Archiv für Juni 2011

30.
Juni '11

Hallesche Krankenversicherung mit neuer Tarifvariante KS Bonus


Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es nun her, da schrieb ich in meinem Blog über die Einführung der neuen Tarifstufe im NK Tarif der Halleschen Krankenversicherung. „Hallesche führt neue Tarifstufe NK Bonus mit garantierter Rückzahlung ein

Immer wieder führt es zu Diskussionen, ob es nun besser ist eine Rückzahlung vertraglich garantiert zu bekommen, eine erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung zu erhalten oder eben kein solches Modell zu wählen. Es ist eine sehr individuelle Entscheidung und sicher auch von der Frage „Beitragsrückerstattung – oder – wozu will ich meine Krankenversicherung haben?“ abhängig. Aber dennoch scheinen diese Modelle nicht nur bei den Angestellten Kunden beliebt und sinnvoll zu sein, auch die Versicherer finden immer mehr Gefallen an solchen Modellen.

Nachdem im letzten Jahr also der hochwertigste Tarif der Halleschen Krankenversicherung, der Tarif NK, eine solche Bonusstufe bekam, wird diese nun auch für den KS Tarif eingeführt. Dieser bietet „nur“ Mehrbettzimmer und Regelleistungen im Krankenhaus und hat sonst auch einige Einschränkungen. Daher kommt dieser in der Beratung bei Angestellten Kunden fast nicht vor, zumindest bei meinen Kunden nicht.

Dennoch scheint sich die Hallesche auch hiervon etwas zu versprechen und bietet auch den KS als neues Tarifmodell KS BONUS an.

Genau wie auch im NK Bonus wird der Versicherte hier mit einem monatlichen Bonus von 60 EUR geködert belohnt. Leider ist es bei vielen Beratern immer noch ein Verkaufsargument und führt zu vorschnellen Abschlüssen. Dabei sind einige Punkte zu beachten:

1.) Die 60 EUR werden monatlich nachschüssig auf das Konto des Versicherten überwiesen

2.) Der Betrag wird mit Leistungsrechnungen verrechnet. (Reichen Sie zum Beispiel im April eines Jahres eine Rechnung über 300 EUR ein, so wird der Betrag von 180 EUR, also der Bonus Januar- März abgezogen von der Erstattung. Maximal kann dieser Abzug also 720 EUR hoch sein und ist nur im Leistungsfall abzuziehen.

3.) Relevant ist der Betrag dennoch am Jahresende, bei der Betrachtung des tatsächlich geleisteten Aufwandes für die Krankenversicherung. Spätestens bei der Steuererklärung ist dieses anzugeben.

4.) Ein Tarifwechsel in andere Varianten des KS Tarifes ist nicht ohne Weiteres möglich, da diese selbst bei kleiner SB eine Leistungsverbesserung darstellen. Eine Ausnahme bildet die Mitversicherung des Tarifs JOKER (Optionstarif)

Die Detaillierten Fragen und Antworten zum Tarifwechsel im NK Bonus an die Hallesche gelten auch im KS Bonus:

Kann der auch wieder aus dem NK Bonus in andere (NK) Tarife zurück?

Ein Rückwechsel in die Tarifstufen NK 100 (ohne SB), 3 (300 EUR SB) oder NK 2 (600 EUR SB) gilt als Höherversicherung und löst eine Risikoprüfung aus. Ohne Risikoprüfung kann aus NK Bonus in die Tarifstufen NK 1 (1200 EUR SB) und NK 4 gewechselt werden. Ebenfalls gilt: ein solcher Wechsel kann nur für die Zukunft (i.d.R. zum nächsten Monatsersten) beantragt werden.

Wie wird der BONUS in Höhe von 60 EUR steuerlich in Hinblick auf das Bürgerentlastungsgesetz behandelt?

Ist dieser „steuerschädlich“? Wann und wie wird dem Versicherungsnehmer eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt? Welcher Betrag (mit oder ohne Bonus) wird dem Kunden wann bestätigt? Hierbei stellt sich die Frage ob eine neue Bescheinigung nach Ablauf des Jahres ausgestellt wird/ werden muss.

