Archiv für Mai 2011

31.
Mai '11

Signal Krankenversicherung mit Beitragsgarantie bis 2013


Es ist ja nichts besonderes mehr. Nachdem einige Unternehmen schon vor Wochen begonnen haben die Beitragsgarantie als Marketinginstrument einzusetzen, folgen nun alle anderen. Auch wenn es ein Unternehmen vielleicht nicht vorhatte, so muss spätestens jetzt bekannt gegeben werden, was nicht angepasst wird.

Die Signal Krankenversicherung hatte ich vor einigen Tagen erwähnt, da diese Ihre Versicherungsbedingungen ab 01. 07. 2011 verbessern werden.

Hier aber nun die nicht anzupassenden Tarife:

gültig für alle Personengruppen

AB, ABF, ABE, BA

diverse Tarife für Krankengeld und Kur

Vollkostentarife Exklusiv und Exklusiv Plus, Komfort und Komfort Plus, Start, Start-B, Start Plus

beitragsstabil bleiben auch div. Pflegetagegelder und Ergänzungsbausteine

Weitere Artikel zur Signal Krankenversicherung:

Bedingungsanpassungen der Signal (Iduna) Krankenversicherung zum 01. Juli 2011

Kranken(tage)geld bei Erkrankung eines Kindes nun auch in der Privaten Krankenversicherung (PKV) möglich?!

30.
Mai '11

Bedingungsverbesserungen beim Deutschen Ring Krankenversicherung ab 01. Juli 2011


Da ist es kaum einige Tage her, als ich von den Verbesserungen/ Klarstellungen der Versicherungsbedingungen der Signal Krankenversicherung schrieb. Nun hat der nächste Versicherer nachgezogen. Der Deutsche Ring Krankenversicherungsverein aG verbessert ebenfalls zum 01. Juli 2011 die Bedingungen für seine bestehenden und neuen Kunden.

Die Änderungen sind auch hier so genannte Klarstellungen, also gelebte Leistungspraxis in der Vergangenheit und somit auch für den Bestand anwendbar und gültig. Was sich genau ändert und welche Auswirkungen das hat habe ich wie immer vorab betrachtet.

Krankenhausambulanzen

Anders als bisher werden nun die Leistungen für so genannte Krankenhausambulanzen ausdrücklich erwähnt. In der neuen Fassung des §4 Nr. 11 der Bedingungen heißt es nun:

„Darüber hinaus werden die Kosten für ärztliche Untersuchungen in Krankenhausambulanzen im tariflichen Umfang erstattet, sofern ein Tarif Versicherungsschutz für ambulante Leistungen vorsieht.“

Terroranschläge und deren Leistungsausschluss

Ausgeschlossen sind in den Versicherungsbedingungen, besonders geregelt im §5 der Musterbedingungen der Krankenversicherung (MB/KK) und auch im Bereich des Krankentagegeldes (MB/KT) Leistungen, welche aufgrund von Kriegsereignissen entstehen. Aufgrund der Zunahme der Terroranschläge in den letzten Jahren haben sich hier viele Versicherer entschlossen, entsprechende Klarstellungen zu veröffentlichen. So heißt es zukünftig:

„Terroristische Anschläge zählen nicht zu den Kriegsereignissen“

Damit sind auch Folgen und Erkrankungen solcher Anschläge uneingeschränkt versichert.

Künstliche Ernährung

Ein weiterer Unterschied der Tarife des Deutschen Rings zu anderen Unternehmen war der Einschluss der paenteralen Ernährung. Da Nährmittel nicht als Arzneimittel gelten, sind solche Präparate nicht versichert. Damit will ein Versicherer unter anderem vermeiden, Nahrungsergänzung, Muskelaufbaupräparate oder dergleichen bezahlen zu müssen. Jedoch gibt es Krankheiten, die eine enterale oder parenterale Ernährung unumgänglich machen. Auch diese ist nun in den Bedingungen genannt. Dabei heißt es unter §4 Punkt 13 nun:

„Nr. 13
Nähr- und Stärkungsmittel, Mineralwasser, kosmetische und hygienische Mittel gelten nicht als Arzneimittel. Präparate oder Mittel zur künstlichen Ernährung bei liegender Sonde (parenterale und enterale Ernährung) werden im tariflichen Umfang erstattet.“

Rehabilitationsmaßnahmen

Ein weiteres Manko, auch wenn laut Auskunft des Versicherers schon immer geleistet, war bisher die Leistungspflicht bei Reha Maßnahmen. Gerade bei schweren Erkrankungen (z.Bsp. Herzinfarkt, Schlaganfall) musste der Versicherer bisher immer zustimmen. Anders nun in den neuen Bedingungen. Im §4, Nr. 15 findet sich nun die folgende Ergänzung der Leistungspflicht:

