Archiv für August 2010

31.
August '10

Neuer Antrag, neue Gesundheitsfragen bei der Gothaer Krankenversicherung


Am Freitag der letzten Woche hatte ich bereits zu der Verkürzung der Antragsfrage bei Psychotherapie geschrieben. Mit der Überarbeitung des Antrages (Druckstück Nr. 204734) hat die Gothaer Krankenversicherung einige Antragsfragen verändert. Schauen wir uns diese Veränderungen doch einmal im Detail an:

So lautet die Frage nach Behandlungen und Untersuchungen etc. im alten Antrag:

Fanden Behandlungen, Untersuchungen (hierzu zählen auch Kontrolluntersuchungen aufgrund Vorerkrankungen), Beratungen oder Operationen statt bzw. sind solche beabsichtigt oder angeraten?

a) in den letzten 3 Jahren ambulant durch Ärzte, Heilpraktiker oder Angehörige anderer Heilberufe

b) in den letzten 5 Jahren stationär (auch in Kurkliniken oder Sanatorien)

c) in den letzten 10 Jahren durch Psychotherapeuten oder Psychiater

Im neuen Antrag sind diese Fragen detaillierter und aufgeteilt in mehrere Antragsfragen:

Fanden in den letzten 3 Jahren ambulante Untersuchungen (auch Kontrolluntersuchungen aufgrund Vorerkrankungen), Beratungen, Behandlungen oder Operationen durch Ärzte, Heilpraktiker oder Angehörige anderer Heilberufe statt bzw. sind solche beabsichtigt?

Fanden in den letzten 5 Jahren stationäre Untersuchungen, Behandlungen oder Operationen statt oder sind solche beabsichtigt oder angeraten? Bitte auch Aufenthalte in Kurkliniken oder Sanatorien angeben.

Fanden in den letzten 5 Jahren Behandlungen, Therapien/Gesprächstherapien, Untersuchungen oder Beratungen aufgrund psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen/Störungen statt oder sind solche angeraten oder beabsichtigt?

Neu ist auch die Abfrage und als Pflichtangabe zu beantwortende Angabe zur Branche. Wird diese nicht beantwortet, so kommt es zu Rückfragen.

Im sonstigen Verlauf haben sich die (risikorelevanten) Fragen nicht weiter verändert. Sollten Sie den Antrag im Original einmal anschauen wollen, so finden Sie in der Rubrik Antragsunterlagen im Downloadsbereich das entsprechende Formular.

30.
August '10

Hallesche führt neue Tarifstufe NK Bonus mit garantierter Rückzahlung ein


In einem vergangenen Blogartikel zur Beitragsrückerstattung habe ich bereits die unterschiedlichen Modelle erklärt. Da gibt es neben der erfolgsabhängigen Rückzahlung (welche eben auch gestrichen werden kann) auch Modelle mit garantierter, also vertraglich vereinbarter Rückzahlung.

Bekannt sind, um einige zu nennen, hier die Tarife der damaligen Zürich Krankenversicherung (heute DKV) mit dem M4-BR4, der Hanse Merkur mit dem ASZG, der Gothaer mit einer Art Gesundheitsbonus und auch Tarife des Münchener Vereins. Auch die Hallesche Krankenversicherung hat mit dem Primo Bonus bereits eine solche Tarifstufe im Programm.

Nun führt die Hallesche Krankenversicherung auch in ihrem „TopTarif“ NK eine solche Erstattung ein. Als neue Tarifstufe zu den NK Tarifen wird der NK Bonus eingeführt. In den Versicherungsbedingungen finden sich dazu dann folgende Regelungen:

1. Bonus

In Tarifstufe NK Bonus erhält der Versicherungsnehmer für jede versicherte Person je versicherten Monat, in dem Versicherungsschutz nach Tarif NK Bonus besteht, einen Bonus von 60 €

– maximal ergibt dies einen Bonus von 720 € je Kalenderjahr je versicherte Person. Der Bonus wird monatlich auf ein Konto des Versicherungsnehmers ausgezahlt. Voraussetzung für die Auszahlung des Bonus ist die Bezahlung des Beitrags per Lastschrifteinzugsverfahren.

