Archiv für Dezember 2010

20.
Dezember '10

Private Krankenversicherung 2010 – das war’s, fast!


„Das wird nichts mehr, das Jahr ist vorbei.“

Diesen Satz habe ich am Wochenende einem anfragenden PKV Interessenten am Telefon gesagt und als Antwort ein „Wie bitte? Sind noch noch fast 2 Wochen.“ bekommen. Auch wenn Sie sich jetzt gerade auf die besinnlichen und ruhigen Weihnachtsfeiertage vorbereiten und wir dieses Jahr sehr „arbeitgeberfreundliche“ Feiertage haben, hinsichtlich des Übertritts oder eines Wechsels der Privaten Krankenversicherung ist es das gewesen für dieses Jahr.

Der Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) ist sinnvoll und ohne falsche Entscheidungen zu treffen nicht mehr möglich, dafür sind einfach 2 Wochen deutlich zu kurz.

„Aber mein Berater sagt: Das schaffen wir noch, Sie müssen nur schnell unterschreiben„.

In vorangegangenen Beiträgen hier im Blog „Ist der Wechsel in die Private Krankenversicherung zum 01. 01. 2011 noch möglich.“ oder „Sie müssen sich aber schnell entscheiden- der Unsinn von Verkäufern der PKV.“ habe ich schon so oft erklärt, die Private Krankenversicherung ist eine Lebensentscheidung.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein Haus kaufen… Entscheiden Sie dieses spontan und schnell „nebenbei“? Sicher nicht, kostet ja schließlich viel Geld und muss wohl überlegt sein und genau so ist es in der Privaten Krankenversicherung auch. Nicht nur der Beitrag, der sich über die nächsten Jahrzehnte ansammelt, auch die möglichen Leistungen und Kosten der Gesundheitsvorsorge summieren sich auf große, sechsstellige Beträge.

Doch wer „schafft „es nun noch und wer nicht mehr bis zum 01. Januar 2011?

Dabei muss unterschieden werden wie weit Sie bisher mit Ihrer Auswahl gekommen sind.

Typ 1: Tarifauswahl bereits abgeschlossen

Für den Fall, dass Sie sich bereits länger mit der Auswahl „Ihrer“ Privaten Krankenversicherung (PKV) beschäftigen und kurz vor einer Antragstellung stehen, könnte es sogar noch klappen. Dazu ist zu überlegen, ob eine Voranfrage nötig ist, oder es direkt zur Antragstellung gehen kann. Was genau diese beiden Verfahren unterscheidet und was eine Voranfrage dann genau bewirkt, lesen Sie bitte im Beitrag „Voranfrage oder Antrag- Der richtige Weg zur passenden PKV“ nach.

Bei einer Antragstellung bis spätestens 22. 12. 2010 und keinen gesundheitlichen Rückfragen seitens der Gesellschaft, sollte ein Wechsel zum Januar noch klappen.

Typ 2: Ich möchte auch in die PKV, weiss aber noch nicht wie und in welche

Sie haben gerade erst erfahren, dass Sie als Angestellter zum Januar versicherungsfrei werden und in die private Krankenversicherung wechseln können und noch nicht mit der Auswahl begonnen. Auch wenn Ihnen nun viele „Verkäufer“ raten noch schnell zu wechseln, am besten gleich, so sollten Sie diese Aussage schlichtweg vergessen. Jeder der meint, in 5-10 Tagen eine lebenslange Tarifentscheidung zu treffen oder treffen zu wollen, wird sich schnell eines besseren belehren lassen müssen.

Machen Sie sich lieber in Ruhe Gedanken um „Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung„, Tarif- und Beitragsentwicklung und lesen nebenher schon einmal den Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung. Dann wechseln Sie eben nicht zum 01. Januar, kündigen die gesetzliche Kasse regulär und wechseln eben zum 01. 03. oder 01. 04. 2011.

