Archiv für April 2012

27.
April '12

Gemeinsam sind wir stark- die (wiedergewonnene) Einigkeit der PKV Unternehmen


In der Vergangenheit haben sich die Unternehmen im Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) ja nicht gerade mit Zusammenhalt gerühmt. Immer wieder gab es „Streitigkeiten“ zwischen den Unternehmen, der eine wollte nur noch Zusatzversicherungen, der andere stellte sich hinter das bisherige System.

Um so mehr freut es mich, dass sich die Unternehmen nun endlich auf ein gemeinsames Ziel besonnen haben und dieses auch zeigen. In zwei interessanten und gut gemachten Anzeigen demonstriert der Verband Geschlossenheit.

Gut gemacht, wie ich finde. Ob die Private Krankenversicherung für den Interessenten die richtige Wahl ist, das muss in einer ausführlichen Beratung geklärt werden. Dennoch ist es an der Zeit, einmal zu demonstrieren das man gemeinsam für die Sache steht.

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26.
April '12

Kann der Versicherer bei „Einheitsanträgen“ wie denen des AWD nicht mehr zurücktreten?


Die Antragstellung zur privaten Krankenversicherung ist (fast) überall gleich. Der Kunde sucht sich einen Tarif und einen Versicherer aus, dann schaut er sich das Antragsformular des Versicherers an und beantwortet die darin gestellten Fragen wahrheitsgemäß. Doch gerade wenn die Auswahl aufgrund gesundheitlicher Probleme oder der noch nicht feststehenden Tarifauswahl umfangreicher wird, so gibt es „Berater“ oder „Finanzoptimierer“ welche es dem Kunden möglichst einfach machen wollen. Dort wird dann nicht der Antrag des Versicherers genutzt, sondern ein so genannter Einheitsantrag.

Sind die Fragen eines solchen Antrages dann gar nicht die Fragen des Versicherers?

Mit genau dieser Frage hatte sich das Landgericht Dortmund zu beschäftigen. In dem Verfahren mit dem Aktenzeichen 2 O 144/11 entschied das Gericht am 24. 02. 2012 einen Fall, der sich wie folgt darstellte.

Im Jahre 2008 vermittelte der Berater des AWD (Ihr unabhängiger Finanzoptimierer) einen Antrag auf private Krankenversicherung für einen seiner Kunden. Bei dieser Antragstellung wurde nicht das Originalformular des Versicherers verwandt, sondern ein Antragsformular des AWD. Dieses war schon daran zu erkennen, dass es auf der Vorderseite zwar die Aufschrift „Antrag auf Krankenversicherung“ trug, jedoch unten auf der Seite das Logo des AWD’s abgebildet war. Ein Logo des Versicherers war dort nicht vorhanden. Laut Impressum auf der Homepage, ist der AWD ein Versicherungsmakler, welcher rechtlich gesehen auf der Seite des Kunden steht.

Es kommt wie es kommen musste, im weiteren Verlauf des Vertrages wurden dem Versicherer Krankheiten und Umstände bekannt, die ihm nicht bei Antragstellung angegeben worden waren. Der Kunde hatte diese „Bagatellerkrankungen“ dem Berater gegenüber angezeigt, welche aber nicht detaillierter in das Antragsformular aufgenommen wurden. Der Versicherer erklärte nun den Rücktritt wegen der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht, im weiteren Prozessverlauf zu dem die Anfechtung.

Die Auffassung und das Urteil des Gerichts:

Erstaunlich ist nun aber die Auffassung, welche das Landgericht Dortmund im Prozess vertritt. Der Rücktritt des Versicherers stützt sich auf die rechtlichen Grundlagen des Paragraphen 19 VVG, welche die Angabepflicht und die Folgen einer solchen Verletzung regelt. Im Paragraph 19 heißt es dabei:

(1) Der Versicherungsnehmer hat bis zur Abgabe seiner Vertragserklärung die ihm bekannten Gefahrumstände, die für den Entschluss des Versicherers, den Vertrag mit dem vereinbarten Inhalt zu schließen, erheblich sind und nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat, dem Versicherer anzuzeigen.

Die Richter gehen nun aber davon aus, dass in diesem speziellen Fall nicht der Versicherer, sondern der AWD mit seinem Antragsformular den Kunden Fragen gestellt hat. Da der Versicherer nichts gefragt hat, konnte der Kunde auch keine falschen Angaben machen. Wenn eine solche Verletzung der Anzeigepflicht daher gar nicht möglich ist, solange nur Einheitsanträge verwendet werden, während dem Betrug „Tür und Tor“ geöffnet. Das würde ja wiederum bedeuten, dass diese Einheitsanträge entweder vom Markt verschwinden würden, oder der Versicherer solche gar nicht mehr annehmen kann. Denn der Kunde könnte beliebige Angaben machen, oder eben beliebige Angaben weglassen, ohne dass es weitergehende Folgen hätte.

