersicht“


Es gibt bekanntlich viel Unsinn in der Branche, viele Test die eher gewürfelte Ergebnisse haben und dem Kunden mehr Schaden zufügen, manchmal gar in den Ruin treiben als die erhoffte Hilfe zu bieten. Vermittler wie Kunden wissen irgendwann nicht mehr was und wem sie glauben sollen. Da kommen Auswertungen, Ratings und Test oftmals gerade den „Kollegen“ recht, die noch ein „Verkaufsargument“ brauchen oder eine „Bestätigung für eine Empfehlung“.

Jetzt haben solche Test ja bekanntlich Kriterien. Kriterien welche manchmal unsinnig gewählt sind, manches Mal erfüllen auch die Testsieger nicht einmal die gesetzten Kriterien und dann, wenn Sie denken es geht nicht schlimmer, dann lesen Sie Schlagzeilen wie:

Beste Krankenversicherung aus Maklersicht

Die Favoriten der Vermittler in BU/Arbeitskraftabsicherung

Das passiert so jedes Quartal auf’s Neue und jedes Mal der gleiche Schwachsinn Unfug. Die Idee ist sicherlich dem Leser zu sagen: „Hey, schau her. Deine (Makler-)Kollegen finden den Versicherer XYZ gut und Du verkaufst den noch nicht? Dann mal schnell los, wird ja einen Grund haben warum die Kollegen den toll finden.“

Wie kommen die Ergebnisse der Studien zu Stande? 

Nun, das ist einfach. Der Verlag bzw. das Haus welches die Analysen im Auftrag durchführt, sucht sich nach mir nicht bekannten Kriterien Makler und Mehrfachagenten aus und schreibt diese per Mail an. Dort wird dann ein Link zu einer Umfrage mitgeteilt und in etwa 15 Minuten können die Teilnehmer dann wählen, welcher Versicherer „toll“ ist und welcher eben nicht.

Nachdem die zufälligen Tipps Angaben des Einzelnen ausgewertet worden sind, entsteht dabei eine „Studie“ die zusammen mit etwas Text an die Presse verschickt wird. Branchenzeitschriften, Online-Portale und manchmal auch Endkundenmagazine schreiben dann darüber. Interessierte und einige Versicherer dürfen diesen Unsinn dann käuflich erwerben und machen damit wiederum Werbung bei Maklern, Kunden oder wo auch immer.

Teilnehmer sind Sockenliebhaber

Augenscheinlich, denn wie sonst würden Sie solche Einladung zur Umfrage denn verstehen?

Einladung PKV Umfrage

Bei der Einladung wurden mir- wie allen anderen Teilnehmern- die Verlosung von Socken angeboten. Jeder 20. Teilnehmer gewann somit ein Paar Funktionsstrümpfe. Dazu hab es noch ein Seminar und Abos der Zeitung „Die Welt“ zu gewinnen. Irgendwie müssen die potentiellen Teilnehmer ja dazu überredet werden, bei diesem „größten Schwachsinn der Branche“ mitzumachen.

Manchmal, ja machmal gibt es auch eine Reise zu gewinnen.

Reise Gewinn

Wer kauft das Ergebnis und was kostet es?

Vermutlich (Zahlen und Daten zur Auflage liegen mir nicht vor) werden die Versicherer diese Studie erst einmal kaufen, schließlich muss man ja dort wissen wie gut das eigene Ergebnis war und ob es sich lohnt damit zu werben. Auch können Sie diese Studien kaufen, wenn Sie denn 1.775 EUR netto in den Papierkontainer werfen wollen. Sollten Sie nur ansatzweise darüber nachdenken das zu tun, bitte werfen Sie es hierhin.

Preise Asscompact Studie

Unterstellen wir also einmal, die aktuelle PKV Studie (siehe Einladung oben) wurde von 50 Versicherern, einigen Branchenunternehmen und vielleicht noch ein oder zwei Einzelpersonen gekauft. Dann sähe die Rechnung so aus:

75 * 1.775 EUR = 133.125 EUR

./. Jahresabos Die Welt 15* 500 EUR = 7.500 EUR

./. 369 Makler * 97 EUR = 35.793 EUR wenn alle Teilnehmer zum Seminar gingen und diesen voll zu zahlen wäre

./. 19*40 EUR für Socken = 760 EUR

= 89.072 EUR Gewinn

Wenn Sie also mal… Adressen und Telefonnummern von Maklern gibts ja online. 🙂

Was sagt das Testergebnis über das Unternehmen und Ihre Auswahl?