Typ 3: Sie wechseln aus einer anderen PKV wegen Beitragsanpassung

Auch hier gilt das gleiche, wie bei beiden vorangegangenen „Typen“. Wenn Sie Ihre Auswahl abgeschlossen haben und bereit sind einen Antrags zu stellen, dann ja. Ist die Auswahl noch nicht abgeschlossen ist zu überprüfen ob Sie überhaupt zum 01. Januar wechseln können. Was passiert wenn die Mitteilung zur Beitragserhöhung nicht angekommen ist und wie lang Sie dann Zeit haben, das lesen Sie sicherheitshalber hier nochmals nach. Dann ist auch hier der zeitliche Druck nicht so vorhanden und ein Wechsel noch in Ruhe anzugehen. Sonst gilt auch hier: Besser da bleiben wo Sie sind und im nächsten Jahr einen Wechsel in Ruhe planen.

Da die Versicherer mittlerweile ebenfalls Ihre „Deadlines“ angepasst haben, hier einmal Daten zu meiner Erreichbarkeit und zu dem, was Sie noch tun müssen.

Je nach Gesellschaft ist der allerletzte sinnvolle Termin bei „glatten“ Anträgen (also Anträgen ohne gesundheitliche Einschränkungen) der 27. Dezember. Hier ist es aber dann auch die absolut letzte Chance.

Anträge mit irgendeiner gesundheitlichen Beeinträchtigung müssen bis 21. Dezember gestellt sein. Dieses gilt auch nur dann, wenn Ihnen die Befunde, Krankenhausberichte und sonstige Unterlagen bereits vorliegen.

Ich werde für Sie bis zum 23. Dezember und dann ebenfalls am 27. und 28. erreichbar sein. Danach verabschiede ich mich ins Jahresende. Per Mail erhalten Sie aber auch am 29. und 30. Dezember von meinem Mitarbeiter die entsprechenden Unterlagen noch weitergeleitet. Eine Bearbeitung und Abwicklung ist somit sichergestellt.

Was Sie noch tun müssen:

Egal ob Sie aus der privaten (PKV) oder gesetzlichen (GKV) Vorversicherung wechseln, denken Sie bitte daran eine Folgeversicherungsbestätigung bei der bisherigen Versicherung einzureichen. Diese muss zwingend bis zum Kündigungstermin vorliegen, sonst ist die Kündigung unwirksam und der Vertrag bleibt bestehen.

Nun erstmal eine besinnliche und entspannte Weihnachtszeit und…

wenn nicht dieses Jahr, die PKV wird es auch in 2011 noch geben, auch wenn Sie dann ein Jahr älter sind.

17.
Dezember '10

Voranfrage oder Antrag? Der richtige Weg zur passenden PKV


Da haben Sie sogfältig den Leitfaden gelesen, sich mit dem Kriterienfragebogen zur Privaten Krankenversicherung (PKV) beschäftigt und sich nun in Ruhe entschieden die gesetzliche Krankenkasse (GKV)zu verlassen und sich privat krankenversichern zu wollen.

Doch nun stellt sich die große Frage, wie geht das eigentlich? Wie läuft es ab und was ist zu beachten?

Entscheiden müssen Sie sich, gemeinsam mit Ihrem Berater, über den Weg zum Vertrag. Der 1. ist eine direkte Antragstellung, der 2. ist ein kleiner „Umweg“ und beginnt mit einer Voranfrage. Doch wie genau kommt es nun dazu?

Vorbereitung:

1.) Tragen Sie alle Daten zusammen, die Ihre Gesundheit der letzten 10 Jahre betreffen. (Die Fristen sind unterschiedlich lang bei den Unternehmen. Dabei wird auch zwischen ambulanten, stationären und psychotherapeutischen Behandlungen unterschieden und die Fristen sind unterschiedlich.) Dazu erhalten Sie auch von Ihrem Arzt Auskunft. Weigert sich der Arzt, so weisen Sie ihn auf seine ärztliche Auskunftspflicht gemäß Berufsordnung hin.

2.) Besorgen Sie sich (falls es sich um chronische Erkrankungen -Allergien, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen etc) handelt, aktuelle Werte und einen aktuellen Befund.

3.) Falls Sie im Krankenhaus waren, eine Reha- oder Kurklinik aufgesucht haben, so benötigen Sie in jedem Fall einen Operations-, Entlassungs- oder Kurbericht.

4.) Bei Vorerkrankungen nutzen Sie bitte in jedem Fall für ergänzende Angaben auch die Fragebögen. Diese finden Sie, nach Erkrankungen sortiert, auch im Downloadbereich.

