Archiv für August 2012

28.
August '12

Ich werde versicherungspflichtig und was wird mit meiner PKV?


Eine, in den letzten Wochen häufiger gestellte Frage, ist die Frage nach Veränderungen in der privaten Krankenversicherung (PKV) für den Fall, dass eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eintritt. Zunächst einmal muss die Situation der bestehenden Krankenversicherung geklärt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, wie lange schon eine Versicherung in der privaten Krankenversicherung besteht. Doch bevor wir uns dieses anschauen, ist zu prüfen warum überhaupt eine Versicherungspflicht eintritt. Regelungen zur Versicherungspflicht in der GKV finden sich im Sozialgesetzbuch 5, dort besonders im Paragraphen 5 ff.

Wodurch wird man versicherungspflichtig?

Wer heute als Angestellter über der Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) liegt, der muss nicht in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben, sondern darf in die private Krankenversicherung wechseln. Hat der Arbeitnehmer dieses getan und wird nun arbeitslos, so tritt durch den Bezug von Arbeitslosengeld eine Versicherungspflicht in der GKV ein. Damit ist zunächst klar, dass der Versicherte nicht ohne weiteres in der privaten Krankenversicherung verbleiben kann. Weitere Details und eine eventuelle Befreiungsmöglichkeit habe ich in meinem Blogbeitrag zur Arbeitslosigkeit und privaten Krankenversicherung zusammengestellt.

Ebenfalls kann eine Versicherungspflicht eintreten, weil eine neue und versicherungspflichtige Tätigkeit eintritt. Bei Arbeitnehmern passiert dies regelmäßig dann, wenn diese vor ihrem 55. Lebensjahr ein Arbeitsverhältnis aufnehmen, welches mit einem Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze bezahlt wird.

Was muss ich tun, um die private Krankenversicherung zu beenden?

Damit nicht unbeabsichtigt eine private und eine gesetzliche Krankenversicherung gleichzeitig bestehen, muss die private Krankenversicherung fristgemäß beendet werden. Dabei sind die Vorgaben aus den Versicherungsbedingungen und dem Versicherungsvertragsgesetz zu beachten. Demnach ist geregelt, dass die private Krankenversicherung bei Eintritt einer (mehr …)

22.
August '12

Veränderungen an der Spitze der PKV Unternehmen – Hanse Merkur steigt auf, Central ab


An der Spitze der privaten Krankenversicherungsunternehmen gibt es laut dem Branchendienst dfg- Dienst für Gesellschaftspolitik Veränderungen bei den Zuwächsen. Die Spitzenposition mit den meisten Zuwächsen geht damit an Hanse Merkur Krankenversicherung. Diese hat mit einem Zuwachs von 21,7% (47.680 Personen) die meisten Personen von einer Versicherung im eigenen Haus überreden überzeugen können.

Ich werde hierzu sicher keinen schriftlichen Kommentar abgeben, wie diese Zuwächse zu Stande kommen, jedoch bin ich mir ziemlich sicher das es Großteil der Kunden nicht wirklich weiss, welche Art von Produkt und welche Einschränkungen in diesen Produkten sie gekauft haben. Die Tarife der Hanse Merkur wurden ja unter Vermittlern und Kunden in den letzten Jahren mehr als stark beworben. Aufgrund der vielen Fragen zu den Tarifen hatte ich bereits einen Blogbeitrag dazu veröffentlicht:

“Mir wurde der Wechsel in die Hanse Merkur empfohlen” oder auch Hanse Merkur Start Fit (KVE) – der optimale Schutz wie behauptet?

Bei dem Ranking der Versicherer mit den meisten Zuwächsen rangiert nun die Hanse Merkur auf Rang 1 (vorher 12), gefolgt von der Debeka (vorher 1) und der Axa wie auch im Vorjahr auf Rang 3. Erstaunlich sind die Verteilungen allemal. Während bei der Debeka Zuwächse im Beamtengeschäft die Zahlen noch erklären, so scheinen die Vermittler und Kunden immer noch auf „billig“ aus zu sein, wie sonst sind Zuwächse von 21,7% bei einem Unternehmen zu erklären, welches leistungseingeschränkte Tarife anbietet, die zumindest für meine Kunden nie ein Thema wären, obwohl sich viele von denen die Lücken zumindest teilweise noch leisten könnten.

