Archiv für Oktober 2012

31.
Oktober '12

R+V Krankenversicherung ändert Annahmerichtlinien ab 15. 11. 2012


Auch die R+V Krankenversicherung AG kommt nicht umhin, sich die Kunden in der Privaten Krankenversicherung vor Versicherungsbeginn genau anzuschauen. Gerade in bestimmten Berufsgruppen nehmen die Zahlungsausfälle zu. Anders als früher, vor Einführung der Versicherungspflicht, ist eine Kündigung nicht mehr möglich. Auch wenn Beitragsrückstände bestehen, so muss zumindest für einige Leistungen (Notfall) weiter erbracht werden. Daher stellen viele Unternehmen Ihre Annahmerichtlinien um und verzichtet lieber auf den einen oder anderen Antrag. In der aktuellen Mitteilung der R+V Kranken heisst es:

In den Annahmerichtlinien gelten ab dem 15.11.2012 folgende Änderungen:

Tarife AGIL classic (EP0 bis EP3): Neue Maßnahmen zur Verhinderung von Verträgen im Leistungsruhen Das Ziel der R+V Krankenversicherung ist es, sich auch weiterhin erfolgreich am Markt zu behaupten. Dafür ist es notwendig, Versicherte zu gewinnen, die nach objektiven Betrachtungen in der Lage sind, auch dauerhaft ihre Beiträge zu bezahlen. (…)

Bitte fügen Sie die erforderlichen Unterlagen jedem Antrag auf AGIL classic bei:

• Gewerbeanmeldung für alle Selbständigen (außer Freiberufler)

• Einkommensnachweise der letzten 3 Jahre (Selbständige und Freiberufler)

Sofern in dem 3-Jahres-Zeitraum ein Angestelltenverhältnis bestand, so sind uns diese Nachweise einzureichen.

Aus den erforderlichen Nachweisen muss für die weitere Antragsprüfung mindestens ein durchschnittlich zu versteuerndes Einkommen in Höhe von jährlich rund 34.000 EUR (ca. 75 % der Beitragsbemessungsgrenze) ersichtlich sein.

Diese Abgrenzung ist m.E. auch dringend nötig. Grund ist hier unter anderem die Bezahlbarkeit der Beiträge und damit die Vermeidung von Zahlungsausfällen und die Belastung der Kollektive. Wie bereits in einem älteren Blogpost geschrieben, die Private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen– Sie ist definitiv nichts für „jedermann“. Existenzgründer sind in vielen Fällen in der gesetzlichen Krankenkasse zunächst einmal besser aufgehoben, da die Beiträge einkommensabhängig berechnet werden.

Auch bei den Berufen gibt es Änderungen. Hier werden folgende Berufsgruppen nicht mehr versichert.

Dachdecker und Gerüstbauer sind aus Bonitäts- und Risikogründen nicht mehr versicherbar. Makler (alle Berufsarten) sind ab einer zurückgelegten Existenzgründungsphase von 36 Monaten versicherbar.

Auch das dient dazu, ähnlich wie bei anderen Unternehmen, die Risiken zu steuern. All diese Maßnahmen betreffen zunächst nur die Tarife der Classic Serie, also die „billigen“. Diese Tarife werden vorrangig von den o.g. Berufsgruppen abgeschlossen, sagen die Gesellschaften.

Weitere Artikel zur RuV Krankenversicherung

29.
Oktober '12

Gruppenvertrag der CDU mit der Axa Krankenversicherung – gut? schlecht? oder was noch zu beachten ist


Gestern schrieb die Zeit in der Online Ausgabe über einen Gruppentarif der CDU mit der Axa Krankenversicherung. Einer der „Vorteile“ sei ein Nachlass von 5%, welchen alle CDU Mitglieder bei der Axa bekommen. So groß scheint die Begeisterung nicht zu sein, denn es gäbe bisher nur 243 Versicherte in dem Gruppenvertrag.

Um zu verstehen was da genau hinter steckt und wie so ein Gruppentarif funktioniert, da schauen wir uns zunächst einmal den Aufbau eines solchen Vertrages an. Anders als in der Krankenversicherung sonst üblich, schließt zunächst nicht der Versicherte, sondern der Verein/ Verband oder das Unternehmen einen Vertrag mit einem Unternehmen. Dieser Gruppenvertrag ist dann bestimmten Personengruppen zugänglich, welche sich hierüber versichern können. Einen ähnlichen Gruppenvertrag hat(te) die FDP mit der DKV, der Deutschen Krankenversicherung.