Nachdem Sie all diese Informationen nun haben, unterscheiden wir nun zwischen Antrag und Voranfrage.

Weg 1, Der Antrag:

Sie schauen sich zunächst die Antragsformulare an. Dort fragt der Versicherer nach Beeinträchtigungen, Untersuchungen, Behandlungen und vielem mehr.

Für eine Antragstellung ist in der Regel keine Gesundheitsprüfung, sondern das Beantworten eben solcher Fragen nötig. Dabei sollten Sie darauf achten, alle Fragen richtig und vollständig zu beantworten.

Laden Sie sich das entsprechende Antragsformular aus dem Downloadbereich herunter und füllen Sie alle Daten und relevanten Felder aus. Unterschreiben Sie bitte JEDE Seite des Antrages, auch wenn dort kein spezielles Feld vorhanden ist. Im Original handelt es sich um bedruckte Rückseiten, hier bestätigen Sie mit der Unterschrift auch die Kenntnis dieser Seite.

Dann senden Sie mir den Antrag (nebst Befunden und Fragebögen) bitte gescannt per E-Mail oder per Fax. Bei Rückfragen sprechen wir dann vor Antragstellung darüber.

Weg 2, Die Voranfrage und erst dann zum Antrag:

Anders als bei einer Antragstellung wird hier eine unverbindliche Antragsprüfung durchgeführt und der Versicherer entscheidet dann, unter welchen Bedingungen er einen Versicherungsschutz anbieten will/ kann.

Anders als bei dem Antrag kommt hier durch die Antwort des Unternehmens KEIN Versicherungsschutz zustande. Der Versicherer prüft zunächst das Risiko und fordert ggf. weitere Unterlagen an, oder hat Rückfragen.

Diese Variante eignet sich für jeden, der Vorerkrankungen und Einschränkungen hat, welche zu einem Zuschlag oder einer nicht mehr „glatten“ Annahme führen. Dabei ist nur eine Seite aus dem Antragsformular nötig. Das ist die, mit den gesundheitlichen Angaben. Diese tragen Sie bitte (wie bei der Antragstellung auch) in die Felder ein und senden mir diese Voranfrage mit allen erforderlichen Unterlagen zurück.

Nachdem uns dann der Versicherer die Einschätzung und die Höhe des Risikozuschlages mitgeteilt hat, entscheiden wir gemeinsam welche Variante sinnvoll und angemessen ist. Dann kann ein entsprechender Antrag gestellt werden und der Ablauf beginnt wie oben unter „Weg 1“ beschrieben.

Zusammenfassung:

Sind Sie gesund und haben außer Vorsorge, Erkältungen und grippale Infekte keine weiteren Einschränkungen zu vermelden, so können Sie (wenn Ihre Entscheidung zu Gesellschaft und Tarif fundiert und in Ruhe gefallen ist) direkt einen Antrag stellen. Eine Voranfrage würde keinen Sinn machen, da es sich um eine „normale“ Annahme (also ohne Zuschläge und Einschränkungen) handelt.

Gibt es Vorerkrankungen und/ oder Einschränkungen, Behinderungen oder Folgen von Behandlungen, so stellen Sie bitte keinen Antrag, nur eine Voranfrage. Dieses stellt sicher, das „kein abgelehnter Antrag“ bei der nächsten Antragstellung angegeben werden muss. Oftmals führt dieses zu neuen Einschränkungen.

15.
Dezember '10

Lasik und die medizinische Notwendigkeit in der Privaten Krankenversicherung (PKV)


Update 09/2014: Laserbehandlung in der neuen Unisexwelt- nicht immer eine Verbesserung

Das Thema Laserbehandlung der Augen (Lasik) ist bekanntlich in der Privaten Krankenversicherung (PKV) umstritten. Außer die Gesellschaften, welche in ihren (meist neuen) Bedingungen die Lasik Behandlungen ausdrücklich erwähnen, lehnen die meisten anderen die Behandlung aufgrund fehlender medizinischer Notwendigkeit die Kostenerstattung ab.

