Archiv für Februar 2012

27.
Februar '12

Neuerungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung der Alten Leipziger- für Neu- und Bestandskunden


Die Alte Leipziger Lebensversicherung hat die Bedingungsaussagen in der Berufsunfähigkeits- und Berufsunfähigkeitszusatzversicherung zum Jahresanfang angepasst und damit einen Schritt in Richtung Klarstellung getan. Einige Punkte in den Bedingungen, die sich im Laufe der Zeit durch Rechtsprechung oder Änderung des Marktes verändert haben, wurden nun in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen eingearbeitet. Folgende Punkte wurden verändert:

Der (mehr als altersentsprechende) Kräfteverfall

Am Markt gibt es zwei unterschiedliche Regelungen, wobei jeder Versicherer die seine für die beste Hält. Das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) hat im §172 die Berufsunfähigkeit definiert als:

„Berufsunfähig ist, (…) infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise (…)“

Dabei ist die große Frage: Was ist denn eigentlich „altersentsprechend“ und was ist mehr als das? Diesen Zusatz „altersentsprechend“ hat die Alte Leipziger in den Bedingungen nicht, ein Kräfteverfall allein ist also ausreichend. Anscheinend hat diese Formulierung doch zu Verunsicherungen geführt, was die AL dazu bewegt hat, die Bedingungsaussage klarzustellen. Nun wird die Aussage ergänzt und es wird klar, das also bei altersentsprechendem, wie auch bei mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall geleistet wird.

Liegt ein Kräfteverfall im vorstehenden Sinne vor, leisten wir sowohl bei altersentsprechendem als auch bei mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall. (neue Aussage ab 2012, AVB Alte Leipziger, BU und BUZ)

Klarer kann man die Aussage nun sicher nicht noch fassen. So sollte auch allen Versicherten, Beratern und Ratingunternehmen klar sein, dass hier eine Leistung in beiden Fällen erbracht wird.

Weiterhin ergibt sich bei der so genannten Infektionsklausel eine Änderung. Eine solche Klausel sorgt bei Medizinern und Zahnmedizinern dafür, dass auch dann eine Leisung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung gezahlt wird, wenn diese wegen einer Infektionskrankheit (zum Beispiel Hepatitis, HIV) zwar noch arbeiten könnten (mit entsprechenden Hygienemaßnahmen), aber seitens der Behörden nicht arbeiten dürfen. Ein solches Berufsverbot ist bei Ärzten durchaus möglich und führt aufgrund der Erkrankung dann natürlich zu einem Einkommensverlust. Berufsunfähig ist der Arzt aber damit generell noch nicht, mit dieser Klausel schon. Die Alte Leipziger dehnt diese Klausel nun weiter aus und schließt diese auch für Studenten der Human- und Zahnmedizin ein. Dazu wird die Formulierung unter Punkt 2.1. der AVB verändert und lautet:

„Bei Human- und Zahnmedizinern sowie bei Studenten der Human- und Zahnmedizin liegt vollständige Berufsunfähigkeit auch dann vor, wenn eine Rechtsvorschrift oder eine behördliche Anordnung dem Versicherten verbietet, wegen einer Infektionsgefahr Patienten zu behandeln (vollständiges Tätigkeitsverbot) (…)“

Damit ist ein Student (Human-/ Zahnmedizin), der an Hepatitis erkrankt auch leistungsberechtigt in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Zu beachten sind hier die schon eingeführten Neuregelungen für Studenten bei der Alten Leipziger.
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24.
Februar '12

Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten wollen und können- eine langfristige Beziehung mit nötiger Planung


In den letzten Tagen und Wochen ist viel über die Private Krankenversicherung geschrieben worden. Da geht es um Anpassungen, Beitragssteigerungen und die (teilweise berechtigte) Angst vieler Versicherten, die Prämie im Alter nicht (mehr) bezahlen zu können. Der Artikel im Handelsblatt (Onlineausgabe am 22. 02. 2012) malt ein ähnliches düsteres Szenario auf.

Schaut man sich dazu die Kommentare von Versicherten an, so sind manche Zahlen mehr als erschreckend. Was mich an der medialen Berichterstattung momentan aber etwas stört ist die Tatsache, das es immer nur die „böse PKV“ ist, die hier „an den Pranger gestellt werden soll. Vielmehr sind es eine Reihe von Faktoren die bei der Entwicklung der Beiträge eine wichtige Rolle spielen und welche zum Teil auch durch „Gier“ des Kunden und/ oder Fehler in der Beratung entstehen.