Auf einen weiteren Punkt weisen die Richter in ihrer Betrachtung noch hin. Eine Belehrung was denn genau passiert, falls die Angaben falsch gemacht werden, erfolgte auch nur durch den Makler und nicht durch den Versicherer. Schon allein deshalb sei ein Rücktritt ausgeschlossen.

Auch eine Anfechtung des Vertrages nach Paragraph 22 VVG habe keinen Erfolg, so die Richter weiter. Eine solche Anfechtung sei nur dann möglich, wenn der Umstand einerseits offensichtlich gefahrerheblich, andererseits aber so selten und fern liegend ist, dass es dem Versicherer nicht vorzuwerfen ist wenn er danach nicht gefragt habe. Als Beispiele für solche Punkte führen die Richter an:  die Absicht des Versicherten eine Straftat oder einen Selbstmord zu begehen.

Ich persönlich bin sehr gespannt, wie sich die Rechtsprechung in dieser Form weiter entwickeln wird. Auch in der Vergangenheit gab es bereits ein ähnliches Urteil des OLG Hamm (20 U 38/10), welches bereits damals stark kritisiert wurde. Für die Versicherer würde das bedeuten, dass man jeden dieser Einheitsanträge von Vertriebenen durch eigene Fragebögen ersetzen müsste, und die Fragen neu stellen, aber auch die Belehrung der Anzeigepflicht neu durchführen müsste.

Weitere Informationen:

Urteil LG Dortmund zum Rücktritt bei AWD Einheitsantrag zur PKV, Az. 2 O 144/11

Auswahlkriterien der PKV

Anzeigepflichtverletzung in der PKV

23.
April '12

Barmenia mit weiterer Beitragsgarantie bis Ende 2013


Ich muss zugeben, bei der Bekanntgabe der letzten Beitragsgarantie der Barmenia Krankenversicherung war ich etwas skeptisch. Wie bereits im Beitrag geschrieben, ist bei solchen Bekanntgaben auch immer das Marketing ein wichtiger Fakt. (Barmenia mit Beitragsgarantie für easyflex plus Tarife)

Nun hat die Barmenia ihre Garantie erweitert und verspricht nicht nur bis 31. 12. 2012, sondern ein weiteres Jahr keine Beitragsanpassung vorzunehmen. Genauer geht es um die folgenden Tarife, welche bis 31. 12. 2013 stabil bleiben, so sie bis 20. 12. 2012 abgeschlossen werden:

easyflex start+ und clinic+ für Männer und Frauen

easy flex comfort+ und dent+ für Männer (Frauen werden noch überprüft)

VC3 und VCH3 für Männer und Frauen in allen SB Stufen

VC2, VCN2., VCH 2 für Männer

VCNW für Männer, Frauen zusätzlich VC1Z und VC1ZW

VA 01 – 05, VA 70 – 100, VS 300, VS 200 / 201, VD 80 / 100 für Männer und Frauen, Männer zusätzlich VS 100 / 101

EB, TB (3-364) für Männer und Frauen, WS für Männer

für Ärzte: 

VHV 1, VHV 2, VHV 3, VZK VZK

MA, MS 1 / 2 / 3 für Männer und Frauen, MZ für Männer

Beihilfeberechtigte/ Beamte:

VB 1 / 2 / 3, VA 20 – 60, VS 120 – 280,

VS 320 – 380, VE, VEN, VZN für Männer und Frauen

Männer zusätzlich VD 20 – 70 und VEL

Die Garantie gilt daher mehr als anderthalb Jahre und lässt zumindest eine kurzfristige Planung zu. Was genau danach kommt, das ist weder bei der Barmenia noch bei anderen Unternehmen planbar.

Weitere Informationen:

Finanznews, 3/2009, Tarifanalyse Barmenia easyflex

Barmenia Krankenversicherung mit neuen Musterbedingungen (MB KK) in der Fassung TB/KK 11)

Auswahlkriterien für die passende PKV

20.
April '12

Was ändert sich beim Arztbesuch nach dem Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV)


Da sich die Fragen zur Abwicklung von Arztrechnungen und der Änderung der Abwicklung beim Arzt in letzter Zeit häufen, versuche ich mal hier eine kleine Zusammenfassung zu geben, was nach dem Wechsel zur privaten Krankenversicherung (PKV) zu beachten ist. Auf meiner Internetseite finden Sie in dem Bereich „Private Krankenversicherung“ und der unter Rubrik „Nach dem Abschluss“ bereits einige wichtige Informationen dazu.

