Archiv für April 2014

30.
April '14

Gastbeitrag: Versicherungsvermittler – alles die gleichen „Versicherungsfuzzis“?


Das Thema Versicherungen ist schon von Natur aus kompliziert genug. Da gilt es, sich Gedanken zu machen, welchen Versicherungsschutz man braucht, welche Folgen die Missdeutung von Versicherungsbedingungen haben können und was man sich wie noch „gerade so” selbst leisten kann. Und dann bemerkt man irgendwann – meist sehr schnell: Ich schaff’ das nicht alleine und brauch dringend einen Berater. Und spätestens dann gehen die „Probleme” los.

Versicherungsvertreter oder Makler – die Unterschiede sind meistens nicht klar und werden auch so nicht wahrgenommen. Für die meisten Kunden ist es doch immer gleich. Der „Versicherungsfuzzi” will mir doch nur was verkaufen und lebt vom Verkauf. Doch worin unterscheiden sich denn die Beratertypen?

Seit 2007 benötigt jeder Versicherungsvermittler (Oberbegriff) eine Zulassung vom Gewerbeamt. Diese erhält man nur, wenn man einen guten Leumund, eine Vermögensschadenhaftpflicht für Beratungsfehler und eine Sachkunde hat. Zumindest hat sich der Gesetzgeber das ursprünglich einmal so vorgestellt. Die Wirklichkeit sieht, wie so oft, etwas anders aus:

Der Versicherungsvertreter

Am häufigsten in der Branche vorzufinden ist dieser Typ von Berater. Er ist bei einem Versicherer angestellt oder Handelsvertreter gem. § 84 Handelsgesetzbuch (HGB) und vermittelt auch nur für dieses Unternehmen Verträge. Verträge von anderen Unternehmen darf er nicht anbieten, auch nicht vermitteln. Würde er dies tun, so verstieße er gegen seinen Vertrag mit dem Unternehmen.
Leider gibt es auch bei dieser Gruppe zwei große Unterscheidungen:

Versicherungsvertreter mit einer Zulassung gem. §34 d Abs 1 GewO (Die haben eine eigene Zulassung und auch die entsprechende Sachkunde)
Es gibt aber auch die Versicherungsvertreter gem. §34 d Abs 4 GewO. (Die haben keine eigene Zulassung, der gute Leumund wurde nicht von der IHK überprüft und viel wichtiger: Es wurde keine Sachkunde in Form von Prüfungen oder Berufsabschlüssen vorgelegt. Die Versicherungsgesellschaft übernimmt die „Verantwortung“ und die Vermittler dürfen fleißig Versicherungen vermitteln)
Damit Sie einmal überprüfen können, zu welchem Typ Ihr Berater gehört, gibt es eine einsehbare Liste aller Versicherungsvermittler beim DIHK:
www.vermittlerregister.org

Beim Versicherer angestellte Versicherungsvermittler finden Sie nicht in dem Register, da diese keine eigene Zulassung haben. Es wurde damit auch keine Sachkunde oder der gute Leumund bei der IHK nachgewiesen.

Vorteile des Versicherungsvertreters:

Der Berater kennt seine Produkte genau. Durch die begrenzte Anzahl der Tarife sollte der (mehr …)

28.
April '14

VDI mit neuer, sehr interessanter Aktion zur Berufsunfähigkeit für (VDI -) Ingenieure mit nur zwei, sehr vereinfachten Gesundheitsfragen – befristet bis 30.06.2014


Berufsunfähigkeit, die wichtigste Versicherung nach der Haftpflicht, denn ohne Einkommen sind auch alle anderen Dinge im Leben nicht zu finanzieren. Daher gibt es bei den Gesellschaften für die (aus deren Sicht) interessanten Zielgruppen, immer mal wieder neue Aktionen um den begehrten Schutz einfacher zu bekommen.