Kann ich mit dem Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) Geld sparen?

Ganz klare Aussage: NEIN

Warum das so ist, hat viele Gründe. Der Wechsel in eine private Krankenversicherung ist nicht geeignet um (langfristig) Geld zu sparen. Die Private Krankenversicherung hat sicherlich eine Reihe von Tarifen, welche mit der Maßgabe verkauft werden „da sparen Sie ja noch was“. Das ist aber langfristig gesehen ein Trugschluss und hier liegt der Fehler leider sowohl bei den Versicherern (mit der Aufmachung von Prospekten, Werbeflyern etc.), als auch bei den Beratern welche genau mit diesen Argumenten ihre Produkte verkaufen. Rein wirtschaftlich ist es jedoch Unsinn. Es ist auch paradox mehr Leistung, höhere Honorare für die Leistungserbringer und weitere Kostenfaktoren in einem Produkt zu vereinen und dennoch geringere Beiträge zu zahlen. Auch wenn ein „Einstiegsschutz“, „Billigtarif“ oder ähnliches gewählt wurde, so liegen gerade hier noch andere, deutlich höhere Kostenrisiken.
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22.
Februar '12

Jetzt aber: Änderungen in den Bedingungen der Gothaer Krankenversicherung zu der Hilfsmittelversorgung


Die Gothaer Krankenversicherung hatte sich ja seinerzeit nicht mit Rum bekleckert, als diese das Prospekt zur „Gothaer Hilfsmittelgarantie“ herausgaben. Seitdem hat diese Art- und Weise bekanntlich für einigen Wirbel im Markt der Krankenversicherungen gesorgt, auch deswegen, weil diesen Blogbeitrag tausende Kunden und Vermittler lasen.

Nun, etwas mehr als 1,5 Jahre danach, gibt es zum September 2012 eine Änderung für das Neugeschäft und die Bestandskunden. Dabei werden die Hilfsmittel aus der damaligen „Garantie die keine war“ nun in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen integriert und somit rechtsverbindlicher Bestandteil. Somit ist es nicht „wir können wenn wir wollen“ sondern ein verbindlicher und einklagbarer Anspruch. In der Vorabinformation heißt es dazu:

„Heute haben wir die erfreuliche Nachricht für Sie, dass wir das Hilfsmittelverzeichnis zum 1. September 2012 in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Gothaer Krankenversicherung (MB/KK 2009, AB/KK 2010, AB/KK 2009 und AB/KK 2009 Unfall) aufnehmen. Somit ist die Leistung der genannten Hilfsmittel sowohl für das Neugeschäft als auch für den Bestand dokumentiert und wir schaffen somit noch mehr Transparenz für Sie und Ihre Kunden! Den Bestand werden wir hierüber zeitnah informieren.“

Für die Versicherten bedeutet dieses, dass Leistungen aus dem Hilfsmittelverzeichnis nun in den allgemeinen Versicherungsbedingungen nachzulesen und rechtsverbindlich sind. Ein Bedarf einen solchen Hilfsmittels ist nun nicht mehr davon abhängig, ob der zuständige Sachbearbeiter das genehmigt oder nicht, sondern ob es in den Bedingungen steht. Dabei spielt natürlich weiterhin die Tatsache der medizinischen Notwenigkeit eine Rolle. Wie auch bei anderen Unternehmen und Tarifen muss eine entsprechende Versorgung medizinisch notwenig sein, bevor ein Versicherer die Leistungen erbringt/ erbringen muss.

Zukünftig werden somit folgende Hilfsmittel in die Bedingungen Einklang finden:

Lebenserhaltende und- überwachende Hilfsmittel

Pulsoxymeter, Sauerstoffgeräte (Sauerstoffkonzentratoren,Druck- und Flüssiggassysteme), Baby- Überwachungmonitore (Herz-/Atem-/Sauerstoffsättigungsüberwachung), Heimdialyse- und Beatmungsgeräte,Enterale Ernährung (Ernährungspumpen, Überleitsysteme,Nahrung).

Hilfsmittel für Kinder

Kindergehwagen (also auch so etwas wie die Central hier berechtigt abgelehnt hat), Reha-Karren/-Buggys, Sitzschalen/-systeme, Therapiestühle, behindertengerechte Zurüstungen für Drei-/-Fahrräder, Spezial-Autokindersitze, soweit diese mit Mehrkosten gegenüber handelsüblichem Autokindersitz verbunden sind.