„Eine medizinisch notwendige stationäre Heilbehandlung liegt dann vor (…) Dies gilt auch dann, wenn die medizinisch notwendige stationäre Heilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitationsmaßnahme erfolgt.“

Hilfsmittel

Ein besonders wichtiger Punkt, welcher in der Vergangenheit trotz Abgabe einer Vorstandserklärung immer wieder zu Unklarheiten geführt hat, ist die Versorgung und Versicherungsleistung bei Hilfsmitteln. Bisher fanden sich in den Versicherungs-/ Tarifbedingungen folgende Aussagen:

„Wurde keine vorherige Leistungszusage vom Deutschen Ring eingeholt, werden höchstens die Kosten übernommen, die im Rahmen einer möglichen alternativen und kostengünstigeren Versorgungsform oder bei Bezug des Hilfsmittels über einen Kooperationspartner des Deutschen Rings angefallen wären.“

Diese führten dazu, dass dem Dt. Ring unterstellt werden konnte, er wolle statt des verordneten Hilfsmittels ein einfaches und billigeres bezahlen und könne sich somit gegen die Verordnung des Arztes stellen.

Durch die neue Formulierung wurde auch dieses nun sehr deutlich geändert und klar hervorgehoben, was damit gemeint war und ist. Nun lautet die Formulierung:

„Wurde keine vorherige Leistungszusage vom Deutschen Ring eingeholt, werden die Kosten übernommen, die in gleicher Qualität und Ausführung im Rahmen einer möglichen alternativen und kostengünstigeren Versorgungsform (Miete, Leasing, Kauf) oder bei Bezug des Hilfsmittels über einen Kooperationspartner des Deutschen Rings angefallen wären.“

Es geht also insbesondere darum, Kosten durch günstigere Bezugsquellen zu sparen. Damit werden keine schlechteren Hilfsmittel als vom Arzt verordnet geleistet, aber der und sollte sich mit dem DR in Verbindung setzen und ggf. die Beschaffung des Hilfsmittels dort veranlassen. Kostenunterschiede von bis zu 20% gegenüber dem örtlichen Sanitätshaus sind hier durchaus keine Seltenheit.

Mit diesen Änderungen passt sich der Versicherer nicht nur der Marktentwicklung an, sondern zeigt auch die bisherige Leistungspraxis. Nur durch den Nachweis bisher so geleistet zu haben, sind solche Klarstellungen auch im Bestand möglich.

Wirksam werden diese Änderungen ab Juli 2011. Bestandskunden werden voraussichtlich mit den jährlichen Anschreiben zum Jahresende informiert, so diese es nicht schon hier gelesen haben.

27.
Mai '11

Beitragsgarantie der Gothaer Krankenversicherung für 2012/ 2013


Auch die Gothaer gibt für einige der Tarife eine so genannte Beitragsgarantie heraus. Grundsätzlich bedeutet das nichts anderes wie: „Bis zum Tag XX passen wir unsere Tarife nicht an, danach wieder.“

Diese Beitragsgarantien wurden und werden von vielen, fast allen, Gesellschaften veröffentlicht um sich den einen oder anderen Neukunden noch zu sichern. Das Ganze bringt zwar gar nichts, klingt aber gut.

Folgende Tarife werden im Jahr 2012 keine Anpassung bekommen:

BA und BW A bei Männern und Frauen

BE nur bei Frauen stabil

BSS in allen Personengruppen

BWZ und BZ bei den Männern

MA bei Männern und Frauen

MA1 o bei Kindern und Frauen, der MA1 1 nur bei Frauen

MA1 2 bei Männern

MAX 2 nur bei den Frauen

MediAmbulant bei Kindern und Männern

MediComfort bei Männern, MediDent bei Frauen

MediStart 1/2 bei Männern

MediTop 1 und MediTravel für alle, der MediTop 2 nur bei Männern und Frauen

MediVita 250/ 500 nur bei Kindern und Frauen

MS und MS3 bei Männern

Dazu noch einige Tagegeld- und Zusatzbausteine

Wichtig bei der Tarifauswahl in der Privaten Krankenversicherung sind eben die Auswahlkriterien und die persönlichen Umstände. Nur wenn dies passen und sich damit der passende Tarif ermitteln lässt, so kann diese Wahl langfristig gut sein. Wenn Sie sich aufgrund einer Beitragsgarantie zu einem Tarifabschluss „überreden lassen“, dann hat der Berater etwas nicht verstanden und Sie sollten sich schnell einen anderen suchen.

