Archiv für März 2013

26.
März '13

Kombiprodukt aus Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung in Soloprodukt umwandeln?


Eine Frage die immer wieder auftaucht, so auch heute wieder, beschäftigt sich mit der Umwandlung der bestehenden Verträge. Oft wurden in der Vergangenheit Lebensversicherungen beantragt, obwohl eigentlich das Augenmerk auf der Absicherung der Berufsunfähigkeit lag. Das hatte dann aber auch zur Folge, dass die versicherte BU Rente meist nicht ausreicht, denn auch die Lebensversicherung muss ja noch bezahlt werden. (Lesetip: Richtige Rentenhöhe oder gar keine Berufsunfähigskeitsabsicherung)

Unterschied zwischen Kombi- und Soloprodukt

Zunächst kann die Absicherung gegen Risiken der Berufsunfähigkeit als einzelnes Produkt, oder aber im Rahmen einer Kombination aus Lebens-, Renten- oder fondgebundenen Policen abgeschlossen werden. Auch in Kombination mit einem Rürup Vertrag ist eine solche Absicherung möglich, wenn auch nur bedingt sinnvoll. (Linktip: Berufsunfähigkeitsversicherung in Kombination mit der (geförderten) Rürup Rente- wirklich ein Erfolgsmodell? )

Bei der einzelnen Absicherung, handelt es sich dann um eine so genannte „Selbstständige Berufsunfähifskeitsversicherung“, auch als SBU bezeichnet. Die Absicherung in Kombination mit einem anderen Produkt, bringt dann eine BUZ hervor, wobei das Z für „zusatz“ im Wort „Berufsunfähigkeitszusatzversicherung steht.

Nun aber zu der Frage

Ich habe eine Frage zu einer kombinierten Versicherung: Ist es irgendwie möglich, bei einer Kombi-Police „Kapitallebensversicherung + Berufsunfähigkeitsversicherung“ („Allianz START“), diese zu trennen, so dass man die Lebensversicherung auflösen, die BU aber erhalten kann?

Oder, alternativ:

Is es möglich, sich aus der Lebensversicherung einen Teil ausbezahlen zu lassen, so dass sich der Rückkaufswert mindert?

Doch was kann man nun tun?

Derzeit besteht also ein Kombiprodukt, wo BUZ und eine Lebensversicherung gemeinsam in einem Vertrag verbunden sind. Dabei gilt also zunächst, das eine Zusatzversicherung (hier die BUZ) nicht allein bestehen bleiben kann und man einfach die LV beenden kann. Sollte aber nur noch ein Risikoaschutz zur BU gewünscht sein, so gibt aber durchaus Möglichkeiten dieses zu ändern.

Zum Einen könnte statt der Kapitallebensversicherung eine Risikolebensversicherung werden (so der Versicherer so ein Produkt anbietet) und so der Beitrag reduziert werden und die BUZ bestehen bleiben. Das hat zur Folge, dass keine neue Risikoprüfung nötig wird, wenn die Todesfallsumme sich gegenüber der Kapital-LV nicht erhöht und auch die BU Rente gleich bleibt.

Weiterhin wäre eine Umwandlung in eine SBU, also als einzelner Vertrag möglich, hier sind aber die Folgen von UNISEX und ggf. neuen Tarifen und Bedingungen zu beachten. Bei einigen Anbietern sind diese durchaus besser geworden. Bedeutet aber auch: Neue Gesundheitsprüfung und ggf. auch ein neues Eintrittsalter.

Als letzte Option wäre auch eine Reduzierung der Kapital LV zu prüfen und diese so auf einen Minimalbetrag zu senken. Damit reduziert sich ebenfalls der Monatsbeitrag, der Schutz in der BU bleibt aber unverändert bestehen.

Worauf Sie noch achten sollten

Wann wurde die LV abgeschlossen? Unter Umständen gilt hier ein besserer Garantiezins als Sie den heute bekämen. Da kann es sinnvoll sein, den Vertrag gar nicht „anzufassen“ und so wie er ist bestehen zu lassen.