Die Begründung für eine solche Ablehnung erfolgt vor dem Hintergrund, eine solche Behandlung sei nicht medizinisch notwendig, da „das schlechte sehen“ durch eine Brille korrigiert werden kann und somit eine „Heilung“ stattfindet. Versicherungsfall in der Krankenversicherung ist gemäß Musterbedingungen in der Privaten Krankenversicherung (MB/KK)…

(2) Versicherungsfall ist die medizinisch notwendige Heilbehandlung einer versicherten Person wegen Krankheit oder Unfallfolgen. Der Versicherungsfall beginnt mit der Heilbehandlung; er endet, wenn nach medizinischem Befund Behandlungsbedürftigkeit nicht mehr besteht.

Da die Brille eine solche Sehminderung korrigiert, meinten die Versicherer bisher es reiche aus, die Brille zu bezahlen.

Bisher gibt es (leider) auch kein höchstrichterliches Urteil seitens des Bundesgerichtshofes, denn meist wurden anhängige Verfahren im Vorwege durch Zahlung der Summe oder einen Vergleich beendet. So entfällt die Grundlage einer Entscheidung, welche die Versicherer ja nicht wollen. Nun hat sich Richterin Dr. Sibylle Kessal-Wulf  (Bundesgerichtshofes) unerwartet deutlich zu dieser Frage geäußert.

In der Fachzeitschrift „recht und schaden“ (2010, 9, 353) nimmt Frau Kessal-Wulf unter anderem deutlich zu dem oben beschriebenen Problem der medizinischen Notwendigkeit Stellung und schildert einen Fall eines Patienten der eine solche Lasik Behandlung erstattet haben wollte. Das „gibt Anlass zu folgenden Überlegungen“, so die Richterin weiter:

Krankheit im Sinne der Bedingungen ist ein objektiv nach ärztlichem Urteil bestehender anomaler, regelwidriger Körper- oder Geisteszustand (BGHZ 99, 228, 230 = r+s198780; BGHZ 158, 166, 170 = r+s2004201; BGHZ 164, 122, 125 =r+s2005512). Heilbehandlung – hier die ambulante Operation beider Augen – ist dabei jegliche ärztliche Tätigkeit, die durch die betreffende Krankheit verursacht worden ist, sofern die Leistung des Arztes von ihrer Art her auf Heilung, Besserung oder Linderung der Krankheit abzielt.

Spannend und bisher nicht so kommuniziert ist die Auffassung, dass das Tragen einer Brille/ Sehhilfe keine Heilbehandlung in Bezug auf die Fehlsichtigkeit darstellt. Hilfsmittel gleichen vielmehr körperliche Defekte aus und nehmen eine „Ersatzfunktion für ein krankes Organ wahr“ (Senatsurteile vom 17. 12. 1986 – IVa ZR 78/85 – r+s198780 = VersR 1987, 278 unter II 5; vom 19. 5. 2004 – IV ZR 176/03 –, RUS 2004, 423 unter II 1b.)

Sehhilfen sind daher nicht auf Heilung, Besserung oder Linderung des Ausgangsleidens (Fehlsichtigkeit) gerichtet, sondern kompensieren lediglich einen regelwidrigen Körperzustand, ohne an diesem grundsätzlich etwas zu ändern. Die Fehlsichtigkeit besteht bei dem Tragen einer Brille oder von Kontaktlinsen fort, auch wenn sie mittels der Sehhilfe ausgeglichen oder zumindest abgeschwächt wird. Es tritt zwar eine Linderung des Ausgangsleidens insoweit ein, als die Folgen der Fehlsichtigkeit gemildert werden, ohne dass dadurch aber zugleich ihre körperliche Ursache behoben wäre.

Da der Versicherungsnehmer eine Einschränkung auf eine Sehilfe nicht im Sinnzusammenhang erkennen kann und es nicht ersichtlich ist, auf die günstigste Behandlungsmethode zu beschränken, spielen die Kosten der Heilbehandlung keine Rolle. Frau Kessal-Wulff weiter:

Der Versicherungsnehmer muss demnach seine Fehlsichtigkeit nicht auf Grund eines – den Versicherungsbedingungen nicht zu entnehmenden – „Prinzips der Nachrangigkeit” durch Sehhilfen kompensieren, sondern darf diese durch eine Operation beheben lassen, sofern diese ihrerseits die Voraussetzungen einer medizinisch notwendigen Heilbehandlung erfüllt.