Der Bonus ist im Sinne des Bürgerentlastungsgesetz wie eine BRE zu werten. Bei der Meldung an die Finanzbehörde (vorausgesetzt, der Kunde hat dieser nicht widersprochen) wird der absetzbare Beitrag um 79,59% des erhaltenen Bonus gekürzt. Von dieser Meldung erhält der Kunde (erstmals im Frühjahr 2011) eine Kopie. Bei der Bescheinigung, die wir zum Jahresende an unsere Kunden versenden werden (z.B. zur Abgabe beim Arbeitgeber zum Lohnsteuervorwegabzug für 2011), ist der „steuerschädliche“ Teil des Bonus noch nicht abgezogen.

Wie bei jeder anderen Tarifwahl in der Privaten Krankenversicherung auch, ist auch hier der Tarif und seine Bedingungen zu Berücksichtigen. Der Bonus ist nur eine ganz kleiner Baustein und sollte keinesfalls zur Entscheidungsgrundlage gemacht werden. Auch wenn es noch so verlockend klingen mag „was wieder zu bekommen“, die Private Krankenversicherung (PKV) ist kein Sparplan sondern eine Absicherung für den Ernstfall.

Weitere Informationen finden Sie in den Folgenden Artikeln und Rubriken:

Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

Alle Blogbeiträge zur Halleschen Krankenversicherung

29.
Juni '11

Private Krankenversicherung für Polizeianwärter ohne Gesundheitsprüfung


Beim Lesen der Überschrift werden viele denken, der „hat sich doch verschrieben“. So etwas gibt’s doch gar nicht.

Der Beitrag in der Privaten Krankenversicherung (PKV) hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben der Frage nach Leistungsumfang und Bedingungsaussagen, ist auch das Eintrittsalter und der Gesundheitszustand ein entscheidender Punkt für die Bemessung des Beitrages. Durch das Beantworten der Fragen im Antrag (die je nach Gesellschaft unterschiedliche Zeiträume abfragen), kann der Risikoprüfer abschätzen, ob ein Zuschlag erforderlich ist, der Kunden vielleicht ganz abgelehnt werden muss oder was sonst an Annahmemöglichkeiten zu nutzen ist.

Dieses Verfahren stellt die DBV Krankenversicherung, Tochterunternehmen der AXA, nun völlig auf den Kopf. Wenn auch nur für eine begrenzte Zeit und einen sehr ausgewählten Personenkreis.

Was passiert hier genau?

Anders als in der sonstigen Privaten Krankenversicherung (PKV) verzichtet die DBV untern den, weiter unten genannten, Voraussetzungen, komplett auf die Beantwortung der Gesundheitsfragen in den Antragsformularen. In den Besonderen Vereinbarungen ist lediglich anzugeben: „Ausbildungsbeginn: TT.MM.JJJJ – Feststellung zur Diensttauglichkeit ersetzt die Beantwortung der Gesundheitsfragen“

Für wen gilt dieses Verfahren und wie lange?

Dieses Verfahren ist ein „Testlauf“ wie die Deutsche Beamtenversicherung Krankenversicherung betont und gilt nur für Anträge im Zeitraum 01. 07. 2011 bis zum 31. 12. 2012. Abschließen können diese Krankenversicherung nur Polizeianwärter (mit Beihilfeanspruch) und nur innerhalb von drei Monaten nach Ausbildungsbeginn. Die Anträge müssen dann binnen 7 Tagen bei der DBV zur Bearbeitung vorliegen.

Welche Tarife können abgeschlossen werden?

Gültig ist dieses Modell nur für die folgenden Tarife und Tarifkombinationen:

Vision B-NA, Tarifgruppe B-NA (Bausteine BS-NA, B3-NA, BZ-NA), BW2-NA, die Beihilfeergänzung BN in Ausbildung, das Krankenhaustagegeld nach Tarif KHTE-NA und die Pflegepflichtversicherung

Entscheidet sich der Kunde für den Vision Tarif, so ist die weitere Erklärung zu beantworten, welche unter anderem nach vorhandener Sehilfe und dem Status Raucher oder Nichtraucher fragt. Diese Zuschläge werden auch hierbei berechnet.

Welche Vorteile bietet diese Lösung?