Bei vielen Versicherten stellt sich die Frage, ob Sie Ihrem Arzt vor ab eine Information geben sollen oder müssen, dass sie nun privat versichert sind.  

Das müssen Sie jedoch nicht, nur bei der nächsten Behandlung sollten Sie den Arzt auf diesen Umstand hinweisen. Der Grund liegt auf der Hand. Der Arzt wird nun eine Rechnung nach den Vorschriften der Gebührenordnung erstellen, und ihnen diese zusenden. Das passiert bei einigen Ärzten einige Tage nach der Behandlung, bei anderen wiederum erst zum Monats-oder Quartalsende. Die Rechnung die sie dann vom Arzt erhalten, können Sie entweder direkt bezahlen oder aber auch zur Erstattung erst an den Versicherer senden. Aufgrund des normalerweise üblichen Zahlungsziel von 30 Tagen, haben Sie somit ihre Erstattung auf dem Konto bevor Sie diese an den Arzt überweisen müssen. In vielen Fällen macht es jedoch sind, die Rechnung zunächst einmal selbst zu bezahlen, um gegebenenfalls eine Beitragsrückerstattung zu erhalten oder einen im Tarif enthaltenen Bonus nicht zu verlieren.

Macht der Arzt jetzt mehr Behandlungen als vorher?

Natürlich sollte der Arzt nicht plötzlich, nur weil sie jetzt privat krankenversichert sind, alle möglichen Untersuchungen machen. Jedoch passiert es leider oft, dass Ärzte „überbehandeln“, schließlich kann man es ja nun abbrechen. Wenn Sie so ein Gefühl beschleicht, dann sprechen Sie den Arzt ruhig direkt darauf an, und hinterfragen auch einmal eine angedachte Untersuchung.
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18.
April '12

Krankenversicherer möchte beim Krankenhaus anfragen – Fragen zur medizinischen Notwendigkeit und der Verweildauer – darf er das und was soll ich tun?


Spricht man mit Menschen über ihre Versicherungen, so hört man oft die Aussage „Ich bin eigentlich mit der XYZ Versicherung“ zufrieden. Frage ich dann weiter, was denn bereits eingereicht wurde und wie die Abwicklung konkret aussah, so kommt in der Privaten Krankenversicherung (PKV) oft die Aussage „nichts, bin doch gesund“.

Wie gut, schlecht oder eben passend eine private Krankenversicherung (PKV) tatsächlich ist, zeigt sich oft erst im Leistungfall. Anhand eines konkreten Beispiels hier mal eine Erklärung zur Abwicklung der stationären Behandlungskosten.

Im Bereich der ambulanten Behandlung rechnet der Arzt nach der Gebührenordnung für Ärzte (diese regelt sowohl die Höhe der Abrechnung, als auch die berechenbaren Positionen) ab und muss sich an die Vorgaben halten. In der stationären Versorgung sieht die Abrechnung etwas anders aus. Die Rechnungen dort werden unterteilt nach der Leistung, welche das Krankenhaus abrechnet (für die Unterbringung, Verpflegung, und weitere Krankenhausleistungen) und den Leistungen die gegebenenfalls der (Wahl-) Arzt dem Patienten in Rechnung stellt.

Die Rechnungen des Krankenhauses unterliegen ebenfalls eine Abrechnungsvorschrift, den so genannten DRG (Diagnostik Related Groups, vereinfacht: Fallpauschalen). Diese Abrechnung ist kompliziert und für den Laien nicht nachvollziehbar. Um also zu beurteilen welcher Betrag für eine Krankenhausbehandlung berechtigt ist, sind viele verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Schauen wir uns hierzu ein Beispiel an:

Ein Versicherter wird mit einem Blinddarmdurchbruch stationär im Krankenhaus aufgenommen. Für diese Behandlung des Blinddarmdurchbruchs gibt es eine so genannte „Fallpauschale“, welche die Höhe der Vergütung des Krankenhauses festlegt. Liegen neben dieser Hauptdiagnose noch weitere Nebendiagnosen, Erschwernisse, und patientenbezogene Faktoren (dazu zählen unter anderem das Alter, Geschlecht, Risikofaktoren) vor, so erhöht sich der Betrag den des Krankenhaus vom Patienten/der Krankenversicherung bekommt.  Die Erklärung hierfür ist auch nachvollziehbar. Erfordert doch ein älterer Patient, oder ein Patient mit weiteren Vorerkrankungen einen deutlich erhöhten Pflegeaufwand, als ein gesunder und junger Patient. Mit diesem neben Diagnosen und persönlichen Faktoren wird somit der Mehraufwand des Krankenhauses honoriert. (mehr …)