Bei den Verlierern nach Köpfen über ein Jahr führt die Central Krankenversicherung die Riege der Negativliste an. Aufgrund der massiven Beitragsanpassungen, welche sich teilweise auch in 2013 fortsetzen und der geänderten Geschäftspolitik war auch genau das zu erwarten. Mehr dazu finden Sie auch in den Blogbeiträgen zur Central Krankenversicherung und den aktuellen Zahlen zur Beitrags- und SB Anpassung.

Die beiden weiteren Plätze auf der Top-3-Verliererliste nach Köpfen gehen an die DKV und die Allianz. Beide verlieren mit jeweils knapp über 11.000 Kunden eine ganze Menge an zahlenden Versicherten.

Saldo dennoch positiv:

Betrachtet man die Gesamtbranche und die Systeme GKV und PKV, so sind in dem Jahr 2011 immer noch mehr Versicherte aus den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Richtung der privaten Versicherer gewechselt, als dort gestorben oder weggewechselt sind, so der Branchendienst dfg weiter. Der Dienst beobachtet die Versicherer nach ihren Zahlen, unterteilt in Voll-, Zusatz- und Kooperationsversicherte seit 2004.

20.
August '12

Selbstständig, privat krankenversichert und nun „nebenbei“ noch angestellt. Was passiert mit der PKV und muss ich in die gesetzliche Krankenkasse zurück?


Nach einer aktuellen Anfrage zu diesem Thema nutze ich das doch gleich mal hier um dieses Thema etwas ausführlicher und für alle zu beschreiben. Die Anfrage auf meiner Facebook Page aus der letzten Woche lautetet:

ich hab da mal ne Frage. angenommen ich würde ZUSÄTZLICH zu meiner selbständigen Tätigkeit eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis aufnehmen, müsste ich dann in die GKV zurück?

Bevor es nun an konkrete Ratschläge und Tipps geht, schauen wir uns erst einmal die generellen Regelungen an. Bestimmte Personengruppen müssen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert werden und sind dort pflichtversichert. Dazu gehören all die Personen, welche im §5 des Sozialgesetzbuches 5 (SGB V) genannt sind und die dort genannten Voraussetzungen erfüllen. Eine große Gruppe solcher Versicherungspflichtiger sind die Arbeitnehmer. Dazu heißt es dort:

§ 5 Versicherungspflicht
(1) Versicherungspflichtig sind
1. Arbeiter, Angestellte und zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind,

Wer nun über dieser Grenze (in 2012 liegt die bei 50.850 EUR) verdient, der darf sich selbst aussuchen ob er in dem gesetzlichen oder lieber in dem privaten System versichert werden möchte. Wie im Fall der oben angesprochenen Anfrage gibt es aber auch Mischfälle, wo erst einmal nicht genau klar ist, welches System denn nun zuständig ist.

§ 6 Versicherungsfreiheit
(1) Versicherungsfrei sind
1. Arbeiter und Angestellte, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze nach den Absätzen 6 oder 7 übersteigt; Zuschläge, die mit Rücksicht auf den Familienstand gezahlt werden, bleiben unberücksichtigt,

Die Situation als Selbstständiger:

Wer selbstständig tätig ist, der kann sowohl privat krankenversichert sein, als auch in einer gesetzlichen Krankenkasse als freiwilliges Mitglied bleiben. Eine solche Entscheidung ist ohne berufliche Veränderungen meist dauerhaft und will daher gut überlegt sein. In der Anfrage besteht auch schon eine PKV für den Kunden und nun ändert sich die berufliche Situation.

Was passiert mit Aufnahme einer Angestelltentätigkeit?

Das ist nicht ganz einfach und pauschal zu sagen, denn hierbei sind verschiedene Faktoren zu prüfen. Zunächst einmal löst eine Tätigkeit als Angestellter laut §5 SGB V eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse aus. Das bedeutet in dem Fall die Rückkehr (zwangsweise) in eine gesetzliche Kasse und die Berechnung der Beiträge anhand des Arbeitseinkommens. Damit eine solche Pflicht aber besteht, muss das Bruttoeinkommen größer als 400 EUR monatlich sein, zudem kleiner als 4.237,50 EUR pro Monat (50.850 EUR pro Jahr).