Werden Rechnungen zur Erstattung eingereicht, wird der gesamte jährliche Bonus von 720 € auf den Erstattungsbetrag angerechnet. Dies gilt auch, wenn die Versicherung nach NK Bonus vor Ablauf eines Kalenderjahres endet. Beginnt die Versicherung nicht am 1. Januar eines Kalenderjahres, so ermäßigt sich die Anrechnung für dieses Jahr um jeweils 1/12 für jeden Monat, in dem die Versicherung noch nicht bestand.

Klingt ja toll- oder? Schon vorher von dem Krankenversicherungsbeitrag 60 EUR zurückerstattet zu bekommen, ist sicher eine charmante Idee. Gerade bei Arbeitnehmern macht sich dieses im Rahmen des Arbeitgeberzuschusses und der Ausnutzung von selbigem positiv bemerkbar, mag man meinen.

Das Problem an der Sache liegt im Detail. Durch die garantierte Rückzahlung sinkt auch der steuerlich anrechenbare Betrag und es wird eine Neuberechnung der Lohnsteuer oder ggf. eine Nachzahlung nötig. Daher sollte dieser Aspekt zum einen vorher genau bedacht werden, zum anderen gibt es die Rückerstattung eben nur bei Leistungsfreiheit.

Dabei werden die Tarife in den gleichen Selbstbeteiligungsstufen wie der NK Tarif vorhanden sein. Also 0, 300, 600, 1.200 und 3.000 EUR.

Schauen wir uns die reinen Prämien (ohne gesetzlichen Zuschlag) mal in den unterschiedlichen Modellen an:

(alter NK Tarif, jeweils 30jährig, männlich/ weiblich):

ohne Selbstbeteiligung: 419,29 EUR / 499,73 EUR

300 EUR SB: 333,65 EUR / 443,57 EUR

600 EUR SB: 279,21 EUR / 396,11 EUR

NK Bonus mit 720 EUR Bonus: 345,83 EUR / 460,95 EUR

Beiträge jeweils Stand 30. 08. 2010 und ohne die voraussichtlichen Beitragsanpassungen 2011

Bei dem Vergleich der Tarife sollte aber berücksichtig werden, dass zunächst bis zum Betrag von 720 EUR (Bonusverrechnung) keine Rechnungen eingereicht werden können bzw. es keinen Sinn macht. Dazu ist die vereinbarte Selbstbeteiligung dazu zu rechnen.

Auch hier gilt (wie immer):

Die Rückerstattung ist kein Argument für oder gegen einen Tarif. Egal ob garantierte Rückerstattung und/ oder Bonusleistung, oder erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung, diese werden immer nur bei Leistungsfreiheit gezahlt. Und die Krankenversicherung ist nicht für die Zeit wo man keine Leistungen braucht, sondern wenn man diese braucht.

Auswahlkriterien zur PKV finden Sie hier im Fragebogen

27.
August '10

Gothaer Krankenversicherung verkürzt Abfragezeitraum bei Psychotherapie


Vor gar nicht so langer Zeit galt alles was mit Psyche, Psychosomatik und dergleichen zu tun hat als absolutes K.O. für (fast) jeden Krankenversicherer. Auch damals gab es durchaus Möglichkeiten den Versicherungsschutz trotz Psychotherapie zu bekommen, allerdings nicht ohne Ausschlüsse und meist nur in Gruppenverträgen.

Nachdem die AXA Krankenversicherung im letzten Jahr die Abfragezeiträume in den Anträgen von 10 auf 3 Jahre verkürzt hat, geht auch die Gothaer Krankenversicherung einen ähnlichen Weg.