Bietet der Versicherer die gleichen BU Bedingungen auch im SOLO BU Produkt an? Es gibt Unternehmen, welche nur die BUZ (ggf. mit einer Risiko-LV) aber keine eigenständige BU anbieten.

21.
März '13

Versicherungsschutz in der Auslandsreisekrankenversicherung bei bereits bestehenden Erkrankungen- Ein Urteil des OLG Köln, Az. 20 U 111/11


Die Auslandsreisekrankenversicherung wird nicht nur von den Versicherern selbst angeboten, auch gesetzliche Krankenkassen vermitteln einen solchen Schutz über Kooperationspartner, Kreditkartenunternehmen schließen Leistungen dafür in die „Versicherungspakete“ ein und viele der Auslandsreisenden haben einen solchen Schutz. Klar- denn die meisten Reisenden sind sich bewusst, das Gesundheitsrisiko im Ausland abdecken zu wollen und müssen.

Dabei besteht Versicherungsschutz immer nur dann, wenn die Erkrankung unerwartet und plötzlich auftritt. Beispielhaft dafür ein Blick in die Versicherungsbedingungen eines Anbieters, hier der ADAC Auslandsreisekrankenversicherung.

ADAC

Das ist durchaus verständlich, denn nur unerwartete und akute Erkrankungen lassen sich versicherungstechnisch sinnvoll erfassen und versichern. Wenn bereits Erkrankungen bestehen, so kann der Versicherer das Risiko hierfür nicht zu akzeptablen Prämien decken.

Mit einem solchen Fall hatte sich auch das OLG Köln zu beschäftigen. Hier ist zwar nicht bekannt um welchen Versicherer es sich dabei handelt, das ist aber für die weitere Betrachtung des Urteils auch nicht entscheidend.

Um was ging es in dem Urteil?

Die versicherte Ehefrau des Klägers befand sich 2008 in einer stationären Behandlung wegen eines Pleuraergusses, einer Ansammlung von Flüssigkeit im Brustraum. Dazu wurde die mitversicherte Dame bis zum 17. 07. 2008 stationär behandelt. Am 19. 07. 08, also nur zwei Tage später, reiste diese mit ihrem Mann zu Verwandten nach Spanien. Leider verschlechterte sich der Zustand bzw. trat neu auf und so wurde diese am 25. 07. 2008 notfallmäßig in ein spanisches Krankenhaus eingeliefert. (mehr …)

18.
März '13

BaFin veröffentlicht Beschwerdestatistik 2012 – Vergleich zum Vorjahr in Zahlen


Auch in diesem Jahr hat die Bundestanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht die aktuelle Beschwerdestatistik veröffentlicht und setzt so ihre Information wie in den letzten Jahren fort.

Was wird angegeben?

In der Statistik werden die Beschwerden über Versicherer aufgeführt und in einem Verhältnis zur Anzahl der dort versicherten Personen (zum Stichtag 31. 12. 2011) aufgeführt. Denn nur im Verhältnis macht die Betrachtung Sinn, denn eine Beschwerde auf 4,7 Millionen Versicherte ist etwas anderes, als eine auf 150.000 Versicherte.

Wer ist in der Statistik zu finden?

In der Statistik tauchen auch Unternehmen auf, die nicht im Geschäft der Vollversicherung tätig sind, dennoch aber als Krankenversicherer Risiken versichern. So ist die Hanse Merkur Speziale Krankenversicherung nicht zu verwechseln mit der Hanse Merkur Kranken, denn erstgenannte ist in der Absicherung von Reiseversicherungen tätig.