Möchte nun eine berechtigte Person einen solchen Vertrag abschließen, so erklärt diese ihren Beitritt zum Gruppenvertrag. Dabei ist der Vertrag neben einem finanziellen Vorteil manchmal auch mit einer „besonderen Art der Risikoprüfung ausgestattet“. Die Versicherer versprechen dem Partner des Gruppentarifs „wir lehnen niemanden ab“.

Was passiert mit sehr kranken Antragstellern?

Natürlich kann auch in einem Gruppenvertrag nur der versichert werden, der die Risikoprüfung überbesteht. Wer aber nun wegen vieler Krankheiten oder schwerwiegender Vorerkrankungen nicht in der Situation ist, sich versichern zu lassen, der darf dennoch nicht abgelehnt werden? THEORETISCH nicht, praktisch wird diesem Antragsteller aber ein so hoher Risikozuschlag angeboten, dass dieser uninteressant ist. Wer will und kann schon 300, 400 oder 500% Zuschlag auf den monatlichen Beitrag zahlen? Es ist also eher ein „Marketinggag“, als eine wirkliche Erleichterung bei der Antragstellung.

Welche Vorteile hat der Gruppentarif konkret und gilt er für alle Tarife?

Der Vorteil liegt in einem Beitragsnachlass, der mit 5% etwas höher ist als der Nachlass für eine jährliche Zahlungsweise. Einen objektiven Grund gibt es hierfür nicht, denn der Aufwand für Risikoprüfung und Leistungsabwicklung ist für den Versicherer der gleiche, wie bei einem „normalen“ Antrag. Eine weitere Einschränkung besteht bei den Tarifen, denn die „Öffnung“ gilt meist nicht für alle, sondern nur für spezielle Tarife. Eine Versicherung in einem Gruppentarif stellt daher meist eine Einschränkung dar, denn die Tarifauswahl und natürlich die Wahl der Gesellschaft ist grundsätzlich begrenzt.

Was passiert wenn die Voraussetzungen entfallen?
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24.
Oktober '12

Die Private Krankenversicherung im Alter – und wer zahlt meinen Arbeitgeberzuschuss?


Eine berechtigte Frage tritt immer mal wieder auf, so auch heute, als mich folgender Tweet erreichte:

Kollege sagt, dass Privatversicherte im Ruhestand den AG-Anteil on top selbst zahlen müssen. Ist das so?!

Ich hatte bereits vor einigen Jahren etwas zum Zuschuss des Rentenversicherungsträgers geschrieben. Bevor wir darauf aber näher eingehen stellt sich zunächst die Frage, was denn wann genau mit der Privaten Krankenversicherung passiert und welche konkreten und planbaren Änderungen anstehen. Da wären zwei wichtige Zeitpunkte zu nennen. Mit dem 60. Lebensjahr endet die Zahlungspflicht für den gesetzlichen Zuschlag. Dieser (zwangsweise) zu zahlende Beitragsanteil beträgt 10% des PKV Beitrages und wird von dem Versicherer angespart. Eine Zahlungspflicht besteht aber nur bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres. Danach bleiben die angesparten Beträge dort liegen und werden ab dem 65. Lebensjahr zur Minderung oder Verhinderung von Beitragsanpassungen genutzt. Erst wenn mit dem 85. Lebensjahr noch „Geld übrig ist“, wird dieses auch zur Prämienreduzierung verwendet.

Eine Weitere Veränderung findet mit Ende des aktiven Arbeitslebens statt. Dieses kann mit 60, 63, 65, 67 oder eben auch früher sein. Ab diesem Zeitpunkt verringert sich der Beitrag der Privaten Krankenversicherung (PKV) durch den Wegfall des Krankentagegeldes. Dieses muss dann nicht mehr versichert werden, denn „arbeitsunfähig“ kann der Kunde nicht mehr sein und eine Rente bekäme er auch dann, wenn er krank ist.

Wer zahlt denn meinen Arbeitgeberzuschuss?

