Archiv für Mai 2012

29.
Mai '12

Private Krankenversicherung ab 2013 – was ändert sich, wann ist was zu tun?


Auch in der privaten Krankenversicherung ergeben sich durch die so genannten Unisextarife Veränderungen ab dem kommenden Jahr. Daher versuchen einige Gesellschaften den Kunden „noch schnell“ vom Anschluss des entsprechenden Vertrages zu überzeugen- was generell auch nicht verkehrt ist, aber immer wohl durchdacht sein sollte.

Was ändert sich denn eigentlich mit diesem „Unisex“?

Es ändert sich zunächst die Kalkulation. Nachdem durch Vorgaben des Europäischen Gerichtshofes unterschiedliche Prämien von Männern und Frauen nicht mehr zulässig sind, so ändern sich diese ab kommendem Jahr. Pauschal ausgedrückt bedeutet das, für Männer wird es teurer, für Frauen etwas günstiger. Wie genau die Veränderungen in den einzelnen Tarifen aussehen und welche Zahlen dahinterstehen, das lässt sich heute noch nicht genau sagen.

Muss ich jetzt was tun, oder besser warten?

Generell gilt, egal was mit den Tarifen passiert, eine Entscheidung für oder gegen die Private Krankenversicherung an sich, oder für/ gegen eine bestimmte Gesellschaft, ist nicht von der Einführung abhängig. Diese Entscheidung bedarf einer Reihe weiterer Faktoren und viel überlegen, denn nur so lässt sich eine Entscheidung die unter Umständen lebenslang sein kann, mit der nötigen Sorgfalt fällen.

Für Männer gilt aber dennoch, auch wenn es recht pauschal ist, lieber heute als morgen mit dem Gedanken machen beginnen, denn wenn die Entscheidung generell klar ist, dann ist es sicher unsinnig zu spät zu beantragen und damit langfristig höhere Prämien einzukaufen.

Bei Frauen ist es noch etwas anderes. Auch hier kann es sich lohnen, sich zeitnah Gedanken zu machen, denn auch das Eintrittsalter spielt in der privaten Krankenversicherung (PKV) eine Rolle. Anders als in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) ist es nicht nur entscheidend wie jung ich bin, sondern auch der Gesundheitszustand spielt eine Rolle. So mussten auch einige meiner Kunden in der Vergangenheit leider erleben, das ein zu später Antrag den Weg in die PKV nicht nur verteuern, sondern auch generell verbauen kann.

Was ist konkret zu tun?

Das kommt zunächst darauf an, in welcher Situation Sie heute sind. Daher ist es wichtig hier etwas zu unterteilen.

a.) die freiwillig GKV Versicherten (mehr …)

23.
Mai '12

Beitragsentwicklungen in der PKV und Beitragsgarantien als (vermeintliches) Marketinginstrument


In der privaten Krankenversicherung überbieten sich die Gesellschaften momentan nahezu mit Beitragsgarantien und Versprechnungen über Stabilität. So gaben und geben die Unternehmen Garantien heraus, das bestimmte Tarife bis 2014 nicht angepasst werden. Um zu verstehen, welchen Hintergrund das hat und was es final bedeutet, erst einmal einige Fragen, die zu klären sind.

Wie werden die Beiträge in der PKV kalkuliert?

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung werden, anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) anhand individueller Faktoren kalkuliert (nachzulesen im Detail in meinem Leitfaden zur PKV). So sind die Beiträge zunächst vom Eintrittsalter, dem Geschlecht (nur noch bis Ende des Jahres 2012), dem Leistungsumfang und dem individuellen Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss abhängig.

Warum werden Beiträge in der PKV angepasst?