Bei diesem Testverfahren bieten sich zwei große Vorteile an. Risikozuschläge können nicht erhoben werden. Auch wenn es vor „X“ Jahren mal Vorerkrankungen gab, welche nun zu einem Zusxchlag geführt hätten, so weiss der Versicherer hiervon gar nichts. Als Beispiel seien die Allergien/ Heuschnupfen genannt. Diese führen regelmäßig zu Zuschlägen, verhindern aber nicht die Aufnahmeprüfung der Polizeianwärter und „sparen“ somit den Zuschlag.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Versicherung nie wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht zurücktreten kann. Eine solche Verletzung kann eben nicht stattfinden, wenn niemand Fragen beantworten muss. Dieses sehe ich als einen entscheidenden Vorteil.

Welche Nachteile gibt es denn?

Klar gibt es nicht nur Vorteile, sondern auch negative Aspekte dieses Modells. Zum einen verlässt sich der Versicherer darauf, dass die Aufnahmeprüfungen für die Polizeianwärter so „gut“ sind, dass man sich keine „schlechten Risiken“ in die Bestände holt. Es könnte somit zu unerwünschten Risiken führen, die somit zu einer stärkeren Beitragsentwicklung führen könnten. Könnten wie gesagt, nicht müssen.

Entscheidend ist aber nicht die Frage bei welchem Unternehmen Gesundheitsfragen zu beantworten sind oder nicht. Auch nicht wer „mich“ denn ohne Zuschlag nimmt. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wo der passende Versicherungsschutz zu bekommen ist. Dabei sind insbesondere die Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung zu beachten und auf den persönlichen Bedarf abzustellen.

Weitere Informationen:

Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung (PKV)

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

28.
Juni '11

Hallesche mit Verbesserungen der Optionstarife OK und Joker


Bereits in der Vergangenheit hatte ich zum Thema Optionen und Erweiterungsmöglichkeiten geblogt. Wozu genau eine solche Option nötig ist, können Sie gern in meinem Beitrag „Optionstarife, Anwartschaften und wie man sich sonst die Möglichkeit der PKV sichern kann“ nachlesen.

Leider enden solche Optionstarife nach bestimmten Kriterien oder zu vorher festgelegten Terminen automatisch. Bei der Halleschen im Tarif Joker greifen folgende Beendigungsgründe:

B) Ende des Optionstarifs

Die Versicherung nach dem Optionstarif endet

1. mit dem Ende der Versicherungspflicht in der GKV oder des Anspruchs auf Familienversicherung

und/oder nach Ablauf einer evtl. Bindefrist (z.B. durch einen GKV-Wahltarif).

2. mit dem Ablauf des Monats, in dem das 49. Lebensjahr vollendet wird.

3. mit dem Ablauf des Monats, in dem die für diese Versicherung vorgesehene Höchstvertragsdauer von 10Jahren erreicht ist.

Im Tarif OK, welcher eine Zusatzversicherung mit Optionsrecht darstellt, sind die Beendigungsgründe ähnlich und wie folgt definiert:

C) Ende des Optionstarifs

Die Versicherung nach dem Optionstarif endet

1. mit dem Ende der Versicherungspflicht in der GKV oder des Anspruchs auf Familienversicherung und/oder nach Ablauf einer evtl. Bindefrist (z.B. durch einen GKV-Wahltarif). 2. mit dem Ablauf des Monats, in dem das 45. Lebensjahr vollendet wird.

3. mit dem Ablauf des Monats, in dem die für diese Versicherung vorgesehene Höchstvertragsdauer von 15 Jahren erreicht ist.

Bisher waren die Tarife vorwiegend für Personen interessant, welche bereits heute wussten, irgendwann in die Private Krankenversicherung (PKV) zu können. Daher enthielten diese ein Optionsrecht in die geöffneten Tarife der Halleschen Krankenversicherung, im Segment der Vollversicherungen.

Doch ist und war es durchaus möglich, dass der Kunde sein Vorhaben ändert und aus welchem Grund auch immer in der Gesetzlichen Krankenkasse bleiben will oder muss. Bisher endete die Option nach der vereinbarten Höchstversicherungsdauer. Nun hat die Hallesche Ihre Bedingungen verbessert.