Niedrigste und höchste Werte

Die geringste Beschwerdequote (0,083444 auf 100.000 Versicherte) hat die Süddeutsche Krankenversicherung, gefolgt von der Alten Oldenburger Krankenversicherung (0,10019), was bei der SDK 5 und der AOL 1 Beschwerde(n) in absoluten Zahlen im Jahr 2012 entspricht. Mit 7 Beschwerden im Jahr 2012 folgt dann die RuV Krankenversicherung, bei einem Versichertenbestand von 552.842 Versicherten ergibt das eine Quote von 0,126618. Im Jahr zuvor waren neben der RuV und der Concordia auch die Alte Oldenburger im „Spitzenfeld“.  (Link Grafik 2011)

Auf der Seite der höchsten Beschwerden finden sich die Central Krankenversicherung mit einer absoluten Zahl von 343 Beschwerden bei 1.851.29 Versicherten (Quote 1,85276) und die Gothaer Krankenversicherung (absolut 100, Versicherte 539.300, Quote 1,75654). Den dritten und vierten Platz auf der Seite mit den höchsten Beschwerden nehmen der Münchener Verein (36 Beschwerden bei 251,627 Versicherten, 1,43068) und die Mannheimer Krankenversicherung mit 11 Beschwerden bei nur 77.759 Versicherten (1,4146).

Wie haben sich die Zahlen verändert?

Im Jahr zuvor führten die Gothaer, der Münchener Verein und die Mannheimer die Liste mit den meisten Beschwerden an. (Link zur Übersicht 2011) Eine genaue Übersicht über die Veränderungen in der Anzahl der Beschwerden, Änderungen in absoluten und prozentualen Werten und auch Veränderungen in der Anzahl der Versicherten finden Sie in der Übersicht.

Beschwerden KV 2011 und 2012 im Vergleich

Was sagen diese Zahlen aus?

Zuerst einmal sind diese recht nichtssagend, denn aus der Anzahl der Beschwerden lässt sich nicht auf die Qualität eines Unternehmens schießen. Gründe von Beschwerden können in der Leistungs- oder Vertragsabwicklung liegen und so die Bezahlung von Rechnungen, Streitigkeiten über die medizinische Notwendigkeit oder aber auch über einen Tarifwechsel sein.

Von einem Versicherer kann und sollte der Versicherte auch erwarten können, das dieser sorgsam mit dem Geld der Versicherten umgeht. Das führt dann aber eben auch zu Ablehnungen von nicht (in dem Tarif) versicherten Leistungen, welches wiederum zu Beschwerden führen kann. Somit ist die Beschwerdezahl nichts, was über die Qualität eines einzelnen Unternehmens Auskunft geben kann.

Auch sagt die Statistik nichts darüber aus, wie die Beschwerden ausgegangen sind. So kann es durchaus sein, das der Versicherte bei Abschluss den Vertrag anders verstanden hat oder ihm durch den Berater Leistungen suggeriert hat oder der Kunde erwartet, welche gar nicht versichert sind. All diese Faktoren werden hier nicht erfasst.

Warum dann überhaupt diese Zahlen?

Weil das BaFin diese nun einmal erfasst, in einem Bericht veröffentlicht und Kunden und Interessenten der PKV diese immer wieder in der Beratung ansprechen, so habe ich mich entschlossen diese hier zu veröffentlichen. Eine Auswahl eines Unternehmens, eines Tarifs oder gar eines Wechsels aufgrund solcher Zahlen ist in keinem Fall zu empfehlen!

Da in der BaFin Statistik nur die Zahlen der Versicherten und die Anzahl der Beschwerden angegeben sind und diese nach Gesellschaftsnahmen sortiert sind, hier eine modifizierte Tabelle mit den jeweiligen Werten des Vorjahres und den absoluten/ prozentualen Veränderungen. ACHTUNG: Beschwerden werden nicht prozentual gemessen, maßgebend sind- wie bei Beitragsanpassungen in der PKV auch, absolute Werte. Auch unterscheiden die Zahlen der versicherten Personen nicht nach Voll- und Zusatzversicherten.

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14.
März '13

Kundenfrage: Krankentagegeld und neue Karrenzzeit bei „anderer“, neuer Erkrankung


Eine aktuelle Anfrage, welche mich in den letzten Tagen per Mail erreichte, beantworte ich dann gleich einmal hier und somit für alle nachlesbar. Heute geht es um das Thema „Krankentagegeld“ und dort speziell um die Frage der Karenzzeit bei unterschiedlichen Erkrankungen.