Entwickeln sich nun die tatsächlichen Kosten in dem Tarif anders, als die erwarteten/ kalkulierten Kosten, so entsteht eine Unterdeckung. Das würde bedeuten, dass der Versicherer die Leistungen nicht mehr dauerhaft garantieren und erbringen kann, daher erhöht dieser nun die Beiträge. Ein anderer Grund liegt in der steigenden Lebenserwartung. Ging der Aktuar bei Kalkulation des Tarifs davon aus, das die Kunden voraussichtlich 80 Jahre alt werden und diese werden nun aber 85, so fehlen die Kosten für die letzten 5 Jahre auf der Ausgabenseite. Auch dieses führt zu einer nötigen Anpassung der Prämien, da der Versicherer die Leistungen lebenslang erbringen und garantieren muss. Nicht zuletzt spielen auch geänderte Rechtsprechung, neue gesetzliche Vorgaben, neue Honorare für Ärzte und dergleichen eine weitere Rolle. Jedoch kann ein Tarif auch bereits bei Beginn zu niedrig kalkuliert gewesen sein, auch dann ist eine Anpassung schnell erforderlich.

Wann darf der Versicherer überhaupt anpassen?

Die Vorgaben wann und wie anzupassen ist, sind genau definiert. Im §8b der Musterbedingungen heißt es dazu: (mehr …)

21.
Mai '12

Wenn der Versicherungsvertreter zu langsam vorliest- Urteil des OLG Stuttgart Az. 7 U 157/11


Wer in seinem Antrag auf Kranken-/ Berufsunfähigkeits- oder Lebensversicherung die Gesundheitsangaben falsch oder unvollständig beantwortet, der riskiert einen Rücktritt oder eine Anfechtung des Vertrages. (Mehr Infos zur Anzeigepflichtverletzung)

Mit einem aktuellen Urteil (Az. 7 U 157/ 11) hat das OLG Stuttgart am 19. 04. 2012 eine recht eigenwillige Entscheidung getroffen, die so auch nur bedingt nachvollziehbar ist. Bisher waren die Gerichte davon ausgegangen, dass der Kunde trotz der Tatsache, dass der Versicherungsvertreter die Fragen ausfüllte, diese prüfen muss.

Generelle Info: Welcher Vermittler macht was? Unterschied zwischen Versicherungs- Vertreter, Makler und Berater

Der Versicherungsvertreter ist dabei grundsätzlich „Auge und Ohr des Versicherers“, bedeutet also das all das, was er weiss und gesagt bekommt, auch dem Versicherer zugerechnet wird. Das ist auch verständlich, denn anders als der Makler vertritt ein Versicherungsvertreter die Interessen seiner Gesellschaft und nicht die des Kunden. So war in der Vergangenheit die Rechtsprechung einig darüber, welche Angaben wie zuzurechnen sind.

Erzählte ein Versicherter dem Vertreter Krankheiten und lies dieser diese weg oder verharmloste diese, so konnte der Versicherer nicht ohne weiteres zurücktreten und war dennoch an den Antrag gebunden. In dem Fall des Urteils war das nun etwas anders. Es wurden durch die Kundin Angaben nicht gemacht, welche zu einer Ablehnung geführt hätten. (mehr …)

18.
Mai '12

Beitragsgarantie der Allianz Private Krankenversicherung bis 2013


Auch die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) reiht sich in die Runde ein und garantiert für einige der Tarife bereits heute die Beiträge bis zum 31. 12. 2013. Die folgenden Tarife, welche derzeit verkaufsoffen sind, werden nicht angepasst bis zum 31. 12. 2013:

AktiMed Plus 90P, AktiMed Best S, AktiCare Spezial E für Männer
AktiMed Plus 90, AktiMed Plus 100, AM Best 90, Best S, ActiCare Spezial E für Frauen
AktiMed Plus 100 für Kinder und Jugendliche

Ärztetarife:

760, 761A, 761, 780, 780A, 2810, 2810A, 180 für Frauen
Männer nur in den Tarifen 761, 761A, 2810, 2810A, 180
Jugendliche und Kinder in den 761, 761A, 764, 2810, 2810A, 180

Krankentagegelder:

471 bis 4778 (außer 4706) bei Männern
624 bis 6278 (ohne 6206) bei Männern und Frauen
461, 641, 642 bei Männern
643, 6421, 644 bei Männern und Frauen