Weitere Artikel zur Gothaer Krankenversicherung:

“Der Beste Tarif ist der Gothaer MediVita 500? – oder: Was von solchen Versprechungen zu halten ist

Beitragsentwicklung Gothaer GS0 Tarif – Bestandskunde

Beitragsanpassungen der Gothaer Krankenversicherung 2011

Wie Kunden und Vermittler für dumm verkauft werden sollen: Das Gothaer Hilfsmittelmanagement

26.
Mai '11

Der Bauchladen – Versicherungsmakler sollen auch Strom- und Gastarife vergleichen


Über einigen Unsinn im recht undurchsichtigen Markt der unterschiedlichen Makler, Vertreter und Vermittler hatte ich in der Vergangenheit bereits geschrieben. Da ging es um Adress-/ Leadhändler, vermeintlich billige Angebote und die tollsten Tests und Rechner.

Doch manchmal frage ich mich auch nach über 16 Jahren in dieser Branche noch, ob es nicht mit dem Unsinn endlich einmal ein Ende hat. Und während ich noch darüber nachdenke macht es „bing“ und ich erhalte folgende Mail (auszugsweise)

Energiemakler24 – ein neues, bundesweit einmaliges Vertriebssystem exklusiv für Versicherungsmakler und Finanzberater – ist gestartet. Energiemakler24 bietet Versicherungsmaklern ab sofort die Möglichkeit, mit dem Angebot von Strom- und Gastarifvergleichen ihr Produkt- und Beratungsportfolio zu ergänzen und sich ein lukratives Zusatzgeschäft zu sichern. Makler können für ihre Kunden mehr als 1.000 Strom- und Gasanbieter vergleichen und bei jedem Anbieterwechsel kräftig mitverdienen – und das bei minimalem Zeitaufwand.

Weiterhin schreibt man mir, als Moderator einer Gruppe für Versicherungsmakler bei XING:

Die Teilnahme ist zu jeden Zeitpunkt kostenlos und unverbindlich. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie dieses Thema in Ihrer Gruppe platzieren würden und Ihren Kollegen so helfen, vom boomenden Markt des Strom- und Gasanbieterwechsels zu profitieren.

Erst dachte ich, es wäre ein Scherz. Vielleicht hat man mich auch einfach nur verwechselt oder so etwas? Aber nein, es war ernst gemeint und da sieht man einmal wieder, was die weitverbreitete Meinung zu sein scheint.

„Der Versicherungsmakler braucht bestimmt noch Geld.“

„Der Versicherungsmakler hat ja eh Kontakte, die können wir ja mal schnell für uns nutzen.“

Was glaubt so ein Anbieter eigentlich mit wem er spricht? Die Unterschiede zwischen Maklern, Vertretern, Beratern oder Mehrfachagenten sind schon schwer zu verstehen, das gebe ich durchaus zu. Aber alle vermitteln VERSICHERUNGEN bzw. beraten in diesem Bereich.

Die Kundendaten für solche Art von Werbung (denn nichts anderes wäre das dann ja) zu verwenden halte ich nicht nur für bedenklich, sondern frage mich wie dieses mit dem Maklerauftrag, dem Mandat und dem Datenschutz zu vereinbaren wäre, Ganz abgesehen von dem Bild was der „Kollege“ von sich abgibt.

Nebenbei wären vielleicht auch noch Heizdecken zu verkaufen, Kosmetik- oder sonstige Artikel- eben alles wo noch ein paar Cent zu verdienen sind.

Schon bei ein, zwei Sparten ist der Berater völlig ausgelastet. Spezialisiert sich dieser zum Beispiel auf die Sach- und Gewerbekunden, die Private Krankenversicherung und die Absicherung der Arbeitskraft oder Investmentanlagen, so geht „nebenbei“ fast nichts anderes mehr. So komplex und so oft ändern sich die Produkte, der Markt und die Bedingungen, da ist lernen, weiterbilden und umsetzen ausreichend.

Aber es gibt ja noch diese Provision… Sicher finden sich „Kollegen“, die das nutzen und der Meinung sind „das lasse ich mir doch nicht entgehen“. Schauen Sie mal auf die Website des Anbieters, da heißt es:

Provisionen

Für jeden Strom-, Ökostrom- oder Gasantrag erhält der Vertriebspartner eine Provision in Höhe von derzeit 20,00 Euro netto. Wenn Sie einen Vertriebspartner geworben haben, verdienen Sie zusätzlich mit. Für jeden Strom-, Ökostrom- oder Gasantrag, der über Ihren geworbenen Vertriebspartner erfolgte, erhalten Sie eine Provision in Höhe von 1,00 Euro netto.

