Archiv für August 2011

31.
August '11

Was kostet denn die Beratung zur Privaten Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeitsabsicherung?


Eine durchaus häufig gestellte Frage. Das freut mich aus mehreren Gründen. Zum einen ist der Wert einer umfangreichen Beratung mittlerweile anerkannt, zum anderen machen sich- zumindest die die bei mir (an-)fragen Gedanken wer diese Beratung bezahlt und ob diese neutral ist.

Bei der Beratung zur Privaten Krankenversicherung muss zunächst unterschieden werden, ob es sich um eine Beratung handelt, die einen Vertragsabschluss zur Folge haben soll/ zur Folge hat, oder eine Umstellung. Diese Tarifumstellungen nach §204 VVG sind dabei anders zu betrachten. Leider honorieren die Versicherer eine solche Beratung nicht, so dass hier ein Honorar zu vereinbaren ist.

Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV)

Hierbei wird die Beratungsleistung von dem Versicherer honoriert. Dieser zahlt Versicherungsmaklern eine Courtage, die sich in zwei Teile gliedert. Einmal die Abschlußcourtage und zum Anderen eine Betreuungscourtage. Dabei ist es (leider) immer noch so, dass der Abschlußaufwand höher bezahlt wird, als die Betreuung.

Oftmals kommt dann durchaus der Vorschlag von den Interessenten: „Die Beratung zahle ich Ihnen gern selbst, dann wird es bestimmt neutraler.“

Ich persönlich kann für meine Beratung behaupten, dem ist nicht so. Die Erklärung liegt nahe und kann einfach erklärt werden. Die Beratung zur Privaten Krankenversicherung sollte eine nachvollziehbare Beratung sein, diese kann an objektiven und belegbaren Kriterien festgemacht werden. Daher kann der Interessent genau sehen, warum ein Tarif empfohlen wurde oder ein anderer eben eher nicht. Warum bestimmte Tarife nicht empfohlen werden oder nicht zu dem Interessenten passen sieht dieser auch an den Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung und weiter an den Versicherungsbedingungen und deren Aussagen.

In der Analyse sind auch die Tarife enthalten, welche ja angeblich nicht von Maklern angeboten werden, da diese keine Courtage zahlen. Versicherer wie Debeka oder HUK Coburg behaupten dieses ja oftmals und glauben daher von den Maklern nicht berücksichtigt zu werden. Meine Kunden wissen das besser, aber gern fragen Sie einen dieser.

Auch kann es durchaus passieren, das jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht wechseln kann oder das ein Wechsel aus anderen Gründen nicht sinnvoll ist. Das können berufliche, private oder sonstige Gründe sein. Nicht jeder passt in die Private Krankenversicherung, einige sind in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) besser aufgehoben, obwohl Sie wechseln könnten.

Und noch eins: Wenn ich mit einem Interessenten oder auch bereits PKV Versicherten spreche und einige Zeit telefoniere und diesen berate, so ruiniert mich das auch dann nicht, wenn es keinen Abschluss gibt. Viele meiner Blogbeiträge entstanden aus solchen Anfragen und die „Gegenleistung“ für einen Tipp oder Hilfe bei dem Umgang mit der eigenen Versicherung war oftmals „schicken Sie mir ihre doch Unterlagen, ich schreib mal was dazu“

Dazu kommt noch ein anderer Punkt: Würde ich eine solche Beratung gegen Honorar anbieten, so hielte ich diese für unfair. Unfair deshalb, da es in der Privaten Krankenversicherung keine Honorartarife gibt. In den Tarifen sind daher immer Kosten für die Beratung, den Vertrieb und die Abwicklung enthalten. Ich halte es für nicht fair, den Kunden diese Kosten zweimal zahlen zu lassen.

Bei einer Beratung zum Tarifwechsel ist das etwas anders. Gerade Kunden die sehr lange bei einem Versicherer sind und aus gesundheitlichen, persönlichen oder sonstigen Gründen den Versicherer nicht mehr verlassen können oder sollten suchen oft Beratung für einen Tarifwechsel. Gesellschaften sträuben sich oft und geben die gewünschten Informationen nur sehr zögerlich heraus. Hier muss die Vergütung über ein Honorar erfolgen. Dieses wird immer vorher vereinbart und ist damit kalkulierbar. Auch hier ist der Versicherte vor Überraschungen sicher.

Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder Altersvorsorge

Hier bieten sich bei einigen Unternehmen auch andere Möglichkeiten an. Neben der Beratung wie in der Privaten Krankenversicherung gibt es hier so genannte Nettotarife. Dabei handelt es sich um Tarife, welche ohne Abschluss- und Vertriebskosten kalkuliert sind. Diese muss der Kunde dann selbst an den Berater zahlen.

Dennoch kann sich das langfristig rechnen. Gerade bei Verträgen mit hohen Investitionssummen (wie in der Altersvorsorge üblich) macht es unter Umständen Sinn, die Abschluss- und Beratungskosten selbst zu zahlen und mehr von dem monatlichen Betrag zu investieren. Das kann (!) sich langfristig rechnen. Hier spielen Sie am besten mit Ihrem Berater verschiedene Modelle durch und entscheiden danach gemeinsam, welche die beste ist.

Für die Abrechnung der Beratungskosten gibt es grundsätzlich keine feste Regel. Je nachdem wie lang diese Beratung dauert, welcher Aufwand für Recherche und Beratung betrieben werden muss, unterscheiden sich die Kosten.

GENERELL GILT:

Weder die Beratung mit Courtagezahlung an den Makler, noch die gegen Honorar sind besser oder schlechter. Entscheiden ist das Vertrauensverhältnis zu Ihrem Spezialisten und Berater. Berät dieser Sie transparent und nachvollziehbar, so wird es keinen Unterschied machen, ob er von Ihnen oder der Gesellschaft bezahlt wird. Haben Sie aber das Gefühl, bestimmte Produkte oder Gesellschaften werden von Beginn an bevorzugt oder kommen Aussagen wie „nur die XXX oder Tarife XYZ ist gut“, dann sollten Sie vorsichtig sein.

Und noch ein Punkt ist wichtig. Allein aus der rechtlichen Verpflichtung heraus steht der Makler auf Ihrer Seite. Anders als ein Vertreter, Mehrfachagent oder gar der Angestellte des Versicherers ist der Makler allein Ihnen gegenüber verpflichtet.

Mehr Informationen zu den Unterschieden habe ich Ihnen im folgenden Beitrag bereits ausführlich beschrieben:

Wie finde ich den passenden Makler, Berater, Vertreter und woran erkenne ich diesen?

29.
August '11

Central Krankenversicherung vor radikalen Veränderungen – was passiert mit den Versicherten?


Ein Bericht der Financial Times vom gestrigen Sonntag sorgte durchaus für einigen Gesprächsstoff. Der Redakteur Fromme schrieb dort von gravierenden Veränderungen innerhalb der Central Krankenversicherung.

Bei dem Unternehmen handelt es sich um den, zum Generali Konzern gehörenden Krankenversicherer. Die Central hatte in der Vergangenheit mehrfach für Aufsehen gesorgt. So berichtete ich bereits über die Tarifschließungen Anfang August und zweistelligen Beitragsanpassungen zum Jahreswechsel. Weiterhin musste der Versicherer eingestehen, das Konzept mit den Billigtarifen sei nicht wie geplant aufgegangen. Daher zog das Kölner Unternehmen Konsequenzen und stellte in seinem, erst 2009 eingeführten VARIO Tarifwerk, die untere Tariflinie schnell wieder ein.

Die Berichte der Financial Times gehen nun noch einen Schritt weiter, sind aber noch nicht bestätigt. Demnach plant das Unternehmen die Einstellung des eigenen Außendienstes, die Reduzierung des Maklervertriebes und weitere radikale Veränderungen im Vorstand.