Dazu muss man unterscheiden an wen Sie geraten. Ein qualifizierter Berater wird Ihnen erklären können wie schwachsinnig solche Ergebnisse sind und auch deutlich machen, warum es für Ihre eigenen Auswertung absolut gar nichts bringt. Es ist so, als fragten Sie 20 Verkäuferinnen welche Marke/ welchen Hersteller sie bei dem neuen Anzug gut findet. Kaufen Sie dann diese Marke?

Nicht? Weil die Marke so gar nicht ihrem Geschmack entspricht, oder vielleicht Anzüge macht die für Ihre Figur oder den Bedarf unsinnig sind? So zinnhaltig wie eine solche Empfehlung ist diese Studie auch.

Wissen Sie warum die Makler/ Mehrfachagenten die Gesellschaften gut finden?

Vielleicht ist die Berechnungssoftware toll? Vielleicht klappt die Betreuung durch den Maklerbetreuer gut, es gab gerade einen Bonus, die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter dort sind besonders hübsch, das Logo ist schön, die Abwicklung geht schnell, oder was auch immer.

Kollegen die es nutzen- Maklerjob verfehlt!

Ganz klar und auch wenn es vielleicht überheblich klingen mag (so ist es nicht gemeint), aber Berater die solche oder auch andere fragwürdige Tests verwenden, haben für mein Verständnis den Beruf des Maklers nicht verstanden. Marktauswahl, Recherche und Begründung der Empfehlung, das ist genau die Tätigkeit.

Ob ein Tarif, Versicherer oder ein Service anderen Kollegen gefällt oder nicht, das kann und muss dem Makler in der Beratung egal sein.

Und nur am Rande: Teilgenommen haben 369 Makler, ja 369! 

23.
Juni '14

Nürnberger Krankenversicherung mit neuen Zusatztarifen für Sehen, Hören und Vorsorge – fast ohne Gesundheitsfragen


Ohne Risikoprüfung ist ein Versicherungsschutz immer gut, oder? Ungeachtet der Tatsache das Verträge nur dann gut sind, wenn diese sich für beide Parteien langfristig rechnen, ist es in der Berufsunfähigkeitsversicherung schon länger üblich, vereinfachte Gesundheitsprüfungen anzubieten.

Nun bietet die Nürnberger Krankenversicherung für einige Zusatzprodukte eine ähnlich vereinfachte Prüfung an. Dieses betrifft zwei neue Produkte zur Absicherung von Lücken in der GKV. Welche das genau sind und welche Fragen gestellt werden, dazu mehr nun hier in der detaillierteren Betrachtung.

Welche Tarife und was leisten diese?

Tarif AMed- Zusatzschutz für die Alternative Medizin für gesetzlich versicherte Kunden

(1) Versicherungsfähig sind Personen, die ihren ständigen Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben und darüber hinaus Mitglied der deutschen Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind oder im Rahmen der Familienversicherung Anspruch auf Leistungen bei einem Träger der deutschen Gesetzlichen Krankenversicherung haben.

Nuerberger KV AMed Leistungen

Leistungen betreffen den Bereich der Alternativen Medizin, dort wird wie folgt geleistet:

Der Tarif AMed ersetzt Aufwendungen für

a) Heilbehandlung durch Heilpraktiker Erstattungsfähig sind 80 % der Aufwendungen für Untersuchungen und Behandlungen durch Heilpraktiker bis zu den Höchstsätzen der GebüH einschließlich verordneter Arznei-, Heil- und Verbandmittel sowie in Auftrag gegebene Laboruntersuchungen.