In der neuen Fassung der Versicherungsbedingungen Teil III für den Tarif OK und auch dem Teil III für den Tarif Joker, hat eine neue Regelung Einzug gehalten. Es ist ab sofort auch der Wechsel in Zusatzversicherungen möglich. Dazu heißt es im Tarif Joker:

2. Das Optionsrecht auf die Zusatzversicherung umfasst folgenden Versicherungsschutz:

* ambulante Heilbehandlung.

* stationäre Heilbehandlung (Wahlleistungen)

* Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie. (…)

* Krankentagegeld ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit bis zur Höhe des auf den Kalendertag umgerechneten und entfallenden Nettoeinkommens, inklusive GKV-Krankengeld max. 130% des GKV-Höchstkrankengeldes zum Zeitpunkt der Umstellung.

* Pflegetagegeld in Höhe von max. 50 €/Tag.

Bei einer Umstellung in die Vollkostenversicherung ist neben dem Abschluss der eigentlichen Krankenversicherung auch ein Pflegetagegeld bis maximal 50 EUR versicherbar. Was aber viel wichtiger ist, der Versicherer bietet auch den Abschluss eines Krankentagegeldes an.

Krankentagegeld für Selbstständige ab dem 22. Tag einer Arbeitsunfähigkeit bis zur Höhe des auf den Kalendertag umgerechneten und entfallenden Nettoeinkommens, max. in Höhe des GKV-Höchstkrankengeldes zum Zeitpunkt der Umstellung;

für Arbeitnehmer ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit bis zur Höhe des auf den Kalendertag umgerechneten und entfallenden Nettoeinkommens, max. 130% des GKV-Höchstkrankengeldes zum Zeitpunkt der Umstellung.

Diese Möglichkeiten stellen eine deutliche Verbesserung dar und bieten dem Kunden, welcher vielleicht heute noch gar nicht absehen kann, wie seine private und berufliche Zukunft aussieht umfangreiche Möglichkeiten.

Diese können heute bereits „gesichert“ werden und gelten für die kommenden 10 (Joker) oder gar 15 Jahre (OK) und sind auf das Alter 49 oder 45 begrenzt.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in folgenden Beiträgen:

Option für die Übergangszeit im Basistarif

Krankentagegeld für Selbstständige in der GKV III

Optionstarife, Anwartschaften und wie man sich sonst die Möglichkeit der PKV sichern kann

Option auf Zusatz- oder Vollkostenversicherung – Teil II

27.
Juni '11

Unangenehme Post von der PKV: „Hiermit erklären wir den Rücktritt“ und was Sie dann tun sollten


Letzte Woche scheint die „Woche der Rücktritte“ gewesen zu sein. Gleich drei Hilferufe von mir bis dahin unbekannten Kunden erreichten mich in der letzten Woche. Alle waren bei einem Unternehmen versichert und alle hatten das gleiche Problem. Bei der Antragstellung beantworteten alle die Gesundheitsfragen im Antrag, besorgten Arztatteste und bekamen den gewünschten Versicherungsschutz nur mit einem Zuschlag. Doch nun gab es einen sehr unerfreulichen Brief von dem Versicherer mit den drei Buchstaben aus Köln.

„Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen….“ schrieb der Versicherer, „das wir vom Vertrag zurücktreten.“

Noch völlig aufgeregt von diesem Brief rief mich Mittwoch letzter Woche einer der Betroffenen an.

Ich habe nichts vergessen, alles was ich wusste habe ich denen auch geschrieben, versicherte er immer und immer wieder. Sogar eine Hausarztakte habe ich besorgt und dem Unternehmen geschickt. Das kann doch nicht wahr sein, jetzt soll ich knapp ein Jahr nach Vertragsbeginn ohne Versicherungsschutz dastehen?

Was war genau passiert?

Der Versicherte hatte im Juni 2010 einen Antrag auf Private Krankenversicherung gestellt und war mit dem Leistungsumfang soweit zufrieden. Wegen einiger Vorerkrankungen wie Allergie, einer Sportverletzung und einigen „Kleinigkeiten“ hatte er einen so genannten „Risikozuschlag“ bekommen und zahlte daher mehr als der gesunde Versicherte. Als nun aber durch einen neue Erkrankung Kosten entstehen sollten, forschte der Versicherer nach.

Diese „Nachforschung“ steht dem Versicherer zweifelsfrei zu. Dieser muss im Sinne seiner Versicherten sogar überprüfen, ob für alle das gleiche Recht gilt und daher kontrollieren, ob die Antragsangaben auch richtig und vollständig sind.