Diese Ausführungen werden sicher dazu beitragen, einige Versicherungsnehmer zu bestärken diesen Anspruch gegen Ihren Versicherer zu verfolgen. Dabei ist auch zu berücksichtigen, wie die Vertragsbedingungen konkret ausgestaltet sind. Hat der Versicherer verbindlich die Kosten für Lasik Behandlungen in den Ausschlüssen definiert, so trifft diese Auffassung sicher nicht zu. Daher kann es

1.) trotz dieser Ausführungen zu einer berechtigten Ablehnung kommen

2.) ist dieses „nur“ eine Auffassung und kein Urteil oder dergleichen und hat keine Bindung für Versicherer, Gerichte oder sonstige Entscheider

Jedoch gibt es einen interessanten Ausblick darauf, wo die „Reise hingehen kann“, wenn es denn einmal ein entsprechendes Verfahren gibt. So schrieb die Richterin weiter:

Diese objektive Anknüpfung bedeutet zugleich, dass es für die Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit der Behandlung nicht auf die Auffassung des Versicherungsnehmers und auch nicht allein auf die des behandelnden Arztes ankommen kann. Gegenstand der Beurteilung können vielmehr nur die objektiven medizinischen Befunde und Erkenntnisse im Zeitpunkt der Vornahme der Behandlung sein.

Was können Sie nun tun?

Haben Sie eine Lasik OP bereits durchgeführt und ihr Versicherer hat die Leistung noch nicht abgerechnet oder abgelehnt (und ist diese noch in dem Zeitraum der eine Einreichung von Rechnungen ermöglicht, also nicht vor 2008) so bitten Sie erneut mit Hinweis auf o.g. Ausführungen um eine Kostenübernahme. Danach können Sie weitere Vorgehensweise planen, ggf. rechtliche Beratung hinzuziehen und weitere Schritte einleiten.

Kleine Bitte:

Schildern Sie mir doch einmal in den Kommentaren unter diesem Artikel oder aber per Kontaktformular Ihre Erfahrungen. Ich sammle die Informationen und werde diese hier ohne Namensnennung ergänzen.

Quelle: Nachlesen können Sie den gesamten Aufsatz in der Zeitschrift „recht und schaden“ des Beck Verlages. Ausgabe 2010, 9, 353.

14.
Dezember '10

Ist der Wechsel in die PKV noch zum 01. 01. 2011 möglich?


Viele von Ihnen planen noch zum 01. 01. 2011 in die Private Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Einige auch deshalb, da die vom Bundestag beschlossene Neuregelung der 3-Jahresgrenze nun erst die Möglichkeit eröffnet, die gesetzliche Krankenkasse (GKV) zu verlassen. Dabei ist zu prüfen ob dieser Wechsel nun wegen erstmaligem Überschreiten der Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) stattfindet, oder eine reguläre Kündigung nötig ist.

Dennoch sollten Sie in jeden Fall nichts überstürzen und in Ruhe eine Entscheidung treffen. Bereits in meinem Beitrag „Noch schnell -ein Jahr jünger- in die PKV“ hatte ich beschrieben, wie ein solcher Wechsel unter bestimmten Umständen noch zu dem Eintrittsalter 2010 möglich ist.  Durch die geschickte Nutzung einer Anwartschaft ist der Versicherungsnehmer nämlich auch am 01. 01. versicherungstechnisch so alt, wie am 31. 12. diesen Jahres.

Doch schaffe ich das alles noch bis zum Jahresende?

Die Frage ist zwar pauschal nicht zu beantworten, jedoch aus heutiger Sicht sehr ambitioniert.

Der GKV versicherte Angestellte:

Wenn Sie angestellt sind und aus der gesetzlichen Krankenkasse kommen, so sollten Sie sich Zeit nehmen und ggf. regulär die GKV verlassen. Auch wenn Sie gern zum 01. Januar wechseln wollen und das alles schnell gehen soll, so ist es besser, die gesetzliche Krankenkasse regulär zu kündigen und etwas mehr Zeit zu haben.