Solange die Versicherten als Arbeitnehmer tätig sind, bekommen diese vom Arbeitgeber einen Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung. Grundlage hierfür sind die gesetzlichen Regelungen im §257 Sozialgesetzbuch V. Der Zuschuss für das Jahr 2013 beträgt zum Beispiel max. 287,84 EUR für die Kranken- und 38,39 EUR für die Pflegeversicherung, doch wo kein Arbeitgeber, da auch kein Zuschuss. Daher entfällt dieser Zuschlag mit Ende der aktiven Tätigkeit und der Kunde muss erst einmal seinen Beitrag für die Private Krankenversicherung komplett selbst zahlen.

Zahlt denn keiner mehr was dazu?

Doch, anstelle des Arbeitgebers gibt es einen Zuschuss des (gesetzlichen) Rentenversicherungsträgers. Dieser ist jedoch nicht so hoch und abhängig davon, welche (gesetzliche) Rente der Versicherte denn dann bekommt. Dabei geht es auch hier um die später auszuzahlende Rente, von welcher prozentual ein Zuschlag gezahlt wird.

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22.
Oktober '12

Umdeckungen in der Privaten Krankenversicherung durch die Impuls Finanzmanagement AG an den (Großaktionär) Hanse Merkur – ein Schelm wer Böses dabei denkt


UPDATE siehe unten.

Umdeckungen, also die Kündigung einer bestehenden Privaten Krankenversicherung und der gleichzeitige Neuabschluss sind vorteilhaft… für den Vermittler. Für den Versicherten hingegen sind diese oftmals nachteilig, besonderes dann wenn der Versicherungsschutz sich verschlechtert. Dennoch gab es in der Vergangenheit Vertriebe und Berater, die mit dieser „Umdeckung“ regelmäßig „viel Geld“ verdient haben.

Im April diesen Jahres ist die gesetzliche Deckelung der Provisionen in der Krankenversicherung in Kraft getreten, mit dieser wurde auch eine 5-jährige Stornohaftung eingeführt. Wer nun einen Krankenversicherungsvertrag vermittelt, der bekommt seine Courtage/ Provision zwar gleich, muss diese aber (anteilig) zurückzahlen, falls dieser wieder gekündigt / umgedeckt wird. Was früher nur für das 1. Jahr galt und dann zu „fröhlichem Umdecken“ führte, soll durch die 5-Jahresfrist verhindert werden. Für alle Anträge die vor dem 1. 4. 2012 angenommen und policiert wurden, für diese gilt noch die alte Regelung.

Nun liegen mir von Kunden und einem Kollegen übermittelt, mehrere Fälle vor, die alle eine gleiche Tendenz zeigen. Ich will und werde hier aufgrund einiger Fälle sicher keine Masche unterstellen, aber einen Beigeschmack hat es schon. Was ist genau passiert?

Die Fälle:

Vor einigen Jahren (einmal 2009, 2010 und 2011) wurden durch die Impuls Finanzmanagement AG eine private Krankenversicherung nach dem Tarif ESPRIT M beim Deutschen Ring Krankenversicherung vermittelt. Nachdem der Kunde (hoffentlich) aufgeklärt wurde welche Leistungen der Tarif enthält und welche eben nicht, hat dieser sich mit seinem Berater für einen solchen Tarif und die darin enthaltenen Leistungen entschieden. Dagegen ist absolut nicht einzuwenden, doch was passierte jetzt?

Die damaligen Vertreter (die den ehemaligen Abschluss gemacht hatten) rief jeweils die Kunden an und teilte diesem mit „wie haben jetzt was besseres und billigeres für Sie, wir wechseln mit Ihnen die PKV vom Deutschen Ring Esprit zur Hanse Merkur in den Tarif KVE. Auf die Frage des Kunden warum dieses nötig sei, folgte die Antwort „da ist das alles besser“. Ist denn der Tarif nach dem Wechsel wirklich besser?