b) Naturheilverfahren durch Ärzte Erstattungsfähig sind 80 % der Aufwendungen für im Hufeland-Verzeichnis für Naturheilverfahren aufgeführte Untersuchungen und Behandlungen durch Ärzte einschließlich verordneter Arznei-, Heil- und Verbandmittel sowie in Auftrag gegebene Laboruntersuchungen.

c) Osteopathische Leistungen durch andere Leistungserbringer Erstattungsfähig sind 80 % der Aufwendungen für osteopathische Leistungen, wenn – diese medizinisch geeignet sind, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern; – diese von einem Arzt auf einem Privatrezept verordnet wurden; – diese qualitätsgesichert von einem zur osteopathischen Leistungserbringung berechtigten Arzt, einem Physiotherapeuten oder sonstigen Leistungserbringern durchgeführt werden, die Mitglied eines Berufsverbandes der Osteopathen sind oder eine osteopathische Ausbildung absolviert haben, die zum Beitritt in einen Verband der Osteopathen berechtigt.

Aufwendungen gemäß a) bis c) ein Anspruch auf Leistungen gegenüber der GKV besteht, sind diese zuerst in Anspruch zu nehmen. In diesen Fällen wird maximal die noch verbleibende Differenz zu den tatsächlich entstandenen Aufwendungen gezahlt.

Begrenzungen der Leistung:

Natürlich kann ein solcher Tarif nicht unbegrenzt leisten und muss zudem mit entsprechenden Wartezeiten versehen sein. Auf die Wartezeiten wird verzichtet, jedoch werden die Leistungen begrenzt.

Die Erstattung der in Absatz 1 aufgeführten Aufwendungen ist für Personen mit vollendetem 21. Lebensjahr auf 800,00 EUR innerhalb von 12 Monaten und für Personen, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, auf 400,00 EUR innerhalb von 12 Monaten begrenzt. In den ersten 24 Monaten wird pro versicherter Person die Versicherungsleistung auf – 200,00 EUR innerhalb der ersten 12 Monate – 400,00 EUR innerhalb der ersten 24 Monate begrenzt.

Die Beiträge:

bis Eintritsalter 20: 7,74 EUR EA 21-60: 15,40 EUR ab EA 61: 19,49 EUR monatlich.

Zweiter Tarif: Sehen und Hören

Hier versichert die Nürnberger ebenfalls Differenzleistungen und Kosten, welche die Gesetzliche Krankenkasse (GKV) ihren Kunden nicht (mehr) erstattet oder wo es Leistungsbegrenzungen gibt.

Nuerberger KV SuH Leistungen

Der Tarif SuH ersetzt Aufwendungen für

a) Sehhilfen Die Aufwendungen für zum Ausgleich einer Fehlsichtigkeit dienenden Sehhilfen (Brillengestelle, Gläser und Kontaktlinsen) werden zu 100 % erstattet. Die Erstattung umfasst die erstmalige Ausstattung und die notwendige Änderung, Instandsetzung und Ersatzbeschaffung von Sehhilfen. Die Summe der Versicherungsleistung innerhalb von 24 Monaten ist auf 300,00 EUR begrenzt.

b) Laserverfahren Die Aufwendungen für Laserbehandlungen zur Sehschärfenkorrektur (z. B. LASEK, LASIK inkl. Vor- und Nachuntersuchungen) werden zu 100 % erstattet, jedoch maximal 750,00 EUR pro Auge. Ein erneuter Leistungsanspruch entsteht erst nach Ablauf von 60 Monaten.

c) Hörgeräte Die Aufwendungen für vom Arzt verordnete Hörgeräte werden zu 100 % erstattet. Dabei ist die Versicherungsleistung je Ohr auf 800,00 EUR innerhalb von 36 Monaten begrenzt. Aufwendungen für Gebrauch (z. B. Batte- rien) und Pflege (z. B. Reinigungsmittel) sind nicht erstattungsfähig.

d) sonstige Hilfsmittel (Perücken, Schlafapnoegeräte, Insulin- pumpen, Krankenfahrstühle, Beatmungsgeräte) Die Aufwendungen für vom Arzt verordnete Perücken, Schlafapnoegeräte, Insulinpumpen, Krankenfahrstühle und Beatmungsgeräte wer- den zu 100 % erstattet. Die Summe der Versicherungsleistung innerhalb von 24 Monaten ist auf 300,00 EUR begrenzt.