Wann prüft der Versicherer denn die Angaben und wie?

Diese Prüfung kostet aber Geld, daher findet diese nicht pauschal statt, sondern wird meist durch eine Anfrage auf Kostenersattung oder das Einreichen von Rechnungen „in Gang gesetzt“. Dann werden Ärzte angeschrieben, Arztberichte angefordert und die Angaben mit denen im Antrag verglichen.

Ob der Versicherer eigenmächtig mit dieser Prüfung beginnen kann, oder die Anfrage zur Weiterleitung an den Versicherten schicken muss, hängt von der Art der Schweigepflichtsentbindung ab, die der Kunde im Antrag erteilt hat. Bei der oft verwendeten „Standardvariante“ darf der Versicherer entsprechende Anfragen selbstständig durchführen. Der Vorteil liegt in der schnelleren Bearbeitung.

In der zweiten Variante (der neueren) muss das Unternehmen die Anfrage an den Versicherten zur Weiterleitung senden oder eine individuelle Entbindung für den Einzelfall anfordern. Erst nach dieser Zustimmung kann die Anfrage erfolgen. Der Vorteil ist die direkte Kontrolle, auch wenn es dadurch natürlich zu einer zeitlichen Verzögerung kommt und der Kunde etwas länger auf sein Geld warten muss.

Und wenn die Angaben dann nicht mit dem Antrag übereinstimmen- was dann?

Zunächst ist nicht jede Grippe, Vorsorgeuntersuchung oder Erkältung ein Rücktrittsgrund. Entscheidend für einen Rücktritt ist die Frage, wie das Unternehmen bei Kenntnis der Umstände den Antrag entschieden hätte. Bei vergessenen Erkältungen hätte man auch damals den Antrag (mit den richtigen Angaben) angenommen, daher löst dieses keinen pauschalen Rücktritt aus.

Handelt es sich um „leichtere Erkrankungen„, so bieten die Unternehmen mit dem Rücktritt gleich noch eine „rückwirkende Vertragsanpassung“ an. Dabei handelt es sich um einen nachträglichen und rückwirkenden Risikozuschlag. Dieser wird dann ab Vertragsbeginn rückwirkend erhoben, so als wenn der Versicherer von Beginn an von den Krankheiten gewusst hätte. Eine Verpflichtung besteht dazu aber nicht.

Sind es dagegen „schwere Erkrankungen„, die auch damals schon zur Ablehnung geführt hätten, so wird es nur die Variante des Rücktritts geben.

Was ist, wenn die Angaben beim Arzt falsch sind?

Das passiert leider gar nicht allzu selten. In verschiedenen Arzt- und Krankenhausakten sind die Patienten schnell einmal deutlich kranker als diese jemals waren. Da tauchen dann plötzlich (Abrechnungs-)Diagnosen auf, die der Patient nie hatte und sich auch nicht einmal erinnern kann. Handelt es sich um einen Fehler des Arztes oder Krankenhauses, so lassen sich diese meist im direkten Gespräch mit den Beteiligten klären.

Manchmal sind aber auch die Versicherten selber schuld. Da brauchte der eine mal ein Attest um ein paar Tage „blau“ zu machen, der nächste wollte nicht zur Bundeswehr und so wird aus einer kleinen „Verstimmung“ mal eine ausgewachsene Depression. Auch die kurze Konsultation bei einer Prüfungssituation wird dann schon mal als eine Art Erschöpfungszustand diagnostiziert und wurde gemäß Akten natürlich auch so behandelt.

Hier sind schnelle Gespräche mit dem Arzt nötig und dieser muss es gegenüber der Versicherung schriftlich „aus der Welt räumen“. Tut dieser das nicht, so sieht es schlecht aus, denn was geschrieben steht, ist geschrieben.

Doch in unserem Fall war es etwas anders. Da war plötzlich eine Diagnose die der Kunde niemals hatte und wo dieser auch nicht zum Arzt gegangen sein konnte. Er war zu der Zeit schlichtweg im Ausland und ein Arztbesuch bei einem deutschen Arzt war unmöglich. Nach einer Klarstellung der Umstände bat der Sachbearbeiter den Kunden, doch eine Kopie der Arztakte zu besorgen, diese einzureichen und dann sähe man weiter. Gesagt getan, war dort zweifelsfrei eine Behandlungs“lücke“ von einem Jahr- dem Auslandsjahr.