Während der Esprit Tarif keinerlei Arztbindung hat, wird der Kunde nun bei der Hanse Merkur in einen Primärarzttarif, mit den damit verbundenen Einschränkungen gesteckt. Auch in den Bereichen der Auslandsgeltung (die sicher nicht jeder braucht), bei der Arztwahl, bei Fragen der ärztlichen Honorare, der Psychotherapie oder auch den Versorgungen und Kostenerstattungen in gemischten Anstalten kommt es zu teils drastischen Verschlechterungen. (mehr …)

18.
Oktober '12

Geplante (gesetzliche) Änderungen in den versicherungsrechtlichen Vorschriften (zur Privaten Krankenversicherung)


In seinem Gesetzentwurf zum „Gesetz zur Änderung versicherungsrechtlicher Vorschriften“ hat der Gesetzgeber einige Probleme bezüglich der Abwicklung und Leistungszusage einer privaten Krankenversicherung erkannt (bzw. glaubt das) und möchte diese gern Ändern. Was genau das bedeutet und welche Änderungen auf privat Krankenversicherte zukommen, das schauen wir einmal genauer im entsprechenden Gesetzentwurf an.

Die derzeitige Situation:

Anders als in der gesetzlichen Krankenkasse, wo der Versicherte VOR Inanspruchnahme einer Leistung einen Anspruch auf Prüfung und Kostenzusage hat, ist in der privaten Krankenversicherung der Anspruch regelmäßig erst entstanden, wenn die Leistung erbracht wurde. SO kann der Versicherte vorher nur sehr bedingt prüfen (lassen), ob eine solche Leistung auch versichert ist und das Unternehmen diese tariflich erstatten muss.

Eine Besonderheit findet sich im Heil- und Kostenplan bei den Zahnleistungen. Hier ist es derzeit schon in vielen Tarifen so, das vor Leistungserbringung ein solcher Plan eingerecht werden muss, um die tariflichen Leistungen voll zu erhalten.

Geplante Änderungen:

Die Änderungen betreffen nicht nur die private Krankenversicherung, sondern auch andere Versicherungssparten. So werden Artikel des Versicherungsvertragsgesetzes dahingehend geändert, das hinzukommende Verträge ebenfalls aufgehoben werden können, wenn der Hauptvertrag endet. Ein Beispiel hierzu sind Nettoverträge in der Lebensversicherung und entsprechende Honorarvereinbarungen nebenher. Die Regelung betrifft § 9 des VVG.

Leistungszusage in der Privaten Krankenversicherung

Durch Anfügen des (8) an den § 192 VVG kommt folgender Text hinzu:

„(8) Der Versicherungsnehmer kann vor Beginn einer Heilbehandlung, deren Kosten voraussichtlich 2.000 EUR überschreiten werden, in Textform vom Versicherer Auskunft über den Umfang des Versicherungsschutzes für die beabsichtigte Heilbehandlung verlangen. Ist die Durchführung der Heilbehandlung dringlich, hat der Versicherer eine mit Gründen versehene Auskunft unverzüglich (Anm: ohne schuldhaftes Verzögern); spätestens nach zwei Wochen, zu erteilen, ansonsten nach vier Wochen; auf einen vom Versicherungsnehmer vorgelegten Kostenvoranschlag und andere Unterlagen ist dabei einzugehen. Die Frist beginnt mit Eingang des Auskunftsverlangens beim Versicherer. Ist die Auskunft innerhalb der Frist nicht erteilt, wird bis zum Beweis des Gegenteils durch den Versicherer vermutet, dass die beabsichtigte medizinische Heilbehandlung notwenig ist.“

Auskunft und Einsicht in Gutachten

Bisher ist die Situation die, dass Einsicht in Gutachten die der Versicherer beauftragt hat, nicht der Kunde sondern nur der Arzt oder ein Rechtsanwalt bekommt. Das ist grundsätzlich immer mit Aufwand und ggf. auch Kosten verbunden und auch das will der Gesetzgeber ändern. Zukünftig soll der Kunde direkt Einsicht bekommen. Eine Ausnahme besteht weiterhin dann, wenn erhebliche therapeutische Gründe entgegenstehen, dann bleibt es bei dem Auskunftsrecht über einen Arzt oder Anwalt. Holt der Versicherte auf Verlangen des Versicherers ein Gutachten oder eine entsprechende Stellungnahme ein, so hat der Versicherer die Kosten dafür zu erstatten.

Änderung bei den Fristen zur Kündigung

Bisher finden sich im §205 die Vorgaben zur Kündigung eines Vertrages. Darunter ist unter Absatz 4 geregelt, das bei einer Anpassung des Beitrages innerhalb von einem Monat gekündigt werden kann. Diese Frist wird nun auf zwei Monate erweitert. (mehr …)