Es gelten ebenfalls die Begrenzungen von 100 EUR in den ersten 12 Monaten und max. 200 EUR in den ersten 24 Monaten.

Was kosten diese Leistungen?

Der Tarif Sehen und Hören hat altersabhängige Prämien, so beträgt der Aufwand hierfür:

bis Eintrittsalter 20: 9,12 EUR

Eintrittsalter 21-60: 10,95 EUR

ab Eintrittsalter 61: 19,46 EUR monatlich.

Wer also in etwas mehr als 2 Jahren seine Augen lasern lassen „wollen würde“, der hätte knapp 240 EUR an Beiträgen bis dahin aufwenden müssen (bzw. für 3 Versicherungsjahre 10,95 EUR*36 = 394,20 EUR) und bekäme max. 750 EUR pro Auge erstattet.

Und noch einer, Tarif VORS für Vorsorgeleistungen

Nuerberger KV VORS Leistungen

Der Tarif VORS ersetzt Aufwendungen für

a) Vorsorgeuntersuchungen Der Tarif VORS ersetzt 100 % der Aufwendungen für die im Folgenden aufgeführten besonderen Vorsorgeuntersuchungen sowie Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen). Die Summe der Versiche- rungsleistungen für Vorsorgeuntersuchungen ist auf 400,00 EUR innerhalb von 12 Monaten begrenzt.

Allgemeine Vorsorgeuntersuchungen – Glaukomvorsorge grüner Star – Großer Gesundheitscheck – Hirnleistungscheck – HIV-Test – Lungenfunktionstest Lungen-Check – Osteoporosevorsorge per Knochendichtemessung Osteodensitometrie – Schilddrüsenvorsorge – Schlaganfallvorsorge – Sono-Ceck – Sonografie-Ultraschall der inneren Organe – Hauttypbestimmung inklusive Hautfunktionstest – Magenvorsorge per Helicobacter-Pylori-Test – Prostatavorsorge PSA-Test Schwangerschaftsvorsorge – Triple-Test – Zusätzliche Sonografie – Toxoplasmose-Test – Nackentransparenzmessung – Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese und FISH-Schnelltest) Krebsvorsorgeuntersuchungen – Brustkrebsvorsorge per Mammografie – Brustkrebsvorsorge per Ultraschall- Darmkrebsvorsorge per Stuhltest und Darmspiegelung – Große erweiterte Krebsvorsorge für die Frau – Große erweiterte Krebsvorsorge für den Mann – Hautkrebsvorsorge inklusive Video-Dermatoskopie Kinder- und Jugendlichenvorsorge – Augencheck – Gehörcheck – J2 Vorsorgeuntersuchungen für Jugendliche – Schielvorsorge – U6a Vorsorgeuntersuchungen – U9a/U9b Vorsorgeuntersuchungen

b) Schutzimpfungen inklusive Impfstoff Der Tarif VORS ersetzt 100 % der Aufwendungen für die von der STI-KO empfohlenen Schutzimpfungen, die Aufwendungen für Malaria- Prophylaxe, Reiseschutzimpfungen und Schutzimpfungen gegen FSME, Gelbfieber, Hepatitis, Tollwut und Typhus. Die Summe der Versicherungsleistungen für Schutzimpfungen inklusive Impfstoffe ist auf 200,00 EUR innerhalb von 24 Monaten begrenzt. Enthält die Rechnung privatärztliche Vergütungsanteile, so sind Aufwendungen für die unter den Buchstaben a bis b aufgeführten Leistungen bis zu den Höchstsätzen der geltenden Gebührenordnung erstattungsfähig. Sofern für Aufwendungen gemäß a) bis b) ein Anspruch auf Leistungen gegenüber der GKV besteht, sind diese zuerst in Anspruch zu nehmen. In diesen Fällen wird maximal die noch verbleibende Differenz zu den tatsächlich entstandenen Aufwendungen gezahlt.

