Archiv für September 2012

28.
September '12

Die „berühmt berüchtigten“ Unisextarife- muss ich mich unbedingt jetzt und schnell entscheiden?


Es ist in allen Zeitungen, Zeitschriften und auf vielen Internetseiten und so langsam kann das Wort „Unisex“ keiner mehr hören. Dennoch ist es für die Versicherer natürlich eine (Vertriebs-)chance und wird entsprechend häufig genutzt. Doch was steckt eigentlich dahinter? Was ist dran an den Aussagen von Beratern Verkäufern sich noch schnell und am besten sofort entscheiden zu müssen und welche Folgen hat eine zu späte Entscheidung?

Wie funktionieren die heutigen Tarife?

Heute haben wir so genannte Bisextarife. Das bedeutet nichts anderes, als eine unterschiedliche Kalkulation und daraus eine unterschiedliche Prämie für Versicherungsleistungen die geschlechterspezifisch sind. So zahlen Frauen in vielen Fällen durchaus mehr Beitrag für eine (lebenslange) Rentenversicherung, als ein gleichaltriger Mann. Der Grund ist unter anderem eine unterschiedlich lange Lebenserwartung.  Bedingt durch die Tatsache, das neugeborene Mädchen nach derzeitigen Werten also ca. 5 Jahre länger leben, muss auch eine versicherte Rente länger gezahlt werden.

Etwas mehr Vorstellung bieten da sicher „nüchterne Zahlen“. Versichern sich heute ein Mann und eine Frau, beide im Alter von 30 Jahren in einer klassischen Rentenversicherung, so müssen diese unterschiedliche Beiträge aufwenden. Für jeweils 100 EUR garantierte Altersrente bis zum Lebensende benötigt ein Mann einen monatlichen Beitrag von 53 EUR, eine gleichaltrige Frau muss hingegen 57 EUR aufwenden. Auf der anderen Seite lebt die Frau (wahrscheinlich) auch länger und der Versicherer muss (statistisch) nicht nur bis 77 Jahre, sondern bis zum 83. Lebensjahr die monatliche Rente überweisen. Daher ist ein solcher unterschied in den Prämien durchaus berechtigt.

Auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist eine solche Trennung der Geschlechter durchaus angebracht. Nicht weil Frauen häufiger krank werden als Männer, die Kosten von Schwangerschaft und Geburt hat die Branche auch bereits vor Jahren auf beide Geschlechter umgelegt, sondern weil einfach länger gezahlt werden muss. (mehr …)

26.
September '12

Ich hab meine PKV dann schon mal gekündigt- macht doch nichts, oder?


Auch in diesem Jahr häufen sich wieder die Kunden, welche sich entschieden haben oder noch entscheiden wollen, sich vom bisherigen Versicherungsschutz ihrer bisher ausgewählten Privaten Krankenversicherung (PKV) zu verabschieden und sich stattdessen einen neuen Tarif oder einen neuen Versicherer zu suchen.

Dabei kommt es aber leider teilweise zu übereilten Aktionen, welche nicht immer positiv ausgehen müssen und vielleicht mehr Nach- als Vorteile bringen können. Doch erst einmal der Reihe nach. Anlass für diesen Beitrag war ein Kommentar unter einem Beitrag der Central Krankenversicherung, welche neben den Beiträgen auch die Selbstbeteiligung ab 01. 01. 2013 erhöht. In dem Beitrag kommentierte ein Leser mit folgender Aussage:

Angenommen ich kündige nun fristgerecht zum Jahresende den Vertrag bei der Central ohne mit einem neuem Versicherer einen Vertrag abgeschlossen zu haben. Wenn nun tatsächlich kein neuer Vertrag zustande kommt, wäre die Kündigung ja unwirksam. Entstünden denn weitere Nachteile daraus?

Die Frage lässt sich noch nicht ganz eindeutig beantworten. Warum, das sollten wir mit Blick auf die entsprechenden Paragraphen einmal etwas näher anschauen. Seit einigen Jahren herrscht in Deutschland Versicherungspflicht. Der §193 regelt die Vorschriften ztur Versicherungspflicht, im §205 heißt es demnach aber zur Kündigung folgendes:

(6) Abweichend von den Absätzen 1 bis 5 kann der Versicherungsnehmer eine Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Abs. 3 Satz 1 erfüllt, nur dann kündigen, wenn er bei einem anderen Versicherer für die versicherte Person einen neuen Vertrag abschließt, der dieser Pflicht genügt. Die Kündigung wird erst wirksam, wenn der Versicherungsnehmer nachweist, dass die versicherte Person bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung versichert ist.

Wie läuft denn so eine Kündigung ab?