„Glück gehabt“, dachte sich der Kunde und atmete nach dem Telefonat mit der Versicherung auf. Leider etwas zu früh, denn im Anschluss fanden sich in den Arztakten nun noch einige, tatsächlich nicht angegebene Beschwerden und dazu Befunde, die der Versicherer gar nicht so gut fand. Daher wurde zwar der eine Rücktritt aufgrund falscher Angaben wieder zurückgenommen, der 2. aber berechtigt ausgesprochen.

Was kann der Versicherte nach einem Rücktritt tun?

Sie brauchen in jedem Fall neuen Versicherungsschutz. Dabei darf keine Lücke entstehen, da wir gemäß §193 VVG Versicherungspflicht in Deutschland haben. Wenn aufgrund der Vorgeschichte gar nichts mehr geht, so bleibt nur noch der Antrag auf Versicherung im Basistarif. In diesem muss der Kunde aufgenommen werden, von fast jedem Unternehmen. Fast? Ja, denn das Unternehmen welches den Rücktritt erklärt hat, braucht den Antrag auf Basistarif nicht annehmen.

Sie sollten aber in jedem Fall erst einmal versuchen bei dem Unternehmen einen Zuschlag zu verhandeln, ggf. kommt auch ein Ausschluss für eine einzelne Behandlung in Frage. Gelingt dieses nicht, so wenden Sie sich bitte an einen spezialisierten Berater und versuchen gemeinsam mit diesem eine Aufnahme bei einem anderen Privaten Krankenversicherer (PKV) zu erreichen. Bei laufenden Behandlungen oder gerade abgeschlossenen Behandlungen macht dieses meist aber wenig Sinn. Dennoch: Ein Versuch ist es wert, schlechter als der Basistarif kann es kaum werden.

Kann ich nicht zurück in die gesetzliche Krankenkasse nach dem Rücktritt?

So ohne weiteres geht das leider nicht. Ausnahmen sind hierbei natürlich Gründe, die zur Versicherungspflicht führen. In den meisten Fällen tritt diese aber nur bis zum 55. Lebensjahr ein. Dazu muss entweder das Gehalt unter die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) fallen, oder Arbeitslosigkeit eintreten. Das zu „konstruieren“ ist aber nicht so einfach wie es scheint und will wohl durchdacht sein.

Für Personen die nur sehr knapp über der Grenze lagen, lässt sich dieses aber manchmal sehr einfach realisieren. Stichwort Direktversicherung.

Fazit:

1.) Nach einem Rücktritt des Versicherers bewahren Sie zunächst bitte Ruhe und suchen sich fachlichen Rat.

2.) Fordern Sie bei dem Versicherer eine Kopie aller Unterlagen, des Antrages und der Arztberichte an.

3.) Sprechen Sie mit allen Behandlern und kontrollieren Sie die Angaben in den Attesten

4.) Gemeinsam mit einem Spezialisten finden Sie sicher eine passende Lösung

24.
Juni '11

Bedingungsverbesserungen nun auch bei der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK)


In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich die Gesellschaften fast gegenseitig übertroffen und in Ihren Bedingungen Klarstellungen vorgenommen. Dabei handelt es sich um Änderungen zu Gunsten des Kunden, welche auch für den Bestand gelten. Da man aber als Versicherer nicht einfach etwas verbessern kann (ohne Beiträge für diese Mehrleistungen zu vereinbaren) handelt es sich hierbei um Klarstellungen. Es wird also nur das in die Bedingungen geschrieben, was bereits in der Vergangenheit (nachweislich) so geleistet wurde.

Die Änderungen bei den anderen Unternehmen, finden Sie in den Blogbeiträgen zu Bedingungsverbesserungen.