Die Signal Iduna hat ebenfalls gerade eine solche Aktion zur „Berufsunfähigkeit mit vereinfachten Gesundheitsfragen“ anzubieten. Hier sind es sogar bis zu 2.000 Euro monatliche Rente, mehr dazu im Beitrag.

Aber nun zu der VDI/ HDI Aktion einige, weitere Details. Grundsätzlich gilt das Angebot nur für VDI Mitglieder. Die Mitgliedschaft kostet zwischen 60 und 120 EUR pro Jahr und kann zunächst einmal von Ingenieuren (abgeschlossenes Studium) aber auch von allen interessierten Personen (Außerordentliche Mitgliedschaft für alle Interessierten 120 EUR p.a.) abgeschlossen werden.

Der VDI hat mit seinem Partner, der HDI Versicherung eine besondere Rahmenvereinbarung geschlossen, so lässt sich die BU-Absicherung zu vereinfachten Konditionen abschließen.

VDI_BU_2014_HDI_1

Interessant ist hierbei zum einen die Einstufung in die bestmögliche Gruppe A1, als auch die sehr vereinfachten Gesundheitsfragen. Diese sind auf zwei Fragen zur Gesundheit beschränkt und lauten:

VDI_BU_2014_HDI_2_Gesundheitsfragen

Eine extrem vereinfachte Darstellung, denn es ist nur interessant ob Sie derzeit ihren Beruf nicht ausüben können und in den letzten 2 Jahren länger als 2 Wochen durchgehend diesen nicht ausüben konnten. Das ist nicht nur klar und deutlich formuliert, sondern auch so „simpel“, das es für viele interessant sein dürfte, die sonst keine BU oder nur eine mit Ausschlüssen oder Zuschlägen bekämen.

Weiterhin wird noch folgende Frage gestellt:

VDI_BU_2014_HDI_3_Antrag_abgelehnt

Hier ist leider keine zeitliche Befristung vorhanden, aber da Antragsteller grundsätzlich nur Voranfragen und keine Anträge stellen sollten (um nicht eine Ablehnung angeben zu müssen) dürfte dieses auch für viele kein Problem sein. Wer nun noch bestätigen kann, das das Einkommen zur beantragten Rente passt, der sollte den Schutz unkompliziert bekommen.

VDI_BU_2014_HDI_4_Angemessenheit

Unter bestimmten Umständen kann sogar eine Kombination mit dem Angebot (und den vereinfachten Gesundheitsfragen der Signal) sinnvoll sein und so ist (theoretisch) eine maximale Rente von 1.200 + 2.000 EUR machbar. Hier ist jedoch genau der Ablauf zu beachten, damit alle Fragen wahrheitsgemäß und richtig beantwortet werden können.

Fazit:

Für den, der unter die Kriterien des Angebotes fällt, für den sind die Gesundheitsfragen mit Abstand die einfachsten die wir lange in BU Aktionen hatten. Mit dem Bedingungswerk der HDI sollte man (gerade in Anbetracht der Umstände) gut leben können.

Aber: Dennoch sollte genau geprüft werden, welche Rentenhöhe zur BU benötigt wird und ob bei schon bestehender Absicherung diese Ergänzung ausreicht. Danach ist weiter abzuwägen ob ggf. eine Risikovoranfrage bei anderen Gesellschaften in Betracht zu ziehen ist, nur so kann der optimale Schutz geprüft werden.

Bei weiteren Fragen schicken Sie mir gern eine Anfrage zur BU.

 

24.
April '14

Von „halb richtig“ bis zu Lügen, der Finanztest PKV Chat setzt den dilettantischen Test fort


Schon wieder Finanztest, schon wieder „ein bisschen richtige“, halb richtige und vollkommen falsche Aussagen und Lügen, welche die Stiftung Warentest, besser Finanztest in dem PKV Chat schrieb und damit leider die Katastrophen aus dem eigentlichen Test fortsetzt. Nun kann man darüber streiten ob es ein „kämpfen gegen Windmühlen“ ist, man es daher als „kleiner Makler“ besser lässt, oder eben etwas dazu schreibt.