In dem bisherigen Antragsformular (Druckstück AN 204734, Stand 2008) der Gothaer fand sich zur Psyche folgende Frage:

Fanden Behandlungen, Untersuchungen (hierzu zählen auch Kontrolluntersuchungen aufgrund Vorerkrankungen), Beratungen oder Operationen statt bzw. sind solche beabsichtigt oder angeraten? (…) c) in den letzten 10 Jahren durch Psychotherapeuten oder Psychiater

Nun, im neu eingeführten Universalantrag (204734_20100801, Danke Kollege König für den Tipp) sieht es anders aus. Dort wird nun gefragt:

Fanden in den letzten 5 Jahren Behandlungen, Therapien/Gesprächstherapien, Untersuchungen oder Beratungen aufgrund psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen/Störungen statt oder sind solche angeraten oder beabsichtigt?

Die Frage ist detaillierter geworden, jedoch hat sich der Abfragezeitraum halbiert. Für Personen die den Weg in die Private Krankenversicherung (PKV) gehen wollen oder bisher vergeblich gehen wollten, ergibt sich hier vielleicht ein neuer Ansatzpunkt. Das jedoch nur dann, wenn die Auswahkriterien der Tarife passen und den eigenen Ansprüchen entsprechen.

Weitere Artikel zur Gothaer Krankenversicherung

26.
August '10

Angemessenheit von Heilmitteln- oder warum die PKV weniger erstattet als der Physiotherapeut abrechnet


Ich hatte bereits im letzten Jahr über die Abrechnungsmodalitäten bei Heilmitteln, so auch die Abrechnung bei logopädischen Leistungen geschrieben. Generell gilt: Es gibt keine einheitliche, pauschale Lösung. Die Höhe der Erstattungen regelt der jeweilige Versicherer im Rahmen der Tarifbedingungen und ggf. weiterer Anlagen zu diesen.

Dabei unterscheiden sich die Tarife und lassen sich in mehrere Gruppen einteilen:

1.) Der Tarif hat keine Regelung

Dann greift hier „nur“ die Vorgabe der medizinischen Notwenigkeit und einer angemessenen Abrechnung durch den Heilbehandler. Da es aber keine festgelegten Sätze, wie bei den Ärzten in der GOÄ gibt, kann der Physiotherapeut für seine Behandlung einen entsprechenden Satz abrechnen. Dabei wird sich dieser allein deshalb bundesweit unterscheiden, weil der Therapeut für die Krankengymnastik in bester Innenstadtlage andere Sätze berechnen muss wird, als der Kollege in dem ländlichen Einzugsgebiet.

2.) Der Tarif verweist auf eine Anlage, ein so genanntes Heilmittelverzeichnis

Dabei hat der Versicherer eine Übersicht erstellt, welche die Höhe der Anwendungspreise regelt. Diese schreibt genau vor, was für welche Behandlung aus Sicht der Versicherers verlangt werden darf. Diese Tabelle ist Vertragsbestandteil und sollte somit 1.) bei Abschluss genau gelesen und verstanden sein und 2.) am besten mit zum Behandlungstermin genommen werden. Hier ein Beispiel aus einem solchen Verzeichnis:

22,50 EUR – Krankengymnastische Behandlung (auch auf neurophysiologischer Grundlage, Atemtherapie), als Einzelbehandlung einschließlich der erforderlichen Massage

Einzelbehandlung bei Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen 36,50 EUR für 30 Minuten oder 60,10 EUR für 60 Minuten

3.) Orientierung an den beihilfefähigen Höchstsätzen

Dabei nutzt der Versicherer kein eigenes, individuelles Kostenverzeichnis. Er bezieht sich auf die Bundesbeihilfeverordnung, also eine Art Vorschrift, welche die Kostenerstattung für Beamte regelt. Diese hat aus eine entsprechende Anlage und regelt hierin die Höchstsätze für eine Erstattung. In oben genanntem Beispiel lauten die Sätze hier wie folgt:

19,50 EUR Krankengymnastische Behandlung2) (auch auf neurophysiologischer Grundlage, Atemtherapie) als Einzelbehandlung

Einzelbehandlung bei Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen a) Mindestbehandlungsdauer 30 Minuten – 31,70 EUR und 52,20 EUR bei 60 Minuten Behandlungsdauer