Vorstandschef Teuscher sagte, dass die Auflösung des eigenen Vertriebs noch nicht beschlossen ist. „Wir prüfen die Einstellung des Außendienstes und die Möglichkeit, dass sich die Vermittler für andere Vertriebswege entscheiden können„, sagte er der FTD. Beim Maklervertrieb, der von rund 70 Mitarbeitern betreut wird, sei kein kompletter Verzicht geplant, sagte er. „Doch hier erwarten wir einen scharfen Rückgang im Geschäft.“ Deshalb müssten Kapazitäten angepasst werden. (Quelle: FTD.de vom 28.8.11)

Auch für bereits dort versicherte Kunden kann sich vor diesem Hintergrund ein Handlungsbedarf ergeben. Das bedeutet zwar nicht, dass nun alle dort versicherten PKV Kunden das Unternehmen schnell verlassen müssen, dennoch sollten sich die Versicherten die neue Situation bewusst machen.

Es hat sich binnen der letzten 2 Jahre (nach Tarifeinführung des Vario Tarifs im Juni 2009) viel getan, nicht unbedingt zum Positiven. Nur weil Tarife nicht wie gewünscht wachsen bedeutet zwar keine Explosion der Beiträge, aber die veränderte Strategie kann durchaus Auswirkungen auf die Bestände haben.

Was sollten Central Versicherte nun tun?

Wenn Sie bei der Central Krankenversicherung versichert sind, dabei ist es egal ob in den alten Tarifen (KN oder EKN, CV3H oder CVP, KEH oder in den neuen Vario Tarifen), überlegen Sie sich zunächst ob die Anforderungen an die gewünschte Private Krankenversicherung  noch passen und ggf. angepasst werden müssen.

Für die Auswahl finden Sie einige Hinweise in meinem Leitfaden zur Entscheidungsfindung zur Privaten Krankenversicherung und im Kriterienfragebogen zur PKV.

Nachdem Sie diese Kriterien für sich festgelegt und überprüft haben, setzen Sie sich mit Ihrem Berater zusammen und überlegen gemeinsam was zu tun ist. Treffen Sie keine übereilten Entscheidungen, bedenken aber bitte auch die Kündigungsfristen welche ggf. zu beachten sind.

Weitere Informationen:

Soll ich in den VARIO Tarif der Central wechseln?

Kündigungstermine in der Privaten Krankenversicheurng

Wechsel der Privaten Krankenversicherung für 2012

Nicht voreilig kündigen bei Beitragsanpassung

24.
August '11

Beitragsgarantien und Anpassungstendenzen der Bayrischen Beamtenkrankenkasse (BBKK) und der UNION Krankenversicherung für 2012


Die letzte Beitragsanpassung der Bayern ist noch gar nicht so lange her. Nachdem bisher fast immer im Frühjahr angepasst wurde, liegen nun Beitragstendenzen für die Tarife zum Jahreswechsel 2011/ 2012 vor. Dabei ergeben sich für einige Tarife so genannte Beitragsgarantien.

Folgende Tarife bleiben daher zum Jahreswechsel in den genannten Berufsgruppen ohne Anpassung:

Gesundheit PRIVAT 750 bei Männern und Frauen

Compact PRIVAT Plus für alle Gruppen

Compact PRIVAT Start A bei Männern und Frauemn

Compact PRIVAT Start 250 B bei allen Personen

Compact PRIVAT Optimal 250 A bei Männern und Frauen

Compact PRIVAT Optimal 250 B bei allen Personen

Compact PRIVAT Ortimal 600 A/B bei Männern

Compact PRIVAT/ S bei Frauen

Compact PRIVAT/ S Plus bei Frauen, Kindern und Jugendlichen

Die folgenden Tarife werden auch im Frühjahr 2012 nicht angepasst und bleiben nach Aussage des Versicherers stabil bis zum Ende 2012:

Compact PRIVAT Start 250 A / B für alle Personen

Compact PRIVAT Optimal 250 A / B für alle Personen

BaW PRIVAT und Baw ZAHN für Beamte

B../2, ZEB 20 bis ZEB 50 für Beamte

In den nun folgenden Tarifen, die sowohl unter der Marke der Bayrischen BeamtenKrankenkasse als auch der UNION Krankenversicherung vertrieben werden, finden zum Jahresanfang Anpassungen statt:

Gesundheit PRIVAT 300 bei allen Personen

Gesundheit PRIVAT Kompakt

Compact PRIVAT Start 900A bei Männern und Frauen, der PRIVAT 900 B zusätzlich auch bei Kindern und Jugendlichen

Compact PRIVAT 600 A bei Frauen, der 600 B auch zusätzlich bei Kindern

Compact OPTIMAL 1200 A bei Männern und Frauen und 1200 B bei allen Personen

Die Anpassungen selbst sind von der Höhe noch nicht bekannt. Diese werden vermutlich erst zum September bekannt gegeben und Bestands- wie Neukunden betreffen. Eine Beitragsanpassung ist jedoch kein Grund voreilig zu handeln. Vielmehr sollten Sie die Auswahlkriterien zu Ihrem Tarif hinterfragen und ständig im Auge behalten. Nur so können Sie beurteilen ob der Tarif noch zu Ihnen passt oder Handlungsbedarf besteht.

Weitere Informationen:

Beitragsanpassungen anderer Gesellschaften

Auswahlkriterien der PKV

22.
August '11

Hanse Merkur wird innovativ – Rechnungseinreichung in der PKV via iPhone


Die Tarife in der Krankenversicherung der Hanse Merkur würde ich nun nicht gerade als „Innovation“ bezeichnen. Zu viele Mitbewerber haben in den letzten Jahren Ihre Bedingungen klargestellt, neue Tarife an den Markt gebracht und Leistungen verbessert. Die Tarife der Hanse Merkur entsprechen eher dem Durchschnitt oder liegen sogar deutlich darunter.

Bei einer anderen Sache ist der Hamburger Versicherer jedoch innovativ. So erspart dieser seinen (iPhone und iPad) Kunden zukünftig die Einreichung der Rechnungen auf dem Postweg. Dafür wurde eigens eine iPhone App entwickelt. Diese konnte ich mit einem, durch die Presseabteilung eingerichteten, Testzugang ausprobieren. Dafür zunächst vielen Dank.

Die Hanse Merkur Rechnungs-App ist kostenfrei im Appstore von Apple zu laden und steht allen Vollversicherungskunden der Hanse Merkur zur Verfügung.

Welche Rechnungen können eingereicht werden?

Derzeit sind nicht alle Rechnungen über den neuenWeg abwickelbar. Zwingende Voraussetzung ist das Vorhandensein eines so genannten 2D Barcodes auf der Rechnung. Im Augenblick werden diese 2D Codes auf alle Rechnungen der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS) der Fall. Knapp 38.000 Ärzte nutzen diesen Service für die Abrechnung ihrer Leistungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine ambulante Arztrechnung oder die (wahl-)ärztliche Versorgung im Krankenhaus handelt.

Was muss ich als Kunde tun?

Zunächst startet der Kunde den Download der App aus dem AppStore (Downloadlink Rechnungsapp). Danach ist eine Registrierung nötig. Dabei werden neben dem Namen und Vornamen auch das Geburtsdatum und die Versicherungsnummer abgefragt. Wenige Minuten später erhält der Kunde die Freischaltungsinfo per Pushnachricht auf sein iPhone.

Wie reiche ich Rechnungen ein?

Nach der erfolgreichen Registrierung werden die 2D Barcodes der Rechnungen einfach fotografiert. Danach erfolgt die direkte Übertragung der Rechnungsdaten an das Rechenzentrum des Hanse Merkur Krankenversicherung. Über die App kann der Versicherte seinen Bearbeitungsstand jederzeit verfolgen und so unter anderem sehen, wenn die Rechnung erstattet wurde.

Damit bleibt eine telefonische oder schriftliche Nachfrage „wo bleibt mein Geld“ oftmals überflüssig. Nachdem die Leistungen bearbeitet wurde, erhält der Kunde sein Geld auf gewohntem Wege auf’s eigene Konto.

Sind die übertragenen Daten sicher?

Gerade bei Rechnungsdaten ist die Frage nach der Sicherheit mehr als berechtigt. Hier ist sowohl der Versicherer, als auch der Dienstleister in der Pflicht und erklärt: Dazu fügt Ronald Fritz, Executive Architect bei IBM Global Business Service hinzu: „Die Rechnungsinhalte werden in einem zertifizierten und in hohem Maß zuverlässigen Verfahren unter Nutzung des IBM Insurance Service Hubs (ISH) übertragen„.