Nach dem neuerlichen PKV Test, wo die Damen und Herren von Finanztest klar dokumentiert haben, dass die Zusicherungen nichts brachten, da muss man auch als Makler etwas dazu schreiben, oder gerade als solcher, der auf im Lager der Kunden steht. Hatte doch Hr. Tennhagen im vergangen Jahr nach heftiger Kritik zum Testergebnis Berufsunfähigkeit noch Besserung gelobt und „wir nehmen Kritik an und wollen besser werden“ vollmundig verkündet.

Finanztest PKV  Chat

Nun testete die Finanztest Redaktion die private Krankenversicherung (PKV) und ich habe bereits in meinem 11seitigen Kommentar zum PKV Test dargelegt, wie unsinnig die Testergebnisse sind und die Frage gestellt, ob diese gewürfelt wurden. Finanztest verunsichert Verbraucher erneut mit dilettantischem Test zur Privaten Krankenversicherung (PKV)

Auch die Kritik vieler Kollegen und die Berichterstattung in der Presse (nachzulesen unter „Finanztest- Kritik an vielen Ecken… hoffentlich fruchtet diese auch bei den “Testern„) scheint nicht zu fruchten, aber gut. Dennoch möchte ich einige Aussagen des gestern stattgefundenen Chats zur PKV so nicht stehen lassen. Einige Aussagen und Fragen können Sie auf der Seite von Finanztest nachlesen, andere hier in meinem Chatprotokoll und einige werde ich hier weiter ausführen.

Doch kommen wir nun zu einigen Fragen und Antworten, welche im Chat fielen und so falsch sind, das diese nicht umkommentiert so stehen können, nicht das noch jemand auf die Idee käme, es stimmt.

Frage: „Wie kann die Concordia und auch die HUK auf den Plätzen 1 und 2 sein, wenn doch diese die von FT gewählten MINDESTkriterien nicht erfüllen? Stichwort hier: Psychotherapie und Hilfsmittel? Wo liegt der Fehler?“

Antwort: test.de: (Cornelia Nowack) Die entsprechenden Tarife erfüllen die Mindestkriterien von Finanztest.

Das ist so nicht nur ein bisschen falsch, sondern glatt gelogen. Als Mindestkriterium setzte Finanztest an: „Hilfsmittel (außer Sehhilfen): mindestens 75% für technische Hilfsmittel und Prothesen in einfacher Ausführung bei offenem Hilfsmittelkatalog der Neuentwicklungen einschließt.“

Bei der HUK Coburg heisst es in den Bedingungen des zweitplatzierten Tarifs nun aber:

Erstattet werden medizinisch notwendige Hilfsmittel bis zu einem Rechnungsbetrag von 1.200 € zu 100 %. Hilfsmittel, die einen Rechnungsbetrag von 1.200 € pro Hilfsmittel übersteigen, werden zu 90 % im tariflichen Umfang erstattet. Sofern das Hilfsmittel über den »Hilfsmittelservice«“ (siehe Nr. 6. h)) des Versicherers beschafft wird, werden diese Hilfsmittel zu 100 % erstattet.

Für einzelne Hilfsmittel gelten folgende Höchstrechnungsbeträge:

– Perücken bei krankhaftem Haarausfall bis zu einem Rechnungsbetrag von 500 €,
– Hörhilfen bis zu einem Rechnungsbetrag von 1.500 € pro Hörhilfe. Als Hörhilfen gelten Hörgeräte apparativ einschließlich dazugehöriger Ohranpassstücke,
– Sehimplantate bis zu einem Rechnungsbetrag von 20.000 €,
– Anschaffungskosten eines Blindenführhundes inklusive Einführungstraining,
Schlafapnoe-Geräte (z.B. CPAP-/BiPAP-/Bilevel-Geräte) bis zu einem Rechnungsbetrag von 1.250 €,
– Prothesen bis zu einem Rechnungsbetrag von 15.000 € pro Prothese,
– C-LEG-Prothesen bis zu einem Rechnungsbetrag von 30.000 €,
– Individuell angepasste Sitzschalensysteme bis zu einem Rechnungsbetrag von 5.000 €,
Krankenfahrstühle (ggf. inkl. Zubehör und Antrieb) bis zu einem
Rechnungsbetrag von 2.500 €,
– Orthopädische Schuhe bis zu einem Rechnungsbetrag von 1.500 € pro Kalenderjahr.

Liest man nur den ersten Teil der Bedingungen, so könnte man meinen es würden mehr als 75% erstattet. Dumm nur, das erst danach die Begrenzungen folgen. Gehen Sie mal in ein Sanitätshaus und fragen nach den Kosten für einen normalen und einen elektrischen Rollstuhl, gleichzeitig nach den Kosten für ein Schlafapnoe Gerät. Dieses Gerät verhindert Atemaussetzer im Schlaf und rettet nachweislich Leben.

So ein Gerät ist heute mit um die 2.000 EUR nicht gerade günstig und das weiss auch Finanztest. Das paradoxe daran? Selbst 2004 hat die Stiftung Warentest solche Geräte schon getestet. Lesen Sie mal:.

Schlafapnoe Gerät FT

Schauen wir mal in die Erstattung der HUK:

1.200 EUR zu 100% = 1.200 EUR

50 EUR zu 90% = 45 EUR

750 EUR zu 0%, da Grenze überschritten

Von dem Rechnungsbetrag von 2.000 EUR (dabei war es nicht das teuerste Gerät und es sind Preise von 2004) werden dann 1.245 EUR übernommen, also 62,25% des Rechnungsbetrages.

Bei einem elektrischen Rollstuhl (Preise hier) sieht es noch schlimmer aus. Da rutschen wir schnell unter die 50% Erstattung, schnell sind einige Hundert oder gar tausende Euro an Eigenanteilen angehäuft. Bei der Concordia heisst es in den Bedingungen auch gleich:

Hilfsmittel mit einem Rechnungsbetrag oberhalb von 2.000 € bedürfen der vorherigen Zusage durch den Versicherer.

Da sind diese also erst einmal gar nicht versichert, wenn die Zusage nicht kommt. Nachzulesen in den Bedingungen der Tarife BV. Die Antwort von Finanztest ist also eindeutig und belegbar eine glatte Lüge.

Nächste Frage: 

Welche Vorteile bringt es, wenn ich als Beamter in GKV versichert bin?

test.de: (Cornelia Nowack) Bei Vorerkrankungen fallen keine Beitragszuschläge an. … (Ulrike Steckkönig) Eine ganze Reihe privater Krankenversicherer bieten jedoch bei Neuverbeamtungen an, die Risikozuschläge für Vorerkrankungen auf maximal 30 % zu begrenzen. Dafür muss man sich aber bei Neuverbeamtung schnell entschließen.

(mehr …)

23.
April '14

Finanztest- Kritik an vielen Ecken… hoffentlich fruchtet diese auch bei den „Testern“


In der letzten Woche veröffentlichte Finanztest den neuen „PKV Test“. Leider war es wie befürchtet, oder anders… es war viele, viel Schlimmer als gedacht.

Finanztest verunsichert Verbraucher erneut mit dilettantischem Test zur Privaten Krankenversicherung (PKV)

Aus dem Debakel und der Kritik des BU Tests im letzten Jahr wurde nichts, aber auch gar nichts gelernt und Finanztest steht immer noch auf dem hohen Ross „wir sind besser, können alles besser und sind über jeden Zweifel erhaben“. Schließlich haben sie gegenüber Maklern und Beratern einen ganz großen Vorteil, die Redaktion, die Tester und keiner sonst dort haftet für den Unsinn den man verbreitet, auch dann nicht, wenn der Leser/ Kunde nachweislich Schaden durch so eine Empfehlung nimmt.