Schlafapnoetherapie- und intermittierende Beatmungsgeräte

CPAP-, CPAP-Spezial-, BiLEVEL-Systeme

Messgeräte: Blutdruck-/Blutzucker-/Blutgerinnungs-Messgeräte mit Zubehör.

Infusionshilfen: Spritzen, Pens, Insulinpumpen, Infusionspumpen .

Absauggeräte: Sekret-Absauggeräte, Milchpumpen

Inhalationshilfen: Inhalationshilfen und –geräte
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20.
Februar '12

Mein Arzt sagt: Der Versicherer soll bei mir anfragen, wenn er Unterlagen haben will


Bei der Antragstellung zur Privaten Krankenversicherung oder auch einer Berufsunfähigkeits- oder Pflegeergänzungsversicherung werden Gesundheitsfragen gestellt. Diese ermöglichen dem Versicherer eine korrekte und individuelle Risikoeinschätzung und sind damit für eine sachgerechte Prämie verantwortlich. Doch um als Patient und Antragsteller überhaupt die Gesundheitsfragen richtig und vollständig beantworten zu können, benötigt dieser meist selbst Unterlagen von seinen Ärzten.

Wo und wann man „ungefähr“ behandelt wurde, das bekommt der Antragsteller meist noch hin. Wenn es aber um genaue Diagnosen geht, dann ist es schon kompliziert. Wer weiss schon noch, was einem der Arzt vor 2, 5, 7 Jahren gesagt hat und vorallem was er genau geschrieben hat?

Wie komme ich an die Unterlagen?

Zunächst wenden Sie sich (wenn Sie einen haben) an den Hausarzt. Dort wird man eine Krankenakte von Ihnen haben, diese enthält nicht nur die Informationen zu weiteren Ärzten (wenn man Sie dorthin überwiesen hat, oder Sie nach einem Facharztbesuch zum Hausarzt zurück kamen), sondern auch meistens zu Krankenhausaufenthalten und weiteren Therapien. Nachdem Ihnen diese Unterlagen in Kopie vorliegen, können Sie dann diese Ärzte aufsuchen oder anschreiben und auch hier um eine Auskunft der Daten bitten. Oftmals erscheint dieses jedoch eher kompliziert als „schnell zu lösen“. Meist erhalten Patienten dann am Telefon oder schriftlich eine Aussage wie die folgende:

„Wenn die Versicherung was wissen will, dann sollen die bei mir schriftlich anfragen!“

Diese Aussage ist leider genau so falsch wie unsinnig. Doch um zu klären warum und wie es anders geht, zunächst einige Informationen zur Antragstellung bei Vorerkrankungen. Dabei muss unterschieden werden, ob ein Antrag gestellt, oder nur eine Voranfrage/ Ausschreibung gemacht wird. Bei einem Antrag beginnt der Versicherer die Rsisikoprüfung und kann die Ärzte anschreiben. Hierbei nutzt er die vorhandene Entbindung von der Schweigepflicht auf dem Antrag und übersendet diese an den Arzt.

Der Vorteil für den Arzt liegt auf der Hand. Er bekommt Geld für seine Auskunft und kann dieses der Versicherung in Rechnung stellen. Leider ist mit dem vermeintlichen Vorteil des Arztes ein entscheidender Nachteil für den Kunden verbunden. 1.) bekommt er die Unterlagen vorher nicht zu Gesicht und kann maximal im Nachhinein von der Versicherung eine Kopie erhalten. Das ist besonders bei unklaren Diagnosen oder falschen Abrechnungspunkten nicht nur ärgerlich, sondern zieht einen unberechtigten Risikozuschlag nach sich. Im schlimmsten Fall führt es zu einer Ablehnung, die auf falschen Tatsachen beruht. Diese Fakten wieder aus dem Weg zu räumen ist nicht nur aufwändig, meist auch extrem kompliziert.

2.) sollte aber gar kein Antrag gestellt werden. Ein Antrag welcher „mit Erschwerung“ angenommen wurde (wofür also ein Zuschlag angeboten wurde) oder der gar abgelehnt ist, ist bei dem neuen Versicherer anzugeben. Dieses macht die Antragstellung dort nicht gerade einfacher. Daher werden durch einen versierten Berater/ Makler zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Anträge gestellt. Es werden „nur“ Ausschreibungen gemacht und Voranfragen gestellt. Diese Voranfragen können teilweise anonym passieren, teilweise reichen Name und Geburtsmonat aus um eine Anfrage zu starten. Mit diesen Daten kann und will der Versicherer natürlich keine Arztanfragen machen. Zum einen kosten die Geld, welches der Versicherer bei einem Antrag schon, bei der Voranfrage aber nicht ausgeben will und zum anderen fehlt die Übersicht des Kunden.