Die Beitragsaufwendungen für den Tarif VORS liegen bei

bis Eintrittsalter 20: 3,08 EUR und ab EA 21: 8,39 EUR monatlich.

Welche Gesundheitsfragen müssen beantwortet werden?

Die Tarife SuH (Sehen und Hören) und auch der Tarif zur Vorsorge hat keinerlei Gesundheitsprüfung. Bei dem Tarif AMed sind zwei Fragen zum Gesundheitszustand der versicherten Person zu beantworten, diese lauten:

Nürnberger AMed Gesundheitsfragen

Hier noch einmal alle Prämien in der Übersicht:

Nürnberger Prämien ZV

18.
Juni '14

Steuerfreier Zuschuss zur Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung durch den Arbeitgeber


Die Beitragszahlung in der Privaten Krankenversicherung ist gänzlich anders geregelt, als diese für gesetzlich Krankenversicherte gilt. Die Private Krankenversicherung berechnet die Beiträge nicht nach dem Einkommen, sondern nach Gesundheitszustand, Alter, Tarif und Leistungsumfang und auch der Höhe der Selbstbeteiligung.

[Selbst|be|tei|li|gung] (SB) die

Ist ein Betrag, welcher zum Beispiel in der Privaten Krankenversicherung vereinbart werden kann und zuerst von dem Versicherten zu tragen ist. Erst nach Erreichen der S. wird der Versicherer zur Leistung verpflichtet. Bei einer S. von 500 EUR pro Jahr, sind die- sonst erstattungsfähigen- Rechnungen erst ab dem 501. Euro durch den Versicherer zu zahlen.

Ob diese Selbstbeteiligung auch anfällt, das hängt nicht nur von der Frage „sind Rechnungen angefallen“ ab, sondern auch davon, in welchem Bereich die SB gilt. Dabei kann eine Geltung der Selbstbeteiligung nur für den ambulanten oder stationären Bereich, aber auch für alle Bereiche vereinbart werden. Je nach Tarif ist es auch möglich, bestimmte Rechnungen von der SB auszuschließen, so zum Beispiel Vorsorge oder Zahnprophylaxe.

Die Selbstbeteiligung trägt der Kunde selbst, damit hat der Arbeitgeber nichts zu tun, so zumindest zunächst und auch dieses als landläufige Meinung. So kann es in vielen Fällen gerade für angestellte Kunden sinnvoll sein, eine kleine oder gar keine Selbstbeteiligung zu vereinbaren, denn insgesamt ist es am Ende steuerlich günstiger. Dazu aber noch mehr in einem detaillierteren Beitrag in der kommenden Woche.

Kann der Arbeitgeber mehr zahlen als er muss?

Der Arbeitgeberzuschuss ist in den in den Gesetzen wie dem Sozialgesetzbuch und dem Einkomemnsteuergesetz geregelt und ist auf einen Höchstbeitrag begrenzt. Dieser ändert sich Jahr für Jahr, wenn sich die Beitragsbemessungsgrenze ändert.

7,3% x 4.050 EUR = 295,65 EUR (bisher 287,44 EUR, +8,21 EUR) = AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2014

1,025% x 4.050 EUR = 41,51 EUR (bisher 40,36 EUR, +1,15 EUR) = AG Zuschuss zur Pflegepflichtversicherung 2014

Der Zuschuss kann nicht „gemixt“ werden und beträgt immer maximal 50%. Wer also 600 EUR PKV aber nur 20 EUR Pflegevers. zahlt, der bekommt dennoch nur 295,65+10 EUR. Aber der Arbeitgeber kann sich noch weiter an den Aufwendungen beteiligen.

Zuschuss? steuerfrei und bis zu maximal 600 EUR

Grund für mehr Geld vom Arbeitgeber sind neben dem Einkommensteuergesetz die Regelungen in den Lohnsteuerrichtlinien. Diese regeln zum Beispiel in R 3.11 LStR auch, das der Arbeitgeber sich bei Notlagen des Arbeitnehmers beteiligen kann.