In diesem Beitrag daher mal einige Kritiken zusammengefasst.

Die Ärztezeitung hat das Thema letzte Woche schon aufgegriffen: „Falsche Hochrechnungen, PKV kontert Stiftung Warentest

Der Versicherungsmonitor berichtetet, der Versicherungsbote brachte ein Interview mit mir.

Arne Lotse vom finanzdiskurs geht auf die Fehler im Test in deinem Bligbeitrag ein und hat einen schönen „Apfelvergleich“.

Will sagen: Mal angenommen, ich habe einen Apfelbaum und daran wachsen so wenig Äpfel, dass ich mir von jemandem 14 Äpfel leihen muss, um alle mit Äpfeln zu versorgen. Und am Ende bleiben 8,5 Äpfel übrig. Wie viele Äpfel sind dann an meinem Baum zu viel gewachsen? Richtig. Keiner. Ich hätte mir einfach nur 5,5 Äpfel, die ich zu WENIG hatte, leihen müssen.  LINK zum Beitrag

Thorulf Müller, Versicherungsberater und Publizist schrieb ebenfalls dazu und geht nochmals auf inhaltliche Fehler ein und stellt die kostenpflichtige Analyse in Frage.

Insgesamt stellt sich aber die Frage, ob man nicht aus Sicht der Versicherer und der Versicherungsvermittler Finanztest einfach mal den Stecker ziehen sollte. Auch das Analyseangebot halte ich für unzulässig. Finanztest begibt sich meines Erachtens hier auf dünnes Eis, wenn Sie im Einzelfall konkrete Beratung anbietet. Das sollte meiner Ansicht nach einmal rechtlich gewürdigt werden. Dies ist aber den Juristen und Richtern in diesem Land vorbehalten. weiterlesen…

Der Versicherungsmakler Thomas Schösser kommt ebenfalls zu einem vernichtenden Ergebnis und schreibt:

Ich glaube, dass einen kranken Menschen in erster Linie interessiert, ob und in welcher Höhe er anfallende Krankheitskosten erstattet bekommt, egal wie häufig diese statistisch gesehen vorkommen. Man kann sich ja nicht aussuchen, welche Krankheiten und damit im Zusammenhang stehenden Kosten auf einen zukommen. Die Frage müsste meines Erachtens vielmehr lauten, welche Krankheitskosten bzw. Konstellationen können dem Kunden finanziell quasi das Genick brechen? weiterlesen…

Der erste nutzt leider den vermeintlichen Test auch schon, obwohl die Concordia unberechtigt in dem Test ist, da diese die von FT selbst besetzten Mindestkritierien so nicht erfüllt, aber das mach dem Versicherer so gar nichts. Was so ein Siegel kostet und warum es die Versicherer nutzen? Das lesen Sie in meinem Beitrag von gestern.

Der erste nutzt den Unsinn schon: Concordia Krankenversicherung zum Finanztest PKV Test und was der “Spaß” kostet

Als „faules Osterei“ beschreibt Makler Frank Rindermann den Finanztest und geht auch noch einmal auf die Zulässigkeit der „Beratung“ ein:

Ich frage mich, ob nicht der Verkauf der „Analysen“ gegen Gebühr und auch die Versicherungsvergleiche selbst, als „Versicherungsberatung“ gewertet werden könnten, die gesetzliche geregelt wird und für die eine offizielle Zulassung erforderlich ist (welche Finanztest meines Wissens nicht besitzt). Die Auszeichnung von „Testsiegern“ und deutlich gekennzeichnete „Empfehlungen“ von Versicherungstarifen, kommen einer „Beratung“ durch die Klassifizierung von Musterkunden und Musterkriterien, in denen sich einzelne Personen wiederfinden können, meinem Verständnis nach zumindest sehr nahe. Dieser Umstand sollte einmal juristisch geprüft werden.