Hier unterscheiden sich die Sätze bei der KG Behandlung „nur“ um 2 Eur, was aber 15% entspricht. Bei der Sprachtherapie (Logopädie) sind es ebenfalls 15%, aber knapp 8 EUR pro Behandlung. Beide Beispiele waren jedoch von einem einzigen Versicherer, aber aus unterschiedlichen Tarifen. Im Tarif 1 handelte es sich um den NK Tarif der Halleschen, im 2. Beispiel um den Primo B. Die Regelungen können Sie in den Tarifbedingungen im Downloadbereich nachlesen.

In den Tarifen können jedoch noch weitere Beschränkungen vorhanden sein.

So gibt es Unternehmen und Tarife, welche die Anzahl der Behandlungen pro Jahr begrenzen. Solche Tarife sollte man, meiner Meinung nach, meiden. Es ist nicht planbar wie lange und wie oft eine solche Behandlung durchgeführt werden muss. Gerade bei schweren Unfällen, Schlaganfällen und dergleichen sind eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich.

Eine andere Form der Einschränkung besteht in einer- vor Abschluss bekannten- prozentualen Regelung. So erstattet unser Beispiel 1 nur 80% der Kosten. Kostet eine Behandlung also hier 28,50 EUR, so erfolg eine Erstattung von 18 EUR (also 80% von dem Höchstsatz 22,50 EUR) und das zweite Beispiel nur 14,62 EUR (hier 75% von dem Höchstsatz von 19,50 EUR).

Bei unserem Beispiel 2 bedeutet dieses schon bei einem Rezept, also 10 Behandlungen, 138,75 EUR eigener Anteil. Dieses sollte bei der Tarifauswahl durchaus berücksichtigt werden. Das bedeutet nicht, dass ein solcher Tarif gut oder schlecht ist, er muss nur auf den Bedarf passen.

Alles das nützt aber nichts, wenn die Behandlungen wie Logopädie oder Ergotherapie nicht in den Versicherungsbedingungen erwähnt sind. Dann ist eine Begrenzung auf was auch immer, nutzlos, denn es gibt 0 Euro Erstattung.

Grundlage/ Idee für diesen Artikel war eine, an mich gerichtete, Frage auf dem Hilfeportal wer-weiss-was.de.

25.
August '10

GKV für chronisch Kranke und kinderreiche, PKV für die Andren


Manchmal fällt mir wenig bis nichts mehr zu solchem Unsinn ein. Diese „Pressemitteilung“ hat nur einen Sinn, Adressen erhaschen und den Kunden mit vermeintlichen Tests in die PKV zu locken. Gut das der Betreiber des „Infoportals“ nicht Makler ist und laut Impressum keinerlei Zulassung hat.

In der Pressemitteilung vom heutigen Tage kann man folgendes nachlesen:

Während sich die gesetzliche Krankenkasse in erster Linie für kinderreiche Familien und Menschen mit chronischer Erkrankung eignet, ist die private Krankenversicherung für junge und/oder Gutverdiener die beste Wahl.

In einigen vergangenen Blogbeiträgen hatte ich bereits über den Unsinn solcher Tests und vermeintlich tollen Beratungen geschrieben. Auch diese Seite gehört wohl in diese Schublade. Dabei wird es leider zum Jahresende eher mehr solchen Unsinns. Auch hier wird wieder ein „Vergleich“ angeboten, der so oberflächlich ist, dass eine vernünftige Aussage unmöglich ist.

Tun Sie sich also am besten einen großen Gefallen und nehmen sich ausreichend Zeit und lassen sich nicht unter zeitlichen Druck setzen. Im Zweifel sind sie eben ein Jahr älter und haben ein höheres Eintrittsalter. Das ist dann eben so. Besser als in einem Tarif zu sein, der unpassend und ungeeignet ist, ist das allemal.

Einen weiteren Artikel zur Suche der geeigneten Privaten Krankenversicherung (PKV) finden Sie im Blog.