Regulär bedeutet hier, Kündigung der GKV im Dezember, dann wird diese wirksam zum Ende des übernächsten Monats, also zum 28. 02. 2011. Ab 01. März 2011 können Sie somit in die Private Krankenversicherung (PKV) wechseln. Die Kündigung selbst hingegen ist völlig risikolos. Reichen Sie zum Ablauf keine Bestätigung einer anderweitigen Versicherung ein, so ist die Kündigung der GKV unwirksam. Daher können Sie heute die GKV kündigen, auch wenn der Wechsel noch nicht klar oder entschieden ist.

Der bereits PKV Versicherte Angestellte/ Selbstständige/ Freiberufler

Sollten Sie aufgrund von Beitragsanpassung den bisherigen Vertrag kündigen wollen, so ist entscheidend, das Sie dieses wohl überlegt und nicht voreilig tun. Dabei beachten Sie bitte die Hinweise in meinen Blogbeiträgen „Nicht voreilig kündigen bei Beitragsanpassung“ und auch die Beiträge zu den Beitragsanpassungen. Als bereits Versicherter gelten hier natürlich Ausschlussfristen. Nur wenn Sie (wie im Beitrag hier beschrieben) die Kündigung nicht erhalten haben, so ist eine Verlängerung der Frist möglich. (Blogbeitrag: Und wenn Sie die Beitragsanpassung nicht erhalten haben)

Bitte beachten Sie auch, das es natürlich zufällig passieren kann, das Gesellschaften Ihre Telefonanlage zum Jahresende austauschen und daher ein faxen der Kündigung zum Termin nicht möglich ist. Dieses war im letzten Jahr zu erleben. „So vermeide ich auch Kündigungen„. Da aber diese Kündigung, samt Kündigungsbestätigung zugehen muss, faxen Sie diese einfach an mehrere Vertreter der Central Gesellschaft. So stellen Sie sicher, dass diese auch ankommt.

Völlig unabhängig davon gilt für derzeit Versicherte und alle die es werden wollen:

Bei den meisten Gesellschaften werden nur noch die Anträge garantiert, welche vor oder bis zum 17. Dezember eingehen oder bis zum 23. 12. (dann aber nur wenn keine Nachfragen und Einschränkungen der Gesundheit vorhanden sind. Daher sollten Sie sich schnell mit dem Thema beschäftigen, aber dennoch nichts überstürzen. Wenn Sie merken es wird zu stressig oder nicht mehr zu schaffen, lehnen Sie sich zurück und verschieben Sie die Entscheidung um ein Jahr. Auch wenn es nicht schön ist, so nehmen Sie damit eine Menge Druck aus dem Wechsel und haben sicher ein entspannteres Weihnachtsfest.

Bei Fragen:

Sie erreichen mich dieses Jahr bis einschließlich 23. Dezember, wie auch am 27.- 30. Dezember. Jedoch sind „Wunder“ und „schnelle Entscheidungen auch in diesem Jahr nicht zu erwarten. 🙂

13.
Dezember '10

Bedingungsänderungen der Alten Oldenburger Krankenversicherung zum 01. 01. 2011


Einige Gesellschaften haben es ja in den letzten Jahren, Monaten und Wochen vorgemacht und ihre Bedingungen zu Gunsten der Versicherungsnehmer geändert.

Nach der Barmenia und Allianz folgt nun auch die Alte Oldenburger Krankenversicherung dem Trend und ändert die Bedingungen MB/KK 2009 zu, 01. Januar 2011. Hier in einer kurzen Zusammenfassung die „Neuigkeiten“.

Die Versorgung in gemischten Anstalten wird nun klargestellt und auf „rechtlich sicherer Füße gestellt“. Ab sofort finden wir folgende Relativierung in den Bedingungen:

zu § 4 Abs. 5 MB/KK 2009

Die ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung kann sich auf eine fehlende Leistungszusage nicht berufen, wenn:

a) es sich um eine medizinisch notwendige stationäre Anschlussheilbehandlung (AHB) handelte, die innerhalb von 8 Tagen nach der stationären Akutbehandlung angetreten wurde;

b) es sich um eine Notfalleinweisung handelte;

c) die Krankenanstalt das einzige Versorgungskrankenhaus in der Umgebung des Wohnortes oder gewöhnlichen Aufenthaltes des Versicherten war;

d) während des Aufenthaltes in der Krankenanstalt eine akute Erkrankung auftrat, die eine medizinisch notwendige stationäre Behandlung erforderte.