Was ist die Karrenzzeit überhaupt?

Die Karenzzeit bezeichnet die Zeit zwischen Beginn der Arbeitsunfähigkeit und des Zahlungsbeginns der Krankentagegeldversicherung. Diese Karrenzzeit ist, je nach Tarif, unterschiedlich und kann bei Abschluss vereinbart werden. Bei Angestellten beginnt die Krankentagegeldzahlung frühestens nach 6 Wochen, die Karrenzzeit beträgt somit 42 Tage. Daher findet sich oft auch in der Bezeichnung des Tarifs eine Zahl hinter der Tarifbezeichnung. KT42 bedeutet somit, dass der Versicherer erst ab dem 43. Tag der Krankschreibung zu einer Leistung verpflichtet ist.

Wer zahlt vorher?

Bei Angestellten ist der Arbeitgeber leistungspflichtig für di ersten 6 Wochen der Krankschreibung. Obwohl der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung krankheitsbedingt nicht mehr erbringen kann, erfolgt die Lohnfortzahlung. Erst nach Ablauf der Frist beginnt der (private oder gesetzliche) Krankenversicherungsschutz mit der Leistung.

Doch nun genug der Vorgeschichte und zu der eigentlichen Kundenfrage:

Ich bin seit mehreren Wochen ununterbrochen wegen Depressionen/Burn-out AU geschrieben. Mein behandelnder Arzt hat jetzt einige Auffälligkeiten bei den Blutwerten entdeckt, die eventuell auf eine andere Ursache (organische Erkrankung mit depressionsähnlichen Symptomen) hinweisen könnten. Angenommen, die Vermutung bestätigt sich und auf dem nächsten Pendelformular steht statt der Depression die organische Erkrankung als Diagnose. Würde die HUK dies zum Anlass nehmen, die KT-Zahlung für 6 Wochen zu verweigern und auf die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers verweisen?

So ganz einfach ist die Frage nicht, da zunächst mehrere Sachen dabei eine Rolle spielen. Als Angestellter ist zunächst einmal zu schauen, wann der Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung hat. Die Regelungen finden sich hierzu im Entgeltfortzahlungsgesetz. (mehr …)

13.
März '13

Jetzt gibts die PKV schon (mal wieder) für 58 EUR im Monat- der Unsinn in der Werbung ist zurück


Es gab sie in der Vergangenheit mehr als einmal, die berühmte und berüchtigte Werbung für 59 EUR in der privaten Krankenversicherung. Über solchen Unsinn hatte ich in den vergangenen Jahren mehrfach geschrieben und versucht zu erklären, warum diese Werbung geschaltet wird und was genau dort passiert. (Artikel: Verrechnet, Werbeunsinn oder einfach nur Absicht bei geld.de und der Privaten Krankenversicherung für 59 EUR?)

Nun sollte man meinen das mit immer wieder gepredigter Aufklärung zu Tarifen, Leistungen und eben solcher Werbung diese irgendwann ausstirbt, leider scheint dem nicht so zu sein. Als ich heute auf Facebook unterwegs war, stach mir eine solche Anzeige wieder einmal ins Auge. Es wurde eine Private Krankenversicherung für 58EUR im Monat angeboten, dazu müsse nur die Anfrage ausgefüllt werden.

Nach dem Klick auf die Seite kommt der Nutzer dann auf die Seite der Betreiber. Dabei handelt es sich um die std informationsservice GmbH mit ihrem Geschäftsführer Steffen Dörsam, der früher mal Autor bei dem Magazin focus online war, so zumindest die Aufzeichnungen im Netz.

Was passiert nach der Anfrage?

Nachdem der Nutzer, der ja nun eine PKV für 58 EUR sucht, seine Adresse und Telefonnummer eingetragen hat, folgt die Weitergabe der Adresse an einen „Vertriebspartner“.

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