Bereits im Jahr 2009 (Mit Wirkung zum 01. 01. 2010) hatte die Süddeutsche Krankenversicherung (SDK) einige Verbesserungen in den Bedingungen vorgenommen. Dabei wurden die Bereiche der Vorsorgeuntersuchungen, Hospizversorgung, Schutzimpfungen und Heilmittel, ambulante Transportkosten, Entziehungsmaßnahmen und Leistungen für Anschlussheilbehandlungen verbessert. Eine solche Klarstellung bedeutet nicht, dass man als Unternehmen dadurch immer „bester“ werden will und muss, nur sind es in jedem Fall Verbesserungen gegenüber der alten Regelung.

Zum dritten Quartal diesen Jahres plant das Unternehmen aus Fellbach nun weitere Verbesserungen. Für diese liegt aber die Zustimmung des Treuhändlers noch nicht vor, daher sind die Aussagen hier noch als Vorabinfo zu sehen. Erst mit der treuhändlerischen Zustimmung wird es rechtlich möglich, die Klarstellungen umzusetzen.

Welche Bereiche und was genau wird verbessert?

Bisher gilt es in dem Bereich der Wechselmöglichkeiten in den Tarifen A75, A210 und A220 ein Recht, zum Zeitpunkt des Erreichen des 30., 35., 40., 45. und 50. Lebensjahres ohne Risikoprüfung in alle anderen A Tarife (andere hat das Unternehmen nicht) wechseln zu können. In den Bedingungen heißt es dazu:

Umwandlung

Die Tarife A210 bzw. A220 können zum Zeitpunkt des Erreichens des 30., des 35., des 40., des 45. und des 50. Lebensjahres der versicherten Person ohne Gesundheitsprüfung in einen der Tarife A100, A80, A80B, A103, A105, A107, A109, A75 umgewandelt werden. Umwandlungstermin ist der Erste des Geburtsmonats. Der Antrag auf Umwandlung ist mindestens 6 Monate vor dem gewünschten Umwandlungstermin zu stellen. Er kann zudem die Umwandlung der Tarife A210 bzw. A220 für in diesen Tarifen versicherte Kinder enthalten.

Zukünftig soll dieses Wechselrecht auch für alle anderen A Tarife des Unternehmens gelten. Das bedeutet für den Bestandskunde, dass dieser zukünftig auch ohne Risikoprüfung seinen Tarif verbessern kann.

Auch die Regelungen zum Auslandsaufenthalt werden verbessert. Bisher enthalten die Bedingungen die folgende Aussage:

a) Bei Auslandsaufenthalt außerhalb Europas besteht bis zu sechs Monaten auch ohne besondere Vereinbarung Versicherungsschutz.

Zukünftig ist geplant, den Schutz auch über die 6 Monate hinaus bestehen zu lassen, falls die Rückreise nicht ohne Gefährdung der Gesundheit möglich ist. Dieser Fall ist in der Praxis durchaus nicht so selten. Erkrankt ein Versicherter zum Beispiel nach der alten Regelung im 6. Monat, so müsste dieser (um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben) vor Ablauf der 6 Monate zurück nach Deutschland. Zukünftig wird das jedoch durch die neue Regelung deutlich verbessert.

Auch im Bereich der Hilfsmittel tut sich etwas. Wobei ich persönlich die Regelung der Hilfsmittelversorgung in den Tarifen nicht sehr glücklich finde. Das liegt aber auch daran, dass es sich um Tarife aus den 70er Jahren handelt und damals eben andere Maßstäbe für Versicherungsbedingungen galten als diese heute angesetzt werden. Derzeit heißt es also zum Beispiel im Tarif A100 dazu:

a) Als kleine Hilfsmittel gelten Brillen oder Kontaktlinsen einschließlich der Refraktionsbestimmung durch Optiker, Bandagen, Bruchbänder, Leibbinden, Gummistrümpfe, Fußeinlagen, orthopädische Schuhe.

b) Als große Hilfsmittel gelten Hörgeräte, Sprechgeräte (elektronischer Kehlkopf), Insulinpumpen, Schlafapnoegeräte (CPAP-Geräte), Kunstglieder, orthopädische Rumpf-, Arm- und Beinstützapparate einschließlich Sitz- und Liegeschalen, Krankenfahrstühle, Miet- und Sachnebenkosten lebenserhaltender Hilfsmittel (wie z.B. Atem/Herzfrequenzmonitor, Heimdialysegeräte, Sauerstoffkonzentrator).

c) Leistungen für die unter den Absätzen a) und b) genannten Hilfsmittel werden im Kalenderjahr je einmal gezahlt.

d) Nicht erstattungsfähig sind Aufwendungen für alle anderen Hilfsmittel (z.B. Perücken, Haarteile), für Kontroll- und Behandlungsgeräte (z.B. Inhaliergeräte, Blutdruckmessgeräte), für sanitäre Bedarfsartikel (z.B. Massagegeräte, Heizkissen), für den Betrieb von Hör- und Sprechgeräten (z.B. Ersatzbatterien, Ladegeräte) sowie Aufwendungen zur Reinigung von Kontaktlinsen.