Damit Sie eine Vorstellung bekommen, wie zukünftig Rechnungserstattung in der Privaten Krankenversicherung (PKV) aussehen kann, hier einige Screenshots.(vergrößerter durch anklicken)

 


Damit bleibt nur noch zu hoffen, das der Versicherer diese Innovationsfreude auch auf die Tarife überträgt und die Fallstricke aus den Tarifwerken zeitnah beseitigt.

Weitere Informationen:

Artikel zur Hanse Merkur Krankenversicherung

Hanse Merkur Start Fit (KVE) – der optimale Schutz wie behauptet?

Auswahlkriterien zur PKV

 

19.
August '11

Das Pendelattest – Krankschreibung in der Privaten Krankenversicherung (PKV)


Nach dem Wechsel aus der Gesetzlichen Krankenkasse in die Private Krankenversicherung ändert sich so einiges. Da müssen Rezepte und Arztrechnungen beachtet werden und einige grundsätzliche Regeln beachtet werden. Ich hatte bereits unter dem Punkt „Nach dem Abschluss der PKV – Was zu beachten ist“ einige dieser Bereiche aufgeführt.

Ein wichtiger Punkt ist die Verfahrensweise bei Krankschreibung, welcher leider auch vielen Ärzten so nicht geläufig ist und daher oft mal wieder zu Verzögerungen bei der Auszahlung führt. Daher hier einige grundsätzliche Hinweise zur Krankschreibung in der Privaten Krankenversicherung (PKV). Dabei muss zunächst zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen unterschieden werden. Generelle Voraussetzung zur Leistung aus der Krankentagegeldversicherung (KT) ist immer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Einige Tarife bieten unter bestimmten Voraussetzungen im Anschluss auch bei Teilarbeitsunfähigkeit einige Leistungen, dieses ist aber nicht die Regel.

Der Selbstständige (auch GmbH Geschäftsführer)

Voraussetzung ist das bestehen einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit. Selbstständige dürfen somit „in keiner Weise in der Lage sein“, ihren Beruf auszuüben. Auch aufsichtführende Tätigkeiten dürfen nicht ausgeführt werden, da diese zum Verlust der „100%“ führen und eine Einstellung des Krankentagegeldes bedeuten.

Melden müssen Sie eine bestehende Krankschreibung unbedingt bis zum Beginn der Karenzzeit. Also der Frist, ab wann das Krankengeld gezahlt wird. Dieses kann je nach Tarif eine, zwei, drei oder auch 6 Wochen sein. Auch spätere Karenzzeiten sind möglich. Für diese Meldung reicht erst einmal der formlose Hinweis an den Versicherer, das eine Arbeitsunfähigkeit besteht. Wie es dann weiter geht, lesen Sie unten in diesem Artikel.

Der Angestellte/ Arbeitnehmer

Eine Meldung der Arbeitsunfähigkeit muss meist innerhalb der ersten 3 Tage bei dem Arbeitgeber erfolgen. Hier sind ggf. auch kürzere Fristen je nach Arbeits-/ Tarifvertrag möglich. Die ersten 6 Wochen der Arbeitsunfähigkeit übernimmt der Arbeitgeber die Zahlung des Krankengeldes. Dieses setzt aber den schriftlichen Nachweis voraus, welcher laufend erfolgen muss. Hierzu verwendet der Arzt den so genannten „gelben Schein“. Dieser enthält ein Exemplar für den Arbeitgeber (welcher keine Diagnose enthält) und einen für die (gesetzliche) Krankenkasse. Da Sie privat versichert sind, können Sie diesen Teil auch an die Private Krankenversicherung schicken, oder aber diese auch formlos informieren. Für die Information empfehle ich immer die Schriftform, da nur diese einen entsprechenden Nachweis ermöglicht. (Fax, Einschreiben oder Telefonat mit schriftlicher Rückbestätigung). Auch hier muss die Meldung spätestens zum Ablauf der 6-wöchigen Karenzzeit erfolgen.