Die Einkünfte aus der (weiter bestehenden) Selbstständigkeit sind in diesem Fall nicht weiter zu berücksichtigen und es findet auch keine Zusammenrechnung statt. Es reicht also nicht aus, 2.500 EUR brutto monatlich als Angestellter zu verdienen und gleichzeitig noch einmal 2.000 EUR mit dem eigenen Unternehmen, dennoch würde hier eine Versicherungspflicht eintreten und Zwangsrückkehr in die GKV nötig.

Welche Tätigkeit überwiegt?

Entscheidend bei der Betrachtung des Status ist aber ein anderer Punkt. Welche der beiden Tätigkeiten ist die Haupttätigkeit, wo wird mehr Zeit verbracht und wo wird welches Einkommen und welcher Anteil am Gesamteinkommen erwirtschaftet? Ist die (neue) Angestelltentätigkeit beispielsweise eine Beratertätigkeit welche mit wenigen Stunden in der Woche erledigt ist, so kann durchaus auch eine Versicherungsfreiheit für die Person eintreten. Wird also in unserem Fall z. Bsp. 2/3 der Woche im eigenen Unternehmen gearbeitet und dort auch der größte Teil des Einkommens erzielt, so tritt durch das neue Angestelltenverhältnis nicht zwangsweise eine Pflicht zur Versicherung in der GKV ein. Das ist jedoch nicht als generelle Aussage zu verstehen.

Wie kann ich sicher sein, richtig versichert zu sein?
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16.
August '12

Risikoprüfung und Gruppenverträge in der Privaten Krankenversicherung – das Märchen von einer Versicherung ohne Gesundheitsfragen und ohne Ablehnungsmöglichkeit


In der letzten Zeit häufen sich wieder Anfragen von Interessenten für die Private Krankenversicherung, die sich auf Presseartikel oder Aussagen in Internetforen beziehen wo eine Versicherung ohne Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden kann. Sogar Menschen mit schweren Erkrankungen, psychotherapeutischen Behandlungen in den letzten Jahren oder sonstigen gesundheitlichen Einschränkungen sollen dort versichert sein. Dazu müsse man nur einem Verein (z. Bsp. dem Tanzsportverein) oder einer Partei beitreten und schon ist der Weg in die Private Krankenversicherung möglich, so scheint es.

Ich suche eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsprüfung – gibt es das und wenn ja wo?

Warum überhaupt eine Risikoprüfung in der PKV und wo liegen die Gefahren?

Um zu verstehen was es mit einer „vereinfachten“ Gesundheitsprüfung oder einem Annahmezwang auf sich hat schauen wir erst einmal eine „normale“ PKV an. Um sich in einem solchen Vertrag zu versichern, muss der Interessent recht umfangreiche Angaben über seinen Gesundheitszustand machen. Dabei sind die abgefragten Zeiträume ganz unterschiedlich. Während im Bereich der ambulanten Behandlung die Fragen meist 3 oder 5 Jahre in die Vergangenheit reichen, sind im stationären Bereich 5 oder 10 Jahre üblich. Auch Fragen die nicht auf einen Zeitraum begrenzt sind, finden sich in den Anträgen und bergen eine zusätzliche Gefahr. So schreibt die Debeka Krankenversicherung im Antrag:

„Bestehen Krankheiten, Unfallfolgen, körperliche oder geistige Schäden bzw. Anomalien (wie z. B. Herzfehler, psychische Störungen, Nervenerkrankungen, Augenerkrankungen, Schädigung des Bewegungsapparates, Stoffwechselstörungen, usw.), die zu den
bisherigen Gesundheitsfragen noch nicht angegeben wurden? Nr. Bei Wehrdienstbeschädigung, Berufskrankheit, Dienstunfall oder Schwerbehinderung bitte Anerkennungsbescheid beifügen.“