3. Hilfsmittel

bis zu Rechnungsbeträgen von EUR 130,- je Hilfsmittel bzw. Hilfsmittelpaar 100% Erstattung, ggf. unter Berücksichtigung eines jährlichen Selbstbehalts. Die über die Grenze von EUR 130,- hinausgehenden Anteile der Rechnungsbeträge werden für kleine Hilfsmittel zur Hälfte, für große Hilfsmittel mit drei Viertel der tariflichen Erstattungssätze vergütet.

Um es praktisch zu verdeutlichen, hier drei Beispiele:

1.) Ein Brille mit 600 EUR kKosten. Diese gilt s.o. als kleines Hilfsmittel. Es werden hier also die ersten 130 EUR zu 100% erstattet, der Restbetrag (470 EUR) zu 50%, also werden dem Versicherten in diesem Fall 365 EUR erstattet.

2.) Ein Hörgerät mit 1.500 EUR, gilt als großes Hilfsmittel. Auch hier werden zunächst 130 EUR komplett übernommen, dazu kommen 75% des übersteigenden (1.370 EUR) Betrages. 1.027,50+130 = 1.157,50 EUR (entspricht auf den Gesamtpreis gesehen 77% Erstattung oder anders gesagt, 343 EUR Eigenanteil

zuletzt noch ein deutlich größerer Betrag. Einer meiner Kunden (nicht SDK versichert) bekam eine Beinprothese, welche mit knapp 20.000 EUR in Rechnung gestellt wurde. Diese wäre hier ebenfalls zunächst mit 130 EUR erstattet worden, dazu kämen 75% der restlichen 19.870 EUR. Also 14.902,50 + 130 = 15.032,50 EUR. Die prozentuale Erstattung läge hier bei 75%, was einen Eigenanteil von 4.968 EUR nach sich zieht.

Diese Regelung ist weder gut noch schlecht. Der Kunde sollte diese nur vorher kennen und wissen, welche Eigenanteile dieser zu erwarten hat. Am Markt existieren viele Versicherer mit einer besseren Hilfsmittelleistung, viele aber auch mit deutlich schlechteren Formulierungen.

Ab dem dritten Quartal werden nun einige Hilfsmittel neu hinzugefügt. (ich nehme an, die ersten 4 bei den kleinen, der Rest bei den großen Hilfsmitteln). Dabei handelt es sich um folgende Artikel:

Blindenstöcke, Gehstützen, Korrekturschienen, elektronische Lesehilfen, Blindenhund, Absauggeräte, Beatmungsgeräte und die Kosten für Reparaturen etc.

Auch die Leistungen im Bereich der Heilmittel werden einige Änderungen erfahren. Als neue Oberbegriffe werden die Hydrotherapie (z. Bsp. medizinische Bäder), die Kälte-/ und Wärmetherapue und die Lichttherapie als neue Begriffe in die Bedingungen geschrieben.

Weiterhin sind Änderungen geplant bei:

– der Definition Zahnbehandlung und Zahnersatz

Logopäden und Ergotherapeuten zukünftig als erstattungsfähige Behandler zu nennen

vor- und nachstationäre Behandlungen aufführen

– Transportkosten zukünftig nicht zum nächstgelegenen, sondern zum geeigneten Krankenhaus

– Kurzuschuss für ambulante Leistungen aus den Tarifen S101, 102, S, SGPG und WG

Abschließend nochmals der Hinweis aus dem Anfang des Beitrages. Es ist noch eine Zustimmung des Treuhändlers nötig. Von einer solchen gehe ich zwar aus, aber dennoch könnte die SDK die Änderungen nicht umsetzen, falls diese nicht erteilt wird.