Unterstützungen an Arbeitnehmer im privaten Dienst
(2)

Unterstützungen, die von privaten Arbeitgebern an einzelne Arbeitnehmer gezahlt werden, sind steuerfrei, wenn die Unterstützungen dem Anlass nach gerechtfertigt sind, z. B. in Krankheits- und Unglücksfällen. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Unterstützungen
1.
aus einer mit eigenen Mitteln des Arbeitgebers geschaffenen, aber von ihm unabhängigen und mit ausreichender Selbständigkeit ausgestatteten Einrichtung gewährt werden. Das gilt nicht nur für bürgerlich-rechtlich selbständige Unterstützungskassen, sondern auch für steuerlich selbständige Unterstützungskassen ohne bürgerlich-rechtliche Rechtspersönlichkeit, auf deren Verwaltung der Arbeitgeber keinen maßgebenden Einfluss hat;
2.
aus Beträgen gezahlt werden, die der Arbeitgeber dem Betriebsrat oder sonstigen Vertretern der Arbeitnehmer zu dem Zweck überweist, aus diesen Beträgen Unterstützungen an die Arbeitnehmer ohne maßgebenden Einfluss des Arbeitgebers zu gewähren;
3.
vom Arbeitgeber selbst erst nach Anhörung des Betriebsrats oder sonstiger Vertreter der Arbeitnehmer gewährt oder nach einheitlichen Grundsätzen bewilligt werden, denen der Betriebsrat oder sonstige Vertreter der Arbeitnehmer zugestimmt haben.
Die Voraussetzungen des Satzes 2 Nr. 1 bis 3 brauchen nicht vorzuliegen, wenn der Betrieb weniger als fünf Arbeitnehmer beschäftigt. Die Unterstützungen sind bis zu einem Betrag von 600 Euro je Kalenderjahr steuerfrei. Der 600 Euro übersteigende Betrag gehört nur dann nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn er aus Anlass eines besonderen Notfalls gewährt wird. Bei der Beurteilung, ob ein solcher Notfall vorliegt, sind auch die Einkommensverhältnisse und der Familienstand des Arbeitnehmers zu berücksichtigen; drohende oder bereits eingetretene Arbeitslosigkeit begründet für sich keinen besonderen Notfall im Sinne dieser Vorschrift. Steuerfrei sind auch Leistungen des Arbeitgebers zur Aufrechterhaltung und Erfüllung eines Beihilfeanspruchs nach beamtenrechtlichen Vorschriften sowie zum Ausgleich von Beihilfeaufwendungen früherer Arbeitgeber im Falle der Beurlaubung oder Gestellung von Arbeitnehmern oder des Übergangs des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses auf den privaten Arbeitgeber, wenn Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V besteht.

Voraussetzungen:

Der „Notfall“ muss natürlich eingetreten sein, also muss auch die Selbstbeteiligung angefallen sein. Wer also bereits im Januar die Rechnungen eingereicht hat und sieht, die SB wird überschritten, der kann mit seinem AG einen Zuschuss beantragen. Wird es erst am Jahresende festgestellt, dann auch erst dann.

Über diesen Weg sichert sich der Arbeitnehmer noch einmal einen Zusatzzuschuss des Arbeitgebers und spart dabei noch Steuern.

17.
Juni '14

Neue Beitragsberechnung in der Gesetzlichen Krankenkasse (GKV) ab 2015


UPDATE: Die neue Berechnung ab 2015 finden Sie hier: GKV Berechnung 2015

Alles wird neu, mal wieder. So oder so ähnlich ist es auch in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV). Die Bundesregierung hat mit dem „GKV Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetz (GKV-FQWG) (WER DENKT SICH BITTE SOLCHE NAMEN AUS?) mal wieder etwas verändert und was für eine Zielgruppe gut ist, ist für die andere schlecht. Doch schauen wir zunächst einmal die Regelung nach dem heutigen Stand an.

Wie ist es bisher?

Wer heute in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert ist, der zahlt seinen Beitrag in unterschiedlichen Sätzen und Beitragsbausteinen. Zunächst einmal fällt der halbe Beitragssatz von 7,3% an, dieser wird durch den Arbeitgeber gezahlt. Weitere 7,3% zahlt der Arbeitnehmer, dazu kommen 0,9% Beitragsanteil den auch nur Sie als Arbeitnehmer zahlen. In der GKV bedeutet das heute eine Beitragsverteilung von knapp 47% Arbeitgeber und 53% Arbeitnehmeranteil (+ Zusatzbeitrag der Kasse).