Der Arzt will mir die Auskunft aber nicht direkt geben!

Leider passiert es viel zu häufig, das Ärzte die Auszüge aus der Krankenakte nicht direkt herausgeben wollen. Oftmals wird einfach darauf verwiesen, dass man es dem Versicherer direkt schicken könne, wenn der denn anfragt. Diese Aussage ist schlichtweg falsch und verstößt gegen die Berufsordnung der Ärzte. Die Bundesärztekammer, als zuständiges Aufsichtsorgan der Ärzte hat auf deren Internetseite die Berufsordnung veröffentlicht. In dem entsprechenden Paragraphen 10 heißt es dort:

§ 10 Dokumentationspflicht

(1) Ärztinnen und Ärzte haben über die in Ausübung ihres Berufes gemachten Feststellungen und getroffenen Maßnahmen die erforderlichen Aufzeichnungen zu machen. Diese sind nicht nur Gedächtnisstützen für die Ärztin oder den Arzt, sie dienen auch dem Interesse der Patientin oder des Patienten an einer ordnungsgemäßen Dokumentation.

(2) Ärztinnen und Ärzte haben Patientinnen und Patienten auf deren Verlangen grundsätzlich in die sie betreffenden Krankenunterlagen Einsicht zu gewähren; ausgenommen sind diejenigen Teile, welche subjektive Eindrücke oder Wahrnehmungen der Ärztin oder des Arztes enthalten. Auf Verlangen sind der Patientin oder dem Patienten Kopien der Unterlagen gegen Erstattung der Kosten herauszugeben.

Auch wenn der Arzt es gern anders hätte, die Unterlagen stehen Ihnen zu. Wenn Sie diese also nicht auf den ersten Anruf hin bekommen, so teilen Sie dem Arzt schriftlich mit, welche Unterlagen Sie benötigen. Der Hinweis auf die Berufsordnung sollte reichen, um an die entsprechenden Unterlagen zu kommen. Die Kosten für die Erstellung einer Kopie müssen Sie aber tragen, wenn der Arzt dieses möchte. Folgendes Schreiben an den Arzt können Sie verwenden:

Schreiben an den Arzt zur Auskunft aus der Krankenakte (ausfüllbar)

Aufbewahren muss der Arzt diese Unterlagen übrigens nur 10 Jahre. Die Regelung findet sich ebenfalls in der Berufsordnung unter Punkt 3 des Paragraphen 1o.

(3) Ärztliche Aufzeichnungen sind für die Dauer von zehn Jahren nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit nicht nach gesetzlichen Vorschriften eine längere Aufbewahrungspflicht besteht.

Auch bei einer Aufgabe der Praxis müssen diese Unterlagen aufbewahrt werden. In den meisten Fällen existiert ein Nachfolger. Wer das ist, erfahren Sie auch bei der Ärztekammer. Sollte sich der Arzt immer noch weigern, Ihnen die entsprechenden Unterlagen zukommen zu lassen, so wenden Sie sich einfach an die zuständige Ärztekammer. Diese ist erfahrungsgemäß sehr zügig und hilfsbereit, wenn es um die Einhaltung der Vorschriften geht. Jedoch ist es bei den meisten Ärzten zum Glück nicht nötig, sondern erfordert nur dieses eine Schreiben. Danach können Sie sich dann mit der Anfrage und der Tarifauswahl beschäftigen.

 

17.
Februar '12

Psychotherapie und die Private Krankenversicherung – abgebrochene Therapie besser als zu Ende geführte?


 

Die Psychotherapie ist für viele Private Krankenversicherungen (PKV) nach wie vor ein „rotes Tuch“. Kunden mit einer solchen Behandlung in der Krankengeschichte werden nicht selten ohne weitere Prüfung abgelehnt. Auch wenn einige Gesellschaften mittlerweile die Antragsfragen geändert haben und somit ihre Abfragezeiträume von teilweise 10 auf 5 oder gar 3 Jahre reduziert haben, immer noch ist eine durchgeführte Therapie in diesem Zeitraum ein k.o. Kriterium.