Wie sehen Sie das?

Bauchladen oder Spezialist?

Würden Sie auch den Strom noch beim Berater kaufen oder ist Ihnen das vielleicht schon passiert?

Wie haben Sie reagiert?

25.
Mai '11

Das LG Köln mit einem neuen Urteil zur Frage „noch arbeitsunfähig oder schon berufsunfähig“? Az. 23 O 98/09


In der Vergangenheit hatten sich bereits viele Gerichte mit der Frage zu beschäftigen. Ist der Versicherte noch arbeitsunfähig (Was bedeutet arbeitsunfähig?)oder vielleicht gar nicht mehr in der Lage, seinen Beruf jemals wieder auszuüben und somit berufsunfähig?  Was ist eigentlich berufsunfähig?

Auch das Landgericht Köln hatte sich unter dem Aktenzeichen 23 O 98/09 wieder mit so einem Fall zu beschäftigen.

Das besondere an diesem Thema ist: Der Übergang von Arbeitsunfähigkeit zur Berufsunfähigkeit ist fließend und nur sehr individuell zu betachten. Dabei ist eine pauschale Aussage genau so unmöglich, wie ein fester Prognosezeitraum. Es ist vielmehr von der Art der Erkrankung, dem (Allgemein-)zustand des Patienten und der weiteren beruflichen wie gesundheitlichen Umstände abhängig, ob und in wieweit eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt.

Warum ist es so wichtig, arbeitsunfähig statt berufsunfähig zu sein?

Ein Grund ist ganz einfach und finanzieller Natur. Meist besteht für den Fall der Arbeitsunfähigkeit ein Krankentagegeldanspruch gegen den privaten Krankenversicherer (PKV) oder die gesetzliche Krankenkasse (GKV). Dabei ist es wichtig, sich genau mit der Höhe der Absicherung zu beschäftigen, denn als GKV Versicherter über der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) reicht der normale GKV Schutz kaum aus. Mit knapp über 80 EUR stoßen viele an die Grenzen des machbaren.

In der privaten Krankenversicherung sollte hoffentlich ein höheres Krankentagegeld versichert sein, hier ist auch der Beitrag zur PKV komplett weiter zu zahlen. (plus dem AG Anteil).

Die Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist oftmals deutlich niedriger.  Daher haben allein aus diesem Grund die Versicherten ein Eigeninteresse, lieber weiter arbeits- statt berufsunfähig zu sein.

Wie hat denn das Landgericht hier entschieden?

Konkret ging es um einen Fall eines Anwaltes, welcher durch eine Herzerkrankung dringend auf eine Transplantation angewiesen war und somit nicht mehr arbeiten konnte. Dieser war nun arbeitsunfähig und bezog von seinem Krankentagegeldversicherer (aufgrund des Tarifs sollte es die DKV sein) ein Krankengeld. Da sich die Erkrankung sehr lange hin zieht,, bis zum Klagezeitpunkt war noch nicht einmal ein Spenderorgan in Sicht, handelt es sich hier um durchaus ansehnliche Streitwerte. Mit mehr als 83.000 EUR Krankengeld bringt das viele Versicherte durchaus an den Rand des finanziellen Ruins, denn ausgleichen aus privaten Mitteln ist meist nicht möglich.

Der private Krankenversicherer (DKV) kündigte den Krankentagegeldvertrag somit nach §14 der Krankentagegeldbedingungen (MB KT). Ähnlich wie in der heutigen Fassung der Bedingungen (MB KT 2009, dort im § 15 b) ist dort die Beendigung bei Berufsunfähigkeit geregelt. Grundsätzlich ist es auch logisch und verständlich, denn ich kann nicht berufsunfähig und arbeitsunfähig zugleich sein. In dem entsprechenden Paragraphen steht dem Versicherer mit ein Beedigungsrecht zu, wenn:

der Versicherungsnehmer nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50% erwerbsunfähig ist. Die Berufsunfähigkeit setztoraus, dass der Versicherungsnehmer auf nicht absehbare Zeit zumindest 50% erwerbsunfähig bleiben wird.