In der Regel sind die Kunden dann mit einem Schutz gegen die Absicherung von Krankheitskosten, der Pflegepflichtversicherung und einem Krankentagegeld versichert. Letzteres sichert die Kosten bei Einkommensverlust durch Krankheit ab und verhindert, das eine finanzielle Lücke entsteht und der Versicherte seinen laufenden Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.
(mehr …)

24.
September '12

Einbett- oder Zweibettzimmer? Oder reicht die Regelversorgung? – eine Gretchenfrage in der Privaten Krankenvoll- oder zusatzversicherung


Neben vielen anderen Leistungsbereichen in der privaten Krankenversicherung ist der Bereich der stationären Versorgung mit Abstand einer der kostenintensivsten Positionen. Anders als in der gesetzlichen Krankenkasse lassen sich hier die Leistungen je nach persönlichem Bedarf und persönlichen Vorlieben selbst zusammenstellen. Dabei geht es zum einen um eine andere Behandlung, die so genannte Chefarzt-oder Privatarztbehandlung und zum anderen um die Art der Unterbringung. Bevor wir uns aber mit den unterschiedlichen Möglichkeiten beschäftigen, schauen wir uns zunächst einmal die Versorgung der gesetzlich krankenversicherten Patienten im Krankenhaus an.

Welches Zimmer bekommt ein gesetzlich Versicherter (ohne private Zusatzversicherung)?

Ganz pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten, denn dieses ist auch von der Ausstattung und den Möglichkeiten des Krankenhauses abhängig. Entscheidend ist aber dabei, dass es bei der so genannten Regelversorgung ausschließlich nach medizinischem Bedarf und den Möglichkeiten des Krankenhauses geht. Oftmals haben viele neue (oder renovierte) Kliniken heute drei unterschiedliche „Kategorien“ der Zimmer. Nehmen wir als Beispiel das SANA Krankenhaus hier in Bergen, also direkt bei mir um die Ecke. In diesem relativ neuen Krankenhaus gibt es folgende Zimmerkategorien.

(c) dpa

Zunächst einmal die  Mehrbettzimmer. In diesen Zimmern befinden sich oftmals drei, vier oder maximal 5 Betten und diese Zimmer stellen die Standardkategorie und damit die so genannte Regelleistung dar. Wenn ich also als gesetzlich Krankenversicherter (oder als privat Versicherter mit einem Versicherungsumfang der ausschließlich Regelleistungen enthält) in diese Klinik eingeliefert werde, so komme ich in ein freies Zimmer. Wie viele Betten (und damit Zimmergenossen) ist tatsächlich habe, ist nicht vorher zu planen. Es kann also durchaus sein, dass der Patient mit 2 aber eben auch mit weiteren 4 Personen im Zimmer liegt.

Nächste Stufe, das Zweibettzimmer: wenn Sie stattdessen einen so genannten „Wahlleistungsvertrag“ mit dem Krankenhaus abschließen, so können Sie sich gegen eine entsprechende Zuzahlung das Zweibettzimmer erkaufen. Je nach Klinik und Ausstattung erhalten Sie damit eine garantierte Unterbringung mit maximal einem weiteren Patienten und oftmals weitere Zusatzleistungen wie Telefon, Fernsehen ohne Zusatzkosten, Handtücher, Kaffee und Kuchen und zum Beispiel kostenfreies parken. Welche Leistungen genau enthalten sind, erfragen Sie bitte bei dem entsprechenden Krankenhaus. Die Kosten für so eine Versorgung sind auch hier je nach Klinik unterschiedlich. Diese beginnen bei ca. 40 € pro Tag und variieren je nach Lage und Ausstattung des Hauses bis zu 60 € pro Tag.

(mehr …)

20.
September '12

Locktarif, aus Versehen undeutlich oder vielleicht Absicht? Die versteckten Gefahren im Pro Fit (ASZG) Tarif der Hanse Merkur


Es gibt so Tarife in der privaten Krankenversicherung (PKV) da fragt man sich immer: „Hat da einfach nur der Aktuar geschlafen?“, „Der Vertrieb all seine Wünsche durchgesetzt?“ oder ist das alles Absicht und Methode um es für den Kunden so undurchsichtig als möglich zu machen?

Einer dieser Tarife, welcher immer wieder mal zu Problemen bei der Kündigung (sei es wegen eingetretener Versicherungspflicht, oder weil der Kunde sich doch anders entschieden hat) führt, ist der Tarif ProFit (ASZG) der Hanse Merkur Krankenversicherung.  was genau jedoch so besonders an diesem Tarif ist, und wo die versteckten Gefahren lauern, das schauen wir uns einmal an einem konkreten Beispiel an.

Wie funktioniert die private Krankenversicherung und der Arbeitgeberzuschuss?

Generell ist es erst einmal so, dass der Arbeitgeber sich gemäß Paragraph 257 SGB V an dem Aufwand für die private Krankenversicherung zur Hälfte beteiligt.  Nach oben hin ist dieser Zuschuss jedoch auf den maximalen Arbeitgeberzuschuss begrenzt. Dieser ändert sich im gleichen Verhältnis wie die Beitragsbemessungsgrenze und wird daher auch im Januar 2013 wieder angepasst. (–> Blogbeitrag Arbeitgeberzuschuss 2013)

Nehmen wir nun einen Beispieltarif, der mit einem Monatsbeitrag von 500 € zu Buche schlägt, so erhält der Versicherte einen monatlichen Arbeitgeberzuschuss von 250 €. (Vereinfacht betrachten wir nur die reine Krankenversicherung und lassen Bausteine wie die Pflegepflicht-und Pflegeergänzungsversicherung unberücksichtigt.  Das ist somit noch ganz einfach nachzuvollziehen, und Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer teilen sich den Krankenversicherungsbeitrag.