Auch der bestehende Ausschluss der Versicherungsleistungen bei Kriegsereignissen führt immer wieder zu Aufregung. Dieses ist nun in der neuen Fassung der Bedingungen relativiert und auch die Frage nach Versicherungsschutz bei Terroranschlägen wird klargestellt. Der passende Teil in den Bedingungen lautet hier:

zu § 5 Abs. 1 a) MB/KK 2009

Sofern zum Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalles keine Kriegsereignisse mehr im Aufenthaltsland stattfinden, gewährt der Versicherer unter der Bedingung, dass für das Aufenthaltsland keine Reisewarnung durch das Auswärtige Amt besteht, Versicherungsschutz für Krankheiten und Unfälle, die mittelbar durch Kriegsereignisse verursacht werden.

Terroristische Anschläge und deren Folgen zählen nicht zu den Kriegsereignissen im Sinne des § 5 Abs.1 a) MB/KK 2009.

Der kursiv gedruckte Teil in der oben genannten Aussage ist mir nicht recht klar. Wenn keine Kriegsereignisse bei Eintritt des Versicherungsfalls bestehen, können diese auch keinen solchen Versicherungsfall auslösen. Ich werde hierzu mal die AOL anfragen, wie denn dieser Satz gemeint ist. Der explizite Einschluss von Terrorereignissen ist mehr als positiv.

Auch Entziehungsmaßnahmen werden zukünftig, nach vorheriger Zusage, zu 80% eingeschlossen, falls kein anderer Leistungsanspruch besteht.

zu § 5 Abs. 1 b) MB/KK 2009

Sofern die versicherte Person keinen anderweitigen Anspruch auf Kostenerstattung oder Sachleistung hat, wird bei der ersten Entziehungsmaßnahme ein Kostenzuschuss von 80% der Allgemeinen Krankenhausleistungen nach der Bundespflegesatzverordnung (BPfl V) bzw. dem Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG) gewährt, wenn der Versicherer diese vor Beginn der Maßnahme schriftlich zugesagt hat. Aus einer Krankenhaustagegeldversicherung wird nicht geleistet.

Ein Punkt folgt noch in der Bedingungsänderung, einer der für mein Verständnis nicht nur wichtig, sondern unabdingbar ist. Was passiert mit meinem Versicherungsschutz, falls einmal Versicherungspflicht eintritt und ich in die gesetzliche Krankenkasse zurück muss? Auch diese Frage hat die Alte Oldenburger nun beantwortet und schreibt dazu:

Zusatzversicherungen

Bei Kündigung nach § 13 Abs. 3 MB/KK 2009 verpflichtet sich der Versicherer zur Annahme eines Antrags auf Zusatzversicherung ohne erneute Risikoprüfung und ohne erneute Wartezeiten, soweit Zusatzversicherung und gesetzlicher Versicherungsschutz zusammen den bisherigen Leistungsumfang nicht übersteigen. Die Zusatzversicherung muss dabei in unmittelbarem Anschluss an die gekündigten Tarife beginnen und der Antrag zugleich mit der Kündigung gestellt werden.

zu § 14 Abs. 2 MB/KK 2009

Bei einer Krankheitskostenteilversicherung verzichtet der Versicherer auf das ordentliche Kündigungsrecht.

Diese Änderung war aus meiner Sicht zwingend nötig. Nun ist sichergestellt, dass die Umwandlung in eine Zusatzversicherung auch bei bestehenden Krankheiten erfolgen muss und der Versicherer den Antrag (wenn er nach oben genannten Vorgaben gestellt wird) nicht ablehnen kann.

Alles in Allem sind diese Änderung deutlich positiv. Ob diese nur für das Neugeschäft oder auch für den Bestand erfolgen, bleibt abzuwarten. Damit Sie sich eine eigene Meinung bilden können, hier die pdf mit dem Originaldruckstück im Downloadbereich:

Alte Oldenburger, MB/KK 2009, Stand 01/ 2011