Damit sind zum Beispiel Allergien, irgendwann einmal festgestellte Veränderungen an der Wirbelsäule (auch wenn die zu keinen Beschwerden führen) anzugeben. So eine Frage kann man kaum richtig beantworten und stellt m.E. ein k.O.für einen Antrag dar. Andere Unternehmen fragen auch nach Beschwerden. Wer hatte denn noch nie Kopfschmerzen nach einem anstrengenden Tag, Rückenschmerzen nach zuviel Belastung oder dergleichen? Auch diese Frage ist fast nie richtig zu beantworten. So heißt es im Antrag der Universa:

Bestanden in den letzten 3 Jahren (auch nicht behandelte oder nicht medizinisch diagnostizierte) Krankheiten, Anomalien, gesundheitliche Beschwerden oder lagen andere Beeinträchtigungen, wie z.B. Sterilität, vor?

Genau darin liegt aber die Gefahr. Werden Fragen falsch beantwortet, so ist der Versicherer auch später noch berechtigt, die Risikoeinschätzung zu korrigieren, nachträglich Zuschläge zu verlangen oder gar vom Vertrag zurück zu treten. All das birgt unnötige und zusätzliche Hürden und Gefahren bei der Antragstellung und sind meist bei anderen Unternehmen zumindest vermeidbar. (Artikel zur Anzeigepflichtverletzung)

Kann ich mich entscheiden zwischen Ausschluss und Risikozuschlag?

Wenn eine Annahme nun aber nicht mehr zu normalen Bedingungen möglich ist, so bieten die Unternehmen einen Zuschlag an, der aber kann höchst unterschiedlich sein. Während zum Beispiel Versicherer A mit einem Zuschlag von 15 EUR für einen Heuschnupfen gut leben kann, folgt bei anderen ein Zuschlag von 25% auf den Beitrag oder gar eine Ablehnung. Daher ist es sinnvoll, sich nicht nur auf eine Einschätzung zu verlassen sondern vielmehr mit seinem Berater mehrere Alternativen anzufragen. Was in der Zusatzversicherung noch funktioniert, das geht in der Vollversicherung nicht- die Ausschlüsse. Es ist nicht möglich, den Heuschnupfen aus der Leistung der Privaten Krankenversicherung auszuschließen. Einmal weil es fast nicht abgrenzbar ist was denn genau dazu gehört, welche Folgen wären auch ausgeschlossen? Diese Diskussion im Leistungsfall zu diskutieren ist weder für den Versicherten noch für den Versicherer angenehm und zum 2. verstieße der Vertrag ggf. sogar gegen die Versicherungspflicht. Daher ist ein Zuschlag machbar, sich stattdessen für einen Ausschluss zu entscheiden ist normal nicht möglich. (mehr …)

15.
August '12

Ich suche eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsprüfung – gibt es das und wenn ja wo?


In den letzten Wochen erhielt ich gleich mehrere solcher Anfragen mit der Bitte, nur einen BU Schutz heraus zu suchen, welcher keine Gesundheitsprüfung verlangt. Dennoch waren angemessene Rentenhöhen (hier mehr als 1.000 EUR mtl.) und lange Laufzeiten gewünscht. Um zu verstehen, warum es solch eine Absicherung in der gewünschten Form nicht geben kann, zuerst einmal ein Blick auf die eigentliche Form der Absicherung.

Ein Versicherer, welcher eine Absicherung gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit anbietet, der übernimmt schon bei kleineren Renten ein hohes finanzielles Risiko. Versichert dieser zum Beispiel einen 25jährigen Antragsteller mit einer monatlichen Rente von 1.000 EUR bis zum 65. Lebensjahr, so trägt er folgendes Risiko:

1.000 EUR monatlich * 12 Monate * 40 Jahre (Restlaufzeit)
= 480.000 EUR

Um solch ein Risiko zu tragen, muss daher eine entsprechende Risikoprüfung vorhanden sein, wie sonst sollte das Risiko finanzierbar sein. Daher wird das Unternehmen in seinen Anträgen Gesundheitsfragen stellen und ggf. bei unklaren Diagnosen und Verläufen Rückfragen an die entsprechenden Ärzte stellen.

Aber ich habe doch von BU Absicherung ohne Gesundheitsprüfung gelesen?!

Einige Versicherer und Vertriebe machen genau mit dieser Aussage Werbung. (mehr …)