GKV Beiträge 2014

Was ändert sich?

Ab 2015 soll das nun wieder alles anders werden. Der bisherige Beitragszuschlag, den die gesetzliche Kasse verlangen durfte, wird zunächst einmal abgeschafft. Dieser war bisher einkommensunabhängig, also von Gering- und Besserverdienern in gleicher Höhe zu zahlen.

Zukünftig wird er einkommensabhängig, also nicht mehr als fester Betrag für alle, sondern als prozentualer Betrag vom Einkommen berechnet und auch gleich direkt vom Arbeitgeber mit eingezogen und an die Kasse weitergeleitet. Das soll Bürokratie und säumige Zahler verhindern.

GKV Beiträge 2015

Für wen wird es teurer?

Dazu kann man zukünftig nicht einfach nur den Zusatzbeitrag vergleichen, sondern muss das Einkommen dazu betrachten. Hier einige Beispiele für Arbeitnehmer über der Beitragsbemessungsgrenze, welche heute schon den Höchstbeitrag in der GKV zahlen.

GKV 2015 in Zahlen

Erhebt also eine Kasse zukünftig keinen Zusatzbeitrag, so würde es theoretisch 36,45 EUR günstiger in der GKV, aber seien wir doch einmal ganz realistisch. Die Kassen haben heute schon wenig Geld und die Ausgaben steigen weiter. Die einzigen die von diesem Gesetz profitieren, das sind Kassen (da sich diese nicht mehr um den Beitragseinzug kümmern müssen) und die Arbeitgeber, da die Lohnnebenkosten nun festgeschrieben sind.

Die Liste mit den Zusatzbeiträgen der GKV ab 2015 finden Sie hier: Übersicht über die Zusatzbeiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ab 2015

16.
Juni '14

Butter, Zucker, Mehl- real und die Hanse Merkur- gemeinsam ins „Aus“ in der Versicherungsberatung


Schon in der Vergangenheit habe ich etwas zum Thema der Versicherungsvermittlung in den real Märkten geschrieben. In dem damaligen Beitrag ging es einmal mehr um die Frage, ob eine vernünftige Beratung zur Absicherung gesundheitlicher Risiken im Rahmen eines Supermarktes möglich sein kann. Das war schon 2012 und ich nahm- wie naiv- an, auch real und besonders die Versicherer lernen daraus. Auch oder gerade auch wegen dem Urteil des Bundesgerichtshofes gehen die Online Versicherungsvermittlung des Kaffeerösters Tchibo (Artikel hierzu) sollte der Verbraucher erwarten, gleiches Recht für alle.

Da es sich aber nur um „ähnliche“ Fälle handelt, so gilt ein Verbot für den einen Anbieter nicht unbedingt sofort für alle anderen. Darum geht es aber auch gar nicht vorrangig. Anscheinend ist die „Geschäft um jeden Preis“ Strategie erfolgreich und es gilt immer noch (und gerade bei einigen Versicherern) die Methode „lieber einen Antrag mehr, egal woher“.

Wer genau vermittelt nun was?

Zunächst bedarf es einiger Mühe herauszufinden, wer da überhaupt was vermittelt. Eine klare Kennzeichnung und die gesetzliche vorgeschriebene Erstinformation (wie meine hier) kann ich so nicht finden. Also suche ich auf der Seite des Warenhauses weiter, klicke mich über Versicherungen –> über uns durch unzähligen Werbe“mülle“ und tolle Versprechungen und lande bei „Vermittlerangaben“. Dort wird es nun interessant.

Hanse_Real_Impressum

Somit weiss ich- weil ich gezielt danach gesucht habe- nun, Vermittler ist wohl die real SB-Warenhaus GmbH, diese wiederum ist registriert im Vermittlerregister als Versicherungsvertreter, also im Auftrag eines Auftraggebers- der Hanse Merkur- Versicherungsprodukte an die Kunden zu bringen. Weitere Informationen im Impressum fehlen meines Erachtens und dieses ist zudem nicht auf den ersten Klick zu finden. Aber gut, damit werden sich im Zweifel Juristen beschäftigen müssen.