Das Landgericht stützt sich in seiner Entscheidung unter anderem auf die aktuelle Rechtsprechung des obersten Gerichtes, des Bundesgerichtshofes und führt in seiner Urteilsbegründung unter anderem aus:

Dabei ist zu sehen, dass nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH VersR 2010, 1171) die Berufsunfähigkeit ein Zustand ist, dessen Fortbestand aus sachkundiger Sicht für nicht absehbare Zeit prognostiziert wird, der jedoch typischerweise auch nicht als endgültig oder unveränderlich beurteilt werden kann. Denn es lässt sich eine ins Gewicht fallende Besserung zu irgendeinem späteren Zeitpunkt nicht selten weder zuverlässig voraussagen noch ausschließen. Die erforderliche Prognose kann daher nach Auffassung des Bundesgerichtshofes nur auf den jeweiligen Einzelfall bezogen gestellt werden.

Das Gericht gab somit dem Kläger (und Versicherten) Recht und verurteilte die Deutsche Krankenversicherung (DKV) zur Zahlung der streitgegenständlichen 83.387,40 EUR. Sehr ausführlich und wie gefordert, auf den Einzelfall abgestimmt, betrachtet das Gericht die persönliche Situation, den bisherigen medizinischen Verlauf und die Wartezeit auf eine Transplantation. Da der Kläger schon eine lange Zeit auf der Warteliste stehe, sei wahrscheinlich mit einem Spenderorgan zu rechnen und dann ist eine (zumindest mehr als 50%ige) Wiederaufnahme der Tätigkeit durchaus möglich.

Das gesamte Urteil nebst Begründung und ausführlichen Entscheidungsgrundlagen können Sie im Downloadbereich nachlesen. Auch dieses ist kein Garant für eine Weiterzahlung des Krankengeldes in anderen Fällen, wie gesagt, es sind immer sehr individuelle Gründe und somit Einzelfalleintscheidungen.

Urteil: LG Köln zur Frage „arbeits- oder berufsunfähig“, Az. 23 O 98/09

Doch es gibt noch einen anderen Punkt zu beachten. In vielen Bedingungen zur Krankentagegeldversicherung findet sich eine andere Formulierung, die eine Beendigung des Krankengeldes nach sich ziehen kann. Diese ist in den Musterbedingungen zur Krankentagegeldversicherung (MB KT) nachzulesen und lautet:

(1) Das Versicherungsverhältnis endet hinsichtlich der betroffenen versicherten Personen

b) mit Eintritt der Berufsunfähigkeit. Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50 % erwerbsunfähig ist. Besteht jedoch zu diesem Zeitpunkt in einem bereits eingetretenen Versicherungsfall Arbeitsunfähigkeit, so endet das Versicherungsverhältnis nicht vor dem Zeitpunkt, bis zu dem der Versicherer seine im Tarif aufgeführten Leistungen für diese Arbeitsunfähigkeit zu erbringen hat, spätestens aber drei Monate nach Eintritt der Berufsunfähigkeit;

Einige Unternehmen, hier als Beispiel die Hanse Merkur Krankenversicherung (Tarifbedingungen TB/KT 2009) gehen noch einen Schritt weiter und ergänzen die Musterbedingungen um Aussagen wie:

zu § 15 (1) b MB/KT 2009:

Der Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente steht der Berufsunfähigkeit im Sinne dieser Bedingungen (§§ 11 und 15 Abs. 1 Buchst. b MB/KT 2009) gleich.

Hat der Kunde also nur eine kleine Berufsunfähigkeitsrente versichert (zum Beispiel 1000 EUR), aber dennoch einen Krankentagegeldvertrag mit 100 EUR Tagegeld, so wird er natürlich kein Interesse haben, berufsunfähig zu sein, denn ihm würden Monat für Monat 2.000 EUR fehlen. Ist der Berufsunfähigkeitsversicherer aber nun schnell, vielleicht auch kulant wegen der kleinen Rente, so bedeutet dieses das unfreiwillige Ende der Krankengeldzahlung, selbst wenn noch keine Berufsunfähigkeit im Sinne der Krankentagegeldversicherung eingetreten ist.

Einen solchen Krankentaggeldvertrag sollten Sie besser nicht unterschreiben. Damit geben Sie dem Versicherer die Möglichkeit einer vorzeitigen Beendigung gleich mit an die Hand. Umgehen können Sie dieses durch eine sorgfältige Auswahl der Krankenversicherung und des Krankentagegeldes.

Weitere Artikel die weiterhelfen:

Krankentagegeld und Leistungsbezug

Berechnung des richtigen Krankengeldes und der richtigen Rentenhöhe bei Berufsunfähigkeit

Auswahlkriterien zur Krankenversicherung