Zusatztarife:

721Zusatz, AOPKH01 bei allen Personen
729Zusatz, 729E Zusatz bei Männern
712Zusatz bei Männern und Frauen
AP bei Männern, Jugendlichen und Kindern
740Zusatz bei Frauen
742P und ZFN bei Männern und Frauen

Krankenhaustagegelder:

63 bei Frauen
915 bei Frauen, Kindern und Jugendlichen

Weiterhin bestehen Beitragsgarantien in geschlossenen Tarifen. Diese wurden teilweise nach Einführung der aktuellen AktiMedTarife geschlossen. Alle mit „0“ gekennzeichneten Tarife werden bis 31. 12. 2013 nicht angepasst. (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Weitere Informationen:

Beitragsgarantien anderer Gesellschaften

15.
Mai '12

Beschwerdestatistik der BaFin für die Private Krankenversicherung


Alle Jahre wieder erscheinen die Zahlen zur den eingereichten Beschwerden über die Unternehmen der privaten Krankenversicherung. Herausgeber ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin. Nun liegen die Zahlen für das Jahr 2011 vor und daher veröffentliche ich Ihnen diese hier gern in Form von Grafiken.

Bevor wir uns aber mit den eigentlichen zahlen auseinandersetzen schauen wir uns zunächst den Hintergrund von Beschwerden und somit die Aussagekraft solcher Zahlen an.

Welche Möglichkeiten zur Beschwerde hat der Versicherte?

Zuerst sollte immer das Unternehmen selbst kontaktiert werden. Sind Sie mit einer Leistungsablehnung oder einer Erstattung nicht einverstanden, so können Sie über den Berater oder auch direkt an das Unternehmen eine Beschwerde senden und um Änderung/ Zusage/ Klarstellung bitten. Eine solche Beschwerde sollte jedoch immer möglichst ausführlich sein, alle Fakten und Unterlagen beinhalten und den genauen Grund der Beschwerde darlegen. Nur mit vollständigen Informationen kann der zuständige Leistungssachbearbeiter eine weitergehende Entscheidung treffen.

Wer ist schuld an Beschwerden?

Die Frage ist bewusst etwas provokant, denn in manchen Fällen können die Unternehmen gar nichts für eine Beschwerde. Das passiert insbesondere dann, wenn bei dem Anschluß/ dem Verkaufsgespräch dem Interessenten nicht alle Fakten erklärt wurden oder- was viel schlimmer ist- falsche Informationen über den Leistungsumfang gegeben werden. Sop passiert es leider viel zu oft, dass der doch so „billige“ PKV Tarif als Luxusschutz verkauft wird, der er aber niemals ist. Gerade solche Fälle führen dann, beim Einreichen der ersten Rechnungen, zu bösen Überraschungen.

Leider kann der Versicherer hier gar nichts für, sondern der Berater/ Verkäufer hat hier einfach „Mist gebaut“. Dennoch tauchen auch solche „Beschwerden“ in Statistiken auf.

Andererseits sind auch Versicherer nicht ganz unschuldig an Beschwerden, denn oft sind Ablehnungen von Leistungen unberechtigt oder werden einfach nicht genau erklärt. Warum erfolgt die Ablehnung genau? Ist die Leistung nicht versichert, stimmt die Rechnung nicht, ist es nicht medizinisch notwenig?

Bei einigen Unternehmen besteht zudem ein Zusammenhang zwischen Vertriebsweg und Beschwerden. So soll es Unternehmen geben, die viel Geschäft über Strukturvertriebe bekommen, damit oftmals eine etwas dürftige Beratung verbunden war. Am Ende führt auch das zu Beschwerden, denn wer erzählt bekam er hätte jetzt (verglichen mit dem Auto) eine Luxuskarosse in der PKV, in Wirklichkeit aber nur einen Kleinwagen, der wird kaum zufrieden sein können. (zum Vergrößern einfach auf die Bilder klicken) (mehr …)