Doch vor einigen Jahren glaubten einige Versicherer sie müssen nun etwas besonders „innovatives“ erfinden und auf den Markt bringen, und so entstanden Tarife die unter anderem auch beworben wurden mit den Worten „Die private Krankenversicherung-für den Arbeitnehmer kostenfrei“.

Doch schauen wir uns einmal an, wie das in der Praxis überhaupt funktionieren soll. Wie kann es sein, dass ein Krankenversicherer eine Leistung verspricht und zudem das ganze noch kostenfrei für den Arbeitnehmer? Die Erklärung finden wir im Tarif AS ZG der Hansen Merkur Krankenversicherung. Der Hamburger Versicherer hat sich also überlegt, wie man den Arbeitgeber noch mit mehr als 50 % an dem Beitrag beteiligen kann. Und so entstand ein Modell, welches wie folgt aussieht.  Der Beitrag zur Krankenversicherung beträgt auch in diesem Fall 500 €. Der Arbeitgeber beteiligt sich auch hier mit 250 €, somit ist erst einmal kein unterschied zu den „normalen Tarifen“ festzustellen. Da der Versicherer aber davon ausgeht, dass der Kunde leistungsfrei bleibt und somit keinerlei kosten bei dem Unternehmen einreicht, gibt der Versicherer schon einmal den halben Beitrag als Bonusleistung zurück. Warum ich eine Krankenversicherung abschließen sollte, wenn ich doch sowieso davon ausgehen die Leistungen in Anspruch zu nehmen, erschließt sich mir leider noch nicht.

Dieser Beitrag wurde also gar nicht mehr vom Versicherten abgebucht, (mehr …)

18.
September '12

Wenn der Arzt die Private Krankenversicherung empfiehlt – Unsinn in der täglichen Praxis


Es ist schon mehr als interessant, was einem so in der täglichen Beratungspraxis passiert. Ich bin immer wieder überrascht, dass mich nach mehr als 12 Jahren Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV) immer noch Anfragen erreichen, welche schlichtweg zum Kopfschütteln führen. Eine solche Anfrage erhielt ich in den letzten Tagen per Mail. Dabei handelte es sich um einen Kunden Interessenten welcher bereits im letzten Jahr den Wunsch hatte, in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Nachdem dieses aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hatte, erhielt ich also gestern folgende E-Mail:

Hallo Herr Hennig,

nach Absprache mit meinem Arzt habe ich mich entschieden, in eine der folgenden PKV zu wechseln.

DEBEKA, Barmenia, HUK

können sie mir bitte einen dreier Vergleich (Leistungen und Prämien, Beitragsrückerstattung) erstellen.

Nicht nur, dass dieses die ganze E-Mail zu sein schien, auch der Inhalt war mehr als verwunderlich. Zum einen wunderte ich mich, dass hier pauschal Gesellschaften miteinander verglichen werden sollen und sich anscheinend keine Gedanken gemacht wurden welche Tarife tatsächlich in die engere Wahl gekommen sind. Weiterhin wundert mich, dass sich der Interessent „in Absprache mit seinem Arzt“ für diese 3 Gesellschaften entschieden haben will. Ungeachtet der Tatsache, dass aufgrund des Anforderungsprofils aus dem letzten Jahr klar ist dass diese Tarife nicht passen können, schrieb ich also zurück und bat um nähere Erklärung. Insbesondere wollte ich gern wissen, warum es gerade diese Auswahl sein soll und warum diese Auswahl so abschließend formuliert ist, denn es gibt eine Reihe von Versicherungsunternehmen die entsprechende Tarif anbieten.

Doch dann wurde es noch unverständlicher, denn anscheinend konnte sich auch der Interessent diese Gründe nicht erklären und der Arzt hat wohl in seiner Beratung zur privaten Krankenversicherung irgendetwas „nicht ganz richtig gemacht“.  Die Antwort auf meine E-Mail lautete also dann wie folgt:

ganz einfach und ehrlich:

Ich traue meinem Arzt wesentlich mehr als jeden „anderen Fachleuten“ (nichts für ungut) Er hat die Erfahrungen um Leistungsfall und nur das ist für mich entscheidend. Daher kommen für mich nur diese 3 in Frage (keine weitere Diskussion nötig) als 4. wäre noch der Hallesche NK1 von dem ich schon ein Angebot habe.

Das muss man sich dann tatsächlich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da schreibt mir ein Interessent und bittet um Unterlagen zu Tarifen zur privaten Krankenversicherung und sagt mir gleichzeitig das er der Beratung nicht traut? Besorgt muss ich mir da die Frage stellen, warum ich diese Anfrage überhaupt bekomme und warum ich mir Zeit nehmen solch einen Unsinn zu beantworten.

Ist der Arzt der bessere Berater?

Ohne Zweifel ist der Arzt eine Vertrauensperson vieler, (mehr …)