Warum führt Psychotherapie so häufig zur Ablehnung?

Der Grund der Ablehnung bei den meisten Unternehmen ist gar nicht die Therapie selbst und deren Kosten, sondern das „Drum-Herum“. Gerade bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen liegen hier zum Teil deutlich höhere Kostenrisiken in der Diagnostik, als in der Behandlung selbst. Um das zu verdeutlichen, hier ein Beispiel aus dem eigenen Kundenkreis:

Ein Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei leidet seit einigen Monaten unter Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Unwohlsein. Nachdem er es mit den üblichen Hausmitteln allein versucht zu beheben, geht er nach 3 Wochen zu seinem Hausarzt und bittet um eine Untersuchung und Abklärung. Dieser beginnt mit der üblichen Untersuchung, nimmt Blut ab und beginnt mit einer weiterführenden Diagnostik. Nach weiteren 3 Wochen ergibt sich immer noch kein organischer Befund, aber auch keine Änderung der Beschwerden. Es werden wegen der Bauschmerzen ein MRT (Magnetresonaztomographie) des Bauches angeordnet, verbunden mit der Gabe seinen Kontrastmittels und im weiteren Verlauf noch ein CT (Computertomogramm). Auch diese bringen nur unauffällige Befunde und keine Änderung der Beschwerden. Nach weiteren Untersuchungen und Blutabnahmen vermutet der Arzt eine Überlastung durch den Aufbau der eigenen Kanzlei der letzten Jahre und der starken Arbeitsbelastung und schlägt eine begleitende Psychotherapie vor. Diese soll zunächst auf 20 Sitzungen begrenzt sein.

Die Kosten: 

Für die Untersuchungen beim Hausarzt sind insgesamt über 6 Wochen knappe 450 EUR entstanden, dazu etwa 350 EUR für Labore und die Erstellung von Blutwerten. Das MRT und CT schlugen insgesamt mit knappen 900 EUR zu buche. Die Psychotherapiekosten betrugen pro Sitzung knappe 100 EUR (max. also 2.000 EUR für die geplanten Sitzungen).

Nach den ersten 5 Sitzungen beendete der Kunde seine Therapie, da er nun „wisse mit sich umzugehen und erkenne, wo seine Grenzen sind“. Er teile sich seine Zeit besser ein, kann abends besser abschalten und brauchte einfach nur mal „ein paar Tipps“, wie er selber sagt.

Die Gesamtkosten lagen also hier bei 2.200 EUR. Für einen privaten Krankenversicherer doch gar keine so großen Summen, sollte man meinen.

Doch warum lehnen dann die meisten Unternehmen solche Kunden dennoch schnell ab?

Der Grund ist das „individuelle Risiko“. Kunden die schon einmal eine solche Therapie gemacht haben oder psychosomatische Beschwerden haben, neigen aus versicherungsmedizinischer Sicht oft dazu, dieses auch wieder einmal in Anspruch zu nehmen. In meinem geschilderten Fall war es nach 2 Jahren so. Der damals nicht versicherte Kunden war durch den Weggang einer Mitarbeiterin der Kanzlei nun plötzlich in alte Muster zurückgefallen. Nur waren es diesmal nicht die Magenschmerzen, sondern er bekam undefinierbare rote Flecken auf der Haut. Auch hier erfolgte weitere Abklärung und umfangreiche Diagnostik und eine anschließende, diesmal aber 25 Sitzungen lange, Therapie zur Bewältigung von Stress. Im Nachhinein betrachtet hat der Versicherer mit der damaligen Ablehnung genau das richtige getan, er hat in seinem Kundenbestand Leistungen vermieden, indem er „erhöhte Risiken“ nicht aufgenommen hat.

Gibt es Unterschiede bei unterschiedlichen Ursachen der Therapie?

Ja, ganz deutliche sogar. Nimmt ein Antragsteller die Hilfe von Psychologen oder Psychotherapeuten in Anspruch, weil sich ein extremes Ereignis in seinem Leben zugetragen hat, so ist die Bewertung aus Sicht der Versicherung meist deutlich positiver. Wer also nach einer Scheidung, nach dem Tod naher Angehöriger oder gar als Opfer einer Gewaltstraftat den Weg zum Psychologen gesucht hat, der hat genau das richtige getan. Nicht das Verkriechen und das „ach ich komm schon damit zurecht“, sondern der Weg sich professionelle Hilfe zu holen wird hier seitens der Risikoprüfer als positives Signal bewertet.
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