Interessant wird es nunmehr weiter, wenn der Nutzer auf ein entsprechendes Produkt und dann zur Beitragsberechnung klickt, denn dann ist er nicht mehr bei dem „Versicherungsvertreter“ der real SB Warenhaus GmbH, sondern bei der Hanse Merkur direkt. Dort ist dann auch im Impressum gar nicht mehr die Rede von einer Vermittlung durch real, sondern direkt durch die Hanse Merkur. Das verwundert in sofern, da nicht nur der Ansprechpartner unklar bleibt, sondern auch die Frage wer für eine falsche Information und Vermittlung am Ende eigentlich haftet?

Aber es ist ja nicht das erste Experiment irgendwie an mehr Geschäft zu kommen. So kaufte sich de Hanse Merkur (über Beteiligungen und Tochterunternehmen) bei dem Vertrieb impulse  für die Private Krankenversicherung ein.

Was verkauft man Ihnen nun?

Das Angebot beschränkt sich keineswegs auf eine Auslandsreiseversicherung, welche Sie auch in einem Reisebüro als „ergänzendes Produkt“ bekommen können und damit durchaus eine gewisse Legitimität besitzt. Klar soll der Reisebüromitarbeiter Sie darauf hinweisen, wenn ein Auslandsschutz sinnvoll ist, klar soll er den (in engen Grenzen) auch versichern können, denn es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Hauptgeschäft (Reisen verkaufen) und dem Nebenprodukt (Reiseversicherung). Würden Sie Ihre Altersvorsorge beim Bäcker kaufen?

Nun könnte man spekulieren ob die Lebensmittel bei real so schlimm sind, das es danach eine stationäre Krankenzusatzversicherung bedarf, solche Vermutungen möchte ich aber auch nach dem Fleischskandal vor einiger Zeit nicht anstellen, aber es ist ja nett das man sich um seine Kunden sorgt, oder?

Also nochmals zu der Produktauswahl:

real Angebit komplettInteressant auch oben rechts: „Sie strahlen- wir zahlen“. Wer denn? real als Warenhaus? Bekommen können Sie also neben der Auslandsversicherung auch viel mehr. Hausrat- oder Haftpflichtversicherung gehört genau so dazu wie über Jahrzehnte laufende Riesterenten, Absicherungen für die lieben Kinderlein (im Rahmen der Krankenzusatzversicherung) und vieles mehr. Also alles ganz einfach?

Was taugen die Produkte denn?

Eine pauschale Aussage zur Qualität eines einzelnen Produktes ist nicht möglich, denn die Anforderungen sind so individuell, da gilt es immer zu allererst zu prüfen, welche konkreten Anforderungen an die Absicherung gestellt werden. Es bleibt nur zu hoffen, das diese Zusatzversicherungen nicht so einen versteckten Unsinn enthalten, wie die Unisex Vollkostentarife die im Hause Hanse Merkur verkauft werden.

Ein Produkt möchte ich dann doch etwas näher anschauen, den stationären Zusatztarif für eine Versorgung des Chefarztes, der Wahlleistung Zweibettzimmer bzw. dem Einbettzimmer bei einem stationären Aufenthalt. So finden sich- wie auch bei einigen Mitbewerbern Aussagen, welche durchaus zu überlegen sind und zu prüfen, ob dieses „für einen selbst passt“.

Erstattet werden die für Unterkunft und Verpflegung anfallenden zusätzlichen Kosten, wenn der Versicherte ein anderes als das in der ärztlichen Einweisung genannte Krankenhaus in der Bundesrepublik Deutschland aufsucht. Voraussetzung ist, dass das aufge- suchte Krankenhaus gemäß Bundespflegesatzverordnung bzw. Krankenhausentgeltgesetz abrechnet.

Auch bei der Auslandsgeltung, Fragen der Anschlußheilbehandlung und vielen anderen Punkten in den Bedingungen (mehr …)