Etwas mehr aus Sicht der Beihilfe und daher der Beamten, für die Finanztest die PKV uneingeschränkt und immer empfahl, „zerlegt“ Kollege Lars U. Harms den Test und weisst auf die deutlichen Gefahren hin.

Finanztest hätte vieles besser machen können als noch 2006. Will man es nicht oder kann man es nicht besser? Vielleicht wird es finanziell auch uninteressant, wenn man Verbrauchern keinen billigen Versicherer mehr mit umfangreichen Leistungen präsentieren kann – das vermag ich nicht zu beurteilen. Leid tun mir Verbraucher, wenn sie Schaden nehmen würden, weil sie sich auf solche Testergebnisse für einen unpassenden Tarif entscheiden. weiterlesen…

Finanztest hat bisher- in ihrer charmant ignoranten Art- noch nicht einmal reagiert. Nur der Twitter Account schrieb mit einem Kollegen, antwortete dann aber auf meine Frage(n) nicht mehr.

Warten wir einmal ah, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 

22.
April '14

Der erste nutzt den Unsinn schon: Concordia Krankenversicherung zum Finanztest PKV Test und was der „Spaß“ kostet


Das hat nicht lange gedauert…

Am 15. 04. 2014 hat die FINANZTEST ihren dilettantischen Test vorgestellt, wo sowohl die Kriterien als auch viele andere Punkte im Test nicht nachvollziehbar und unlogisch waren und zu einem absolut dilettantischen Ergebnis führen. Die detaillierte Kritik können Sie in meinem 11seitigen Kommentar zum Finanztest nachlesen.

Nun dauert es meist nicht lang, bis ein Versicherer auf den „ach wir sind so toll“ Zug aufspringt und seiner Vertriebsmanschaft das Zeug in die Hand gibt um damit Werbung zu machen.  Dieses Mal ging es sehr, sehr schnell, achten Sie mal auf das Datum der folgenden Mail, die mir freundlicherweise ein Kollege zur Verfügung gestellt hat.

Noch am Erscheinungstag können die Vertreiber damit los laufen und nun erzählen „wie toll die Concordia nun ist“ und selbst die „neutrale“ Stiftung Warentest bestätigt das.

Sie sind Beamter? Schreiben Sie mir doch mal ob und wann diese Information von Seiten des Versicherers bei Ihnen ankam. 

Interessant ist auch ein anderer Satz in der Mail, der Beginn mit „Damit Sie das Testsiegel… beantragen wie die Nutzungsrechte.“

Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, was so eine Nutzung kostet? Sie können das Logo von Finanztest natürlich nicht umsonst nutzen, denn irgendwo von muss die (teilweise steuerfinanzierte) Institution ja leben ihre Kosten bestreiten.

FT2 FT 1

Was kostet die Nutzung eines Finanztest Logos?

Um das Herauszufinden, begeben wir uns mal etwas auf die Suche. Auf der Seite „http://www.test.de/unternehmen/werbung/“ beschreibt die Stiftung Warentest erst einmal, was genau erlaubt und was verboten ist und welche Nutzungsmöglichkeiten bestehen. Zum einen können Sie als Unternehmen einen Sonderdruck nutzen, das ist Ihnen von Versicherern sicher auch schon einmal begegnet. Das sieht dann etwa so aus, wie auf diesem Link. (Finanztest Sonderdruck, da ich die Lizenzrechte nicht besitze, nur als externer Link)

Für Sonderdrucke gibt es keine Information zu den Kosten, nur ein Anfrageformular auf der Homepage von Finanztest. Ich habe am Freitag einmal angefragt (15.000 Exemplare für Druck, Online auf der Homepage nutzen etc.) und stelle die Preise (wenn ich sie denn überhaupt erhalte) gern hier ein. Solange hier keine Preise zu finden sind, wollte man mir (noch) keine sagen. 🙂 Hier nun die Preise:

Print-Sonderdrucke werden nur von der Stiftung erstellt. So kostet ein 16-seitiger Sonderdruck bei einer Mindestauflage von 5 000 Exemplaren 11.900 €; 15.000 Exemplare kosten 17.000 € zzglch. gesetzl. MwtSt und Fracht.
Ein 10-seitiger Sonderdruck“ Der beste Vertrag“ ( Seite 67 bis 75 in Ftest 05/14) liegt bei 5 000 Exemplaren bei 9.800 € bei 15.000 Ex bei 15.300 € zzglch. gesetzl. MwtSt. und Fracht.

Das ist aber nicht das eigentliche Nutzungsziel. Meistens wird das Logo in Zusammenhang mit dem Testergebnis genutzt und dafür ist eine Lizenz zu erwerben. Dazu hat Finanztest im letzten Jahr die Preise erhöht und vermarktet die Logolizenzen nicht selbst.  Dazu bedient man sich einer gemeinnützigen GmbH, welche auch andere Logos lizensiert. Die RAL gGmbh übernimmt für die Stiftung Warentest die Vermarktung. Also schauen wir uns mal etwas weiter auf deren Seite um, dort finden sich detailliertere Informationen zur Nutzung und den Preisen.

Die Nutzung ist maximal für 2 Jahre möglich, um nicht mit alten Tests zu werben, wie es in der Vergangenheit immer wieder vorkam. Das ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. So heißt es also dort:

Wenn Sie mit dem Testurteil für Ihre Produkte oder Dienstleistungen werben möchten, können Sie
– zwischen einer Regelaufzeit von zwei Jahren oder
– einer Kurzlaufzeit von einem Jahr wählen. Die Kurzlaufzeit kann einmalig um ein weiteres Jahr verlängert werden.

Die Lizenz kann in zwei unterschiedlichen Modellen erworben werden und schließt die TV- und Kinowerbung ein- oder aus. Auf der Seite der RAL gGmbh heisst es dazu:

Hinsichtlich des Umfanges der Lizenz kann zudem zwischen dem
Silbermodell und dem
Goldmodell gewählt werden.
Das Silbermodell umfasst die Werbung mit dem Testurteil-Logo auf dem Produkt in allen Medien, ausgenommen TV- und Kinowerbung. Beim Goldmodell ist die TV- und Kinowerbung eingeschlossen.
Während der Lizenzlaufzeit ist ein Upgrade vom Silber- zum Goldmodell jederzeit möglich.
Die Logonutzung ist – unabhängig vom Zeitpunkt des Lizenzerwerbs und der Lizenzlaufzeit – nur in einem Zeitraum von
2 ½ Jahren nach Erstveröffentlichung des Testergebnisses zulässig.

Welche Kosten kommen auf das Unternehmen zu?

Das unterscheidet sich dann, abhängig welches Modell Sie gekauft haben. Hier einmal die Übersicht dazu. ( (c) RAL gGmbH )

Finanztest Logolizenzen

(c) RAL gGmbH

Unterstellen wir bei der Concordia Krankenversicherung nun eine Nutzung von 2 Jahren (schließlich kam man bisher mit den Produkten eher selten in den Genuss „Testsieger“ zu sein) so entstehen dem Versicherer Kosten in Höhe von 11.190 EUR brutto, oder 29.750 EUR zzg. Druck, Verteilung etc.. Sollten Sie also TV Werbung der Concordia sehen, oder das Logo auf einem Prospekt, Briefkopf etc. finden, dann wissen Sie jetzt auch was es kostet.

Ob das Geld in Anbetracht des desolaten Test wohl gut angelegt ist?  Hier der komplette Kommentar: „Wir machen das mit den Würfeln“- wie Finanztest leider gar nichts aus dem letzten Test und der Kritik gelernt hat und den Verbraucher mit wieder neuem Unsinn verunsichert