Was passiert nun nach der Meldung an die Private Krankentagegeldversicherung?

Bei Selbstständigen und Arbeitnehmern setzt nun eine gleiche Verfahrensweise ein. Nachdem die Meldung erfolgt ist, bekommen Sie Post von Ihrem Krankentategeldversicherer. Damit erhalten Sie einige Formulare, die zum einen Sie als Versicherter und zum anderen der behandelnde Arzt ausfüllen muss. Der „gelbe Schein“ ist nun nicht mehr ausreichend und wird durch ein so genanntes „Pendelattest“ ersetzt.

Den Namen bekommt das Formular daher, da dieses zwischen Arzt und Patient „hin und her pendelt„. Auf diesem Formular bestätigt der Arzt die Arbeitsunfähigkeit und der Patient schickt es an den Versicherer. Dieser bestätigt wiederum die Auszahlung des Krankentagelden auf dem Formular und schickt es an den Versicherten zurück.

Vor der ersten Auszahlung sind aber noch die anderen Formulare auszufüllen. Hierin werden Fragen zur beruflichen Tätigkeit gestellt, ggf. Angaben zur Arbeitszeit und dem Arbeitsort abgefragt. Nur so kann der Versicherer beurteilen, ob die Diagnose der Erkrankung auch zu der Arbeitsunfähigkeit passt.

Ein kaufmännischer Job kann ggf. auch mit einem Gipsbein ausgeübt werden und führt nicht unbedingt zur 100%igen Arbeitsunfähigkeit. Ist der Beruf jedoch vom Autofahren abhängig, kann das schon ganz anders aussehen. Daher sollten Sie diese Angaben so genau als möglich machen.

Sind alle Angaben gemacht und die Unterlagen bei dem Versicherer, so steht der Auszahlung des Krankentagegeldes nichts mehr im Wege. Dazu wandert das Attest nun immer zwischen Ihnen und der Versicherung hin und her. Zu beachten ist aber noch, eine Auszahlung erfolgt immer rückwirkend und immer nur bis zu dem Tag, andrem das Attest ausgestellt ist.

Auch wenn der Arzt Sie zum Beispiel heute „für die nächsten 2 Wochen“ krankschreibt, erfolgt die Auszahlung zunächst nur bis heute. Bestätigt dieser dann in 2 Wochen, dass Sie die letzten beiden Wochen arbeitsunfähig waren, so erhalten Sie auch den Betrag der letzten zwei Wochen ausgezahlt.

Weiterhin ist es sehr wichtig darauf zu achten, eine so genannte „Schlussbescheinigung“ einzureichen. Also die Bestätigung das der Patient wieder gesund ist. Sonst können Sie das restliche Krankengeld nicht erhalten.

Was sonst noch zu beachten ist:

1.) Der Beitrag zur Privaten Krankenversicherung (ggf. auch der Arbeitgeberanteil) ist auch im Falle des Krankengeldbezuges weiter zu zahlen. Daher achten Sie unbedingt vorher auf die richtige Höhe des Krankengeldes. (Welche Höhe soll das Krankentagegeld haben?)

2.) Überprüfen Sie das Krankentagegeld mindestens einmal jährlich. (Überprüfung des Krankengeldes- Hinweise)

3.) Auch ein Krankenhausaufenthalt ersetzt nicht die Meldung an den Krankentagegeldversicherer. Selbst wenn Sie im Krankenhaus liegen, ist das Pendelattest auszufüllen. Nur weil Sie stationär aufgenommen sind, bedingt das keine automatische Zahlung des Krankentagegeldes. Es gibt aber Unternehmen, dort entfällt die Karenzzeit für Selbstständige und das Krankengeld beginnt schon mit dem ersten Tag des stationären Aufenthaltes.

4.) Bei (geplanten) Reha- oder Anschlußheilbehandlungen klären Sie bitte vor Beginn des Aufenthaltes die Weiterzahlung des Krankengeldes. Dieses ist nicht bei allen Unternehmen geregelt und kann zu einer Einstellung der Zahlung führen.